Arbeitsfeld Erziehungshilfe (SoSe 2021)

Achtung: Dies ist eine Unterseite eines Seminars, das ich im Sommersemester 2021 angeboten habe. Aktuelle Seminarunterlagen finden Sie hier also nicht. Die Seite bleibt lediglich zu Dokumentationszwecken online.

Verhaltensauffällig, gestört, dissozial. Das sind drei der wenig freundliche Begriffe, mit denen Adressat/*innen der Erziehungshilfe bedacht werden. Ist sicher nicht immer einfach, mit den Kindern & Jugendlichen aus diesen Verhältnissen zu arbeiten. Kann nicht jede/r. Macht aber zufrieden, wenn´s funktioniert. Die Veranstaltung befasst sich mit theoretischen Konzepten, Entwicklungsmodellen, diagnostischen Methoden und Handlungsstrategien in der Erziehungshilfe.

Familien sind manchmal kein guter Ort für Kinder. Kinder werden von einigen Eltern vernachlässigt, Kinder werden von einigen Eltern geschlagen. Kinder werden von einigen Eltern nicht gegen Missbrauch geschützt. Manchmal sind sogar Eltern diejenigen, von denen der Missbrauch ausgeht. Maßnahmen der Erziehungshilfe sollen die Situation in den Familien verbessern. Sie sollen verhindern, dass Kindeswohlgefährdungen entstehen oder bestehende Kindeswohlgefährdungen unterbinden.

Es gibt sehr unterschiedliche Maßnahmen der Erziehungshilfe. Erziehungsberatungsstellen arbeiten z. B. eher präventiv. Familienhilfe ist normalerweise durchaus mit deutlichen Eingriffen in die Familiensysteme verbunden. Und Pflegefamilien oder Heime sorgen dafür, dass Kinder auch außerhalb ihrer Herkunftsfamilien leben können, wenn dies nicht anders geht. In der Erziehungshilfe sind unterschiedliche Methoden etabliert. Aber man kann im Unterschied zu anderen Arbeitsfeldern festhalten, dass in der Erziehungshilfe Methoden aus der Psychotherapie eine besondere Rolle spielen. Sieht man einmal von der Erziehungsberatung ab, so kann man sogar eine Dominanz einer psychotherapeutischen Schule feststellen. Denn verhaltenstherapeutische Methoden spielen in Einrichtungen der Erziehungshilfe eine besondere Rolle. Schaut man sich die Befunde der Psychotherapieforschung an, so ist das auch keine schlechte Idee. Denn verhaltenstherapeutische Methoden gehören zu den mit Abstand wirksamsten therapeutischen Verfahren. Vielleicht hat die besondere Bedeutung der Verhaltenstherapie auch damit zu tun, dass in vielen Problemfamilien klare Strukturen und verbindliche Regeln eher nicht so verbreitet sind. Und da ist es nachvollziehbar, den Kindern aus diesen Familien das zu geben, was ihnen offensichtlich fehlt.

Dieses Seminar hat vier Teile. Es beginnt mit einigen einleitenden Sitzungen. Hierauf folgt eine Auseinandersetzung mit für die Erziehungshilfe besonders bedeutsamen Entwicklungskonzeptionen. Das Seminar befasst sich in einem dritten Teil mit diagnostischen Fragestellungen. Abschließend stehen Methoden der Erziehungshilfe auf dem Programm.

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung finden Sie Informationen über den Ablauf des Seminars und eine persönliche Vorstellung. Es wird erklärt, wie das Seminar funktioniert und welche Dinge zu beachten sind, falls man sich dazu entschließen sollte, ein Portfolio bei mir zu schreiben. Ein kleines Planspiel (in sehr kurzer Form) bildet den Abschluss des Seminars.

Ad personam

Wie das Seminar funktioniert

Anforderungen für ein Portfolio

Teilleistung Referat

Aufbau des Seminars und Planspiel: Das weltallerbeste Erziehungshilfessystem

pflanze25: Planspiel: neues Erziehungshilfesystem für die Bundesrepublik Deutschland

Um den Start ins Leben eines Kindes zu vereinfachen würde es ein „Babypaket“ mit der wichtigsten Erstausstattung für das Kind unmittelbar nach der Geburt geben. Dies wäre auch der erste (positive) Kontakt zum Jugendamt, bei dem auch Fragen und Hilfen geklärt werden könnten.

Das Image des Jugendamtes/ASD sollte sich verbessern. Die Hilfe und Unterstützung dieser Institution sollte im Vordergrund stehen und nicht die „Wegnahme der Kinder“. Durch Transparenz und Unterstützungsangebote, bei der die Zusammenarbeit mit Familien im Vordergrund steht, könnte dies gelingen. Zudem gibt es in meinem neuen Erziehungshilfesystem Anlaufstellen für junge (werdenden) Eltern und Eltern von jungen Eltern mit Beratungsangeboten, genauso wie für Kinder und Jugendliche mit Drogenabhängigkeit. Diese Beratungsangebote wären niedrigschwellig aufgebaut. Die Arbeit von Sozialarbeitern wird in Grundschulen und folgenden Schulformen wird ausgebaut, um die Prävention von Schieflagen in den Familien zu stärken, und auch die Förderschulen werden nicht weiter abgebaut, da Kinder auf „normalen“ Schulen oft nicht die fachliche Betreuung bekommen, die sie benötigen. Genug Hebammen und Kindergartenplätze wären vorhanden und Vereine würden staatlich unterstützt werden, sodass alle Kinder und Jugendlichen sich frei aussuchen könnten, welchen Sport/ welchen Musikunterricht etc. sie besuchen wollen. Der öffentliche Personennahverkehr wäre für alle Menschen grundsätzlich kostenlos, sodass auch Eltern ohne eigenes Auto ihr Kind problemlos zu Angeboten oder zur Schule bringen können.  

MeerminVanHaarlem: Meine Ideen zur Verbesserung des Erziehungshilfesystems setzen, wie die anderen Beiträge auch, auf eine Verbesserung des Images der Erziehungshilfe. Hilfe wird in der Regel nur dann angenommen, wenn die betroffene Person keine andere Wahl mehr hat und sich einredet sie hätte bei der Erziehung „versagt“. Dieses Denken ist in meinen Augen falsch. Es müsste eine Möglichkeit geschaffen werden, die eine Annahme einer Hilfeleistung als etwas alltägliches etabliert. Jede Familie könnte einmal pro Jahr zu einem Termin mit dem Jugendamt gebeten werden. Bei diesem Termin wird klar und transparent geschildert welche Arbeit geleistet wird und dass die Arbeit nicht aus dem „wegnehmen“ eines Kindes besteht. Es werden Familien eingeladen, welche bereits Hilfe in Anspruch nehmen und anschaulich zeigen womit sie Probleme hatten (oder vielleicht noch haben) und wie diese behandelt werden. Da Menschen sowohl als Eltern als auch als Kinder an diesen Terminen teilnehmen könnte sich eine Selbstverständlichkeit für das in Anspruch nehmen der Hilfen entwickeln. Außerdem empfinde ich es als wichtig, dass in allen Institutionen Menschen arbeiten die entweder selbst für das Jugendamt arbeiten oder (vor allem in Vereinen) im direkten Kontakt mit Mitarbeitenden des Jugendamtes stehen (Aufgabenbereich des Jugendwartes erweitern). Auf diese Weise könnten bereits Kinder eine geringere Hemmschwelle entwickeln und von sich aus auf Probleme in der eigenen Familie aufmerksam machen, weil sie in jedem Bereich ihres Lebens wissen wo, wann und wie sie um Hilfe bitten können.

Avalarion: Als Idee zur Verbesserung des Erziehungshilfesystems bedarf einem breiten Informationsspektrum bereits für werdende Eltern, was Alle erreichen kann. Ich denke, dass viele gar nicht darüber informiert sind, was es für Unterstützungsmöglichkeiten der frühen Hilfen gibt. Frühe Hilfen stellen eine wichtige Ressource dar, um präventiv handeln und nach Möglichkeit Gefahren für das Wohl des Kindes (z.B. resultierend aus Überforderung der Eltern) frühzeitig abwenden zu können. Jeder werdenden Familie wird eine feste AnsprechpartnerIn (sowohl hauptamtliche als auch ehrenamtliche MitarbeiterInnen) zugeteilt, die zu den Familien Kontakt aufnimmt. Durch diese feste AnsprechpartnerInnen können die (werdenden) Familien unterstützt werden und über Hilfen/Angebote/nächste Schritte informiert und bei auftretenden Fragen beraten werden. Es bedarf einer Kooperation mit anderen Institutionen und Vereinen, damit die Familien möglichst lange begleitet werden können. 

 

die_gusher: In Ihrer Audio haben Sie erwähnt, dass es kein Budget geben wird. 
Aus persönlicher Erfahrung kann ich daher sagen, dass es dem Jugendamt und vor allem den Kindern, sowie Familien schon sehr helfen kann, wenn mehr Mitarbeiter*innen eingestellt würden. 

Das Jugendamt hat nicht nur ein schlechtes Image weil sie als die „Bösen, die unsere Kinder holen“ dargestellt werden sondern auch, weil sie bei den Familien in welchen sie helfen könnten die Arbeit schlampig machen. 
So gut ich auch die Ideen auf der Homepage hier finde, wird sich an der Inkompetenz des Amts nicht ändern, wenn sie nur mehr Fälle bekommen. 
Bei den 20 Fällen auf deren Tischen wovon 10 bearbeitet werden aber nur eine Kapazität für 5 Fälle gegeben ist, ist es wichtig immer aktuell geschultes und ausreichendes Personal- welches sich ggf. durch Supervisor zwei mal die Woche über ihre Fälle austauschen kann, da Familien mit Problemen und die daraus hervorkommenden Kinder, im selben Bezirk, sich oft untereinander kennen.  So kann aus diversen Perspektiven nach Lösungen gesucht werden. 
Außerdem macht so eine offene Kommunikation es für zum Beispiel Schulsozialarbeiter einfach der Familie zu helfen.

Artischocke99: Planspiel: Das weltallerbeste Erziehungshilfesystem
Wenn die finanziellen Ressourcen für das neue Erziehungshilfesystem keine Rolle spielen, dann sollten diese bereits in der Schulzeit der werdenden Eltern einfließen. Viele Schulen bieten bereits pädagogische Fächer während der Schulzeit an, diese sollten dann verbindlich an jeder Schule etabliert werden. So lernen die Jugendlichen mehr über das Bindungsverhalten von Kindern und bestmögliche Strategien zur Erziehung mit Blick auf das Kindeswohl. Im späteren Leben, können diese Lehrveranstaltungen als Hilfesystem für werdende Eltern kostenfrei vertieft werden. Die Eltern haben ebenfalls Anspruch auf pädagogische Fachkräfte zur Unterstützung im Familienleben. Darüber hinaus erhält jedes Kind von Geburt an einen Kitaplatz und eine Grundausstattung für die ersten Jahre, um den neuen Lebensabschnitt so angenehm wie möglich zu machen. 

 Cindyrella: Planspiel _ Erziehungshilfesystem
Nachdem ein Kind geboren wurde, sollten die Krankenhäuser die Daten des Kindes an das entsprechende Jugendamt weitergeben. Bereits jetzt wird in den meisten Städten, von den Familienbüros, ein „Willkommens Besuch“ durch Erzieher_innen, durchgeführt. Dort sollte eine Person vom ASD begleitend mitkommen, um die familiäre Situation einzuschätzen. Wenn der sozialarbeitende Grund für die Annahme hat, dass in der Familie nicht alles richtig läuft, sollten bereits dort Besuchstermine ausgemacht werden, bei denen mindestens zwei Mitarbeiter_innen des ASD die Familie besuchen. Ab da wird die Familie regelmäßig durch das Jugendamt unterstützt und begleitet, damit das Kind möglichst sorgenfrei aufwachsen kann.Es könnten auch Mitarbeiter_innen des Jugendamtes in Kindergärten eingesetzt werden, die sich dort mit den Kindern beschäftigen,Damit die Familien sich dagegen nicht wehren, muss vorrangig (wie meine Kommilitonen_innen bereits erwähnt haben) am Image des Jugendamtes gearbeitet werden. 

Blauwal Planspiel. Erziehungshilfesystem

Zunächst einmal sollte beim Entstehen einer Familie angesetzt werden. Bereits in der Schwangerschaft sollten Eltern(-teile) eine finanzielle Unterstützung geboten werden. Dies muss nicht zwangsläufig in Form von Geldauszahlung stattfinden, sondern kann auch als Sachgütern (Erstausstattung: Kinderbett, Maxi-Cosi etc.) ausgezahlt werden. Im Kleinkindalter sollten dem Kind einen Anspruch auf einen U3 Platz in einer Kita oder bei einer Tagesmutter in der Nähe des Wohnortes (Ohne kosten für die Eltern. Stichwort: Beitragsfreie Kita) gewährt werden. Ab dem Schulalter muss es dem Kind möglich sein frei die eigene Schulform zu wählen. Die Kosten für Bildungsangebote sollten staatlich getragen werden. Ebenso die Kosten für alle Anschaffungen an Schulmaterialien (Anschaffung von besonderen Heften etc.). Desweitere sollte die Möglichkeit geschaffen werden, das Kinder ihre Freizeitaktivitäten (Vereine, Projekte etc.) frei wählen können. Ebenso wie einen Anspruch auf einen Kitaplatz sollte der Anspruch auf einen Platz in der OGS gelten. Wichtig bei dieser Regelung ist, das die verantwortlichen der Einrichtung im Blick haben, wer aus Sicht des Kindeswohl auch im Falle von Notbetreuungen, die Einrichtung weiterhin besuchen sollte, um einer eventuellen Kindeswohlgefährdung präventiv entgegenzuwirken (Bsp.. die aktuelle Covid- 19 Pandemie). Als letztes aufzuführen wäre dann das Jugendamt. Es sollte die Erziehungshilfe im Fokus stehen. Die Unterstützung von Familien und nicht die Inobhutnahme. Hierzu dient eine transparentere Arbeitsweise.

4nnh: Bereits vor der Geburt des Kindes sollten werdende Eltern über mögliche Hilfen ausreichend informiert werde, um gegebenenfalls schon einschätzen zu können ob und welche Hilfen sie benötigen. Dann sollten eben diese eine feste Bezugsperson bekommen, welche sie unterstützt und bei Fragen beraten kann.  Ist auffällig, dass nach der Geburt des Kindes in der Familie etwas schief läuft so könnten regelmäßige Besuche in der Familie und Besuche und Rücksprache mit der Kita Vorgehensweisen sein.

Berna99: Planspiel: neues Erziehungshilfe System für die Bundesrepublik Deutschland

Ein neues Erziehungshilfe System in Deutschland stelle ich mir so vor, dass alle Kinder nachdem sie geboren wurden, bei den entsprechenden Jugendämtern registriert werden. Jeder Familie sollte ein Sozialarbeiter, oder vergleichbares, dauerhaft zur Seite stehen. Sobald erste Auffälligkeiten in der Erziehung zu beobachten sind, könnte der Mitarbeitende des Jugendamtes durch regelmäßige Besuche bei den Familien, an diesen Schwierigkeiten anknüpfen. Das Images der Jugendämter sollte vor erst verbessert werden, damit Betroffene positive Erfahrung mit diesen verbinden und sich auf deren Hilfe einlassen. Auch sollte es viel mehr Mitarbeitende geben, um diese Hilfen überhaupt ausreichend gewährleisten zu können.
Jedes Kind sollte über einen Kitaplatz verfügen. Außerdem sollte in der Schule jedes Kind Anspruch auf Schulmaterialien haben und ohne Probleme auf Ausflüge und Klassenfahrten mitfahren dürfen.

Jane: Eltern haben neben einer Hebamme während der Schwangerschaft auch eine erziehungshelfende Person an der Seite, die vorerst, also zu Beginn der Schwangerschaft punktuell in der Familie agiert. Der Kontakt zu der erziehungshelfenden Person wird zum Ende der Schwangerschaft immer weiter ausgebaut, sodass ein positives Verhältnis zueinander aufgebaut wird. Nach der Geburt agiert diese Person weiterhin in der Familie, ist telefonisch aber auch persönlich erreichbar und kann bei Sorgen und Problemen der Familie beistehen und ihnen Hilfe- und Unterstützungsmöglichkeiten anbieten. Durch das Vertrauensverhältnis wird eine Situation geschaffen, in der die Familien keinerlei Bedenken haben, sich in schwierigen Situationen an die erziehungshelfende Person zu wenden und die angebotene Hilfe zu akzeptieren. Sollte die Eltern-Kind-Beziehung unproblematisch sein, bleibt die erziehungshelfende Person dennoch im Hintergrund aktiv, sodass die Familie bis zum 21. LJ des Kindes weiß, dass sie eine*n Ansprechpartner*in haben, welche sie kennen und welcher sie vertrauen, sollte es beispielsweise während der Pubertät des Kindes oder im jungen Erwachsenenalter zu unlösbaren Schwierigkeiten kommen.
Zudem sollte der Fokus der erziehungshelfenden Person auf den Eltern und ihrer Erziehungsfähigkeit liegen.
Für Kinder und junge Erwachsene sollte die erziehungshelfende Person allerdings zudem vertraut sein, mit dem Wissen, sich bei Fragen und Problemen an die erziehungshelfende Person wenden zu können, sollte es sich um innerfamiliäre Schwierigkeiten handeln

MarSo97:

Planspiel: neues Erziehungshilfesystem für die Bundesrepublik Deutschland

Sobald ein Kind geboren wird, sollte es grundsätzlich bei den Jugendämtern registriert werden. Daraufhin muss ein Erstkontakt zwischen Eltern und Jugendamt stattfinden, indem sich das Jugendamt vorstellt, Aufgaben/ Fragen/ Hilfen erläutert etc. Zudem könnte ein „Babypaket“ mit der wichtigsten Erstausstattung (wie pflanze25 schon benennt) den Start ins Leben eines Kindes deutlich vereinfachen und einen positiven Kontakt zum Jugendamt fördern. 

Im weiteren Verlauf sollte der Kontakt zwischen Jugendamt und den Eltern möglichst aufrechterhalten werden, indem das Jugendamt bspw. alle paar Monate die Familie besucht und den möglichen Bedarf mit den Eltern abklärt. Zudem muss die Soziale Arbeit allgemein stärker inmitten der Gesellschaft etabliert werden, auch um das Thema Erziehungshilfe zu enttabuisieren. Das könnte erfolgen, indem Angebote der Sozialen Arbeit in Einrichtungen wie Kitas, Schulen, andere Bildungseinrichtungen, Freizeitangebote, Beratungsstellen etc. ausgebaut werden. So können Fachkräfte der Sozialen Arbeit niederschwellig, sowie in vielen Bereichen mit betroffenen Kindern in Kontakt treten und präventiv Hilfe zur Selbsthilfe leisten, die Kinder in ihrer Resilienz stärken etc. 

Heimobil: Meiner Meinung nach sollte ein neues Erziehungshilfeprogramm schon vor der Geburt des Kindes ansetzen. Wenn das Kind geboren wurde, ist es ja bekanntlich schon mitten im Geschehen. Ob dies gut oder schlecht ist stellt sich dann zu spät raus.Sobald werdende Eltern registriert sind (Krankenkasse, Hebamme, etc.) sollten diese einen „Vorab-Check-up“ bekommen. Wie sind die häuslichen Gegebenheiten? Wie ist das soziale Umfeld? Wie ist der finanzielle Status in der Familie? Gibt es Vorgeschichten bezüglich Drogen/Vorstrafen/negative Auffälligkeiten/Behinderungen/Krankheiten/ etc.?So könnte punktuell an einem Defizit VORAB gearbeitet werden.Dieses vorhandene Defizit könnte direkt behoben werden, indem man z.B. Kurse anbietet bzw. verpflichtend durchführt zur Suchtberatung/Schuldnerberatung/besondere Hilfen bei sehr einschränkenden Behinderungen/Tipps und Tricks bei Unsicherheiten/ Finanzspritzen, die vorab gegeben werden können und nicht erst, wenn es zu spät ist/ Therapien jeglicher Art/ begleitende Sozialarbeiter als Unterstützung beim Einfinden in das Familienleben/ Hilfen bei Wohnschwierigkeiten/ Vorabsuche einer möglichen Teilzeit-Pflegefamilie/ etc.. Die Liste der anfallenden Probleme, sobald das Kind da ist, ist schier endlos. Dem sollte vorab vorgebeugt werden, wie bei einem Schwangerschaftskurs. Man könnte mit Präventionsarbeit vor Geburt des Kindes schon einige (möglicherweise) anfallende Probleme vermeiden. Dies sollte ohne Nachfrage auf Hilfe geschehen, wenn „das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, sondern bereits frühzeitig erkannt werden, durch einen verpflichtenden Vorab-Check-Up.
So müsste man nicht jedem werdenden Elternteil prinzipiell Unterstützung geben, das bereits gut vorbereitet ist auf ein Kind, sondern könnte die Ressourcen und Finanzen gezielter auf die richten, die wirklich darauf angewiesen sind.
Kurzum: Vorab-Check-ups für werdende Eltern. Nicht erst checken, wenn die Kindeswohlgefährdung schon im Raum steht.

 Awleei: Pränatal sollen in Kooperation mit Ärzt*innen und Geburtshilfen mehrmalige Pflichtberatungen für alle(!) Elternteile in einem geschützten Setting, aber auch mit mindestens einem Termin in der Unterkunft der Familie zur Erhebung eventueller familiärer Problemlagen sowie zur allgemeinen Geburtsvorbereitung stattfinden. Bereits hier können gezielt erste Hilfen in Bezug auf Sucht, Gewalt oder Armut besprochen und eingeleitet werden. Dabei ist es besonders wichtig, transparent zu arbeiten und aufzuzeigen, dass Elternarbeit den ersten Schritt zum Kindeswohl darstellt. Es ist niemals das Ziel der Jugendhilfe, das Kind den Eltern wegzunehmen. Ganz im Gegenteil findet die Beratung statt, um das Leben des Kindes in der jeweiligen Familie zu unterstützen.

Gleichzeitig erfolgt das Anlegen einer zentralen Akte zum Kindeswohl beim Jugendamt, auf das alle nachfolgenden Hilfen für den Zeitraum, in dem sie mit der Familie arbeiten, Zugriff erhalten. Die Kommunikation zwischen den Jugendämtern/Jugendhilfeeinrichtungen funktioniert in der Realität leider häufig nicht optimal, sodass wichtige Informationen nicht weitergeleitet werden. Ein zentral vernetzendes Register könnte dem Abhilfe schaffen.

Nach der Geburt erfolgt, sofern notwendig, die Einbindung in weitere Angebote des Netzwerks Früher Hilfen. Diese können aufgrund vorangegangener Beratungen passgenau auf die speziellen Bedürfnisse der jeweiligen Familie zugeschnitten werden.

Schulsozialarbeit wird an allen Schulen angegliedert.

Zweite Sitzung

Die zweite Sitzung versucht, die im Planspiel formulierten Wünsche mit der Wirklichkeit zu konfrontieren. Denn Planspiele sollen nicht nur neue Ideen entwickeln helfen. Planspiele helfen auch dabei, neue Einsichten über die gegenwärtige Situation zu gewinnen.

Die Vortragseinheit kommt dabei zu dem Schluss, dass die wichtigen gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre (Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung, Abnehmende Bedeutung von Religion) desaströse Folgen für Familien haben. Für Menschen ohne Schulabschluss stehen immer weniger Arbeitsplätze zur Verfügung. Digitalisierung stört die Eltern-Kind-Beziehung und führt u. a. dazu, dass Kinder früh mit extrem gewalttätigen und pornographischen Bildern bzw. Filmen konfrontiert werden. Die Freiheit, sein Leben unabhängig zu gestalten hat eine Kehrseite: Nämlich die Verantwortung für scheiternde Lebensverläufe auf der Seite der Globalisierungs- und Digitalisierungsverlierer. Und dass sich immer weniger Menschen auf Religion verlassen, wenn es darum geht, zu entscheiden, was richtig und was falsch ist, kann dazu führen, dass Menschen verantwortungslos handeln. Denn an die Stelle von Religion treten nicht kritische Rationalität und die Auseinandersetzung mit philosophischen Schriften. Sondern an die Stelle von Religion treten Trash-TV, und Soziale Medien.

Erziehungshilfe in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung


Tab 3: Auswirkungen gesellschaftlichen Wandels auf die Erziehungshilfe 
Globalisierung

Digitalisierung / Robotisierung

Abnehmende Bedeutung von Religion

Individualisierung

Folge: Familien sind in Schwierigkeiten: Erwerbsarbeit wird für große Teile der Bevölkerung unwichtig, Sinnstifter verschwinden, Kinder sind durch Zugänglichkeit von Pornographie und Gewaltdarstellungen in Gefahr, Beziehungen werden durch leichte Zugänglichkeit von Tinder & co destabilisiert.
Tabelle 4: Mögliche Strategien
Politik: 
Finanzierung eines gemeindewesenorientierten Umbaus des Ruhrgebiets: Rückbau von Industriebrachen und Betonwüsten, Wohnungsbau von Armen für Arme, Förderprogramme für Handwerk, Naturschutz & Kultur 

Effektive Besteuerung und Kontrolle der digitalen Konzerne – Robotersteuer

Anti-Gentrifizierungs & Anti-Ghetto-Politik

Ausbau/Umbau des Bildungs- & Sozialwesens: Elitenförderung & Armenbildung, Partnerschaft & Familie und Digitale Bildung als Unterrichtsfach

Soziale Arbeit: Empowerment für ein gutes Leben, Präventionsorientierung Erziehungsbegleitung, Erziehungshilfemittel nach Bedarf und nicht nach Finanzkraft bereit stellen,  Demokratische Kontrolle der Erziehungshilfe 

Rose: Es sollte in erster Linie am Image des Jugendamtes gearbeitet werden, damit die Angst genommen wird, sich Hilfe zu holen.
Auch müsste es deutlich mehr Personal geben, um alle Fälle sorgfältig zu betreuen. Es sollten mehr Sozialarbeiter in Schulen und Krankenhäusern eingesetzt werden, um beratend zur Seite zu stehen, aber auch, dass mögliche Gefährdungen früher erkannt werden.
Es sollten zusätzlich mehr niederschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche angeboten werden. Freien Zugang zu Freizeitaktivitäten, Freizeitzentren für alle, um dort auch einen Ort des Austausches zu haben. Mehr Geld für Bildung, Schule und Freizeit, damit niemand ausgeschlossen oder benachteiligt wird. Eltern sollten vor, während und nach der Geburt unterstützt und begleitet werden. Dazu gehört Aufklärung, Beratung und Unterstützung, so ist der erste Kontakt zu Fachpersonal geknüpft und man wendet sich evtl. eher bei Fragen an diese Personen.

Lumi: Wie im Podcast gesagt, hab ich zu meiner Frage „Was sind die Sozialen Auswirkung auf Jugendlichen, wenn Sie keinen Präsenz Unterricht mehr haben ?“ in den drei Fachdatenbanken gesucht. 
Ich habe verschiedene Such Möglichkeiten geguckt, leider aber kein Ergebnis gefunden. (Vielleicht, wie Sie es schrieben, ist das Thema zu neu für Ergebnisse) 

Ich denke, soweit habe ich es aber verstanden, wie ich suchen muss bzw. Wie ich mich auf den Seiten zurecht finde. 

Pflanze 25: Aufgabe 2: Vorschläge zum Thema: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rande der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder noch nie gearbeitet haben, Struktur zu geben? Meine Vorschläge: Erneut schlage ich hier vor das Image des Jugendamtes zu verbessern und den Kontakt zu den Familien so früh wie möglich aufzunehmen. Keine Viertel (Ghettos) die lediglich aus sozial schwachen Familien bestehen. Auch niedrigschwellige Angebote sollten geschaffen werden, um die individuellen Ressourcen des Menschen zu stärken. Hierbei liegt der Fokus auf der Beratung und lösungsfokussierter Arbeit. Die Menschen sollten ihre Ziele selbst benennen und ihre eigenen Leistungen anerkennen. Vorteile aus den zuvor genannten Hürden der Globalisierung, Digitalisierung und Individualisierung für die Klienten der Erziehungshilfen können ebenfalls gewonnen werden.

mangolassi: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rande der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht arbeiten oder noch nie gearbeitet haben, Struktur zu geben. Antwort: Ich denke man muss dabei in Richtung Gemeinschaft und Anregung zur Selbsthilfe denken. Aus meiner Erfahrung hat das Arbeitsfeld der Gemeinwesenarbeit da gute Ansätze. Aufgrund der destabilisierenden Faktoren in unserer Gesellschaft und dass Familien sich weniger als Gemeinschaft selbst stabilisieren, sind meiner Meinung nach Gemeinschaften im Wohnraum von zentraler Bedeutung. Es gibt in der Gemeinwesenarbeit schon häufig Nachbarschafts-Zentren oder Hilfen, um Gemeinschaft innerhalb der Bewohner*innen zu stiften und sinnstiftende Tätigkeiten anzuregen. Vielleicht wäre es auch eine Idee, handwerkliche Projekte anzuregen, wie beispielsweise das Viertel selbst zu gestalten, zu restaurieren, o.ä.Eine gute Gemeinschaft und Gemeinwesenarbeit im Wohn-Viertel kann, denke ich, auch dazu führen, dass die Menschen sich gesehen und nicht ,,abgehängt„ fühlen.


helmobil:

Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rande der Gesellschaft, auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder noch nie gearbeitet haben, Struktur zu geben ?

-> Wenn Menschen auf etwas stolz sind, kommt es von der emotionalen Ebene. Wenn man etwas selbst geschaffen hat und dies für gut befindet. Man bräuchte also Angebote, die einen emotionalen Mehrwert für den Menschen und sein soziales Umfeld haben.

-> Struktur kommt unter anderem durch Zielstrebigkeit. Im Alltag braucht man dafür z.B. Vorbereitung/Planung (Ordnung, Zeitmanagement), Routinen und Prioritäten (sich Ziele setzen). Wenn man sich ein Ziel setzt, wo man am Ende des Tages hin will, strukturiert man sich demnach den Tag. Also mit kleinen Schritten im Alltag beginnen und diese dann ausweiten auf das Berufsleben.

SteverTroll: Wie kann man es schaffen, dass Menschen am Rande unserer Gesellschaft auf ihre Leistungen wirklich stolz sind?In welche Richtung muss man denken, um Menschen ohne Arbeit Struktur zu geben?
Damit Menschen auf ihre Leistungen stolz sind, muss man versuchen, diesen Menschen eine Struktur zu bieten, welche ihnen selber sehr viel bedeutet. Sollte dieses dann der Fall sein wird automatisch das gefühl von stolz größer, da sie sich selber hier verwirklicht haben. Hier müssen die Emotionen der Menschen geweckt werden um das Gefühl von stolz hervorzuheben.
Um Menschen ohne Arbeit eine Struktur in ihrem Leben zu ermöglichen brauchen diese meistens sehr viel begleitung bzw. sehr genaue Ziele welche sie bearbeiten müssen. Sollte dieses klappen kann man an einer Routine arbeiten damit man diesen Fortschritt nicht mehr verliert. Sollte man dieses alles haben können sich die Menschen meistens schon sehr schnell selber organisieren bzw. sich sehr gut den Tag selber gestalten.

MissSunshine21: Hier meine Lösung zu der Frage: Wie können Angebote geschaffen werden, dass Menschen die am Rande der Gesellschaft stehen, etwas haben worauf sie stolz sein können?
Ich denke man sollte direkt im frühen Kindesalter den Kindern die Chance geben, Hobbys zu entwickeln um so herauszufinden, wo ihre Stärken liegen. Ihnen sollte der Zugang zu Aktivitäten ermöglicht werden, unabhängig von der Sozialen Herkunft.Kinder sollten bestärkt werden zu einer Selbstwirksamkeit. Sie sollten spüren können welche Auswirkungen sie in einer Gesellschaft haben könnten. Ihnen sollte eine Stimme gegeben werden und auch die Möglichkeit etwas positiv zu verändern. Spüren die Kinder von kleinauf, dass sie etwas bewirken können und etwas schaffen können mit/durch ihre eigenen Hände, können sie etwas schaffen, worauf sie stolz zurück blicken können oder wovon sie für den Rest ihres Lebens profitieren.Im Falle eines Scheiterns, sollten sie ein Netzwerk um sich rum haben, was ihnen zeigt, dass Scheitern in Ordnung ist, jedem passiert und ihnen wieder zum „Aufstehen“ verhelfen. So lernen Kinder mit Enttäuschung umzugehen. 

Bena99: Wie kann man es schaffen, dass Menschen am Rande unserer Gesellschaft auf ihre Leistungen wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen ohne Arbeit Struktur zu geben?

Auch hier geht erst vorerst darum, das Image der Ämter zu verbessern.

Menschen am Rande der Gesellschaft sollten nicht mehr ,,in eine Schublade‘‘ gesteckt werden. Ich denke jedoch auch, dass Betroffene mehr Eigenständigkeit und Selbsthilfe leisten sollten. Um diese weiter zu entwickeln, sollte es mehr Angebote geben um die Motivation dieser zu verstärken.

Eine tägliche Struktur, die nach den individuellem Bedürfnisse entwickelt werden würde, könnte dafür sorgen, dass diese Menschen stolz auf ihren Alltag sind und nach weiteren Zielen streben. Durch viel Begleitung und Motivationstraining können Betroffene  nach einiger Zeit sich und ihren Alltag selbst gestalten.

MarSo97: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rande der Gesellschaft auf etwas stolz sind? Was kann diesen Menschen zu Struktur verhelfen?

Wichtig ist es, schon in den Bildungseinrichtungen und sozialen Institutionen wie z.B. Kitas und Schulen mit entsprechenden Angeboten anzufangen. Kinder müssen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft das Gefühl bekommen, gleichwertig mit Mitschülern aus stabileren Familiensystemen zu sein. Ebenso müssen die Kinder mit besseren Ressourcen ein Verständnis dafür entwickeln, dass sie nicht mehr wert sind als Kinder aus prekären Familien. Erreicht werden könnte dieses Verständnis beispielsweise durch die Einführung von Schuluniformen und vor allem staatlichen Investitionen. Dann könnten alle Kinder gleichermaßen Freizeitangebote o.ä. wahrnehmen, unabhängig von der sozialen Situation ihres Elternhauses. Zudem könnte man mehr Sozialpädagogen einsetzen, um in allen Klassen präventiv „Kurse“ anzubieten, in denen soziale Gruppenarbeit als Klassenerlebnis stattfindet. Außerdem sollten AG’s auch schon in Kitas und Grundschulen integriert werden, um das „Wir-Gefühl“ zu verstärken. Insgesamt ist es wichtig betroffenen Kindern dabei zu helfen, Ressourcen aufzubauen, damit sich ihre Resilienz insgesamt verstärkt und sie sich später besser aus ihrer prekären Lebenssituation lösen können. So würde eine Generation mit einem anderen „Wir-Gefühl“ heranwachsen, als es jetzt der Fall ist.

Mit den aktuellen Eltern bzw. Erwachsenen ist es etwas schwieriger, es bleibt fraglich ob sie überhaupt entsprechende Angebote wahrnehmen wollen und wie man sie dafür motivieren kann. Letztendlich wird immer ein Kontaktpunkt, wie eine Institution benötigt, um mit ihnen überhaupt in Kontakt zu treten. Bei Eltern wären es beispielsweise regelmäßige Elternabende oder -wochenenden an denen man gemeinsam etwas erschaffen könnte, an denen Austausch stattfindet, Eltern sich gegenseitig Tipps geben könnten etc. Dabei müsste auch ein Sozialpädagoge anwesend sein, um entsprechende Gruppenarbeiten zu leiten und auch dort ein „Wir-Gefühl“ zu schaffen. Das könnte betroffene Eltern motivieren und ein Stück weit zu einer lockeren Struktur verhelfen. Am wichtigsten ist es, dass egal ob Kinder oder Erwachsene motiviert werden und entsprechend eigene Ziele und Ideen entwickeln, damit sie stolz auf sich sind und Motivation entwickeln. Wichtig ist die Berücksichtigung der individuellen Lebenswelten und dass alles auf freiwilliger Basis stattfindet. 

 Jane: Wie kann man es schaffen, dass Menschen am Rande unserer Gesellschaft auf ihre Leistungen wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen ohne Arbeit Struktur zu geben? 
Auch ich denke, dass niederschwellige Angebote für Kinder und Jugendliche ein erster Anfang sind. Freizeitangebote/Hobbys sollten nicht nur für den „priviligierten“ Teil der Bevölkerung zugänglich sein (hierbei beziehe ich mich vor allem auf die Kosten), um bereits präventiv gegen eine „Isolation“ bei Kinder und Jugendlichen aus prekären Familienverhältnissen vorzugehen und Freundschaften und Kontakte darüber hinaus enststehen können. Soziales Engagement und Nachbarschaftshilfe sollte zudem ausgebaut werden, um den Helfenden eine Rückmeldung ihres Tuns zu vermitteln. Auch ich empfinde eine Quartiersarbeit sinnvoll, hier bspw. im Sinne einer Gestaltung des Wohnviertels o.Ä. wo die Menschen aktiv teilnehmen und mitarbeiten können. Weiter sollte auch die Hilfe zur Selbsthilfe angeregt werden, damit die Menschen auf das stolz sein können, was sie eben selbst geschafft haben. Hierbei sollte durchaus kleinschrittig gearbeitet werden. Menschen ohne Arbeit benötigen einen Wiedereinstieg in ein strukturelles Leben. Es können Pläne erstellt werden, um wieder Struktur zu finden. Hierbei ist erst einmal der strukturierte Alltag in den Fokus zu nehmen. Durch die Arbeitslosigeit haben m.E. einige Menschen ein verringertes Selbstbewusstsein. Positive Eigenschaften der Menschen müssen herausgearbeitet werden, um diese nach Möglichkeit in andere Bereiche einzusetzen. Wichtig ist bei den Familien ohne Arbeit, dass sie ihren Kindern nicht falsche Werte vermitteln. Auch Unterstützungsangebote für Familien durch Sozialarbeiter:innen, beispielsweise durch gemeinsame Gespräche und das Setzen individueller aber auch gemeinschaftlicher Ziele (wer wünscht sich was? Differenzierte Wahrnehmung aller Beteiligten, deren Meinungen und Zukunftspläne) wären eine Möglichkeit, um den arbeitslosen Eltern Ziele und einen „Sinn im Leben“ zu vermitteln und die Kinder zu stärken. 

Awleei: 
Damit Personen auf etwas stolz sein können, muss das Angebot zunächst von persönlichem Interesse für die Klint*innen sein. Dadurch entwickeln sie eine Erwartungshaltung an sich selbst, welche dafür sorgt, dass sie sich von vorne herein bemühen, ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen. Je niederschwelliger das Angebot dabei ist, je geringer der Druck für die Klient*innen, desto größer ist die Chance, dass sie sich selbst ein Ziel setzen, welches sie mit ihren Ressourcen erfolgreich erreichen können.Ich denke, dass viele kleine Erfolge eher dazu führen, dass Menschen mit wenig Struktur erst das Selbstbewusstsein und damit auch den Mut entwickeln, sich ihrer Situation anzunehmen und die Erkenntnis erlangen, dass sie in der Macht sind, etwas daran ändern zu können.

Blauwal:

Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rande der

Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um

Menschen, die nicht arbeiten oder noch nie gearbeitet haben, Struktur zu geben.

Für mich ist die erste Frage, was führt dazu, das die Menschen am Rande unsere Gesellschaft

noch nie oder kaum arbeiten? Grund hierfür ist in meinen Augen zunächst der Mangel an

Bildungsmöglichkeiten. Eltern können/ trauen sich nicht ihr Kind auf ein Gymnasium zu

schicken, weil ihnen im Vorfeld bewusst ist, dass sie anfallende Kosten für Materialien oder

Bildungs-/ Klassenfahrten nicht bezahlen können. Dadurch wird den Kindern zunächst die

Chance auf einen höheren Schulabschluss verwehrt. Also sollten die Kosten der Bildung nicht

auf die Eltern zurückfallen sondern auf den Staat (diese möchte immerhin, das viele einen

guten Schulabschluss schaffen). Dieser zahlt im Zweifelsfall so oder so. Entweder weil dieser

junge Mensch ohne vernünftigen Schulabschluss keine Ausbildungsstelle findet oder seine

Qualifikationen nicht ausreichend sind, um sich mit dem eigenen Gehalt „über Wasser“

zuhalten. Stolz auf etwas sein, ist etwas was einem niemanden geben kann. Stolz kommt aus

dem inneren des Menschen und hat etwas mit Emotionen zu tun, weil man mit einer Sache

erfolgreich war. Doch Erfolg kann nur entstehen, wenn einem dazu die Chance geboten wird,

egal wie unwahrscheinlich das klingen mag.

Um das auf die Berufsebene zu holen: Jeder sollte kostenlos die Chance erhalten sich in einem

bereits erlernten Beruf weiter- und fortzubilden. Des Weiteren sollte die Attraktivität von

schulischen Ausbildungen gesteigert werden (Bspw. Die Erzieher*innen Ausbildung ist/ war

eine rein schulische Ausbildung ohne Vergütung ausgenommen vom Anerkennungsjahr.

Folglich konnte Niemand in den ersten zwei bis drei Ausbildungsjahren etwas verdienen –

Unattraktiv. Seit kurzem gibt es die neu Gestaltung zur PIA- Ausbildung, also einem Model in

dem die Ausbildung parallel in Schule und Betrieb erfolgt und vergütet wird- Attraktiv) Es

sollten Einrichtungen dazu verpflichtet werden, eine Mindestquote für ältere Mitarbeiter*innen

einzuführen (viele verlieren im Alter ihren Arbeitsplatz und können sich noch so viel bewerben,

werden aber auf Grund ihrer fortgeschrittenen Alters nicht genommen).

Dritte Sitzung

Die dritte Sitzung versucht einige wichtige Begriffe zu klären und das Arbeitsfeld etwas genauer zu beschreiben. Was ist das: Verhaltensstörung? Um welche Klient*innen handelt es sich? Sind wirklich alle Schichten gleichermaßen vertreten, wie aus der Praxis immer wieder gern zu hören ist?

Begriffe in der Erziehungshilfe


Tab 36: Beratungsanlässe nach Hundsalz, A.: Erziehungsberatung. In: Birtsch, V. u.a. (Hrsg.): Handbuch Erziehungshilfen.Münster 2001, 504)
emotionale Probleme
soziale Verhaltensauffälligkeiten 
Probleme im Schul- & Leistungsbereich 
Schwierigkeiten in der familialen Interaktion 
psychosomatische Auffälligkeiten 
Tab 44: Doss, M.: Eltern, deren Kinder in Heimerziehung leben. Münster 1998 (zugleich Diss Uni Münster 1998)
Die untersuchten Mütter sind zum Zeitpunkt der Eheschließung und zum Zeitpunkt der Geburt ihres ersten Kindes deutlich jünger als der Durchschnitt. Die Eltern leben zu großen Anteilen in desolaten Partnerschaftsbeziehungen.
Ein Grossteil der Mütter hat zum Zeitpunkt der Heimunterbringung bereits mehrere Kinder und bekommt nach der Heimunterbringung noch weitere Kinder.
Sie sind bei Eheschließung und bei Geburt des ersten Kindes deutlich jünger. 
Eine Rückführung in die Herkunftsfamilien ist sehr erschwert (unterschiedliche Lebensorte, keine Wahrnehmung der Erziehungsverantwortung bei 76 % der Väter und 58 % der Mütter).
Die Eltern haben mehrheitlich auch nicht mehr das Sorgerecht für ihr Kind. 
Die soziale Lage der Herkunftsfamilien ist desolat (hoher Anteil von Sozialhilfeempfängern, 245).
Die Eltern haben zwar mehrheitlich verschiedene ambulante erzieherische Hilfen erhalten. Diese waren allerdings offenbar nicht erfolgreich. Die Kinder verbleiben relativ lange im Heim verbleiben (50% länger als drei Jahre) 
Tab 47: Zahlen zur Familienhilfe laut Hemling, S.: Sozialpädagogische Familienhilfe und andere Formen familienbezogener Hilfe. In: Birtsch, V./Münstermann, K./Trede, W.: Handbuch Erziehungshilfen
Dauer im Jahr 1998 durchschnittlich 16 Monate
1998: bundesweit 15300 Familien mit insgesamt 38000 Kindern und damit 10% mehr als 1997
Hoher Anteil an Stieffamilien (16 % gegenüber 10% im Bundesdurchschnitt) bzw. Einelternfamilien (51% gegenüber ca 20% im Bundesdurchschnitt)
hohe Kinderzahl,
Häufung von Unterversorungslagen, materielle, bildungsmäßige und räumliche Ausgrenzung,
Beschränkung von gesellschaftlichen Wahl & Teilhabemöglichkeiten,
laut Blüml u.a. (1994) liegt bei einem Drittel der Familien bei mindestens einem Erwachsenen ein Suchtproblem vor

Abbildung 1


Aus. HZE Bericht 2017,19

Tab 7 Relativität von Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen und ihre Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989).
Sie sind eher das Ergebnis eines vergleichsweise komplexen Prozesses mit vielen Beteiligten als eine feste Eigenschaft (Mand 2003.
Dies hat Auswirkungen auf die Zahlen und die Diagnose
Tab 5 Prävalenz von Verhaltenstörungen
Remschmidt/Walther 1990
Mand 1995 (Berlin, 4. Klasse)

KMK 1999(Deutschland)

Mand 2007 (NRW, 4. Klasse)
13 % – 31 %
1991: 12,5 % Grundschulen
1994: 16,1 % Grundschulen

0,36 

11 % (GE-Schulen)
38 % (F-Schulen L)
KMK für Schuljahr 2018 (Deutschland)0,56 % emsoz Förderschüler
MSW (NRW) 20180,65 % emsoz Förderschüler 
1,02 % Schüler mit sonderpäd. Förderbedarf emsoz
Tab 8: Auswirkungen von Beobachtervariablen auf die Wahrnehmung auffälligen Verhaltens
GeschlechtHoughton u.a. (1988), Kearny & Plax (1986), Kearny & Plax (1987), Mittelmark & Pirie (1988), Borg & Falzon (1989), vgl. Bach u.a. (1984), Mc Intyre (1988), Mand (2002 b), Baumgardt/Mand/Ostermann (2008)
Alter, Berufserfahrung, Berufszufriedenheit des LehrersTornow (1978), Bach (1987), Kearny & Plax (1986), Kearny u.a. (1987), Camp (1987), Mand (1995), Mand (2002 a)
Pädagogische ArbeitWetzel (1978), Vaughn & Lancelotta (1986), Lochman u.a. (1987), Trovato u.a. (1992), Harris u.a. (1992), Fuchs u.a. (1989), Mand (1995)
Tab 6: Begriff Verhaltensstörungen: AO-SF § 5 (3)
Erziehungsschwierigkeit liegt vor, wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler der Erziehung so nachhaltig verschließt oder widersetzt, dass sie oder er im Unterricht nicht oder nicht hinreichend gefördert werden kann, und die eigene Entwicklung oder die der Mitschülerinnen und Mitschüler erheblich gestört oder gefährdet ist.
Tab 49: Lernbehinderungen, Verhaltensstörungen und einige ihrer Synonymbegriffe nach Mand 2003
Verhaltensstörungen, Auffälliges Verhalten, Sopäd Förderbedarf im Bereich Em SozLernbehinderung, Lernprobleme, Lernstörungen, Sopäd. Förderbedarf im Bereich Lernen
Kernsymptome:
Probleme in den Beziehungen zu Mitschüler/innen und Lehrer/innen
Probleme im Arbeitsverhalten
Probleme im Bewegungsverhalten
Probleme in Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
Probleme im Umgang mit Gefühlen

begleitende SymptomeProbleme im SchriftspracherwerbProbleme in der Entwicklung mathematischen Denkens
Kernsymptome:
Probleme im Schriftspracherwerb
Probleme in der Entwicklung mathematischen Denkens








begleitende Symptome
Probleme in den Beziehungen zu Mitschüler/innen und Lehrer/innenProbleme im ArbeitsverhaltenProbleme im BewegungsverhaltenProbleme in Aufmerksamkeit und WahrnehmungProbleme im Umgang mit Gefühlen

Awleei:
Ennepe-Ruhr Kreis 2008/2009

Schüler*innen gesamt: 35.3241Schüler*innen Bereich emotionalle und soziale Förderung: 1022Prozentualer Anteil: 0,29%

Quellen: 1 Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Geschäftsbereich Statistik (Hrsg.) [2009]: Regionalisierte Schülerprognosen in Nordrhein-Westfalen 2009

2 Information und Technik Nordrhein-Westfalen, Geschäftsbereich Statistik (Hrsg.) [2008]: Förderschulen in Nordrhein-Westfalen

Ennepe-Ruhr-Kreis 2018
Schüler*innen gesamt: 31.493Schüler*innen Bereich emotionalle und soziale Förderung: 363Prozentualer Anteil: 1,15% 

Quelle: transferagentur-nordrhein-westfalen de

Mangolassi: . 
Nach Hövel und Mehlmann hatten in NRW im Jahr 2018/2019 30.850 Schüler_innen, von insgesamt 1.939.667, sozialpädagogischen Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung, was einen prozentualen Anteil von 1,59 % ausmacht (vgl. Hövel und Mehlmann 2019). Im Jahr 2007/2008 waren es 16.459 Schüler_innen, von insgesamt 2.250.035, was einen Anteil von 0,73 % ausmacht (ebd.). 
Quelle:  Hövel, Dennis .C. & Mehlmann, Erasmus (2019): Zahlen, Fakten und Entwicklungen im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung in Nordrhein-Westfalen. (Researchgate net)


Pflanze25: Aufgabe: Finden Sie heraus, wie viele Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich ESE in Ihrer Stadt 2008 und 2018 haben

Alle Schüler 2008 Bielefeld: 36.248
Schüler mit ESE 2008: 108
Alle Schüler 2018: circa 45.000 
Schüler mit ESE 2018: 435

Quelle: Telefonat mit Monika Klöpping von der Bezirksregierung Detmold

helmobil: 2010/2011 haben in NRW insgesamt 6,5 Prozent aller im allgemein bildenden Schulsystem Schulpflichtigen einen diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarf. In der Metropolregion Ruhr liegt der Durchschnittswert mit 6,8 Prozent dicht bei dem Landeswert. 

Mülheim an der Ruhr

Förderquote insg. 5,1

Exklusionsquote 3,9

Inklusionsquote 1,2

Insgesamt 22,9

Grundschule 37,8

Sekundarstufe I 14,9

Quelle: Klemm & Preuss-Lausitz 2011, Bildungsbericht Ruhr

MeerminVanHaarlem: Aufgabe: Finden Sie heraus, wie viele Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich ESE in Ihrer Stadt 2008 und 2018 haben

Für den Bereich ESE gibt es in der Stadt Oberhausen nur eine Schule, welche nach mehrfachen umbenennen und umziehen nun „Glück auf Schule heißt“. Zurzeit wird sie von ca. 280 Schülerinnen und Schülern besucht wird. Leider sind durch die vielen Umzüge die Gesamtzahlen der Schülerinnen und Schüler für die Sekretärin nicht einsehbar. 

Im Internet habe ich leider nur die Zahlen für 2018 gefunden.

Alle Schüler 2018 Oberhausen: 25.559
Schüler mit ESE 2018: 195


Quelle: Oberhausen de

Stevertroll Aufgabe: Finden Sie heraus, wie viele Schüler sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich ESE in Ihrer Stadt 2008 und 2018 haben Alle Schüler im Kreis Coesfeld 2008: 28.478; 100%Schüler mit ESE 2008: 151; 0,005%Alle Schüler im Kreis Coesfeld 2018: 24.456; 100%Schüler mit ESE 2018: 547; 0,022%.

Bildungsnetzwerk.kreis-coesfeld de, www.kreis-coesfeld de

 Ze99: Aufgabe des Moduls 4.1 LV2: Wie viele Schüler haben sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Förderung in Ihrer Stadt 2008 und 2018?

Da ich zu meiner Stadt keine Ergebnisse gefunden habe, beziehe ich mich auf NRW. 
Im Schuljahr 2007/2008 lag die Quote des  Förderschwerpunktes ESE bei 16.459 von insgesamt 2.250.035  Schülerinnen und Schülern, dies entspricht 0,73%. Im Schuljahr 2017/2018 hat sich die Quote mehr als verdoppelt. Von insgesamt 1.939.667 Schülerinnen und Schüler in NRW,  haben 30.850 sonderpädagogischen Förderungsbedarf. Die entspricht  einer Quote von 1,59%. (Quelle reserachgate net)

Regenbogen: MÄRKISCHER KREIS

2008:
SchülerInnen insgesamt: 52.096
SchülerInnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (ESE) :187
0,36% der SchülerInnen im Märkischen Kreis haben einen Förderbedarf im Bereich ESE.

2016:
SchülerInnen insgesamt: 42.047
Schülerinnen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (ESE) : 398
0,95% der SchülerInnen im Märkischen Kreis haben einen Förderbedarf im Bereich ESE.

Quellen: statistischebibliothek de , it.nrw de

Vierte Sitzung

Die vierte Sitzung befasst sich mit dem Thema Armut. Na klar, manchmal kommen auch Reiche in die Erziehungsberatungsstelle. Und vielleicht gibt es sogar sehr junge Familien mit Mittelschichtshintergrund, in denen Familienhilfe notwendig wird. Aber viele Adressat*innen der Erziehungshilfe sind arm. Deshalb ist es vernünftig, darüber nachzudenken, was Sie als Sozialarbeiter*in von diesen Familien wollen.

Armutsmodelle

Tab 30: Modell der schichtenspezifischen Sozialisation nach Geulen (1991)
Das Modell der schichtenspezifischen Sozialisation geht davon aus, dass „ aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen der Väter am Arbeitsplatz, die familiale Sozialisation in der sozialen Unterschicht in mehrfacher Hinsicht (…) anders verlaufe und zu anderen Ergebnissen führe als in der Mittelschicht, daß daher die Kinder aus der Unterschicht in dem durch Mittelschichtskultur dominierten Schul- und Bildungssystem auf größere Schwierigkeiten stoßen und stärker ausselegiert würden, daß sie später wieder nur in der Unterschicht zugänglichen Berufspositionen einrücken könnten .“ 
Tab 31: Lernbehinderung als soziokulturelle Benachteiligung (Begemann 1970)
zumindest partielle Gleichsetzung von Lernbehinderung und Schichtzugehörigkeit bei Begemann als These, daß Hilfsschüler bis auf eine Minderheit der armen, proletarischen, sozial rückständigen Unterschicht entstammen Schulversagen als Versagen an Mittelschichtsstandards: Hilfsschüler sind unterdurchschnittlich gemessen an den Normen der Mittelschicht. Sie sind soziokulturell benachteiligt Mittelschichtslastigkeit von IntelligenztestverfahrenResümee: Hilfsschulbedürftigkeit kann nicht mit psychologischen, soziologischen oder medizinischen Kategorien beschrieben werden, sondern nur als pädagogische Aufgabe Die Sozialisationsbedingungen von Hilfsschülern: Gefühle der Unterlegenheit, Ausgeliefertheit, Benachteiligung, geringe Bildungsmotivation, Unterschichtsmatriarchat, Familismus (Verkehrskreis beschränkt auf Verwandte und Nachbarn), niedriger Wohnkomfort in unzureichenden Wohnungen, viele Kinder, autoritärer Erziehungsstil, wenig Gelegenheiten zum produktiven Tun, Schülercliquen, die die Schichtgrenzen kaum überschreiten Sprachliche Benachteiligung (in Anlehnung an Bernstein) 
Tab 32: Theorie des sozialen und kulturellen Kapitals (Bourdieu 1979)
Klassen werden weder über ein Merkmal oder die Summe von Merkmalen definiert (Alter, Geschlecht, soziale Herkunft, Einkommen, Ausbildungsniveau) noch durch eine Kette von Merkmalen, die von einem Hauptmerkmal (z. B. von der Stellung im Produktionsprozess) abgeleitet sind Definition sozialer Klassen als Struktur der Beziehungen zwischen allen relevanten Merkmalen, die jeder derselben … verleiht Klassenzugehörigkeit ist mit einem Bündel ungefähr gleich wahrscheinlicher ungefähr gleichwertiger Lebensläufe verbunden.
Wichtig sind: ökonomisches Kapital (neben Durchschnittseinkommen auch Konsum-Indices wie Auto und Bootsbesitz oder Urlaub im Hotel),
kulturelles Kapital (mit Indikatoren wie: Häufigkeit der Lektüre nicht berufsbezogener Literatur, Häufigkeit von Theaterbesuch, Nicht-Besitz eines Fernsehers usw.)
und soziales Kapital. Der Konsum vor allem solcher Güter, die ein der bürgerliche Lebensart konformes Verhalten symbolisieren lässt, garantiert ein soziales Kapital, ein Kapital an ´mondänen Beziehungen´, die bei Bedarf einen nützlichen Rückhalt bieten, ein Kapital an Ehrbarkeit und Ansehen verleihen 

Avalarion: Was möchte ich in Vickys Familie erreichen?
-> Kindeswohlgefährdungen nachgehen und nach Möglichkeit zukünftig vermeiden
-> gemeinsam eine Tages-und Wochenstruktur anhand eines Planes erarbeiten und bei der Umsetzung unterstützen 
-> gemeinsame Aktivitäten mit einbeziehen 
-> nach finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten suchen und ggf. beim Antrag ausfüllen helfen
-> bei auftretenden Konflikten Lösungen erarbeiten, sodass die Familie diese irgendwann selber lösen kann 
-> Arbeit nach Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“

Pflanze 25 Aufgabe 4: Was möchte ich in der Familie von Vicky als Familienhelferin erreichen?

Nach dem Ansehen von 4 YouTube Videos der Serie „Little Britain“ habe ich festgestellt, dass die Figur Vicky ein deutliches Verhaltensmuster von Aggressivität und Gewalt sowie Kriminalität und dem Widersetzen von Regeln zeigt. Sie scheint nur über einen geringen Wortschatz zu verfügen, was mir durch den letzten Podcast und die darin behandelte These von Bernstein aufgefallen ist.
Vicky´s Tochter (Chantal) verhält sich bereits ähnlich wie ihre Mutter.
Wenn ich in der Familie als Familienhelferin eingesetzt werden würde, würde ich einen ersten telefonischen Kontakt herstellen, Vicky dabei unterstützen aus ihrem toxischen Kreis der Familie auszudringen, eine Drogentherapie anstreben und Chantal in der Schule zu unterstützen. Zudem würde ich mit der Vicky und Chantal darauf hinarbeiten, dass Chantal ihre Freizeit sinnvoll nutzt und beispielsweise einen Sportverein besucht oder andere Interessen fördern. Gemeinsame Unternehmungen und positive Erfahrungen könnten beiden helfen, ein besseres Team zu werden. Auch ein Anti-Gewalt-Training würde in dieser Familie in Frage kommen. Eine Erziehungsberatung ist hier sehr wichtig. Die Angebote sollten möglichst niedrigschwellig sein und ich als Familienhelferin sollte mit Vicky auf Augenhöhe arbeiten.

Stevertroll/Aufgabe 4: Was möchte ich in der Familie von Vicky erreichen?
Nach dem Ansehen von mehreren Videos der Serie habe ich sehr deutlich feststellen können, dass in dieser Familie sehr deutliche Verhaltensmuster von Wiedersetzung von Regeln sowie auch in der Gewalt.Wenn ich als Familienhelfer in die Familie von Vicky eingesetzt werden würde, dann würde ich mir erst einmal anschauen wie die generelle Familienstruktur in dieser Familie aussieht. Auch eine Dorgentherapie würde ich Vicky anbieten um sie hier aus der Drogensucht zu holen. Auch ist hier wichtig einen vernünftigen Tages- und Wochenplanung zu erarbeiten. Wichtig wäre auch das Verhältnis und auch die Unterstützung ihrer Tochter zu stärken.Für mich ist aber eine Anti-Gewalt-Therapie am wichtigsten, da dieses Thema am wichtigsten ist und hier auch eien Kindeswohlgefährung ausschließen zu können.

Mangolassi: Zu der Frage, was ich als Familienhelferin in Vickys Familie erreichen will, würde ich dabei Vicky, Chantal und den Haushalt und die familiäre Organisation gesondert in den Blick nehmen.  Was den Haushalt und die Familienorganisation betrifft, würde ich zusammen mit Vicky schauen, wie die Organisation und die Angelegenheiten im Haushalt funktionieren, welche Unterstützung sie schon hat oder noch benötigt, damit auf dieser Ebene schonmal Bedürfnisse wie gekochtes Essen, etc., gestillt sind. Ich würde zusammen mit Vicky schauen, was sie noch benötigt, um sich weiterzuentwickeln und gut für ihr Kind da zu sein. Wie auch andere Beiträge schon genannt haben, würde ich ihr ebenfalls ein Anti-Aggressions-Training empfehlen. Ich würde ebenfalls schauen, was sie sich als Tätigkeiten überlegen kann, mit denen sie sich wohl und gebraucht fühlt. Auch müsste natürlich auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung geachtet werden. Möglicherweise würde sich auch eine Mutter-Kind-Kur mit Gruppen-Angeboten, etc., eignen.   Mit Chantal und Vicky würde ich gemeinsam darauf schauen, wie es Chantal in der Schule geht und ob zusätzliche Betreuung oder Beschäftigung, wie beispielsweise eine Hausaufgabenhilfe oder Nachmittagsbetreuung für sie hilfreich und förderlich wäre. Es wäre auch hier die Frage wichtig, ob sie neben ihrer Mutter auch andere Bezugspersonen hat und wie ihr Verhältnis zu Freunden ist. Wenn sie ebenfalls aggressives oder gewaltbereites Verhalten zeigt,  würde sich auch für sie entsprechende Anti-Aggressions-Trainings oder ähnliche Formate eignen. 

Monty15

Was würde ich als Familienhelferin in der Familie von Vicky erreichen wollen? 

  • Nachdem ich mir sieben kurze Videos der Serie Little Britain mit der Figur Vicky angeschaut habe, konnte ich mir ein genaueres Bild dieser Figur (Familie) und der gegebenen Umstände machen. Im Folgenden ist davon auszugehen, dass Vickys Tochter (Chantal) ähnliche Verhaltensmuster aufweist.

Vicky verfügt über einen sehr einfachen und geringen Wortschatz. Sie hatte schon früh Probleme mit dem Gesetz. Auch mit Gewalt und Drogen hat sie bereits Erfahrungen gesammelt. Sie arbeitet mit Schuldzuweisungen und Ausreden. Wird sie beschuldigt, lenkt sie mit Geschichten anderer ab. Sie ist vorlaut und ständig genervt. Zudem widersetzt sie sich vielen Regeln.

Um in dieser Familie helfen zu können, müsste es niederschwellige Angebote geben. Grundsätzlich sollte die Familie nicht wie ein Problem, sondern wie Menschen behandelt werden. Ihnen soll Hilfe zur Selbsthilfe gegeben werden. Vorerst käme eine Prüfung zur Kindeswohlgefährdung in Frage. Chantal sollte Unterstützung in der Schule bekommen (SchulsozialarbeiterIn). Auch eine SPFH für zu Hause wäre geeignet. Chantal sollte ein gesundes Umfeld pflegen. Die Familie sollte an einer gemeinsamen Therapie teilnehmen. Vicky sollte sich einem Elterncoaching fügen, an einem Anti-Aggressions-Training teilnehmen und eine/n Drogenentzug/-therapie fände ich sinnvoll.

MarSo97: Was möchte ich als Familienhelferin in Vickys Familie (Little Britain) erreichen?

Es gibt offensichtlich viele Baustellen in den Strukturen von Vickys Familie, als auch generell ihrem sozialen Umfeld.

 Zu Beginn würde ich versuchen, Vicky und ihre Familie etwas besser kennenzulernen, um Informationen über den Alltag, die Beziehungen untereinander etc. zu erhalten. Diese Informationen würden mir helfen, besser einschätzen zu können, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, weitere Hilfen zur Erziehung und Sozialleistungen o.ä. benötigt werden. Ich würde versuchen Vicky zu ermutigen, sich aus ihrem sozialen Umfeld zu lösen, ihre Bildungslücken aufzuholen und ein Anti-Gewalt-Training zu besuchen. Möglicherweise kommt letzteres auch für ihre Mutter in Frage. 

Zudem bräuchte man mehrere Familienhelfer, damit sie, ihre Mutter als auch ihre sechs Kinder genügend und differenzierte Unterstützung im Alltag erhalten. So oder so läge es mir am Herzen, dass die Familienmitglieder (besonders Vicky und ihre Kinder) in ihren Ressourcen gestärkt werden und langfristig möglichst selbstständig ihr Leben führen können.

Allerdings muss eine Koproduktion zwischen uns stattfinden – ich kann nur versuchen die Familie zu Veränderungen zu motivieren, sie dabei weitestgehend unterstützen und ggf. einschreiten. Nichtsdestotrotz muss man realistisch bleiben, es kann und wird sich nicht alles zum Positiven verändern. Daher müssen gemeinsam realistische Ziele formuliert und an der Lebenswelt der Familie angepasst werden.

Grundsätzlich – wenn eine Kindeswohlgefährdung vorliegt und die Familie nicht zur Mitarbeit bereit ist, würde ich die Kinder aus der Familie holen. Das Kindeswohl stünde für mich an erster Stelle. 

Was möchte ich als Familienhelferin in Vickys Familie erreichen?

Bena99: In der Familie ist ein deutliches Verhaltensmuster zu erkennen, indem sich unter anderem Regeln widersetzt wird. Um der Familie zu helfen, müsste man sich vorerst mit dieser auseinandersetzen. Zusammen würde man dann mögliche Ziele und eine Tagesstruktur erarbeiten, welche man gemeinsam umsetzt. Da Vicky an einer Drogensucht leidet, wäre es ratsam sie bei einer Suchttherapie zu unterstützen. Da in dieser Familie auch Aggressionen herrschen, sollte man diese mit einem Anti- Aggressions Training versuchen zu lösen. Es ist besonders wichtig Vertrauen zu der Familie aufzubauen und ihnen bei allen Fragen und Sorgen Hilfestellung zu leisten. Damit Mutter und Tochter wieder besser zueinander finden und die Beziehung zueinander gestärkt wird, könnte man gemeinsam Konfliktsituationen lösen, sodass diese zukünftig geringer werden. Um die Beziehung zu stärken, würden sich zusätzlich gemeinsame Aktivitäten anbieten.

Ze99: Um auf die Frage einzugehen, was ich als Familienhelferin in Vicky’s Familie Zielführend erreichen möchte, ist es zunächst wichtig zu betonen dass unter Betracht von mehreren Videos auffällt, dass die Familie keine klare Struktur hat und sich vermehrt Gewalt, Aggressivität und Wiedersetzung von Regeln deutlich machen. Zudem wird auch deutlich, dass Vickys Tochter, Chantal bereits ein ähnliches Verhalten aufweist. Als Familienhelferin wäre es zunächst wichtig, an der Beziehung zwischen der Mutter und dem Kind zu arbeiten um einen angebrachten Umgang untereinander zu ermöglichen. Zudem müsste der Wohlstand des Kindes genauer unter Betracht genommen werden (8 a?)  und dem Kind sollte die Möglichkeiten von Unterstützungsangeboten hinsichtlich der Schulbildung gewährleistet werden. Vicky sollte aufgrund ihres Drogenkonsum die Möglichkeit geboten werden, eine Drogentherapie in Anspruch zu nehmen. Auch aufgrund des erhöhten Agressionsverhaltens würde ich zu einem Anti-Agressionstraining raten. Des weiteren währe eine SPFH in der Familie angebracht, um weiterhin einen Fuß in der Familie zu haben und diese durch Beratung / Hilfe unterstützt und begleitet. 

Sonnenblume 
Was möchte ich als Familienhelferin in Vickys Familie erreichen?
Zunächst einmal muss gesagt werden, dass sich in Vickys Leben viele „Baustellen“ vorfinden lassen. Vicky ist eine Teenager- Mutter, welche durch klein kriminelle Aktivitäten und Gewalt ständig auffällt. Hinzu kommt, dass sie anscheinend mehrere Kinder von unterschiedlichen Vätern hat, wo Kindeswohlgefährdungen im Raum stehen. Auch mit Drogenkonsum hat Vicky zu kämpfen. Die Schuldzuweisungen streitet sie ab und erfindet immer wieder Ausreden dafür. 

Als ersten Schritt würde ich in dieser Familie der Kindeswohlgefährdung ihrer Kinder nachgehen und bei Bestätigung schnellmöglich mithilfe von Hilfen zur Erziehung nach §27 SGB VIII handeln. Als ihre Familienhelferin würde ich ebenso versuchen mit ihr gemeinsam eine Tagesstruktur für sie und ihre Kinder zu erarbeiten und schauen, wo die grundlegenden Probleme in der Familie liegen. Außerdem würde ich für Vicky eine Drogentherapie in Betracht ziehen, damit sie ihre Sucht besiegen kann und Vicky zusätzlich an ein Anti- Gewalt- Training anbinden. Im Bezug auf ihre Kinder ist hier die Anbindung an eine Erziehungsberatungsstelle hilfreich, welche Vicky hilfreiche Tipps und Ratschläge im Bezug auf die Erziehung ihrer Kinder geben kann. Chantal könnte man an einen Sportverein ihrer Wahl anbinden, wo sie ihren Interessen nachgehen kann und welcher einen guten Ausgleich neben ihrem Alltag darstellt.

helmobil: 

Aufgabe: Was möchte ich in der Familie von Vicky als Familienhelferin erreichen? 

→ Tag sinnvoller strukturieren und organisieren

→ möglichen Kindeswohlgefährdungen nachgehen

→ Suchttherapie einleiten

→ Klare Regeln & Struktur einbringen

→ verbale Kommunikation verbessern. 

Jane:Was möchte ich in der Familie von Vicky als Familienhelferin erreichen?

– Abwendung einer (akuten) Kindeswohlgefährdung – Einführung fester Tages- und Wochenstrukturen (darunter auch Einführung von Einkaufssituationen)
– Beratung zum Kindeswohl und der elterlichen Sorge, damit grundlegende Pflichten und Rechte verinnerlicht werden
– Einführung einer kindgerechten Kommunikation
– Förderung Vickys sozialer Kompetenzen-Förderung der Eltern-Kind Beziehung 

Das Problem bezüglich Vickys Sprache ist, dass sie konsequent lügt und Tatsachen verdreht. Ansonsten ist ihre Art (abgesehen des vulgären Wortschatzes) ja erstmal nicht sonderlich tragisch. Im Gegenteil, ich fand es sogar ziemlich sympathisch wie sie durch den Redefluss versucht unangenehmen Situationen zu entkommen. Würde sie die gleiche Handlungsstrategie zur „Vermeidung“ negativer Konsequenzen auf Chantal übertragen, wäre das die Übertragung einer negativen Verhaltensweise, mit der Chantal im Laufe ihres Lebens immer wieder anecken würde, da sie dadurch nicht lernt ehrlich zu sein und Fehler offen zu legen.  

Regenbogen: Als Familienhelferin in der Familie von Vicky halte ich es zunächst einmal für extrem wichtig, der Frage nach einer möglichen Kindeswohlgefährdung nachzugehen. Welche Rolle spielt womöglich häusliche Gewalt in Form von Misshandlung und/ oder Vernachlässigung in der Familie?Aus den Videos geht unter anderem hervor, dass Vicky auch während der Schwangerschaft Alkohol und Drogen konsumiert hat. Aus diesem Grund ist neben der engen Betreuung durch das Jugendamt auch ein ärztliches Gutachten des Kinderarztes wichtig. 
Sind diese Fragen geklärt und notwendige Schritte In die Wege geleitet worden, geht es darum an den Problemen von Vicky zu arbeiten. Möglich wären Programme zur Bearbeitung der Aggressions- und Gewaltbereitschaft, sowie Angebote die sich um das Thema Alkohol- und Drogen Entzug drehen. 
Bei allem, in die Wege leiten von Maßnahmen, ist es zudem meine Aufgabe, durch mein professionelles Handeln eine Betroffenheit bei Vicky herzustellen, damit sie die Hilfen als persönliche Chance wahrnimmt.Ein weiteres Stichwort ist die Ressourcenorientierung. In Gesprächen mit Vicky versuche ich zu erfahren, in welchen Bereichen ihre Stärken und Interessen liegen, um diese fördern zu können. 

Anmerkung Mand (an alle) : Hier kommt einmal eine alternative Sicht der Dinge. Kann man nicht auch annehmen, dass Vicky das einfach genial macht, ihre Interessen durchzusetzen? Ihre Strategie: Sie quatscht einfach alle dumm & dusselig, lenkt ab und kann so tun, was sie möchte. Und sie könnte auf dem besten Weg sein, ihrer Tochter genau diese Strategien zu vermitteln. Warum soll das ein Problem sein?

Fünfte Sitzung

Die fünfte Sitzung befasst sich noch einmal mit den Folgen von Armut. Der Deutungsmusteransatz ist schon einige Jahre alt. Und Mehrheitsmeinung hat er nie werden können. Dennoch hat dieser Ansatz meiner Meinung nach Aufmerksamkeit verdient. Denn anderes als das klassische Benachteiligungsmodell der schichtenspezifischen Sozialisationsforschung und anders auch als das Modell von Bourdieu entwickelt er keinen defizitorientierten Blick auf von Armut betroffenen Menschen. Entwickelt wurde der Deutungsmusteransatz zum besseren Verständnis der besonderen Verhältnisse in sozialen Brennpunkten. Er begreift Wahrnehmungen, Situationsdefinitionen und Verhaltensweisen von Bewohner*innen soziale Brennpunkt nicht als Sozialisationsdefizit oder als Ausdruck geringen kulturellen Kapitals, sondern versteht, in Augen mancher Sozialarbeiter*innen hoch problematisches Verhalten als sinnvolles und notwendiges Merkmal einer eigenständigen Subkultur. Entsprechend kann es nicht darum gehen, Kindern und Jugendlichen ein angemessenes Verhalten zu vermitteln. Sondern die Aufgabe für Sozialarbeiter*innen ist: zu verstehen wie ihr Klientel tickt, verständlich zu machen, warum Lehrer*innen und Mitarbeiter*innen der Jugendämter und Ordnungsämter so reagieren, wie sie reagieren und vielleicht irgendwann auch: die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich diese Kinder und Jugendlichen auch in anderen Welten bewegen können.

Deutungsmuster


Tab 33
: Deutungsmusteransatz (Eberwein & Mand 1992)
Brennpunkte als Subkultur mit eigenen Regeln, Situationsdefinitionen, Deutungsmustern)
 Schul- & Verhaltensprobleme von Kindern & Jugendlichen aus diesen Brennpunkten als Folge kultureller Missverständnisse 
pädagogische Aufgabe: nicht mehr Sozialisationsdefizite ausgleichen, sondern Brücke bauen von Subkultur zu Mehrheitskultur 

Ihre Aufgabe: Der Fall Fischmaul

4nnh: Das Problem im Fall Fischmaul ist, dass die Eltern den Kindern weder Disziplin vorleben noch, dass sie sich an gewisse Regeln halten müssen. Die Mama lehnt Sonderschulen ab (was sich unter anderem dadurch zeigt, dass sie das Messer, welches Fischmaul mit zur Schule nahm, nicht abholte) und hasst Autoritäten, was sich auf ihren Sohn abfärbt. Die Tochter des Lebensgefährten der Mutter lebt im Heim und scheint auch sie scheint sich dort nicht richtig zu benehmen (haut immer ab). Ein weiteres Problem ist definitiv, dass sie mit Einrichtungen wie das Jugendamt oder Erziehungshilfeeinrichtungen nichts zu tun haben wollen und somit wahrscheinlich auch keine Hilfe annehmen wollen würden. Maßnahmen wie diese wären jedoch auf jeden Fall hilfreich. Der Sohn muss lernen sich in der Schule oder generell im Umgang auch mit seinen Mitschülern sich in dieser Mehrheitskultur anders zu verhalten, als er es von Zuhause kennt.

MarSo97: Was für ein Problem besteht in der Familie von Fischmaul? Welche Maßnahmen könnten hilfreich sein?

Aus dem beschriebenen Fallbeispiel Fischmaul wird deutlich, dass der Junge sich in einem schwierigen sozialen Umfeld befindet. Durch die ländlichen Verhältnisse und die sehr schwierige Mutter haben die Familienmitglieder wohlmöglich wenige soziale Kontakte. Ebenso ist die Vorbildfunktion der Mutter sehr fragwürdig, da sie den Jungen scheinbar nicht in seiner Entwicklung fördert, sondern ihm ein negatives Bild vermittelt. Das lässt sich aus ihrem ablehnenden Verhalten gegenüber. der Förderschule und dem insgesamten Eindruck interpretieren.

Fischmaul scheint erhebliche Defizite in seiner Entwicklung zu haben: sehr geringe Frustrationstoleranz, sehr impulsiv, lernt nicht aus (negativen) Erfahrungen, hat Probleme mit Autoritäten und wirkt sehr uneinsichtig. 

Ich denke, dass der Junge selbst sehr unglücklich mit seiner Situation ist und man ihn in seiner Entwicklung stärken muss. Folgendermaßen könnte man mit dem gesamten Klassenverband arbeiten: Jeder Schüler überlegt sich, was seine Stärken und Schwächen sind und benennt diese vor der ganzen Klasse. Da die Aufgaben individuell in der Förderschule verteilt werden, könnte man diese Verteilung direkt mit den genannten Stärken und Schwächen benennen und den Schülern auch so vermitteln. Dadurch könnte man jedem Schüler noch einmal eindrücklich erklären, warum er Aufgabe X bekommt und wer anderes Aufgabe Y. 

Ich glaube, so könnte die Selbstreflektion aller Kinder (inklusive Fischmaul) gestärkt werden und sich integriert und akzeptiert statt ungerecht behandelt fühlen würden. Das wäre eine erste Präventionsmaßnahme und für Fischmaul eine besondere Unterstützung, um ihn in der Schule zu fördern. Voraussetzung wäre, die Kinder positiv zu bestärken und ein angenehmes Klassenklima herzustellen, so dass sich niemand unwohl oder gar bloßgestellt fühlt. Allerdings ist das ein sehr aufwendiges Verfahren und sollte vielleicht nur ab und zu durchgeführt werden.

Wenn es zu gesonderten schwierigen Situationen mit Fischmaul kommt, könnte man mit ihm und anderen Betroffenen reflektieren: „Was hat dir die Wut/ Prügelei etc. gebracht?“ Bestenfalls kommt er zur eigenen Einsicht und man kann einen Weg mit ihm finden, wie er sich anders auspowern oder seine Wut loswerden kann. Die anderen Betroffenen sollten aber miteinbezogen werden, damit das Mobbing ein Ende findet. Nichtsdestotrotz sollte man die Familie zuhause besuchen, um sich ein besseres Bild von der Situation zu machen und ggf. das Jugendamt und eine Erziehungsberatungsstelle einbeziehen.

 Jane: Welches Problem liegt vor?
Die Mutter lehnt jegliche Maßnahmen durch die Erziehungshilfe ab. Auch ist sie nicht bereit mit der Schule oder Hilfeträgern zu kooperieren. Fischmaul besitzt mangelnde Handlungs- und Bewältigungsstrategien, wodurch er auf seine bereits bekannten: dem „durchdrehen“ und „zuschlagen“ zurückgreift, auch wenn diese nichts bringen bzw. er keinen positiven Effekt daraus erzielt. 

Maßnahmen: wichtig ist, den Fokus nicht auf das Erlernen von „Mittelschichtstandards“ zu legen, sondern bereit zu sein, in die „Welt“ von Fischmaul und seiner Familie einzutauchen, um Fischmauls Handlungen besser nachvollziehen zu können und daraus Wege aufzuzeigen, voneinander (milieutechnisch) zu lernen. Fischmaul benötigt Handlungsalternativen, um Wut und Stress adäquat abbauen zu können. Ich finde, dass hier ein Box-Sack sinnvoll wäre, da man Fischmauls Verhalten ja nicht in die mittelständischen Standards  hineinzwingen will. Also soll er erst einmal weiterhin Gewalt anwenden, aber dann bitte gegen einen Box-Sack. Zudem könnte ich mir auch einen Snoozleraum für Stresssituationen (bzw. bevor diese entstehen) vorstellen. Statt die Kindesmutter und Fischmaul mit Problemen zu konfrontieren, sollte der Fokus auf positiven Dingen liegen. Hierbei wäre es auch erstmal egal, ob seitens der KIndesmutter eine Rückmeldung kommt. Man könnte vielmehr versuchen über Umwege die Mutter zu erreichen. Wenn der LG kontaktfreudiger ist, könnte man hier versuchen, der Familie mehr Verständnis rüberzubringen (das bedeutet nicht, dass man alles für gut heißen muss und es für sich behält!!!) um ggf. über einen recht gut funktionierenden Kontakt zum LG und einer positiven Verhaltensweise von Fischmaul den Kontakt zur Mutter herzustellen und eine geringfügige Kooperation zur Mutter zu schaffen. Ggf. benötigt die Mutter auch selbst Bestätigung in ihrer Mutterrolle o.ä. und ist aufgrund schlechter Erfahrungen mit Schulen und Pädagog*innen dem Ganzen eher abgeneigt.   

shmt: Anhand des Unterpunktes 1.3 wird deutlich, dass dem bayerischen Landesjugendamt die Problematik über das Gütekriterium „Fairness“ bewusst ist. Punkt 1.3 empfiehlt eine weitere Überprüfung der Testergebnisse, sollte es bei dem CFT 1 oder CFT 20 zu Ergebnissen im unteren Durchschnittsbereich kommen. Als Überprüfung sollte dann auf den HAWIKR, Kaufmanntest oder AID zurückgegriffen werden. Wieso?

Meiner Recherche zufolge handelt es sich bei diesen drei Testverfahren um ältere Intelligenztests. Innerhalb dieses Seminares haben wir bereits gelernt, dass bei älteren Intelligenztests bessere Ergebnisse erzielt werden.

Auf diese Weise könnten Testergebnisse bewusst geschaffen und ein besseres Abschneiden garantiert werden. Da dies aber eine Unterstellung gegenüber dem Landesjugendamt in Bayern darstellt, könnte es sich auch einfach um eine Art Zweitmeinung handeln, um sich abzusichern, den Klient*innen eine faire Diagnose und ein bedarfsgerechtes Weitergehen zu ermöglichen.

Positiv hervorzuheben ist, dass die vorgeschlagenen Testverfahren veröffentlicht werden. Somit können keine anderen Tests (aus taktischen Gründen) ausgewählt und eingesetzt werden. Demnach wirken die Vorschläge des bayerischen Jugendamtes fair.

Ze99: Welches Problem besteht in der Familie von Fischmaul? Welche Maßnahmen könnten weiterhelfen? 
Das bestehende Problem in der Familie liegt größtenteils an den Eltern. Die Kinder müssen sich nicht an Regeln halten und bekommen keine Disziplin und gute Verhaltensregeln von den Eltern vorgelebt. Zudem verweigert die Mutter strikt jegliche Hilfsangebote und äußert sich klar gegen die Förderschule. Zudem wird deutlich das Fischmaul Schäden von der Lebenssituation erleidet, was vor allem durch sein extremes Fehlverhalten auffällt. 
Um das Verhalten von Fischmaul zu verbessern wäre es wichtig ihn bei positivem Verhalten zu stärken. Zudem müssten viele Gespräche gehalten werden, indem Fischmaul sich und sein Verhalten reflektiert um zu sehen, welchen Schaden er sich selbst und seinem Umkreis damit antut. Eventuell kann man dadurch ein bewusstes Verhalten von Fischmaul erzielen. Des weiteren fände ich eine Freizeitbeschäftigung von Vorteil, in welcher Fischmaul erlernt mit seiner Aggression umzugehen und seine Kraft anderweitig einsetzt wie zuvor. Ich denke zudem dass man die Mutter über positive Rückmeldungen von Fischmaul versuchen könnte zu erreichen, dass sie so nach kurzer Zeit beginnt Vertrauen zu gewinnen und mit den Institutionen zu kooperieren. 

Mangolassi: Zu Ihrer Frage, worin das Problem in dieser Situation liegt, denke ich, dass nach dem Deutungsmusteransatz das Problem darin liegt, dass der Junge namens Fischmaul in der Förderschule in eine Welt kommt, in der er sich wohl kaum willkommen oder am richtigen Fleck fühlt. Denn sein familiärer Hintergrund wertet Schulen und Autoritäten ab, ist in einer Form gewaltbejahend, beispielsweise durch die Kampfhunde, und wendet sich auch entschieden ab von Hilfsangeboten wie Erziehungsberatung. In der Förderschule dagegen wird er gemobbt, indem er Fischmaul genannt wird und trifft dort auf Autoritäten und ganz andere Regeln, als wie er es vermutlich von Zuhause gewöhnt ist. Um in dieser Umgebung zurechtzukommen wendet er aber entweder die gleichen Strategien an, wie er sie von Zuhause gelernt hat oder in dem er rumschreit und ausrastet. Diese Strategien passen aber nicht zu den Erwartungen und Regeln der Förderschule. Somit setzt sich auch der Kreislauf fort, dass er aufgrund seines Verhaltens gemobbt und ausgegrenzt wird, worauf er mit seinen erlernten oder bekannten Strategien von Gewalt und Wut antwortet, welches wiederum die Ausgrenzung zur Folge hat. Daher ist das Problem hier die Verschiedenheit der Umgebungen zwischen Zuhause und der Förderschule und der unterschiedlichen Verhaltensweisen, Erwartungen und Regeln in diesen Umgebungen.
Welche Maßnahmen könnten hilfreich sein? Wie Sie in Ihrem Audio genannt haben, ist es Aufgabe von Sozialarbeiter*innen /-pädagog*innen eine Brücke zwischen ,den verschiedenen Welten` zu bauen, um es möglich zu machen, dass der Junge in verschiedenen Umgebungen zurechtkommt und respektiert wird. Daher ist die Frage, welche Maßnahmen dazu hilfreich sein könnten. Vielleicht sind für den Jungen Formate in der Schule wie Theater-Spielen oder Sport oder Aktivitäten Draußen (z.B. Gärtnern) etwas, wo er das Gefühl bekommt akzeptiert zu sein und etwas gut zu machen und gleichzeitig nebenbei pädagogisch gearbeitet werden kann, wie zum Beispiel sich gleichzeitig damit zu beschäftigen, wie man untereinander gut miteinander umgeht, ohne Gewalt anzuwenden. Ich denke es geht viel darum, auch in der Schule dem Jungen einen Raum zu geben, wo er sich wohl- und angenommen fühlt. 

Pflanze 25
Thema 5: Fischmaul

Fischmaul´s Problemlage:
– Probleme der emotionalen und sozialen Entwicklung, fehlende Impulskontrolle
– Mobbing in der Schule und dadurch ausgelöste Agressionen (niedrige Frustrationstoleranz)
– Schwierigkeiten mit Autoritätspersonen (Widerstand und Auflehnung)
– Fühlt sich häufig „ungerecht behandelt“ durch die Lehrkräfte
– Ihm fehlt der nötige Rückhalt durch die Mutter

Problemlage von Fischmaul´s Mutter:
– Verhält sich verantwortungslos
– Starke Anpassungsschwierigkeiten
– Lehnt die Förderschule ab

Beide haben keinen positiven Bezug zur Schule. Hier muss extra niedrigschwellig gearbeitet werden, um die Familie überhaupt davon überzeugen zu können, Hilfe ohne Zwang in Anspruch zu nehmen.

Mögliche Maßnahmen zu Hilfen:
– Einzelgespräche mit Fischmaul
– Fischmaul in die Schule integrieren
– Fischmaul fragen, was er sich wünscht
– Förderungen durch Sportangebote und beispielsweise durch AG´s
– Fischmaul ein „offenes Ohr“ zusichern, falls er sich wieder ungerecht behandelt fühlt und ihm dann „von außen“ erklären, warum sich seine Lehrer so verhalten
– Nach näherem Zugang zur Familie eine Familien- und Einzeltherapie anbieten
– Ideen entwickeln, um Fischmauls Frustration zu unterbinden
– Team-Building Strategien um das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Klasse zu stärken
– Schulsozialarbeit einbinden

 Regenbogen – Frage: Welches Problem liegt vor und welche Maßnahmen sind hilfreich?

Problematik:
– „Fischmaul“ ist aufgrund seines Aussehens täglich Mobbing ausgesetzt- er wird täglich provoziert und wendet daraufhin Gewalt gegen SchülerInnen an, auch gegen die, die ihm körperlich überlegen sind-  versteht die Unterrichtsmethodik nicht, fühlt sich von den Lehrkräften ungerecht behandelt und reagiert auch ihnen gegenüber aggressiv – Familienverhältnisse werden als „wild“ beschrieben: Mutter steht nicht hinter der Schulform und hat ein Problem mit Autoritäten, sind dem Jugendamt bekannt nehmen aber keine Hilfen in Anspruch

Hilfreiche Maßnahmen:
– der Junge ist täglich Mobbing ausgesetzt, daher sehe ich es zunächst einmal als eine wichtige Maßnahme an, das „Täterfeld“ in den Blick zu nehmen – der Junge MUSS den Namen „Fischmaul„ loswerden. Da dies womöglich auf der aktuellen Schule unmöglich ist, sollte auch ein Schulwechsel als Möglichkeit in Betracht gezogen werden- dem Jungen einen Vertrauenslehrer an die Seite stellen oder regelmäßige Einzeltreffen mit dem Schulsozialarbeiter ermöglichen- Teambuilding mit der gesamten Klasse um die persönlichen Stärken und Schwächen erlebnispädagogisch zu thematisieren

Awleei: Welche Probleme liegen vor?Auf familiärer Ebene liegen gleich mehrere Probleme vor. Einerseits lehnt die allein erziehende Mutter jegliche Zusammenarbeit mit dem Jugendamt ab, gleichzeitig kriegen ihre Kinder vorgelebt, dass sie ihren Kopf immer durchsetzen könnten. Regeln außenstehender wären nicht geltend und Autorität sei stehts abzulehnen.Im Haushalt leben teils giftige Tiere und Waffen scheinen für die Kinder zugänglich zu sein,
Hinzukommend wird das Kind aufgrund seiner äußerlichen Erscheinung in der Schule regelmäßig Opfer emotionaler und körperlicher Gewalt.
Maßnahmen:
– „Fischmaul“ sollte meiner Meinung nach dringend eine Integrationskraft für die Schule erhalten.
– Insbesondere aufgrund der Tatsache, dass das Kind mit einem Jagdmesser in der Schule erscheint und es der Mutter egal zu sein scheint, sollte eine Überprüfung des Kindeswohls eingeleitet werden.- Förderung der persönlichen Entwicklung bspw. durch Integration in Gruppenangebote

Helmobil: Was ist das Problem?

Die Mutter lehnt Hilfen zur Erziehung ab und ist nicht interessiert an dem System der Förderschule. Fischmaul hat keine Handlungs- und Bewältigungsstrategien, die einen positiven Effekt für ihn haben. Die Familie ist nicht greifbar, entspricht nicht „dem Standard“.

Maßnahmen: 

Fischmaul scheint für mich sehr unsicher und ohne großes Selbstbewusstsein zu sein, sonst würde ihn der Spitzname nicht so triggern, direkt so aggressiv zu reagieren. Mit Selbstbewusstseinsstärkung könnte man versuchen ihm zu vermitteln, dass man den Mitschülern mit Desinteresse ein Signal geben kann, sodass diese aufhören sich an seiner Schwachstelle zu belustigen. Fair wäre es für Fischmaul auch, den „Kampf“ nicht allein gegen die Anderen ausführen zu müssen, sondern auch Disziplinarmaßnahmen gegen die Mitschüler zu errichten, bei weiterem fast schon Mobbing, gegen Fischmaul. Vielleicht wäre eine allgemeine Anti-mobbing-Aktion an der Schule ein Schritt in eine gemeinsame Richtung. Durch ein gestärktes Selbstbewusstsein und einer neuen Verhaltensumgangstaktik von Seiten Fischmauls würde er es auch zu einer stabileren Position bei sich zuhause schaffen. Gut vorstellbar, dass er durch seine impulsive Art schnell ausgegrenzt wird bei seinen Geschwistern und den ganzen Tieren. Vielleicht sogar untergeht mit seinen Bedürfnissen. 

Die spezielle Tierhaltung der Mutter zeigt ihre exzentrische Art und Weise. Ein Umdenken in der „normalen“ Zusammenarbeit zwischen Sozialarbeiter und Familie muss stattfinden. Ergründen, wieso die Mutter so viele Tiere hat (Hunde stehen dafür, dass sie ein Freund des Menschen sind und bedingungslose Liebe hergeben, Schlangen stehen symbolisch für Beschützen und die Unsterblichkeit), die Mutter hat sich also eine Art Festung gebaut mit den Tieren die sie beschützen (Kein Sozialarbeiter geht gerne zu einem Haus mit Kampfhunden und Giftschlangen). Durch Interesse an den Tieren kann man eventuell die Mauern der Mutter etwas einstürzen und Näheres über ihre Geschichte erfahren. 

Wichtig ist vor allem Akzeptanz der Familie gegenüber zu zeigen. Nur weil sie nicht „der Norm“ entsprechen, muss man sie nicht gleich schief angucken, verurteilen und grundlegend versuchen zu verändern. Ausdauer sollte auch bewiesen werden, da ich mir gut vorstellen kann, dass vieles Interesse an der Familie bisher nur Sinn und Zweck war, um an die Kinder etc. ran zu kommen. Eine Vertrauensbasis schaffen und ganz deutlich zu machen, dass man die Familie nicht grundlegend ändern will sondern gemeinsam schauen will, wie man die verschiedenen Puzzleteile zu einem für alle Beteiligten harmonischeren Bild zusammen setzen kann (Familie – soziales Umfeld – Autoritäten – Förderschule).

Anka13: Der Fall Fischmaul zeigt auf, dass es in der Familie andere Ansichten bzw. Meinungen zum Überthema „Erziehung“ gibt. Die Sichtweise der Mutter steht im Gegensatz z.B. zu der Sichtweise der Förderschule. Die Mutter halt eine ablehnende Haltung gegenüber Förderschulen. Ihre Meinung ist eindeutig negativ und nicht zu verändern.  Auch stellt sie sich gegen jede Autorität und lehnt diese ab. Dies hat ihr Sohn bereits von ihr übernommen. Auch er hat eine deutliche Meinung, die unveränderlich ist (z.B. in der Diskussion zu den unterschiedlichen Aufgaben in der Schule). 

– Maßnahmen: Nach meiner Meinung würde der Erstkontakt zu einem offenen Kinder- und Jugendclub für den Jungen sinnvoll sein. Der Jugendclub ist zwar auch eine pädagogische Einrichtung, allerdings in der einer anderen Form. Es wäre ein offenes Angebot ohne Zwang und wäre damit keine direkte Autorität. In den meisten Einrichtungen arbeiten Sozialarbeiter_innen, die im Kontakt zum Jugendamt und zu weiteren Erziehungshilfen stehen. Ein Jugendclub bietet Kinder und Jugendlichen jedoch zunächst die Möglichkeit für einen Austausch mit Gleichaltrigen sowie pädagogischen Fachkräften. Zusätzlich erhalten die Kinder die Möglichkeit freiwillig an Angeboten zu bestimmten Themen teilzunehmen. Vielleicht wäre dies ein erster Schritt, um wieder näher an die Familie ran zu kommen. Das weitere erzieherische Unterstützung notwendig wäre, ist absolut richtig. Dennoch muss wieder Vertrauen in anderen Autoritäten zunächst aufgebaut werden, um miteinander kooperieren zu können. 

Sechste Sitzung

Mit der sechsten Sitzung erreicht dieses Seminar den zweiten Teil der Veranstaltung. Im Mittelpunkt stehen nun Entwicklungsmodelle. Am Anfang steht zunächst eine Beschäftigung mit den Einflüssen der sozialkognitiven Entwicklung auf die Adressat*innen der sozialen Arbeit. Hört sich vielleicht erst einmal merkwürdig an, sich hierzu mit Theorien zu befassen, deren klassische Quellen bereits 100 Jahre alt sind. Aber der Fall „Fischmaul“ zeigt deutlich, dass es klug ist, über solche Dinge wie Perspektivenübernahme bzw. Theory of Mind Bescheid zu wissen. Einige Menschen haben einfach Probleme, sich in andere hinein zu versetzen. Die Folge sind häufig wilde Auseinandersetzungen und hilflose Eltern und Pädagogik*innen.

Piaget und die Folgen


Entwicklung der Perspektivenübernahme (aus Selman 1982, 240 f) Selman, R.: Sozial-kognitives Verständnis – Ein Weg zu pädagogischer und klinischer Praxis. In: Geulen, D. (Hrsg.): 1982, Perspektivenübernahme und soziales Handeln, Frankfurt a. M. 223-256
Stufe 0: Egozentrische Perspektive (Alter 3-6 Jahre)Das Kind nimmt zwar den Unterschied zwischen sich und anderen wahr, unterscheidet aber noch nicht zwischen seiner sozialen Perspektive (Gedanken und Gefühle) und der der anderen. Es kann von anderen offen gezeigte Gefühle benennen, aber sieht noch nicht den kausalen Zusammenhang zwischen Handlungsgründen und Handlungen.
Stufe 1: Sozial-informationsbezogene Perspektivenübernahme (6-8 Jahre)Das Kind nimmt wahr, dass der andere eine eigene, in seinem Denken begründete Perspektive hat und dass diese seiner eigenen Perspektive ähnlich oder auch nicht ähnlich sein kann. Jedoch kann sich das Kind nur auf jeweils eine Perspektive konzentrieren und nicht verschiedene Gesichtspunkte koordinieren. 
Stufe 2: Selbstreflexive Perspektivenübernahme (8-10 Jahre)Dem Kind ist bewusst, dass jedes Individuum der Perspektive des anderen gegenwärtig ist und dass dies jeweils die Sicht seiner selbst wie die vom anderen beeinflusst. Eine Möglichkeit, die Intentionen, Absichten und Handlungen eines anderen zu beurteilen, besteht darin, sich an seine Stelle zu versetzen. Das Kind kann eine koordinierte Kette von Perspektiven bilden, aber noch nicht von diesem Prozess auf die Ebene simultaner Gegenseitigkeit abstrahieren.
Stufe 3: Wechselseitige Perspektivenübernahme (10-12 Jahre)Das Kind nimmt wahr, dass sowohl es selbst wie auch der andere den jeweils anderen Teil wechselseitig und gleichzeitig als Subjekt sehen kann. Es kann aus der Zwei-Personen-Interaktion heraustreten und diese aus der Perspektive einer dritten Person betrachten.
Stufe 4: Perspektivenübernahme mit dem sozialen und konventionellen System (12-15 Jahre und älter)Die Person sieht, daß wechselseitige Perspektivenübernahme nicht immer zum völligen Verstehen führt. Soziale Konventionen werden als notwendig angesehen, weil sie von allen Mitgliedern der Gruppe (dem generalisierten Anderen) unabhängig von ihrer Position, Rolle oder Erfahrung verstanden werden.
Stufen des moralischen Urteils Kohlberg, L.: Stufe und Sequenz: Sozialisation unter dem Aspekt der Kognitiven Entwicklung. In: Kohlberg, L.: Zur kognitiven Entwicklung des Kinders. Frankfurt a. M. 1974, 60 f

Stufe 1: Orientierung an Bestrafung und Gehorsam. Egozentrischer Respekt vor überlegener Macht oder Prestigestellung bzw. Vermeidung von Schwierigkeiten. Objektive Verantwortlichkeit.
Stufe 2: Naiv egoistische Orientierung. Richtiges Handeln ist nur jenes, das die Bedürfnisse des Ich und gelegentlich die der anderen instrumentell befriedigt. Bewusstsein für die Relativität des Wertes der Bedürfnisse und der Perspektive aller Beteiligten. Naiver Egalitarismus und Orientierung an Austausch und Reziprozität. 
Stufe 3: Orientierung am Ideal des ´guten Jungen´ . Bemüht, Beifall zu erhalten und anderen zu gefallen und ihnen zu helfen. Konformität mit stereotypischen Vorstellungen von natürlichem oder Mehrheitsverhalten, Beurteilung aufgrund von Intentionen.
Stufe 4: Orientierung an Aufrechterhaltung von Autorität und sozialer Ordnung. Bestrebt, >seine Pflicht zu tun< , Respekt vor der Autorität zu zeigen und die soziale Ordnung um ihrer selbst willen einzuhalten. Rücksicht auf die Erwartungen anderer.
Stufe 5: Legalistische Vertrags-Orientierung. Anerkennung einer willkürlichen Komponente oder Basis von Regeln und Erwartungen als Ausgangspunkt der Übereinstimmung. Pflicht definiert als Vertrag, allgemein Vermeidung der Verletzung von Absichten oder Rechten anderer sowie Wille und Wohl der Mehrheit. 
Stufe 6: Orientierung an Gewissen oder Prinzipien. Orientierung nicht nur an zugewiesenen Rollen, sondern auch an Prinzipien der Entscheidung, die an logische Universalien und Konsistenz appellieren. Orientierung am Gewissen als leitendes Agens und an gegenseitigem Respekt und Vertrauen. 

Abbildung 4:

Abbildung 5:

Pflanze25: „Fischmaul“ lässt sich der Stufe Null (Egozentrische Perspektive Alter 3-6 Jahre) der Theorie von Selman zuordnen. Im vergangenen Podcast haben wir erfahren, dass „Fischmaul“ 10 Jahre alt ist und theoretisch würde er damit zur Stufe Zwei (Selbstreflexive Perspektivübernahme) oder schon zur Stufe Drei (Wechselseitige Perspektivübernahme) gehören. „Fischmaul“ kann sich nicht in andere hineinversetzen und versteht somit nicht, warum die anderen Kinder aus seiner Klasse andere Aufgaben im Unterricht bekommen. Er fühlt sich ungerecht behandelt.
Um in die erste Stufe des Modells zu kommen muss „Fischmaul“ Erfahrungen mit den Perspektiven von anderen Personen machen. Eine extrem konträre Erfahrung könnte dabei helfen, ihm andere Perspektiven nahe zu bringen. Man könnte beispielsweise nach einer erneuten Auseinandersetzung mit Mitschülern eine Art „Gerichtsverhandlung“ mit den Kindern durchführen, die von einer Familienhelferin geleitet wird. Dabei könnte man die Kinder auffordern sich erst selbst zu spielen und danach die Rollen wechseln. Im Anschluss sollte die Gerichtsverhandlung reflektiert werden und jedes Kind seine Gefühle äußern dürfen.

Sonnenblume: Aufgrund der Tatsache, dass Fischmaul bereits 10 Jahre alt ist, könnte er laut der Entwicklung der Perspektivübernahme aus Selman bereits in der Selbstreflexiven Perspektivübernahme (Stufe 2) , oder aber auch schon in der Wechselseitigen Perspektivübernahme (Stufe 3) sein. Durch die vorherige Sitzung leite ich mir allerdings ab, dass sich Fischmaul erst in Stufe 0 befindet. Dies schließe ich daraus, da sich Fischmaul nicht in andere und somit auch nicht in die Perspektive anderer hineinversetzen kann. Er versteht nicht, warum er andere Aufgaben bekommt, als seine Mitschüler und äußert dies mit auffälligem Verhalten. 
Als ersten Schritt im Fall von Fischmaul sollte man schauen, wie er es schafft die erste Stufe des Modells zu erreichen. Hierbei geht es darum, dass Fischmaul zunächst einmal lernt, dass andere Kinder eine andere in ihrem Denken begründete Perspektive haben und diese Denkweise auch von seiner abweichen kann. Dies könnte man mit unterschiedlichen angeleiteten Rollenspielen erreichen. In diesen Rollenspielen könnte die Erwachsene Person, die dies anleitet den Kindern Charaktere und somit Handlungsschritte der anderen Kinder zuweisen, die dann im Nachhinein aufgeklärt werden. Die Kinder sollten im Anschluss der Rollenspiele die Möglichkeit bekommen ihre Gefühlslage während des Rollenspiels mit den anderen zu besprechen und selbst zu erraten, welche Rolle (welches Kind) sie gerade nachgespielt haben. 

Awleei: Obwohl das Kind 10 Jahre alt ist, befindet es sich noch auf Stufe 0. Um auf Stufe 1 zu gelangen und zu erkennen, dass andere Personen stets eigene Gründe für ihr Handeln und eigene Sichtweisen auf Dinge haben, muss zunächst ein Austausch stattfinden. Sinnvoll wären dafür Übungen im Gruppenkontext. Dabei könnten z.B. verschiedene Gefühle besprochen werden, jede Person äußert sich und nennt bspw. Dinge, die sie ärgern, freuen, etc. und stellen das Gefühl pantomimisch dar.

Ze99: In Anbetracht des Alters von Fischmaul (10 Jahre), müsste er sich laut Selmans Theorie zwischen der 2 und 3 Stufe bewegen. Da wir jedoch in der fünften Sitzung näheres über Fischmaul und seinen Verhaltensmustern erfahren haben, wird deutlich dass er sich in der Stufe 0 befindet. Durch seine Handlungen und Taten kann man erkennen, dass er noch nicht in der Lage ist sich in andere hineinzuversetzen und Gefühle adäquat auszudrücken und zu deuten. Zudem ist er sich nicht über die Auswirkungen seiner Taten bewusst, weswegen er diese auch nicht unterlässt. Um Fischmaul auf seinem zukünftigen Weg im Hinblick auf seine Entwicklung zu unterstützen sind reflektierende Gespräche von großer Bedeutung um ihm so die Auswirkungen seiner Handlungen näher zu bringen und ihn bei Fehlverhalten zu korrigieren. Des weiteren denke ich auch dass Rollenspiele Fischmaul die Möglichkeit geben werden einen Wechsel der Perspektive durchzuführen. Außerdem müssten Fischmaul die verschiedenen Gefühle die man empfinden kann näher gebracht werden, da er außer Frust und Wut von zu Hause kaum etwas mitbekommt. Dies könnte zum Beispiel durch verschiedene Kinderbücher erfolgen oder auch durch Gruppenaktivitäten. 

Mangolassi: Der Junge mit dem Spitznamen ,,Fischmaul„ ist 10 Jahre alt und hat, laut dem Audio-Cast, ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsbedürfnis und fehlende Kompetenz der Perspektivenübernahme. In dem Audio-Cast wird gesagt, er müsste laut den Informationen auf der Stufe 0 des Modells nach Selman stehen. Ich persönlich finde es allerdings schwierig anhand so weniger Informationen eine Aussage darüber treffen zu können. Ich stelle es mir sehr komplex vor zu beobachten, ob ein Kind in der Lage ist, Perspektiven zu übernehmen. Möglicherweise ist der Junge ,,Fischmaul„ dazu in der Lage, aber hat andere Gründe, um sich an den Aufgabenverteilungen der Lehrer zu stoßen. Und auch das Verhalten seinen Mitschülern gegenüber muss nicht in der fehlenden Perspektivenübernahme liegen, sondern ist möglicherweise auch einfach damit verbunden, dass er gelernt hat, sich gegen solche Anfeindungen zu wehren. 

Um noch mehr Perspektivenübernahme zu erlernen ist es möglicherweise hilfreich, Erzählungen und Geschichten zu lesen oder vorgelesen zu bekommen. Das ist, glaube ich, häufig für Kinder in ihrer Entwicklung hilfreich, um sich vorstellen zu können, wie andere Situationen wahrnehmen und was andere Kinder denken oder fühlen. Vielleicht könnte das ja auch für den Jungen hilfreich sein. 

Mar_So97_FM2: Nach den Altersangaben in Selmans Entwicklungsmodell müsste sich Fischmaul eigentlich in Stufe 2 (Selbstreflexive Perspektivenübernahme) oder Stufe 3 (Wechselseitige Perspektivenübernahme) befinden. Aufgrund seiner Verhaltensweisen lässt sich jedoch darauf schließen, dass er sich erst in Stufe 0 „Egozentrischen Perspektive (Alter 3-6)“ befindet. 

Der Junge kann sich nicht in andere Perspektiven hineinversetzen und versteht vor allem nicht, aus welchen Beweggründen heraus die Fachkräfte oder auch andere Personen handeln. Ich denke weiterhin, dass man dringend an der Selbstreflexion von Fischmaul und auch den anderen Schülern arbeiten sollte, da es letztendlich auch in den weiteren Stufen um eine erweiterte Form der Perspektivenübernahme geht. 

Daher würde ich weiter an meiner vorangegangenen Methode anknüpfen und versuchen mit den Kindern die Perspektivenübernahmen zu vertiefen. Vielleicht könnte man wöchentlich etwas Zeit in eine spezielle Lerneinheit investieren, in der sich die Kinder mit Rollenspielen und vor allem mit voran gegangenen Konfliktsituationen auseinandersetzen. Damit könnte man die gesamte Klasse fördern und Fischmaul nach und nach leichter vermitteln, dass jedes Individuum eine eigene Perspektive hat und z.B. deswegen jedes Kind seine eigenen Aufgaben von den Fachkräften bekommt.

Jane: Fischmaul müsste sich theoretisch in Stufe 2 oder 3 nach Selman befinden. Da er sich aber nicht in die Lage bzw. Perspektive anderer hineinversetzen kann, sich stattdessen ständig ungerecht behandelt fühlt, sein eigenes Verhalten nicht reflektieren kann und auch Gespräche mit den Pädagog*innen nicht verinnerlichen und reflektieren kann, befindet Fischmaul sich in der Stufe 0. Fischmaul handelt wie ein Kind zwischen drei und sechs Jahren, da er eine egozentrische Perspektive besitzt und sich wie bereits genannt weder selbst reflektieren, noch das Handeln anderer nachvollziehen kann. Um Fischmaul diesbezüglich zu fördern, würde ich an die Ideen der Kommiliton*innen anknüpfen. Neben Rollenspielen und gemeinsamen Besprechungen von Konflikten empfinde ich auch eine ausgiebige Gesprächsrunde vor im Unterricht als sinnvoll. Damals haben wir in der Grundschule auch häufig im Unterricht Geschichten vorgelesen und anschließend besprochen. Durch das Zuhören und die anschließende Besprechung wird die Perspektivübernahme und Empathie Entwicklung gefördert. Kooperative Spiele und Aufgaben könnten außerdem das Wir-Gefühl der Klasse stärken und abschließende Fragen fördern die Reflektion.  

Anka13: Im Fall Fischmaul lässt sich der Junge in Stufe 0 einordnen. Aufgrund seines Alters müsste er jedoch eigentlich mindestens in Stufe 1 bzw. Stufe 2 befinden. Der Junge kann jedoch nicht andere Perspektiven wahrnehmen, sondern nur seine eigene Sichtweise. Er kann sich selbst und andere nicht reflektieren. 

Angebote: In der vorherigen Sitzung hatte ich mir überlegt, dass es sinnvoll wäre, den Jungen an einen offenen Kinder- und Jugendclub anzubinden. Dort würde der Junge zunächst unabhängig von dem verpflichtenden Schulbesuch, auf andere Kinder und Jugendliche treffen. Im Beisein von den pädagogischen Fachkräften könnten spielerisch verschiedene Rollen bzw. Perspektivübernahmen möglich gemacht werden. Auch könnte der Junge dort die Möglichkeit erhalten in Kontakt zu Gruppenspielen mit festen Regeln kommen. Jedoch auf einer freiwilligen Basis. Das bedeutet, dass er vielleicht zunächst eine ablehnende, aber beobachtende Rolle einnehmen würde, die sich jedoch im Laufe der Zeit verändern könnte. 

Bena99: Fischmaul kann sich nicht in andere und deren Perspektive hineinversetzen. Oft fühlt er sich ungerecht behandelt. Da Fischmau 10 Jahre alt ist würde er eigentlich der Zweiten Stufe (Selbstreflexive Perspektivenübernahme) oder sogar der Dritten Stufe (Wechselseitige Perspektivenübernahme) zugeordnet werden müssen. Durch die Theorie von Selman lässt er sich stattdessen jedoch nur der Stufe 0 zuordnen (egozentrische Perspektive).
In diesem Fall sollte man vorerst versuchen Fischmaul auf die Stufe 1 zu bringen. Un diese Stufe zu erreichen muss er lernen, dass Denkweisen anderer, nicht mit seinen übereinstimmen müssen. 
Damit Fischmaul die Perspektiven anderer begreifen kann, muss ein Austausch mit diesen stattfinden. Dieser müsste von Erwachsenen angeleitet werden und so aussehen, dass jede Person ihre Gedanken und Gefühle äußert und Dinge benennt, welche sie traurig oder glücklich machen. So fällt es einfacher die Gefühle zu verstehen. 

Siebte Sitzung

In der siebten Sitzung geht es nun um die Frage, wie Menschen lesen und schreiben lernen. Kommt Ihnen vielleicht merkwürdig vor, dass derlei in einem Erziehungshilfeseminar zu finden ist. Aber Sie glauben gar nicht, wie häufig bei Kinder und Jugendlichen in Erziehungshilfeeinrichtungen Probleme in diesem Bereich verbreitet sind. Und ein wenig davon zu verstehen, warum Ihre Klienten in diesem Bereich so gravierende Probleme haben, das ist sicher nicht falsch.

Wie Kinder lesen und schreiben lernen

Jane: In Abbildung 3; „die Flugtaube auf Uwes Nase“ (???) Das Geschriebene ist für mich nicht lesbar.

Das Kind ist in der Lage das Gehörte in Buchstaben auszudrücken. Allerdings besitzt es keine Rechtschreiberegeln, Grammatik oder einen Wortbildspeicher. Auch trennt das Kind die Wörter nicht voneinander. Offensichtlich fehlt dem Kind die phonologische Bewusstheit. 

Zur Vorbeugung von Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten benötigt das Kind Förderungen in der Silben- bzw. Worttrennung (z.B. Klatschen von Silben), in der Erkennung von Lauten, der Rechtschreibung (Buchstaben und Worttabellen mit Bildern und Wörtern, G g  -> Gänse gehen. Dabei können ggf. kleine Diktate (und Reime), spielerische Arbeitsblätter, Übungen/Spiele in der Klassengemeinschaft und das freie Schreiben helfen. 

Sonnenblume: Bei den Schreibversuchen des Kindes in Abbildung 3 lässt sich sagen, dass dem Kind die phonologische Bewusstheit fehlt. Das Kind kann die Laute aus der gesprochenen Sprache nicht heraushören und anstatt die Wörter voneinander zu trennen reiht es diese direkt aneinander. Es besitzt zudem weder Grammatikregeln, als auch Rechtschreibregeln. Außerdem ist der Wortbildspeicher des Kindes noch nicht entwickelt, da das Kind sonst selbst festgestellt hätte, dass das „nicht richtig“ aussieht was es da geschrieben hat. Das Kind besitzt lediglich die Fähigkeit das Gehörte in Buchstaben umzusetzen. 
Da bereits zu diesem Zeitpunkt die Möglichkeit besteht dem Kind mithilfe von Förderungen, Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten vorzubeugen würde ich an dieser Stelle mit dem Kind spielerische Übungen durchführen. Für die Phonologische Bewusstheit eignen sich Spiele, wo das Kind Geräusche erkennen muss oder schauen muss, welches Wort sich länger anhört. (Beispiel Kategorie Tiere  „Reh“ oder „Schmetterling“). Außerdem könnte zur Förderung der Phonologie Anlaute gefunden werden und passend dazu weitere Wörter gesucht werden, die mit dem gleichen Laut anfangen. Zur Förderung der Silben und Worttrennung könnten gemeinsame Lieder gesungen werden, wo die Silben geklatscht werden.

Anka13: Was kann der Junge schon und was kann er noch nicht (Abb.3)?

– Der Junge hat bereits ein phonologisches Bewusstsein bzw. kann er phonetisch Schreiben. Er hat einen Satz gehört, den er versucht zu schreiben. Rechtschreibregeln sind ihm noch nicht bekannt. Einzelne Wörter sind richtig geschrieben, wie „Uwe“ und „Nase“. 

– Förderangebote: Das Kind sollte immer wieder kleinere Diktate versuchen zu schreiben. Dabei sollten unterschiedliche Themen ausgewählt werden, damit das Kind Freude an den Diktaten erhält. Auch können dem Kind verschiedene kleine Lernspiele angeboten werden. Zum Beispiel im Bereich Lesegenauigkeit. Bei diesem Angebot sieht das Kind ein Bild und daneben stehen z.B. drei Wörter zur Auswahl, die alle mit dem gleichen Buchstaben beginnen und das Kind muss genau lesen, welches Wort zum Bild passt. Weiterhin sollte das Kind stets die Chance bekommen, verschiedene Bücher zur Auswahl zu haben, die es selbstständig oder mit den Bezugspersonen zusammen lesen kann. 

Mangolassi: Ich vermute, das Kind verfügt über die phonologische Bewusstheit und das phonetische Schreiben, da die Wörter des Satzes nach gesprochenen Lauten aufgebaut sind. Was das Kind noch nicht kann ist das Schreiben nach Rechtschreibregeln. Förderangebote könnten sein, einfache Texte zu lesen, denn ich denke das würde den Wortbildspeicher erheblich verbessern und damit auch das Schreiben nach Rechtschreibregeln, etc. Und eine Förderung zum Lernen der Rechtschreibregeln wäre sicher auch sinnvoll. 

Awleei: Was kann der Junge?
– gesprochene Laute in Buchstaben umwandeln (wenn auch noch nicht den Rechtschreibregeln entsprechend)

Was kann er nicht?
– Worttrennung- Groß- & Kleinschreibung
– Buchstaben sind teils gespiegelt (D am Anfang)- Rechtschreibung

Fördermethoden:
– Silbenübungen (u.a. Silben klatschen/trommeln)
– Reimübungen

MarSo97: Was kann der Junge schon? Was kann er nicht? Welche Förderangebote könnte man ihm machen?

Der Junge in Abbildung 3 scheint frisch im Entwicklungsprozess der phonologischen Bewusstheit zu sein. Er scheint ein erstes Gefühl für den Umgang mit Lauten zu entwickeln. Möglicherweise befindet er sich auch schon in den ersten Zügen des phonetischen Schreibens, das glaube ich aber nicht. Er kann auf jeden Fall schon das Gehörte in Buchstaben ausdrücken und schreibt scheinbar schon „Uwe“ als auch „Nase“ richtig. Allerdings beherrscht er weder die Worttrennung noch die Rechtsschreibung und kann noch nicht richtig mit Lauten umgehen. 

Mithilfe von Abschreibtexten, Diktaten, freien Schreibübungen und vor allem viel Lesen könnten seine Fähigkeiten bestimmt gefördert werden. 

Stevertroll – Was kann der Junge schon? Was kann er nicht? Welche Förderangebote könnte man ihm machen? 

Der Junge kann anscheinend gesprochene Wortlaute in Buchstaben umwandeln. Hierbei wird jedoch nicht auf die Rechtschreibregeln geachtet.Der Junge kann leider noch nicht die Worttrennung sowie Groß und Kleinschreibung. Desweiteren kann er aber auch einzelne Wörter richtig schreiben.
Für dieses Kind würde ich ein Förderangebot vorschlagen, was besonders für die Worttrennung in den Vordergrund stellt.Desweiteren wäre auch eine Förderung zu der Erkennung von Lauten sehr wichtig. Auch die Förderung der Rechtschreibung sollte sehr wichtig sein. Dieses kann man besonders durch Diktaten fördern, da hier auch immer weider geschaut wird wie es war.

Achte Sitzung

Nachdem nun einigermaßen klar ist, wie Kinder und Jugendliche normalerweise lesen und schreiben lernen, befasst sich die achte Sitzung nun mit den Auswirkungen von Bilingualität. Viele Studien, die sich mit den Schulleistungen von Kindern und Jugendlichen mit Migrationsgeschichte befassen, stellen fest: Viele dieser Kinder haben Probleme in der Schule. Sie sind z. B. überrepräsentiert bei der Gruppe von Schüler*innen, die in der Schule nach 10 Jahren nicht einmal Stufe eins des Lesens erreichen (nachzulesen z. B. in den PISA-Studien). Sie geraten viel zu häufig in die Förderschulen. Nun könnte man denken, dass dies eine Folge von Bilingualität ist. Die Laute der zweiten Sprache sind fremd. Der Wortschatz in der zweiten Sprache ist begrenzt. Und auch die deutsche Grammatik ist verwirrend. Habe ich in den Nullen-Jahren auch geglaubt. Inzwischen habe ich meine Meinung aber revidiert. Und das hat mit den merkwürdigen Ranglisten zu tun, die man erstellen kann. In der Förderschule sind z. B. nicht alle bilingualen Kinder repräsentiert, sondern z. B. vor allem Serben. Japanisch-deutschsprachige Kinder sind dagegen eher selten in den Förderschulen anzutreffen. Kann man nicht sagen, dass die japanische Sprache näher an der deutschen Sprache liegt als die serbische Sprache, oder? Und die Abiturwahrscheinlichkeit von türkisch-deutschsprachigen Kindern hängt manchmal von so merkwürdigen Dingen ab, wie: Alter der Mutter.

Wie bilinguale Kinder lesen und schreiben lernen.

Neunte Sitzung

Mit der neunten Sitzung ist nun der zweite Teil des Seminars erreicht: die diagnostische Arbeit. Ich möchte mit der Diagnose sonderpädagogischen Förderbedarfs beginnen. Wer in stationären Einrichtungen der Erziehungshilfe arbeitet, kennt das: Die Kinder und Jugendlichen sind ziemlich häufig Förderschüler. Manchmal gibt es sogar auf dem Gelände eine Privat-Förderschule, deren Träger praktischerweise identisch ist mit dem Träger der stationären Einrichtungen. Wer sich für das Berufsfeld Erziehungshilfe interessiert, sollte sich also dafür interessieren, wie man aus Kinder mit Problemen Förderschüler*innen macht.

Diagnose sonderpädagogischen Förderbedarfs

Tab 21: Variablen, die einen Einfluss auf den IQ haben – Befunde der kulturvergleichenden IQ-Forschung nach Mand 2012
Geschlecht
Alter
Einkommen
Wirtschaftliches Umfeld
Bildungsstand
Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit
Geschwister
Kriminalität
soziale Herkunft
Gesundheitsvariablen
ADHS
PTBS
Politische Orientierung
Regionale bzw. ethnische Herkunft

Pflanze25

– Bedarf bedeutet nicht gleich Lernbehinderung
– Defizite in der deutschen Sprache vermutlich durch Bilingualität
– keine Schwierigkeiten im Bereich lernen, daher wäre eine Förderschule mit diesem Schwerpunkt ungeeignet
(Keine Klasse wiederholt, keine Schwierigkeiten in Mathe -> Indikatoren)
– Sprache zuhause: türkisch
– Rat: Rücksprache mit dem Lehrer (Sprachkurs möglich? Vielleicht auch für mehrere Kinder?)

Sonnenblume : Ich bin der Meinung, dass bei dem Jungen keine Lernbehinderung vorliegt. Die Muttersprache des Jungens ist Türkisch. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Junge Zuhause mit seinen Eltern auch türkisch spricht. Die Defizite in der Deutschen Sprache lassen sich demnach auf die Bilingualität des Jungens zurückführen und bedeuten nicht gleich, dass der Junge eine Lernbehinderung hat. Die Tatsache, dass der 10 jährige Junge bisher noch keine Klasse wiederholen musste und nur in der deutschen Sprache Schwierigkeiten aufweist, zeigen ebenfalls das keine allgemeine Lernbehinderung bei ihm vorliegt. Ich würde den Eltern raten nach einem Deutschkurs für bilinguale Kinder zu suchen, indem er angemessen und altersgerecht in der Hinsicht gefördert wird.

Jane: Ich würde nicht grundsätzlich von einer Lernbehinderung ausgehen und den Bedarf sonderpäd. Förderung sehen. Ich denke, dass der Junge aufgrund der Bilingualität erhebliche Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben hat, das bedeutet für mich aber nicht, dass er ein Förderschul-Setting benötigt. Ich würde ebenfalls ein Gespräch mit der Klassenlehrerin und den Eltern suchen und über gemeinsame Möglichkeiten erarbeiten (bei uns gab es damals nach der Schule eine ÜMI-Betreuung, dort wurde gegessen, gelernt und Hausaufgaben wurden erledigt; ggf. eine Klasse wiederholen, Nachhilfe, …).

Regenbogen: Zunächst einmal halte ich es für wichtig in diesem Fall festzuhalten, dass es wie bereits von Prof. Dr. Mand erläutert, nach Ergebnissen der Subsahara Forschung bei dem im Beispiel angewandten Kaufmann Intelligenztest um einen “schlechten Test“ bzw. ein eher unfaires Verfahren handelt. Meiner Meinung nach ist der 10 jährige Junge mit türkischer Erstsprache, der Gruppe derer zuzuordnen die in solchen Testverfahren benachteiligt werden. Aus diesem Grund halte ist es für fatal nach den Erkenntnissen von einer Lernbehinderung zu sprechen, insbesondere weil es sich bei den Defiziten im Fach Deutsch vermutlich primär um die Folge eines Mangels an Gelegenheiten zu lernen als um eine grundsätzliche Entwicklungsstörung schulischer Fertigkeiten handelt. 
Was empfehle ich den Eltern? Der Junge befindet sich in der 4 Klasse, somit rückt der Schulwechsel immer näher. Es gilt zunächst einmal an dem von den Eltern entgegenbrachten Vertrauen und der Bitte um Hilfe anzusetzen und Ihnen verständlich zu machen, dass ihr Sohn eine Form von zusätzlicher Sprachförderung benötigt. Da wäre es meine Aufgabe nach möglichen Angeboten zu recherchieren.Welche Formen der Förderungen gibt es an der Grundschule außerhalb der regulieren Unterrichtszeit und besteht die Möglichkeiten einer intensiven Betreuung durch beispielsweise die Schulsozialarbeit vor Ort. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Gespräch mit Klassenlehrer/Inn, Eltern und mir um auch darüber ins Gespräch zu gehen ob die Wiederholung der 4. Klasse sinnvoll und hilfreich erscheint, bevor man sich vorschnell mit dem Wechsel auf eine Förderschule beschäftigt. 

Mangolassi: Um das Gutachten zum sonderpädagogischen Förderbedarf zu prüfen, würde ich ebenfalls, wie einige andere in ihrer Antwort schon erwähnt haben, schauen, ob das Problem möglicherweise im Erlernen der deutschen Sprache liegt. Dabei würde ich schauen, ob die Eltern Deutsch sprechen können, nachfragen welche Sprache Zuhause gesprochen wird und möglicherweise auch, ab wann die Familie in Deutschland ist. Auch der niedrige IQ aus dem Test kann daran liegen, dass er ihn nicht gut verstanden hat, da die Fragen und Aufgaben auch auf Deutsch waren. Ich würde daher schauen: wie gut kann er auf türkisch schreiben und lesen, um eine Lese-Rechtschreib-Schwäche auszuschließen. Außerdem würde ich verstärkt Nachhilfe in Deutsch empfehlen und Sprachunterricht. Eine Lernbehinderung würde ich erst ganz zum Schluss nochmal in Betracht ziehen und dann mit verschiedenen Tests prüfen. 

MerlinVanHaarlem:  Einen besonderen Bedarf in der deutschen Sprache würde ich nicht mit einer Lernbehinderung gleichsetzen. Wie letzte Woche schon im Podcast besprochen wurde, ist es für Kinder die bilingual aufwachsen nicht immer einfach zwischen den Sprachen hin und her zu switchen. Ich denke es sollte überprüft werden, ob das Kind zuhause ausschlich türkisch (dies scheint die erste Sprache des Kindes zu sein) spricht und so ein erlenen der deutschen Sprache nur in der Schule und in der Freizeit stattfindet. Da es in den anderen Fächern keine großen Lerndefizite zu geben scheint, denke ich dass die Eltern ihm hierbei helfen können und ihn unterstützen. Außerdem nimmt der Kaufman-Intelligenztest keinerlei Rücksicht auf Kinder mit Deutsch als Zweitsprache, dadurch wird das Ergebnis verfälscht.

Um eine Lernbehinderung auszuschließen, würde ich einen Test durchführen lassen, welcher auf die Lebenswelt des Kindes eingeht. Er sollte gegebenenfalls auf Türkisch abgehalten werden. Eine Einbeziehung der Eltern finde ich ganz wichtig, vielleicht gibt es eine Möglichkeit alle gemeinsam Deutsch lernen zu lassen (falls die Eltern hier Probleme haben) oder die Eltern können auf die Wichtigkeit der Benutzung beider Sprachen aufmerksam gemacht werden. Wenn ein zu starkes Defizit in der Sprache festgestellt wird, sollte eine Wiederholung der Klasse mit einer Sprachförderung angeboten werden.

Stevertroll: Ich würde nicht sagen, dass der Junge eine Lernbehinderung hat. Durch die Muttersprache des Kindes kann davon ausgegangen werden, dass zuhause mit den Eltern und den anderen Familienmitgliedern Türkisch gesprochen wird. Fürmich hat der Junge nur etwas schwierigkeiten mit dem Lesen und schrieben der deutschen Sprache. Da der Junge in den anderen Fächern außer Deutsch keine weiteren Probleme hat deutet auch darauf hin, dass er ein Förderschulsetting nicht benötigt. Der Junge benötigt nur etwas mehr unterstüzung in der Deutschen Sprache was man durch Sprachkurse für das Kind und Eltern beheben kann. Des Weiteren würde ich eine über MIttags-Betreuung für den Jungen mit Absprache der Lehrern anstreben um dort auch weitere Unterstützung zu bekommen.

Bena99: Der Junge scheint mir nicht lernbehindert zu sein. Seine mangelhaften Noten im Bereich Deutsch lassen nicht auf eine Lernbehinderung schließen da die deutsche Sprache nicht seiner Muttersprache entspricht. 
Die Fairness des durchgeführten Test spielt eine große Rolle. Wie Sie in ihrem Podcast erwähnen sind oft die Kinder der Armen und die Kinder der Migranten betroffen, so auch der Junge aus dem Fallbeispiel. Da sein IQ Test bei 84 liegt und der Grenzwert einer Lernbehinderung bei 85 liegt, würde ich den Eltern empfehlen einen zweiten Test durchzuführen, welcher fairer ist. Da der CFT- Test unter den selben Bedingungen besser abschneidet als der bei dem Jungen durchgeführte Kaufman- Test, würde ich diesen vorschlagen.

Awleei: Da das Testverfahren aufgrund der mangelnden Berücksichtigung der Muttersprache in diesem Fall nicht geeignet zu sein scheint, würde ich den Eltern empfehlen, einen anderen Test zu Rate zuziehen. Mit einer Punktzahl von 84 Punkten liegt ihr Sohn außerdem bloß knapp unter dem Grenzwert. Sollte zu Hause ausschließlich/überwiegend auf türkisch gesprochen werden, könnte hierbei bereits die Erklärung für die unterdurchschnittlichen Deutschkenntnisse zu finden sein.Meine Empfehlung wäre daher eine zusätzliche Sprachförderung, z.B. in Form von Nachhilfe und (sofern dies nicht bereits stattfindet) die Gespräche daheim auf Deutsch zu führen. Dies erfordert natürlich die Mithilfe der gesamten Familie. Es sollte in der Hinsicht auch ein Gespräch mit der Klassenlehrer*in stattfinden. 

Zehnte Sitzung

In der zehnten Sitzung geht es noch einmal um die diagnostische Arbeit. Zunächst möchte ich Ihnen einen Fragebogen vorstellen, der sehr häufig dann angewandt wird, wenn Kinder und Jugendliche in stationäre Behandlung von psychiatrischen Stationen oder Kliniken kommen. Die Child Behavior Checkliste ist zwar etwas angejahrt und weist auch einige methodische Probleme. Aber sie erfreut sich in Praxis und Forschung nach wie vor großer Beliebtheit.

Diagnose von Verhaltensstörungen mit der cvcl

Auch die Aufgabe zur zehnten Sitzung hat etwas mit der diagnostischen Arbeit zu tun. Hier geht es um Kindeswohlgefährdung. Und mit Kindeswohlgefährdung haben Sozialarbeiter*innen ja durchaus zu tun.

Ein Bordell im Wohnzimmer?

Tab 7 Relativität von Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen und ihre Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989).
Sie sind eher das Ergebnis eines vergleichsweise komplexen Prozesses mit vielen Beteiligten als eine feste Eigenschaft (Mand 2003).
Dies hat Auswirkungen auf die Zahlen und die Diagnose

 Pflanze25: Aus meiner Sicht haben die beteiligten Lehrenden an dieser Stelle nichts falsch gemacht.
Sie sind ihrer Pflicht nachgekommen und haben eine §8a Meldung beim Jugendamt abgegeben. Zusätzlich waren sie immer noch als Ansprechpartner für die Mädchen erreichbar. Ich sehe ein generelles Problem darin, dass Jugendämter häufig nicht überregional zusammenarbeiten. In meinem 70 Tage Praktikum ist es oft vorgekommen, dass Familien oft umgezogen sind, um den Maßnahmen des jeweiligen örtlichen Jugendamtes zu entkommen. Die einzige Möglichkeit war es, dem nächsten zuständigen Jugendamt einen Vermerk zu schicken, wenn alle Unterlagen weitergeschickt wurden. Eine Inobhutnahme der Kinder wäre in diesem Fall meiner Meinung nach die richtige Entscheidung gewesen, diese ist jedoch zu spät in Betracht gezogen worden. 

Stevertroll: Meiner Meinung nach haben sie mit ihrem Verhalten dem Kindern gegenüber keinen Fehler gemacht. Auch der Umgang mit dem Jugendamt bezüglich der Weitergabe neuen Informationen war meines erachtens nach umfänglich und richtig. Das Verhalten des Jugendamtes jedoch sehe ich kritisch gegenüber, da sie die Kinder nach dem ersten Gespräch dabehalten haben, jedoch nach dem Gespräch mit dem Vater wieder mit nach Hause geschickt haben. Zudem finde ich, dass ein Kontrollauftrag oder eine SPFH in die Familie eingeschaltet werden müssen. Auch das Jugendamt hätte im Nachhinein die unangekündigten Kontrollen bei der Familie durchführen müssen. Zudem hätte das Jugendamt auch auf die Androhung des wegziehens reagieren müssen. Über eine frühhzeitige Inobhutnahme hätte in einem Fachgespräch nachgedacht werden müssen.

Sonnenblume: Ich bin der Meinung, dass Sie und die anderen Lehrkräfte richtig gehandelt haben und Ihrer Pflicht nachgekommen sind. Durch die §8a Meldung beim Jugendamt haben Sie Ihre Aufgabe erfüllt und die Zuständigkeit dem Jugendamt weitergegeben. Das Jugendamt hätte an dieser Stelle anders reagieren sollen, sodass die Eltern gar nicht die Möglichkeit gehabt hätten unbeobachtet mit ihren Kindern wegzuziehen. Die Kinder hätten gegenenfalls erst einmal von dem Jugendamt Inobhut genommen werden können, bis sichergestellt werden kann, dass die Mutter ihrer Tätigkeit als Prostituierte nicht weiter im Wohnzimmer der Familie nachgeht und sich die Situation innerhalb der Familie verändert. Gegebenenfalls hätten aber auch regelmäßige, tägliche Kontrollbesuche bei der Familie und Gespräche mit den Kindern diese Situation verhindern können. Außerdem hätte sich das Jugendamt im Nachinhein noch mit dem Jugendamt in Recklingkirchen in Verbindung setzen können, sodass die Familiensituation auch dort weiter beobachtet wird.

Awleei: Sie als Lehrperson haben in dieser Sache meiner Meinung nach nichts falsch gemacht. Ganz im Gegenteil sind Sie nicht nur Ihrer Pflicht der §8a Meldung an das Jugendamt nachgegangen, sondern haben sich darüber hinaus äußerst fürsorglich um die Belange Ihrer Schützlinge gekümmert.Was das Jugendamt angeht, hätte besonders in diesem Fall eine Inobhutnahme stattfinden sollen. Insbesondere, da im Vorhinein bekannt war, dass ein Umzug und somit auch eine Flucht aus dem Zuständigkeitsbereich absehbar war. Uns ist nun ja leider unbekannt, ob sich die Jugendämter der Städte in diesem Falle vernetzt haben, um das Kindeswohl forlaufend sicherzustellen. Dies wäre jedoch das Mindeste, was hier hätte passieren sollen.

Elfte Sitzung

In der elften Sitzung wird der dritte und letzte Teil des Seminars erreicht: Die Methoden. Es ist sicher nicht möglich, alle Methoden vorzustellen, die in der Erziehungshilfe eingesetzt werden. Einigermaßen klar ist zunächst, dass man zwischen seriösen und weniger etablierten Methoden unterscheiden kann. Und weil in der Erziehungshilfe psychotherapeutische Verfahren eine wichtige Rolle spielen, beschränken sich die letzten beiden inhaltlichen Sitzungen auf psychotherapeutische Verfahren, die von den Krankenkassen bezahlt werden – also: Psychoanalyse und Verhaltenstherapie. Hinzu kommt noch die Systematische Familientherapie. Hier gibt es für Kinder und Jugendliche zwar noch Probleme mit der Kassenzulassung. Aber systemes Denken spielt in der sozialen Arbeit eine wichtige Rolle. Für die sicher ebenfalls etablierte Gesprächstherapie nach Rogers fehlt uns leider die Zeit.

Den Anfang machen psychoanalytische Verfahren.

Psychoanalyse in der Erziehungshilfe?

Positionen der klassischen Psychoanalyse (Schaubild für die Lehre / Mand)

Szenische Inszenierung nach Heinemann 1993

 Pflanze25: Auf welche Schule soll Florian gehen? Gesamtschule oder ins Förderzentrum?

Wenn das Jugendamt tatsächlich alle Mittel zur Verfügung steht könnte man beispielsweise über privaten Unterricht nachdenken. Da das aber vermutlich niemand finanzieren möchte, kommt meiner Meinung nach eher die Gesamtschule in Betracht. Hier sollte Florian jede mögliche Hilfe bekommen, die zur Verfügung steht. Florian zeigt Symptome einer späteren seelischen Abartigkeit auf, weshalb eine langfristige Therapie ebenfalls im Vordergrund stehen sollte. Eine Internatsschule mit Gesamtschulniveau für Kinder die Betreuung benötigen mit eingesetzten Therapeuten und Sozialarbeitern könnte angestrebt werden. Ob diese im Ruhrgebiet vertreten sind, kann ich leider nicht sagen, jedoch gibt es einige davon in Niedersachsen.
Für eine Förderschule ist Florians IQ-Test meiner Meinung nach zu hoch ausgefallen und im Lehrerfragebogen wird er dafür zu „positiv“ eingeschätzt.
Florians Über-Ich hat sich nicht richtig entwickelt. Sein moralisches Wissen ist nicht so ausgeprägt wie bei Gleichaltrigen, wogegen jedoch seine Reaktion auf das Heinz-Dilemma spricht. Seine sexuellen Neigungen insbesondere zu Kleinkindern, aber auch zu Männern sind sehr problematisch (für andere und sich selbst) und damit wäre er auf beiden Schulformen (Gesamtschule/Förderschule) nicht optimal aufgehoben. In der Gesamtschule würde er jedoch vermutlich intellektuell ausreichend gefordert werden, was ihn von anderen „Dummheiten“ und aggressivem Verhalten etwas abhalten könnte.

Sonnenblume: Ich gehe davon aus, dass Florian aufgrund seines IQs keinen Anspruch auf einen Platz in einer Förderschule hat. Aus diesem Grund kommt meiner Meinung nach nur die Gesamtschule für Florian in Betracht. Auf dieser Schule benötigt Florian allerdings zusätzliche Hilfen bei der Bewältigung des Schulalltags. Eine psychologische Therapie würde ich ebenfalls für Florian in Betracht ziehen, da er in seiner Vergangenheit viele Situationen ( das Beobachten von Geschlechtsvekehr von familienfremden Personen, die Prostitution der Mutter im Elternhaus, den Verlust der Mutter etc.) miterleben musste und schwere Traumatisierungen davon trägt. Durch seine Äußerungen, dass er Todeslisten anlegt und dort verschiedene Personen drauf stehen, die er umbringen möchte und er auch bereits ein Messer hat, womit er diese Tat vollziehen möchte, sehe ich diese Therapie als sehr dringend und notwendig an. Durch seine Äußerungen lässt sich ebenfalls schließen, dass Florians „Über-Ich“ nicht richtig ausgebildet ist, da er kein angmessenes und altersgerechtes moralisches Denken und Gewissen zeigt. Außerdem sollten seine sexuellen Neigungen gegenüber Kleinkindern und älteren Männern von einem Kinderpsychologen in Augenschein genommen werden. 
Neben der Gesamtschule würde ich für Florian wie bereits „Pflanze“ schon geäußert hat ein Internat in Betracht ziehen, welches auf dem Niveau einer Gesamtschule ist und wo eventuell schon die therapeutischen Maßnahmen mit eingebunden sind.

Info Mand: Em/Soz Förderschulen nehmen auch Schüler*innen mit normaler oder sogar überdurchschnittlicher Intelligenz auf.

Stevertroll: Meiner Meinung nach würde ich Florian an eine Gesamtschule unterrichten lassen. Diese Schulform würde meiner Meinung nach am Besten zu Florian passen, jedoch müsste man schauen ob das Jugendamt ihm nicht einen Hilfe für die Bewältigung des Schulalltags zur seite sellt. Desweitern würd ich auch anstreben, dass Florian weitere Hilfen bekommt welche nicht nur das Schulsiche Umfeld betrifft sondern auch das Private.Ich stimme auch „Planze25“ zu welche eine unterbringung in einem Internat angesprochen hat. Hier würde Florian nicht nur individuell gefördert, sondern würde auch Therapeutische hilfe in einem gewohnten Umfeld bekommen.Florian’s „Über-Ich“ scheint noch nicht altersentsprechen ausgeprägt zu sein, da ihm das altersgerechte moralische Denken und Gewissen fehlt. Dieses lässt sich gut an dem Beispiel mit dem Messer erkennen. Auch die sexuellen Neigungen von Florian müssen sowohl beobachtet als auch therapiert werden, da diese nicht nur für ihn sondern auch für andere schädlich ausgehen können.

Mangolassi: Die Frage ist, ob Florian auf eine Förderschule oder auf eine Gesamtschule gehen sollte.Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher. Für eine Förderschule würde sprechen, dass die Lehrer*innen möglicherweise geschulter darin sind, mit Kindern zu arbeiten, die sich nicht normal entwickeln und  auffällig sind. Ich stimme den anderen Beträgen dahingehend zu, dass eine Gesamtschule intellektuell möglicherweise eher auf seinem Niveau wäre und eine Förderschule seine Entwicklung deswegen nicht bessern würde. Andererseits würde ich mir Sorgen machen, ob auf der Gesamtschule mit seinem Verhalten und seiner psychischen Störung umgegangen werden kann. Ich finde ebenfalls die hier genannte Idee eines speziellen Internats oder einer speziellen Einrichtung sinnvoll. Es gibt auch Wohngruppen für Kinder mit psychischen Erkrankungen oder stark auffälligem Verhalten, vielleicht wäre diese in Kombination mit einer Gesamt- oder Förderschule auch keine schlechte Idee. 

Jane: Auch ich finde die Frage schwierig, würde aber aufgrund Florians Verhalten und Vergangenheit eher für die Förderschule tendieren, da auch ich denke, dass die Pädagog*innen dort deutlich geschulter im Umgang mit traumatisierten und verhaltensauffälligen Kindern sind. Zudem sehe ich die Gefahr, dass Florian auf einer regulären Gesamtschule untergehen würde, was den Bedarf an individueller Begleitung betrifft. Zudem ist im Kontext der Förderschulen ein ausreichendes Setting für einen Impulsausbruch vorhanden, sodass adäquat auf seine Schwierigkeiten eingegangen werden könnte. Insgesamt sehe ich Florian dort pädagogisch besser betreut..

Awleei: Das Kind scheint durchaus intelligent zu sein, daher hatte ich zu Beginn eher gedacht, dass es in einer Förderschule möglicherweise unterfordert würde und sich dies möglicherweise negativ auf sein Verhalten auswirken könnte. Nun habe ich Ihren Kommentar zur Aufnahme von Kindern mit (über-)durchschnittlicher Intelligenz an Förderschulen gelesen, was meine Meinung dahingehend ändert, dass dies wohl die richtige Schulform ist. Nicht nur ist eine individuell angepasste Schulbildung generell förderlich, auch stimme ich dem überwiegenden Teil meiner Kommiliton*innen darin zu, dass insbesondere in Anbetracht der pädagogischen Fachkompetenz der Lehrkräfte eine Eingliederung in die Förderschule genau das Richtige wäre. Lehrpersonal an „regulären“ Schulen ist mit solchen Problemfällen häufig schnell überfordert. Es bestünde also die Gefahr, dass das Kind zum Systemsprenger ernannt und aus den Augen verloren würde, statt die Hilfe zu erhalten, die es benötigt.Noch ein Kommentar bzgl. der Sexualität, auch wenn dies hier gar nicht erfragt war: Ich empfehle ich vorerst niederschwellig kritische Reflexion mit einer Person, zu der das Kind vertrauen aufbauen konnte, was die pädophilen Neigungen angeht. Nicht jede Pädophilie äußert sich zwangsläufig in Missbrauch und eine verfrühte Stigmatisierung wäre wohl mehr als schädlich. Sollte es sich aber dennoch absehbar ins Missbräuchliche neigen, wäre therapeutische Hilfe durchaus angebracht. Eine vielversprechende Maßnahme wären Therapiegespräche bei „kein Täter werden“, vorausgesetzt der Wille ist gegeben. Leider gibt es dies jedoch (noch) nicht in der näheren Umgebung.

12. Sitzung

Für die 12. Sitzung habe ich einen Vergleich von zwei Konzepten in der Elternarbeit für Eltern mit auffälligen Kindern vorgesehen. In den Vergleich gehen ein: Das im systemischen Ansatz beheimatete Konzept der Familienklassen und ein verhaltenstherapeutisches Elterntraining. Beide Ansätze haben einige Bedeutung in der Erziehungshilfe. Viele Einrichtungen der Erziehungshilfe sind ziemlich klar an Forderungen der Verhaltenstherapie ausgerichtet. Das hat vor allem damit zu tun, dass Methoden der Verhaltenstherapie nachweislich hoch wirksam sind. Und das ist schon einmal etwas, wenn man mit schwierigen Kindern und Jugendlichen arbeitet. Methoden des systemischen Ansatzes haben bei Kindern und Jugendlichen noch ein Problem in der Wirkungsforschung. Der systemische Ansatz spielt aber in der Lehre der Sozialen Arbeit und auch im Selbstverständnis vieler Sozialarbeiter*innen eine wichtige Rolle.

Familienklassen versus Elterntraining

Tab 11: Annahmen der Lerntheorie nach Myschker, N.: Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Stuttgart 1993, 95 ff
klassische Konditionierung: Stimulus & Response (Pawlow)
Verstärkungslernen (Skinner):
* primäre Verstärker sind mit Trieben, Bedürfnissen & Wünschenverbunden
* sekundäre Verstärker stammen aus Zusammenhängen sozialer
Bedürfnisse (z.B. Lob, Anerkennung usw.)
* positive Verstärker erhöhen durch angenehme Konsequenzen die
Verhaltensrate
* negative Verstärker erhöhen die Verhaltensrate, indem ein
unangenehmer Zustand oder Reiz beendet wirdImitationslernen (Bandura): beobachtete verstärkte Verhaltensweisen werden imitiert
Tab 12: Merkmale von verhaltenstherapeutischen Trainingsprogrammen nach Mand, J.: Lern- und Verhaltensprobleme in der Schule. Stuttgart 2003
Therapievertrag
Verstärkerpläne / Tokensysteme
Selbstinstruktion
Übungen zur Fremd- & Eigenwahrnehmung
Entspannungsübungen
Tab 13: Petermann, F./Petermann, U.: Training mit Jugendlichen, Göttingen 6 2000
Erstkontakt: Ziele: eine Vorstellung über Trainingsablauf & Inhalte, wechselseitige Erwartungen, kontinuierliche Mitarbeit
praktisches Vorgehen: Infos über Wandzeitung & Materialien (Kassettenrekorder), Therapeut erläutert, warum Training wichtig ist, Therapievertrag, Tagebuch, Trainingsmappe
Themenarbeit Beruf & Zukunft: anhand von Cartoons, Absprache einer Regel für die Tagebucharbeit (Ziel: Selbstbeobachtung, Verhalten einüben)
Freizeit & Familie: Tagebuchrückmeldung, unrealistische Vorstellungen über privates Glück anhand Cartoons, Rollenspiel, Beobachtungsaufgabe für Tagebuch
Lebensschicksale & Verantwortung: Tagebuchrückmeldung, Eigenverantwortung anhand von Beispielen des Jugendlichen, Rollenspiel mit Rollentausch anahnd eines Beispiels, Situationsbilder, Tagebuch
Schwierige Situationen und widerstehen lernen: Tagebuchrückmeldung, Sammeln von schwierigen Situationen, Vorteils/Nachteilsliste (104), Tagebuch
Offenes Angebot: Eigenständiges Problemlösen: Tagebuchrückmeldung, Arbeit an eigenen Materialien (z.B. Collage)
Tab 27: Anwendung des systemischen Ansatzes auf die Arbeit mit auffälligen Kindern und Jugendlichen durch Palmowski 1998
Kinder können als Mitglied des Schulsystems Klasse und als Mitglied anderer Systeme verstehen könne. Wichtig ist:das Verhalten einer Person als Ergebnis und Ausdruck situativer Bedingungen,Strukturen und Personen zu betrachtendavon auszugehen, dass Verhalten im Kontext funktional istzu bedenken, dass es einfacher sei, die Situation als die Menschen zu ändern Spielregeln und Regelkreise zu analysieren  Kinder mit Verhaltensproblemen können als Experten zu betrachtet werden, die selber wissen, wie sie am besten lernen 
können. Wichtig ist: 
als Lehrer eine kooperative Arbeitsweise zu entwickeln
sich selbst und anderen gegenüber tolerant zu sein
Tab 28: Regelverständnis in der Arbeit mit verhaltensschwierigen Kindern und Jugendlichen  nach Palmowski 1998
Manchmal ist es möglich, Regeln offen und kooperativ neu zu verhandeln. Palmowksi nennt hierzu als Strategien:  Symptomverschreibung[nicht Palmowskis Begriff], Beispiel: Schulleiter wettet, dass Problemschüler heute wieder dreimal die Klassentüre öffnen wolle (215)Ritualisierumg (215 f) Beispiel: L., die Streittisch einrichtet, an den sie sich mit 
S. setzt, um sich gegenseitig zu beschimpfenRegelveränderung (216) Beispiel: Beratungsstelle, die aushandelt, dass Sohn bei Wutanfällen die Beratungsstelle anrufen sollRegelimport [nicht Palmowskis Begriff] aus einem anderen Kontext  

13. Sitzung

Die 13. Sitzung erklärt, wie die Teilleistung „Literaturrecherche“ in diesem Seminar funktioniert. Eigentlich ist das ganz einfach. Einen Überblick über die Veröffentlichungen in dem für Sie relevanten Bereich verschafft man sich nicht über Google (Problem: Das was Sie vorher gesucht haben, hat Einfluss auf Ihre Treffer) und auch nicht über den Katalog einer Bibliothek Ihrer Wahl (Problem: Keine Bibliothek hält alle Zeitschriften und alle Bücher und dabei ist es vollkommen unerheblich, ob es sich um den Papierbestand oder digitale Quellen handelt; einige Bibliotheken sind in manchen Bereichen einseitig sortiert). Sondern Sie verwenden Fachdatenbanken. Weil die Erziehungshilfe ziemlich psychologisiert ist, spielt Pubpsych.de eine wichtige Rolle. FIS-Bildung.de geht auch. Weil die Zugangsvoraussetzungen hier allerdings niedrig sind, finden Sie allerdings ziemlich viel Abseitiges und auch fakewissenschaftliche Positionen. Sie dokumentieren Ihre Suche (Suchdatum, verwendete Datenbanken, Suchbegriffe, Trefferzahlen) und machen präzise Angaben darüber, mit welchen Auswahlkriterien Sie gearbeitet haben. Dabei sollten diese Angaben mich in die Lage versetzen, zu der gleichen Literaturauswahl zu gelangen wie Sie. Eine gute Auswahlstrategie wäre es z. B. alles zu verwenden, was seit einem bestimmten Zeitpunkt erschienen ist (alle Veröffentlichungen der letzten fünf Jahre, der letzten drei Jahre, des letzten Jahrs – je nach Trefferzah). Es ist unter Pandemiebedingungen in Ordnung, sich auf die frei verfügbaren Datenbanktreffer zu beschränken. Die Teilleistung Literaturrecherche für sich genommen erfordert weder die Beschaffung der jeweiligen Literatur noch die Lektüre dieser Publikationen. Sie erstellen einfach eine Liste von Zeitschriftenbeiträgen und Buchpublikationen, die Sie beschaffen würden, wenn Sie sich mit diesem Thema befassen täten. Schreiben Sie Ihr Portfolio bei mir, ist es aber sinnvoll, Publikationen aus der Literaturrecherche für den Lernbericht zu verwenden.

Teilleistung Literaturrecherche

Hinzu kommt hier noch ein letztes Referat zum Thema „Häusliche Gewalt“:

Referat Häusliche Gewalt

Was ist für bei mir angemeldete Portfolios zu beachten. Ausgangspunkt sollte ein Lernbericht sein. Sie formulieren ein Lernziel, das für Sie ausschlaggebend war, das Modul zu belegen und schreiben eine Erörterung darüber, ob Sie dieses Lernziel erreicht haben bzw. in welcher Hinsicht dies gelungen ist oder eben nicht gelungen ist. Dabei sollten Sie Fachliteratur einbeziehen – wenn Ihnen dies möglich ist z. B. die Publikationen, die Sie in der Teilleistung Literaturrecherche empfohlen haben.

Andere Teilleistungen sind möglich und sinnvoll. Erforderlich sind zwei Teilleistungen plus Lernbericht. Beachten Sie aber, dass Umfang und Anspruchsniveau durchaus einen Einfluss auf die Bewertung haben. Es ist ein Unterschied, ob Sie ein Buch rezensieren (das kann durchaus anspruchsvoll geschehen) oder lediglich berichten wie eine Veranstaltungssitzung via Zoom gelaufen ist (das ist meistens eher wenig anspruchsvoll).

Das Modulhandbuch äußert sich nicht zum Umfang der Portfolios. Meine Bitte wäre entsprechend: Fassen Sie sich kurz. Und meine Bitte äußere ich dabei nicht etwa deshalb, weil ich weniger lesen möchte. Sondern ich weiß, dass es viel schwieriger ist, einen kurzen, prägnanten Text zu schreiben, der auf der Höhe der Fachdiskussion ist, als endlose Seiten ausufernder Zusammenfassungen von Publikationen meist mittelprächtiger Autor*innen.

4 Gedanken zu „Arbeitsfeld Erziehungshilfe (SoSe 2021)“

  1. Planspiel: neues Erziehungshilfesystem für die Bundesrepublik Deutschland

    Sobald ein Kind geboren wird, sollte es grundsätzlich bei den Jugendämtern registriert werden. Daraufhin muss ein Erstkontakt zwischen Eltern und Jugendamt stattfinden, indem sich das Jugendamt vorstellt, Aufgaben/ Fragen/ Hilfen erläutert etc. Zudem könnte ein „Babypaket“ mit der wichtigsten Erstausstattung (wie pflanze25 schon benennt) den Start ins Leben eines Kindes deutlich vereinfachen und einen positiven Kontakt zum Jugendamt fördern.
    Im weiteren Verlauf sollte der Kontakt zwischen Jugendamt und den Eltern möglichst aufrechterhalten werden, indem das Jugendamt bspw. alle paar Monate die Familie besucht und den möglichen Bedarf mit den Eltern abklärt. Zudem muss die Soziale Arbeit allgemein stärker inmitten der Gesellschaft etabliert werden, auch um das Thema Erziehungshilfe zu enttabuisieren. Das könnte erfolgen, indem Angebote der Sozialen Arbeit in Einrichtungen wie Kitas, Schulen, andere Bildungseinrichtungen, Freizeitangebote, Beratungsstellen etc. ausgebaut werden. So können Fachkräfte der Sozialen Arbeit niederschwellig, sowie in vielen Bereichen mit betroffenen Kindern in Kontakt treten und präventiv Hilfe zur Selbsthilfe leisten, die Kinder in ihrer Resilienz stärken etc.

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  2. Planspiel: neues Erziehungshilfesystem für die Bundesrepublik Deutschland

    Ich finde eine möglichst frühe anbindung auch als sehr sinnvoll für ein neues Erziehungshilfesystem in Deutschland. Die Frühen Hilfen wie die Besuche in den Familien mit dem Willkommenspaket, sowie auch die Sozialarbeiter auf den Geburtstationen sollten ausgeweitet werden. Auch müsse man (wie auch schon gegannt) viel mehr niederschwellige Angebote anbieten um alle zu erreichen. Die soziale Arbeit müsste als „normal“ in der Gesellschaft angesehen werden. Außerdem würde mehr Geld für Bildung ausgegeben werden. So das Kinder immer die Möglichkeit haben in der Schule und KiTa an Ausflügen teilzunehmen, essen zu bekommen und Materialien für die Schule zu haben. Auch sollten im Frühkindlichen Bereich mehr finanzeille förderungen stattfinden, z.B Babyschwimmen, Elterkurse, Krabbelgruppen.

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  3. Planspiel: Erziehungshilfesystem

    Die finanziellen Hilfen sollten ausgebaut werden, sodass dem Kind eine des Wohls entsprechende Ausstattung, ermöglicht werden kann. Dies könnte möglicherweise die Eltern ein Stück weit erleichtern und ihnen entgegen kommen.
    Wenn es um die Betreuung von Familien, oder einzelnen Personen geht, schlage ich dauerhafte, feste Bezugspersonen vor. So kann ein Vertrauensverhältnis geschaffen werden, welches von Transparenz und Kommunikation geprägt sein sollte.
    Wie bereits in den vorherigen Kommentaren genannt, plädiere auch ich für eine Verbesserung des Images für Hilfestellen, sodass diese ohne Scham und Zweifel in Anspruch genommen werden können.

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  4. In der Planung eines neuen Erziehungshilfesystems wird zunächst am Ausbau präventiver Maßnahmen angesetzt. Dabei schließe ich mich den Überlegungen von Artischocke 99 an. Im Rahmen der Schulzeit bekommen die SchülerInnen erste „Erziehungsskills“ an die Hand.
    In Zusammenarbeit mit einer Fachkraft aus dem Bereich der Erziehungshilfen und dem Schulsozialarbeiter vor Ort gibt es eine Projektwoche, in der es neben der Vermittlung von theoretischem Wissen (Bindungstheorien etc.) auch um das Erlernen erster praktischer Kompetenzen geht.
    Neben der Begleitung durch eine Hebamme während der Schwangerschaft, gibt es einen kostenlosen aber verpflichtenden Erziehungskurs für werdende Eltern. Die Vermittlung geschieht über die Krankenkassen, die über die Schwangerschaft informiert werden, ebenso wie das zuständige Jugendamt.
    Nach der Geburt des Kindes folgt ein Besuch des Jugendamtes in der Familie, bei dem über alle relevanten Angebote informiert wird. Der Kontakt soll auch dazu dienen, den Erziehungsberechtigten die Unterstützungsmöglichkeiten durch das Jugendamt zu erläutern, sowie einen Blick in die Wohnsituation zu bekommen.
    KiTas, Schulen, Vereine, Kinderärzte und das Jugendamt sind gut miteinander vernetzt.
    Erziehungshilfe ist kein Fremdbegriff, sondern ein leicht zugängliches Angebot, dass in den verschiedenen Bildungseinrichtungen beworben bzw. thematisiert wird.
    Im Zuge der Digitalisierung wird auch dieser Bereich im Rahmen der Erziehungshilfe ausgebaut. Der Zugang zu „ersten Hilfen“ ist digital möglich. Smartphone und digitale Medien sind fester Bestandteil der Lebenswelt an der sich auch die Hilfeplanung orientiert.

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