Ist nicht kompliziert: Google & co meiden, Fachdatenbanken nutzen, Standort der Bücher & Zeitschriften lokalisieren, ausleihen & lesen. Man sollte wissen, wie man herausfindet, ob es sich um wichtige Zeitschriften bzw. Verlage handelt. Man braucht einige Methodenkenntnisse, um die Aussagekraft wissenschaftlicher Studien bewerten zu können. Hilfreich sind vielleicht auch Kenntnisse darüber, was in Veröffentlichungen wo steht, damit man nicht alles von vorn bis hinten lesen muss. Aber das war´s dann auch. Die Veranstaltung führt ein in die Datenbankrecherche.
Diese Veranstaltung richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit im Modul 1.1 des ersten Semesters.
Erste Sitzung
In den ersten beiden Sitzungen stelle ich mich und die Veranstaltungsplanung vor. Sie erfahren von mir, welche Standards gelten, wenn Sie sich für eine modulabschließende Prüfung bei mir entscheiden wollen. Und dann geht es gleich zur Sache: Ich erkläre, wie man eine Fragestellung entwickelt. Und dann unternehmen Sie erste Schritte in diese Richtung, wenn Sie wollen könnten Sie sogar versuchen eine Fragestellung zu entwickeln, die Sie im Rahmen einer späteren Hausarbeit untersuchen wollen.
Es gibt verschiedene Wege eine Hausarbeit zu schreiben. Sie können z. B. eine Hausarbeit schreiben, die herausfinden will, welche Angebote eine/r Ihrer Adressat*innen braucht, um erste Schritte zu tun, ein wichtiges Problem anzugehen (diagnostische Hausarbeit). Sie können auch eine klassische Hausarbeit schreiben. Wichtig ist hier erstens, dass Sie auf irgendeine Art und Weise nicht nur zusammentragen, was andere geschrieben haben, sondern auch analysieren und interpretieren. Dies kann man normalerweise tun, indem man in irgendeiner Weise einen Vergleich einbaut (z. B. Vergleich von Methoden, Vergleich von Ländern, Vergleich von Epochen).
Zweite Sitzung
Die zweite Sitzung befasst sich damit, welche Probleme entstehen, wenn man versucht Hausarbeiten mit KI zu schreiben, wenn man googelt oder wenn man eine Katalogrecherche mit einer Fachdatenbankrecherche verwechselt. Damit dies anschaulich wird, werden die Teilnehmer*innen gebeten, auf eigenen Geräten eine schlechte Recherche durchzuführen. Sie sollen z. B. die KI verwenden, die sie immer verwenden. Man kann sich KI als Maschine vorstellen, die ohne Sinnentnahme auf Basis statistischer Zusammenhänge frei zugängliche Internetquellen Texte zusammenstellt – und zwar ohne Trainings-Quellen anzugeben. Der Einsatz von KI führt also zu massiven Problemen. Denn der Bullshitanteil von frei verfügbaren Texten im Internet ist beträchtlich. Zweiter Schwerpunkt: Sie sollen sich die Befunde zusammengoogeln. Wie Sie vermutlich alle wissen, zeigt Google ja nicht an, was zu Ihrem Thema veröffentlicht ist. Sondern Google entwirft auf Basis Ihrer Suchgeschichte und Ihrer Käufe im Internet Hypothesen darüber, was Sie interessieren könnte und zeigt Ihnen dann nur noch passende Treffer an. Diese Personalisierung führt zu vielfältigen Problemen, u.a. auch dazu, dass Sie ggf. nicht erkennen, dass Fragen kontrovers diskutiert werden oder dass Sie sich nur einseitig informieren.
Hier ein Podcast aus einer Veranstaltung der letzten Semester zum Thema „Falsch Recherchieren“:
Dritte Sitzung: Fachdatenbanken
Ein guter Weg, einen nicht personalisierten, Bibliothek- und Verlagsübergreifenden Überblick über die Theorieproduktion und Forschung zu erhalten, ist die Fachdatenbankrecherche. Fachdatenbanken sind Organisationen, die einen erheblichen Anteil der wissenschaftlichen Veröffentlichungen auswerten. Dabei nutzen sie häufig die Abstracts (kurze Zusammenfassungen), die Autor*innen schreiben, um auf ihren Beitrag hinzuweisen. Manche Datenbanken bieten viele Volltexte an, manche nur wenig (z.B. viele deutschsprachige Datenbanken). In letzteren muss man manchmal nachdenken, warum einige Veröffentlichungen frei verfügbar sind. Ein Grund hierfür kann sein, dass die Auftraggeber (z. B. Ministerien, Vereine usw.) eine bestimmte Perspektive auf das Thema stärken möchten. Ein Verzicht auf nicht frei verfügbare Beiträge ist nur ausnahmsweise ok (z. B. wenn ein sehr hoher Anteil der Beiträge frei verfügbar ist). Denn die wichtigsten Fachzeitschriften können sich es erlauben, (aktuelle) Beiträge gegen Bezahlung anzubieten. In diesem Fall muss man den Bibliotheken der Region suchen, die die gesuchten Beiträge ohne Bezahlung für Leser*innen zur Verfügung stellen.
Grundsätzlich ist die Bedeutung einer Fachdatenbank davon abhängig, wie leicht es für Autor*innen ist, ihre Beiträge dort unterzubringen. Je schwerer der Zugang, desto besser sind normalerweise die Datenbanken.
In der sozialen Arbeit und in behindertenpädagogischen Disziplinen sind normalerweise drei Datenbanken besonders wichtig: Pubmed.ncbi, Pubpsych de und FIS-Bildung de. In FIS Bildung können Autor*innen ihre Beiträge selbst hochladen. Dies bedeutet: Hier sind vergleichsweise viele Fakestudien und eher minderwertige Veröffentlichungen zu finden. Es gibt auch parteiische Fachdatenbanken. In der Volltextdatenbank bidok finden Sie z. B. vor allem Beiträge von Inklusionsbefürworter*innen. Das kann interessant sein, aber Sie sollten auch danach schauen, welche Befunde in Studien von Inklusionsskeptiker*innen zu finden sind.
Fachdatenbanken
Vierte Sitzung
In der vierten Sitzung steht die Bewertung der Treffer aus der Datenbankrecherche auf dem Programm. Denn man muss sich gut überlegen, welche Treffer man beschaffen will, und welche eher nicht. Dabei gibt es zulässige und nicht zulässige Strategien. Und es bestehen nicht ganz unerhebliche Gefahren, auf Veröffentlichungen aus Predatory Journals hereinzufallen oder Kongressberichte in die Literaturliste aufzunehmen, die aus Kongressen stammen, die problematische Veranstalter haben. Bei Zeitschriften und Büchern ist es sinnvoll, auch die Verlage zu prüfen. Haben die Verlage ein einschlägiges Programm? Handelt es sich um Verlage, die gegen Geld alles drucken? Natürlich muss man dabei damit rechnen, dass derlei Verlage ihre Homepage so gestalten, als sei alles normal. Die Behauptung, man praktiziere ein Peer-Review-Verfahren, lässt sich ziemlich einfach publizieren. Überprüfen kann man das aber nicht so ohne weiteres.
Hier nun ein passender Podcast aus den letzten Semestern:
Fünfte Sitzung
Erster Schwerpunkt der fünften Sitzung ist die Lokalisierung empirischer Studien. Wie findet man also Publikationen, die nicht frei verfügbar sind, in Bibliotheken der Region?
Für die Lokalisierung von Literatur sind in NRW zwei Kataloge wichtig:
Die Zeitschriftendatenbank (ZDB) hilft dabei herauszufinden, welche Bibliothek der Region die gesuchte Zeitschrift hält.
Der HBZ Verbundkatalog sagt, wo das gesuchte Buch auszuleihen ist.
Selbstverständlich ist es dabei sinnvoll, zunächst zu prüfen, ob die gesuchte Literatur vielleicht auch in der Bibliothek der EvH steht.
Literatur lokalisieren.
Im zweiten Teil der fünften Sitzung zeige ich Ihnen , wie man empirische Studien bewerten kann, auch dann, wenn man kaum belastbare Statistikkenntnisse hat.
Das erste, was Wissenschaftler*innen normalerweise tun, ist, dass sie sich anschauen, wieviele Menschen untersucht wurden (Stichprobenumfang), wie diese Menschen ausgewählt wurden (Stichprobengewinnung), wieviel Prozent der um eine Mitwirkung an der Studie gebetenen Menschen auch tatsächlich teilgenommen haben (Rücklauf) und ob diese Menschen nur einmal (Querschnittstudie) oder mehrfach untersucht wurden (Längsschnittstudie). Das ist nicht sehr kompliziert und erfordert eigentlich auch nicht viel Zeit. Denn alle seriösen Studien informieren ihre Leser*innen genau über diese Fragen in einem Kapitel, das normalerweise mit „Methode“ überschrieben ist.
Wenn Sie diese Fragen genau untersuchen, sind sie normalerweise gut in der Lage, die Bedeutung einer Studie gut abzuschätzen. Das Problem ist allerdings: Fast alle Studien machen in diesen Punkten Fehlern. Und hieraus resultiert normalerweise: Die Befunde der jeweiligen Studien sind nicht oder nur eingeschränkt verallgemeinerungsfähig.
Empirische Studien bewerten
Empirische Studien bewerten erfordert einige Übung. Zunächst werden Sie etwas Zeit brauchen. Aber bald schon dürften Sie in der Lage sein, wesentliche Punkte der Analyse in wenigen Minuten zu erledigen.
6. Sitzung (Onlinesitzung 1.6.)
Die Online-Sitzung befasst sich weiter mit dem Thema der Bewertung empirischer Studien. Man muss das einfach immer wieder tun, um Sicherheit in diesem Punkt zu entwickeln.
Ich möchte Ihnen eine erste Studie zum exemplarischen Thema dieses Seminars vorstellen: Die Ginoldstudie befasst sich zwar nicht mit der Frage, ob Förderschulen oder Inklusive Schulen der bessere Ort für Kinder und Jugendlichen mit Lernbehinderungen sind. Sie untersucht aber einen Punkt, der wirklich wichtig für diese Schüler*innen ist. Sie untersucht, ob es Absolvent*innen inklusiver Schulen oder Absolvent*innen von Förderschulen besser gelingt, eine Ausbildung nach der Schule anzugehen.
Die Ginnoldstudie
Sie finden die Studie, indem Sie in Ihrem Browser den Namen der Verfasserin und den Begriff „Übergänge“ eingeben.
Antje Ginnold (2010). Übergänge von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen aus Sonder- und Integrationsschulen in Ausbildung und Erwerbsleben. Zeitschrift für Inklusion
Ihre Aufgaben
- Bitte bewerten Sie die Stichprobe der beiden von Ginnold vorgestellten Studien
- Die Studie enthält mindestens ein gravierendes Problem, das die Aussagekraft der Studie nachhaltig stört. Welche Probleme erkennen Sie und welche Auswirkungen haben diese Ihrer Meinung nach?
Sie können mir Ihre Einschätzungen per Mail zukommen lassen, wenn Sie das wollen. Wenn Sie das am 1.6. zwischen 14.00 und 15.30 tun (bitte verwenden Sie Ihren EvH Account) , erhalten Sie umgehend eine Antwort. Es besteht sogar die Option, Ihre Einschätzung hier zu veröffentlichen. Ich denke aber, es ist sinnvoll, dies unter einem Pseudonym zu tun.