Arbeitsfeld Erziehungshilfe (SoSe 2021)

Verhaltensauffällig, gestört, dissozial. Das sind drei der wenig freundliche Begriffe, mit denen Adressat/*innen der Erziehungshilfe bedacht werden. Ist sicher nicht immer einfach, mit den Kindern & Jugendlichen aus diesen Verhältnissen zu arbeiten. Kann nicht jede/r. Macht aber zufrieden, wenn´s funktioniert. Die Veranstaltung befasst sich mit theoretischen Konzepten, Entwicklungsmodellen, diagnostischen Methoden und Handlungsstrategien in der Erziehungshilfe.

Familien sind manchmal kein guter Ort für Kinder. Kinder werden von einigen Eltern vernachlässigt, Kinder werden von einigen Eltern geschlagen. Kinder werden von einigen Eltern nicht gegen Missbrauch geschützt. Manchmal sind sogar Eltern diejenigen, von denen der Missbrauch ausgeht. Maßnahmen der Erziehungshilfe sollen die Situation in den Familien verbessern. Sie sollen verhindern, dass Kindeswohlgefährdungen entstehen oder bestehende Kindeswohlgefährdungen unterbinden.

Es gibt sehr unterschiedliche Maßnahmen der Erziehungshilfe. Erziehungsberatungsstellen arbeiten z. B. eher präventiv. Familienhilfe ist normalerweise durchaus mit deutlichen Eingriffen in die Familiensysteme verbunden. Und Pflegefamilien oder Heime sorgen dafür, dass Kinder auch außerhalb ihrer Herkunftsfamilien leben können, wenn dies nicht anders geht. In der Erziehungshilfe sind unterschiedliche Methoden etabliert. Aber man kann im Unterschied zu anderen Arbeitsfeldern festhalten, dass in der Erziehungshilfe Methoden aus der Psychotherapie eine besondere Rolle spielen. Sieht man einmal von der Erziehungsberatung ab, so kann man sogar eine Dominanz einer psychotherapeutischen Schule feststellen. Denn verhaltenstherapeutische Methoden spielen in Einrichtungen der Erziehungshilfe eine besondere Rolle. Schaut man sich die Befunde der Psychotherapieforschung an, so ist das auch keine schlechte Idee. Denn verhaltenstherapeutische Methoden gehören zu den mit Abstand wirksamsten therapeutischen Verfahren. Vielleicht hat die besondere Bedeutung der Verhaltenstherapie auch damit zu tun, dass in vielen Problemfamilien klare Strukturen und verbindliche Regeln eher nicht so verbreitet sind. Und da ist es nachvollziehbar, den Kindern aus diesen Familien das zu geben, was ihnen offensichtlich fehlt.

Dieses Seminar hat vier Teile. Es beginnt mit einigen einleitenden Sitzungen. Hierauf folgt eine Auseinandersetzung mit für die Erziehungshilfe besonders bedeutsamen Entwicklungskonzeptionen. Das Seminar befasst sich in einem dritten Teil mit diagnostischen Fragestellungen. Abschließend stehen Methoden der Erziehungshilfe auf dem Programm.

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung finden Sie Informationen über den Ablauf des Seminars und eine persönliche Vorstellung. Es wird erklärt, wie das Seminar funktioniert und welche Dinge zu beachten sind, falls man sich dazu entschließen sollte, ein Portfolio bei mir zu schreiben. Ein kleines Planspiel (in sehr kurzer Form) bildet den Abschluss des Seminars.

Ad personam

Wie das Seminar funktioniert

Anforderungen für ein Portfolio

Teilleistung Referat

Aufbau des Seminars und Planspiel: Das weltallerbeste Erziehungshilfessystem

pflanze25: Planspiel: neues Erziehungshilfesystem für die Bundesrepublik Deutschland

Um den Start ins Leben eines Kindes zu vereinfachen würde es ein „Babypaket“ mit der wichtigsten Erstausstattung für das Kind unmittelbar nach der Geburt geben. Dies wäre auch der erste (positive) Kontakt zum Jugendamt, bei dem auch Fragen und Hilfen geklärt werden könnten.

Das Image des Jugendamtes/ASD sollte sich verbessern. Die Hilfe und Unterstützung dieser Institution sollte im Vordergrund stehen und nicht die „Wegnahme der Kinder“. Durch Transparenz und Unterstützungsangebote, bei der die Zusammenarbeit mit Familien im Vordergrund steht, könnte dies gelingen. Zudem gibt es in meinem neuen Erziehungshilfesystem Anlaufstellen für junge (werdenden) Eltern und Eltern von jungen Eltern mit Beratungsangeboten, genauso wie für Kinder und Jugendliche mit Drogenabhängigkeit. Diese Beratungsangebote wären niedrigschwellig aufgebaut. Die Arbeit von Sozialarbeitern wird in Grundschulen und folgenden Schulformen wird ausgebaut, um die Prävention von Schieflagen in den Familien zu stärken, und auch die Förderschulen werden nicht weiter abgebaut, da Kinder auf „normalen“ Schulen oft nicht die fachliche Betreuung bekommen, die sie benötigen. Genug Hebammen und Kindergartenplätze wären vorhanden und Vereine würden staatlich unterstützt werden, sodass alle Kinder und Jugendlichen sich frei aussuchen könnten, welchen Sport/ welchen Musikunterricht etc. sie besuchen wollen. Der öffentliche Personennahverkehr wäre für alle Menschen grundsätzlich kostenlos, sodass auch Eltern ohne eigenes Auto ihr Kind problemlos zu Angeboten oder zur Schule bringen können.  

MeerminVanHaarlem: Meine Ideen zur Verbesserung des Erziehungshilfesystems setzen, wie die anderen Beiträge auch, auf eine Verbesserung des Images der Erziehungshilfe. Hilfe wird in der Regel nur dann angenommen, wenn die betroffene Person keine andere Wahl mehr hat und sich einredet sie hätte bei der Erziehung „versagt“. Dieses Denken ist in meinen Augen falsch. Es müsste eine Möglichkeit geschaffen werden, die eine Annahme einer Hilfeleistung als etwas alltägliches etabliert. Jede Familie könnte einmal pro Jahr zu einem Termin mit dem Jugendamt gebeten werden. Bei diesem Termin wird klar und transparent geschildert welche Arbeit geleistet wird und dass die Arbeit nicht aus dem „wegnehmen“ eines Kindes besteht. Es werden Familien eingeladen, welche bereits Hilfe in Anspruch nehmen und anschaulich zeigen womit sie Probleme hatten (oder vielleicht noch haben) und wie diese behandelt werden. Da Menschen sowohl als Eltern als auch als Kinder an diesen Terminen teilnehmen könnte sich eine Selbstverständlichkeit für das in Anspruch nehmen der Hilfen entwickeln. Außerdem empfinde ich es als wichtig, dass in allen Institutionen Menschen arbeiten die entweder selbst für das Jugendamt arbeiten oder (vor allem in Vereinen) im direkten Kontakt mit Mitarbeitenden des Jugendamtes stehen (Aufgabenbereich des Jugendwartes erweitern). Auf diese Weise könnten bereits Kinder eine geringere Hemmschwelle entwickeln und von sich aus auf Probleme in der eigenen Familie aufmerksam machen, weil sie in jedem Bereich ihres Lebens wissen wo, wann und wie sie um Hilfe bitten können.

1 Gedanke zu „Arbeitsfeld Erziehungshilfe (SoSe 2021)“

  1. Planspiel: neues Erziehungshilfesystem für die Bundesrepublik Deutschland

    Sobald ein Kind geboren wird, sollte es grundsätzlich bei den Jugendämtern registriert werden. Daraufhin muss ein Erstkontakt zwischen Eltern und Jugendamt stattfinden, indem sich das Jugendamt vorstellt, Aufgaben/ Fragen/ Hilfen erläutert etc. Zudem könnte ein „Babypaket“ mit der wichtigsten Erstausstattung (wie pflanze25 schon benennt) den Start ins Leben eines Kindes deutlich vereinfachen und einen positiven Kontakt zum Jugendamt fördern.
    Im weiteren Verlauf sollte der Kontakt zwischen Jugendamt und den Eltern möglichst aufrechterhalten werden, indem das Jugendamt bspw. alle paar Monate die Familie besucht und den möglichen Bedarf mit den Eltern abklärt. Zudem muss die Soziale Arbeit allgemein stärker inmitten der Gesellschaft etabliert werden, auch um das Thema Erziehungshilfe zu enttabuisieren. Das könnte erfolgen, indem Angebote der Sozialen Arbeit in Einrichtungen wie Kitas, Schulen, andere Bildungseinrichtungen, Freizeitangebote, Beratungsstellen etc. ausgebaut werden. So können Fachkräfte der Sozialen Arbeit niederschwellig, sowie in vielen Bereichen mit betroffenen Kindern in Kontakt treten und präventiv Hilfe zur Selbsthilfe leisten, die Kinder in ihrer Resilienz stärken etc.

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