Richtig Recherchieren

Ist nicht kompliziert: Google & co meiden, Fachdatenbanken nutzen, Standort der Bücher & Zeitschriften lokalisieren, ausleihen & lesen. Man sollte wissen, wie man herausfindet, ob es sich um wichtige Zeitschriften bzw. Verlage handelt. Man braucht einige Methodenkenntnisse, um die Aussagekraft wissenschaftlicher Studien bewerten zu können. Hilfreich sind vielleicht auch Kenntnisse darüber, was in Veröffentlichungen wo steht, damit man nicht alles von vorn bis hinten lesen muss. Aber das war´s dann auch. Das Seminar erklärt – wenn Sie mögen – am Beispiel Ihrer Hausarbeitsthemen, wie Sie passende Literatur finden, wie Sie die Bedeutung der Beiträge einschätzen sollten, wie man Beiträge zusammenfasst und wie man aus den Zusammenfassungen von Beiträgen eine Hausarbeit bastelt.

Derzeit sieht es danach aus, als würde das Seminar als Präsenzveranstaltung stattfinden können.

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung stelle ich mich und die Veranstaltungsplanung vor. Sie erfahren von mir, welche Standards gelten, wenn Sie sich für eine modulabschließende Prüfung bei mir entscheiden wollen. Und dann geht es gleich zur Sache: Ich erkläre, wie man eine Fragestellung entwickelt. Und dann unternehmen Sie erste Schritte in diese Richtung, wenn Sie wollen könnten Sie sogar versuchen eine Fragestellung zu entwickeln, die Sie im Rahmen einer späteren Hausarbeit untersuchen wollen.

Es gibt verschiedene Wege eine Hausarbeit zu schreiben. Sie können z. B. eine Hausarbeit schreiben, die herausfinden will, welche Angebote eine/r Ihrer Adressat*innen braucht, um erste Schritte zu tun, ein wichtiges Problem anzugehen (diagnostische Hausarbeit). Sie können auch eine klassische Hausarbeit schreiben. Wichtig ist hier erstens, dass Sie auf irgendeine Art und Weise nicht nur zusammentragen, was andere geschrieben haben, sondern auch analysieren und interpretieren. Dies kann man normalerweise tun, indem man in irgendeiner Weise einen Vergleich einbaut (z. B. Vergleich von Methoden, Vergleich von Ländern, Vergleich von Epochen).

Wie man eine Fragestellung entwickelt.

Der letzte Abgabetermin liegt in diesem Semester auf dem 1.8.2022, 23.59 Uhr. Bitte lassen Sie mir Ihre Hausarbeit als E-Mail-Anhang zukommen. Ich drucke sie aus (4 Seiten auf eine A4 Seite) und sende sie an das Prüfungsamt. Einen Ausdruck benötige ich also nicht. Wenn Sie auf der Titelseite einen Nickname nennen, veröffentliche ich die Noten auf meiner Homepage. Sollten Sie allerdings im dritten Versuch sein, gelten andere Regeln. Sie erhalten dann Nachricht vom Prüfungsamt, wie vorzugehen ist.

Zweite Sitzung

Die zweite Sitzung befasst sich damit, welche Probleme entstehen, wenn man googelt oder wenn man eine Katalogrecherche mit einer Fachdatenbankrecherche verwechselt. Damit dies anschaulich wird, werden die Teilnehmer*innen gebeten, auf eigenen Geräten eine schlechte Recherche durchzuführen. Wie Sie vermutlich alle wissen, zeigt Google ja nicht an, was zu Ihrem Thema veröffentlicht ist. Sondern Google entwirft auf Basis Ihrer Suchgeschichte und Ihrer Käufe im Internet Hypothesen darüber, was Sie interessieren könnte und zeigt Ihnen dann nur noch passende Treffer an. Diese Personalisierung führt zu vielfältigen Problemen, u.a. auch dazu, dass Sie ggf. nicht erkennen, dass Fragen kontrovers diskutiert werden oder dass Sie sich nur einseitig informieren.

Das Seminar hat zum Thema Autismustherapie recherchiert. Ergebnis: Die Treffer der Google-Recherche unterschieden sich erheblich. Einige haben eine Veröffentlichung einer Interessenorganisiation von Autismusambulanzen angezeigt bekommen. Diese kommt nach Analyse einiger unsystematisch ausgewählten und kritisierten Beiträge zu der Einschätzung, dass über die Wirksamkeit von Autismustherapie keine Aussagen möglich seien und kritisiert vor allem verhaltenstherapeutische Interventionen. Das Problem: Es fehlt eine nachvollziehbare Datenbankrecherche in den einschlägigen Fachdatenbanken (pubmed, pubpsych). Die Autor*innen übersehen also eine Vielzahl von ziemlich aussagefähigen Studien und beklagen auf Basis eines winzigen Anteils der Forschung eine angeblich unbefriedigende Forschungslage. Die Kritik an der Verhaltenstherapie verschweigt leider, dass Verhaltenstherapie sicher mit Abstand als wichtigste Methode in der Autismustherapie eingeschätzt werden muss, und sehr wohl ziemlich überzeugende Belege ihrer Wirksamkeit veröffentlicht wurden. Der Beitrag kann entsprechend als Versuch verstanden werden, Autismusambulanzen Möglichkeiten zu eröffnen, auch wenig wirksame Therapiemethoden einzusetzen. Warum wird dieser Eintrag bei der Google-Recherche angezeigt? Google vermutet wohl, dass die jeweiligen Studierenden als potentielle Arbeitnehmer dieser Autismusambulanzen vielleicht ebenfalls kritische Einstellungen gegenüber der Verhaltenstherapie entwickeln könnten.

Es wurden auch noch weitere Beiträge gefunden. Am wenigsten seriös erscheint eine Studie, die behauptet, Stuhltransplantationen könnten in der Autismustherapie eingesetzt werden.

Hier ein Podcast aus einer Veranstaltung des letzten Semester zum Thema „Falsch Recherchieren“:

Falsch recherchieren.

Dritte Sitzung

Die dritte Sitzung erklärt, was Fachdatenbanken sind, warum es sinnvoll ist in Fachdatenbanken zu recherchieren und wie die Recherche in Fachdatenbanken funktioniert.

Dies haben wir zunächst in der Datenbank pubmed getan, um festzustellen, ob es ausreichend Studien zur Wirksamkeit von Methoden in der Autismustherapie gibt (pubmed.ncbi.nlm.nih gov, Suchbegriffe: „autism“ und „therapy“ und „effects“). Resultat: 7739 Treffer. Es ist also ziemlich gewagt zu behaupten, es gebe nicht ausreichend Studien zur Wirksamkeit von Therapie bei Autismus. Weiterer Schwerpunkt waren Recherchen zu den Hausarbeitsthemen der Teilnehmer*innen in den Datenbanken pubpsych de und Fis-Bildung de. Ich habe dabei immer wieder gezeigt, wie man vorgeht, wenn zu viele Treffer vorliegen (Auswahl nach Verfügbarkeit, Genre oder Aktualität) bzw. wie man vorgeht, wenn zu wenig Treffer erzielt werden (Veränderung und Erweiterung der Suchbegriffe).

Hier ein podcast aus einem ähnlichen Seminar des letzten Semesters:

Datenbankrecherche

Vierte Sitzung

In der vierten Sitzung steht die Bewertung der Treffer aus der Datenbankrecherche auf dem Programm. Denn man muss sich gut überlegen, welche Treffer man beschaffen will, und welche eher nicht. Dabei gibt es zulässige und nicht zulässige Strategien. Und es bestehen nicht ganz unerhebliche Gefahren, auf Veröffentlichungen aus Predatory Journals hereinzufallen oder Kongressberichte in die Literaturliste aufzunehmen, die aus Kongressen stammen, die problematische Veranstalter haben. Bei Zeitschriften und Büchern ist es sinnvoll, auch die Verlage zu prüfen. Haben die Verlage ein einschlägiges Programm? Handelt es sich um Verlage, die gegen Geld alles drucken? Natürlich muss man dabei damit rechnen, dass derlei Verlage ihre Homepage so gestalten, als sei alles normal. Die Behauptung, man praktiziere ein Peer-Review-Verfahren, lässt sich ziemlich einfach publizieren. Überprüfen kann man das aber nicht so ohne weiteres.

Hier nun ein passender Podcast aus dem letzten Semester:

Wie man aus vielen Datenbanktreffern geeignete Veröffentlichungen auswählt

Fünfte Sitzung

Viele Datenbanktreffer sind nicht frei verfügbar. Also ist es sinnvoll, Zeitschriftenbeiträge oder Bücher in den Bibliotheken der Region auszuleihen. Auch hier ist ein bibliotheksübergreifendes Vorgehen sinnvoll. Denn , dass eine Bibliothek wirklich alle benötigten Zeitschriften oder Bücher hat, ist doch ziemlich unwahrscheinlich.

Hier der passende Podcast aus dem letzten Semester. Bitte beachten Sie, dass Sie hier beim Nachvollziehen der Recherche zu anderen Ergebnissen kommen können. Denn in den letzten sechs Monaten hat sich durchaus einiges getan. Die Werkzeuge sind aber immer noch dieselben: Bücher findet man mit überregionalen Bibliothekskatalogen. In NRW empfehle ich den HBZ Verbundkatalog. Und Zeitschriften findet man mit der (deutschlandweit arbeitenden) Zeitschriftendatenbank. Und auch das Vorgehen bei der Suche hat sich nicht geändert. Einige Bibliotheken haben sich aber neue Bücher gekauft oder Zeitschriften abbestellt.

Bücher und Zeitschriften lokalisieren

Sechste Sitzung

In der sechsten Sitzung steht noch einmal die Quellenbewertung auf dem Programm. Für einige Dinge benötigt man nämlich die Literatur, also das Buch oder die Zeitschrift, die man verwenden will.

Eine wichtige Rolle spielen empirische Untersuchungen. Die Bedeutung von empirischen Untersuchungen erschließen sich dabei erst nach eingehender Analyse. Dabei ist es zunächst wichtig, auf die Stichprobe zu schauen. Denn wie viele Menschen untersucht bzw. befragt werden und wie man an diese Menschen kommt, ist sehr wichtig für die Frage, ob die Untersuchungsbefunde verallgemeinert werden können, also repräsentativ sind.

Stichprobenbewertung

Siebte Sitzung

Die siebte Studie befasst sich mit der Frage, wie man empirische Studien bewertet.

Achte Sitzung

Auch in der achten Sitzung geht es noch einmal um die Bewertung von empirischen Studien. Das Bewerten von empirischen Studien ist so wie viele Dinge im Leben. Man muss es immer wieder tun. Sonst lernt man es nicht.

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