Lektürekurs Inklusion

Diese Veranstaltung richtet sich an Studierende des Studiengangs BA Heilpädagogik/Inklusive Pädagogik (Modul 4).

Macht schon Sinn, in diesem Studiengang die wichtigen Aufsätze und Bücher zum Thema Inklusion gelesen zu haben. Nach einer Einführung in die Datenbankrecherche wendet sich das Seminar einschlägigen Texten aus Integrationspädagogik und Inklusionspädagogik zu.  Der Schwerpunkt Inklusion ist exemplarischer Schwerpunkt der Veranstaltung. Dies bedeutet: Lese- und Recherchestrategien werden am Beispiel der Inklusionsdebatte vermittelt. Und Sie sind auch keineswegs auf das Thema Inklusion festgelegt, falls Sie sich entscheiden sollten, Ihre modulabschließende Hausarbeit bei mir zu schreiben. 

Derzeit sieht es danach aus, als würde das Seminar als Präsenzveranstaltung stattfinden können.

Hausarbeiten

Es gibt verschiede Optionen, bei mir eine Hausarbeit zu schreiben. Sie können untersuchen, was ein Klient von Ihnen braucht, um in seiner Entwicklung den nächsten Schritt zu machen oder ein Problem zu bewältigen (diagnostische Hausarbeit). Sie können aber auch eine klassische Hausarbeit schreiben. Thematisch kann alles verwendet werden, was an der EvH gelehrt wird. Sie brauchen aber noch eine präzise Fragestellung, die Sie in Auseinandersetzung mit den in einer Fachdatenbankrecherche gewonnenen Literatur beantworten. Wichtig ist hier, dass Sie auch ins Interpretieren und Analysieren kommen. Dies kann man z. B. erreichen, indem man einen Vergleich vornimmt (z. B. Methoden, Regionen, Epochen. Bitte lassen Sie mir Ihre Arbeit als E-Mail-Anhang zukommen (als pdf). Ich drucke sie aus. Papierfassungen sind nicht notwendig. Bei Arbeiten im 3. Versuch gelten allerdings andere Bedingungen. Sie werden dann über die Abläufe informiert.

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung stelle ich mich und die Veranstaltungsplanung vor. Sie erfahren von mir, welche Standards gelten, wenn Sie sich für eine modulabschließende Prüfung bei mir entscheiden wollen. Und dann geht es gleich zur Sache. Das Konzept der Veranstaltung sieht ja vor, dass ich Ihnen am Beispiel Inklusion erkläre, wie man sich einen Überblick zu einer Fragestellung verschafft. Das macht es ziemlich sinnvoll, den Begriff Inklusion zu bestimmen, zu untersuchen, ob und in welcher Hinsicht sich dieser Begriff vom Vorgängerbegriff Integration unterscheidet und welche Fragestellung in der exemplarischen Recherche untersucht werden soll.

Der Podcast der ersten Sitzung informiert über den Integrationsbegriff und die Anfänge der deutschen Debatte zum Thema Inklusion.

Integration und Inklusion


Tab 1:
 Feuser (1999) : Integrative Pädagogik ist eine Allgemeine Pädagogik, in der
alle Kinder 
in Kooperation miteinander 
auf ihrem jeweiligen Entwicklungsniveau 
mittels ihrer momentanen Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungskompetenzen 
an und mit einem gemeinsamen Gegenstand 
spielen lernen und arbeiten 

Praxis der Inklusion und Integration Tab 18: Hinz, A.: Entwicklungswege zu einer Schule für alle mit Hilfe des Index für Inklusion. In: Z.f.H. 5/2004, 245-250
Praxis der IntegrationPraxis der Inklusion
Eingliederung von Kindern mit best. Bedarfen in die Allg.SchuleLeben und Lernen in der Allgemeinen Schule
Diff. System je nach SchädigungUmfassendes System für alle
Zwei Gruppen Theorie (mit / ohne sonderpäd. Förderbedarf)Theorie einer heterogenen Gruppe
Aufnahme von beh. KindernVeränd. d. Selbstverst. Schule
Individuumzentrierter AnsatzSystemischer Ansatz
Fixierung auf die inst. EbeneBeacht. d. em. soz. & unter. E. 
Ressourcen für K. mit Etikett.Ressourcen für Systeme
Individuelle Curricula f. EinzelneGem. & indivi. Lernen für alle
Förderpläne für beh. Kinderein individ. Curriculum für alle
Anliegen und Auftrag der Sonderpädagogik und SonderpädagoginnenGem. Planung & Reflexion aller Beteiligter, Anliegen & Auftrag der Schulp. & Schulpädagogen
Sonderpädagogik als Unterstützung für besondere KinderSonderpädagogik als Unterstützung von Klassen- lehrer, Klassen und Schulen
Ausweitung von Sonderpädagogik in die Schulen hineinVeränderung von Sonderpädagogik und Schulpädagogik
Kombination von (unveränd.) Schul- und SonderpädagogikSynthese von (veränderter) Schul- und Sonderpädagogik
Kontrolle durch ExpertinnenKoll. Problemlösen im Team
Abbildung 2: Behinderte Kinder in Regel und Förderschulen (Zahlen aus: STATISTISCHE VERÖFFENTLICHUNGEN DER KULTUSMINISTERKONFERENZ Dokumentation Nr. 217 – Januar 2019)
Regelschule
2000/2001
Förderschule
2000/2001
Förderschule
20016/2017
Regelschule
20016/17
Deutschland0,7 %4,6 %4.3 %2,8 %
NRW0,4 %4,6 %4,6 %3,0 %
Bremen2,6 %4,1 %1,2 %5,9 %
Hamburg0,9 %4,9 %3,1 %5,7 %
Berlin1,6 %4,2%2,8 %4,8 %

Zweite Sitzung

Die zweite Sitzung des Seminars erklärt, wie man nicht recherchieren sollte. Googeln ist z. B. eine schlechte Idee. Denn Google informiert nicht darüber, was zu einem Thema veröffentlicht ist. Sondern Google informiert auf Basis Ihrer Kaufgeschichte und auf Basis von Informationen über Ihr Sufverhalten Hypothesen darüber, was Sie vielleicht interessieren könnte und zeigt ihnen nur dies an. Sie werden also systematisch einseitig informiert.

Die zweite Sitzung versucht herauszufinden, welche Auswirkungen dies auf die Suchbegriffe hat. In diesem Seminar soll ja exemplarisch untersucht werden, ob Kinder und Jugendliche mit Lernbehinderungen eher von Förderschulen oder von Inklusionsschulen profitieren. Und die Aufgabe ist entsprechend: Suchen Sie Studien zu diesem Thema mit Google. Ich erkläre Ihnen dann, was Ihnen gezeigt wird (und was nicht) und erarbeite mit Ihnen Hypothesen darüber, wie Google sie einschätzt. Da Google noch nicht weiß, welcher EvH Account auf welche Person verweist, ist es für diese Sitzung hilfreich, Handys, Tablets oder Notebooks aus dem Privatbesitz zum Einsatz zu bringen.

Die Recherche mit Google bei den Teilnehmer*innen der zweiten Sitzung ermittelt: Angezeigt werden ausschließlich Studien von Inklusionsbefürworter*innen. Studien der Inklusionsgegner*innen – und hiervon gibt es einige – werden nicht einmal thematisiert. Dies bedeutet: Google stuft die Seminarteilnehmer*innen als Inklusionsbefürworter ein und zeigt ihnen nur das, was Inklusionsbefürworter sehen wollen. Das Problem an der Personalisierung ist also ganz offensichtlich: Sie werden einseitig informiert.

Hier kommt ein passender Podcast aus dem letzten Semester:

Falsch recherchieren

Dritte Sitzung

In der dritten Sitzung wird erklärt, wie man in der Fachdatenbankrecherche vorgeht. Diese Sitzung greift – wie die nächsten Sitzungen – umfangreich auf die Forschungsmethoden Materialsammlung dieser Homepage zurück.

In der dritten Sitzung haben wir einige Fachdatenbanken ausprobiert: Pubmed, Pubpsych und FIS-Bildung. Dies haben wir einerseits bezogen auf Fragestellungen der Teilnehmenden getan. Andererseits habe ich in pubmed gezeigt, wie gut die Forschungslage in Sachen Effektivität von Therapiemethoden bei Autismus ist. Von Forschungslücken kann also wirklich keine Rede sein. Die exemplarische Recherche (Inklusion und Lernbe* in FIS-Bildung ermittelt 673 Treffer. Als erster relevanter Beitrag erweist sich die Studie von Golden & Kemper (2020). Ganz anders als die Google-Recherche führt eine Datenbankrecherche hier zu einer Studie von Inklusionsskeptiker*innen. Wichtigster Befund: Werden inklusive Schwerpunktschulen eingerichtet, so hat dies auf Dauer negative Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Schülerschaft (mehr Schüler*innen aus benachteiligten Familien). Diese Studie wird noch ausführlicher Gegenstand dieses Seminars sein.

Hier kommt nun ein passender Podcast zum Thema Datenbankrecherche aus dem letzten Semester:

Datenbankrecherche

Vierte Sitzung

Wer in Datenbanken recherchiert, erhält normalerweise eine Vielzahl von Treffern. U.a. muss man sich entscheiden, ob es sich lohnt, den Beitrag zu beschaffen. Denn nicht alle Treffer sind online verfügbar, und dies gilt normalerweise insbesondere für die attraktiven Beiträge. Es lohnt in jedem Fall, sich anhand des Abstracts Gedanken über den Beitrag zu machen, der dort beworben wird. Um welches Genre handelt es sich? Hat der Beitrag inhaltlich mit der Frage zu tun, die untersucht werden soll? Was kann man über die Zeitschrift bzw. was kann man über den Verlag sagen, die den Beitrag veröffentlicht? Nicht alle Informationen sind so bedeutend, dass schlechte Beiträge ausgeschlossen sind. Aber wenn der Verlag, in dem ein Buch erscheint, auf seiner Homepage darum wirbt, Autor*innen zu suchen (gegen Druckkostenzuschuss, versteht sich), dann weiß man immerhin, dass hier ein Buch gegen Geld publiziert wurde. Kann zwar sein, dass dies die ersten Versuche einer später berühmten Autor*in sind. Aber normalerweise ist das kein gutes Zeichen, wenn ein Buch in einem solchen Verlag erscheint.

Hier ein passender Podcast aus dem letzten Semester:

Wie man Beiträge aus der Trefferliste auswählt

Fünfte Sitzung

Ist nun klar, welche Buch und Zeitschriftenbeiträge in der Hausarbeit verwendet werden sollen, müssen die Quellen beschafft werden. Wenn es sich um Online-Literatur handelt, muss man die Texte herunterladen. Für den Rest sind die Bibliotheken der Region die richtige Adresse. Die fünfte Sitzung erklärt, wie man herausfindet, wo die gesuchte Zeitschrift oder das gesuchte Buch steht.

Bücher und Zeitschriftenbeiträge lokalisieren

Sechste Sitzung

Die sechste Sitzung befasst sich noch einmal mit dem Thema Bewertung von Literatur. Denn einige Dinge kann man nur tun, wenn man die Literatur vorliegen hat. Dies kann zunächst anhand von Aufsätzen geschehen, die die Studierenden für ihre Hausarbeit verwenden wollen . Es wäre also schön, wenn Sie sich unverbindlich für einen solchen, nach Möglichkeit frei verfügbaren Text entscheiden. In einem zweiten Schritt befassen wir uns mit einer für das exemplarische Thema des Seminars (Inklusion) wichtigen Studie von Hans Wocken.

Hans Wocken: Andere Länder – andere Schüler

Siebte Sitzung

In der siebten Sitzung geht es um die Interpretation von Tabellen. Denn wer nicht weiß, wie man Tabellen interpretiert, dem fehlen wichtige Informationen, um die Bedeutung einer Studie einzuschätzen. Schwerpunkt sind zunächst Kreuztabellen. Dies wird exemplarisch an der Ginnoldstudie untersucht: (Antje Ginnold: Übergänge von Schülerinnen und Schülern mit dem Förderschwerpunkt Lernen aus Sonder- und Integrationsschulen in Ausbildung und Erwerbsleben. In: Inklusion-online net).

Übergänge in die Berufsausbildung nach Sonderschule & Integration. Kreuztabelle rekonstruiert nach den Befunden von Ginnold (2009, 9)
IntegrationSonderschule
Berufsausbildung direkt nach Schule46 % (?)11%
keine Berufsausbildung direkt nach Schule54 % (?)91 %
N = 96
Irrtumswahrscheinlichkeit< 5 %

Die Ginnold-Studie

Achte Sitzung

In der achten Sitzung geht es um Korrelationskoeffizienten. Weil ich selbst hier eine thematisch passende Studie veröffentlicht habe, wird die Interpretation von Korrelationskoeffizienten an der Kommunaldatenstudie (Mand 2006) geübt.

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