Forschen über Migration

Präsenzveranstaltung mit bis zu 25 % Online-Anteil

Im Ruhrgebiet haben wirklich viele Menschen Migrationsgeschichte – je nachdem wie weit man zurückschaut. Andererseits ist dieses Merkmal noch nicht so verbreitet, dass es keinerlei Bedeutung mehr besitzt. Und das heißt: Menschen mit Migrationsgeschichte sind auch noch im Jahr 2022 vielfältigen Benachteiligungen ausgesetzt. Es ist also bestimmt nicht verkehrt, sich zu Beginn des Studiums einen Überblick über die Forschung zu diesem Thema zu verschaffen. Kenntnisse über Forschungsmethoden werden in exemplarischer Auseinandersetzung mit Studien zu diesem Thema erworben. Für den Fall, dass Sie eine modulabschließende Prüfung planen, sollten Sie wissen, dass der inhaltliche Schwerpunkt dieses Seminars keineswegs die Inhalte Ihrer Hausarbeiten festlegt. Hausarbeiten können sich grundsätzlich auf alle Inhalte beziehen, die an der EvH RWL gelehrt werden. 

Diese Veranstaltung richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit (Modul 1.1, LV3). Sie ist als Blockveranstaltung in der Einführungswoche konzipiert und soll Studierende auch darauf vorbereiten, eine Hausarbeit schreiben.

Einige Inhalte habe ich in der 1.1 LV2 des vergangenen Sommersemesters angeboten. Studierende, die diese Teile bereits kennen, müssen die entsprechenden Bestandteile des Seminars nicht noch einmal besuchen. Sollten Sie zeitweilig verhindert sein, so haben Sie die Möglichkeit, wichtige Inhalte dieser Veranstaltung auch über die hier veröffentlichten Podcasts zu erschließen. Diese Seite verbleibt auch nach der Einführungswoche noch auf dieser Homepage. Sie können die Veranstaltungsinhalte also auch noch einmal gegen Ende des Semesters aufrufen.

Erster Tag

Lerneinheit 1: Begriffe in der Migrationsdebatte

Das ist gar nicht einfach, über Migration zu reden, ohne in Schwierigkeiten zu kommen. Ist es ok, den Begriff Ausländer zu verwenden? Migrationshintergrund war früher der Begriff der Wahl. Ist aber vielleicht heute besser, mit dem Begriff Migrationsgeschichte zu arbeiten? Wen meinen die Amerikaner, wenn sie von Kaukasiern reden? Und wie soll man in Deutschland die Menschen ohne Migrationsgeschichte nennen – Bio-Deutsche etwa?

Begriffe in der Migrationsdebatte

Lerneinheit 2: Auswirkungen von Migration auf den Schulerfolg in Deutschland

Kinder aus Familien mit Migrationsgeschichte haben ziemlich häufig Probleme in den deutschen Schulen. Einigermaßen klar ist aber, dass dies nicht für jedes Kind gilt. Und das ist ganz sicher nicht eine Variable, die wirksam wird, sondern das sind viele Variable. Migration wirkt also in einem multikausalen Geschehen auf den Schulerfolg.

Migration und Schulerfolg

Tab 46: Erklärungsmodelle für schlechte Lese-/Schreibkompetenzen von Kindern mit Migrationshintergrund in deutschen Schulen
Erweiterte Schwellen/Interdependenzhypothesie in Anlehnung an Cummings: Bilinguale Kinder müssen in ihrer ersten Sprache ein Mindestniveau erreicht haben, damit sie in ihrer zweiten Sprache angemessene Entwicklungsschritte machen können
Lese-Schreibentwicklung enthält für bilinguale Kinder höhere Entwicklungsanforderungen (z. B. Mand 2008): Phonetisches Problem, Wortschatzproblem, Grammatikproblem)
Mand 2012: Bilinguale Kinder entwickeln in Deutschland vor allem deshalb Lese-/Schreibprobleme, weil sie besonders häufig aus armen Familien stammen. Das entscheidende Problem ist also nicht die Bilingualität. Sondern das entscheidende Problem ist die Armut. 

Tab 48 Mand 2018 / Befunde aus der Dortmunder Wortschatzstudie: Testergebnisse aus Brennpunktkitas und Brennpunktschulen des Ruhrgebiets



AWST RdeutschAWST Rrussisch 
( angegeben sind die t-Werte, die der deutschen Eichstichprobe entsprechen)
 
HSP 1 +Richtige WörterStolperwörter Richtige Sätze
Arithmetisches Mittel (t-Wert)32.0525.03 148.3418,36
D. n. D.
entspricht Prozentrang32.17620
N43294745
Tab 50 Rechtschreibfehler, die bei der phonetischen Schreibung entstehen (Mand 2012)
HundChnt, Chunt, Hnt, Homt, Hon, Hond, Hont, Hot, Hout, Ht, htot, Hunnt, Hunt, Hut, Ont, Unt, Uont 
MäuseMaas, Maosl, Maoz, Mas, Mass, Maise, Mauise, Meas, Mese, Meise, Meuise, Meus, Meusä, Meusä, Meusae, Meuse, Meusee, Meusse, Meusu Moeuse, Moisä, Moise, Moisen Mojse, Mösä, Möse, Mose, Mosen, Mosi, Moze, Mouse, Moyse, Mse, Muise,
Mujse, Mulse,

Lerneinheit 3: Eine Fragestellung entwickeln

In der dritten Lerneinheit erkläre ich, wie man eine Fragestellung entwickelt.

Fragestellungen

Ihre Aufgabe: Sie sind gebeten, eine eigene Fragestellung zu entwickeln, die Sie im Rahmen einer späteren Hausarbeit untersuchen wollen. Ist zunächst noch etwas schwer. Aber irgendwann muss man ja anfangen.

Es gibt verschiedene Wege eine Hausarbeit zu schreiben. Sie können z. B. eine Hausarbeit schreiben, die herausfinden will, welche Angebote eine/r Ihrer Adressat*innen braucht, um erste Schritte zu tun, ein wichtiges Problem anzugehen (diagnostische Hausarbeit). In diesem Fall ist die Fragestellung einfach: Sie schreiben dann einfach in die Einleitung: Diese Hausarbeit soll helfen herauszufinden, was Klient XY braucht, um …

Sie können auch eine klassische Hausarbeit schreiben. Wichtig ist hier, dass Sie auf irgendeine Art und Weise nicht nur zusammentragen, was andere geschrieben haben, sondern auch analysieren und interpretieren. Dies kann man normalerweise tun, indem man in irgendeiner Weise einen Vergleich einbaut (z. B. Vergleich von Methoden, Vergleich von Ländern, Vergleich von Epochen). Sie formulieren dann z. B. : Diese Hausarbeit soll in einem Methodenvergleich feststellen, ob Methode 1 oder Methode 2 für die Personengruppe XY wirksamer ist. Oder: Diese Hausarbeit soll feststellen, ob die schulische Inklusion von Kindern mit Lernbehinderungen in Land 1 oder Land 2 besser gelungen ist.

Wie man eine Fragestellung entwickelt.

Nun verfolgt dieses Seminar ja das Konzept, anhand einer exemplarischen Fragestellung zu lernen, wie man wissenschaftlich arbeitet. Was also ist die exemplarische Fragestellung dieses Seminars? Ich möchte im Rahmen des Seminars Forschen über Migration herausfinden, warum so viele Kinder mit Migrationsgeschichte in den Förderschulen Lernen landen.

Lerneinheit 4: Falsch Recherchieren

Dieser Teil des Seminars erklärt, wie man nicht recherchieren sollte. Googeln ist z. B. eine schlechte Idee. Denn Google informiert nicht darüber, was zu einem Thema veröffentlicht ist. Sondern Google informiert auf Basis Ihrer Kaufgeschichte und auf Basis von Informationen über Ihr Sufverhalten Hypothesen darüber, was Sie vielleicht interessieren könnte und zeigt ihnen nur dies an. Sie werden also systematisch einseitig informiert.

Die Lerneinheit versucht herauszufinden, welche Auswirkungen dies auf die Suchbegriffe hat. Da Google noch nicht weiß, welcher EvH Account auf welche Person verweist, ist es für diese Sitzung hilfreich, Handys, Tablets oder Notebooks aus dem Privatbesitz zum Einsatz zu bringen. Und Sie sollen googeln. Aus anderen Seminaren weiß ich, dass ziemlich interessante Befunde zu Tage kommen, wenn wir zum Thema Autismustherapie falsch recherchieren. Hat zwar nix mit dem exemplarischen Thema dieser Veranstaltung zu tun. Ist aber interessant, was da herauskommt.

Hier kommt ein passender Podcast:

Falsch recherchieren

Lerneinheit 5: Richtig Recherchieren

Damit ist einigermaßen klar, was man nicht tun sollte in der Recherche: Man soll nicht googeln. Man soll auch nicht den Katalog einer Bibliothek mit einer Fachdatenbankrecherche verwechseln. Richtig ist dagegen, Fachdatenbanken für die Recherche zu nutzen. Denn Fachdatenbanken nennen alle zu den Suchbegriffen aufgeführte Studien. Und man kann zumindest die meisten Datenbanken so einstellen, dass keine Algorithmen aktiv werden. Und es gibt die Möglichkeit Suchbegriffe und Trefferzahlen zu speichern. Wichtig: Content Select ist keine Fachdatenbank, sondern nur das Online-Angebot, das einige Verlage den Bibliotheken gemacht haben. Und auch dies ist sicher weder vollständig noch repräsentativ für den Stand der Forschung.

Fachdatenbanken

Fachdatenbanken funktionieren immer auf die gleiche Art und Weise. Sie haben normalerweise mehrere Suchfelder oder Sie können zumindest auf mehrere Suchfelder umstellen. In Pubmed müssten Sie z. B. auf Advanced umstellen und können dann viele Suchbegriffe kombinieren. Normalerweise haben Sie die Option, einen Publikationszeitraum auszuwählen. Wenn es z. B. zu viele Veröffentlichungen gibt, wenn Sie im Zeitraum der letzten 20 Jahre suchen, kann eine Einschränkung auf die letzten drei Jahre wirklich nützlich sein. Einige Fachdatenbanken haben weitergehende Filter. Pubmed bietet z. B. an, ausschließlich Reviews, also Übersichtsarbeiten anzuzeigen. Es gibt eher deutschsprachige Datenbanken (z. B. FIS-Bildung). Und es gibt auch die Option, nur kostenfrei online verfügbare Arbeiten anzuzeigen. Diese Option führt allerdings ziemlich häufig zu Firmen oder Institutionen, die sie von einer besonderen Sicht der Dinge überzeugen wollen, Pharmafirmen, die mit gekauften Studien ihre Produkte vermarkten z. B. oder Ministerien, denen es vor allem darauf ankommt, ihre Politik in einem positiven Licht dastehen zu lassen.

Ihre Aufgabe besteht nun darin, Fachdatenbanken dafür zu nutzen, Literatur zu Ihrem Thema zu beschaffen. Nach Möglichkeit sollten dies frei verfügbare empirische Studien zu Ihrem Thema sein. Und Sie sind dann gebeten, einzuschätzen, was diese Studie taugt. Frei verfügbar sollte diese Studie sein, damit auch die anderen Teilnehmer*innen die Studie ansehen können.

Zweiter Tag

Lerneinheit 6: Suche dokumentieren und nach Genre auswählen

Um zu zeigen, dass Sie die Literatur nicht gegoogelt haben oder etwa nicht wissen, dass es einen Unterschied zwischen Katalogrecherche und Fachdatenbankrecherche gibt, sollten Sie in der Einleitung davon berichten, dass Sie eine Datenbankrecherche durchgeführt haben. Sie sollten das Datum, die Suchbegriffe nennen. Und ganz wichtig: Sie sollten auch die Auswahlkriterien kommunizieren, und zwar so präzise, dass der Leser bei Anwendung der gleichen Suchbegriffe und Anwendung der Auswahlkriterien zu der gleichen Literaturliste kommt wie Sie. Dabei gibt es akzeptable Auswahlkriterien (z. B. : Alle Studien der letzten fünf Jahre) und nicht akzeptable (z. B. stehen in der Bib meiner Wahl). Zusätzliche Publikationen, die Ihnen z. B. von der Bibliothek vorgeschlagen werden oder die sich in Ihrem Privatbesitz befinden, verschlechtern Ihre Hausarbeit.

Dokumentieren und nach Genre auswählen

Tab 5: Wunschzettel
AutorTitelJahrQuelleBibliotheken
ISBN, Herausgeberwerke oder Zeitschriftenname mit ISSN notieren

Tab 2: Vorgehen bei der Literaturrecherche
1. Schritt: Frage entwickeln
2. Schritt: Geeignete Datenbank auswählen (z. B.: FIS-Bildung für Pädagogik/Heilpädagogik, Pubpsych für Psychologie, Pubmed für Medizin, Juris für Recht, Eric für Recherchen im Bereich Pädagogik und Psychologie in den US)
3. Schritt: Mit geeigneten Suchbegriffen suchen
4. Treffer dokumentieren (mit Suchbegriffen &  Trefferzahl speichern)
5. geeignete Veröffentlichungen auswählen (gut geeignet für einen ersten Überblick: Handbuchaufsätze, Dissertationen, Überblicksbeiträge=Reviews in Zeitschriften, Metaanalysen / selten geeignet: Kongressberichte, Festschriften)
6. Recherchieren, in welchen Bibliotheken Zeitschriften  kopiert werden können oder Bücher entliehen/kopiert werden können
7. Bücher / Aufsätze beschaffen
8. Quellen bewerten (Hinweise auf Eignung bei Büchern: Publikation in seriösen/bekannten Verlag, erfolgreiches Durchlaufen eines Promotionsverfahrens, umfangreiche Verwendung von aktueller Literatur, faire und sachliche Auseinandersetzung mit anderen Meinungen, Zitation durch andere Autoren / Hinweise auf Bedeutung von Zeitschriftenaufsätze: Publikation in Zeitschriften mit Gutachtersystem, Zitation durch andere Autoren)
9. Lesen – Zusammenfassen – in Beziehung setzen: Was sind wichtige Themen im Publikationsgebiet? Was ist strittig? Worüber besteht Konsens? Was ist gut erforscht? Wo bestehen Forschungslücken?
10. Ggf. im Internet ergänzend nach Online-Publikationen mit öffentlichem Auftraggeber, Zahlen von öffentlichen Institituonen (z. B. Statistisches Bundesamt/Landesamt, Ministerien o.ä.) oder in seriösen Online-Datenbanken suchen (z. B.: bidok). Informationen von privaten Homepages, Homepages von Vereinen sind nur selten brauchbar. Lexika sind nur dann geeignet, wenn sie sich explizit an ein wissenschaftliches Publikum wenden.

Lerneinheit 7: Publikationen in Bibliotheken lokalisieren

Viele Datenbanktreffer sind nicht frei verfügbar. Das gilt unerfreulicherweise u. a. auch für die aktuellen Publikationen in wichtigen Zeitschriften. Und deshalb führt Sie Ihre Hausarbeit zwingend in die Bibliotheken der Region – es sei denn Sie wollen einige Zig Dollar pro Aufsatz an Fachverlage bezahlen. Dabei gibt es einige hilfreiche Werkzeuge, mit denen man arbeiten kann: Die zdb (Zeitschriftendatenbank) zeigt bundesweit an, welche Bibliothek welche Zeitschrift abonniert hat. Hier sollte man sich die issn notieren. Der HBZ Katalog zeigt in NRW an, welche Bibliothek welches Buch hat.

Bücher und Zeitschriften lokalisieren

Lerneinheit 8: Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten und Stichprobenbewertung

Wissenschaftliche Arbeiten sind sehr häufig auf eine bestimmte Art und Weise aufgebaut. Das ist auch sinnvoll so, denn so weiß jede/r, wo welche Angaben im Text zu finden sind. Auch Hausarbeiten sollten sich an diesen Standardaufbau halten.

Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten und Stichprobenbewertung

Empirische Studien bewerten ist eine durchaus anspruchsvolle Aufgabe. Es gibt klare Regeln. Aber einige Autor*innen rechnen darauf, dass ihre Leser*innen diese Regel nicht kennen und deshalb die in einiger Hinsicht möglicherweise fehlerhaften Studien für wichtiger halten als sie sind. Dabei sind eigentlich nur wenige Kenntnisse erforderlich, um wichtige von unwichtigen Studien zu unterscheiden.

Tab 9: Aufbau wissenschaftlicher Arbeiten
1. Einleitung
Fragestellung
Aufbau der Arbeit

2. Stand der Theoriediskussion / Stand der Forschung: 
ggf. kurze historische Übersicht z. B. anhand von Handbuchbeiträgen (Inhaltsangabe)
Übersicht über aktuelle Veröffentlichungen  (Inhaltsangabe)

3. Methoden (nur in empirischen Arbeiten)
Methodenbeschreibung 
Inhaltsangabe: Das fordern unterschiedliche Autoren in Methodenhandbüchern und Aufsätzen Diskussion: Sind Forderungen angemessen?

4. Ergebnisse (nur in empirischen Arbeiten):
Hypothesen und Ergebnisse

 5. Diskussion:
Fragestellung wieder aufgreifen
Ergebnisse interpretieren (nur in empirischen Arbeiten)
Antwort formulieren
Bedeutung der Antwort / der Ergebnisse diskutieren
Hinweise für die weitere Forschung geben
Tab 29: Stichproben

Größe

Gewinnung

Rücklauf

einfache Zufallsstichprobe

geschichtete Zufallsstichprobe

Totalerhebung

Klumpenstichprobe (Zufallsauswahl von Einheiten)

Stichproben nach Belieben / Ad hoc Stichproben


Auswahl von Literatur

Dokumentation der Recherche

Veröffentlichungen zusammenfassen

Studien analysieren

APA

Dritter Tag

Lerneinheit 9: Zitation im Text und Literaturverzeichnis

ist die Frage, wie man in Hausarbeiten kennzeichnet, dass Sie Gedanken von anderen verwenden oder gar zitieren wollen. Dies variiert von Zitationssystem zu Zitationssystem. Zwar hat die EvH ein eigene Vorschläge entwickelt. Aber im wirklichen Leben kennt wirklich keine/r die Handreichungen zum wissenschaftlichen Arbeiten der EvH. Deshalb wird in diesem Seminar mit den Vorschlägen der APA ein Zitationsstandard vorgestellt, der weltweit sehr verbreitet ist. Und auch die größte deutschsprachige heilpädagogische Zeitschrift – die sinnigerweise Zeitschrift für Heilpädagogik heißt – arbeitet mit dem Zitationsstandard der APA. Für APA spricht zudem, dass wirklich alles geregelt ist. Das kann man von den EvH Handreichungen zum wissenschaftlichen Arbeiten leider nicht wirklich sagen.

Sie merken also, es gibt nicht einen Standard, sondern viele. Und Sie sollten sich schon einmal daran gewöhnen, in dieser Hinsicht das anzuwenden, was diejenigen für richtig halten, die die Arbeit begutachten. Und das kann in einigen Fällen durchaus auch der EvH Zitationsstandard sein.

Natürlich geht es bei den Zitationsstandards auch um die Frage, wie man ein Literaturverzeichnis aufbaut. Unwichtig sind allerdings alle im Beispiel Papier der APA aufgeführten den Satz (also die Formatierung) betreffende Angaben. Und auch die Angaben zu Abbildungen und Tabellen haben hier keine Bedeutung. Denn – anders als bei einer Veröffentlichung eines Aufsatzes in einer Zeitschrift, muss hier niemand Anzeigen unterbringen. Und normalerweise sind ja auch nicht mehrere Autor*innen unter einen Hut zu bringen, die möglicherweise mit unterschiedlichen Absatz- und Seitenformatierungen arbeiten und unterschiedliche Schrifttypen verwenden. Sähe ja wirklich peinlich aus. Einzige Ausnahme ist der Vorschlag auf Fußnoten zu verzichten. Auf andere Autor*innen verweisen Sie ja, wie das Beispielpapier deutlich zeigt im Text. Und Text-Fußnoten verweisen normalerweise auf nicht besonders zentrale Aspekte, lenken (Sie) nur ab und machen den Text nur länger.

Lerneinheit 10: Veröffentlichungen zusammenfassen

Wissenschaftlich arbeiten heißt ziemlich häufig zusammenfassen. Sie müssen natürlich mehr tun als zusammenfassen. Aber ohne Zusammenfassungen funktioniert keine Hausarbeit. Das Genre ist Inhaltsangabe. Es geht also darum, die wichtigsten Gedanken und Informationen in einem kurzen Text zusammenzutragen.

Wissenschaftliche Publikationen zusammenfassen

Nun gibt es unterschiedliche Genres in der wissenschaftlichen Arbeit. Und manchmal sind besondere Informationen zu berücksichtigen. Ein solcher Fall liegt z. B. bei empirischen Studien vor.

Empirische Studien zusammenfassen

Empirische Studien zusammenfassen 
Fragen zur Methode
1. Handelt es sich um eine qualitative oder um eine quantitative Studie?
2. Wurden die Personen einmal (Querschnittstudie) oder mehrfach untersucht (Längsschnittstudie)?
3. Welches Erhebungsinstrument?
4. Welcher Zugang zum Feld?
5. Wie groß ist die Stichprobe?
6. Wie wurde die Stichprobe gewonnen?
7. Gibt es Angaben zum Rücklauf?
Inhalte
8. Was wollte die Untersuchung herausfinden?
9. Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
Kritik
10. Kann man aus der Studie das ableiten, was die Autor*innen ableiten?
11. Handelt es sich um wirklich deutliche Ergebnisse?
12. Was bedeuten die Befunde der Studie für die eigene Frage?

Lerneinheit 11: Einleitung und Diskussion

Wenn alle Studien gelesen sind und der Hauptteil steht, dann können Sie die Einleitung und den Diskussionsteil schreiben.

Einleitung und Diskussion

Einleitung
Warum Thema wichtig ist
Frage
Angaben zur Datenbankrecherche
manchmal: kurzer Verweis auf Stand der Forschung, Stand der TheoriediskussionAufbau der Arbeit

nicht: Wie ich auf die Idee gekommen bin, diese Arbeit zu schreiben
Diskussion
Frage noch einmal aufgreifen
Antwort formulieren
Darauf hinweisen, ob und in welchem Ausmaß Unsicherheiten in der Antwort bestehen
Diskutieren, was Antwort für die Forschung / für die Theoriediskussion / für die Praxis bedeutet
Fazit halte ich für entbehrlich
nicht: Es hat mir total was gebracht, diese Arbeit zu schreiben

Lerneinheit 12: Antwort auf die exemplarische Frage dieser Arbeit

Dieses Seminar sollte ja (exemplarisch) eine Antwort auf die Frage entwickeln, warum so viele Kinder mit Migrationsgeschichte in den Förderschulen Lernen landen. Diese Frage hat an einigen Stellen ja eine Rolle gespielt. Und ohne Antwort möchte ich das Seminar nicht beenden. Vollständig nachvollziehen lassen, kann ich den Weg zu dieser Antwort nicht. Aber ich kann ihnen eine in meiner Literaturrecherche ermittelte Studie vorstellen, die für meine Antwort sehr wichtig war. Warum also finden sich so viele Kinder mit Migrationsgeschichte in den Förderschulen Lernen? Meine Antwort ist vielleicht etwas überraschend. Aber mit sprachlichen Gründen hat dieses Bild meiner Analyse nach vermutlich nur wenig zu tun. Denn es gibt nachweislich einige Migrantengruppen, deren Kinder nur eher selten in Förderschulen zu finden sind, Kinder mit vietnamesischer Migrationsgeschichte oder Kinder mit japanischer Migrationsgeschichte z. B. . Die Ursachen liegen eher auf sozialer Ebene: Kinder mit Migrationsgeschichte kommen in Deutschland ziemlich häufig aus armen Familien. Und die Förderschule Lernen ist eine Schule für Kinder aus armen Familien.

Warum Kinder mit Migrationsgeschichte häufig in der Förderschule Lernen unterrichtet werden

Tab 49: Nauck et al 1998 Regressionsanalyse zur Abiturwahrscheinlichkeit bei jungen Erwachsenen nicht deutscher Nationalität
Beispiel: türkische Nationalität kulturelles Klima im ElternhausAlter der MutterDeutsch-kenntnisse der ElternAnzahl der Kinder im HaushaltEinreisealter des Kindes
wirken in einem komplexen multikausalen Modell auf die Abi-Wahrscheinlichkeit der Kinder
Tab 52: Förderschulquoten nach Nationalitäten in NRW
Schuljahr 2016/17 (eigene Berechnungen auf
Basis der Zahlen aus MSW Statistische Übersicht Nr. 395)
serbisch8,4 %
polnisch4,8 %
türkisch4,2 %
italienisch3,7 %
deutsch3,1 %
Tab 51: Förderschulquoten nach Nationalitäten
in NRW Schuljahr 2016/17 (eigene Berechnungen
auf Basis der Zahlen aus MSW Statistische Übersicht Nr. 395)
serbisch8,4 %
polnisch4,8 %
türkisch4,2 %
italienisch3,7 %
deutsch3,1 %

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