Arbeitsfeld Erziehungshilfe

Präsenzveranstaltung mit bis 25 % Online-Anteil

Verhaltensauffällig, gestört, dissozial. Dies sind drei der wenig freundliche Begriffe, mit denen Adressat*innen der Erziehungshilfe bedacht werden. Ist sicher nicht immer einfach, mit den Kindern & Jugendlichen aus diesen Verhältnissen zu arbeiten. Kann nicht jede/r. Macht aber zufrieden, wenn´s funktioniert. Die Veranstaltung befasst sich mit theoretischen Konzepten, Entwicklungsmodellen, diagnostischen Methoden und Handlungsstrategien in der Erziehungshilfe.

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung stelle ich mich und das geplante Seminar vor. Ich erkläre, wie das funktioniert, wenn Sie sich dafür entscheiden, Ihre modulabschließende Prüfung bei mir anzumelden (Portfolio). Und dann startet ein kleines Planspiel. Sie werden im Rahmen dieses Spiels gebeten, ein neues Erziehungshilfessystem für Deutschland zu entwickeln. Wer da was genau von Ihnen will und was Sie tun müssen, erfahren Sie im Rahmen der Veranstaltung.

Nach der Vorstellung des Seminarprogramms und einem Gespräch über die modulabschließende Prüfungen hat sich das Seminar mit der Aufgabe befasst, ein neues Erziehungshilfesystem für Deutschland zu entwickeln. Dieses wird in der zweiten Sitzung ausgewertet.

Zweite Sitzung

Die zweite Sitzung versucht eine kurze Analyse des Stands der Dinge. Welche gesellschaftlichen Änderungen sind zu erkennen. Was sind die Folgen? Wie kann die Soziale Arbeit reagieren?


Die Vortragseinheit kommt dabei zu dem Schluss, dass die wichtigen gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre (Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung, Abnehmende Bedeutung von Religion) desaströse Folgen für Familien haben. Für Menschen ohne Schulabschluss stehen immer weniger Arbeitsplätze zur Verfügung. Digitalisierung stört die Eltern-Kind-Beziehung und führt u. a. dazu, dass Kinder früh mit extrem gewalttätigen und pornographischen Bildern bzw. Filmen konfrontiert werden. Die Freiheit, sein Leben unabhängig zu gestalten hat eine Kehrseite: Nämlich die Verantwortung für scheiternde Lebensverläufe auf der Seite der Globalisierungs- und Digitalisierungsverlierer. Und dass sich immer weniger Menschen auf Religion verlassen, wenn es darum geht, zu entscheiden, was richtig und was falsch ist, kann dazu führen, dass Menschen verantwortungslos handeln. Denn an die Stelle von Religion treten nicht kritische Rationalität und die Auseinandersetzung mit philosophischen Schriften. Sondern an die Stelle von Religion treten Trash-TV, und Soziale Medien.

Erziehungshilfe in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung

Leyha schrieb: Menschen die am Rande der Gesellschaft leben und  doch inmitten unserer Gesellschaft  existent sind,  so dass sie nicht ignoriert werden können , stellen ein gesellschaftliches „Problem“  dar. Auf  die Frage wie kann man solchen Eltern Fertigkeiten und Kenntnisse vermitteln  auf die sie Stolz sein könnten kann ich einen Vorschlag unterbreiten der vielleicht nicht alle Eltern erreichen würde. Viele dieser Eltern wären Stolz darauf wenn ihre Kinder mehr erreichen als sie selbst . Wenn diese Kinder Chancengleichheit bspw. Im Bildungssystem, in der Gesundheit, im Grundgesetz bekämen, um möglichst viel aus ihrem Leben zu machen -egal in welcher Familie sie aufwachsen.


Tab 3: Auswirkungen gesellschaftlichen Wandels auf die Erziehungshilfe 
Krieg und Vertreibung

Globalisierung

Digitalisierung / Robotisierung

Abnehmende Bedeutung von Religion

Folge: Familien sind in Schwierigkeiten
Familien von Geflüchteten unter Anpassungsdruck.
Erwerbsarbeit wird für große Teile der Bevölkerung weninger wichtig.
Sinnstifter verschwinden.
Einsamkeit, Isolation und psychische Erkrankungen nehmen zu.
Kinder sind durch Zugänglichkeit von Pornographie und Gewaltdarstellungen in Gefahr, Beziehungen werden durch leichte Zugänglichkeit von Tinder & co destabilisiert.
Tabelle 4: Mögliche Strategien
Bundespolitik / Europapolitik:
Fluchtursachen reduzieren
Bündnisse stärken

Effektive Besteuerung und Kontrolle der digitalen Konzerne – Robotersteuer

Landespolitik / Kommunalpolitik: 
Finanzierung eines gemeindewesenorientierten Umbaus des Ruhrgebiets: Rückbau von Industriebrachen und Betonwüsten, Wohnungsbau von Armen für Arme, Förderprogramme für Handwerk, Naturschutz & Kultur 
Therapeutische Hilfen ausbauen

Anti-Gentrifizierungs & Anti-Ghetto-Politik

Ausbau/Umbau des Bildungs- & Sozialwesens: Elitenförderung & Armenbildung, Partnerschaft & Familie und Digitale Bildung als Unterrichtsfach

Soziale Arbeit: Empowerment für ein gutes Leben, Präventionsorientierung Erziehungsbegleitung, Erziehungshilfemittel nach Bedarf und nicht nach Finanzkraft bereit stellen,  Demokratische Kontrolle der Erziehungshilfe 

Dritte Sitzung

Die dritte Sitzung versucht einige wichtige Begriffe zu klären und das Arbeitsfeld etwas genauer zu beschreiben. Was ist das: Verhaltensstörung? Um welche Klient*innen handelt es sich? Sind wirklich alle Schichten gleichermaßen vertreten, wie aus der Praxis immer wieder gern zu hören ist?

Begriffe in der Erziehungshilfe


Tab 36: Beratungsanlässe nach Hundsalz, A.: Erziehungsberatung. In: Birtsch, V. u.a. (Hrsg.): Handbuch Erziehungshilfen.Münster 2001, 504)
emotionale Probleme
soziale Verhaltensauffälligkeiten 
Probleme im Schul- & Leistungsbereich 
Schwierigkeiten in der familialen Interaktion 
psychosomatische Auffälligkeiten 
Tab 44: Doss, M.: Eltern, deren Kinder in Heimerziehung leben. Münster 1998 (zugleich Diss Uni Münster 1998)
Die untersuchten Mütter sind zum Zeitpunkt der Eheschließung und zum Zeitpunkt der Geburt ihres ersten Kindes deutlich jünger als der Durchschnitt. Die Eltern leben zu großen Anteilen in desolaten Partnerschaftsbeziehungen.
Ein Grossteil der Mütter hat zum Zeitpunkt der Heimunterbringung bereits mehrere Kinder und bekommt nach der Heimunterbringung noch weitere Kinder.
Sie sind bei Eheschließung und bei Geburt des ersten Kindes deutlich jünger. 
Eine Rückführung in die Herkunftsfamilien ist sehr erschwert (unterschiedliche Lebensorte, keine Wahrnehmung der Erziehungsverantwortung bei 76 % der Väter und 58 % der Mütter).
Die Eltern haben mehrheitlich auch nicht mehr das Sorgerecht für ihr Kind. 
Die soziale Lage der Herkunftsfamilien ist desolat (hoher Anteil von Sozialhilfeempfängern, 245).
Die Eltern haben zwar mehrheitlich verschiedene ambulante erzieherische Hilfen erhalten. Diese waren allerdings offenbar nicht erfolgreich. Die Kinder verbleiben relativ lange im Heim verbleiben (50% länger als drei Jahre) 
Tab 47: Zahlen zur Familienhilfe laut Hemling, S.: Sozialpädagogische Familienhilfe und andere Formen familienbezogener Hilfe. In: Birtsch, V./Münstermann, K./Trede, W.: Handbuch Erziehungshilfen
Dauer im Jahr 1998 durchschnittlich 16 Monate
1998: bundesweit 15300 Familien mit insgesamt 38000 Kindern und damit 10% mehr als 1997
Hoher Anteil an Stieffamilien (16 % gegenüber 10% im Bundesdurchschnitt) bzw. Einelternfamilien (51% gegenüber ca 20% im Bundesdurchschnitt)
hohe Kinderzahl,
Häufung von Unterversorungslagen, materielle, bildungsmäßige und räumliche Ausgrenzung,
Beschränkung von gesellschaftlichen Wahl & Teilhabemöglichkeiten,
laut Blüml u.a. (1994) liegt bei einem Drittel der Familien bei mindestens einem Erwachsenen ein Suchtproblem vor

Abbildung 1


Aus. HZE Bericht 2017,19

Tab 7 Relativität von Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen und ihre Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989).
Sie sind eher das Ergebnis eines vergleichsweise komplexen Prozesses mit vielen Beteiligten als eine feste Eigenschaft (Mand 2003.
Dies hat Auswirkungen auf die Zahlen und die Diagnose
Tab 5 Prävalenz von Verhaltenstörungen
Remschmidt/Walther 1990
Mand 1995 (Berlin, 4. Klasse)

KMK 1999(Deutschland)

Mand 2007 (NRW, 4. Klasse)
13 % – 31 %
1991: 12,5 % Grundschulen
1994: 16,1 % Grundschulen

0,36 

11 % (GE-Schulen)
38 % (F-Schulen L)
KMK für Schuljahr 2018 (Deutschland)0,56 % emsoz Förderschüler
MSW (NRW) 20180,65 % emsoz Förderschüler 
1,02 % Schüler mit sonderpäd. Förderbedarf emsoz
Tab 8: Auswirkungen von Beobachtervariablen auf die Wahrnehmung auffälligen Verhaltens
GeschlechtHoughton u.a. (1988), Kearny & Plax (1986), Kearny & Plax (1987), Mittelmark & Pirie (1988), Borg & Falzon (1989), vgl. Bach u.a. (1984), Mc Intyre (1988), Mand (2002 b), Baumgardt/Mand/Ostermann (2008)
Alter, Berufserfahrung, Berufszufriedenheit des LehrersTornow (1978), Bach (1987), Kearny & Plax (1986), Kearny u.a. (1987), Camp (1987), Mand (1995), Mand (2002 a)
Pädagogische ArbeitWetzel (1978), Vaughn & Lancelotta (1986), Lochman u.a. (1987), Trovato u.a. (1992), Harris u.a. (1992), Fuchs u.a. (1989), Mand (1995)
Tab 6: Begriff Verhaltensstörungen: AO-SF § 5 (3)
Erziehungsschwierigkeit liegt vor, wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler der Erziehung so nachhaltig verschließt oder widersetzt, dass sie oder er im Unterricht nicht oder nicht hinreichend gefördert werden kann, und die eigene Entwicklung oder die der Mitschülerinnen und Mitschüler erheblich gestört oder gefährdet ist.
Tab 49: Lernbehinderungen, Verhaltensstörungen und einige ihrer Synonymbegriffe nach Mand 2003
Verhaltensstörungen, Auffälliges Verhalten, Sopäd Förderbedarf im Bereich Em SozLernbehinderung, Lernprobleme, Lernstörungen, Sopäd. Förderbedarf im Bereich Lernen
Kernsymptome:
Probleme in den Beziehungen zu Mitschüler/innen und Lehrer/innen
Probleme im Arbeitsverhalten
Probleme im Bewegungsverhalten
Probleme in Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
Probleme im Umgang mit Gefühlen

begleitende Symptome
Probleme im Schriftspracherwerb
Probleme in der Entwicklung mathematischen Denkens




Kernsymptome:
Probleme im Schriftspracherwerb
Probleme in der Entwicklung mathematischen Denkens



begleitende Symptome
Probleme in den Beziehungen zu Mitschüler/innen und Lehrer/innen
Probleme im Arbeitsverhalten
Probleme im Bewegungsverhalten
Probleme in Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
Probleme im Umgang mit Gefühlen

Vierte Sitzung

Die vierte Sitzung befasst sich mit dem Thema Armut. Na klar, manchmal kommen auch Reiche in die Erziehungsberatungsstelle. Und vielleicht gibt es sogar sehr junge Familien mit Mittelschichtshintergrund, in denen Familienhilfe notwendig wird. Aber viele Adressat*innen der Erziehungshilfe sind arm. Deshalb ist es vernünftig, darüber nachzudenken, was Sie als Sozialarbeiter*in von diesen Familien wollen.

Armutsmodelle

Tab 30: Modell der schichtenspezifischen Sozialisation nach Geulen (1991)
Das Modell der schichtenspezifischen Sozialisation geht davon aus, dass „ aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen der Väter am Arbeitsplatz, die familiale Sozialisation in der sozialen Unterschicht in mehrfacher Hinsicht (…) anders verlaufe und zu anderen Ergebnissen führe als in der Mittelschicht, daß daher die Kinder aus der Unterschicht in dem durch Mittelschichtskultur dominierten Schul- und Bildungssystem auf größere Schwierigkeiten stoßen und stärker ausselegiert würden, daß sie später wieder nur in der Unterschicht zugänglichen Berufspositionen einrücken könnten .“ 
Tab 31: Lernbehinderung als soziokulturelle Benachteiligung (Begemann 1970)
zumindest partielle Gleichsetzung von Lernbehinderung und Schichtzugehörigkeit bei Begemann als These, daß Hilfsschüler bis auf eine Minderheit der armen, proletarischen, sozial rückständigen Unterschicht entstammen Schulversagen als Versagen an Mittelschichtsstandards: Hilfsschüler sind unterdurchschnittlich gemessen an den Normen der Mittelschicht. Sie sind soziokulturell benachteiligt Mittelschichtslastigkeit von IntelligenztestverfahrenResümee: Hilfsschulbedürftigkeit kann nicht mit psychologischen, soziologischen oder medizinischen Kategorien beschrieben werden, sondern nur als pädagogische Aufgabe Die Sozialisationsbedingungen von Hilfsschülern: Gefühle der Unterlegenheit, Ausgeliefertheit, Benachteiligung, geringe Bildungsmotivation, Unterschichtsmatriarchat, Familismus (Verkehrskreis beschränkt auf Verwandte und Nachbarn), niedriger Wohnkomfort in unzureichenden Wohnungen, viele Kinder, autoritärer Erziehungsstil, wenig Gelegenheiten zum produktiven Tun, Schülercliquen, die die Schichtgrenzen kaum überschreiten Sprachliche Benachteiligung (in Anlehnung an Bernstein) 
Tab 32: Theorie des sozialen und kulturellen Kapitals (Bourdieu 1979)
Klassen werden weder über ein Merkmal oder die Summe von Merkmalen definiert (Alter, Geschlecht, soziale Herkunft, Einkommen, Ausbildungsniveau) noch durch eine Kette von Merkmalen, die von einem Hauptmerkmal (z. B. von der Stellung im Produktionsprozess) abgeleitet sind Definition sozialer Klassen als Struktur der Beziehungen zwischen allen relevanten Merkmalen, die jeder derselben … verleiht Klassenzugehörigkeit ist mit einem Bündel ungefähr gleich wahrscheinlicher ungefähr gleichwertiger Lebensläufe verbunden.
Wichtig sind: ökonomisches Kapital (neben Durchschnittseinkommen auch Konsum-Indices wie Auto und Bootsbesitz oder Urlaub im Hotel),
kulturelles Kapital (mit Indikatoren wie: Häufigkeit der Lektüre nicht berufsbezogener Literatur, Häufigkeit von Theaterbesuch, Nicht-Besitz eines Fernsehers usw.)
und soziales Kapital. Der Konsum vor allem solcher Güter, die ein der bürgerliche Lebensart konformes Verhalten symbolisieren lässt, garantiert ein soziales Kapital, ein Kapital an ´mondänen Beziehungen´, die bei Bedarf einen nützlichen Rückhalt bieten, ein Kapital an Ehrbarkeit und Ansehen verleihen 

Fünfte Sitzung

In der fünften Sitzung möchte ich die Auseinansetzung mit Armutstheorien abschließen und den ersten Schritt zum Schwerpunkt Entwicklungsmodelle machen.

Man kann Armut sehr unterschiedlich erklären. Man kann das Geld in den Vordergrund stellen. Man kann kulturelles und soziales Kapital in den Blick nehmen. Aber irgendwie ist das manchmal ziemlich unergiebig. Wer z. B. in der Familie von Vicky (aus Little Britain), daran arbeiten will, Sozialisationsdefizite zu kompensieren, hat vermutlich schon verloren. Und vermutlich dürfte die Arbeit am kulturellen Kapital – sagen wir über den Besuch von Hochkulturereignissen – auf eine Zerstörung unersetzbarer Kunstwerke hinauslaufen. Ein exotischer Ansatz aus den 1990er Jahren ist da m. E. wirklich hilfreich. Nicht, dass Sie den Deutungsmusteransatz unbedingt kennen lernen müssen. Und es ist auch ziemlich unwahrscheinlich, dass dieser Ansatz jemals wieder in den Fokus der wissenschaftlichen Diskussion kommt. Aber ich finde wirklich, dass dieser Ansatz hilfreich sein kann, wenn man mit Kindern aus sozialen Brennpunkten arbeitet. Und deshalb stelle ich diesen Ansatz hier vor.

Der Deutungsmusteransatz


Tab 33
: Deutungsmusteransatz (Eberwein & Mand 1992)
Brennpunkte als Subkultur mit eigenen Regeln, Situationsdefinitionen, Deutungsmustern) 
Schul- & Verhaltensprobleme von Kindern & Jugendlichen aus diesen Brennpunkten als Folge kultureller Missverständnisse 
pädagogische Aufgabe: nicht mehr Sozialisationsdefizite ausgleichen, sondern Brücke bauen von Subkultur zu Mehrheitskultur 

Den Schritt zum Schwerpunkt Entwicklungsmodelle möchte ich mit einem Fall tun. Der Fall Fischmaul kommt ihnen vermutlich merkwürdig vor. Aber das Problem, das Fischmaul hat, finden Sie bei Klient*innen der Erziehungshilfe vergleichsweise häufig. Und die pädagogischen Antworten darauf sind einfach umzusetzen.

Der Fall Fischmaul

Sechste Sitzung (31.10.)

Bitte beachten Sie, dass die fünfte Sitzung – wie bereits mehrfach angekündigt – ausschließlich als Online-Angebot durchgeführt wird. Bitte hören Sie sich den Podcast an und bearbeiten Sie die Aufgabe. Ihre Lösungen können Sie mir per Mail oder über die Kommentarfunktion dieser Homepage zukommen lassen. Bitte verwenden Sie dabei unbedingt einen Nickname. Diese Homepage ist regelmäßig Ziel von Angriffen. Und es ist durchaus möglich, dass Sie getrollt werden, wenn Sie hier mit Ihrem Klarnamen agieren.

Inhaltlich befasst sich die sechste Sitzung mit der Bedeutung von Theorien von Piaget und Schülern von Piaget.


Entwicklung der Perspektivenübernahme (aus Selman 1982, 240 f) Selman, R.: Sozial-kognitives Verständnis – Ein Weg zu pädagogischer und klinischer Praxis. In: Geulen, D. (Hrsg.): 1982, Perspektivenübernahme und soziales Handeln, Frankfurt a. M. 223-256
Stufe 0: Egozentrische Perspektive (Alter 3-6 Jahre)
Das Kind nimmt zwar den Unterschied zwischen sich und anderen wahr, unterscheidet aber noch nicht zwischen seiner sozialen Perspektive (Gedanken und Gefühle) und der der anderen. Es kann von anderen offen gezeigte Gefühle benennen, aber sieht noch nicht den kausalen Zusammenhang zwischen Handlungsgründen und Handlungen.
Stufe 1: Sozial-informationsbezogene Perspektivenübernahme (6-8 Jahre)
Das Kind nimmt wahr, dass der andere eine eigene, in seinem Denken begründete Perspektive hat und dass diese seiner eigenen Perspektive ähnlich oder auch nicht ähnlich sein kann. Jedoch kann sich das Kind nur auf jeweils eine Perspektive konzentrieren und nicht verschiedene Gesichtspunkte koordinieren. 
Stufe 2: Selbstreflexive Perspektivenübernahme (8-10 Jahre)
Dem Kind ist bewusst, dass jedes Individuum der Perspektive des anderen gegenwärtig ist und dass dies jeweils die Sicht seiner selbst wie die vom anderen beeinflusst. Eine Möglichkeit, die Intentionen, Absichten und Handlungen eines anderen zu beurteilen, besteht darin, sich an seine Stelle zu versetzen. Das Kind kann eine koordinierte Kette von Perspektiven bilden, aber noch nicht von diesem Prozess auf die Ebene simultaner Gegenseitigkeit abstrahieren.
Stufe 3: Wechselseitige Perspektivenübernahme (10-12 Jahre)
Das Kind nimmt wahr, dass sowohl es selbst wie auch der andere den jeweils anderen Teil wechselseitig und gleichzeitig als Subjekt sehen kann. Es kann aus der Zwei-Personen-Interaktion heraustreten und diese aus der Perspektive einer dritten Person betrachten.
Stufe 4: Perspektivenübernahme mit dem sozialen und konventionellen System (12-15 Jahre und älter)
Die Person sieht, daß wechselseitige Perspektivenübernahme nicht immer zum völligen Verstehen führt. Soziale Konventionen werden als notwendig angesehen, weil sie von allen Mitgliedern der Gruppe (dem generalisierten Anderen) unabhängig von ihrer Position, Rolle oder Erfahrung verstanden werden.
Stufen des moralischen Urteils Kohlberg, L.: Stufe und Sequenz: Sozialisation unter dem Aspekt der Kognitiven Entwicklung. In: Kohlberg, L.: Zur kognitiven Entwicklung des Kinders. Frankfurt a. M. 1974, 60 f

Stufe 1: Orientierung an Bestrafung und Gehorsam. Egozentrischer Respekt vor überlegener Macht oder Prestigestellung bzw. Vermeidung von Schwierigkeiten. Objektive Verantwortlichkeit.
Stufe 2: Naiv egoistische Orientierung. Richtiges Handeln ist nur jenes, das die Bedürfnisse des Ich und gelegentlich die der anderen instrumentell befriedigt. Bewusstsein für die Relativität des Wertes der Bedürfnisse und der Perspektive aller Beteiligten. Naiver Egalitarismus und Orientierung an Austausch und Reziprozität. 
Stufe 3: Orientierung am Ideal des ´guten Jungen´ . Bemüht, Beifall zu erhalten und anderen zu gefallen und ihnen zu helfen. Konformität mit stereotypischen Vorstellungen von natürlichem oder Mehrheitsverhalten, Beurteilung aufgrund von Intentionen.
Stufe 4: Orientierung an Aufrechterhaltung von Autorität und sozialer Ordnung. Bestrebt, >seine Pflicht zu tun< , Respekt vor der Autorität zu zeigen und die soziale Ordnung um ihrer selbst willen einzuhalten. Rücksicht auf die Erwartungen anderer.
Stufe 5: Legalistische Vertrags-Orientierung. Anerkennung einer willkürlichen Komponente oder Basis von Regeln und Erwartungen als Ausgangspunkt der Übereinstimmung. Pflicht definiert als Vertrag, allgemein Vermeidung der Verletzung von Absichten oder Rechten anderer sowie Wille und Wohl der Mehrheit. 
Stufe 6: Orientierung an Gewissen oder Prinzipien. Orientierung nicht nur an zugewiesenen Rollen, sondern auch an Prinzipien der Entscheidung, die an logische Universalien und Konsistenz appellieren. Orientierung am Gewissen als leitendes Agens und an gegenseitigem Respekt und Vertrauen. 

Die Bedeutung entwicklungspsychologischer Positionen für die Arbeit in der Erziehungshilfe

LEOT und Lotte33 schreiben:

Fischmaul hat keine Empathie und kann somit kein Perspektivenwechseln durchführen. Er hat eine egozentristische Ansicht und fühlt sich sehr schnell angegriffen. Zudem hatten wir die Hypothese, dass er ein schwaches Selbstkonzept durch fehlende Anerkennung und Aufmerksamkeit Zuhause. Wir sehen in diesem Zusammenhang, dass er durch sien Verhlaten die fehlende Aufmerksamkeit und Anerkennung versucht zu kompensieren. Diesbezüglich fiel uns die Anerkennungstheorie von Axel Honneth ein. Diese befasst sich damit, dass die Perons darunter leidet, wenn sie nicht den wert, den sie in sich selbst sieht, durch Bestätigung von anderen, zuerkannt wird.

Als möglicher Ansatz Fischmaul zu helfen kamen uns folgende Ideen:

Zumal könnte man mit der Einverständnis der Km Fischmaul in eine Wohngruppe unterbringen, inder eine positive Entwicklung angestrebt wird ohne den übermäßigen Kontakt mit gefährlichen Tieren und Waffen. Eine andere Lösung die uns in den Sinn kam war ein Stärke-Programm. Mit einem Stärke-Programm meinen wir ein Programm nach oder in der CShule, extrern oder intern geregelt, indem gleichaltrige Kinder sind und zielt ist  einen Ausgleich im Alltag für positive Erlebnisse gefördert werden. Hierbei soll der Fokus bei Fischmaul auf eine bestätigende und anereknnende Wirkung innerhalb dieser Gruppe liegen. Er soll positive gruppendynamische Erfahrungen machen und durch den KOntakt mit gleichaltrigen sollen sich Fruendschaften bilden, welche vielleicht durch wenig Freizeitaktivitäten fehlen. Fischmaul sollte auf jedenfall nicht einfach in einen Verein gesteckt werden. Als dritte Lösungsstrategie könnte man einen Verstärkerplan einführen. Diesen kann man entweder mit den Pausen oder mit dem Unterrichtsmaterialen kombinieren. Man sollte erst mit ganz kleinen Anforderungen beginnen, zum Beispiel die Beendigung einer gewissen Anzahl von Aufgaben mit einem Stickersystemkobinieren. Oder eine Pausenkarte einführen. also gut gelingende Pausen belohnen.

Man sollte zudem mit Fischmaul im Unterricht über die Motive reden, warum jeder andere Aufgaben hat und versuchen ihm das verständlich zu machen. 

Zudem ist  es wichtig Fischmaul andere Perspekitven über SItuationen in denen er dabei war näher zu bringen.

Siebte Sitzung

Die siebte Sitzung hat sich zunächst noch einmal mit dem Fall Fischmaul befasst und den Zusammenhang zwischen moralischem Urteil und moralischem Handeln anhand des Falls Florian untersucht.

Der zweite Teil der Sitzung betrachtet ein vollkommen anderes Thema – die Entwicklung von Reading Literacy. In den Einrichtungen der Erziehungshilfe sind ziemlich häufig Kinder und Jugendliche zu finden, die erhebliche Probleme im Lesen und Schreiben haben. Die Förderschulquoten sind z. T. wirklich beeindruckend. Und es kann durchaus sein, dass Sozialarbeiter*innen die Schullaufbahn Ihrer Adressat*innen über ein Weilchen verfolgen. Es ist deshalb sinnvoll, wenn Sie zumindest über grundlegende Informationen in diesem Bereich verfügen.

Hier kommt zunächst ein Podcast, der erklärt, wie Kinder normalerweise lesen und schreiben lernen.

Zur Entwicklung von Reading Literacy

Achte Sitzung

In der achten Sitzung werden die Auswirkungen von Bilingualität auf die Lese- und Schreibentwicklung untersucht. Bilinguale Kinder stehen nämlich vor besonderen Herausforderungen. Und dies betrifft die drei wichtigen Literacy-Prädikatoren: Family-Literacy, Wortschatz und phonologische Bewusstheit. Bilinguale Kinder wachsen in Deutschland häufig in von Armut betroffenen Familien auf, in denen Lesen und Schreiben keine wichtige Rolle spielen (Family-Literacy). Sie stehen vor der Aufgabe einen Wortschatz in zwei Sprachen zu erwerben. Und dies hat z. B. Auswirkungen auf das synthetisierende Lesen oder später auch auf die Entwicklung von Silben-, Wort und Satzerwartungen. Und bilinguale müssen zudem auch das Lautinventar von zwei Sprachen wahrnehmen und verarbeiten lernen (phonologische Bewusstheit).

Zur Literacyentwicklung bilingualer Kinder

Neunte Sitzung

Die neunte Sitzung befasst sich mit dem Thema Verhaltensstörungen. Viele Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Erziehungshilfe haben sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung, um einen der vielen Synonymbegriffe des Begriffs „Verhaltensstörung“ zu verwenden. Viele Zeitgenossen*innen tun so, als seien Verhaltensstörungen ein festes Persönlichkeitsmerkmal, das vor allem die Eltern zu verantworten haben. So einfach in das allerdings nicht. Denn die Zahlen schwanken z. T. ganz erheblich. Es gibt nachweislich eine Vielzahl von Variablen, die nichts mit dem Kind oder dem/der Jugendlichen zu tun haben und dennoch den Anteil für verhaltensgestört gehaltener Menschen nachweislich deutlich beeinflussen (z. B. Lehrer*innen und Schul-Variablen). Und Benkmann stellt bereits 1989 treffend fest, dass „Verhaltensstörungen“ und seine Synonymbegriffe relativ sind.

Dies alles hat Auswirkungen – z. B. auch auf die Diagnose von Verhaltensstörungen. Das Seminar versucht zunächst anhand von Schüler*innenbeschreibungen aus Verfahren zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs, mehr Klarheit über Kriterien zu gewinnen, anhand derer man die Diagnose „Verhaltensstörung“ festmachen kann. In einem zweiten Schritt befasst sich das Seminar mit der Child Behaviour Checklist.

Hier ein passender Podcast:

Verhaltensstörungen

Zehnte Sitzung

In der zehnten Sitzung geht es um qualitative Aspekte der diagnostischen Arbeit. Da sind zwei Kinder, die in der Schule ziemlich anschaulich davon berichten, dass in ihrem Elternhaus nun ein Bordell eingerichtet wurde. Da stellt sich natürlich die Frage, ob und unter welchen Umständen dies ein Problem sein könnte.

Ein Bordell im Wohnzimmer?

Elfte Sitzung

Mit der zehnten Sitzung erreicht das Seminar nun seinen letzten Teil: Es geht um therapeutische Interventionen. In der Erziehungshilfe spielen psychotherapeutische Schulen eine wichtige Rolle. Zwar haben Sozialarbeiter*innen keine psychotherapeutische Aufgaben. Aber es ist durchaus sinnvoll, Grundwissen zu haben – z. B. um seriöse Angebote für Ihre Klient*innen von unseriösen zu unterscheiden.

Denn Anfang macht – der historischen Reihe folgend – die Psychoanalyse. Die Psychoanalyse steht am Anfang der Entwicklung psychotherapeutischer Schulen. Sie hat Psychologie, Psychotherapie und auch pädagogische Disziplinen nachhaltig geprägt. Psychoanalytische Interventionen sind nachweislich wirksam und sie werden von deutschen Krankenkassen finanziert. Dies alles sind ziemlich gewichtige Argumente, sich mit den Grundlagen der Psychoanalyse zumindest im Rahmen einer Sitzung zu befassen.

Psychoanalyse und Erziehungshilfe

Mand, J.: Die Instanzenlehre bei Sigmund Freud. Unveröffentlichte Materialien für die Lehre. Bochum 2022

Szenisches Verstehen nach Heinemann 1993

Zwölfte Sitzung (21.12.)

Die zwölfte und dreizehnte Sitzung dieses Seminars finden – wie vielfach angekündigt ausschließlich als Online-Angebot statt. In dieser Sitzung sind die Teilnehmer*innen gebeten, eine Unterrichtsreihe für eine em/soz Förderschulklasse vorzubereiten. Sind nur vier Schüler. Aber Sie werden vermutlich bald verstehen, warum die Klasse so klein ist.

Verhaltensstörungen in der Förderschule – ein Planspiel

Dreizehnte Sitzung (4.1.)

Die dreizehnte Sitzung versucht einen Vergleich von Methoden der Verhaltenstherapie und des Systemischen Ansatzes. Welche Intervention ist wirksamer: Ein Elterntraining verhaltenstherapeutischer Provenienz oder das Konzept der Familienklassen?

Verhaltenstherapie versus Systemischer Ansatz

Vierzehnte Sitzung

Die 14. Sitzung befasst sich abschließend mit der Teilleistung Literaturrecherche:

Zur Teilleistung Literaturrecherche

4 Gedanken zu „Arbeitsfeld Erziehungshilfe“

  1. Als Familienhelfer-in hätte ich nur die einzige Möglichkeit die Tochter aus der Familie wegen Kindeswohlgefährdung herauszunehmen. Auch das volle Sorgerecht könnte Vicky durch das Jugendamt entzogen werden und kein Familiengericht würde Vicky je wieder das Sorgerecht zurückführen. Ob es Vicky etwas ausmacht, dass ihre Tochter nicht mehr bei Ihr lebt bezweifle ich. Hier hat die Gesellschaft versagt

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  2. Sitzung 6:
    Ich denke, dass Fischmaul sich auf Stufe 0 befindet, da er eine sehr egozentrische Verhaltensweise aufweist. Fischmaul ist nicht in der Lage zu verstehen, dass die anderen SchülerInnen ihn mit dem Spitznamen „Fischmaul“ ärgern wollen und möchten, dass er auf sie los geht. Da er dies nicht versteht, gibt er den anderen SchülerInnen immer wieder die Genugtuung. Weiter äußert sich die egozentrische Perspektive darin, dass er in Bezug auf die Lernaufgaben nur auf sich schaut und einen Aufriss macht, wenn andere weniger machen müssen als er. Auch hier ist Fischmaul nicht in der Lage, zu begreifen, dass SchülerInnen auf einer Förderschule, ein unterschiedliche Lernpensum aufweisen. Stattdessen schaut er nur auf sich.

    Die Perspektivübernahme könnte man versuchen zu stärken, in dem versucht, auf die nächst höhere Stufe zu kommen. In diesem Fall die Stufe 1. Möglich wäre hier, dass man Fischmaul mit einem anderen Kind zusammenbringt, welches Ähnliches wie er erlebt hat oder welche dieselben Interessen aufweist. Fischmaul und dieses Kind könnten dann ihre unterschiedlichen Wahrnehmungen zu dem selben Thema äußern. Fischmaul würde so merken, dass es auch andere Perspektiven bezüglich eines Themas gibt.

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  3. Folgender Versuch das Problem von Fischmaul zu beschreiben

    Die Entwicklung der Perspektivübernahme von Fischmaul :
    Fischmaul ist nicht fähig seine eigenen Gefühle und Gedanken zu reflektieren und diesbezüglich ist er auch nicht in der Lage sie aus der Perspektive der zweiten Person zu sehen.
    Seine Mutter und Lebenspartner (Systemsprenger!) halten nicht viel von Ehre, Anstand, Gewissen, Höflichkeit oder Bescheidenheit. Daher konnte Fischmaul keine moralischen Kompetenzen entwickeln. Wenn man ein moralisch handelnder Mensch ist, dann verhält man sich aus Sicht der Gesellschaft gut und richtig. Daher kann Fischmaul mit Regeln und vermutlich später mit Gesetzen schwer umgehen. Fischmauls kognitive Entwicklung ist nicht weiterentwickelt und befindet sich auf Stufe 1 nach Kohlbergs moralischem Urteil. Seine Motivation ist das Vermeiden von persönlichem Leid ist, daher besitzt Fischmaul kein Gerechtigkeitssinn und kann auch keine gerechten Entscheidungen treffen.

    Mögliche Maßnahmen zur Verbesserung von Fischmauls

    Da die Entwicklung eines Menschen verläuft ein Leben lang. Entwicklungspsychologie und Soziales Handeln könnten Fischmaul dazu verhelfen sich weiterzuentwickeln (denke ich…)

    Antworten
  4. Sitzung 6:
    Da Fischmaul eine sehr egozentrische Perspektive hat und für ihn keine Perspektivübernah-me aus Sicht der anderen möglich ist, ist er der Stufe 0 zuzuordnen. Fischmaul nimmt zwar die andere Reaktion der Mitschüler wahr, kann aber deren Gedanken und Gefühle nicht in-terpretieren und ihr Gelächter daher nicht deuten. Er erkennt noch nicht die gezielte Absicht, auch hinter der provozierten Reaktion der körperlichen Gewalt, und auch nicht, dass sich die älteren Schüler ihrer Überlegenheit bewusst sind. Auch die Absicht der Lehrer*innen hinter der ungleichen Aufgabenverteilung kann er nicht verstehen und empfindet diese aus seine egozentrischen Sicht als konkrete Bestrafung gegen ihn. Da Fischmaul anscheinend auch in seiner Herkunftsfamilie gewohnt ist “kämpfen zu müssen“, wenn er sich gegen Geschwister oder Tiere durchsetzen muss, schaltet er sehr schnell in diesen Modus um, wenn ein schein-barer Angriff durch die Bezeichnung „Fischmaul“ erfolgt.

    Mögliche Fördermöglichkeiten zur Perspektivübernahme sollten auf dem Ziel beruhen, eine Entwicklung des moralischen Urteils und hin zur Stufe 1 „Sozial-Informationsbezogene Per-spektivübernahme“ zu bewirken. Möglicherweise kann das Wahrnehmen von Unterschieden der Gedanken- und Gefühlswelt in anderen – weniger emotional beladenen Situationen – trai-niert werden, sodass Fischmaul anschließend in diesen für ihn konkreten „Angriffssituationen“ zurückgreifen kann. Außerdem könnte versucht werden, ihm den Zusammenhang zwischen seinem aggressiven Verhalten sowie dem Gelächter der Mitschüler*innen und deren sich ständig wiederholenden, verbalen Angriffen zu verdeutlichen. In Bezug auf die Aufgabenver-teilung, könnten seine Erfahrungen hervorgehoben werden, in denen er mal weniger zu tun hat als andere, um so möglicherweise eine Perspektivübernahme zu schulen. Nur durch ge-zielte Förderung kann Fischmaul erlernen, sich in andere hineinzuversetzen und deren Motive zu begreifen, um aus bestehenden Verhaltens- und Gefühlsspiralen ausbrechen zu können. Durch eine Auseinandersetzung mit eigenen und fremden Emotionen, können neue Hand-lungsalternativen geboten werden.

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