Diagnostizieren, etikettieren, stigmatisieren

Das ist gar nicht so selten, dass Sozialarbeiter/*innen damit konfrontiert sind, dass die Menschen, mit denen sie arbeiten sollen, in Kliniken, Praxen oder Schulen Labels verpasst bekommen. Und diese Labels können ziemlich unerfreuliche Auswirkungen haben. Denn es macht etwas aus, ob man eine Verhaltensstörung attestiert bekommt oder ein Asperger Syndrom. Wer als lernbehindert eingestuft wird, für den bleibt nur ein Leben am Rande der Gesellschaft – Legastheniker können alles werden. Und auch die anderen Kategorien von  Boderline bis zu Wahrnehmungsstörungen haben z. T. gravierende Auswirkungen. Das Seminar erklärt deshalb, wie solche Diagnosen fallen. Es stellt einige Testverfahren vor und erklärt, worauf man achten muss, wenn man für die Rechte seiner Adressat*innen eintreten will.

Dieses Seminar richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit (Modul 4.4).

Im Grundsatz geht es darum zu verstehen, wie Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen ticken. Denn evidenzbasiertes Denken unterscheidet sich doch sehr von dem, was Sozialarbeiter*innen normalerweise wichtig ist und was Studierende der Sozialen Arbeit normalerweise in ihrem Studium lernen. Ein wichtige Basis evidenzbasierter Medizin und evidenzbaierter Psychotherapie ist die Annahme, dass man eine Störung, ein Problem genau und objektiv diagnostizieren muss, um auf dieser Basis in Auseinandersetzung mit quantitativen Forschungsbefunden zu entscheiden, welche Behandlungsmethoden in Frage kommen. Dabei kommen in aller Regel Testverfahren zum Einsatz. Und diese Testverfahren entscheiden manchmal sehr weitgehend darüber, welches Leben die Klient*innen leben können, und welche Lebensläufe schwierig werden oder gar ausgeschlossen sind.

Wie in jedem Metier gibt es allerdings auch in der diagnostischen Arbeit gute Verfahren und schlechte Verfahren. Die Lehrveranstaltung erklärt in einem ersten Teil deshalb, wie man gute von schlechten Verfahren unterscheidet. Der zweite Teil befasst sich mit Störungsbildern, denen Sozialarbeiter*innen häufig begegnen. Dabei geht es nicht allein nur darum, zu verstehen, was die diagnostischen Merkmale der Störungsbilder sind, wie häufig sie sind und welche Behandlungsmethoden eingesetzt werden. Sondern es geht auch darum, welche Fehler in der diagnostischen Arbeit auftreten können und welche Folgen Diagnosen haben können.

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung stelle ich mich vor. Ich informiere Sie, welche Standards gelten, wenn Sie sich für eine modulabschließende Prüfung bei mir entscheiden wollen. Und dann geht es gleich zur Sache. Ich bitte die Anwesenden, mir Vorschläge zu machen, wie man Legasthenie diagnostizieren soll.

Die Ergebnisse der Google Recherche haben wir in der Veranstaltung diskutiert. Ich habe darauf hingewiesen, welche Bedeutung die Diskrepanzdiagnose hat (Kinder und Jugendliche mit Legasthenie können deutlich schlechter lesen und schreiben als man von ihrem IQ erwarten müsste). Und ich habe darauf hingewiesen, welche Bedeutung es haben kann, wenn ältere Testverfahren eingesetzt werden: Alte IQ Tests lassen die Kinder und Jugendlichen intelligenter aussehen als sie sind. Und alte Lese-/Rechtschreibtest führen zu schlechteren Ergebnissen. Das ist eigentlich genau das, was Einrichtungen brauchen, die ihr Geld mit Legasthenietherapie verdienen. Förderschulen nehmen dagegen gern alte Lese-/Rechtschreibtest und neue, manchmal auch unfaire IQ-Tests. Denn für die Diagnose von Lernbehinderung benötigt man genau dies: Kinder die einen deutlich unterdurchschnittlichen IQ haben und schwerwiegende, umfangreiche und lang andauernde Schulleitstungsprobleme aufweisen.


Tab 13: Diagnose LRS: DSM IV / ICD-10 nach Deimel 2002 
1. Schulleistung ist kleiner als aufgrund von IQ, Alter und Beschulung zu erwarten ist
2. Es liegt eine klinisch relevante Beeinträchtigung bzw. ein Leidensdruck vor
3. Ausschluss: unangemessene Beschulung, periphere Seh- & Hörstörung,
DSM IVICD 10
neurologische und emotionale Erkrankungen nicht als Ausschlusskriterien genanntneuologische und emotionale Erkrankungen, die ursächlich für Schulleistungsproblematik sind, als Ausschlusskriterien genannt
Diskrepanz von 2, im begründeten Einzelfall 1 StandardabweichungDiskrepanz mit Regressionsansatz berechnet
Tab 14: Praktisches Vorgehen bei der Diagnose von LRS nach Deimel 2002, 125 / IQ-Tabelle nach Schulte-Körne u.a. 2001
Die Leistungsmessung erfolgt mit standardisierten Verfahren ab Ende Klasse 2
Es sind Schulformübergreifende Normen zu verwenden.
Beeinträchtigung und Leidensdruck sollen durch psychologische Untersuchung (Exploration, Testverfahren Emotionaldiagnostik) erhoben werden, das Ausmaß der Beinträchtigung durch Befragung Kind, Eltern, Lehrer).
Ausschlusskriterien durch medizinische Untersuchung
Diskrepanz: Rechtschreib-Prozentrang < 16, regressionsbasierte IQ-Diskrepanz von 1,5 Standardabweichungen
IQRechtschreib-Prozentrang kleiner alsIQRechtschreib-Prozentrang kleiner als
70-741108-10910
75-822100-11111
83-87311212
88-924113-11513
93-96511614
97-99611715
100-1027> 11816
105-1079  

Zweite Sitzung

Die zweite Sitzung befasst sich mit den Begriffen Stigmatisierung und Etikettierung.

Hier ein passender Podcast aus dem vorangehenden Semester:

Etikettierung und Stigmatisierung

Tabelle 61 Positionen von George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft (zuerst englisch 1934)
Mead untersucht u.a. Interaktion und Verstehen unter Menschen.
Bekannt geworden ist Geist, Identität und Gesellschaft vor allem durch seine Thesen zur Identität und zum Fremdverstehen. 
Grundgedanke ist die Überlegung, dass Identität entsteht, indem man sich aus der Perspektive anderer wahrnimmt.
Diesen Mechanismus nennt Mead „role-taking“, ein Konzept, das später von Piaget und Nachfolgern wieder aufgegriffen wird und in heutigen Zusamenhängen unter dem Begriff theory of mind diskutiert wird.
Role-Tanking funktioniert bei Mead nicht nur in Bezug auf konkrete andere. Sondern Menschen können sich selbst auch aus der Perspektive von sozialen Gruppen wahrnehmen oder noch allgemeiner aus der Perspektive des „Verallgemeinerten anderen“.
Identität umfasst dabei einerseits die tatsächlich gesprochenen Worte und Emotionen (Mead bezeichnet diesen Teil der Identität als „I“) und andererseits die organsierte Gruppe anderer (Mead prägt hierfür den Begriff „me“).
Tab 4: Identität & Stigma nach Goffman (1962)
virtuale soziale Identität als das, was andere von uns erwarten aktuale soziale Identität als das, was wir wirklich sind 
Stigmatisierung als Diskrepanz zwischen aktualer & virtualer sozialer Identität (bei diskreditierenden Erwartungen anderer) 
3 Arten von Stigmata: Abscheulichkeiten des Körpers, individuelle Charakterfehler, phylogenetische Stigmata (Rasse, Nation, Religion) 
Tab 5: Auswirkungen des Stigmas auf die Interaktion nach Goffman (1962)
Stimatisierte
unsicher, weil sie spüren, dass das Stigma wahrgenommen wird 
Gefühl nicht zu wissen, was andere denken defensives Sichverkriechen oder feindselige Kontakte 
Normale
Antizipation der Probleme 
so tun, als gebe es das Stigma nicht 
so tun, als sei der Stigmatisierte ein Niemand 
Tab 59: Howard S. Becker (1963)
Abweichendes Verhalten setzt Regeln voraus, deren Verletzung abweichendes Verhalten konstituiert.
Diese Regeln werden durchgesetzt, wenn die Durchsetzer darin einen Vorteil sehen.
Die Durchsetzung/ das Aufzwingen von diesen Regeln basiert auf Macht und Stellung.
Etikettierung umfasst als Prozesseinen Verstoß gegen eine Regel
die (öffentliche) Definition dieses Regelverstoßes als abweichendes Verhaltendie Chancenreduzierung des Etikettierten
die Übernahme der Fremddefinition
als Folge: eine deviante Karriere

Dritte Sitzung

Mit der dritten Sitzung beginnt der Diagnostik-Teil dieser Veranstaltung. Dieser Teil befasst sich mit der Frage, woran man gute und schlechte Testverfahren erkennt. In der diagnostischen Diskussion gibt es einen Fachbegriff für diese Frage nach der Qualität von Testverfahren. Psychologen und Ärzte sprechen von Gütekriterien, wenn sie sich darüber unterhalten, ob sie einen Test für geeignet halten.

Ein erster, wichtiger Schritt ist es, sich die Stichprobe der Untersuchungen anzuschauen, in der die jeweiligen Testverfahren ausprobiert wurde. Diese Studien nennt man: Normierungsstudien oder auch Eichstudien.

Hier zunächst ein passender Podcast aus dem letzten Semester:

Stichprobenbewertung und Bewertung von Normierungsstudien

Vierte Sitzung

In der vierten Sitzung geht es um die Gütekriterien. Ziel des Seminars ist es ja u.a. Sie in die Lage zu versetzen, zwischen guten und schlechten Testverfahren unterscheiden zu können. Und genau diese Frage helfen die sogenannten Gütekriterien zu entscheiden. Hauptgütekriterien sind: Objektivität, Reliabilität und Validität. Objektiv sind Testverfahren dann, wenn die Ergebnisse unabhängig von der Art der Durchführung, Auswertung und Interpretation sind. Eigentlich handelt es sich um das wichtigste Gütekriterium. Faktisch befassen sich die meisten Testverfahren aber nur am Rande mit diesem Thema. Bei der Reliabilität geht es um die Zuverlässigkeit, z. T. auch um die Genauigkeit von Tests. Hier ist es allerdings wichtig, dass man weiß, was Korrelationskoeffizienten sind. Deshalb erkläre ich auch , wie man Korrelation berechnet. Das Gütekriterium Validität befasst sich mit der Frage, ob die Testverfahren auch das messen, was sie messen sollen. Besonders interessant ist hier die Prognostische Validität, also die Frage, ob langfristige Prognosen möglich sind.

Guetekriterien

Korrelationen sind tückische Kennwerte. Sie messen Zusammenhänge. Aber die Ergebnisse verweisen lediglich auf statistische Zusammenhänge. Und es gibt eine Vielzahl von Hinweisen darauf, dass statistische Zusammenhänge nur eher selten auf kausale Zusammenhänge verweisen. Wenn Sie z. B. lesen, dass intelligente Menschen länger leben, dann kann man nur darüber spekulieren, ob die Intelligenz die zentrale Ursache von Langlebigkeit ist (das wäre eine kausale Beziehung), oder ob vielleicht andere Variablen eine Rolle spielen. Weil ich weiß, dass intelligente Menschen durchaus in der Lage sind, dumme Dinge zu tun (in diesem Zusammenhang z. B.: zu rauchen, zu trinken, zu viel zu essen und sich zu wenig zu bewegen), vermute ich, dass es keine direkte kausale Beziehung zwischen IQ und Langlebigkeit gibt. Wirksamer ist vermutlich eher die Mittelschichtslastigkeit von IQ-Tests. Wer aus der sozialen Mittelschicht kommt, erzielt etwas häufiger gute IQ-Werte, u.a. übrigens deshalb, weil die IQ-Tests so gestaltet sind, dass Mittelschichtsmenschen besser abschneiden. Wichtig ist hier: In der Mittelschicht sind die Lebensbedingungen gesünder. Die Arbeit ist nicht so gesundheitsschädlich. Man wohnt in weniger belasteten Gebieten. Und die ärztliche Versorgung ist deutlich besser. Es sieht also möglicherweise nur so aus, als würde Intelligenz für Langlebigkeit sorgen. Tatsächlich wirksam sind andere Faktoren.

Bitte beachten Sie, die im Podcast genannten Tabellen finden Sie in der Diagnostik-Materialsammlung (unter: Materialien für die Lehre).

Korrelationskoeffizienten

Fünfte Sitzung (31.10.)

Bitte beachten Sie, dass die fünfte Sitzung – wie bereits mehrfach angekündigt – ausschließlich als Online-Angebot durchgeführt wird. Bitte hören Sie sich den Podcast an und bearbeiten Sie die Aufgabe. Ihre Lösungen können Sie mir per Mail oder über die Kommentarfunktion dieser Homepage zukommen lassen. Bitte verwenden Sie dabei unbedingt einen Nickname. Diese Homepage ist regelmäßig Ziel von Angriffen. Und es ist durchaus möglich, dass Sie getrollt werden, wenn Sie hier mit Ihrem Klarnamen agieren.

Inhaltlich befasst sich die fünfte Sitzung mit der Frage, ob Testverfahren so konstruiert sind, dass alle Bevölkerungsgruppen die gleichen Chancen haben, ein gutes Ergebnis zu erreichen. Der Fachbegriff hierfür ist: Fairness.

Wie man aus auffälligen Kindern Förderschüler*innen macht

Tab 21: Variablen, die einen Einfluss auf den IQ haben – Befunde der kulturvergleichenden IQ-Forschung nach Mand 2012
Geschlecht
Alter
Einkommen
Wirtschaftliches Umfeld
Bildungsstand
Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit
Geschwister
Kriminalität
soziale Herkunft
Gesundheitsvariablen: z. B. ADHS und PTBS
Politische Orientierung
Regionale bzw. ethnische Herkunft
Tab 22: Der Einfluss von Testverfahren in kulturvergleichenden IQ Studien (Wicherts 2010) in Untersuchungen zum mittleren IQ in Subsaharastaaten Afrikas
K-ABC: 
WISC-R: 
Draw-A-Man 
WAIS-R/WAIS III
CFT 
IQ 73
IQ 75
IQ77,7
IQ 79
IQ86,7

Tab 23: Empfehlungen des Bayrischen Landesjugendamts zur gutachterlichen Stellungnahme bei der Feststellung seelischer Behinderungen. www.blja.bayern.de/Textoffice/Gesetze/Textsammlung_SGB_VIII/TextOfficeSGBVIII_§_035a.htm Zugriff am 28.2.2007
1.1 Untersuchungen und Angaben zum „Klinisch-psychiatrischen Syndrom“ (Achse 1): Das Gutachten soll eine Angabe darüber enthalten, ob eine psychische Störung im Sinne eines „klinisch-psychiatrischen Syndroms“ vorliegt. Soweit es diagnostisch möglich ist, soll eine Aussage darüber erfolgen, in welcher Weise ggf. die psychische Störung im Zusammenhang mit einer Teilleistungsschwäche des Kindes oder Jugendlichen steht. …
1.2 Zu den „umschriebenen Entwicklungsstörungen der schulischen Fertigkeiten“ (Achse 2,siehe Seite 3) … gehören u. a. die „Lese- und Rechtschreibstörung“ (Legasthenie) und die Rechenstörung (Dyskalkulie). … Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten sind als seelische Behinderung oder drohende seelische Behinderung zu werten, wenn zur Funktionsstörung ein soziales Integrationsrisiko hinzukommt, so daß die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen und seine Eingliederung in die Gesellschaft aller Voraussicht nach beeinträchtigt wird. … Im Gutachten sind die Verfahren und die Ergebnisse zu benennen, nach denen die Diagnose der Entwicklungsstörung des Lesens und Rechtschreibens bzw. der Rechenstörung oder anderer Teilleistungsschwächen festgestellt wurden. … Das Gutachten muß Angaben über das schulische/berufliche Versagen im Lesen und Rechtschreiben enthalten. Grundlage dafür sind z.B. schulische Stellungnahmen und Schulzeugnisse, mangelhafte und ungenügende Diktatnoten. … Der Prozentrang im Rechtschreib- bzw. Lesetest sollte < 10 % entsprechen. Aufgrund der Fehlerstreuung der Testverfahren ist dieser Prozentrang nicht als strikte obere Grenze, sondern als Richtwert zu verstehen, der im Rahmen der übrigen diagnostischen Befunde zu bewerten ist. …
1.3 Angaben zum Intelligenzniveau (Achse 3):Unverzichtbar sind Angaben zur allgemeinen Intelligenzentwicklung. Dazu muß im Gutachten das angewandte Verfahren benannt werden. Als geeignete Verfahren bieten sich an: HAWIK-R, Kaufmann-Test, Adaptives-Intelligenzdiagnostikum (AID), CFT1 und CFT20. Liegen die Testwerte bei CFT1 bzw. CFT20 im unteren Durchschnittsbereich (IQ 85 bis 95), so empfiehlt es sich eine Überprüfung mit den Verfahren HAWIKR oder Kaufmann-Test bzw. AID, um eine allgemeine Intelligenzminderung auszuschließen. Nach den Kriterien von ICD-10 ist für die Feststellung der Entwicklungsstörung ein Intelligenzquotient > 70 vorauszusetzen.Das Gutachten muß eine Beurteilung darüber enthalten, inwieweit eine Diskrepanz zwischen der allgemeinen intellektuellen Begabung und dem Versagen im Lesen und Rechtschreiben bzw. im Rechnen besteht. ….
1.4 Angaben zur Körperlichen Symptomatik“ (Achse 4 Das Gutachten muß eine Aussage darüber enthalten, daß eine neurologische Erkrankung (z.B. Epilepsie, Cerebralparese), Sinnesbehinderungen (vor allem im Bereich des Sehens und Hörens) sowie andere körperliche Beeinträchtigungen als Ursache für das Versagen im Lesen, Rechtschreiben bzw. Rechnen ausgeschlossen sind. …
1.5 Angaben zu „Aktuellen abnormen psychosozialen Umständen“ (Achse 5):Die gutachterliche Untersuchung soll die Kenntnis der psychosozialen Lebensumstände des betroffenen Kindes und Jugendlichen einschließen. … Ergänzend zu den Klassifikationskategorien, wie sie im Multiaxialen Klassifikationsschema der Achse 5 angeführt sind, muß überprüft sein, inwieweit eine schulische Förderung des Kindes erfolgt ist (spezielle Stützkurse seitens der Schule, Hausaufgabenhilfe, wesentliche Fehlzeiten usw.). Hilfreich ist eine Aussage darüber, aus welchen Gründen die familiären und innerschulischen Bemühungen nicht ausgereicht haben. Es ist zu verdeutlichen, daß eine außerschulische und außerfamiliäre Behandlung (z.B. „Legasthenietherapie“, „Rechentherapie“) erforderlich und geeignet ist, um die genannten Störungen und damit die (drohende) seelische Behinderung wirksam zu mildern und die soziale und schulische bzw. berufliche Eingliederung zu stützen.1.6 Angaben zur „Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung“ (Achse 6):Das Gutachten muß dazu Stellung nehmen, inwieweit die psychosoziale Anpassung des Kindes bzw. Jugendlichen zum Begutachtungszeitpunkt beeinträchtigt ist.

Sechste Sitzung

Die sechste Sitzung hatte die Präsentationen zum Schwerpunkt. Das Seminar will ja u.a. erklären, wie Psycholog*innen und Mediziner*innen die Störungsbilder einschätzen. Deshalb sollten die Präsentationen einen Schwerpunkt auf evidenzbasierte Erklärungsmodelle legen. Wichtig ist, dass Fragen beantwortet werden wie:

  1. Um was für eine Störung handelt es sich?
  2. Was ist über die Verursachung der Störung bekannt?
  3. Wie wird die Störung diagnostiziert?
  4. Wie häufig ist die Störung?
  5. Welche Behandlungsmethoden sind wie wirksam?
  6. Mit welcher Prognose sind die Störungen verbunden?
  7. Handelt es sich um eine (aus Elternsicht/aus Betroffenensicht) attraktive Störung?

Bitte beachten Sie unbedingt, dass Ihre Präsentation kein urheberrechtlich geschütztes Material enthält (Fotos, Abbildungen, Tabellen). Für mögliche Verstöße haften Sie.

Sie sollten mir die Präsentationen in zwei Dateien als E-Mail-Anhang zukommen lassen – eine Audiodatei (mp3 Format) und eine Präsentationsdatei (pdf). Die Audiodatei sollten Sie verkleinern, z. B. mit dem Programm Audacity und ggf. auch aufteilen (damit ein Versand in mehreren Mails möglich wird). Es ist darüber hinaus sinnvoll, die Dateien nicht mit Ihren EvH Account zu versenden. Denn dieser eignet sich kaum für den Versand größerer Dateien. Eine Nutzung von Dropbox o.ä. Diensten kann ich aus Sicherheitsgründen leider nicht akzeptieren.

Erklärt wurde in der Veranstaltung u.a. , wie man die für das Thema der Veranstaltung einschlägigen Fachdatenbanken nutzt (dies sind vor allem: Pubmed und Pubpsych) und wie man die Bücher und Zeitschriften in den Bibliotheken der Region lokalisieren kann (mit dem HBZ-Katalog und der Zeitschriftendatenbank).

Hier kommen noch zwei passende Podcasts aus anderen Veranstaltungen:

Fachdatenbanken nutzen

Bücher und Zeitschriftenaufsätze in den Bibliotheken der Region lokalisieren

Siebte Sitzung

Nachdem nun erklärt ist, wie man diagnostische Instrumente bewertet und auch nachvollziehbar geworden ist, was als modulabschließende Prüfung gefordert ist (hier: Präsentationen), geht es im zweiten Teil dieser Veranstaltung vor allem darum, Störungsbilder vorzustellen.

Den Anfang machen Störungen, die mit dem Lesen und Schreiben zu tun haben. Wer diagnostisch arbeitet, muss hier entscheiden, ob eine Legasthenie vorliegt, eine Lernbehinderung oder z. B. eine auditive Wahrnehmungsstörung. Dabei ist es wirklich hilfreich, wenn man weiß, wie Kinder normalerweise lesen und schreiben lernen. Entsprechend ist dies der erste inhaltliche Schwerpunkt.

Wie monolinguale Kinder lesen und schreiben lernen

Die im podcast angesprochen Abbildungen finden Sie in der Diagnostik-Materialsammlung.

Achte Sitzung

Die achte Sitzung befasst sich mit dem Einfluss der Bilingualität auf die Literacy-Entwicklung. Es ist ziemlich klar, dass bilinguale Kinder vergleichsweise häufig zu den Kindern gehören, die Probleme in der Literach-Entwicklung zeigen. Und man kann auch ziemlich gut erklären, warum das so ist. Denn bilinguale Kinder in Deutschland kommen häufig aus Familien, in denen Lesen und Schreiben keine wichtige Rolle spielt (Family Literacy). Sie haben häufig einen geringen Wortschatz (übrigens in beiden Sprachen). Und sie stehen vor der Aufgabe, mehr Laute zu unterscheiden bzw. anzuwenden. Die wesentlichen Prädikatoren der Literach-Entwicklung verweisen also auf eher ungünstige Bedingungen. Eine Auseinandersetzung mit den Ranglisten hinsichtlich Abitur und Förderschulwahrscheinlichkeiten zeigt aber ziemlich klar, dass empirische Studien eher auf soziale Variablen als auf sprachliche Variablen verweisen. Dass bilinguale Kinder vergleichsweise häufig Probleme im Lesen und Schreiben entwickeln, hat also vor allem damit zu tun, dass sie aus von Armut betroffenen Familien kommen und weniger sprachliche Ursachen.

Hier ein passender Podcast:

Wie bilinguale Kinder lesen und schreiben lernen

Neunte Sitzung

Die neunte Sitzung befasst sich mit Verhaltensstörungen. Die Sitzung beginnt zunächst mit einem kleinen Planspiel (Dinos in der Förderschule). In einem zweiten Schritt werden Theoriediskussion und Forschung zum Gegenstand des Seminars.

Verhaltensstörungen

Tab 5
 Prävalenzzahlen Verhaltenstörungen
Remschmidt/Walther 1990
Mand 1995 (Berlin, 4. Klasse)

KMK 1999

MSW 2002KMK für Schlahr 2018
Mand2007 (NRW, 4. Klasse)



13 % – 31 %
1991: 12,5 % Grund-
1994: 16,1 % schulen

0,36

0,47
D: 0,56 % in der FörderschuleNRW: 1,02 % in der Förderschule 
11 % (GE-Schulen)
38 % (F-Schulen L)

Tab 6: Begriff Verhaltensstörungen: AO-SF § 5 (3)
Erziehungsschwierigkeit liegt vor, wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler der Erziehung so nachhaltig verschließt oder widersetzt, dass sie oder er im Unterricht nicht oder nicht hinreichend gefördert werden kann, und die eigene Entwicklung oder die der Mitschülerinnen und Mitschüler erheblich gestört oder gefährdet ist.
Tab 7 Relativität von Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen und ihre Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989).
Sie sind eher das Ergebnis eines vergleichsweise komplexen Prozesses mit vielen Beteiligten als eine feste Eigenschaft (Mand 2003).
Dies hat Auswirkungen auf die Zahlen und die Diagnose.
Tab 8: Auswirkungen von Beobachtervariablen auf die Wahrnehmung auffälligen Verhaltens
GeschlechtHoughton u.a. (1988), Kearny & Plax (1986), Kearny & Plax (1987), Mittelmark & Pirie (1988), Borg & Falzon (1989), vgl. Bach u.a. (1984), Mc Intyre (1988), Mand (2002 b), Baumgardt/Mand/Ostermann (2008)
Alter, Berufserfahrung, Berufszufriedenheit des LehrersTornow (1978), Bach (1987), Kearny & Plax (1986), Kearny u.a. (1987), Camp (1987), Mand (1995), Mand (2002 a)
Pädagogische ArbeitWetzel (1978), Vaughn & Lancelotta (1986), Lochman u.a. (1987), Trovato u.a. (1992), Harris u.a. (1992), Fuchs u.a. (1989), Mand (1995)

Zehnte Sitzung

Die zehnte Sitzung vertieft die Kenntnisse zum Thema Verhaltensstörungen durch ein kleines Planspiel.

Dinos in der Förderschule

Elfte Sitzung (19.12.)

Die elfte und zwölfte Sitzung dieses Seminars werden – wie bereits mehrfach angekündigt – ausschließlich als Online-Sitzung angeboten.

Im Mittelpunkt dieser Sitzungen stehen die Präsentationen der Teilnehmer*innen.

Hier zunächst ein Beitrag aus dem Master-Studiengang SIGB:

Referat Sucht & Co-Abhaengigkeit

Es folgt eine Präsentation aus dem 4.4 Seminar zum Thema Anorexie Nervosa:

Praesentation Anorexia Nervosa

Die dritte Präsentation der heutigen Sitzung befasst sich mit Zwangsstörungen:

Präsentation Zwangsstoerungen

Zwölfte Sitzung (2.1.23)

Auch in der zwölften Sitzung werden Störungsbilder von Studierenden des Seminars vorgestellt. Den Anfang macht eine Präsentation zum Thema ADHS.

ADHS

Hierauf folgt eine Präsentation zum Thema Bipolare Störungen.

Bipolare Störungen

Eine weitere Präsentation stellt unterschiedliche Ess-Störungen vor.

Ess-Stoerungen

Die nächste Präsentation befasst sich mit Nicht-suizidalen-selbstverletzendem Verhalten:

NSSV

13. Sitzung

Auch in der 13. Sitzung stehen noch Präsentationen an. Den Anfang macht eine Präsentation zum Thema High-functioning Autismus:

High Functioning Autismus

Ein weiteres Referat befasst sich mit dem Thema ADHS bei Erwachsenen:

ADHS bei Erwachsenen

Die nächste Präsentation stellt das Störungsbild Fetales Alkohol Syndrom vor:

FASD

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