Diagnostizieren, etikettieren, stigmatisieren WS 21 / 22

Dieses Seminar richtet sich an BA-Studierende der Sozialen Arbeit (Modul 4.4).

Das ist gar nicht so selten, dass Sozialarbeiter/*innen damit konfrontiert sind, dass die Menschen, mit denen sie arbeiten sollen, in Kliniken, Praxen oder Schulen Labels verpasst bekommen. Und diese Labels können ziemlich unerfreuliche Auswirkungen haben. Denn es macht etwas aus, ob man eine Verhaltensstörung attestiert bekommt oder ein Asperger Syndrom. Wer als lernbehindert eingestuft wird, für den bleibt nur ein Leben am Rande der Gesellschaft – Legastheniker können alles werden. Und auch die anderen Kategorien von  Boderline bis zu Wahrnehmungsstörungen haben z. T. gravierende Auswirkungen. Das Seminar erklärt deshalb, wie solche Diagnosen fallen. Es stellt einige Testverfahren vor und erklärt, worauf man achten muss, wenn man für die Rechte seiner Adressat*innen eintreten will. 

Prüfungsleistungen

Im alten Modulhandbuch können Sie sich aussuchen, ob Sie ein Referat machen oder eine Hausarbeit schreiben. In diesem Seminar bietet es sich an, Störungsbilder vorzustellen, also sagen wir ein Referat zum Thema ADHS, PTBS, Autismus oder andere Probleme anzubieten. Es ist sinnvoll, dies einigermaßen frühzeitig abzusprechen. Denn es könnte ja sein, dass eine andere Studierende, das von Ihnen bevorzugte Thema bearbeiten will. Alternativ sind auch Hausarbeiten möglich. Hier sind Sie nicht auf das Thema des Seminars eingeschränkt, sondern können alle möglichen Themen des Moduls zum Gegenstand machen (Gesundheit, Behinderung, Inklusion, Diversity usw.).

Alle Studierenden können eine Hausarbeit schreiben – unabhängig davon, ob Sie nach der alten oder neuen Studienordnung studieren. Das Thema sollten Sie unbedingt mit mir absprechen. Es gibt dabei viele Möglichkeiten eine Hausarbeit zu schreiben. Eine Option ist eine sogenannte diagnostische Arbeit. D.h.: Sie stellen eine Adressatin / einen Adressaten aus Ihrer eigenen beruflichen Praxis vor (bitte unbedingt anonymisierten, also Namen ändern, Institutionsnamen ändern, als Ortsangabe ausschließlich Recklingkirchen verwenden). Sie schreiben die Arbeit dann, um herauszufinden, welche Angebote sinnvoll sind. Dies tun Sie allerdings nicht freihändig oder auf Basis zusammegoogelter Literatur bzw. auf Basis von Büchern, die in Papier oder digital über unsere Bibliothek ausleihbar sind oder sich gar in Ihrem persönlichen Besitz befinden, sondern in Auseinandersetzung mit aus einer Fachdatenbankrecherche gewonnenen Literatur. Sie können aber auch eine klassische Hausarbeit schreiben, also eine klare Frage formulieren, in die Fachdatenbanken gehen, die Literatur nach nachvollziehbaren Kriterien auswählen und eine Antwort formulieren. Sie können sich aufgrund der COVID19-Pandemie auf Fachdatenbanktreffer beschränken, die frei verfügbar sind. Es ist leider zu aufwendig, an dieser Stelle zu erklären, warum es wichtig ist, eine Fachdatenbankrecherche durchzuführen, was eine Fachdatenbankrecherche von einer Katalogrecherche unterscheidet und wie man dabei vorgeht. Eine der letzten Sitzungen, vielleicht auch die letzte Sitzungen befasst sich deshalb ausführlich mit dem Thema Datenbankrecherche.

Die Hausarbeit sollten Sie mir als E-Mail-Anhang (PDF) bis spätestens zum 14.2.2022, 23.59 Uhr zukommen lassen. Gegen Ende des Semesters finden Sie weitere, wichtige Informationen zum Thema Hausarbeiten auf meiner Homepage.

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung erkläre ich, wie das Seminar aufgebaut ist und mache darauf aufmerksam, wie das mit den Referaten bzw. Hausarbeiten funktioniert. Referate müssen sich auf das Thema des Seminars beziehen und in den Seminarplan passen.

Einführung in das Thema, Aufbau des Seminars, Prüfungsleistungen

 yulelie Diagnostische Kriterien des ADHS

  • Zunächst sind die Hauptanzeichen für ADHS: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Diese können von Patienten zu Patienten unterschiedlich ausgeprägt sein.
  •  Dennoch sollten diese Verhaltensauffälligkeiten über einen längeren Zeitraum (min. 6 Monate) vorhanden sein und bereits im Vorschulalter und in zwei Lebensbereichen (bspw. Kindergarten und Familie) beobachtet worden sein.
  • Die Diagnostik von ADHS basiert auf verschiedenen Beobachtungsperspektiven & -1vorhanden) wie Sozialverhalten, depressive Verstimmungen, Ängste o.Ä. zu erkennen und sie ggf. gesondert zu behandeln, um ausschließen zu können ob diese Begleiterscheinungen des ADHS sind oder sogar ADHS ähnliche Symptome hervorrufen.
     Wichtig zu erkennen ist:
  •  Die Verhaltensweisen weichen deutlich vom Alter und dem Entwicklungsstandes desKindes ab
  •  Das auffällige Verhalten tritt nicht phasenweise auf sondern ist zeitlich stabil
  •  Spielverhalten ist plan- und rastlos und die Ausdauer im Einzel- und Gruppenspiel istgering
  •  Auffälliges Sozialverhalten: nicht vorhersehbar bis aggressiv -> führt häufig zuIsolation
  •  Erhebliche Lernschwierigkeiten: stört den Unterricht; zeigt wenig Ausdauer; istschnell abgelenkt
  • Langsames Arbeitstempo und wirken verträumt; lassen Arbeiten liegen und bringensie nicht zu Ende

     Kriterien der Diagnosestellung:

o Umfassende Anamnese der Eltern / Betroffenen
o Körperliche Untersuchungen und neurologische Untersuchungen der Fein-

und Grobmotorik, der Bewegungskoordination und der Sinnesorgane
o Testpsychologische Untersuchungen (Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests) o Untersuchungen der emotionalen und sozialen Entwicklung
o Verhaltensbeobachtung und -bewertung (aus unterschiedlichen Perspektiven

wie Eltern, Lehrer, Verwandte, Kinder- und Jugendarzt) -> Feststellen von

Schwächen/ Defiziten und Stärken
o Evtl. Messung von Hirnströmen (EEG) und der Herztätigkeit (EKG) o Blutuntersuchungen 2

Wichtigste Therapieform
– Unerlässlich sind eine Ausführliche Beratung der Eltern in Kombination mit einem

Elterntraining-> Eltern lernen Umgang mit eigenwilligem Kind

1 Schulte-Körne G.: Diagnostik des ADHS. Monatsschr Kinderheilkd. 156, 740 (2008)
2 Wissenschaftlicher Artikel: „Diagnostik bei Verdacht auf ADHS“ mit fachlicher Unterstützung von Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Tobias Banaschewski, Mannheim (DGKJP) 3 Fries. Alfred; Moosecker, Jürgen : Aufmerksamkeitsdefizit- /Hyperaktivitätsstörung

beurteilern, sowie einer umfangeichen Anamneseerhebung & Exploration.
– Bei der Untersuchung ist es wichtig, alle begleitende Probleme und Störungen (fallspage1image40683968

Multimodales Therapiekonzept: alle Ebenen sollten bedient werden; gleichzeitig enge Zusammenarbeit mit Facharzt, Eltern, Kind und Umfeld

  • –  Verhaltenstherapie
  • –  Psychotherapie
  • –  Übende Verfahren: soziales Kompetenztraining -> Kinder erlenen soziale Situationen richtig einzuschätzen und sich angemessen zu verhalten
  • –  Aufmerksamkeitstraining: Kinder üben und erlenen ihre Aufmerksamkeitsausdauer zu steigern
  • –  Sonderpädagogische Maßnahmen in Schule und Kindergarten: bspw. durch einen geschulten Begleiter
  • –  Medikamentöse Therapie

Turmalin: Diagnosekriterien für eine ADHS nach DSM-V: Unaufmerksamkeit/Aufmerksamkeitsdefizit:
– Konzentrationsprobleme
– Flüchtigkeitsfehler

– Schwierigkeiten Aufmerksamkeit länger aufrechtzuerhalten – Abwesenheit/Alltagsvergesslichkeit
– Desorganisation
– Gegenstände verlieren

Hyperaktivität:
– Unruhe/“Herumzappeln“
– Unentspanntheit
– Gefühl der Rastlosigkeit
Impulsivität:
– häufiges Unterbrechen von Gesprächen
– kann nicht warten bis er/sie an der Reihe ist
– vorschnelles Antworten auf Fragen/vorschnelle Entscheidungen

Nach dem DSM müssen mindestens 6 Anzeichen von Unaufmerksamkeit und/oder 6 Anzeichen von Hyperaktivität/Impulsivität bestehen. Es fallen bereits vor dem 12. Lebensjahr Anzeichen auf. Die Verhaltensstörungen wurden über eine Dauer von mind. 6 Monaten beobachtet. Sie treten in mehreren Lebensbereichen auf und gehen einher mit der Beeinträchtigung sozialer Beziehungen, des Leistungsvermögens und der Teilhabe. Andere psychische Erkrankungen können als Ursache ausgeschlossen werden.

Bei Kindern mit ADHS können psychosoziale Interventionsmaßnahmen eingesetzt werden, die sich mit Elternschulungen/Elternberatung darauf konzentrieren, Eltern für die Symptomatik ihrer Kinder zu sensibilisieren und ihr Erziehungsverhalten dahingehend zu optimieren, die psychosozialen Beeinträchtigungen für ihre Kinder im häuslichen Umfeld zu vermindern. Ergänzend zu Elterntrainings kindzentrierte Interventionen zur Förderung der Spiel- und Beschäftigungsintensität, zur Einübung von Handlungsabläufen und Bewältigung anstehender Entwicklungsaufgaben durchgeführt werden.

Quelle: AWMF online. Das Portal der wissenschaftlichen Medizin: Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter.

CharlieHamburg: Diagnostische Kriterien ADHS

-Abklärung erfolgt durch spezialisierten Kinder-/Jugendpsychiater oder Arzt/Ärztin
-verschiedene Test-/Untersuchungsverfahren und Fragebögen
-Differenzierung von „Störungsmerkmalen“ und alterstypischem Verhalten
-Hauptanzeichen: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität (unterschiedliche Ausprägungen) -Verhaltensauffälligkeiten über längeren Zeitraum vorhanden (min. 6 Monate+)

-Diagnose erst nach dem 3. Lebensjahr

-Anamnese von Kind und Eltern, körperliche + neurologische Untersuchungen der Fein- und Grobmotorik und Bewegungskoordination, Seh- und Hörtests

-evtl. Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests
-Überprüfung der schulischen Fähigkeiten + emotionaler/sozialer Entwicklung -Verhaltensbeobachtungen durch Eltern, Lehrer*innen, Erzieher*innen, Freund*innen -Feststellung von Kompetenzen und Defiziten

-Begleitende Probleme einer ADHS: Störungen im Sozialverhalten, Lernschwierigkeiten, Depressionen, Angst -> erkennen und ggf. gesondert behandeln
->Komorbidität muss als Ursache der Symptomatik ausgeschlossen werden
->können ADHS-ähnliche Symptome auslösen

-bei Mädchen oft nicht erkannt, da andere Symptome als bei Jungen:
->innere Unruhe, starker Redefluss, starke emotionale Schwankungen, Vergesslichkeit, Tagträumerei, mangelnde Selbstorganisation, langsames Arbeitstempo, niedriges Selbstbewusstsein, Ängstlichkeit, Mutlosigkeit (anpassen + nicht auffallen)
->Diagnose meist erst im Erwachsenenalter

Behandlungsmöglichkeiten

Nichtmedikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
-Elterntraining / Interventionen in Familie -> setzt Kooperationsbereitschaft voraus -Problembelastete Verhaltensmuster in konkreten Situationen werden untersucht -evtl. Familientherapie
-Intervention in Kita / Schulepage1image40725376

-Verhaltenstherapie

Medikamentöse Behandlung

-Ergänzung zu anderen Behandlungsmöglichkeiten (z.B. Verhaltenstherapie)

-ab 6 Jahren unter folgenden Bedingungen:

-> stark ausgeprägte Symptomatik, welche schulische Leistungsfähigkeit, Freizeit, Beziehungen zu Familie und Freund*innen beeinträchtigt

-> wenn ADHS-Symptomatik sich trotz Verhaltenstherapie nicht grundlegend bessert und beeinträchtigende Symptome bleiben

-Kontrolle der Dosierung

Chrisse:

1. Nennen Sie die diagnostischen Kriterien der ADHS:

Zum einen gibt es Diagnosekriterien der Weltgesundheitsorganisation (ICD) und zum andern aus dem „diagnostischen Leitfaden psychischer Störungen“ (DSM). Beide lassen sich in drei große Teilbereiche gliedern. Aufmerksamkeitsstörung, Überaktivität und Impulsivität. Um die Diagnose stellen zu können muss eine bestimmte Anzahl, der unter diesen Bereichen aufgeführten Kriterien erreicht werden.

Nach ICD: Aus dem Bereich Aufmerksamkeitsstörung 6 von 9 Kriterien

  • Einzelheiten nicht beachten, Flüchtigkeitsfehler
  • Probleme, Aufmerksamkeit bei Spielen oder Aufgaben beizubehalten
  • Scheint häufig nicht zuzuhören
  • Anweisungen und Arbeiten werden nicht zu Ende gebracht
  • Schwierigkeiten Aufgaben zu organisieren
  • Abneigung gegen Aufgaben, die längere geistige Anstrengungen beinhalten
  • Verlust von Gegenständen
  • Durch äußere Reize ablenkbar
  • Bei Alltagsaktivitäten häufig vergesslich

Aus dem Bereich Überaktivität 3 von 5 Kriterien

  • Zappelt mit Händen und Füßen, rutscht auf dem Stuhl herum
  • Steht auf, obwohl sitzen bleiben gefordert ist (Schulalltag)
  • Exzessives Klettern oder Laufen in unpassenden Situationen (bei Jugendlichen oder Erwachsenen: subjektives Unruhegefühl)
  • Schwierigkeiten ruhig zu Spielen
  • exzessive motorische Aktivität, welche durch die soziale Umgebung nicht durchgreifend beeinflussbar ist.

Aus dem Beriech Impulsivität 1 von 4 Kriterien

  • platzt mit Antworten heraus, obwohl Frage noch nicht beendet wurde
  • kann nur schwer warten, bis er/sie an der Reihe ist
  • unterbricht und stört andere häufig
  • redet oft übermäßig viel

DSM V unterscheidet dagegen drei verschiedene Erscheinungsformen von ADHS und senkt mit dem 17. Lebensjahr die zu bejahenden Kriterien von 6 auf 5.

  1. Die kombinierte Präsentationsform aus den einzelnen Bereichen müssen jeweils 6 von 9 Kriterien erfüllt sein.
  2. Die vorwiegend unaufmerksame Erscheinungsform nur die Kriterien aus dem Bereich Aufmerksamkeitsstörung müssen voll erfüllt sein. Die Kriterien aus dem Bereich Überaktivität und Impulsivität müssen nicht voll erfüllt sein.
  3. Die vorwiegend hyperaktiv-impulsive Erscheinungsform – hier müssen hinreichend die Kriterien aus dem Bereich der Überaktivität und der Impulsivität erfüllt sein, nicht aber aus dem Bereich der Aufmerksamkeitsstörung. 

2. Nennen sie die wichtigsten therapeutischen Interventionsmaßnahmen:

Zum einen ist die Pharmakotherapie zu nennen. Methylphenidat ist hier das häufigste Mittel. Eine Dosis-Wirkungsbeziehung von 0,5 – 1,0mg/kg Körpergewicht ist als relativ sicher nachgewiesen (Responderrate liegt bei etwa 70%). Amphetamine oder Atomoxetin werden bei Kontraindikationen oder fehlender Wirkung zusätzlich eingesetzt.

Zum anderen wurden zwei psychotherapeutische Ansätze in ihrer Wirksamkeit evaluiert. Die kognitiv-verhaltenstherapeutische Einzelpsychotherapie nach Safran und das Störungsspezifische Gruppenpsychotherapieprogramm nach Hesslinger.  

Quellen:

–  Artikel über ADHS in der „Kinderärztlichen Praxis“ (2014) von T. Banaschewski und M. Döpfner

– Diagnose-Checkliste DCL-ADHS

– Zusammenfassung des Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim

Soley:

Innerhalb des Verfahrens zu Diagnostik von ADHS sollten multiple Diagnoseverfahren eingesetzt werden, was bedeutet, dass der Eindruck der Erziehungsberechtigten sowie anderer am Leben des Kindes beteiligten Institutionen und Personen einbezogen werden sollten. Zu einer fundierten Diagnostik gehört eine ausführliche Anamnese, Verhaltensbeobachtungen, neurologische Untersuchungen, Leistungs-, Aufmerksamkeits- und Emotionalitätsdiagnostiken. 

Um eine Diagnose nach dem aktuellen ICD oder DSM zu stellen, müssen unterschiedliche Kriterien erfüllt werden, die anhand von Fragebögen erfasst werden. Es ist erforderlich, dass die Auffälligkeiten über einen Zeitraum von sechs Monaten bestehen und in mindestens zwei Kontexten beobachtet wurden. Auch müssen diese das Leben des Kindes erheblich einschränken und andere Ursachen für das Auftreten ausgeschlossen werden. 

Nach dem DSM kann eine Diagnose bereits erfolgen, wenn sechs Anzeichen von Unaufmerksamkeit oder sechs Anzeichen von Impulsivität sowie Hyperaktivität gegeben sind und das erste Auftreten vor dem zwölften Lebensjahr beobachtet worden ist. 

Das ICD gibt vor, dass sechs Anzeichen von Unaufmerksamkeit sowie drei Anzeichen von Hyperaktivität und ein Anzeichen von Impulsivität bestehen müssen. Der Zeitpunkt des erstmaligen Auftretens muss vor dem siebten Lebensjahr liegen.

Die Kriterien für eine Aufmerksamkeitsstörung sind beispielsweise, dass Einzelheiten nicht berücksichtigt werden oder das Zuhören häufig nicht gegeben ist. Für eine Überaktivität beziehen sich die Kriterien auf die Motorik und damit zusammenhängende Unruhe. Die Anzeichen für Impulsivität beruhen auf den Fähigkeiten, andere aussprechen zu lassen, sich zurückzustellen und abzuwarten. 

GAWRILOW, Caterina (2016): Lehrbuch ADHS. München: Ernst-Reinhard GmbH & Co KG, S.117-123.

BUNDESINSTITUT FÜR ARZNEIMITTEL & MEDIZINPRODUKTE (2021): Klassifikationen, ICD. Bonn: Bundesinstitut für Arzneimittel und Gesundheit. https://www.dimdi.de/dynamic/de/klassifikationen/icd/ – aufgerufen am 27.09.2021.

Interventionen:

  • Aufklärung & Beratung der Erziehungsberechtigten und anderer Personen und Institutionen, die mit den Verhaltensauffälligkeiten konfrontiert sind
  • Elterntraining
  • Verhaltenstherapie

GAWRILOW, Caterina (2016): Lehrbuch ADHS. München: Ernst-Reinhard GmbH & Co KG, S.125-135.

Palme25: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?
 
Nach dem DSM IV gibt es folgende Kriterien, die eine Aufmerksamkeitsdeifiz- / Hyperaktivitätsstörung bewerten.

 Dabei müssen sechs oder mehr Symptome der Unaufmerksamkeit vorhanden sein:

 – Flüchtigkeitsfehler in der Schule. auf der Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten
 – Schwierigkeiten die Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder beim Spielen eine längere Zeit aufrecht zu erhalten
 – Schwierigkeiten zuzuhören, wenn jemand mit einem spricht
 – führt Anweisungen wie Schulaufgaben oder Aufgaben am Arbeitsplatz nicht richtig durch, obwohl diese verständlich sind
 – Schwierigkeiten Aufgaben oder Aktivitäten zu organisieren
 – vermeidet Aufgaben, die für eine längere Zeit eine geistige Anstrengung fordern
 – häufiger Verlust von Gegenständen die für bestimmte Aufgaben oder Aktivitäten benötigt werden
 – leichte Ablenkbarkeit durch äußere Reize
 – Vergesslichkeit bei alltäglichen Tätigkeiten

 Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?
 
 
In der Therapie der ADHS gibt es sowohl eine Psychotherapie als auch eine psychopharmakologische Behandlung.

 Zu der Psychotherapie zählen dabei:

 – verhaltenstherapeutische Interventionen mit dem Kind
 – Eltern-Training
 – verhaltenstherapeutische Intervention im Kindergarten und in der Schule

 Quelle:

Bundesärztekammer 

Sasasch: Diagnostische Kriterien des ADHS

  • Um eine ADHS Diagnose zu vergeben, müssen Kriterien nach dem ICD-10 oder DSM-5 erfüllt sein
  • Kriterien sind demnach:
  • Hyperaktivität
  • Impulsivität
  • Unaufmerksamkeit
  • Diese Symptome und Funktionsbeeinträchtigungen müssen in mehreren Lebensbereichen, wie Schule, Kindergarten etc. auftreten
  • Eine ADHS Diagnose wir bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchgeführt, welche Entwicklungs-, Lern-/ Leistungs-oder Verhaltensprobleme haben
  • Auch bei anderen psychischen Störungen sollte eine ADHS Diagnostik durchgeführt werden, wenn die oben genannten Kriterien erfüllt sind
  • Wer darf eine ADHS Diagnostik durchführen?
  • Facharzt für Kinder-und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie
  • Kinder-und Jugendlichen Psychotherapeut
  • Psychologischer Psychotherapeut mit Zusatzqualifikation für Kinder-und Jugendliche
  • Facharzt für Kinder-und Jugendmedizin mit Erfahrung in der Diagnostik ADHS
  • Diagnostische Maßnahmen und strukturierte Exploration des Patienten zu:
  • Der aktuellen ADHS Symptomatik in verschiedenen Lebensbereichen
  • Den daraus resultierenden Einschränkungen der Funktionsfähigkeit
  • Weiteren psychischen Symptomen und körperlichen Erkrankungen
  • Aktuell und früheren Belastungen/ Ressourcen etc.
  • Der störungsspezifischen Entwicklungsgeschichte
  • Ressourcen, Wünschen, Bedürfnissen des Patienten und Angehörigen
  • Familienanamnese 
  • Altersspezifische Besonderheiten:
  • Eine ADHS Diagnose darf nicht vor drei Jahren gestellt werden
  • Zwischen drei und vier Jahren kann die Diagnose nicht hinreichend sicher gestellt werden
  • Wichtigste therapeutische Interventionen bei ADHS
  • Psychotherapie
  • Eltern- Training
  • Medikamentöse Behandlung

Quelle: AWMF online/ Das Portal der wissenschaftlichen Medizin: Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter

MIWI: Diagnostische Kriterien für eine ADHS nach ICD-10

Unaufmerksamkeit: 

  • Unaufmerksam gegenüber Details, Flüchtigkeitsfehler bei der Schularbeiten und sonstigen Aktivitäten und Arbeiten.
  • Häufig nicht in der Lage, die Aufmerksamkeit bei Aufgaben und beim Spielen aufrechtzuerhalten.
  • Hören häufig scheinbar nicht, was ihnen gesagt wird.
  • Können Erklärungen oft nicht folgen oder Schularbeit, Aufgaben und Pflichten am Arbeitsplatz nicht erfüllen.
  • Sind häufig überlastet, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren.
  • Vermeiden ungeliebte Arbeiten, wie Hausaufgaben, die ein geistiges Durchhalte-vermögen erfordern.
  • Verlieren häufig Gegenstände, die für bestimmte Aufgaben wichtig sind, z. B. wie Schularbeiten, Bleistifte oder Bücher.
  • Werden häufig von externen Stimuli abgelenkt.
  • Sind im Verlauf der alltäglichen Aktivitäten oft vergesslich.

Überaktivität: 

  • Fuchteln häufig mit Händen und Füßen oder winden sich auf den Sitzen.
  • Verlassen ihren Platz im Klassenraum oder in anderen Situationen, in denen Sitzenbleiben erwartet wird.
  • Laufen häufig herum oder klettern exzessiv in Situationen, in denen dieses unangemessen ist.
  • Sind häufig unnötig laut beim Spielen oder haben Schwierigkeiten bei leisen Freizeitbeschäftigungen.
  • Zeigen ein anhaltendes Muster exzessiver motorischer Aktivitäten, die durch den sozialen Kontakt oder Verbote nicht durchgreifend beeinflussbar sind.

Impulsivität: 

  • Platzen häufig mit der Antwort heraus, bevor die Frage beendet ist und unterbrechen, stören andere
  • Können häufig nicht in einer Reihe warten oder warten, bis sie bei Spielen oder in Gruppensituationen an die Reihe kommen.
  • Reden häufig exzessiv, ohne angemessen auf soziale Beschränkungen zu reagieren.

STEINHAUSEN, Hans-Christoph (2020). Definition und Klassifikation. In: STEINHAUSEN, Hans-Christoph / DÖPFNER, Manfred / HOLTMANN, Martin / PHILIPSEN, Alexandra ROTHENBERGER, Aribert (Hrsg.): Handbuch ADHS. Grundlagen, Klink, Therapie und Verlauf der Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung. 2. Aufl.Stuttgart: Kohlhammer, S. 24-37.

Behandlungsmöglichkeiten für eine ADHS

Mit der Behandlung von ADHS verbinden sich verschiedene Ziele. Zunächst aber sollte versucht werden die Symptome der Störung zu vermindern. 

Um Ziele mit der Behandlung zu erreichen, muss der Patient als auch das unmittelbare soziale Umfeld, in die Behandlung mit einbezogen werden und deren jeweilige Bedürfnisse aufeinander abgeglichen werden. Es sollen Bewältigungsstrategien nicht nur beim Patienten, sondern auch bei Familienmitgliedern und anderen wichtigen Bezugspersonen, wie in der Schule oder am Arbeitsplatz gefunden werden. 

Das therapeutische Angebot ist vielfältig und auch im Einzelfall sollten Kombinationsbehandlungen eingesetzt werden. Weitere zentrale Behandlung sind Pharmakotherapie und Verhaltenstherapie, die nicht nur alternativ, sondern auch kombiniert eingesetzt werden können. Zusätzlich zu der, Pharmakotherapie und Verhaltenstherapie wäre noch das Neurofeedback die Ergotherapie und die sensomotorische Übungsbehandlung als Alternativbehandlung zu nennen.

SCHÜRMANN, Stephanie / DÖPFNER, Manfred (2020). Psychoedukation im Kindes- und Jugendalter. In: STEINHAUSEN, Hans-Christoph / DÖPFNER, Manfred / HOLTMANN, Martin / PHILIPSEN, Alexandra ROTHENBERGER, Aribert (Hrsg.): Handbuch ADHS. Grundlagen, Klink, Therapie und Verlauf der Aufmerksamkeitsdefizit Hyperaktivitätsstörung. 2. Aufl.Stuttgart: Kohlhammer, S. 317-334.

Zweite Sitzung

Der Titel der Veranstaltung behauptet ja einen Zusammenhang zwischen Diagnostik, Etikettierung und Stigmatisierung. Entsprechend ist es sicher nicht ganz falsch, zumindest eine Seminarsitzung auf eine Vorstellung der Stigmatheorie und des Etikettierungsansatzes zu verwenden. Dass es einen solchen Zusammenhang gibt, ist vollkommen klar. Wenn Sie in Ihrer Arbeit von Diagnosen Ihrer Klienten hören, dann setzen diese Informationen nicht nur fachliche Überlegungen frei, sondern Sie wissen gleichzeitig, dass der betreffende Stempel im Umfeld des Kindes nicht allein Hilfsbereitschaft und zusätzliche Ressourcen freisetzt. Wer möchte schon Mutter eines, sagen wir: verhaltensgestörten Kindes sein. Und mal ehrlich: Würden Sie einen Menschen daten, von dem Sie wissen, dass er die Förderschule besucht hat und als lernbehindert diagnostiziert wurde?

Etikettierung und Stigmatisierung


Tabelle 61 Positionen von George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft (zuerst englisch 1934)
Mead untersucht u.a. Interaktion und Verstehen unter Menschen.
Bekannt geworden ist Geist, Identität und Gesellschaft vor allem durch seine Thesen zur Identität und zum Fremdverstehen. Grundgedanke ist die Überlegung, dass Identität entsteht, indem man sich aus der Perspektive anderer wahrnimmt. Diesen Mechanismus nennt Mead „role-taking“, ein Konzept, das später von Piaget und Nachfolgern wieder aufgegriffen wird und in heutigen Zusamenhängen unter dem Bergriff theory of mind diskutiert wird.
Role-Tanking funktioniert bei Mead nicht nur in Bezug auf konkrete andere. Sondern Menschen können sich selbst auch aus der Perspektive von sozialen Gruppen wahrnehmen oder noch allgemeiner aus der Perspektive des „Verallgemeinerten anderen“.Identität umfasst dabei einerseits die tatsächlich gesprochenen Worte und Emotionen (Mead bezeichnet diesen Teil der Identität als „I“) und andererseits die organsierte Gruppe anderer (Mead prägt hierfür den Begriff „me“).
Tab 4: Identität & Stigma nach Goffman (1962)
virtuale soziale Identität als das, was andere von uns erwarten 
aktuale soziale Identität als das, was wir wirklich sind 
Stigmatisierung als Diskrepanz zwischen aktualer & virtualer sozialer Identität (bei diskreditierenden Erwartungen anderer) 
Drei Arten von Stigmata: Abscheulichkeiten des Körpers, individuelle Charakterfehler, phylogenetische Stigmata (Rasse, Nation, Religion) 
Tab 5: Auswirkungen des Stigmas auf die Interaktion nach Goffman (1962)
Stimatisierte
unsicher, weil sie spüren, dass das Stigma wahrgenommen wird 
Gefühl nicht zu wissen, was andere denken defensives Sichverkriechen oder feindselige Kontakte 
Normale
Antizipation der Probleme 
so tun, als gebe es das Stigma nicht 
so tun, als sei der Stigmatisierte ein Niemand 
Tab 59: Howard S. Becker (1963)
Abweichendes Verhalten setzt Regeln voraus, deren Verletzung abweichendes Verhalten konstituiert.
Diese Regeln werden durchgesetzt, wenn die Durchsetzer darin einen Vorteil sehen.
Die Durchsetzung/ das Aufzwingen von diesen Regeln basiert auf Macht und Stellung.
Etikettierung umfasst als Prozess:
einen Verstoß gegen eine Regel
die (öffentliche) Definition dieses Regelverstoßes als abweichendes Verhalten
die Chancenreduzierung des Etikettierten
die Übernahme der Fremddefinition
und schließlich als Folge: eine deviante Karriere

Yulelie: Hochbegabung / Verhaltensstörung

Zunächst sollte festgehalten werden, dass der Begabungsbegriff insgesamt in vielen Bereichen und Kontexten verwendet wird. Auch der Begriff „Hochbegabung“ wird häufig sehr unscharf verwendet. So könnte man davon ausgehen, dass eine Person die herausragende Leistungen in einem bestimmten Bereich erbracht hat, als hochbegabt beschrieben wird. Betrachten wir intellektuelle Hochbegabung allerdings als Potenzial und trennen es von realisierten Leistungen, kann man den Begriff der Hochbegabung einschränken.
Hochbegabung wird meistens durch einen Intelligenztest von einem Psychologen festgestellt. Dabei spricht man im Allgemeinen bei einem IQ Wert ab 130 von intellektueller Hochbegabung. Diese Hochbegabung zeigt sich häufig nur in einzelnen Bereichen wie Sprache oder Mathematik. Allerdings fällt eine Hochbegabung nicht nur in Leistungen in der Schule auf. Kinder mit einer intellektuellen Hochbegabung haben ein schnelles Auffassungsvermögen, lernen früh Lesen und Schreiben, haben eine ausgeprägte Beobachtungsgabe und sind sehr Neugierig. Des weiteren überspringen diese Kinder aber auch häufig Entwicklungsphasen, spielen eher mit älteren Kindern, neigen zu Perfektionismus und sind äußert schnell gelangweilt und unterfordert.
Daher kann man schnell davon ausgehen, dass es sich bei einer Hochbegabung auch um eine Verhaltensstörung handelt.
Man kann natürlich bei Kindern mit einer Hochbegabung von Verhaltensauffälligkeiten sprechen. Viele hochbegabte Kinder kämpfen in ihrem Alltag mit Einsamkeit und fühlen sich unverstanden. Ihre Fragen nerven, sie wirken altklug oder sogar arrogant. Durch ihren Entwicklungsfortschritt sind sie den meisten gleichaltrigen Kindern weit voraus, sodass Interessensunterschiede entstehen, was wiederum zu sozialer Isolation führen kann.
Auch in der Schule kommt es zu Auffälligkeiten. Hochbegabte Kinder haben häufig Konzentrationsschwierigkeiten, sind unterfordert. Konstante Unterforderung kann neben Aggressionen und einer geringen Frusttrationstoleranz auch zu psychosomatischen Beschwerden wie Bauchschmerzen oder Kopfschmerzen kommen.

Eine Verhaltensstörung wird als inadäquates oder abnormales Verhalten eines Menschen gegenüber seiner Außenwelt definiert.
Eine Hochbegabung kann durchaus eine Verhaltensstörung als Folge haben, wie man an den oben beschriebenen Folgen sieht. Daher ist es wichtig, dass sobald eine Hochbegabung festgestellt wurde, ein auf das Kind abgestimmtes Umfeld geschaffen wird. Dies bedeutet die korrekte Forderung des Kindes, die Förderung sozialer Kompetenzen, im Extremfall auch die psychotherapeutische Behandlung, falls bereits Ängste vor sozialer Abweisung etc. gemacht wurden.

Dabei ist festzuhalten, dass es bei doppelt auffälligen Kindern, schwierig werden kann, sowohl die Begabung, als auch die Störung zu erkennen.

Quellen: Rost, Detlef H. (Hrsg.) Hochbegabte und hochleistende Jugendliche. Pädagogische Psychologie und Entwicklungspsychologie . Waxmann Verlag GmbH, Berlin (2009)

Expertenbeitrag. Hochbegabung erkennen, verstehen und fördern (Schülerhilfe.de) 2020

sasasch: Hochbegabung/ Verhaltensstörung

Eine Verhaltensstörung beschreibt wiederholte Verhaltensmuster, die gegen die Grundrechte anderer verstoßen.

Mögliche Ursachen für Verhaltensstörungen in der Schule können z.B. eingeschränkte körperliche Lern-und Leistungsgrundlagen sein, eingeschränkte kognitive Lernvoraussetzungen oder eingeschränkte motivationale Lernvoraussetzungen. Auch eingeschränkte soziale-und emotionale Lernvoraussetzungen zählen zu den möglichen Ursachen für Verhaltensstörungen.

Lern-und Leistungsschwierigkeiten bedeuten allerdings nicht automatisch Hochbegabung.

Hochbegabte müssen ebenso nicht automatisch Lern-und Leistungsschwierigkeiten vorweisen.

Dennoch kann eine mögliche Unterforderung durch die Hochbegabung entstehen. Diese dauerhafte Unterforderung kann zu Verhaltensstörungen bei Kindern führen.

Folgende Leistungsprobleme können entstehen:

  • Fehlendes Interesse an schulischen Angeboten
  • Erhöhte seelische Verwundbarkeit
  • Keine Bewältigungsstrategien für Misserfolge

Zudem kann dauerhafte Unterforderung zu Verhaltensauffälligkeiten führen:

  • Steigerung von Trotz und Aggressivität
  • Langfristige Leistungsverweigerung
  • Leistungsdefizite
  • Neurosen/ Depressionen
  • Tagträumerei
  • Flüchtigkeitsfehler

Demnach kann Hochbegabung eine Verhaltensstörung als Folge haben.

MiWi: Hochbegabung und Verhaltensstörung

Hochbegabte zeichnen sich durch besondere Fähigkeiten aus, zum Beispiel durch eine hohe Intelligenz, herausragende kognitive Fähigkeiten, effiziente Formen der Informationsaufnahme und Verarbeitung, überdurchschnittliche sprachliche und psychomotorische Fähigkeiten, flexible Anpassungsfähigkeiten, Kreativität, Einfallsreichtum, Originalität sowie unkonventionelle Lern- und Arbeitsmethoden. Zudem überspringen Hochbegabte häufig Entwicklungsphasen und sind Gleichaltrigen weit voraus. Aber grade durch diese besonderen Fähigkeiten geraten Hochbegabte häufig in Konflikt mit ihrer Umwelt, sie werden mit Unverständnis, Ablehnung, Unterforderung oder Langeweile insbesondere im schulischen Kontext konfrontiert. Da ihre kreativen, eigenwilligen Lernmethoden als verhaltensauffällig wahrgenommen werden. Sie passen nicht zum Unterricht, stören oder werden abgelehnt. Von Mitschülern werden Hochbegabte als arrogant oder Streber bezeichnet. Die Folge dessen kann ein innerer Rückzug, mangelnde Motivation ein negatives Selbstbild oder Ausgrenzung durch andere sein. Hinzu kommt noch der eigene Leistungsdruck oder zu hoher Eigenanspruch.

Dies kann Anlass zu Verwechslungen mit Symptomen einer Verhaltensstörung geben, was wiederum zu einer Fehldiagnose führen kann. Eine Verhaltensstörung kann in einer großen Anzahl von Erscheinungsformen mit unterschiedlichen, äußeren Merkmalen auftreten. Diese Erscheinungsformen werden als Symptome verstanden, diese Symptome äußern sich durch unerwünschtes Verhalten.

Bei Kindern ist die asynchrone Entwicklungen wohl die häufigste Ursache für eine Fehldiagnose und falsche Maßnahmen. Hochbegabte sind ihrem Alter kognitiv oft weit voraus, sie wirken überaus vernünftig im Gespräch. Dies führt schnell zu hohen Ansprüchen vonseiten der Erwachsenen und zur Überforderung. Auch die Interessen von Hochbegabten treffen nicht immer auf die Interessen Gleichaltriger. Lern- und Arbeitsmethoden sind oftmals kreativ und passen nicht ins geforderte Antwortmuster. Zudem können Teilleistungsstörungen wie eine schlechte, mündliche Ausdrucksweise oder eine schwache Lese- und Rechtschreibleistung zusätzlich belastend sein.

Aus diesem Grund ist es wichtig, dass eine Hochbegabung so früh wie möglich festgestellt wird um das Kind, mit den richtigen Maßnahmen fördern zu. Damit aus einer Hochbegabung keine Verhaltensstörung resultiert.

Quellen:

LIEBERT, Inga / ZIRBES, Suzana (2018): Die vier häufigsten psychischen Fehldiagnosen bei hochbegabten Kindern. Kriterien, Abgrenzungen, Umgang in der Praxis. https://www.dghk.de/wp-content/uploads/2018/10/Labyrinth-135-S16-19-Fehldiagnosen_1.pdf. – aufgerufen am 10.10.2021.

MYSCHKER, Norbert (2009): Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Erscheinungsformen – Ursachen – Hilfreiche Maßnahmen. 6. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer.


ckatz: Unterschiede Hochbegabung Verhaltensstörung

Eine Hochbegabung kann in einem oder mehreren Bereich/en auftreten: im mathematisch-naturwissenschaftlichen, im sprachlichen, im musisch-künstlerischen oder im sensumotorischen Bereich.

Eine Hochbegabung führt nicht zwangsläufig zu einer Verhaltensstörung. „Die Gleich­setzung von Hochbegabung mit einem erhöhten Risiko für emotionale oder andere Störungen ist genauso falsch wie die Erwartung von Perfektion in allen Berei­chen. Die individuellen Besonderheiten des Kindes sind entscheidend.“. Im Extremfall können falsche Vorstellungen und Erwartungen an Hochbegabte dazu führen, dass diese genau die Probleme entwickeln, die von ihnen „erwartet“ werden („selbst erfüllenden Prophe­zeiung“). Jedoch werden Hochbegabte häufig nicht erkannt und erhalten Fehldiagnosen wie z. B. Lernstörung oder Verhaltensstörung.

Zeigen hochbegabte Kinder im Kindergarten oder in der Schule Verhaltensauffälligkeiten, fühlen sie sich meist unterfordert und/oder nicht akzeptiert.

Eine Strategie von Hochbegabten ist es, sich an den Durchschnitt anzupassen und/oder die eigenen Fähigkeiten und Bedürfnisse zu verleugnen.

„Dauerhafte Unterforderung: Einige Hochbegabte können in der Schule völlig unterfordert sein. Das mag insbesondere an Schulen mit geringen Anforderungen der Fall sein, aber auch dann, wenn Lehrerinnen und Lehrer die Hochbegabung von Schülerinnen und Schülern zu wenig berücksichtigen. Dauerhafte schulische Unterforderung kann sich langfristig negativ auf die Entwicklung von Persönlichkeit und Leistungsfähigkeit eines hoch begabten Kindes auswirken.“

Sogenannte Underachiever sind hoch­begabte Schüler*innen mit unterdurch­schnittlichen oder durchschnittlichen Schulnoten. Underachiever leiden zum Teil unter er­heblichen Problemen. „Zu den umweltbezogenen Gründen zählen ein wenig unterstützendes Elternhaus, fehlende Lerngelegen­heiten durch zu wenig fordernde Aufgaben oder un­angemessene didaktische Konzepte, die der Denk- und Arbeitsweise eines hoch begabten Kindes zu wenig ent­gegen kommen, Vorurteile von Lehrkräften und vieles mehr. Underachievement kann damit auch Ausdruck einer fehlenden Passung zwischen den Lernbedürfnis­sen und -möglichkeiten eines Kindes und seiner Lern­umgebung sein.“

In der Folge können verhaltensgestörte Kinder hochbegabt sein, wenn diese z. B. falsch diagnostiziert wurden und deren Hochbegabung als solche nicht erkannt wurde, z. B. wenn sich diese nicht offensichtlich durch beste Leistungen zeigt, sondern eher ein underachivement vorliegt. Jedoch darf nicht pauschalisiert werden, da viele als verhaltensgestört diagnostizierte Personen nicht ausnahmslos hochbegabt sein müssen. Andersherum gibt es viele hochbegabte, die durch gute Umweltbedingungen und intrinsische Motivationen die eigene Begabung gut ausleben können, ohne dass es zu Entwicklungsbeeinträchtigungen oder Verhaltensauffälligkeiten/-störungen kommt.

Quellen: Begabtenzentrum de, bmbf: Begabte_Kinder_finden_und_fordern.pdf, Wikipedia

Dritte Sitzung

Testverfahren werden in aller Regel ausprobiert, um Vergleichswerte zu haben. Dieses Ausprobieren nennt man Normierung oder Eichung. In Diagnostik-Lehrbüchern wird derlei häufig als Nebengütekriterium verstanden. Ich persönlich sehe das aber anders. Denn viele Testverfahren werden nicht an den Menschen normiert, über die später Aussagen gemacht werden sollen. Es ist z. B. nicht besonders ungewöhnlich, es in der diagnostischen Arbeit mit Menschen zu tun zu haben, die aus von Armut betroffenen Familien stammen oder gar Migrationsgeschichte haben. Wenn man diese Menschen nicht an Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen messen will, die in erfreulichen wirtschaftlichen Verhältnissen aufgewachsen sind und weder Fluchterfahrungen haben noch vor die Aufgabe gestellt waren, in weniger Schule unterrichtet zu werden, in denen Lehrer*innen und viele Schüler*innen eine andere Sprache sprechen, dann muss man sehr genau darauf achten, was in den Handbüchern zur Normierung steht.

Über die Normierung von Testverfahren
Tab 29: Stichproben in der empirischen Sozialforschung

Größe
Gewinnung
Rücklauf 
einfache Zufallsstichprobe
geschichtete Zufallsstichprobe
Totalerhebung
Klumpenstichprobe (Zufallsauswahl von Einheiten)
Stichproben nach Belieben / Ad hoc Stichproben 

Karnimani21:

Child behaviour checklist:

Beim CBCL (6-18R) werden Eltern mit Hilfe von Fragebögen befragt. Dabei können verschiedenste Auffälligkeiten der Kinder (6-18 J.) erfasst werden. Zusätzlich dazu, wird der TRF Fragebogen (6-18J.) benutzt, um die Leher_innen zu befragen und der YSR-Fragebogen(11-18J.), um die Kinder/die Jugendlichen zu befragen. Beide wurden aus dem CBCL abgeleitet.

Der CBCL dient als Basis und Screeningverfahren und gibt Aufschluss über mögliche weitere Diagnostische Maßnahmen. Er ist aufgeteilt in drei Bereiche in denen die Eltern über Kompetenzen, Verhaltensweisen und emotionale Auffälligkeiten ihres Kindes urteilen. 

Normen:  Bundesweite repräsentative Normdaten (T-Wert) bei CBCL/6-18 liegt bei N=2.471, YSR/11-18R (N = 1.798) 

Großstadtstichprobe mit Grundschulkindern (6-11) für TRF: N= 397

Klinikstichprobe: (Stanine-Werte und Prozentränge): (CBCL/6-18R: N = 1.217; YSR/11-18R: N = 718; TRF/6-18R: N = 793)

CBCL und YSR haben ältere, aber bundesweit repräsentative Daten in zwei Altersgruppen (6-11 Jahre und 12-18 Jahre) sowie geschlechtsspezifische Normen.  Methodisch unzureichend, erscheint laut Esser u.a die Normierung für klinische Stichproben im Lehrerurteil (TRF). 

Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ)

Der SDQ Ist ebenfalls ein Fragebogen, der prosoziales- und Problemverhalten von Kindern und Jugendlichen erfasst. Es gibt auch hier analoge Versionen der Fragebögen für Schüler, Lehrer und Eltern. Der Fragebogen beschränkt sich auf 25 Fragen.

Er misst emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Hyperaktivität, Verhaltensprobleme mit Kindern und prosoziales Verhalten

Bei der Recherche zu den Normen des SDQ bin ich auf das Ergebnis gekommen, dass scheinbar überwiegend britische Normierungsstichproben existieren und dass für die übersetzten Versionen kaum welche vorhanden sind.  Die Normen des deutschen Selbstbeurteilungsbogens basieren laut Lohbeck u.a auf einer österreichischen Feldstichprobe mit 2595 Kindern und Jugendlichen aus Hauptschulen und Handelsakademien aus Salzburg und Steiermark. Eine andere Quelle (Wörner u.a 2004) besagt, dass nur für die Eltern Version des SDQ deutsche Normen existieren N= 930 im Alter zwischen sechs und 16. 

Daher erfolgte zur Überprüfung nach Lohbeck u.a eine deutsche Studie, basierend auf N=1501 Kinder und Jugendliche im Alter von 11-16 aus Niedersachsen und Bremen, die verschiedene Schulformen besuchten. Ergebnis dabei war, dass sich mehrere Geschlechts- und Schulformspezifische Effekte ergaben und dass durch die Grenzwerte nach goodman (1997)

80-10-10% unauffällig, grenzwertig und auffällig) bei den getrennt normierten Untergruppen Ungenauigkeiten auftraten. 

Welches der Beiden würde ich wählen?

Da ich selbst absolut keine Expertin auf diesem Gebiet bin, kann ich nur meine persönliche Einschätzung abgeben. Ich würde sagen, dass beide Verfahren veraltet sind und man sehr vorsichtig mit der Verwendung von Skalen und Fragebögen sein sollte, da die Bearbeitung eigentlich nie objektiv stattfinden kann. Wenn man sich nur auf die Normierung beschränkt, würde ich wahrscheinlich den CBCL vorziehen, da mir beim SDQ die deutsche Stichprobe mit 930 sehr gering erscheint und diese nur für die Eltern Version gilt. Die österreichischen und britischen Normen lassen sich wahrscheinlich nur schwer auf die Allgemeinheit übertragen. Beim CBCL erfolgte außerdem die Normierungsstichprobe laut Esser u.a durch ein geschichtetes mehrstufiges Zufallsverfahren. Jedoch zweifle ich ebenfalls an der Größe der Klinikstichprobe beim YSR von 718. Das Zufallsverfahren beim SDQ konnte ich nicht herausfinden. Der SDQ hat den Vorteil, dass er im Vergleich zum CBCL eine verkürzte Dauer hat und man ihn kostenfrei beantragen kann. Insgesamt finde ich bei Beiden die Einteilung der Alterspanne zu groß (6-18, 11-18 & 6-16), um die Testverfahren auf alle Kinder und Jugendliche zu übertragen, da sich die Lebens- und Entwicklungszustände in Hinblick auf Verhaltensauffälligkeiten doch sehr unterscheiden können. Kinder unter Sechs werden außerdem gar nicht berücksichtigt.

Ich erinnere mich dunkel aus meinen Propädeutik Zeiten, dass man bei der Beurteilung von Studien auf sehr viel mehr achten muss. Mir fällt es daher auch sehr schwer ein fundiertes Fazit zu ziehen, weil ich die Studien zu den Testverfahren selbst kaum verstehe. 

Quellen:

testzentrale.de, 2014

Psydix.org, 2005

Castello A. (2014): schulische Inklusion bei psychischen Auffälligkeiten. kohlhammer S.165ff.

Woerner, W. / Becker, A./ Friedrich, C./ Klasen, H./ Goodman, R. / Rothenberger, A. (2002): Normierung und Evaluation der deutschen Elternversion des Strengths and Difficulties Questionaire (SDQ): Ergebnisse einer repräsentativen Felderhebung. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 30: 105-112.

Esser, G. / Hänsch-Oelgart, S. / Schmitz, J. (2017): TBS-TK Rezension: »CBCL/6-18R, TRF/6-18R, YSR/11-18R. Deutsche Schulalter-Formen der Child Behavior Checklist von Thomas M. Achenbach. report psychologie 6, Seite 255

Lohbeck, A. / Schultheiß, J. / Petermann, F. / Petermann, U. (2015): Die deutsche Selbstbeurteilungsversion des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu-S) Psychometrische Eigenschaften, Faktorenstruktur und Grenzwerte. Diagnostica, 61 (4), 222-235. Göttingen: Hogrefe-Verlag.

Soley:

Child behavior checklist / Strength and difficulties questionnaire:

Das CBC-Verfahren (1998) weist deutsche, geschlechtsspezifische Normen auf und ist hinsichtlich der Störungsbilder differenzierter als das SBQ. Andererseits ist die Normierung des Lehrerfragebogens nicht als ausreichend zu bewerten. 

Das SBQ-Verfahren (1997) ist im Vergleich zum CBC von kürzerer Dauer und somit unter Umständen für einige Klienten besser zu bewältigen. Es liegen allerdings nur nicht-geschlechtsspezifische, britische Daten vor, welche ins Deutsche übersetzt wurden. 

Aus meiner Perspektive ist es im Kontext der Beurteilung eines geeigneten Diagnoseverfahrens fraglich, dass die Daten beider Verfahren viele Jahre zurückliegen und somit gesellschaftliche Veränderungen darin keine Beachtung finden. Auch sind sowohl die Tatsache, dass das CBC hinsichtlich der Normierung des Lehrerfragebogens erhebliche Mängel aufweist, als auch der Umstand, dass dem SBC keine deutschen sowie geschlechtsspezifischen Normen zugrunde liegen negativ zu bewerten. Meine Entscheidung würde (zweifelnd) auf die Child behavior checklist fallen. 

ESSER, Günter, HÄNSCH-ÖLGARD, Sylvana, SCHMITZ, Julian (2017): CBCL/6-18R, TRF/6-18R, YSR/11-18R. Deutsche Schulalter-Formen der Child Behavior Checklist von Thomas M. Achenbach. In: Psychologische Rundschau, 69, S. 144 – 146.

Turmalin:

Child behaviour checklist / Strengths and Difficulties questionnaire

Ein wichtiger, zu beachtender Mangel beider Testverfahren ist ihr Entwicklungsalter. Ebenfalls fällt auf, dass das CBCL-Verfahren wesentlich fundierter testet, als das SDQ- Verfahren, da bei ersterem mit 8 Problemskalen, sowie 3 übergeordneten Skalen gearbeitet wird, die meiner Meinung nach eine bessere Symptomerfassung gewährleisten und bei zweiterem nur 5 Problemskalen, die sehr grob zusammengefasst werden. Das SDQ- Verfahren ist im Vergleich zum CBCL-Verfahren allerdings weniger zeitaufwändig, demnach für Befragte gegebenenfalls leichter zu bewältigen. Jedoch ist auch hier anzumerken, dass das CBCL-Verfahren, mit zwei weiteren abgeleiteten Fragebögen für Lehrer*innen und Jugendliche selbst intensiver befragt. Letztlich kommt hinzu, dass das CBCL-Verfahren die Möglichkeit bietet, DSM-orientierte Skalen zu bestimmen und somit meines Verständnisses nach zu einer besseren bzw. schnelleren Diagnose führen kann. Aufgrund dieser Rechercheergebnisse würde meine Entscheidung also eher auf das CBCL-Verfahren fallen.

Quellen testzentrale de Psydix org

MiWi:

Child Behavior Checklist 

Das Testverfahren CBCL wurde in den Vereinigten Staaten entwickelt und wird international bei Kindern, Jugendlichen im Altern zwischen sechs und 18 Jahren eingesetzt. Das Verfahren bezieht dabei Eltern, Lehrer_innen, das Kind oder den Jugendlichen durch einen Fragebogen, der in zwei Teile unterteilt ist mit ein. Der erste Teil setzt sich mit den Kompetenzen des Kindes, Jugendlichen auseinander und bestimmten Verhaltensweisen. Während im zweiten Teil Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten, wie zum Beispiel Aggressivität, Depressivität und soziale Probleme erhoben werden. 

Strengths and Difficulties Questionnaire 

Das Testverfahren SDQ wurde in Großbritannien entwickelt und erhebt Verhaltensstärken, Verhaltensschwächen von Kindern, Jugendlichen im Alter von vier bis 16 Jahren und dient ebenfalls der Erhebung von Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten. Der SDQ ist ein kurzer Test von 25 Fragen, die in fünf Skalen eingeteilt sind. Der in fünf Minuten durchgeführt und in zwei Minuten ausgewertet werden kann. Der Test bezieht, wie der CBCL Eltern, Lehrer das Kind oder den Jugendlichen mit ein. 

Welches Testverfahren würden ich einsetzen

Die CBCL ist ein Testverfahren, das unterschiedliche Fragebögen zur Erhebung von Daten bei Kindern, Jugendlichen dabei bezieht es Eltern, Lehrer mit ein jedoch ist es zeitintensiv und für alle beteiligten aufwendig. Im Vergleich dazu hat der SDQ eine einfache Handhabung und einen geringeren Zeitaufwand. Man findet in schnell und kostenlos im Internet. Wenn ich wählen sollte welches Testverfahren ich einsetzten würde, dann zuerst den Child Behavior Checklist Fragebogen und anschließend den Strengths and Difficulties Questionnaire Fragebogen durchführen.

Quellen:

GOODMAN, Robert / SCOTT, Stephen (1999): Comparing the Strenghts and Difficulties Questionnaire and the Child Behavior Checklist: Is Small Beautiful?.

etoile

Beim Children Behavior Checklist und dem Strengths and Difficulties Questionnaire handelt es sich um Fragebögen, die psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen erfassen sollen. Zu dem CBCL, der von den Eltern ausgefüllt wird, gibt es noch einen zugehörigen Test für die Kinder und Jugendlichen: den Youth Self Report (YSR). Beide Tests sind miteinander vergleichbar, wobei der CBCL aufgrund seines großen Umfangs an Fragen mehr Zeit beansprucht. Beim SDQ ist noch nicht festgehalten, wie gut dieser zwischen verschiedenen psychischen Verhaltensweisen unterscheidet. Trotzdem können beide Testverfahren die Bereiche, in denen Auffälligkeiten auftreten differenzieren und somit auf genaue Störungsbilder hinweisen. 

Vorteile des SDQ sind die kurze Bearbeitungszeit und die kostenlose Verfügbarkeit. Leider fehlen für Deutschland die Normierungen für die Lehrer- und Selbstauskünfte. Hier muss auf Normierungen aus Großbritannien zurückgegriffen werden.

Vorteile des CBCL sind die große Darstellung an möglichen Problembereichen und damit eine etwas genauere Bestimmung der psychischen Störung. Einige Normwerte sind jedoch veraltet und der Zeitaufwand ist deutlich höher.

Ich würde mich trotz dessen für den CBCL entscheiden.

BETTGE, S., et al.(2002): Ein Methodenvergleich der child behavior checklist und des strengths and difficulties questionnaire. Das Gesundheitswesen. Stuttgart: Georg Thieme Verlag.

Vierte Sitzung

Ein beachtlicher Teil der Handbücher einschlägiger Testverfahren befasst sich mit der Frage, ob der vorgelegte Test ein guter Test ist. Für die meisten Studierenden der Sozialen Arbeit dürften die hier aufgeführten Kennwerte unbekannt sein. Und man muss auch sagen, dass dieses Kapitel von Testhandbücher sehr häufig Angaben enthält, die dafür gedacht sind, statistische Laien von den eigentlich wesentlichen Angaben abzulenken. Der Podcast der vierten Sitzung erklärt deshalb, was wichtig ist und erklärt die wichtigsten Kennwerte.

Guetekriterien

Yulelie:

Testhandbuch zum AIT (drsatow.de) Allgemein zum AIT:

Der AIT (Allgemeine Intelligenztest) soll die grundlegenden Intelligenz-Faktoren nach dem Cattel-Horn-Carroll Modell erfassen. Der Test unterteilt sich neben der obersten Ebene: der Allgemeine Intelligenz (G-Faktor) auch auf die sog. mittlere Ebene auf das Sprachverständnis, das Logisch-Analytische Denken, das Räumlich-visuelle Denken und das Numerische Denken.

Der Test wird sowohl in Papier-, als auch in der Online-Form angeboten und umfasst einen Zeitraum von ca. 90 min.

Normierungsstichprobe:

Die Stichprobe zur Überprüfung des AIT wurde in der Zeit von Mai bis Dezember 2016 durchgeführt. Nach Ausschluss von „nicht wertbaren Daten“ blieben von 10.308 durchgeführten Tests, n= 8.222 Datensätze zur Stichprobe übrig.
Die Teilnehmer der Stichprobe waren zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Das Geschlechterverhältnis beträgt weiblich n= 4.533.

Reliabilität:

Die Werte Reliabilität (Genauigkeit) des AIT wurde nach den Verfahren des Cronbach alpha und Guttmann, geschätzt.
Dabei wurde der Test per Zufall in mehrere Teile geteilt. Aus der Korrelation dieser Teile wird statistisch die Genauigkeit des Testes ermittelt.

Die Reliabilität des AIT erreichte einen Wert von alpha= 0.93
Die mittlere Ebene des Testes wurde ebenfalls auf die Reliabilität geschätzt und erreichte in den verschiedenen Bereichen folgende Werte:
Sprachverständnis a=0.80
Logisch-analytisches Denken a=0.84
Räumlich-visuelles Denken a= 0.80
Numerische Fähigkeiten a=0.84

Validität:

Der AIT wurde hinsichtlich der Faktoriellen Validität geprüft. Dabei soll eine Faktoranalyse zur Überprüfung der hierarchischen Struktur des Verfahrens dienen. Dies bedeutet, dass die Items des Tests einen gemeinsamen Faktor bilden sollten.
Die prognostische Validität wurde nicht geprüft.

Objektivität:

Zu der Objektivität kann die Broschüre des AIT wenig aussagen.

Wenn der Test Online durchgeführt und möglicherweise von einem Computerprogramm ausgewertet wurde kann man von einer hohen Objektivität ausgehen. Da dazu allerdings keine Aussagen getroffen wurde, bleibt diese Annahme hypothetisch.

Fazit:

Ich bin absolut kein Experte auf diesem Bereich und kann daher nur meine persönliche Meinung vertreten.
Ich denke der AIT ist ein relativ guter Test um Annahme über den G-Faktor einer Person anzustellen. Die Stichprobe war mit einem Wert von n=8.222 sehr umfangreich und war im Geschlechterverhältnis ausgeglichen. Des Weiteren wurden die nicht wertbaren Daten aussortiert, was meiner Meinung zu einem deutlicheren Ergebnis führt.

Die Reliabilität des AIT ist nach dem Modell des Cronbachs Alpha mit einem Wert von a=0.93 außerordentlich gut. Dennoch würde mich zu einer endgültigen Entscheidung auch der Wert des Korrelationskoeffizienten nach Cohen interessieren.
Da, zu der Objektivität kaum Aussagen getroffen wurden und man nur über die Dauer des Testes und, dass er sowohl auf Papier als auch Online durchgeführt werden kann, erfährt, stehe ich dem AIT in diesem Bereich noch kritisch gegenüber.

Karnimani21:

AIT Bewertung

Normierung: Der Test weist eine hohe Stichprobengröße auf (gut!). Jedoch ist fraglich, wie sinnvoll und repräsentativ die Stichprobengewinnung ist, da die Teilnehmenden nur durch bestimmte Internetseiten den Zugang zum Test hatten. Das erklärt wahrscheinloch auch die hohe Anzahl an jüngeren Teilnehmenden. Erfahrene Menschen, die sich in ihrer 30-jährigen Karriere oder in ihrer Rente wahrscheinlich weniger auf Internetseiten wie „career-test.de“ aufhalten, gehören auch zur Grundgesamtheit und werden den Test wahrscheinlich nicht aufgesucht haben.

Objektivität: Ich würde sagen, dass die Objektivität gegeben ist, weil die standardisierten online Tests ohne Untersuchende auskommen.

Reliabilität:  Der Test nutzt den Cronbach (αst) als Reliabilitätskoeffizienten, der nach ihren Aussagen als eine „billigere Version“ gilt. Es gibt keinen Re-Test. Mit diesem Verfahren erreicht der Test mit 0.93 einen „hervorragenden Wert“. Ich verstehe nur ehrlich gesagt nicht wie sich diese 0.93 berechnen, wenn alle anderen Sub-Tests einen Wert von 0.8 oder 0.84 aufweisen (tab. 6). Insgesamt erscheint die Reliabilität eher mangelhaft zu sein

Validität: Da es keine 2. Testung zum Vergleich gibt bzw. Angaben dazu fehlen, kann auch keine Aussage über die Prognostische Validität gemacht werden, was eher negativ zu bewerten ist.  Der Test macht Angaben zur Faktoren Analyse und Berechnung seiner „eindrucksvollen“ hierarchischen Struktur. Das kann ich leider nicht einordnen und verstehe auch den Zusammenhang zur Validität nicht.

Mand: Es ist durchaus möglich, dass die Subtests auf eine geringere Reliabilität kommen als der Gesamtest. Die Zielmarke erreichen Tests bei der Testentwicklung auch dadurch, dass Sie solange Aufgaben hinzufügen oder herausnehmen, bis der gewünschte Wert erreicht ist. Aussagefähiger und im Wortsinn teurer ist die Berechnung der test-re-test-Reliabilität. Denn hierzu müssen ja die Probanden zweimal getestet werden. Und das kostet deutlich mehr Mühe und manchmal muss man auch Geld auf den Tisch legen. Ihre Kritik an der Valisitätsberechnung ist nachvollziehbar.

Soley:

Bewertung der Gütekriterien des Allgemeiner Intelligenztest nach Dr.Satow

1. Normierung: 

Es wurden insgesamt 10308 Tests an verschiedenen Personen durchgeführt und nach Ausschluss unbrauchbarer Testergebnisse verblieben 8222 Datensätze, die ausgewertet wurden. Die Tests fanden 2016 statt. Das Geschlechterverhältnis unter den Teilnehmenden war ausgeglichen, allerdings war der Anteil der Probanden zwischen 20 – 30 Jahren überrepräsentiert. 

  • Aus meiner Sicht ist die Normierung des AIT als ausreichend zu bewerten.

2. Reliabilität:

Der Korrelationskoeffizient wurde nach der Cronbachs-Alpha-Formel berechnet und erreichte hinsichtlich der allgemeinen Intelligenz einen Wert von +0,93 und somit 86,49%. Die einzelnen Sub-Tests hingegen erreichten geringere Werte: 1.: 80%, 2.: 70,56%, 3.: 70,56%, 4.: 80%.

  • Die Reliabilität ist in meinen Augen nicht als hinreichend zu bewerten, da der Korrelationskoeffizient nicht mit dem Test-Retest Verfahren erfasst wurde, sondern auf ein weniger aussagekräftiges Verfahren zurückgegriffen wurde. Auch erreichte lediglich die allgemeine Intelligenz einen Wert über 0,9, die einzelnen Sub-Tests lagen darunter.

3. Objektivität:

Es handelt sich um einen kostenlosen Online-Test, welcher am eigenen PC und ohne Testleiter durchgeführt wurde. Es wurden Kontrollfragen in den Fragebogen eingebaut, um eine Differenzierung zwischen ernsthafter Bearbeitung und unehrlicher Beantwortung herzustellen. 

  • Die Objektivität ist aus meiner Perspektive auf der einen Seite gegeben, da keinerlei Beziehung zwischen Proband und Testleiter besteht, was einschließt, dass keinerlei Einfluss ausgeübt werden kann. Auf der anderen Seite ist es fraglich, ob überhaupt Objektivität gegeben sein kann, wenn es sich um einen kostenlosen Selbst-Test handelt, der theoretisch auch von mehr als einer Person ausgefüllt werden oder unbemerkt Hilfestellungen gegeben werden können. 

4. Validität:

Es wurde keine zweite Testung zur Ermittlung der prognostischen Validität durchgeführt. Hinsichtlich der Kriteriums-Validität wurden Korrelationen zwischen der Allgemeinen Intelligenz und den verschiedenen Sub-Tests erfasst. Es fand kein Abgleich mit externen Kriterien statt. 

  • Die Validität ist aus meiner Sicht nicht ausreichend geprüft, da nicht auf aussagekräftige Methoden der Validitätsmessung zurückgegriffen wurde. 

etoile

AIT

Normierung:

10308 Personen nahmen im Zeitraum von Mai 2016 bis Dezember 2016 an dem Test Teil. Vor einer Auswertung wurden Personen ausgeschlossen, die den Test ein zweites Mal, unvollständig, nicht plausible oder „zum Spaß“ ausfüllten. Das Geschlechtsverhältnis ist mit n=4533 weiblichen Teilnehmer recht ausgeglichen. Lediglich bei den Kriterien Abschluss, Alter und Einkommen gab es Unterschiede.

Objektivität:

Bei dem AIT kann von einer hohen Objektivität gesprochen werden, da die Durchführung online abläuft und der Tester und Proband sich somit nicht begegnen. Die Testergebnisse sind somit unabhängig vom Tester.

Reliabilität:

Für die Reliabilität wurde die Cronbachs-Alpha-Formel verwende. Der Korrelationsquotient liegt bei der allgemeinen Intelligenz bei +0,93, also 86,49 %. Der Wert liegt im Soll-Bereich (>+0,9). Der Reliabilitätsquotient liegt bei den Sub-Test allerdings niedriger: Sprachverständnis (Gc): +0,80; Logisch-analytisches Denken (Gf): +0 ,84; Räumlich-visuelles Denken (Gv): +0,80 und Numerische Fähigkeiten (Gq): +0,84. Zusätzlich wurde nicht das Test-Re-Test-Verfahren angewendet.

Validität:

Der Test gibt keine Aussagen über die prognostische Validität, da der Test nicht nach einem gewissen zeitlichen Abstand erneut durchgeführt wurde. Die kriterienbezogenen Validität ist ebenfalls nicht gegeben, da keine Außenkriterien bei der Korrelationsuntersuchung herangezogen wurde.

Insgesamt würde ich den Test nicht anwenden. Es handelt sich lediglich um einen Online-Test, der nicht alle Personengruppen erreicht, was die Normierung beeinflusst. Die Validität ist nicht verlässlich, sowie der Reliabilität.

Fünfte Sitzung

Die fünfte Sitzung erklärt, wie man aus Kindern mit Problemen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf macht. Hier muss man sich wirklich die Rechtsgrundlagen ganz genau anschauen. Denn die AO-SF enthält zwar viel inklusive Rhetorik. Aber das sieht wirklich nur so aus, als hätten Eltern maßgeblichen Einfluss darauf, ob ihr Kind in die Förderschulen kommt. Der Podcast erklärt zudem, wie Förderschullehrer*innen z. B . durch Einsatz unfairer oder veralteter Testverfahren Einfluss auf das Geschehen nehmen können.

Wie man aus Kindern mit Problemen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf macht


Tab 21: Variablen, die einen Einfluss auf den IQ haben – Befunde der kulturvergleichenden IQ-Forschung nach Mand 2012
Geschlecht
Alter
Einkommen
Wirtschaftliches Umfeld
Bildungsstand
Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit
Geschwister
Kriminalität
soziale Herkunft
Gesundheitsvariablen
ADHS
PTBS
Politische Orientierung
Regionale bzw. ethnische Herkunft
Tab 22: Der Einfluss von Testverfahren in kulturvergleichenden IQ Studien (Wicherts 2010) in Untersuchungen zum mittleren IQ in Subsaharastaaten Afrikas nach Mand 2012
K-ABC:
WISC-R: 
Draw-A-Man 
WAIS-R/WAIS III
CFT 
IQ 73
IQ 75
IQ:77,7
IQ:79 IQ:86,7

Sechste Sitzung

Die sechste Sitzung erklärt zunächst, wie Kinder lesen und schreiben lernen und stellt Ihnen in einem zweiten Schritt die wichtigsten Störungsbilder im Bereich Lesen und Schreiben vor. Das hat schon erhebliche Auswirkungen, ob eine Legasthenie, eine Auditive Wahrnehmungsverarbeitungsstörung oder eine Lernbehinderung diagnostiziert wird. Und ziemlich häufig spielen bei der Diagnose institutionelle Bedürfnisse eine Rolle. Das Legastheniezentrum braucht Kundschaft. Die Logopäd*innen wollen Einnahmen haben. Und Förderschullehrer*innen brauchen Förderschüler.

Kompliziert wird die Angelegenheit, weil es weder eindeutig einem Störungsbild zuzuordnen Fehlertypen gibt, noch eine der genannten Berufsgruppen einzigartige Fördermethoden einsetzen. Die Probleme ähneln sich sehr weitgehend. Fördermethoden der Legasthenietherapie lassen sich in den Förderschulen und in der Logopädie einsetzen (und umgekehrt). Die Unterscheidung der Störungsbilder hat also weniger praktische als vielmehr historische Hintergründe. Sondern es gibt sehr starke Interessengruppen, die dafür sorgen, dass alles so bleibt, wie es ist.

Für Ihre Klient*innen ist es aber keineswegs egal, in welche Schublade die Kinder einsortiert werden. Die Diagnose Lernbehinderung verheißt für sehr viele Schüler*innen ein Leben am Rande der Gesellschaft. Etwas besser sieht es mit der AWVS aus. Und die attraktivsten Bedingungen liefert die Diagnose Legasthenie.

Störungsbilder im Bereich Lesen und Schreiben

MiWi:

Übersetzung

Am Sonntag ist Sankt Martin, ich habe ein Pferd gezeichnet, auf das ich aufpassen muss. Mehr kann ich noch nicht schreiben.

Was kann das Kind und was nicht

Das Kind verfügt über ein phonologische Bewusstheit was sich darin zeigt das Eigenschaften, der gesprochenen Sprache wahrgenommen werden zum Beispiel das Sätze aus einzelnen Wörtern bestehen und das Wörter aus einzelnen Lauten bestehen. Das Kind benutzt eine Form des phonetischen Schreibens, indem es so schreibt wie es Wörter und Laute wahrnimmt, was sich an dem Wort Sonntag zeigt, das Kind schreibt Sonntag mit „Tach“ am Ende, was darauf schließen lässt, dass es aus dem Ruhrgebiet kommen könnte, da im Ruhrgebietsdialekt Sonntag oft mit „Tach“ am Ende ausgesprochen wird.

Jedoch werden Rechtschreibregelungen nicht ins Geschriebene integriert. Das Kind benutzt keine Satzzeichen, Buchstaben werden an falscher Stellen eingesetzt oder gar nicht. Wörter, Buchstaben werden falsch geschrieben und sind zum Teil unleserlich.

Zukünftigen Förderung

Zuerst werden Seh- und Hörprobleme ausgeschlossen. Dann sollten die Eltern mit dem Kind die Jugendpsychiatrie der zuständigen Stadt aufsuchen. Hier wird zunächst ein Intelligenztest gemacht, bei normaler Intelligenz, folgt dann ein spezieller Leserechtschreibtest und in weiteren Gesprächen wird versucht, zum Beispiel familiäre Zusammenhänge zu dieser Störung zu erkennen. Ist die LRS/Legasthenie diagnostiziert, begibt man sich zu einem speziellen Institut für LRS/Legasthenie mit ausgebildeten Linguist_innen, Psychologen und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten_innen, diese untersuchen welches spezifische Defizit, dem Kind es nicht ermöglich, das er Lesen und die Schriftsprache nicht oder schlecht erlernt. Ist dieses genau analysiert, wird das Kind genau an dieser Stelle abgeholt und in einer Kleingruppe, auch Einzelunterricht, zusätzlich zum Schulunterricht, speziell, individuell unterrichtet und gefördert, nach seinen persönlichen Bedürfnissen.

Kinder mit Legasthenie oder LRS benötigen eine besondere Art der Förderung, die an ihre individuellen Schwierigkeiten angepasst sein muss. Dazu muss im ersten Schritt eine Diagnose der möglichen Ursachen stattfinden und ein Förderplan erstellt werden, der den Bedürfnissen des Kindes gerecht wird. Im Schulalltag kann diese individuelle Förderung nur selten umgesetzt werden. Außerschulische Förderung ist daher der effektivste Weg, um die Probleme zu überwinden.

Quellen

NAEGELE, Ingrid / VALTIN, Renate (Hrsg.) (2003): LRS – Legasthenie – in den Klassen 1 – 10. Handbuch der Lese-Rechtschrieb Schwierigkeiten. Weinheim: Beltz Verlag.

Siebte Sitzung

Ich möchte zunächst darauf hinweisen, dass ich aufgrund der Blockwoche die Unterlagen für die achte Sitzung erst am 20.11. hochladen werde. Auch wenn ich mich über eine rasche Bearbeitung freuen würde, gilt dennoch: Sie haben diese Mal zwei Wochen Zeit, sich den podcast zur Quellenbewertung anzuhören und die Aufgabe zu bearbeiten.

Die siebte Sitzung befasst sich mit dem Thema „Verhaltensstörungen“. Es ist nicht besonders erfreulich, wenn man das Label „verhaltensgestört“ zugeschrieben bekommt. Und die meisten Eltern dürften sich nicht wünschen, dass ihr Kind als verhaltensauffällig eingestuft wird. Tatsächlich geschieht dieses aber ziemlich häufig. Die meisten Lehrer*innen halten mindestens eine Schülerin oder meisten doch eher einen Schüler für verhaltensgestört. Und seit Jahrzehnten ist die Auffassung zu hören, dass es immer mehr Kinder und Jugendliche mit Verhaltensstörung gebe. Das sind alles gute Gründe, sich das Phänomen einmal etwas näher anzusehen.

Verhaltensstörungen

Tab 7 Relativität von Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen und ihre Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989).
Sie sind eher das Ergebnis eines vergleichsweise komplexen Prozesses mit vielen Beteiligten als eine feste Eigenschaft (Mand 2003.
Dies hat Auswirkungen auf die Zahlen und die Diagnose



Tab 5 Prävalenz von Verhaltenstörungen
Remschmidt/Walther 1990
Mand 1995 (Berlin, 4. Klasse)

KMK 1999(Deutschland)

Mand 2007 (NRW, 4. Klasse)
13 % – 31 %
1991: 12,5 % Grundschulen
1994: 16,1 % Grundschulen

0,36 

11 % (GE-Schulen)
38 % (F-Schulen L)
KMK für Schuljahr 2018 (Deutschland)0,56 % emsoz Förderschüler
MSW (NRW) 20180,65 % emsoz Förderschüler 
1,02 % Schüler mit sonderpäd. Förderbedarf emsoz



Tab 8: Auswirkungen von Beobachtervariablen auf die Wahrnehmung auffälligen Verhaltens
GeschlechtHoughton u.a. (1988), Kearny & Plax (1986), Kearny & Plax (1987), Mittelmark & Pirie (1988), Borg & Falzon (1989), vgl. Bach u.a. (1984), Mc Intyre (1988), Mand (2002 b), Baumgardt/Mand/Ostermann (2008)
Alter, Berufserfahrung, Berufszufriedenheit des LehrersTornow (1978), Bach (1987), Kearny & Plax (1986), Kearny u.a. (1987), Camp (1987), Mand (1995), Mand (2002 a)
Pädagogische ArbeitWetzel (1978), Vaughn & Lancelotta (1986), Lochman u.a. (1987), Trovato u.a. (1992), Harris u.a. (1992), Fuchs u.a. (1989), Mand (1995)



Tab 6: Begriff Verhaltensstörungen: AO-SF § 5 (3)
Erziehungsschwierigkeit liegt vor, wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler der Erziehung so nachhaltig verschließt oder widersetzt, dass sie oder er im Unterricht nicht oder nicht hinreichend gefördert werden kann, und die eigene Entwicklung oder die der Mitschülerinnen und Mitschüler erheblich gestört oder gefährdet ist.



Tab 49: Lernbehinderungen, Verhaltensstörungen und einige ihrer Synonymbegriffe nach Mand 2003
Verhaltensstörungen, Auffälliges Verhalten, Sopäd Förderbedarf im Bereich Em SozLernbehinderung, Lernprobleme, Lernstörungen, Sopäd. Förderbedarf im Bereich Lernen
Kernsymptome:
Probleme in den Beziehungen zu Mitschüler/innen und Lehrer/innen
Probleme im Arbeitsverhalten
Probleme im Bewegungsverhalten
Probleme in Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
Probleme im Umgang mit Gefühlen

begleitende Symptome
Probleme im SchriftspracherwerbProbleme in der Entwicklung mathematischen Denkens








Kernsymptome:
Probleme im Schriftspracherwerb
Probleme in der Entwicklung mathematischen Denkens








begleitende Symptome
Probleme in den Beziehungen zu Mitschüler/innen und Lehrer/innen
Probleme im Arbeitsverhalten
Probleme im Bewegungsverhalten
Probleme in Aufmerksamkeit und WahrnehmungProbleme im Umgang mit Gefühlen

MiWi:

Wie würde ich reagieren

Ich würde mich direkt Ibrahim zuwenden und Kevin erst einmal ignorieren, denn häufig lässt sich Fehlverhalten durch Nichtreaktion wirkungsvoller beheben als durch erzieherische Aufmerksamkeit. Dieses kann nämlich das Fehlverhalten aufwerten und verstärken, sowie zu Wiederholungen seitens Kevin anreizen. Auch auf die Provokation zu reagieren, indem ich zu Kevin sagen würde: „Mach´s doch selbst“. Dieses ist hier meiner Meinung nach nicht sinnvoll, da die Beleidigung nicht gegen mich gerichtet ist, sondern so eine Antwort von Ibrahim kommen müsste.

Ibrahim würde ich als Allererstes versuchen abzulenken, indem ich mich zwischen ihn und Kevin stelle, umso Ibrahims Interessen aufzugreifen. Ich würde so etwas sagen wie: „Warst du heute schon Pumpen“, guck mal habe ich auf Amazon gefunden, so ein neuer Protein Shake zum Muskelaufbau“ oder was ganz Simples wie „Kannst du mir noch mal sagen an welcher Haltestelle wir raus müssen?“ „Guck mal da vorne sind zwei Plätze frei“. Wenn dies der Fall sein sollte, würde ich mich mit Ibrahim dort hinsetzen, während Kevin weiterhin stehen müsste, um die beiden zu trennen. 

Sollte die Situation trotz Worte oder Ablenkung eskalieren. Sollte  die beiden Jungs sofort getrennt werden, grade wenn sich eine Schlägerei anbahnt. Hier könnten Argumente angebracht werden wie: „Ibrahim willst du dich jetzt hier vor den ganzen Leuten prügeln?“ Oder „Wenn ihr Beide euch jetzt prügelt, fliegen wir noch aus der Straßenbahn oder jemand ruft die Polizei“.

Im Nachhinein sollte egal ob die Situation, eskaliert oder nicht, noch einmal mit Kevin gesprochen werden, um weiteres Fehlverhalten vorzubeugen. Hier könnten Bestrafungen herangezogen werden nicht um was geschehen ist zu bestrafen, sondern um Kevin zu motivieren es nicht noch einmal zu machen. Dabei ist es allerdings wichtig, dass nur Kevin die negativen Auswirkungen seines eigenen Fehlverhaltens zu spüren bekommt. Zum Beispiel kann er von Gemeinsamen Aktivitäten ausgeschlossen werden an denen Ibrahim auch teil nimmt. Jedoch ist es viel effektiver die Ursachen für Kevins Verhalten zu ermitteln, gegeben Falls daran anzuknüpfen und Alternativen zu finden, wenn er gerne „Action“ haben möchte.

Karnimani21

Instinktiv würde ich mich erstmal zwischen Kevin und Ibrahim stellen, weil ich vermuten würde, dass es schnell zu einer körperlichen Auseinandersetzung kommt. Ich würde Kevin kurz ermahnen, sodass Ibrahim mitbekommt, dass sein Gegenüber sich in dem Moment falsch verhalten hat. Danach gehe ich mit Ibrahim ans andere Ende des Busses und versuche ihn zu beruhigen, damit zwischen den Beiden kein Blickkontakt mehr herrscht und die Fahrt halbwegs gesittet weitergeführt werden kann. Außerhalb des Busses und je nach Setting versuche ich mit Beiden ein einzelnes Gespräch zu führen und anschließend ein gemeinsames klärendes Gespräch. Längerfristig sollte man genau schauen, warum Kevin gerne provoziert und warum Ibrahim so schnell ausrastet, wenn es um seine Mutter geht. 

Achte Sitzung

In der achten Sitzung wird die aktuelle Forschung zum Thema ADHS vorgestellt. ADHS ist ein interessantes Thema, wenn man sich für Diagnose und Stigmatisierung interessiert. Die Diagnose soll eigentlich Eltern entlasten. Denn – anders als bei Verhaltensstörungen – sind Eltern ja nicht für die Entstehung von ADHS aktiv verantwortlich. Allerdings hat sich inzwischen ein wenig herumgesprochen, dass es inzwischen ein kleines Imageproblem der Diagnose ADHS gibt (ADHS als Unterschichtsstörung). Wenn Mittelschichtseltern einsehen, dass es da ein Problem mit ihren Kindern gibt, setzen sie sich deshalb lieber für andere Diagnosen ein. Hinzu kommt: Nicht dass das Ärzte schwer beeindrucken würde. Aber Eltern nehmen durchaus wahr, dass es Ritalin von vielen Zeitgenossen*innen kritisch gesehen wird.

ADHS


Tab 101: Erscheinungsmerkmale von ADHS nach DSM 5 (Schlottke et al 2019, 431 f.): Situationsübergeifend, wiederkehrende und vom Entwicklungsalter deutlich abweichende
UnaufmerksamkeitImpulsivitätHyperaktivität

3 Subtypen: dominierend unaufmerksamer, 
dominierend hyperaktiv-impusiver Subtyp 
und Mischtyp
Tab 102: Ätionlogische Modelle bei ADHS (Schlottke et al 2019, 433)
Psychophysiologische Besonderheiten und neurobiologische Besonderheiten (mangelnde Aktivierungsregukation, unzureichende Verarbeitung von Signalen) 
Kompetenz und Perfomanzmängel (z. B. bei Emotionsregulierung, Gedächtnisprozesse, Belohnungsaufschub) 
Negative Interaktion mit Bezugspersonen
Tab 103: Vorgehen bei der Diagnose von ADHS (Schlottke et al 2019, 436)
Diagnose sollte nur von erfahrenem Psychiater oder Psychotherapeuten durchgeführt werden.
Altersangepasste Symptomkriterien verwenden
Diagnose nur dann, wenn Diagnosekriterien nach ICD oder DSM erfüllt sind und gleichzeitig mindestens moderate Beeinträchtigungen vorliegen, die in verschiedenen Lebensbereichen durchgängig beobachtet werden.
Tab 104: Diagnostische Leitlinie für ADHS: awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Diagnose soll erstellt werden auf Grundlage 
einer umfassenden, strukturierten Exploration des Patienten (bei Kindern und Jugendlichen auch seiner Bezugspersonen)
der Verhaltensbeobachtung des Patienten (bei Kindern und Jugendlichen der Patient-Eltern-Interaktionen)
der psychopathologischen Beurteilung des Patienten auf Grundlage der explorierten und beobachteten Symptomatik
der körperlichen und insbesondere der neurologischen Untersuchung mit Beurteilung des Entwicklungsstands 
Selbsteinschätzung sollte neben der im Kindesalter entscheidenden Bedeutung des Berichts der Eltern und anderer Bezugspersonen berücksichtigt werden
Fragebogenverfahren für Eltern, Lehrer oder Patienten sind hilfreich. Diagnose soll aber nicht ausschließlich auf Grundlage von Fragebogenverfahren oder Verhaltensbeobachtung gestellt werden. Verhaltensbeobachtung außerhalb der Untersuchungssituation sind nützlich (z. B. in der Schule) 
Testpsychologische Untersuchungen können ergänzend eingesetzt werden und sind zur Beantwortung spezifischer Fragen notwendig (z. B. Bei Verdacht auf schulische Überforderung, Intelligenzminderungen). Verhaltensbeobachtungen während der Testung können ergänzende Hinweise liefern. ADHS-Symptome müssen aber nicht notwendig während Untersuchung auftreten. 
Altersbesonderheiten:
keine Diagnose unter drei Jahren
im Alter von drei bis vier Jahren kann Diagnose i.d.R. nicht hinreichend sicher gestellt werden
im Vorschulalter soll Diagnose nur bei sehr starker Ausprägung der Symptomatik gestellt werden
Risikofaktoren bei jüngeren Kindern: sehr stark ausgeprägte Unruhe, Impulsivität und Ablenkbarkeit und Störungen der Regulation
Tab 105: Differentialdiagnose nach Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)

Bei der Differentialdiagnose sollte ADHS abgrenzt werden von: 

Störung des Sozialverhaltens
stereotype Bewegungen (z. B. im Rahmen von ASS)
TIC und Tourette-Störungen (Bewegungen)
umschriebene Entwicklungs- und Lernstörungen (Unaufmerksamkeit)
Intelligenzminderung (Überforderung)
Autismus-Spektrum-Störung (Unaufmerksamkeit, Impulsivität)
Beziehungs- und Bindungsstörung mit Enthemmung (sozial enthemmtes impulsives Verhalten)
Angststörungen (Unaufmerksamkeit und Unruhe in Zusammenhang mit Angst)
depressive Störungen (Konzentrationsprobleme)
bipolare Störungen (episodisch: Überaktivität, Impulsivität und Konzentrationsprobleme)
disruptive Affektregulationsstörungen (Impulsivität im Rahmen von Reizbarkeit)
Substanzkonsumstörungen (Substanzen können Symptome einer ADHS auslösen)
Persönlichkeitsstörungen 
Schweregrad laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021) / orientiert an DSM 5
Leichtgradig: wenig oder keine Symptome zusätzlich zu denen, die zur Diagnosestellung erforderlich sind und: geringfügige Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsbereichen
Mittelgradig: trotz der geringen Symptomausprägung deutliche funktionelle Beeinträchtigung oder trotz geringfügiger funktioneller Beeinträchtigung deutlich mehr Symptome als zur Diagnoseerstellung erforderlich

Schwergradig: deutlich mehr Symptome als zur Diagnoseerstellung erforderlich bzw. stark ausgeprägt und funktionelle Beeinträchtigung in erheblichem Ausmaß
Tab 106: Therapie von ADHS laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Behandlung im Rahmen eines multimodalen Gesamtkonzepts Psychoedukation Bei Kindern unter 6: primär psychosozial interveniert werden (einschließl. Psychotherapie)Pharmakotherapie nicht vor dem Alter von drei JahrenBei ADHS mit leichtem Schwergrad: primär psychosozial (einschließl. Psychotherapie, Pharmakotherapie nur in Einzelfällen) Bei moderater ADHS: intensivierte psychosoziale Intervention (einschließl. Psychotherapie) oder eine pharmakologische Behandlung oder eine KombinationBei schwerer ADHS: nach intensiver Psychoedukation primär Pharmakotherapie. Psychosoziale Intervention (einschließl. Psychotherapie) kann bzw. soll integriert werden (wenn ADHS Symptomatik bestehen bleibt). 
Tab 107:Psychosoziale Interventionen laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Prävention: Beratung über angemessenes Erziehungsverhalten von Eltern & Pädagog*innen (einschließlich Elterntrainings)
Psychosoziale Interventionen:Elterntraining, Elternschulung, Elternberatung (einschließlich Psychoedukation) Erziehertraining (auf verhaltenstherapeutischer Basis) und Erzieherberatung 
ergänzend: Kindzentrierte Interventionen (Trainings)
Gruppentrainings sind besser evaluiert
Tab 108: Empfehlungen zu Alternativen Verfahren laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Neurofeedback kann bei Kindern ab 6 Jahren ergänzend eingesetzt werden, wenn dadurch nicht eine andere wirkungsvollere Therapie verzögert oder verhindert wird
Wichtig ist ein Training mittels gut untersuchter Protokolle. Prinzipien der Lerntheorie und Transferübungen sollen einbezogen werden. Mindestens 25-30 Sitzungen, danach: prüfen ob Fortsetzung gerechtfertigt ist.
Diätische Interventionen: ausgewogene Ernährung wichtig. Diäten, der Verzicht auf künstliche Farbstoffe sollten nicht als generelle Intervention durchgeführt werden. Bei Hinweisen auf einen Zusammenhang zwischen Nahrungsmitteln und Verhalten sollte die Eltern an einen Ernährungsberater verwiesen werden. Eltern sollen darauf hingewiesen werden, dass keine Befunde zu Langzeiteffekten durch das Weglassen von Nahrungsmitteln vorliegen. Die Leitlinien geben keine Empfehlung zur Gabe von Omega-3 oder Omega-6 Fettsäuren. 
Tab 109: Pharmakologische Interventionen laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Alter des Patienten, Schwergrad der Symptomatik, Schwere der Beeinträchtigung in verschiedenen Lebensbereichen, sowie die Wirksamkeit eingeleiteter psychosozialer Interventionen (inkl. Psychotherapie) soll bei der Indikationserstellung berücksichtigt werden. 
Initiierung und beaufsichtigte Anwendung einer medikamentösen Behandlung nur durch Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, ärztlichen Psychotherapeuten. Entscheidung nur durch einen Arzt mit besonderen Kenntnissen zu Verhaltensstörungen in dieser Personengruppe. Entscheidung nur nach gesicherter Diagnoseerstellung. Nach medikamentöser Einstellung sind Folgeverordnungen können in Aufnahmefällen auch durch Hausärzte möglich.
Behandlungsoptionen: Stimulanzien je nach Zulassungsstatus: Methylphenidat, Amfetamin und Lisdexamfetamin), Atomoxetin und Guanfacin. Cannabis soll explizit nicht zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden. 
Tab 110: Kazda, L. Bell, K. Thomas, R. McGeechan, K., Sims, R, Barratt, A.: Overdiagnosis of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children and Adolescents: A Systematic Scoping Review.“ Apple Books. „Overdiagnosis of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children and Adolescents:“Auszug aus: „Overdiagnosis of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children and Adolescents: A Systematic Scoping Review.“. JAMA Netw Open. 2021 Apr; 4(4): e215335.  Published online 2021 Apr 12. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2021.5335PMCID: PMC8042533

Kadzda et al (2021) stellen ein Review vor, das sich mit Problemen bei der Diagnose von ADHS befasst. Sie untersuchen insgesamt 334 Studien, die ihren Auswahlkriterien entsprechen. 
Ergebnisse (Auswahl):
Es gibt Hinweise auf deutliche Prävalenzunterschiede (weniger ADHS Diagnosen bei Mädchen, Afro-Amerikanische und Hispancic Kindern und Jugendlichen, starke regionale Unterschiede, Unterschiede je nach verwendetem Diagnostik-Manual). 
45 Studien berichten von steigenden Zahlen ADHS-Diagnosen, 25 Studien verweisen darauf, dass der Zuwachs vor allem auf leichtere Fälle verweist. 64 Studien berichten von einem wachsenden Anteil von Kindern und Jugendlichen, die pharmakologisch behandelt werden.
Sie ermitteln 31 Studien, die darauf hinweisen, dass die Schäden einer ADHS Diagnose den möglichen Nutzen überwiegen sowie 121 Studien, die darauf hinweisen, dass die Schäden der ADHS-Therapie den Nutzen der Behandlung überwiegen.

Soley: Behandlungsempfehlung ADHS:

– Einholen einer zweiten, fachlichen Meinung im Rahmen einer erneuten differentialdiagnostischen Abklärung
  zur Absicherung und Verminderung der bestehenden Unsicherheiten

– Psychoedukation und Aufklärung der Mutter
 Informationen über wissenschaftliche Studien und Standards: Es gibt keine wissenschaftlichen Langzeitstudien zum Einfluss der Ernährung auf ADHS

Ich würde aus fachlicher Sicht ebenfalls eine multimodale Therapie, bestehend aus einer psychotherapeutischen Anbindung des Kindes, Elterntraining, psychosozialen Interventionen und einer medikamentösen Einstellung, empfehlen. Die medikamentöse Einstellung sollte nach fachlichen Standards erfolgen und kontinuierlich begleitet werden, gegebenenfalls im Rahmen einer stationären Diagnostik.

Dennoch ist die Sorge der Mutter in meinen Augen nachvollziehbar und persönlich hätte ich sicherlich auch Hemmungen, mein Kind medikamentös einstellen zu lassen. Zudem würde ich die Haltung, dass eine Diagnose dem Kind mehr schadet, als hilft, ernst nehmen und mich diesbezüglich zunächst weiterführend informieren. Je nach Intensität des Leidensdrucks der Mutter und des Kindes würde ich sozialpädagogische Interventionen im Vorfeld ausprobieren.

MiWi:

Als allererstes würde ich der Mutter raten sich eine zweite Meinung, vielleicht sogar noch eine Dritte von anderen Psychiater_innen, Psychotherapeut_innen einzuholen um sicherzugehenden, dass es sich bei ihrem Sohn wirklich um eine schwere Form von ADHS handelt.

Im nächsten Schritt sollte eine Psychoedukation und Aufklärung erfolgen, um der Mutter des Jungen, ihre Sorgen und Bedenken zu nehmen. In diesem Fall, das eine medikamentöse Behandlung kein Alzheimer fördert oder das Körperwachstum verhindert. Zudem sollte die Mutter und ihr Sohn bestmöglich über ADHS informiert werden, dazu gehört Hintergrundwissen, Behandlungsmöglichkeiten und praktische Maßnahmen. Außerdem sollte die Mutter darüber aufgeklärt werden, das durch den Verzicht von Nahrungsmitteln keine fördernde Befunde und Langzeiteffekte vorliegen.

Ich würde, vorausgesetzt die zweite und dritte Meinung bestätigen sich, ebenfalls davon ausgehen das eine schwere Ausprägung von ADHS vorliegt und eine multimodale Therapie anwenden. Bestehend aus psychosozialer Intervention, Psychotherapie und Pharmakotherapie.

Neunte Sitzung

Die neunte Sitzung befasst sich mit dem Thema Schulverweigerung. Wenn sich Kinder und Jugendliche entscheiden, nicht mehr in die Schule zu gehen, liegt normalerweise ein wirklich ernstes Problem vor. Schulverweigerung kann auf Mobbing hinweisen. Schulverweigerung ist häufig mit delinquentem Verhalten verbunden. Und Schulverweigerer sind nicht unbedingt das, was Schulen haben wollen, wenn es um ihren Ruf geht.

Im ersten Podcast der heutigen Sitzung werden Sie in das Thema eingeführt. Den zweiten Teil bildet ein Referat von drei Studierenden. In einem dritten Teil berichte ich von den Befunden einer kleinen Studie, die ich im Studienseminar Lüdenscheid durchgeführt habe, um das Ausmaß von Schulverweigerung in der Region zu dokumentieren.

Begrüßung
Referat Schulverweigerung
Schulverweigerungsstudie Hagen/Lüdenscheid

Zehnte Sitzung

Begrüßung
Referat Anorexie

Ich möchte heute zudem noch kurz von Befunden einer wirklich bemerkenswerten Masterthesis berichten. Herting (2019) hat sich die Mühe gemacht, in einer Fachdatenbankrecherche internationale Befunde zum Thema Essstörungen zusammenzutragen. Eine statistische Auswertung zeigt: Man kann die z. T. beträchtlichen Unterschiede wenigstens anteilig durch Indikatoren zur gesellschaftlichen Entwicklung und zur Ungleichheit von Mann und Frau erklären.

Befunde aus der Masterthesis Herting (2019)

Elfte Sitzung

Autismus – Eine Einleitung
Referat Autismus Spektrums Störung

Referat Hochfunktionaler Autismus

Zwölfte Sitzung

Die zwölfte Sitzung des Seminars „Diagnostizieren – Etikettieren – Stigmatisieren“ befasst sich mit der Posttraumatischen Belastungsstörung und der Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Die öffentliche Wahrnehmung der beiden Störungsbilder unterscheidet sich deutlich. Eine Borderline-Persönlichkeitsstörung ist nicht unbedingt ein Störungsbild, das sich Eltern für ihre Kinder wünschen. Und auch bei Erwachsenen erfreut sich das betreffende Störungsbild nicht unbedingt wachsender Beliebtheit. Etwas anders sieht dies bei der Post Traumatischen Belastungsstörung. Hier gibt es durchaus ein Interesse am Störungsbild. Dies hat zum einen damit zu tun, dass PTBS mit der Debatte um sexuelle Gewalt zu tun hat. Und hier gibt es einige Akteur*innen, denen es wichtig ist, zu belegen, dass sexueller Missbrauch eine möglichst massives Ausmaß hat. Auch traumpädagogische Positionen sind stark an diesem Störungsbild interessiert. Denn je höher die Fallzahlen, desto nachgefragter sind traumpädagogische Publikationen und entsprechende Fort- und Weiterbildungsangebote. Ein weiteres Beispiel sind unseriöse Anbieter*innen auf dem Psychomarkt, die ihr Geld damit verdienen, traumatische Ereignisse retrospektiv aufzudecken und dann auch zu behandeln.

Diese unerfreulichen Begleiterscheinungen sind durchaus in der Lage davon abzulenken, dass beides: Borderline Persönlichkeitsstörung und PTBS als ernste Erkrankungen einzustufen sind. Die Diagnose sollte durch Ärzte, am besten durch Psychiater erfolgen. Und es ist sehr wichtig, dass die Therapie durch (Kinder und Jugend-) Psychotherapeut*innen bzw. durch Psychotherapeut*innen mit Krankenkassenzulassung oder durch ärztliche Psychotherapeut*innen erfolgt. Die vielen anderen selbst ernannten Expert*innen richten gelegentlich beträchtlichen Schaden an. Dies kann von der Behinderung wirksamer Strafverfolgung reichen (z. B. durch manipulative oder zumindest unprofessionelle Aufdeckungsbemühungen in pädagogischen Einrichtungen) bis hin zur Behinderung einer angemessenen Verarbeitung traumatisierenden Ereignisse. Denn es gibt einige Schutzfaktoren, die Menschen in die Lage versetzen, traumatisierende Ereignisse wirksam zu verarbeiten (ein wichtiger Schutzfaktor ist z. B. Intelligenz). Interventionen von lediglich durch Fort- oder Weiterbildung „qualifizierten“ Personals können dies sogar nachhaltig behindern. Es macht übrigens auch keinen Sinn, sich von Personen in Fort- oder Weiterbildung qualifizieren lassen, denen die Krankenkassen (mit Recht) eine Abrechnung therapeutische Arbeit verwehren.

In der Auseinandersetzung mit therapeutischen Konzepten kommt es also weniger darauf an, ob das theoretische Konzept Bedürfnisse von Sozialarbeiter*innen bedient. Auch die theoretische Schönheit oder die Kompatibilität mit derzeit angesagten Theorien ist nicht bedeutsam. Sondern bedeutsam sollte allein die Frage sein, ob in wissenschaftlichen Studien solche Wirksamkeitsnachweise vorgelegt wurden, die dazu führen, dass Therapeutische*innen mit dieser Qualifikation eine Krankenkassenzulassung erhalten. Dieses Kriterium schränkt die vermeintliche Auswahl an therapeutischen Konzepten doch nachdrücklich ein.

Die Referate lassen in Teilen ein wenig spüren, wie schwer es für Studierende der Sozialen Arbeit sein kann, sich mit Fragen der Evidenzbasierung auseinanderzusetzen. Ich rate aber dennoch dazu, sich auf diesen Gedanken einzulassen. Denn entscheidend ist nicht, ob die Konzepte kompatibel mit Ihren derzeitigen theoretischen Vorlieben sind. Sondern entscheidend ist, ob die betreffenden Konzepte nachweislich wirksam sind.

BTBS und Borderline – Eine Einleitung

Referat BTBS

Referat Borderline

Dreizehnte Sitzung

Die dreizehnte Sitzung befasst sich mit dem Thema Depression. Die Sitzung hat zwei Bestandteile. Im ersten Podcast führe ich in das Thema ein und verweise auf die Befunde der internationalen Prävalenzforschung zum Thema Depression.Der zweite Teil besteht aus einem Referat von Prinzessin Bubblegum

Depression – Eine Einleitung

Pössel, P. (2019). Depression/Suizidalität. In: Schneider, S. & Margraf, J.: Lehrbuch der Verahltenstherapie. Berlin – Therapie von Depressionen
Laut Empfehlungen der DGKJP (2013): Prinzipiell das niedrigstschwellige Vorgehen wählen. Stationäre Behandlung bei:
Suizidalität (verbunden mit fehlender Absprachefähigkeit)
erheblicher Mangel an Ressourcen oder erhebliche abnorme psychosoziale Belastungen
erhebliche Funktionseinschränkungen, insbesondere bei unzureichender Alltagsbelastbarkeit
Pössel (2019): Erklärung von Depressionen nach dem kognitiven Modell der Depression von Beck (683 f.)
Menschen mit Depressionen neigen bei der Bearbeitung und Bewertung von Erfahrungen durch kognitive Fehler zu dysfunktionalen Grundannahmen, die negative Gefühle auslösen.
Belastende Ereignisse können so zur kognitiven Traide von negativem Selbstbild, negativem Weltbild und negativen Zukunftsbild führen. 
Dies kann negative automatische Gedanken auslösen, welche zu depressiven Symptomen führen (negative Gefühle, somatische und motivationale Symptome). 
Pössel (2019). Therapeutisches Vorgehen bei der Behandlung von Depressionen bei Kindern und Jugendlichen 
Stimmungsprotokolle einsetzen

Zusammenhänge zwischen Gedanken, Gefühlen und Handlungen verdeutlichen (z. B. durch Unterscheidungs-Verbindungs-Spiel)

Aufbau positiver Aktivitäten und Entspannung

Kompetenztraining
Wichtig hierbei vor u.a.: Unterscheidung zwischen selbstsicheren, unsicheren und aggressiven Verhalten in Rollenspiel, anhand von Videos oder auf Basis der Erfahrungen der Klient*innen., Kinder & Jugendliche sollen von Vorteilen selbstsicheren Verhaltens überzeugt werden.

Aufbau funktionialer Kognitionen 
Realitätscheck:Hilft mir der Gedanke mich gut zu fühlen / mein Ziel zu erreichen?
Gibt es Merkmale von dysfunkktionalen Kognitionen? 
Was spricht gegen die dynsfunktionale Kognition? 

Behandlung suizidaler Gedanken & Handlungen:
1. Phase: Kontrolle des Zugangs zu Suizidmethoden & Substanzen, Hilfe bei der Abgrenzung von der akuten suizidalen Symptomatik & Entwicklung alternativer Problemlösungen

2. Phase: Ursachen klären
(Selbstentwertung, Schuldgefühle, Verluste, Bestrafungssbedürfnis) & dysfunktionaler Kognitionen

Empfehlungen der DGKJP (2007):
Familie einbeziehen (allerdings nicht bei desorganisierten Familien)
Gruppentherapie (allerdings keine Gruppen mit chronisch krisenanfälligen Personen)
Herausnahme aus dem bisherigen Umfeld (nicht in problematisches Umfeld unterbringen, also z. B. nicht in Wohngruppe mit parasuizidalen Bewohnern)
Therapieabbruchsgefahr berücksichtigen

(aus Herting 2019)

(aus Herting 2019)

(aus Herting 2019)

Referat Depression (Prinzessin Bubblegum)

Vierzehnte Sitzung

Die 14. Sitzung befasst sich mit dem Thema Narzissmus. Weil das Referat zu diesem Thema einige Fachbegriffe und theoretische Konzepte aus der Psychoanalyse verwendet, die nicht in jedem Fall Gegenstand von anderen Seminaren waren, beginne ich mit einer kurzen Einleitung in die Psychoanalyse.

Referat Narzissmus

Fünfzehnte Sitzung

Ich möchte die fünfzehnte Sitzung vor allem dafür nutzen, die noch ausstehenden Referate hochzuladen.

Das erste Referat der 15. Sitzung ist das Referat über Bindungsstörungen von Krone03. Aus technischen Gründen werden die podcasts in fünf Teilen hochgeladen.

Das Referat von Turmalin befasst sich mit dem Thema Phobien.

Das Referat von Rokl befasst sich mit Substanzkonsumstörungen

8 Gedanken zu „Diagnostizieren, etikettieren, stigmatisieren WS 21 / 22“

  1. Symptome und Diagnostik einer neurologischen Entwicklungsstörung (ADS & ADHS)
    a) ADS
    ADS zeichnet sich durch Unaufmerksamkeit, Impulsivität sowie durch eine Aktivitätsverminderung (Hypoaktivität) aus. Kinder mit ADS haben eine mangelnde dem Alter nicht entsprechende Konzentrationsspanne. Sie bringen kein Spiel zu Ende, sind unausgeglichen, unkontrolliert und zerstreut, lassen oft Sachen liegen, kleinste Anweisungen werden vergessen. Sie haben ein langsames Arbeitstempo und wirken verträumt. ADS bei Kindern wird oft nicht als solches erkannt, da sie oft sehr ruhig und somit unauffällig sind. Dabei sind Jungen etwa dreimal häufiger betroffen wie Mädchen.
    b) ADHS
    Es gibt verschiedene Kernsymptome bei ADHS, wie Aufmerksamkeitsstörungen, Hyperaktivität und Impulsivität, die gemeinsam auftreten können, aber nicht müssen. Meistens treten zwei weitere Nebensymptome neben den Kernsymptomen auf.
    Zu den Nebensymptome gehören: Stimmungsstörungen, verminderte Gefühlskontrolle, verminderte Stresstoleranz, Desorganisation, Vergesslichkeit, Ungeduld, Kaufsucht, Suchttendenz (z.B. Drogen ) und Reizoffenheit:
    •Stimmungsstörungen (auch „Stimmungsschwankungen“ genannt): Bei ADHS Patienten, gehen die normale und niedergeschlagene Stimmung schnell ineinander über. Die niedergeschlagene Stimmung hält oft nur wenige Stunden bis wenige Tage an.
    •Verminderte Gefühlskontrolle (auch als „leichte Reizbarkeit“ bezeichnet): Wutausbrüche können sehr schnell aus sehr geringem Anlass entstehen. Dies führt häufig zu zwischenmenschlichen Konflikten.
    •Verminderte Stresstoleranz: schon ein sogenannter „normaler“ Alltag kann schnell zu einer Überlastung von Gefühlen führen.
    •Desorganisation: Der Patient beginnt viele Aufgaben gleichzeitig, beendet diese aber nicht. Dadurch werden u.a. auch Verabredungen vergessen und Termine nicht eingehalten.
    Die Nebensymptome sind nicht zu verwechseln mit Begleiterkrankungen (sogenannter Komorbiditäten), die öfter gemeinsam mit ADHS auftreten können. Im Gegensatz zu Nebensymptomen werden solche Komorbiditäten durch eine medikamentöse Behandlung von ADHS in der Regel nicht gelindert. Diese sollten unbedingt durch eine spezielle Therapie behandelt werden.

    Eltern beschreiben bei ADHS – Kindern eine ausgeprägte und sehr lang anhaltende Trotzphase mit häufigen und imposanten Wutanfällen: Das Spielverhalten ist plan- und rastlos, die Ausdauer im Einzel- und Gruppenspiel gering und der Umgang mit Spielzeug sinnwidrig und destruktiv. Kinder mit ADHS sind im Vergleich zu anderen Kindern häufiger von motorischen Teilleistungsstörungen betroffen. Bei einem Teil der Kinder ist das Sozialverhalten nicht vorhersehbar und kann sich in aggressivem Verhalten äußern. Dies kann schließlich dazu führen, dass das Kind zunehmend isoliert wird, keine beständigen Freundschaften hat und nicht zu Kindergeburtstagen eingeladen wird.
    In der Schule kann es infolge der gesteigerten Anforderungen zu erheblichen Schwierigkeiten kommen. Das Kind stört anhaltend den Unterricht, zeigt wenig Ausdauer und ist sehr schnell abgelenkt. Es gibt Eltern, die sich nahezu täglich mit den Lehrern auseinandersetzen müssen, weil ihr Kind dazwischenredet, Geräusche produziert, zappelt, den Banknachbarn nicht in Ruhe lässt und Klassenkameraden verletzt. Auf Ermahnungen reagiert das Kind häufig mit Wutanfällen oder es spielt den Klassenclown, um Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten. Das zieht eine Kette von Ermahnungen und Bestrafungen nach sich. All dies führt dazu, dass die Grundstimmung des Kindes unglücklich ist und sein Selbstbewusstsein zunehmend schwindet.
    Die Aufmerksamkeitsstörung ist bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen vorhanden. Im Unterschied zu Kindern haben Erwachsene mit der Zeit gelernt, ihre Impulsivität zu kontrollieren. Bei Erwachsenen, die von ADHS betroffen sind, gibt es jene, die als unaufmerksame Typen unter Aufmerksamkeit- und Konzentrationsstörungen leiden. Zudem gibt es auch den kombinierten Typ, der bei dem zu Aufmerksamkeit- und Konzentrationsstörungen noch Hyperaktivität und Impulsivität hinzukommen.

    Behandlungsmöglichkeiten von ADHS

    Wie bei der Ursachenforschung so gibt es auch bei dem Umgang mit den Symptomen eine Vielfalt von Ansätzen und Maßnahmen. Ziel der von Eltern, Kind und Lehrer sind über das Wesen von ADHS aufzuklären und zu beraten. Dabei ist ihnen zu verdeutlichen, dass Schuldzuschreibungen nicht helfen und mit ihnen sind die anzugehenden Maßnahmen zu erörtern. Dabei ist „eine kombinierte pharmakologische und verhaltenstherapeutische Therapie bei schweren Verlaufsformen das erfolgversprechendste Vorgehen.“

    a) Medikamentös
    Wenn der Leidensdruck als sehr hoch empfunden wird oder die Symptome zu Problemen im Alltag führen kann die Einnahme von Medikamenten bei ADHS sinnvoll sein. Die medikamentöse Behandlung führt oft schnell zu einer Verbesserung der Symptomatik. Bei hohem Leidensdruck kann die Kombination der medikamentösen ADHS-Therapie mit einer Psychotherapie sinnvoll sein. Bei der Psychotherapie geht es vor allem darum, eingefahrene Denk- und Verhaltensmuster behutsam zu verändern, um zu lernen, besser mit der ADHS-Symptomatik umgehen zu können. Ferner kommen psychotherapeutische Verfahren zum Einsatz, wenn weitere Begleiterkrankungen (Depression, Sucht) vorliegen.
    Zur Behandlung von ADHS bei Erwachsenen sind in Deutschland Arzneimittel mit den Wirkstoffen Methylphenidat und Atomoxetin zugelassen. Sie bewirken eine Erhöhung der Dopaminkonzentration im Gehirn und eine Verbesserung der Weiterleitung von Nervenimpulsen.
    In der Regel stellt sich nach kurzer Zeit eine deutliche Besserung der ADHS-Symptomatik ein, die Notwendigkeit der medikamentösen Therapie wird dann in regelmäßigen Zeitabständen (ca. 1 x im Jahr) überprüft.
    Nicht geeignet ist Methyphenidat bei Herzrhythmusstörungen, erhöhtem Blutdruck, Schwangerschaft, Drogen – und Alkoholmissbrauch.

    Antworten
  2. Diagnostische Kriterien ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung)
    – Unaufmerksamkeit: Kinder mit ADHS lassen sich leicht ablenken und haben Schwierigkeiten damit, den Fokus der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Sache zu legen und längere Zeit dabei zu bleiben
    – Impulsivität
    – Übermäßige Aktivität
    Die Auffälligkeiten treten meist in allen Lebensbereich auf (z. B. Schule, Familie, in der Beziehungsgestaltung).
    Ca. 60% der betroffenen Kinder weisen zudem eine Lese-/Rechtschreibschwäche und/oder eine Dyskalkulie auf.
    Eine alleinige medikamentöse Behandlung ist weniger effektiv als eine kombinierte medikamentöse und verhaltenstherapeutische Behandlung. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Wirkung der Medikamente (Ritalin) nach 3 Jahren deutlich nachließ.
    Therapeutische Interventionen neben Ritalin:
    – Tiergestützte Therapie
    – Natur- und Erlebnispädagogik
    Naturpädagogische Angebote fördern die Aufmerksamkeit. Die Natur hilft die Konzentrationsfähigkeit zu regenerieren.

    Quelle: Ursula Henke/Michael Wendler: „Wald statt Ritalin?“: Ein nichtmedikamentöser Förderansatz für Kinder mit ADHS zur Teilhabe am Unterricht in der Offenen Ganztagsschule
    http://www.adhs-deutschland.de/Home/ADHS/Diagnose/Diagnose.aspx

    Antworten
    • Ohne ckatz zu nahe treten zu wollen, aber ich fürchte, es ist angemessen, hier zu intervenieren. Ich weiß, dass einige Studierende der EvH mit Unbehagen auf die etablierten Behandlungsmethoden in Sachen ADHS reagieren. Ich denke aber, Sie sollten wissen: Es gibt keine überzeugenden Belege, dass die von ckatz als „therapeutische Methoden neben Ritalin“ bezeichneten Verfahren wie tiergestützte Therapie bzw. Natur- bzw. Erlebnispädagogik überhaupt als Therapie von ADHS eingestuft werden können. Die medikamentöse Behandlung oder besser noch die Kombination von Verhaltenstherapie und medikamentöser Behandlung bei ADHS sind gut und umfangreich erforscht. Ihre Anwendung bei ADHS wird in den einschlägigen Behandlungsrichtlinien empfohlen. Zur Eignung tiergestützter Therapie oder Natur- bzw. Erlebnispädagogik sind bislang keine belastbaren Studien vorgelegt worden, die auch nur annähernd vergleichbare Bedeutung haben. ADHS ist eine ernsthafte Erkrankung. Die Probleme, die einer Diagnose vorausgehen, sind normalerweise erheblich und sehr belastend für Kind und Familie. ADHS wird von Ärzten diagnostiziert und die Behandlung sollte unter ärztlicher, nach Möglichkeit unter fachärztlicher Kontrolle durch qualifiziertes Personal, also Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen erfolgen. Bei ADHS gibt es nachweislich wirksame Methoden und es gibt Methoden, deren Wirksamkeit bestenfalls nicht belegt ist und die normalerweise ohne ärztliche Empfehlung von kaum angemessen therapeutisch qualifiziertem Personal angeboten wird. Wollen Sie wirklich Eltern dazu bewegen, auf die gut untersuchten Verfahren zu verzichten, auf die Hilfe von Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen zu verzichten, um darauf zu setzen, dass Pädagogik*innen ohne zugelassene Therapieausbildung Methoden einsetzen, deren Wirksamkeit in Sachen ADHS zweifelhaft ist?

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      • Vielen Dank für den Einwand.

        Vorneweg: im Kommentar habe ich keinesfalls meine eigene Meinung dargelegt, sondern lediglich ein paar Stichpunkte aus den angegebenen Quellen wiedergegeben.
        „Wollen Sie wirklich Eltern dazu bewegen, auf die gut untersuchten Verfahren zu verzichten, auf die Hilfe von Kinder- und Jugendpsychotherapeut*innen zu verzichten, um darauf zu setzen, dass Pädagogik*innen ohne zugelassene Therapieausbildung Methoden einsetzen, deren Wirksamkeit in Sachen ADHS zweifelhaft ist?“
        Dazu möchte ich anmerken, dass dies von mir in keinerweise so dargestellt wurde.
        Ich beziehe mich wie gesagt auf die o.g. Quelle und folgendes Projekt:
        „Als Vorlage für das Projekt „Wald statt Ritalin?“ fungierte das Experiment von Taylor et al. (Taylor et.al. 2001) zur Steigerung der Aufmerksamkeit. Insgesamt wurden 450 Probanden (17 Kinder mit diagnostiziertem ADHS) im Alter zwischen 7 und 12 Jahren hinsichtlich der Wirkung von drei dargebotenen Settings: Stadtpark, Innenstadt und Wohngebiet untersucht. Anhand des „Digital Span Backwards Test“ schnitten die Kinder, die im Stadtpark spazieren gingen, in der danach folgenden Aufmerksamkeitsuntersuchung am besten ab.“, „Das Projekt „Wald statt Ritalin?“ ist seit ca. zwei Jahren Gegenstand eines Forschungsschwerpunktes des Fachbereichs Heilpädagogik und Pflege.“

        Wenn ich also von Interventionen neben Ritalin schrieb, ist dies nicht als Ersatz zur VT inkl. medikamentöser Behandlung zu sehen.

        Zuletzt stelle ich also die Frage: warum also nicht zusätzlich zur VT + Ritalin auf Förderangebote aus dem Bereich der tiergestützten Pädagogik greifen? (Es ist nicht als Ersatz gemeint, sondern als Ergänzung: multimodales Therapiekonzept).
        Zu dem Bereich gibt es seit Jahren Forschung.

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        • Ich fürchte, das besondere Engagement des Fachbereichs Heilpädagogik für dieses Projekt bzw. für tiergestützte Therapie spricht eher gegen den Fachbereich als für die genannten Methoden. Das Seminar „Diagnostizieren, Etikettieren, Stigmatisieren“ soll ja Studierenden der Sozialen Arbeit verständlich machen, wie Psycholog*innen und Mediziner*innen Störungsbilder diagnostizieren und interpretieren. Aus dieser Perspektive erscheint eine Studie, in sich der gerade einmal 17 ADHS-Kinder nach einem Spaziergang etwas aufmerksamer zeigen, nicht besonders überzeugend. Die vielen, aus dieser Sicht ziemlich umfangreich mit groben methodischen Mängeln behafteten Studien aus dem Umfeld der tiergestützten Therapie helfen da nicht viel weiter. Und ich fürchte, es gibt auch nicht allzu viele Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen und Mediziner*innen, die unter dem Konzept der multimodalen Therapie die Aufforderung verstehen, seriöse und zweifelhafte Methoden zu kombinieren, und sich entscheiden, den unseriösen Part gerne nicht angemessen qualifizierten Anhänger*innen von Außenseitermethoden zu überlassen. Dass schlecht beratene Eltern Gefahr laufen, auf die wirksamen Methoden zu verzichten, um auf angeblich alternative Behandlungsmethoden zu setzen, ist m. E. nicht von der Hand zu weisen.

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          • Das ist sicherlich ein berechtigter Kritikpunkt, jedoch ist mir aus zahlreichen KJPs und Wohngruppen für Kinder die Verknüpfung von psychologischer Psychotherapie, der ärztlich-psychiatrischen Behandlung und die der tiergestützten Therapie bekannt.
            Als Beispiel bietet die KJP in Bochum Linden therapeutisches Reiten an und die LWL Klinik Marl-Sinsen arbeitet mit Wildtieren.
            Damit möchte ich sagen: mir sind einige seriöse Psychotherapeut*innen als auch Mediziner*innen bekannt, die im klinischen Bereich mit Kindern u. Jugendlichen arbeiten, bei denen ebenfalls der Bereich der tiergestützten Pädagogik im Behandlungskonzept (:Fördermaßnahmen) verankert sind.
            Das nur als Einwand, auch wenn es jetzt nicht den Kern der Veranstaltung trifft.

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