Diagnostizieren, etikettieren, stigmatisieren (SoSe 2021)

Achtung: Dies ist eine Unterseite eines Seminars, das ich im Sommersemester 2021 angeboten habe. Aktuelle Seminarunterlagen finden Sie hier also nicht. Die Seite bleibt lediglich zu Dokumentationszwecken online.

Dieses Seminar richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit (Modul 4.4).

Das ist gar nicht so selten, dass Sozialarbeiter/*innen damit konfrontiert sind, dass die Menschen, mit denen sie arbeiten sollen, in Kliniken, Praxen oder Schulen Labels verpasst bekommen. Und diese Labels können ziemlich unerfreuliche Auswirkungen haben. Denn es macht etwas aus, ob man eine Verhaltensstörung attestiert bekommt oder ein Asperger Syndrom. Wer als lernbehindert eingestuft wird, für den bleibt nur ein Leben am Rande der Gesellschaft – Legastheniker können alles werden. Und auch die anderen Kategorien von Boderline bis zu Wahrnehmungsstörungen haben z. T. gravierende Auswirkungen. Das Seminar erklärt deshalb, wie solche Diagnosen fallen. Es stellt einige Testverfahren vor und erklärt, worauf man achten muss, wenn man für die Rechte seiner Adressat/*innen eintreten will. 

Das Seminar ist wie folgt aufgebaut: Um die diagnostische Arbeit von Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen und Förderschullehrer*innen besser zu verstehen, braucht es zunächst einige Basics der diagnostischen Arbeit. Hört sich vielleicht auf den ersten Blick etwas kompliziert an. Ist es aber nicht. Ich erkläre schon seit vielen Jahren Studierenden der Heilpädagogik und neuerdings auch Studierenden der Elementarpädagogik, worauf sie in Sachen Diagnostik achten müssen. Warum sollte das also nicht im Studiengang Soziale Arbeit funktionieren? Im zweiten Teil der Veranstaltungen geht es Sitzung für Sitzung um psychische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen oder Behinderungen, mit denen man in der Sozialen Arbeit konfrontiert ist.

Lehrziel der Veranstaltung ist dabei nicht etwa, Sie zu befähigen, selbst Testverfahren durchzuführen. Mir ist es aber wichtig, dass Sie verstehen, was die anderen Professionen da treiben. Sie sollten z. B. am Ende des Semesters in der Lage sein, gute und schlechte Testverfahren von einander zu unterscheiden. Und Sie sollten faire und unfaire Testverfahren erkennen können. Denn dies könnte dabei helfen, Adressat*innen beizustehen, die sagen wir z. B. mit Diagnostizierenden konfrontiert sind, die eigenen Interessen folgen oder schlicht und einfach nach fortgeschrittener Berufspraxis in Sachen Diagnostik nicht mehr ganz up to date sind.

Diese Veranstaltung ist asynchron organisiert. D.h.: Sie finden spätestens an dem Tag, an dem das Seminar hätte stattfinden sollen, wenn ein Präsenzstudium möglich gewesen wäre, Audiodateien und manchmal auch weitere Unterlagen auf dieser Homepage. Dieses Seminar verwendet auch Tabellen und Abbildungen der Diagnostik-Materialsammlung (unter: Materialien für die Lehre). Auf einige Inhalte greife ich einfach in mehreren Seminaren zurück. Und da ist es einfacher eine Materialsammlung zu haben, als auf jeder Unterseite die gleichen Abbildungen mehrfach zu verwenden.

Informationen zur modulabschließende Prüfung

Sie können gerne Ihre Modulabschießende Prüfung bei mir anmelden. Grundsätzlich gilt: Studierende, die sich an meinem Seminar beteiligen, können auch bei mir eine Hausarbeit schreiben oder ein Referat halten. Es gibt in Modul 4.4 zwei Optionen: Sie können ein Referat halten oder Sie können eine Hausarbeit schreiben. Für das Referat bieten sich vor allem die Sitzungen über psychische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen oder Behinderungen an. Sie stellen – nach Absprache ein Problem vor, berichten z. B. wie man in der diagnostischen Arbeit vorgeht und stellt die wichtigsten Therapiemethoden vor. Für ein Referat benötige ich eine Audiodatei mit dem Referat (mp3) und eine Präsentationsdatei (bitte als pdf exportieren). Am Tag des Referats lade ich dann beides auf meiner Homepage hoch, so Sie mir einen Nickname mitteilen. Es wäre also hilfreich, wenn Sie mir zwei Fassungen Ihres Referats zukommen lassen: eine anonyme (für die Homepage) und eine namentlich gekennzeichnete (für das Prüfungsamt).

Sollten Sie sich für eine Hausarbeit entscheiden, so muss die Arbeit in diesem Modul spätestens am 16.8.2021 um 23.59 Uhr bei mir als E-Mail-Anhang eingegangen sein. Eine Abgabe in Papier ist nur notwendig, wenn Sie sich im dritten Versuch befinden. Bitte nehmen Sie in diesem Fall unbedingt frühzeitig Kontakt mit mir auf. Alle anderen sind gebeten, mir spätestens zum genannten Zeitpunkt ein pdf mit der Hausarbeit zukommen zu lassen. Bitte verwenden Sie in diesem Fall nur eine Datei pro Anlass und benennen diese mit Ihrem Nachnamen. Ich bestätige dann normalerweise innerhalb einiger Stunden den Eingang Ihrer Arbeit, zumindest dann, wenn Ihr Account genügend Speicherplatz aufweist, um meine Antwort auch entgegenzunehmen. Finde ich auf der Titelseite Ihrer Arbeit zudem einen Nickname, so gehe ich davon aus, dass Sie Ihre Note Anfang September unter Verwendung Ihres Nicknames auf meiner Homepage veröffentlicht sehen wollen.

Hausarbeiten können sich auf alle Inhalte des Moduls beziehen, also z. B. auch auf das Thema Gesundheit, Diversity, Inklusion usw. Dabei gibt es mindestens zwei Möglichkeiten, eine Hausarbeit zu schreiben: Sie können erstens eine klassische Hausarbeit verfassen. Es ist aber auch möglich, eine diagnostische Hausarbeit zu schreiben,

Eine klassische Hausarbeit umfasst normalerweise: Einleitung mit Fragestellung und Angaben zur Recherche in Fachdatenbanken, Darstellung des Stands der Theoriediskussion und Forschung, Antwort). Sie sollten dabei darauf achten, dass Ihre Arbeit interpretative Anteile enthält. Nur zusammenfassen, was andere geschrieben haben, reicht also nicht für eine sehr gute Arbeit.

Eine diagnostische Hausarbeit stellt ein Problem eines Ihrer Adressat*innen in den Mittelpunkt. Es ist im Studiengang Soziale Arbeit allerdings nicht möglich, selbst einen Test durchzuführen. Sondern in diagnostischen Hausarbeiten geht es um qualitative Diagnostik. Eine diagnostische Hausarbeit umfasst normalerweise:

(1) Eine Einleitung mit Nennung des Problems (auf das sich Ihre Arbeit bezieht), Angaben darüber, woher Sie den Klienten kennen und Angaben zur Recherche in Fachdatenbanken
(2) Eine Anamnese (Beschreibung der Klientin/des Klienten, Zusammentragen von Informationen, die bedeutsam sind, um das Problem zu verstehen)
(3) Einen Theorieteil (fasst Positionen zusammen, die es in der Literatur zum Problem gibt)
(4) Einen Methodenteil (beschreibt Methoden, die in der Literatur bezogen auf das Problem diskutiert werden)
(5) Und eine Diskussion (Erarbeitet einen Vorschlag, welche Methoden zum Einsatz kommen sollten.

Bitte achten Sie darauf, dass Sie Ihre Hausarbeit vollständig anonymisieren (Keine Namen, keine Namen von Institutionen, keine Ortsangaben).

In beiden Hausarbeitstypen ist es mir wichtig, dass Sie nachvollziehbar machen, wie Sie bei der Recherche vorgegangen sind (Suchbegriffe, Suchdatum, Trefferzahlen, Auswahlkriterien). Wie das funktioniert mit der Datenbankrecherche ist Gegenstand der vorletzten oder vielleicht auch letzten Sitzung dieses Seminars. Derzeit sieht es ja nicht danach aus, als wäre die Pandemie bis Juli besiegt. Es ist deshalb möglich, Ihre Literaturauswahl auf Datenbanktreffer zu beschränken, die im Internet frei verfügbar sind. Dies schränkt allerdings Ihre Themenauswahl u. U. deutlich ein. Wer das nicht will, sollte frühzeitig aktiv werden und z. B. die Fernleihe-Funktion der Hochschulbibliothek oder Literaturbeschaffungsdienste wie subtio verwenden. Dann ist das Themenspektrum Ihrer Hausarbeit deutlich größer. Wenn Sie frühzeitig beginnen wollen, ist es auch möglich, die podcasts aus dem letzten Semester anzuhören (z. B. des Seminars „Forschen über Inklusion“).

Socke12: Diagnostische Kriterien von ADHS Die drei Hauptsymptome von ADHS:

– Hyperaktivität z. B übersteigerter Bewegungsdrang
– Unaufmerksamkeit z. B gestörte Konzentrationsfähigkeit – Impulsivität z. B unüberlegtes Handeln

Nicht jedes unruhiges Kind leidet gleich unter ADHD, deswegen ist es wichtig, dass in der Diagnostik und Behandlung eine erfahrene Fachkraft (Arzt oder Psychotherapeut) Untersuchungen und Beobachtungen über einen längeren Zeitraum (mind. 6 Monate) in verschiedenen Lebensbereichen des Kindes durchführt.

(vgl. Bundesministerium für Gesundheit, 2018)

Da es sich bei ADHS um ein komorbides Störungsbild handelt, ist es möglich, dass ADHS von Symptomen, wie Beispielsweise Verhaltensstörungen, Affektive Störungen oder Lernschwierigkeiten begleitet wird.

(vgl. Brandau & Kaschnitz (2013): ADHS im Jugendalter, S.21)

Welche ist die wichtigste Therapeutische Intervention bei ADHS?

  • –  Unterstützend multimodales Setting: Psychotherapie, Lern- und soziales Training
  • –  Psychotherapie: Verhaltenstherapie mit Selbstinstruktionstraining und Änderung desVerhaltens mit Selbstmanagement

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung finden Sie zunächst eine kurze persönliche Vorstellung, damit Sie wissen, mit wem Sie es in den nächsten Wochen zu tun haben. Es folgt eine Begrüßung mit einigen weiteren, wichtigen Informationen zum Seminar und den ersten inhaltlichen Aufgaben. Ich füge zusätzlich noch einen podcast zum Thema Hausarbeiten hinzu – so Sie bei mir eine Hausarbeit schreiben wollen.

ad personam

Begruessung

Hausarbeiten

Pflanze 25: Aufgabe: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS? Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?


Auf der Seite der Bundesärztekammer konnte ich die Grundmerkmale herausfinden:

– Störung der Aufmerksamkeit mit Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen und die Tendenz, Tätigkeiten zu wechseln, bevor sie zu Ende gebracht wurden.

– Unruhiges Verhalten insbesondere mit Unfähigkeit, stillsitzen zu können.

– Impulsivität z. B. mit abrupten motorischen und / oder verbalen Aktionen, die nicht in

den sozialen Kontext passenDabei muss die Störung bereits vor dem sechsten Jahr begonnen haben und mindestens 6 Monate lang andauern.Hierzu wird noch angegeben, dass ADHS nur dann diagnostiziert werden sollte, wenn bei starker Ausprägung ein Missverhältnis zu Entwicklungsalter und Intelligenz besteht.

Im ICD-10 wird dazu noch angeführt, dass die notwendigen Hauptsymptome für eine Diagnose Aufmerksamkeit und Überaktivität sind und diese in mehreren Situationen vorkommen sollten. Andere Störungen wie Lernstörungen und motorische Ungeschicklichkeit können dabei ebenfalls auftreten, sollten aber getrennt diagnostiziert werden.Kinder die noch nicht im Schulalter sind, sollten nur mit ADHS diagnostiziert werden, wenn eine extreme Ausprägung der Störung vorhanden ist.Vgl.: F90.0

Bei der Auswahl der Therapie sollten persönliche Faktoren (z. B. Leidensdruck), Umgebungsfaktoren, der Schweregrad der Störung sowie der koexistierenden Störung sowie die Teilhabe berücksichtigt werden.Es wird ein individueller Behandlungsplan erstellt, der Patient und Angehörige werden über die Störung aufgeklärt und Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt.

Bei Kindern vor dem Alter von sechs Jahren soll primär psychosozial (einschließlich psychotherapeutisch) interveniert werden.Die medikamentöse Behandlung entscheidet sich nach dem Schweregrad der Störung. Der Schweregrad wird folgendermaßen unterschieden:Leichtgradig: wenig bis keine Symptome, nur geringfügige Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Kontexten.Mittelgradig: es besteht eine deutliche funktionelle Beeinträchtigung oder es treten starke Symptome auf.Schwergradig: die Symptome sind stark ausgeprägt und die Symptome beeinträchtigen die soziale, schulische oder berufliche Funktionsfähigkeit in erheblichem Ausmaß.

Berti:

1. Diagnostische Kriterien von ADHS

Nach dem ICD-10 und DSM-IV müssen die Störungen der Aufmerksamkeit (Unaufmerksamkeit, der Aktivität (Hyperaktivität) und der Impulsivität über einen Zeitraum von über 6 Monaten in einem hohen Ausmaß und in mehreren Lebensbereichen auftreten, um eine ADHS zu diagnostizieren. Nach dem ICD-10 treten die Störungen meist vor dem 6. Lebensjahr auf.

Die Hauptsymptome von ADHS sind also:

– Unaufmerksamkeit: z.B. das häufige Vergessen von Aufgaben, leichte Ablenkbarkeit durch äußere Reize (Licht, Geräusche, Bewegungen), Schwierigkeiten sich auf eine Sache zu konzentrieren,

– Hyperaktivität: z.B. Unruhe, häufiges Zappeln und aufstehen 

Impulsivität: z.B. schwache Impulskontrolle, häufiges ins Wort fallen, Schwierigkeiten zuzuhören

(vgl. Brandau & Kaschnitz (2013): ADHS im Jugendalter, S. 23ff.)

Nach der Bundesärztekammer soll ADHS nur diagnostiziert werden, wenn die Störungen stark ausgeprägt sind und ein Missverhältnis zu Entwicklungsalter und Intelligenz besteht.

2. Wichtigste therapeutische Interventionen bei ADHS

Es gibt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten für ADHS. Bei der Auswahl der geeigneten Interventionen sollten persönliche Faktoren (z.B. Leidensdruck), Umgebungsfaktoren, der Schweregrad der Störungen, mögliche koexistierende Störungen und die Teilhabe einbezogen werden. Dabei können mehrere Interventionen, je nach Situation des Betroffenen, kombiniert werden.

Eine grundlegende Psychoedukation, d.h. die Aufklärung der betroffenen Person und ihrer Bezugspersonen (Eltern, Lehrer*innen) über das individuelle Störungsbild und Behandlungsmöglichkeiten von ADHS, wird immer vorweg empfohlen.

ADHS kann grundsätzlich psychotherapeutisch (Verhaltenstherapie, psychosoziale Maßnahmen) und medikamentösbehandelt werden. Kinder unter sechs Jahren wird sollten vorrangig psychosozial behandelt werden. Ob eine medikamentöse Therapie in Frage kommt, hängt maßgeblich von dem Schweregrad der Störung ab.

(vgl. Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, S. 17ff.)

Baum13: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?

ADHS zeichnet sich durch drei Kernsymptome aus:

  • –  eine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung)
  • –  der mangelnden Impulskontrolle (Impulsivität) und
  • –  der erhöhten Aktivität (Hyperaktivität)Abgrenzend zu altersgemäßen Verhaltensweisen treten die Verhaltensauffälligkeiten bei einem ADHS- Kind immer sehr ausgeprägt, früh in der Entwicklung, gewöhnlich in den ersten sieben Lebensjahren, in mindestens zwei Lebensbereichen (z.B. Familie und Kindergarten/Schule) und über mehr als sechs Monate gemeinsam auf.ADHS kann sich unterschiedlich darstellen und ist nicht bei allen Patientinnen und Patienten gleich stark ausgeprägt. In Deutschland werden hierfür die Kriterien des US-amerikanischen System (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) zugrunde gelegt:
  • –  vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ (Aufmerksamkeitsstörung ist wenig manifestiert, der „Zappelphilipp“)
  • –  vorwiegend unaufmerksamer Typ (Hyperaktivität ist wenig ausgeprägt, die „Träumerle“, auch als ADS bezeichnet)
  • –  Der Mischtyp, welcher alle drei Hauptsymptome etwa gleich stark aufweist

    Wichtig für die Diagnose ADHS sind:
  • –  Eine umfangreiche Anamnese, Erfragung der Familiengeschichte und Abklärung familiärer Vorbelastung
  • –  Eine umfassende körperliche und neurologische Untersuchung (Bewegungskoordination, Sehen, Hören sowie EEG/ EKG, Blutuntersuchungen, Abklärung der Schilddrüsenwerte
  • –  Testpsychologische Untersuchungen wie z.B. Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests, Überprüfung schulischer Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen, Untersuchung der emotionalen und sozialen Entwicklung
  • –  Verhaltensbeobachtungen und -bewertung- dazu gehören Verhaltensbeschreibungen unterschiedlicher Personen möglichst aus Alltagssituationen von z.B. Eltern, Verwandten, Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern, Kinderärztinnen und -ärzten, Freundinnen und Freunden etc., evtl. Videoaufzeichnungen von Alltagssituationen, Feststellen von Stärken/Kompetenzen und Schwächen/DefizitenWas sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?Die besten Erfolge erzielt meist ein Gesamtbehandlungssystem, ein so genanntes multimodales Konzept, wobei unterschiedliche Therapiemaßnahmen (psychosoziale, pädagogische, psychotherapeutische und medikamentöse Maßnahmen) als Bausteine eingesetzt werden.Die Behandlung sollte individuell angepasst werden und das soziale Umfeld mit eingebunden werden. Wichtig ist allerdings auch, dass im Verlauf der Therapie die Behandlung regelmäßig beurteilt wird, um Therapien anpassen zu können, wie z.B.:
  • –  Entwicklung der Kernsymptome Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und Hyperaktivität
  • –  Schulische Leistung und Verhalten in der Schule
  • –  Emotionale Entwicklung (Pubertät)
  • –  Beziehung zu Gleichaltrigen/ familiäre Beziehung /Freizeitaktivitäten
  • –  Kontrolle der Medikation (Wachstum)

Teddybär: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?:

Zunächst muss erwähnt werden, dass es zwei Arten von Klassifikationssysteme gibt, welche bei ADHS herangezogen werden können: Einerseits der ICD-10 der WHO sowie der DSM IV der APA (American Psychiatric Association), die sich beide in einigen Punkten unterscheiden.

Nach dem ICD-10 müssen folgende sieben Fälle über den Zeitraum X gegeben sein, dass auf ADHS geschlossen werden kann.

  1. Unaufmerksamkeit (untergliedert in sieben Symptome; sechs von diesen müssen mindestens sechs Monate lang bei einer Person auftreten und Entwicklungsstand untypisch sein)
  2. Überaktivität (untergliedert in fünf Symptome; drei von diesen müssen mindestens sechs Monate lang bei einer Person auftreten und Entwicklungsstand untypisch sein)
  3.  Impulsivität (untergliedert in vier Symptome; eins von diesen muss mindestens sechs Monate lang bei einer Person auftreten und Entwicklungsstand untypisch sein)
  4. Beginn vor dem siebten Lebensjahr
  5. Nr. 1 (bis/und/oder) 3 sollten ortsunabhängig zeitgleich auftreten
  6. Nr. 1 (bis/und/oder) 3 beeinträchtigen das Leben immens
  7. Das Verhalten ist inkompatibel mit einer möglichen Entwicklungsstörung, einermanischen oder depressiven Episode sowie einer Angststörung

Nach dem DSM IV müssen folgende (mindestens) sechs Fälle über den Zeitraum X gegeben sein, dass auf ADHS geschlossen werden kann:

  1. Entweder A.1 Unaufmerksamkeit (in neun Symptome untergliedert, wovon mindestens sechs über einen Zeitraum von sechs Monaten präsent sein müssen und dem Entwicklungsstand der Person nicht entsprechen)
  2. Und/Oder A.2 Hyperaktivität/Impulsivität (in insgesamt neun Symptome untergliedert, wovon mindestens sechs über einen Zeitraum von sechs Monaten präsent sein müssen und dem Entwicklungsstand der Person nicht entsprechen)
  3.  Einige der Symptome von Nr.1 und Nr.2 treten vor dem siebten Lebensjahr auf.
  4. Die Beeinträchtigungen finden ortsunabhängig statt
  5. Deutliche Hinweise auf eine Beeinträchtigung des Individuums in Lebensbereichen
  6. Die Symptome sind nicht unbedingt Teil einer anderen psychischen Erkrankungen.

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Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?:

Es gibt verschiedene therapeutische Möglichkeiten im Umgang mit ADHS, welche ich im Folgenden kurz erläutern werde:

  1. Psychoedukation und Psychotherapie:
    →Psychoedukation umfasst kurzgesagt einerseits die erzieherischer Beratung der Eltern zur Handhabung des Kindes und andererseits das Vermitteln der festgestellten Erkenntnissen und die entsprechenden Folgen der Erkenntnisse für die Personen und Angehörige.
    →Die Psychotherapie wird hierbei meisten mit einem verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt initiiert und zielen primär auf ein Kind ab, während Eltern oder Erwachsene durch spezielle Trainings ebenso für die Thematik sensibilisiert werden. Interventionen in Institutionen der betroffenen Personen sind zudem auch möglich.
  2. Medikamentöse Behandlung:
    →Als erste Wahl werden hier Stimulanzien gewählt, da diese eine nachgewiesene Effektivität aufweisen. Als zweite Wahl wird auf Atomoxetin zurückgegriffen. Zudem gibt es Medikamente dritter Wahl, welche benutzt werden, wenn diese aus erster und zweiter Wahl nicht den erhofften Erfolg verursachten.
  3. Apparative Behandlungsmöglichkeiten:
    →Hierunter wird das sogenannte „Neurofeedback“ gezählt. Einfach ausgedrückt werden hierbei Gehirnströme mithilfe elektronischer Hilfsmittel dargestellt und analysiert, was eine Grundlage für weitere Behandlungswege bietet.
  4. Nicht-evidenzbasierte Methoden: →Hierunter fallen exemplarisch:
    – Psychodynamische Interventionen – Ergotherapie
    – Homöopathie
    – Diäten
  5. Selbsthilfegruppen:
    →Es gibt eine aktive Selbsthilfegruppe in Deutschland, welche zunächst als Ort des

Austausches für Eltern gedacht war, die jedoch später für alle von ADHS betroffene Menschen eine Hilfestelle wurde. Eine engmaschige Betreuung von Einrichtungen, in welchen sich Menschen mit einer ADHS Diagnose befinden, wird durch involvierte Personen wie Therapeut*innen, Ärzt*innen und weiteren gewährleistet.

(vgl. Vorstand der Bundesärztekammer 2005: Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung /ADHS)“ – Langfassung – )

Austausches für Eltern gedacht war, die jedoch später für alle von ADHS betroffene Menschen eine Hilfestelle wurde. Eine engmaschige Betreuung von Einrichtungen, in welchen sich Menschen mit einer ADHS Diagnose befinden, wird durch involvierte Personen wie Therapeut*innen, Ärzt*innen und weiteren gewährleistet.

(vgl. Vorstand der Bundesärztekammer 2005: Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung /ADHS)“ – Langfassung – ).

mkpwlk98: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?  Um eine ADHS Diagnose vergeben zu können, müssen die Symptome von Hyperaktivität, Impulsivität und / oder Unaufmerksamkeit die Kriterien von ICD-10 oder DSM-5 erfüllen. Die dafür genannten Kriterien des ICD 10, werden unten aufgelistet. 

ICD 10 F90- Hyperkinetische Störungen: 

charakterisiert durch:

  • einen frühen Beginn (erste fünf Lebensjahren)
  • einen Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz verlangen 
  • eine Tendenz, von einer Tätigkeit zu einer anderen zu wechseln, ohne etwas zu Ende zu bringen
  • desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende Aktivität
  • Verschiedene andere Auffälligkeiten können zusätzlich vorliegen 
  • oft achtlos und impulsiv
  • neigen zu Unfällen 
  • Beziehung zu Erwachsenen ist oft von einer Distanzstörung, einem Mangel an normaler Vorsicht und Zurückhaltung geprägt
  • anderen Kindern sind sie unbeliebt (können isoliert sein)
  • Beeinträchtigung kognitiver Funktionen ist häufig
  • spezifische Verzögerungen der motorischen und sprachlichen Entwicklung kommen 

Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?

Die drei wichtigsten Säulen derADHS -Behandlung sind: 

  1. pädagogische Maßnahmen (Eltern-, Lehrertraining) 
  1. Psycho-/Verhaltenstherapie
  2. Psychoedukation und Psychotherapie 
  3. Psychoedukation 
  4. Psychotherapie
  5. Stimulanzientherapie 
  6. Nicht-Stimulanzien-Therapie
  1. Einsatz von Medikamenten

(Zu einer medikamentöse Behandlung ist jedoch nicht immer zu raten, bei Kindern unter 3 Jahren ist definitiv davon abzuraten und auch bei Kindern unter 6 Jahren soll vorwiegend therapeutisch behandelt werden) 

(Quellen: „Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend-, und Erwachsenenalter) 

ADHS

Diagnostische Kriterien:

  • Beginn meist in den ersten 5 Lebensjahren
  • Mangelnde Ausdauer bei Tätigkeiten, die kognitiven Aufwand benötigen
  • Wechseln der Beschäftigungen, ohne diese zu beenden
  • Wenig regulierte, überreichliche Aktivität
  • Achtlosigkeit
  • Impulsivität
  • Mangel an Zurückhaltung und Vorsicht in der Beziehung zu Erwachsenen
  • Häufige Beeinträchtigung in den kognitiven Fähigkeiten
  • Häufig Verzögerungen in motorischen und/oder sprachlichen Bereichen
  • Ausprägung der Symptome in mehreren Situationen (z.B. Zuhause und in der Schule)
  • Dauer der Symptome länger als 6 Monate
  • Symptome verursachen Beeinträchtigungen im sozialen, schulischen und/oder beruflichem Kontext
  • Tiefgreifende Entwicklungsstörungen sind ausgeschlossen

Therapeutische Interventionen:

  • Psychoedukation des oder der Betroffenen, der Sorgeberechtigten, der Bezugspersonen
  • Psychotherapie v. a. verhaltenstherapeutische Interventionen, Eltern-Trainings
  • Medikamentöse Behandlung (wenn Psychoedukation und -therapie nicht möglich oder in einer bestimmten Frist nicht hilfreich war):
  • Stimulanzien (1. Wahl)
  • Atomoxetin
  • Trizyklische Antidepressiva
  • Clonidin

Quellen: 

DIMDI (2018): F90: Hyperkinetische Störungen.

BUNDESÄRZTEKAMMER (2005): Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“ – Langfassung.

Thema: ADHS

Aufgabe: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?

Kernsymptome für F 90.1 nach ICD – 10

  • Aufmerksamkeits-Defizit (äußert sich z.B. durch):
    • Häufig unaufmerksam
    • Schwierigkeiten Tätigkeiten und Aufgaben zu organisieren/ strukturieren
    • Leicht ablenkbar durch äußere Reize
    • Häufige Vergesslichkeit bei Alltagstätigkeiten
    • Verliert/ verlegt Gegenstände
  • Impulsivität (äußert sich z.B. durch):
    • Ungeduldig 
      • Kind kann schlecht warten, bis es an der Reihe ist
      • Stört andere häufig z.B. bei Spielen
    • Redet häufig übermäßig viel 
      • Wartet nicht ab, bis die Frage fertig stellt ist 
      • Unterbricht andere häufig
  • Hyperaktivität (äußert sich z.B. durch):
    • Aufstehen/ umhergehen (wenn sitzen erwartet wird)
    • Kein ruhiges sitzen (zappeln mit Händen und Füßen; hin und her „rutschen“)
    • Schwierigkeiten ruhig zu spielen/ zu beschäftigen (exzessive motorische Aktivitäten)

Zusatzkriterien:

  • Symptome treten in mehreren Lebenskontexten auf
  • erste Auffälligkeiten i.d.R. vor dem 7. Lebensjahr
  • längere Beobachtung notwendig (min. 6 Monate)

Diagnostikebenen:

Vielschichtige Diagnostik bestehend aus vier Ebenen die alle miteinbezogen werden müssen.

Kind

  • Aufmerksamkeitstest
  • Intelligenztest
  • Selbsteinschätzung
  • Klinische Studie

Eltern/ Familie

  • Anamnese
  • Elterneinschätzung/Urteil

Schule

  • Lehrereinschätzung/Urteil (ggf. auch mit Einbeziehung von Erzieher*innen in der OGS)

Soziales Umfeld / Freizeit

  • Erfassung der Freizeitaktivitäten

Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen?

Die Interventionsebenen müssen so vielfältig sein wie die Diagnostikebene. Alle Beteiligte benötigen Informationen und ggf. Beratung (z.B. die Eltern in Form eines Elterntrainings oder die Lehrer*innen wie eine gute (Um-) Gestaltung des Unterrichtes und des Lernumfeldes aussehen kann).
Mögliche therapeutische Intervention beim Kind könnte z.B. Verhaltens- und Konzentrationstraining und/ oder eine medikamentöse Therapie sein. Besonders für Kinder mit ADHS sind gleichbleibende Rituale und feste Strukturen im Alltag, der Schule und bei der Freizeitgestaltung hilfreich und wichtig.

Hegel

Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?
ADHS gilt als Entwicklungsstörung und wird nach dem ICD-10 (F.90) bezeichnet als hyperkinetische Störung  und nach dem DSM-IV als Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bezeichnet. Die in der Kindheit beginnende Störung zeichnet sich vor allem durch die Symptome Impulsivität, Unruhe und Unaufmerksamkeit aus. Diese müssen für die Diagnose mindestens über 6 Monate kontinuierlich und in verschiedenen Lebenssituationen auftreten. Um als Störung diagnostiziert zu werden, muss aus den Symptomen eine Funktionsbeeinträchtigung in mehreren Lebensbereichen resultieren. Andere mögliche oder bestehende Krankheitsbilder gilt es zu berücksichtigen. Die Diagnose kann im Kindes-, Jugend oder Erwachsenenalter durch einen Facharzt der Psychiatrie oder Neurologie als auch durch einen (Kinder- und Jugend-) Psychologen oder Psychotherapeuten erfolgen.Neben der Anamnese, der physischen und der psychologischen Untersuchung gehört eine Verhaltensbeobachtung zum diagnostischen Verfahren. 

Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?
– Psychoedukation.
– Gezielte (Psycho- oder Gruppen-) Therapie.- Insbesondere im Kinder- und Jugendbereich ist es wichtig das Umfeld mit einzubeziehen, Bezugspersonen bei Bedarf zu schulen sowie Ressourcen zu prüfen, um diese bestmöglich zu nutzen.-Individuelle Förderungsmöglichkeiten (bspw. Konzentrations- und Lerntrainings) bei Bedarf etablieren.- Medikamentöse Unterstützung (nur in schweren Fällen, frühestens ab dem 6. Lebensjahr).
(Quellen: DIMDI (2018)/WHO. ICD-10 F.90; Bundesärztekammer. Stellungnahme […] ADHS (2005).; Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend-, und Erwachsenenalter )

4nn_h: Diagnostische Kriterien von ADHS:

Nach DSM IV müssen für die Diagnose ADHS folgende Kriterien vorliegen:

– Unaufmerksamkeit

– Hyperaktivität und Impulsivität

– die Symptome müssen bereits im Kindesalter auftreten

– die Verhaltensauffälligkeit wurde über sechs Monate beobachtet

– das Verhalten wird in mehr als einer Umgebung beobachtet 

– es müssen Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsbereichen vorhanden sein

– die Symptome können nicht mit einer anderen psychischen Störung erklärt werden

Was ist die wichtigste therapeutische Intervention bei ADHS?:

Je nach Erscheinungsbild, Schweregrad und Art der Begleitstörungen und dem Ausmaß der Beeinträchtigungen kommen für eine Therapie psychosoziale, pädagogische, psychotherapeutische und medikamentöse Maßnahmen in Frage. Entscheidend ist es, die Behandlung individuell anzupassen. 

Multimodales Behandlungskonzept:

Die Eltern und ab dem Schulalter wenden die Betroffenen selbst über die Entstehung, die Krankheitsanzeichen, den vermutlichen Verlauf sowie die Behandlungsmöglichkeiten informiert. Bei der Beratung der Eltern werden außerdem individuelle familiäre Bedingungen und Belastungen berücksichtigt. Betroffene ältere Kinder werden zur Selbstbeobachtung und Selbststeuerung angeleitet. 

Maßnahmen:

– Elterntraining/Interventionen in der Familie, zur Verminderung der hyperkinetischen und aggressiven Symptomatik

– Interventionen im Kindergarten/der Schule, zur Reduktion hyperkinetischer und aggressiver Verhaltensauffälligkeiten in der Kita/Schule

– Verhaltenstherapie des Betroffenen (auf das Alter des Kindes abgestimmt), zur Verminderung von impulsiven und unorganisierten Aufgabenlösungen oder zur Anleitung des Betroffenen im Umgang mit Problemverhalten

– Medikamentöse Therapie zur Verminderung der typischen Symptome in der Schule, der Familie oder in anderer Umgebung 

Nickname: Marvin Becker: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS? 
ADHS kann durch verschiedene Klassifikationssysteme diagnostiziert werden. Nach der ICD-10 sind das folgende Kriterien (gelistet unter F90.- Hyperkinetische Störungen):

  • früher Beginn (innerhalb der ersten fünf Lebensjahre)
  • Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz verlangen 
  • Tendenz, zwischen Tätigkeit zu wechseln, ohne diese abzuschließen
  • desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende Aktivität
  • zusätzlich können andere Auffälligkeiten vorliegen 
  • Verhalten oft achtlos und impulsiv
  • erhöhtes Unfallrisiko 
  • Beziehung zu Erwachsenen sind oft geprägt von: Distanzstörungen, Mangel an normaler Vorsicht, Zurückhaltung
  • bei anderen Kindern oft unbeliebt (können daher Isolation erfahren)
  • häufig Beeinträchtigung kognitiver Funktionen
  • überproportional oft spezifische Verzögerungen der motorischen und sprachlichen Entwicklung

Quelle: BUNDESINSTITUT FÜR ARZNEIMITTEL UND MEDIZINPRODUKTE (BfArM) (Hrsg.) (2020): ICD-10-GM Version 2021. Systematisches Verzeichnis. Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. 10. Revision. Köln: BfArM, S.197.

Die Aufmerksamkeit des Kindes kann zusätzlich anhand der ICF weiter klassifiziert werden (gelistet unter b140 Funktionen der Aufmerksamkeit):

  • b1400 Daueraufmerksamkeit
  • b1401 Wechsel oder Lenkung der Aufmerksamkeit
  • b1402 geteilte Aufmerksamkeit
  • b1403 mit anderen geteilte Aufmerksamkeit
  • b1408 Funktionen der Aufmerksamkeit, anders bezeichnet
  • b1409 Funktionen der Aufmerksamkeit, nicht näher bezeichnet

Quelle: DEUTSCHES INSTITUT FÜR MEDIZINISCHE DOKUMENTATION UND INFORMATION (DIMDI) (Hrsg.) (2005): Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit. Stand Oktober 2005. Genf: World Health Organisation (WHO), S.55.

MarSo97:

Diagnostische Kriterien von ADHS

Nach dem ICD gibt es drei Kernsymptome, nach denen ADHS diagnostiziert wird: Unaufmerksamkeit, Über- bzw. Hyperaktivität und Impulsivität. 

Eine Aufmerksamkeitsstörung muss durch mindestens sechs Kriterien erfüllt sein, darunter zählen beispielsweise: 

  • leichte Ablenkung durch äußere Reize
  • häufige Vergesslichkeit bei Alltagstätigkeiten
  • Schwierigkeiten, längere Zeit die Aufmerksamkeit bei Aufgaben/ Spielen aufrechtzuerhalten

Für eine Über- bzw. Hyperaktivität müssen mindestens drei Kriterien gegeben sein, diese können sein:

  • Häufiges Zappeln/ motorische Unruhe mit Händen und Füßen
  • Schwierigkeiten, ruhig zu spielen bzw. sich ruhig zu beschäftigen
  • Häufiges Handeln, als wäre er/sie von „getrieben

Die Impulsivität besteht, wenn mindestens ein Kriterium erfüllt ist, darunter zählen z.B.: 

  • Extreme Ungeduld
  • Er/Sie unterbricht oder stört andere beim Spielen oder Unterhaltungen
  • Er/Sie redet häufig übermäßig viel und unangemessen

Sind die oben genannten Kriterien erfüllt, wird eine Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) bzw. Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens (HKS) diagnostiziert. Zudem müssen diese Anzeichen bis zum Beginn des 7. Lebensjahres aufgefallen sein und in verschiedenen Situationen aufgetreten sein. 

Vgl. Diagnose-Checkliste DCL-ADHS und Diagnose nach ICD-10 auf „zentrales-adhs-netz“; ICD 10 F90.1.

Wichtigste therapeutische Interventionen bei ADHS

ADHS lässt sich gut behandeln, ist jedoch nicht heilbar. Eine Kombination aus verschiedenen Therapieansätzen wird empfohlen, diese sind vor allem:

  • Situationsanalyse und Benennung von Zielen
  • Verbesserung der äußeren Bedingungen, wie z.B. Reizreduktionen
  • Elternberatung/-training
  • Therapeutische Maßnahmen, wie z.B. Verhaltenstherapie, medikamentöse Einstellung, Psychotherapie
  • Ergänzende Behandlung von begleitenden Störungen, z.B. Lernschwierigkeiten, Grobmotorik, Depressionen, Aggressivität

Vgl. ADHS Infoportal der Uniklinik Köln: „Welche Beratungsmöglichkeiten gibt es?“

Biene:

Diagnostische Kriterien von ADHS

Nach dem ICD-10 und dem DSM-VI ist ADHS durch eine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung/Ablenkbarkeit), der Impulskontrolle (Impulsivität) und der Aktivität (Hyperaktivität) gekennzeichnet, welche über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten vorhanden sein müssen (vergl. Döpfner u.a. 2013, S. 13). Dies tritt bereits vor dem Alter von sechs Jahren auf und treten in mehreren Situationen und Lebensbereichen auf. 

Die Hauptsymptome ADHS sind folgende:

  • Unaufmerksamkeit
  • Hyperaktivität
  • Impulsivität

Nach dem ICD-10 liegt eine Einfache Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörung vor, wenn die 3 Hauptsymptome (Aufmerksamkeitsstörung, Hyperaktivität, Impulsivität) situationsübergreifend auftreten. Liegt eine zusätzliche Störung des Sozialverhaltens vor, so spricht das ICD-10 von einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens.

Das DSM-VI unterscheidet in verschiedene Typen einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen:

  • Ein „Mischtyp“ liegt vor, wenn eine Aufmerksamkeitsstörung und eine Hyperaktivität / Impulsivität situationsübergreifend vorliegen und alle Symptome etwa gleich stark ausgeprägt sind.
  • Ein „vorwiegend unaufmerksamer Typ“ liegt vor, wenn auch eine Aufmerksamkeitsstörung und eine Hyperaktivität / Impulsivität situationsübergreifend vorliegen. Hierbei ist die Hyperaktivität bzw. Impulsivität meist wenig ausgeprägt.
  • Ein „vorwiegend hyperaktiv- impulsiver Typ“ liegt vor, wenn auch hier eine Aufmerksamkeitsstörung und eine Hyperaktivität / Impulsivität situationsübergreifend vorliegen. Diesbezüglich ist die Aufmerksamkeitsstörung weniger ausgeprägt.

Wichtigste therapeutische Interventionen bei ADHS

Für ADHS sind die Behandlungsmöglichkeiten vielfältig. „Bei der Auswahl der Therapie sollten persönliche Faktoren (z. B. Leidensdruck), Umgebungsfaktoren, der Schweregrad der Störung sowie der koexistierenden Störung sowie die Teilhabe berücksichtigt werden“ (Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“ o.D., S.17). Hierbei können mehrere Interventionen kombiniert werden. Grundsätzlich sollte eine Psychoedukation erfolgen, um die betroffene Person und ihre Bezugsgruppe über ADHS aufzuklären (vergl. ebd.). Grundsätzlich kann ADHS medikamentös und psychotherapeutisch behandelt werden (vergl. ebd., S.18). Bei Kindern unter sechs Jahren wird eine vorrangige psychosoziale Behandlung empfohlen (vergl. ebd.). Ob eine medikamentöse Behandlung erfolgt und in welcher Intensivität dies geschieht, ist von der Schwere des ADHS abhängig (vergl. ebd.).

Speziell bei Kindern wird ein multiperspektivisches Vorgehen empfohlen:

  1. Es werden die Perspektiven und Standpunkte aller Betroffenen und der verschiedenen Experten wie Puzzleteile ganzheitlich zusammengefügt und auf die Unterschiede, Passungen und Gemeinsamkeiten hin verglichen,
  2. Es werden besonders auch die Ressourcen der Familie und Kompetenzen der Betroffenen fokussiert,
  3. Die Familie und das Kind werden in ihren sozialräumlichen Netzwerkbezügen wahrgenommen, 
  4. Diagnosen werden als vorläufige Arbeitshypothesen aufgefasst, die durch weitere Beobachtungen im Prozess wieder verändert werden können, 
  5. Bestimmte Probleme der Betroffenen können nur in einer interdisziplinären Kooperation gut gelöst werden, 
  6. Besonders die Aspekte der alltäglichen Lebenswelt, der sozialen Integration und der konkreten Lebensbewältigung stehen im Vordergrund (Brandau u.a. 2014, S.174).

Quellen:

Brandau, Hannes / Petris, Manfred / Kaschnitz, Wolfgang (2014): ADHS bei Klein- und Vorschulkindern. 3. aktual. Aufl. München: Ernst Reinhardt.

Döpfner, Manfred / Frölich, Jan / Lehmkuhl, Gerd (2013): Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS). 2. überarb. Aufl. Göttingen: Hogrefe.

Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“ (o.D.) (Quelle: awmf org)

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Die Abkürzung ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Dahinter verbirgt sich eine der häufigsten psychischen Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen. Man nimmt an, dass etwa 2 bis 6 Prozent aller Kinder und Jugendlichen unter krankhaften Störungen der Aufmerksamkeit und an motorischer Unruhe leiden.

Charakteristisch für ADHS sind folgende drei Hauptsymptome: • Hyperaktivität(übersteigerterBewegungsdrang)
• Unaufmerksamkeit(gestörteKonzentrationsfähigkeit)
• Impulsivität(unüberlegtesHandeln)

Die einzelnen Symptome können jedoch unterschiedlich stark ausgeprägt sein und müssen nicht immer alle gleichzeitig auftreten. So vielfältig wie die Ausprägungen der Aufmerksamkeitsdefizit- Hyperaktivitätsstörung, so bunt sind auch die Bezeichnungen dafür.

Allerdings leidet nicht jedes unruhige oder unaufmerksame Kind gleich unter ADHS. Ob wirklich eine krankhafte Störung vorliegt, kann nur ein in der Diagnostik und Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Verhaltensauffälligkeiten erfahrener Arzt oder Psychotherapeut nach einer differenzierten Untersuchung feststellen. Dabei gilt insbesondere: Die Auffälligkeiten müssen über einen längeren Zeitraum (mindestens sechs Monate) und in verschiedenen Lebensbereichen des Kindes (Familie, Schule und Freizeit) auftreten, damit man wirklich von ADHS sprechen kann.

(Quelle:https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/praevention/kindergesundheit/auf merksamkeitsdefizitsyndrom.html)

ADHS-Diagnostik: Methoden

Zur Diagnose von ADHS werden verschieden Verfahren herangezogen. Dazu zählen:

  • Anamnese (Gespräch zur Erhebung der Krankheitsgeschichte) Mögliche Fragen sind z. B.
    • WannsinddieSymptome(Konzentrationsstörungen,Impulsivität,Hyperaktivität) erstmals aufgetreten?
    • InwelchenLebensbereichenzeigensichAuswirkungenderADHS-Symptome?
    • SindpsychiatrischeErkrankungenbekannt?
    • NehmenSieMedikamenteein?
  • Spezifische ADHS-Diagnostik
    In der Regel werden spezielle ADHS-Fragebögen als Basis der Diagnostik genutzt. Sie helfen dem Patienten dabei, seine Symptome besser einschätzen zu können.
  • Körperliche Untersuchung (zum Ausschluss anderer Grunderkrankungen) z. B. Untersuchung der Schilddrüse, Erhebung der Blutwerte, EKG
  • Gespräche mit Bezugspersonen
    Arzt-Gespräch mit dem Partner sowie mit einer Bezugsperson aus der Kindheit (oft werden entsprechende Symptome selbst nicht mehr erinnert, aber andere können Besonderheiten noch gut beschreiben); auch ein Blick auf Grundschulzeugnisse ist oft hilfreich.
  • Durchführung von speziellen Tests
    Ermittlung der kognitiven Leistungsfähigkeit und AufmerksamkeitsleistungIm Rahmen der ADHS-Diagnostik ist es darüber hinaus wichtig, andere seelische Erkrankungen wie z. B. Depressionen oder Suchterkrankungen als Ursache auszuschließen. Mitunter kann aber auch ADHS mit einer weiteren seelischen Erkrankung einhergehen. Für eine individuell passende Behandlung ist es unverzichtbar, dass alle ursächlichen Faktoren erkannt und in den Behandlungsplan miteinbezogen werden.

Sonja: Diagnostische Kriterien von ADHS:-> ADHS zeigt sich durch drei Hauptsymptome1. Hyperaktivität (übersteigerter Bewegungsdrang)2. Unaufmerksamkeit (gestörte Konzentrationsfähigkeit)3. Impulsivität (unüberlegtes Handeln)-> Symptome müssen mindestens 6 Monate und in verschiedenen Lebensbereichen aufgetreten sein, um ADHS zu diagnostizieren
(Quelle: Bundesministerium für Gesundheit)
Therapeutische Interventionsmöglichkeiten:-> multimodale Therapien: meist eine Kombination verschiedener therapeutischer Interventionen nötigPharmakotherapie: Es werden Medikamente (wie Ritalin) eingenommenPsychoedukation: Betroffene werden über ADHS aufgeklärt und beratenSelbstmanagement: Betroffene lernen Möglichkeiten Copingstrategien um im Alltag mit ihrer Krankheit umzugehenNeurofeedback: Steuerung der eigenen Hirnfrequenzen wird gelernt, um Aufmerksamkeit zu steigern
(Quelle: Steinhausen (2009): Handbuch ADHS)

kathi94: 1. Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?Die Klassifizierung findet nach dem ICD-10 und DSM-IV statt.- Routinediagnostik: Eigen- und Familienanamnese, körperliche und neurologische Diagnostik, Entwicklungsstatus- neuropsychologische Testverfahren: Leistungstests, Konzentrationstests, Testung von Teilleistungsschwächen- Verhaltensbeobachtung
Hauptkennzeichen: – Unaufmerksamkeit: schnell ablenken lassen oder Lust verlieren, Erklärungen können nur schwer verfolgt werden- Unruhe: nicht still sitzen zu können, über Stühle und Tische klettern- Impulsivität: Reaktionen unkontrolliert oder spontan, nicht warten können–> eine Mindestanzahl von Anzeichen in den Bereichen Unruhe, Impulsivität und Unaufmerksamkeit muss über mindestens einem Zeitraum über sechs Monate vorhanden sein
– Probleme begannen vor dem 7.Lebensjahr- Anzeichen zeigen sich in mehreren Situationen: Schule, Arbeit, Elternhaus etc. – es liegen keine anderen seelischen Erkrankungen vor, die das Verhalten erklären würde
2. Was sind therapeutische Interventionen bei ADHS?- Beratung: für Eltern, Betroffene, Schulen, Kindergärten um die Erkrankung besser verstehen zu können – Eltern-/Erzieher-/Lehrertraining: ebenfalls um ein Verständnis zu fördern und zu befähigen helfen zu können
– Verhaltenstherapie und Psychoedukation: Betroffene und Familien erlernen Techniken um das Verhalten besser steuern oder verändern zu können und den Alltag besser meistern zu können- Medikamente: Stimulanzien z.B. Methylphenidat- in der Regel findet die Behandlung ambulant statt
Quelle: AWMF online – Portal der wissenschaftlichen Medizin

Anka13: ADHS

1. Diagnostische Kriterien von ADHS

Nach den international gebräuchlichen Klassifikationssystemen der ICD-10 oder DSM-V sind Hyperaktivität (z.B. unruhiges zappeln mit Händen und Füßen, stets in Bewegung ist, auch in „unpassenden“ Situationen), Impulsivität (z.B. häufiges Unterbrechen, Schwierigkeiten zu warten) und Unaufmerksamkeit (z.B. Flüchtigkeitsfehler in der Schule etc., Schwierigkeiten beim Zuhören, Organisieren, Tätigkeiten zu Ende zu führen, längere Konzentration), die Kernsymptome einer Aufmerksamkeits- /Hyperaktivitätsstörung. Um die Diagnosestellung zu rechtfertigen müssen die Symptome deutlich stärker ausgeprägt sein, als dies bei Kindern gleichen Alters üblicherweise der Fall ist.

Diagnostik: Wird vom einem Kinderarzt, einem Kinder- und Jugendpsychiater oder klinischen Psychologen erstellt. Es erfolgt eine Beurteilung der psychopathologischen Symptome aus der Anamnese mit den Eltern, Beobachtung des Verhaltens des Kindes, die Bestimmung des Fähigkeitenprofils des Kindes sowie die Einschätzung seiner sozialen Beziehungen und Entwicklungsbedingungen. Auch die Lehrer_innen und Erzieher_innen sollten befragt werden. Auch gibt es neuropsychologische Testverfahren.

„Nach ICD-Kriterien müssen mindestens sechs Anzeichen von Unaufmerksamkeit und drei Anzeichen von Hyperaktivität und ein Anzeichen von Impulsivität bestehen und diese Anzeichen schon vor dem siebten Geburtstag aufgefallen sind.

Nach dem DSM wird eine ADHS-Diagnose bereits gestellt, wenn mindestens sechs Anzeichen von Unaufmerksamkeit oder mindestens sechs Anzeichen von Hyperaktivität und Impulsivität bestehen und diese Anzeichen schon vor dem zwölften Geburtstag aufgefallen sind.

Sowohl die ICD- als auch die DSM-Kriterien setzen für eine Diagnose zudem voraus, dass die Verhaltensauffälligkeit über mindestens sechs Monate beobachtet wurde, das Verhalten in mehr als einer Umgebung beobachtet wurde, etwa in der Schule und zu Hause, das Verhalten den Alltag sehr beeinträchtigt, zum Beispiel die schulische Leistung, das Familienleben oder Freundschaften darunter leiden, und andere psychische Erkrankungen als Ursachen für das auffällige Verhalten ausgeschlossen wurden.“ https://www.gesundheitsinformation de/adhs-wie-wird- die-diagnose-gestellt html

Anzeichen für die Ausbildung von ADHS sind schon früh zu erkennen. Dazu gehören: extreme Reaktivität auf Reize und negative Emotionalität als Temperamentsmerkmal im Säuglingsalter, Regulationsstörungen im Säuglingsalter (z.B. exzessives Weinen, Schlaf- oder Fütterungsstörungen), erhöhte motorische Unruhe und Irritierbarkeit im Alter von zwei Jahren, Schwierigkeiten bei der Selbstregulation und Kontrolle über impulsive Reaktionen sowie Spielunlust im frühen Kindesalter.

2. Therapeutische Interventionen

Stets sollte ein individueller Interventionsplan ausgearbeitet werden und es sollte eine positive Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Kooperationspartner (Eltern, Kinderarzt, Lehrkräfte, externe Fachkräfte) erfolgen.

Folgende therapeutische Interventionen wären möglich:

  • Verhaltenstherapie für die Familie, das Kind und die Schulsituation
  • Elternberatung bzw. Begleitung und Unterstützung
  • Physiotherapie
  • Beschäftigungs- bzw. Spieltherapie
  • Medikamentöse Therapie Literatur:

• SARIMSKI, Klaus (2019): Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten in der Kita. Praxis- know-how für Fachkräfte. 1. Aufl. München: Ernst Reinhardt Verlag.

• https://www.gesundheitsinformation de/adhs-wie-wird-die-diagnose-gestellt.html

1) Diagnostische Kriterien von ADHS

Diagnose-Checkliste nach ICD-10 und DSM-IV

Zusatzkriterien:

  • Symptome vor dem 7. Lebensjahr
  • Symptomausprägung in mehr als einer Situation 
  • Symptome verursachen Leiden/Beeinträchtigung in

Aufmerksamkeitsstörungen: 

  • Schwierigkeiten länger die Aufmerksamkeit auf eine Tätigkeit zu erhalten
  • Einzelheiten werden nicht beachtet, Flüchtigkeitsfehler
  • Schwierigkeiten beim Zuhören
  • Aufgaben/ Aufträge werden nicht bis zum Ende durchgeführt
  • Schwierigkeiten Aufgaben/Aktivitäten zu organisieren
  • Vermeidung bzw. Abneigung von Aufgaben, welche geistige Anstrengungen erfordern
  • Verliert Gegenstände
  • leicht Ablenkbar durch äußere Reize
  • Vergesslichkeit bei Alltagstätigkeiten

Überaktivität:

  • häufiges Zappeln mit Händen und Füßen
  • langes Sitzenbleiben fällt schwer (Schule, Arbeit)
  • häufiges unpassendes herumlaufen oder klettern; bei Erwachsenen anhaltendes Unruhegefühl
  • Schwierigkeiten sich mit Freizeitaktivitäten ruhig zu beschäftigen
  • exzessive motorische Aktivität, welche nur schwer zu beeinflussen ist
  • „getriebenes“ Verhalten

Impulsivität:

  • Antworten platzen heraus, bevor Frage zu Ende gestellt wurde
  • geringe Geduld, Warten ist unerträglich
  • Unterbricht oder stört andere
  • übermäßiges Reden, keine angemessene Reaktion auf soziale Beschränkungen
    (Quelle: zentrales-adhs-netz de)

2) Therapeutische Interventionen

Multimodales Behandlungskonzept und Therapieziel bei ADHS

  • Behandlungskonzept individuell anpassen
  • näheres soziales Umfeld aufklären und in pädagogische Maßnahmen mit einbeziehen → Familie, Erzieher/ Lehrer, Verwandte, Freunde
  • Maßnahmen:

→ Elterntraining/ Interventionen in der Familie zur Verminderung hyperkinetischen und aggressiven Symptomatik

→ Interventionen im Kita/ Schule zur Reduktion hyperkinetischer und aggressiver Verhaltensauffälligkeiten in der entsprechenden Einrichtung

→ Verhaltenstherapie des K/J zur Verminderung von impulsiven und unorganisierten Reaktionen = Selbstinstruktionstraining; Anleitung des K/J beim Umgang mit Problemverhalten = Selbstmanagement

→ Medikamentöse Therapie zur Verminderung ADHS-Symptomen in Schule, Familie oder anderen Lebensbereichen (selten unter 6 Jahren)

Quelle: neurologen-und-psychiater-im-netz org

Zweite Sitzung

Die zweite Sitzung macht bekannt mit zwei theoretischen Konzepten, die für das Seminar bedeutsam sind: mit der Stigmatheorie und mit dem Etikettierungsansatz. Beide Konzepte stammen aus den 1960er Jahren. Aber es ist wirklich instruktiv, um zu verstehen, was passieren kann, wenn Diagnosen leichtfertig vergeben werden, sei es aufgrund von schlechter diagnostischer Ausbildung oder sei es, weil die Institutionen, für die Diagnostiker*innen arbeiten, Klienten brauchen.

Stigmatisieren und Etikettieren

Tab 60: Symbolischer Interaktionismus
Die Rezeption des Symbolischen Interaktionismus beginnt in der BRD in den 70er Jahren, also in einer Phase, in der marxistische Positionen in ihrer Bedeutung abnehmen.Wichtige Vertreter sind Herbert Blumer und Erving Goffman. Viele Autor/*innen des S.I. berufen sich zudem auf George Herbert Mead Der S.I. spielt in der Sozialen Arbeit bzw. in behindertenpädagogischen Disziplinen eine wichtige Rolle für das Verständnis und die Kritik von Sondereinrichtungen bzw. er hat einige Bedeutung in der frühen Psychiatriekritik.-+Der S.I. wird u.a. auch deshalb zur wichtigen Bezugstheorie der neu entstehenden Integrationspädagogik, weil man glaubt, durch einen frühen und positiv besetzten Kontakt Stigmatisierungsvorgänge vermeiden zu können. Der S.I. hat vor allem in den 70er und 80er Jahren einigen Einfluss auf die wissenschaftliche Diskussion und Forschung genommen. Heute ist der Einfluss nur noch gering. 
Tabelle 61 Positionen von George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft (zuerst englisch 1934)
Mead untersucht u.a. Interaktion und Verstehen unter Menschen.
Bekannt geworden ist Geist, Identität und Gesellschaft vor allem durch seine Thesen zur Identität und zum Fremdverstehen. 
Grundgedanke ist die Überlegung, dass Identität entsteht, indem man sich aus der Perspektive anderer wahrnimmt. Diesen Mechanismus nennt Mead „role-taking“, ein Konzept, das später von Piaget und Nachfolgern wieder aufgegriffen wird und in heutigen Zusamenhängen unter dem Bergriff theory of mind diskutiert wird.
Role-Tanking funktioniert bei Mead nicht nur in Bezug auf konkrete andere. Sondern Menschen können sich selbst auch aus der Perspektive von sozialen Gruppen wahrnehmen oder noch allgemeiner aus der Perspektive des „Verallgemeinerten anderen“. 
Identität umfasst dabei einerseits die tatsächlich gesprochenen Worte und Emotionen (Mead bezeichnet diesen Teil der Identität als „I“) und andererseits die organsierte Gruppe anderer (Mead prägt hierfür den Begriff „me“).
Tab 62: Blumer, Der methodologische Standort des S. I.
drei Prämissen:
1. Menschen handeln Dingen gegenüber auf der Grundlage von Bedeutungen, die diese Dinge für sie besitzen
2. Die Bedeutung der Dinge geht aus sozialer Interaktion hervor.
3. Bedeutungen ergeben sich für eine Person durch die Art und Weise, in der andere Menschen ihr gegenüber in Bezug auf dieses Ding handeln. Bedeutungen sind also soziale Produkte.
Tab 4: Identität & Stigma nach Goffman (1962)
virtuale soziale Identität als das, was andere von uns erwarten 
aktuale soziale Identität als das, was wir wirklich sind 
Stigmatisierung als Diskrepanz zwischen aktualer & virtualer sozialer Identität (bei diskreditierenden Erwartungen anderer) 
3 Arten von Stigmata: Abscheulichkeiten des Körpers, individuelle Charakterfehler, phylogenetische Stigmata (Rasse, Nation, Religion) 
Tab 5: Auswirkungen des Stigmas auf die Interaktion nach Goffman (1962)
Stimatisierte
unsicher, weil sie spüren, dass das Stigma wahrgenommen wird 
Gefühl nicht zu wissen, was andere denken
defensives Sichverkriechen oder feindselige Kontakte 
Normale
Antizipation der Probleme so tun, als gebe es das Stigma nicht so tun, als sei der Stigmatisierte ein Niemand 
Tab 59: Howard S. Becker (1963)
Abweichendes Verhalten setzt Regeln voraus, deren Verletzung abweichendes Verhalten konstituiert.Diese Regeln werden durchgesetzt, wenn die Durchsetzer darin einen Vorteil sehen. Die Durchsetzung/ das Aufzwingen von diesen Regeln basiert auf Macht und Stellung.Etikettierung umfasst als Prozess
einen Verstoß gegen eine Regel
die (öffentliche) Definition dieses Regelverstoßes als abweichendes Verhalten
die Chancenreduzierung des Etikettierten
die Übernahme der Fremddefinition
als Folge: eine deviante Karriere


Mangolassi: Frage: Wie kann das Konzept ,Hochbegabung` vom Konzept ,Verhaltensstörung` unterschieden werden? Sind Hochbegabte verhaltensgestört und Verhaltensgestörte hochbegabt?

Antwort: Dazu habe ich recherchiert, dass Hochbegabung eine Fähigkeit zu außergewöhnlichen oder besonderen Leistungen in einem oder mehreren Bereichen umfasst (vgl. Heller 2000). Es gibt eine Diagnostik, um Hochbegabung zu identifizieren und entsprechende Fördermaßnahmen herauszufinden (ebd.). 

Eine Verhaltensstörung bezeichnet ein von der Norm abweichendes Verhalten (vgl. Langner 2009). Im ICD-10 sind unter ,,Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend„ (vgl. ICD-10-GM-2021) von F90 bis F98 unter anderem Störungen des Sozialverhaltens (F91), emotionale Störungen (F93) oder die Hyperkinetische Störung (F90), die häufig ADHS genannt wird, gelistet. 

Der Zusammenhang zwischen den beiden Konzepten besteht darin, dass viele Kinder aufgrund der Hochbegabung ein Verhalten zeigen, welches als abweichend bewertet wird (vgl. Liebert-Cop und Zirbes-Domke 2019). Das Verhalten kann beispielsweise Unruhe sein, soziale Zurückgezogenheit oder Aggression. Aufgrund dessen kommt es zu Fehldiagnosen und eine Hochbegabung wird fälschlicherweise als Verhaltensstörung diagnostiziert (ebd.). Das hat dann negative Folgen für die diagnostizierten Kinder oder Jugendlichen, denn ihr eigentliches Bedürfnis wird nicht erfüllt, sondern stattdessen bekommen sie Therapie, Medikation oder Bildungsangebote, die für sie gar nicht passend sind (ebd.).

Literaturangabe: 

Heller, Kurt A. (2000): Hochbegabung. In: Lexikon der Psychologie (Spektrum de) 

Langer, Anke (2009):  Verhaltensauffälligkeit – Verhaltensstörung. In: Inklusion-Lexikon de

Liebert-Cop, Inga und Zirbes-Domke, Suzana (2019): Die vier häufigsten psychischen Fehldiagnosen bei hochbegabten Kindern (Teil 1) – Kriterien, Abgrenzungen, Umgang in der Praxis. In: Wissenschaft & Forschung (dghk de)

(Sonja) Hochbegabung und Verhaltensstörung: Unterschiede/ Ähnlichkeiten:

Hochbegabte Kinder fallen oft durch eine Verhaltensstörung auf. Dies kann das diagnostizieren einer Hochbegabung erschweren, da sie nicht immer parallel zum auffälligen Verhalten herausstehende/ gute Schulleistungen abliefern. Besonders die Verwechslung mit ADHS oder Asperger Syndrom liegt nahe. Hochbegabte Kinder können Schwierigkeiten aufweisen, im Unterricht aufmerksam zu sein, was sich auch in einem ausgeprägten Bewegungsdrang widerspiegelt. Da dies für ADHS übliche Charakteristiken sind, kann es hier zu einer Fehldiagnose kommen. Auch weisen hochbegabte Kinder häufige ähnliche Charakteristika zu Kinder mit dem Aspergersyndrom. Zu den Charakteristiken zählen unter anderem ein gutes Gedächtnis, ein breiter Wortschatz und ein außergewöhnlicher Humor. Nicht alle hochbegabten Kinder zeigen jedoch auch auffällige Verhaltensweisen. In dem Fall wird teilweise von „High Performern“ gesprochen.

Da viele hochbegabte Kinder Verhaltensauffälligkeiten zeigen kann es zu Fehldiagnosen kommen. Letztendlich schließt eine Hochbegabung jedoch auch keine Zweitdiagnose (zum Beispiel mit ADHS) aus. Grundsätzlich ist festzustellen, dass viel hochbegabte Kinder Verhaltensstörungen aufweisen.

(Gauck (2016): Potenzialentwicklung. Begabungsförderung. Bildung der Vielfalt)

LNH: Aufgabe 20.04.2021 (Hochbegabung und Verhaltensstörung): 

Welche Unterscheidungen gibt es zwischen den Konzepten der „Hochbegabung“ und der „Verhaltensstörung“? Sind Hochbegabte verhaltensgestört und/oder sind Verhaltensgestörte hochbegabt? 

  • Der Begriff der Begabung bezieht sich auf „das leistungsbezogene Entwicklungspotenzial eines Menschen“ (Preckel & Vock 2020). Demzufolge lässt sich für den Begriff der Hochbegabung eine extrem hohe bzw. überdurchschnittliche Ausprägung dieser leistungsbezogenen Fähigkeiten ableiten, welche sich i.d.R. auf einen oder mehrere Leistungsbereiche (z.B. Musik, Mathematik, Sport, o.ä.) beziehen (vgl. Preckel & Vock 2020). Eine Hochbegabung wird zudem mit einer extrem hohen Intelligenz gleichgesetzt, wodurch Personen mit einem Intelligenzquotienten über 130 eine Hochbegabung zugesprochen werden kann (vgl. Preckel & Baudson 2013).
  • Der Begriff der Verhaltensstörung wird verwandt, wenn Personen über einen längeren Zeitraum hinweg abweichende Verhaltensweisen, welche an undefinierbare Bedingungen geknüpft sind, aufzeigen und aus diesen längerfristige individuelle sowie soziale Beeinträchtigung für das Leben und die Entwicklung resultieren können (vgl. Myschker & Stein 2018).
  • Im Kontext Schule zeigen Kinder und Jugendliche, welche hochbegabt sind, häufig Verhaltensweisen, welche als von der Norm abweichend bewertet werden. Hierzu zählen bspw. eine erhöhte Reizbarkeit, Antriebslosigkeit oder eine verminderte Konzentrationsfähigkeit. Diese Verhaltensweisen werden häufig mit sozialen oder psychischen Störungen in Verbindung gesetzt und nicht im Kontext der tatsächlichen, leistungsbezogenen Unterforderungen innerhalb der Schulalltages betrachtet. Durch Fehldiagnosen, welche aus den vermeintlichen sozial-emotionalen Verhaltensstörungen resultieren, ergeben sich letztlich vermeintliche Krankheitsbilder, Therapie und/oder medikamentöse Einstellungen, welche das Verhalten zu verbessern suchen. In derartigen Fällen bleiben jedoch die tatsächlichen, adäquaten Interventionen aus, wodurch das eigentlich hohe Potential der betroffenen Kinder und Jugendliche unberücksichtigt bleibt (vgl. Liebert-Cop & Zirbes-Domke 2019). 

LIEBERT-COP, Inga / ZIRBES-DOMKE, Suzana (2019): Die vier häufigsten psychischen Fehldiagnosen bei hochbegabten Kindern (Teil 1). Kriterien, Abgrenzungen, Umgang in der Praxis. 

MYSCHKER, Norbert / STEIN, Roland (2018): Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Erscheinungsformen – Ursachen – Hilfreiche Maßnahmen. 8. Aktual. Auflage. Stuttgart: Kohlhammer. 

PRECKEL, Franzis / BAUDSON, Tanja Gabriele (2013): Hochbegabung. München: Verlag C. H. Beck. 

PRECKEL, Franzis / VOCK, Miriam (2020): Hochbegabung. Ein Lehrbuch für Grundlagen, Diagnostik und Fördermöglichkeiten. Göttingen: Hogrefe Verlag.

HermineGranger: Hochbegabung und Verhaltensstörung

Als hochbegabt gelten Menschen ab einem IQ von 130 (Brackmann 2020). Dies zeigt sich in verschiedenen Formen, wie der intellektuellen, künstlerischen, sozial-emotionalen oder psychomotorischen Hochbegabung (ebd.). Oftmals wird die Hochbegabung mit Störungen verwechselt, die ähnliche Verhaltensweisen aufweisen, zum Beispiel ADHS, dem Asperger-Syndrom oder Zwangsstörungen (Zirbes-Domke & Liebert-Cop 2016). Das liegt beispielsweise an dem hohen Perfektionismus und erhöhter Sensitivität in bestimmten Bereichen von hochbegabten Menschen (Zirbes-Domke & Liebert-Cop 2018).

Nach dem ICD-10 sind Verhaltensstörungen mit Beginn in Kindheit und Jugend (F90-F98) insbesondere Hyperkinetische Störungen, Störungen des Sozialverhaltens, Emotionale Störungen, Störungen der sozialen Funktionen und Ticstörungen (DIMDI 2018). Dementsprechend sind diese Störungen auf Normabweichungen in bestimmten Verhaltensbereichen zurückzuführen. 

Betrachtet man die Definitionen von Hochbegabung und Verhaltensstörungen lässt sich feststellen, dass nicht jede_r Hochbegabte_r eine ausgeprägte Abweichung des Normverhaltens aufweist. Ebenso lässt sich nicht jede Abweichung des Verhaltens auf eine Hochbegabung zurückführen. Somit ist nicht jede_r Hochbegabte_r verhaltensgestört und auch nicht jede_r Verhaltensgestörte_r ist hochbegabt. Es kann jedoch vorkommen, dass beide Diagnosen koexistieren (Zirbes-Domke & Liebert-Cop 2018).

Quellen: 

BRACKMANN, Andrea (2020): Extrem begabt. Die Persönlichkeitsstruktur von Höchstbegabten und Genies. Stuttgart: Klett-Cotta. 

DIMDI: DEUTSCHES INSTITUT FÜR MEDIZINISCHE DOKUMENTATION UND INFORMATION (2018): Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (F90-F98). Köln: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. 

ZIRBES-DOMKE, Suzana / LIEBERT-COP, Inga (2016): Initiative zur Verringerung von Fehldiagnosen. In: Labyrinth. Ausg. 127. Berlin: DGhK. 

ZIRBES-DOMKE, Suzana / LIEBERT-COP, Inga (2018): Die vier häufigsten psychischen  Fehldiagnosen bei hochbegabten Kindern. In: Labyrinth. Ausg. 135. Berlin: DGhK. 

Aufgabe:

1.) Das Konzept der Hochbegabung von dem Konzept der Verhaltensstörung unterscheiden.

2.) Sind Hochbegabte verhaltensgestört und Verhaltensgestörte hochbegabt?

Zu 1.)

Hochbegabung: Es ist keine allgemeingültige Definition gegeben, allerdings wird das hochbegabt Sein Menschen zugeschrieben, welche einen überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit aufweisen und diese meist in einem bestimmten Bereich, wie den MINT- Fächern oder dem künstlerischen Bereich, zu finden und durch diverse Tests festzustellen ist. Innerhalb des Konzepts um die Hochbegabung kann man diese weiter aufgliedern zwischen Hochbegabten und Höchstbegabten. Letztere befinden sich am oberen prozentualen Ende der festgestellten Hochbegabung. Man kann schlussfolgern, dass eine Hochbegabung nach Feststellung im optimalen Falle gefördert werden muss, die Ausprägung und Auswirkungen einer Hochbegabung allerdings dem Individuum selbst „überlassen“ sind, sprich sofern das Individuum keinen Antrieb hat eben aus seiner Hochbegabung Früchte wachsen zu lassen, diese auch nicht wachsen können., zudem eben externe Faktoren die Auswirkungen der Hochbegabung des Individuums ebenso beeinflussen (vgl. Tübinger Institut für Hochbegabung: Was versteht man unter Hochbegabung?).

Verhaltensstörung: Bei Verhaltensstörungen gibt es wie bei der Hochbegabung verschiedene Definitionen, wobei die Definition von Nobert Myschker diejenige ist, von welcher am höchsten Gebrauch gemacht wird. Sie besagt in kurzen Worte, dass Verhaltensstörung dann vorliegt, wenn die von einer Gesellschaft etablierten Erwartungsnormen durch ein milieubedingtes oder organisch zugrunde liegender Ursachen aufgezeigtes Verhaltens verletzt werden und aufgrund der Mehrdimensionalität der Ursachen und Folgen ohne pädagogisch- therapeutischer Hilfe keine Besserung erzielt werden kann. Die Diagnostik im Bereich der Verhaltensstörungen hat die Absicht geeignete psychologische, pädagogische aber auch medizinische Interventionsmöglichkeiten für die jeweilige in unterschiedlicher Intensität vorkommenden Verhaltensstörung auszuwählen, um eben diese Störung in ihrem Auftreten zu verringern. Wie auch im Bereich der Hochbegabung gibt sind verschiedene Möglichkeiten der Diagnostik gegeben. Exemplarisch lassen sich die Interviewführungen und die

Verhaltensbeobachtungen nennen (vgl. HENS, Sonja 2009: Prävention von Verhaltensstörungen. Entwicklung, Durchführung und Evaluation eines universellen Trainingsprogramms zur Förderung der sozial-emotionalen Kompetenzen in der Eingangsstufe, S.4-5; 16, 20).

Unterschied:

Der Unterschied zwischen den Konzepten der Hochbegabung und der der Verhaltensstörungen liegt darin, dass Verhaltensstörungen wie der Name bereits ausdrückt ein nicht erwünschtes Verhalten bedeutet, während Hochbegabung nicht unbedingt unerwünscht ist, da diese positive Effekte bedeuten kann, allerdings nicht muss. Dieser Unterschied zeigt sich in der Diagnostik bzw. der Testung von jeweils betroffenen Individuen. Während nach der Feststellung von Hochbegabung versucht wird, das Individuum durch Fördermaßnahmen zum prosperieren zu bringen, um das Bestmögliche aus der Begabung herauszuholen, wird nach der Feststellung einer Verhaltensstörung versucht, eben diese Störung einzudämmen, sodass das unerwünschte Verhalten zu einem späteren Zeitpunkt in einer geringen Intensität oder gar nicht mehr auftritt.

Zu 2.)

Die Recherche ergab, dass hochbegabte Kinder aufgrund von Unterforderung im Bildungssystem dazu tendieren, Verhaltensstörungen zu entwickeln. Diese Verhaltensstörungen können nach außen treten, sodass beispielsweise Unterrichtsstörungen die Folge sind, aber auch innerliche Auswirkungen haben, sodass Betroffene an Depressionen erkranken können (vgl. Tübinger Institut für Hochbegabung: Was können Schwierigkeiten Hochbegabter Kinder sein?). Auf der anderen Seite konnte die Recherche mir keinerlei Informationen geben, ob Verhaltensgestörte hochbegabt sein können, sodass ich lediglich hier interpretativ äußern kann, dass ich aus dem zuvor geschriebenen erkenne, dass Verhaltensgestörte hochbegabt sein können, da möglicherweise die Hochbegabung unerkannt bleibt und lediglich eine Diagnose im Feld der Verhaltensstörung durchgeführt wird, sofern eine vorhanden ist. Es ist nicht pauschal auszuschließen dass eine Verhaltensstörung eine Hochbegabung ausschließt.

shmt: Modul 4.4 LV 2: Diagnostizieren, etikettieren, stigmatisieren /Arbeitsauftrag 2

Das „Konzept Hochbegabung“ und das „Konzept Verhaltensstörung“

Sind hochbegabte Menschen verhaltensgestört und sind verhaltensgestörte Menschen hochbegabt?

Definition von „Hochbegabung“:

„Ab einem Intelligenzquotienten von 130 Punkten wird von einer Hochbegabung ausgegangen“ (vgl. Brackmann 2020, S. 13). Intelligenztests dienen zur Diagnose von Hochbegabung (vgl. dghk 2020). Oftmals fließt das beobachtete Verhalten während der Durchführung des Tests in die Gesamtbewertung ein (vgl. ebd.).

Definition von „Verhaltensstörung“:

„überdauernd und verfestigt auftretendes fehlangepasstes Verhalten, das multifaktoriell bedingt ist, problematische Auswirkungen in verschiedenen Feldern nach sich zieht und erhebliche Maßnahmen zur Reduzierung oder Behebung bedingt“ (Wember u.a. 2014, S. 82).

Beide Konzepte in Beziehung zueinander:

Liebert-Cop und Zirbes-Domke (2019) zeigen die Ähnlichkeiten im Verhalten von hochbegabten Kindern und Kindern mit der Diagnose Aufmerksamkeitsstörung auf. Demnach können hochbegabte Kinder durch ihren Taten- und Mitteilungsdrang deutlich aktiv wirken (vgl. ebd.). Dies entspricht auch den diagnostischen Kriterien einer Aufmerksamkeitsstörung.

Insgesamt zeigen die Autorinnen auf, dass es durch ähnliche Kriterien zu vorschnellen Diagnosen kommen kann und ein geschulter Blick notwendig ist, um die Bedarfe der Kinder zu erkennen.

4nn_h: Hochbegabung / Verhaltensauffälligkeit:

Hochbegabte Kinder können sich schnell und dauerhaft Wissen aneignen und können schnell feststellen auf welche Problemstellungen ihre Erkenntnisse anwendbar sind bzw. auf welche nicht. Sie können überdurchschnittlich gut abstrahieren und verfügen über ein hohes Detailwissen. Hochbegabte Kinder streben außerdem häufig nach Perfektion und sind entmutigt, wenn sie ihrem hohen Anspruch nicht gerecht werden können. Sie bevorzugen unabhängiges Arbeiten und selbst gesteuertes Lernen und verfolgen ausgeprägte Interessen. Im sozialen Bereich ordnen hochbegabte Kinder sich nicht gern unreflektiert Regeln untern, sondern prüfen Meinungen kritisch, zeigen einen starken Individualismus und übernehmen gerne Verantwortung. 

Hochbegabte Kinder zeigen nicht selten Verhaltensauffälligkeiten. Im Unterricht kann sich das durch Störungen im Unterricht oder durch Verweigerung der Mitarbeit zeigen. Sie haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren und schalten geistig ab. Manche Kinder zeigen auch aggressives Verhalten, Regeln werden kritisch hinterfragt und bieten Anlass zu Diskussionen. 

Baum13:

Unterschied „Hochbegabung“/ „Verhaltensstörung“

Sind Hochbegabte verhaltensgestört oder Verhaltensgestörte hochbegabt?

Was ist Hochbegabung?

Die eindeutige Definition von „Hochbegabung“ ist schwierig, da es viele unterschiedliche Begabungen gibt.

Verglichen mit Gleichaltrigen mit ähnelnden Erfahrungen und vergleichbarer Umwelt haben hochbegabte Kinder hohe Fähigkeiten in intellektueller, kreativ/künstlerischer Hinsicht, haben u.U. ungewöhnliche Führungskapazitäten oder sind hervorragend in bestimmten Fächern.

Hochbegabte gibt es in allen ethnischen und kulturellen Gruppen und in allen ökonomischen Schichten.

Hochbegabung wird bei Verdacht von PsychologInnen mittels verschiedener Intelligenztestungen vorgenommen, gerne auch in Einrichtungen, die sich auf darauf spezialisiert haben.

Schwierigkeiten von hochbegabten Kindern sind in der Schule oftmals Langeweile und Frustration, bzw. Isolation oder „Lächerlich-gemacht-werden „von Mitschülern.

Dies begründet sich darauf, dass hochbegabte Kinder sich intellektuell und gedanklich mit anderen Dingen auseinandersetzen als Gleichaltrige.

Auch wird eine niedrigere Schwelle für Wahrnehmung von Gefühlen und Erwartungen anderer beschrieben. Besondere Konzentriertheit und zielgerichtetes Verhalten lassen sie stur und unkooperativ auf andere wirken.

Die Begabtesten und Leistungsstärksten (IQ > 180) haben in Relation größere Anpassungsschwierigkeiten.

Was sind Störungen des Sozialverhaltens?

Im ICD-10-GM Version 2021 wird von Störungen des Sozialverhaltens unter F91. gesprochen, wenn folgendes auftritt:

– wiederholendes und anhaltendes Muster von 
o dissozialen
o aggressiven und
o aufsässigen Verhaltens charakterisiert.

Dabei übersteigt das Verhalten die altersentsprechenden sozialen Erwartungen und meint schwerwiegenderes Verhalten als gewöhnlicher kindischer Unfug oder jugendliche Aufmüpfigkeit. Das anhaltende Verhaltensmuster muss mindestens sechs Monate oder länger bestanden haben. Störungen des Sozialverhaltens können auch bei anderen psychiatrischen Krankheiten auftreten, in diesen Fällen ist die zugrunde liegende Diagnose zu verwenden.

Beispiele für Verhaltensweisen, welche diese Diagnose begründen, umfassen ein extremes Maß an:

  • –  Streiten oder Tyrannisieren
  • –  Grausamkeit gegenüber anderen Personen oder Tieren
  • –  erhebliche Destruktivität gegenüber Eigentum
  • –  Feuerlegen
  • –  Stehlen
  • –  häufiges Lügen
  • –  Schulschwänzen oder
  • –  Weglaufen von zu Hause
  • –  ungewöhnlich häufige und schwere Wutausbrüche und Ungehorsam.

    Hochbegabte Kinder können Verhaltensweisen aufzeigen, die von der eigentlichen Hochbegabung „ablenken“ und den Eindruck verzerren. So kann durch Langeweile und Frustration, durch fehlende Anreize z.B. in Schule, sich das Bild einer Depression zeigen.Auch leiden Hochbegabte oftmals unter ihrer „Andersartigkeit“, weil sie sich darüber bewusst sind. Das unterscheidet sie bspw. maßgeblich von Kindern mit Autismus- Spektrum-Störungen, die sich dieser Besonderheit nicht bewusst sind.Quelle:WOOLFOLK, Anita (2008): Pädagogische Psychologie. 10. Auflage, München: Pearson.LIEBERT-COP, Inga/ZIRBES-DOMKE, Suzana (2018): Die vier häufigsten psychischen Fehldiagnosen bei hochbegabten Kindern In: Labyrinth. Ausgabe 136. S.30-31.Berlin: DGhK e.V.

Motorino94:

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  • –  Unstillbare Neugier
  • –  Hohe eigene Ansprüche
  • –  Hoher Wissendrang
  • –  Intensiv in Dingen
  • –  Verletzung bei Ungerechtigkeit und Leid anderer
  • –  Hohe Diskussionsbereitschaft
  • –  Viel Energie
  • –  Mensch mit guten Ideen
  • –  Komplexe Aufgaben sind kein Problem
  • –  Gefühl des „anders sein“ = Minderheit
  • –  Probleme andere auf sich selbst beziehen
  • –  Perfektionismus
  • –  Zahlreiche Dinge gleichzeitig
  • –  Wichtigkeit von ehrlich, Integrität und Authentizität
  • –  Viele Dinge in Frage stellen
  • –  Störung von Lichtern, Gerüchen und Geräuschen, die nur sehr schwach sind
  • –  Ungewöhnlichen Humor
  • –  Kindliche Charakterzüge(Brackmann 2013, S. 13f.)Es gibt keine genaue Definition. Wie oben in der Checkliste aufgezeigt bestitzen Hochbegabte meist eine erweiterte Auffassungsgabe, gute Problemlösung und eine soziale Begabung. Jedoch ist nicht direkt gesagt, dass hochbegabte Menschen berufliche und schulische Erfolge erzielen. Hochbegabte müssen stehts gefördert werden.Ab einem IQ von 130 wird von einer Hochbegabung gesprochen (tuebingerinsitiut- hb.de).

Verhaltensstörung

Die Defintion einer Verhaltensstörung ist, dass die Person mit ihrem Verhalten von der Norm abweicht. Menschen mit einer Verhaltensstörung haben eine gestörte Entwicklung-, Lern- und Arbeitsfähigkeit, ebenso stören diese oft den Unterricht oder ähnliche Zusammenkünfte (Myschker/ Stein 2018, S.56).

Fazit

Anhand der zwei Definitionen, habe ich die Erkenntnis, dass Hochbegabte Kinder Verhaltensstörung aufweisen können. Dies implizier, dass auch Verhaltensgestörte Menschen Hochbegabt sein können. Die Symptome ähneln sich, sodass diese beiden ‚Krankheitsbilder‘ vertauscht, bzw. schwer unterschieden werden können.page2image18317312

Quellen

BRACKMANN, Andrea (2013): Ganz normal hochbegabt. Leben als hochbegabter Erwachsener. Stuttgart. Klett-Cotta.

https://www.tuebingerinstitut-hb de/informationen-ueber-hochbegabung/was-versteht- man-unter-hochbegabung/ [zuletzt besucht am 20.04.21].

MYSCHKER, Norbert/ STEIN, Roland (2018): Verhaltensstörung bei Kindern und Jugendliche. Erscheinungsformen. Ursachen. Hilfreiche Maßnahmen. 8. Auflage. Stuttgart W. Kohlhammer.

Bigman:


Wodurch zeichnet sich eine Hochbegabung aus?:

  • „sehr früh entwickelte, weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und Interessen“
  • Eine „Andersartigkeit“ in Bezug auf die Altersgenossen
  • Verspüren von Langeweile und Unterforderung
  • Interesse an Dingen, für die der oder die Hochbegabte als „zu jung“ gehalten wird.
  • Außenseitertum
  • Der oder die Hochbegabte, wird als „Streber“ oder „Besserwisser“ betitelt
  • Streben nach Aufmerksamkeit
  • Ein Gefühl von „nicht akzeptiert der verstanden werden“
  • Diskrepanz zwischen Intelligenz und Schulischen Leistungen
  • Perfektionismus und stark ausgeprägter Zweifel und Selbstzweifel
  • Priorisierung von Verbalen Auseinandersetzungen, statt Nonverbaler Auseinandersetzungen
  • Diskrepanz zwischen IQ und emotionaler Intelligenz
  • Gefühl von Isolation

Quelle: Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V.

Wodurch zeichnet sich eine Verhaltensstörung auf?:

  • Vorrangige Entstehung im Schulalter
  • Regelübertretung, welche als störend und unangemessen beurteilt wird
  • Aggressivität
  • Isolation
  • Überempfindliche Reaktionen
  • Äußerungen von Angst und Minderwertigkeitsgefühlen
  • Häufiges weinen
  • Delinquenz
  • Egoismus
  • Mangelnde Fähigkeiten, sich in andere hineinversetzen zu können
  • Fehlendes Schuldbewusstsein
  • Schwierigkeiten in der Empathie

(Behinderung org, msdmanuals org)

Fazit:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durchaus Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede, in der Definition, von Hochbegabten und Verhaltensgestörten Personen vorhanden sind. Dennoch sind diese Definitionen zu unspezifisch, um sie möglichst konkret voneinander zu differenzieren. Potenziell, liegt hierbei die Gefahr, dass solche freizugänglichen Informationen, falsche Erwartungen erwecken könnten und das falsche laienhafte Feststellungen nicht ausgeschlossen sind. Meiner Meinung nach lässt sich hier ein deutlicher Unterschied, im Bezug auf die Ausprägung der Aggressivität, feststellen. Aggressivität und die daraus resultierende Delinquenz, ist bei Hochbegabten eher untypisch. Jedoch könnte auch behauptet werden, dass eine hochbegabte Person, aufgrund der oben genannten Merkmale, auch eine Verhaltensstörung im Bezug auf mangelnde empathische und soziale Fähigkeiten und den Umstand der Isolation, haben könnte. Dennoch zeichnet sich die Hochbegabung, explizit in meinem Fall der Recherche, durch eine Überdurchschnittliche Intelligenz und Andersartigkeit aufgrund von altersuntypischen Interessen aus.

Anka13: Frage: Wie kann das Konzept ,Hochbegabung` vom Konzept ,Verhaltensstörung` unterschieden werden? Sind Hochbegabte verhaltensgestört und Verhaltensgestörte hochbegabt?

Hochbegabung ist eine besonders stark ausgeprägte Form der Begabung. Es gibt verschiedene Modelle der Hochbegabung z.B. die g-Faktorentheorie der Hochbegabung nach Terman (1925), das Drei-Ringe-Konzept nach Renzulli (1978) und das Münchner Begabungsmodell von Heller (2002). Je nach Modell werden auch unterschiedliche diagnostische Zugänge genutzt. Um eine Hochbegabung zu identifizieren, werden jedoch unabhängig vom Modellzugang, Intelligenz- und Begabungstests zur Diagnose genutzt. Bei den Tests ist es von hoher Bedeutung, dass eine Differenzierung zwischen dem hohen und dem sehr hohen Intelligenzbereich vorhanden ist. Auch werden meistens zwei verschiedene Intelligenz- und Begabungstests durchgeführt. Zusätzlich sollte man wissen, dass eine Diagnostik erst ab dem Schulbeginn bzw. frühen Jugendalter sinnvoll ist. 

Ein Vorurteil ist das Hochbegabte eine Diskrepanz zwischen kognitiver Leistungsfähigkeit und körperlich-seelischer Gesundheit haben. Dazu gibt es jedoch zwei verschiedene Hypothesen (Divergenz- und Konvergenzhypothese), die gegensätzliche Ergebnisse beinhalten. Empirisch hat man jedoch durch die Marburger Hochbegabungsstudie herausgefunden, dass es keine gravierenden Unterschiede zwischen Hochbegabten und Nichthochbegabten gibt. Wenn es Unterschiede gab, dann im positiven Sinne für die Hochbegabten, da sie positivere Fähigkeitsselbstkonzepte besaßen. Um auf die Frage zurück zu kommen, könnte man also durch die Studie aufzeigen, dass Hochbegabte keineswegs „verhaltensgestört“ sind und natürlich Hochbegabte auch mit verschiedenen Problemen konfrontiert sind, die aber nicht abweichen von den Problemen der Nichthochbegabten. 

Bei einer Verhaltensstörung tritt z.B. das aufsässige, aggressive und dissoziale Verhalten wiederholend und anhaltend auf. Auch tritt das Verhalten schwerwiegender auf als das gewöhnliche Verhalten dem Alter und der sozialen Entwicklung entsprechend. Auch muss es über einen längeren Zeitraum auftreten. Das heißt gleichzeitig, dass Hochbegabte auch eine Verhaltensstörung aufweisen können. 

Quellen: SPINATH, Birgit / BRÜNKEN, Roland (2016): Pädagogische Psychologie-Diagnostik, Evaluation und Beratung. 1. Aufl. Göttingen: Hogrefe Verlag GmbH. 

Pflanze25:

Rechercheaufgabe: Sind Hochbegabte verhaltensgestört? Sind Verhaltensgestörte hochbegabt?

Ergänzend zu den vorherigen Antworten, um nicht zu wiederholen, habe ich folgende Artikel gefunden:

Wir erleben in unserem Institut täglich, dass hochbegabte Kinder und Jugendliche nicht etwa gute Schulleistungen erreichen, sondern dass sie mit sich und ihre Umgebung mit ihnen große Probleme haben. Die Leistungen können sehr schlecht sein, das Kind kann sich oppositionell, aggressiv oder resignativ verhalten, die Familie kann ernste Belastungen erleben. Diese sogenannten Underachiever werden von der Schulbehörde als sonderschulbedürftig und vom Jugendamt als von seelischer Behinderung bedroht eingestuft. Nach Aktenlage also schwere Fälle.

2006 haben die Vereinten Nationen ein Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen getroffen, dass Ende 2008 von der Bundesrepublik Deutschland als nationales Gesetz übernommen und veröffentlicht wurde. Danach dürfen – pauschal zusammengefasst – behinderte Kinder nicht vom Regelunterricht der öffentlichen Schulen ausgeschlossen werden. Hochbegabte Problemkinder mit diesen Einstufungen fallen unter diese Behindertenkonvention.

In Hessen und den anderen Bundesländern wird dieses Gesetz vorsichtig und zögernd umgesetzt, denn die Konsequenz ist, dass Lehrerinnen und Lehrer in Grundschulen und Gymnasien in ihren Klassen Problemkinder mit erheblichem Störungspotential integrieren sollen, ohne darauf vorbereitet zu sein. Sie erhalten Hilfe von Sonderschullehrern, die aber ihrerseits mit den besonderen Verhaltensproblemen von Hochbegabten wenig Erfahrung haben.

Das Institut für Leistungsentwicklung bietet Fortbildungen für die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer an und kann an einigen Schulen modellhaft die inklusive Beschulung begleiten.

Lest aus dem Gesetz über Inklusion unter dem Label “Behindertenkonvention” nach. (Quelle: hochbegabtenfilfe de)

Warum haben hoch begabte Kinder in der Schule oft Schwierigkeiten?

Eine wichtige Ursache ist die undifferenzierte Leistungsanforderung an eine Gruppe mit unterschiedlichem Potenzial. Eine Lehrkraft kann das Leistungsvermögen der Kinder in der Regel gut einschätzen und orientiert ihr Angebot an einem mittleren Anspruchsniveau der Gruppe. Die Kinder, die in der Mitte der Leistungsverteilung liegen, sollten die Aufgabe als schwierig erleben und (erst) nach einiger Anstrengung eine Lösung finden – mit einem charakteristischen Gefühlsablauf des Lernens: Beklemmung, Ausharren und Anstrengen, Siegen. Solche Aufgaben enden mit einer positiven Rückmeldung des Kindes an sich selbst: Ich bin jemand, der mit Schwierigkeiten fertig wird. Das ist die Basis für Leistungsmotivation.

Die Kinder an den beiden Enden der Verteilung des Leistungsvermögens bleiben von diesem Gefühlsverlauf ausgeschlossen. Entweder empfinden sie die Schwierigkeit, strengen sich an und bleiben erfolglos (die Schwächeren) oder sie empfinden keine Schwierigkeit, strengen sich nicht an und sind erfolgreich (die Stärkeren). Beide Extremgruppen profitieren motivational nicht von dem Angebot, weil die Aufgabe nicht mit einer Rückmeldung der eigenen Tüchtigkeit abgeschlossen werden kann. Damit fehlt die Voraussetzung für die Entwicklung von Leistungsmotivation, ein Defizit das im Verlauf zu den verschiedenen Risiken anwachsen kann, die bei hochbegabten Kindern bekannt sind: Leistungseinbruch, Schulverdrossenheit, Aggression oder seelischer Rückzug, Belastung in den Familien, Oppositionelles Verhalten.

(Quelle: hochbegabtenhilfe de)

Was versteht man unter Hochbegabung?

In der aktuellen Forschung existiert keine einheitliche Definition von Hochbegabung. Gemeinsam ist allen verschiedenen Modellen jedoch das Vorliegen einer sehr weit überdurchschnittlichen intellektuellen Leistungsfähigkeit. Neben der hohen allgemeinen Intelligenz verfügen Hochbegabte über jeweils spezifische Intelligenzfaktoren, die in unterschiedlichem Ausmaß verfügbar sein können, z.B. verbale, räumlich-abstrakte oder mathematische Faktoren.

Zusätzlich zur intellektuellen Fähigkeit (Intelligenz) lassen sich weitere Fähigkeits- bzw. Begabungsbereiche (wie soziale oder musische Begabung, bildnerisch-darstellende sowie psychomotorisch-praktische Begabung) unterscheiden, die als relativ unabhängig voneinander gelten und bei jedem Menschen verschieden stark ausgeprägt sein können. Wenn von „Hochbegabung“ die Rede ist, ist jedoch meist das Vorliegen einer sehr hohen allgemeinen Intelligenz, also einer hohen Denk- oder Problemlösefähigkeit, gemeint.

(Quelle: tuebingerinstitut-hb de)

helmobil: Was versteht man unter Verhaltensstörung?

„Unter einer Verhaltensstörung versteht man eine Regelübertretung, die vom Handelnden selbst oder von jemandem, der sich ihm gegenüber in einer Machtposition befindet, als störend und unangemessen beurteilt wird.“ (Havers, 1978, S. 24)

Hensle unterscheidet, unter Berufung auf Havers, vier Gruppen von Verhaltensstörungen:

  1. „Verhaltensstörungen aggressiver Art“ oder „Aggressivität“. Dazu gehört eine überdurchschnittliche Häufigkeit von körperlichen und verbalen Aggressionen, außerdem Streiten, Frechheiten, Stören des Unterrichts, Ungehorsam, Zerstören von Gegenständen, Lärmen, Wutanfälle und Herumkommandieren anderer Kinder.
  2. Ebenso häufig findet man die >Verhaltensstörungen gehemmter Art= („gehemmtes Verhalten“): Sich-Zurückziehen, überempfindliche Reaktionen, Äußerungen von Angst und Minderwertigkeitsgefühle, häufiges Weinen.
  3. Die folgende Gruppe bildet „Verhaltensweisen, die für das Alter des Kindes als unangemessen gelten“ („unreifes Verhalten“); auf einer tieferen Altersstufe würden sie zum normalen Verhaltensinventar des Kindes gezählt werden. Beispiele sind Unaufmerksamkeit, Träumen, Passivität (bei Auseinandersetzungen), Masturbation, Kichern und Spielen während des Unterrichts.
  4. Als „Verhaltensstörung delinquenter Art“ („sozialisierte Delinquenz“) werden die Teilnahme an gemeinsamen Diebstählen, Kontakt zu anderen Delinquenten, Mitgliedschaft in Banden und häufiges Schulschwänzen zusammengefaßt. Diese Kategorie ließ sich vor allem unter straffällig gewordenen Jugendlichen und in Großstädten nachweisen. Die genannten Verhaltensmuster werden einerseits gewöhnlich in Gruppen ausgeübt, andererseits gewöhnlich durch Nachahmung und direkte Verstärkung erworben. Individuell- gewalttätige Formen der Delinquenz kündigen sich dagegen eher durch hohe Aggressivität an.“ (Hensle, 1994, S. 147)

Verhaltensgestörte sind nicht automatisch hochbegabt. Hochbegabte können durchaus verhaltensgestört sein.

JC99: 4.4 LV 2 Hochbegabung und Verhaltensstörung

Es gibt keine einheitliche Definition von Hochbegabung und Verhaltensstörung. Da es eine Vielzahl von verschiedenen Verhaltensstörung (nach ICD- 10) gibt. Grundsätzlich meint Verhaltensstörung ein soziales Verhalten welches von der Norm abweichend. Das soziale Verhalten ist nicht alters- und entwicklungsgemäß. Das Verhalten wird von anderen Personen oft als störend und unangemessen beschrieben, vor allem wenn das Verhalten mit Regelübertretungen einhergeht.
Unter dem Begriff Hochbegabung versteht man unteranderem eine stark überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit, diese kann in sehr unterschiedlichen Bereichen deutlich werden (z.B. sprachlich, mathematisch, musisch). Betroffene haben zu dem meist einen IQ von über 130. (Sehr) gute schulische Leistungen sind keine „Notwendigkeit“, um eine Hochbegabung zu diagnostizieren. Umgekehrt sind (sehr) gute schulische Leistungen bei hochbegabten Kindern keine Selbstverständlichkeit.
Da Hochbegabung ebenfalls ein von der „Norm“/ dem „Durchschnitt“ abweichende Diagnose ist und einige der Betroffenen Personen zusätzliche Verhaltensauffälligkeiten aufweisen, wie z.B. Hyperaktives oder Impulsives Verhalten (beides sind unteranderem auch Merkmale des ADHS), deshalb kann es zu Doppel- und Fehldiagnosen kommen.

Quellen:

Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information

Tübinger Institut Informationen über Hochbegabung

LIEBERT-COP, Inga / ZIRBES-DOMKE, Suzana (2019): Die vier häufigsten psychischen Fehldiagnosen bei hochbegabten Kindern (Teil 1). Kriterien, Abgrenzungen, Umgang in der Praxis. 

Socke12

Welche Unterscheidungen gibt es zwischen den Konzepten der „Hochbegabung“ und der „Verhaltensstörung“?

Definition der Hochbegabung: Als Hochbegabte zählen Menschen, welche Hochintelligent sind, dieses kann über das Messverfahren eines Intelligenztestes definiert werden.

Verhaltensstörungen gelten als solche, sobald eine Verhaltensauffälligkeit mit großer Häufigkeit und Starker Intensität auftritt. Sie sich in mindestens zwei Lebensbereichen äußert, die eigene Entwicklungs-, Lern-, und Arbeitsfähigkeit sowie die Interaktion mit verschiedenen Umwelteinflüssen beeinträchtigt ist. Außerdem ist ein weiteres Zeichen dafür, dass sie ohne gezielte Pädagogische oder Therapeutische Hilfe kaum bis gar nicht verbessert werden kann.

(Vgl. GRÜNK, 2007 Matthias/ Lern- und Verhaltensstörungen: Klassifikation, Prävalenz & Prognostik)

Definition der Verhaltensstörung:
Als eine Verhaltensstörung gelten wiederholte Verhaltensmuster, welche über die Grundrechte anderer verstoßen.

Sind Hochbegabte verhaltensgestört und/oder sind Verhaltensgestörte hochbegabt?

Hochbegabte zeigen ein abweichendes Verhalten von der Norm. In Formen von psychiatrischen Problemen, Verhaltensstörungen, oder delinquentem Verhalten. Verhaltensstörungen bei Hochbegabten sind also relativ häufig. Wobei dies nicht nur an dem Verhalten der Hochbegabten Person liegt, sondern auf die Reaktionen der Umwelt mit Hinblick auf die hohe Begabung. Daraus resultiert, wenn Hochbegabte Aufgrund ihrer Begabung in eine Außenseiterposition geraten und sich somit unglücklich und ausgeschlossen fühlen, reagieren sie mit Auffälligkeiten und Verhaltensstörungen (Vgl. Feger 1988).

(Vgl. BLUT, Tanja Carin, 2020 Die nicht-kognitiven Aspekte der Hochbegabung Tanja Catrin Blut Selbstkonzepte von hochbegabten Erwachsenen)

Biene:

Unterschied Hochbegabung &Verhaltensstörung

Eine einheitliche Definition von Hochbegabung und Verhaltensstörung gibt es nicht.

Unter Hochbegabung versteht man das Vorliegen einer stark überdurchschnittlichen intellektuellen Leistungsfähigkeit (vergl. Tübinger Institut für Hochbegabung, o.D.). „Neben der hohen allgemeinen Intelligenz verfügen Hochbegabte über jeweils spezifische Intelligenzfaktoren, die in unterschiedlichem Ausmaß verfügbar sein können, z.B. verbale, räumlich-abstrakte oder mathematische Faktoren“ (ebd.). 

Verhaltensstörung hingegen meint ein Verhalten, welches von der Norm abweicht. Hierbei ist das soziale Verhalten nicht alters- bzw. entwickelungsgemäß. Daher wird dieses Verhalten meist als störend oder unangemessen beschrieben. D.h. bei einer Verhaltensstörung tritt wiederholend und anhaltend aufsässiges, aggressives oder dissoziales Verhalten auf.

In der Regel sind Hochbegabte in ihrem Verhalten nicht störend. Dies zeigte die Marburger Hochbegabtenstudie. Allerdings können Hochbegabte, wie jeder andere Mensch auch, eine Verhaltensstörung aufweisen.

Berti: 

Es bestehen zahlreiche unterschiedliche Definitionen und Modelle von Hochbegabung. Nach einem weit verbreiteten Verständnis ist eine Hochbegabung von der Intelligenz abhängig. Wer einen IQ über 130 hat gilt als hochbegabt. Dabei gilt Hochbegabung also als Veranlagung, die von außen nicht unbedingt sichtbar ist und sich nicht in dem Verhalten der hochbegabten Person widerspiegeln muss. Nach anderen Definitionen lässt sich Hochbegabung an einer überdurchschnittlichen Leistung einer Person festmachen und gilt demnach als beobachtbar. Im allgemeinen Verständnis von Hochbegabung sind diese zwei Hauptdefinitionen kombiniert: Es wird von Hochbegabung gesprochen, wenn ein Mensch überdurchschnittliche intellektuelle Leistungsfähigkeit aufweist. Neben einer hohen Intelligenz lassen sich häufig weitere überdurchschnittliche Begabungen und Fähigkeiten in anderen Bereichen beobachten. 

Verhaltensstörung ist ein Oberbegriff für ein normabweichendes Verhalten, welches je nach Schweregrad die Entwicklungs-, Lern- und Arbeitsfähigkeit, sowie die soziale Interaktionsfähigkeit. Im ICD-10 sind unter Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (F90-F98) u.a. Störungen der Aufmerksamkeit, Bindung und des Sozialverhaltens aufgeführt. 

Nach diesen Definitionen bedingen sich Hochbegabung und Verhaltensstörungen nicht gegenseitig, können aber durchaus gleichzeitig auftreten. Ein Unterschied ist, dass Hochbegabung nicht ausschließlich am Verhalten festgemacht wird, sondern zusätzlich von der Intelligenz abhängt. Eine überdurchschnittliche Intelligenz kann bestehen, ohne sich im Verhalten einer Person widerzuspiegeln. Typisches Verhalten bei Hochbegabung weicht oft von der Norm ab (Überdurchschnittliche Begabung, Intelligenz = Abweichung von der Norm), was mit einem Kriterium von Verhaltungsstörungen übereinstimmt. Es kommt häufig dazu, dass Eltern die Hochbegabung ihres Kindes erst durch Verhaltensauffälligkeiten bemerken. Somit können Verhaltensstörungen auftreten, wenn eine Hochbegabung nicht ausreichend beachtet und gefördert wird. 

Quellen: 

Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information: ICD-10-GM Version 2020. Kapitel V. Psychische und Verhaltensstörungen (F00-F99)

MYSCHKER, Norbert / STEIN, Roland (2018): Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. 8. Aufl. Stuttgart: W. Kohlhammer Verlag.

Tübinger Institut für Hochbegabung: Was versteht man unter Hochbegabung?

WOLFER, Markus (2010): Diagnostische Pädagogik als Grundlage für die (innere) Differenzierung zwischen Lernbehinderung und Hochbegabung. Berlin: Logos Verlag. 

kathi94.

2. Welche Unterschiede gibt es zwischen den Konzepten der Hochbegabung und der Verhaltensstörung? Sind Hochbegabte auch gleich verhaltensgestört oder Verhaltensgestörte hochbegabt?

Eine allgemeingültige Definition von Hochbegabung existiert nicht, sondern verschiedenste Modelle die versuchen den Begriff Hochbegabung einzugrenzen. Eine klassische Eingrenzung ist den Wert des Intelligenzquotienten zu prüfen (mindestens 130). Dies hat sich zwar in weiten Teilen durchgesetzt ist aber kein allgemeingültiger Anhaltspunkt. Eine besondere Begabung kann ebenfalls in bestimmten Bereichen vorzufinden sein (z.B. mathematisch). Eine Hochbegabung ist zudem keine Garantie für Erfolg und außergewöhnliche Leistungen. Die Persönlichkeitsmerkmale und soziale Faktoren können ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. So können beispielsweise große Probleme entstehen sich anzupassen oder die Person ist unterfordert.

Verhaltensstörung/herausforderndes Verhalten/ Verhaltensauffälligkeiten werden von Außenstehenden meist als situativ unangemessen (oder auch störend, aggressiv, provozierend, nicht regelkonform  etc.) empfunden.  Für den Betroffenen selbst kann das Verhalten aber durchaus einen situativen Sinn haben. Hierzu gibt es allerdings verschiedene Theorien und Erklärungsansätze, sowie mehrere Arten der Auffälligkeiten.

Hochbegabte sind nicht alle gleich verhaltensgestört. Ob ein hochbegabter Mensch sich in seinem Umfeld sicher bewegen kann oder z.B. bei Unterforderungen mit herausforderndem Verhalten antwortet, hängt von individuellen Faktoren ab.

Quellen:

tuebingerinstitut-hb

Lackner M. (2012):  Was ist Hochbegabung?. In: Talent-Management spezial. Gabler Verlag.

Ebert, Göttker, Kamende, Lüdke, Stracke-Mertes (2014): Heilerziehungspfleger. Band 2. Handwerk und Technik Verlag GmbH

Mary Poppins

Welche Unterscheidungen gibt es bei den Konzepten Hochbegabung und Verhaltensstörung? Sind Hochbegabte verhaltensgestört und Verhaltensgestörte hochbegabt? 

Hochbegabte Kinder entwickeln sehr früh weit überdurchschnittliche Fähigkeiten und Interessen und sind dadurch den Gleichaltrigen oft weit voraus.
Bei hochbegabten Kindern können Verhaltensauffälligkeiten auftreten, muss aber jedoch nicht. Im Kindergarten können Kinder auffallen, weil sie sich langweilen oder für Dinge interessieren, wofür sie eigentlich noch zu jung sind oder es nicht schaffen sich in die Gruppe einzubringen aufgrund der unterschiedlichen Interessen/ Fähigkeiten. Durch das auffällige Verhalten möchte das hochbegabte Kind wahrgenommen werden und Aufmerksamkeit erzeugen. In der Schule zeigen hochbegabte Kinder Auffälligkeiten, wenn sie sich beispielsweise unterfordert fühlen, als Streber oder Besserwisser ausgeschlossen werden oder unerklärlicher weise trotz ihrer Hochbegabung schwache Leistungen erbringen. Im weiteren Alltag und sozialen Leben können hochbegabte Kinder beispielsweise auffallen, da sie an den altersgemäßen Freizeitaktivitäten keinen Gefallen finden, sehr perfektionistisch und kritisch sich selbst und anderen gegenüber sind, eine Differenz zwischen dem Intellekt und der emotionalen Entwicklung besteht oder sich von der Umwelt aufgrund der Hochbegabung und somit unterschiedlichen Interessen/ Fähigkeiten isoliert fühlt.

Verhaltensgestörte Kinder zeigen wiederholte Verhaltensmuster mit denen sie immer wieder die Rechte, Regeln und Normen übertreten. Eine Verhaltensstörung kann entweder durch Veranlagung oder durch ein schädigendes Umfeld auftreten. Folgende Symptome zeigen Kinder und Jugendliche mit Verhaltensstörungen: wenig Empathievermögen, Egoismus, kein angemessenes Schuldbewusstsein, fühlen sich schnell bedroht und reagieren aggressiv, begehen häufig Gesetzesbrüche und Regelübertretungen wie z. B. Sachbeschädigung, Diebstahl, Schulschwänzen, Drogen und Lügen ihre Mitmenschen an. 

Verhaltensgestörte Kinder und Jugendliche zeigen keine Symptome für eine Hochbegabung. Jedoch zeigen hochbegabte Kinder Symptome für Verhaltensauffälligkeiten. Die Verhaltensauffälligkeiten der Hochbegabten äußern sich jedoch meistens nicht im hohen Maße der Verhaltensstörungen.

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DghK) e.V.
MSD Manual – Ausgabe für medizinische Fachkreise, Verhaltensstörung

mkpwlk98: Hochbegabung und Verhaltensauffälligkeit 

Umgangssprachlich ist Hochbegabung nicht nur ein durchschnittliches Talent, sondern eine Begabung die deutlich über dem Durchschnitt liegt. Grundlage dieser Klassifizierung ist die sogenannte Gaußsche Normalverteilung oder Glockenkurve

Das durchschnittliche Intelligenzniveau beträgt einen IQ von 100 (oder PR 50). Gemäß der mehrachsigen Klassifizierung von ICD 10 wird ein IQ mit einem IQ von 130 (oder PR 98) als sehr hoch oder viel höher als der Durchschnitt (intellektuelles Talent) angesehen. Sie müssen berücksichtigen, dass es sich bei einer Person nicht um genau bestimmbaren Gegenstand handelt, sodass das Ergebnis nicht durch eine einzelne Zahl dargestellt werden kann. 

Aus diesem Grund werden häufig das Ergebnis und der Bereich angegeben, in dem der Wert mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit existiert (beispielsweise liegt der Intelligenzquotient mit einer Wahrscheinlichkeit von 95% zwischen 121 und 129.)

Im Vorschul- und Grundschulalter können die Testergebnisse auch irreführend sein, da nicht ausgeschlossen werden kann, dass es sich nicht um einen Entwicklungsvorsprung des Kindes handelt. Daher sollte der Begriff der Hochbegabung in der Vorschul- und Grundschuldiagnose vermieden werden. 

Dies sind wissenschaftliche Definitionen und Methoden. Insbesondere bei der Bereitstellung von Bildung und Unterstützung für junge Menschen, müssen wir besonders darauf achten, dass aus solchen wissenschaftlichen Definitionen auf sinnvolle Weise Schlussfolgerungen gezogen werden können. 

Für begabte Schüler bedeutet dies, dass sie laut Test nicht genügend Aufgaben für schwierig finden. Aus diesem Grund ist es mit den meisten Intelligenztests kaum möglich, differenzierte Potenzialbewertung in einem weit über dem Durchschnitt liegenden Bereich vorzunehmen. Dies wird als Deckeneffekt bezeichnet. 

Wenn die Aufgaben viel zu einfach sind, verlieren viele Testteilnehmer ihre Motivation, verlieren den Fokus und machen Fehler bei Aufgaben, die für sie einfach sind. Anders, als unter anderem Lehrer oft annehmen sind hochbegabte Kinder psychisch nicht mehr, aber auch nicht weniger auffällig als durchschnittlich begabte Kinder. 

Die Anomalien von begabten Kindern können sich jedoch von denen von durchschnittlich begabten Kindern unterscheiden: Die Einstellungen zur Schule hängt nur bei hochbegabten Kindern mit den Problemen zusammen. Gehen die Kinder weniger gerne zur Schule zeigen sie schwerwiegendere und häufiger Verhaltensauffälligkeiten. 

Dritte Sitzung

In der dritten Sitzung befasst sich das Seminar mit der Frage, wie man diagnostische Instrumente bewertet. Denn es gibt gute diagnostische Instrumente und schlechte. Ein wesentlicher Punkt ist zunächst die Frage, wann, an wie vielen und wie ausgewählten Menschen ein Test ausprobiert wurde. Dieses Ausprobieren nennt sich: „Normierung“ oder „Eichung“. Dies macht man, damit man einen Vergleichsmaßstab hat. Die Normierungsstichprobe kann aus unterschiedlichen Gründen wichtig werden. Sie kann zu klein sein. Sie kann nur an wenigen Orten oder in den falschen Orten gezogen worden sein (z.B.: Normierung nur in den USA). Sie kann zu alt sein. In ihr sind nicht die Menschen enthalten, über die man Aussagen machen möchte (z.B.: Menschen mit Fluchtgeschichte).

Normierungsstichproben

LNH

Aufgabe 27.04.2021 (CBCL & SDQ): 

Aufgabe: Welches Verfahren würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung? Vergleichen Sie die Verfahren „Child Behavior Checklist“ (CBCL) und „Strengths and Difficulties Questionaires“ (SDQ). 

Child Behavior Checklist (CBCL)

  • Das Testverfahren „CBCL“ wurde in den USA entwickelt und bereits in 58 Sprachen übersetzt. Der Test erfolgt als Fragebogen, welcher als Ergebnis „zwar keine psychiatrische Diagnose im Sinne der ICD-10 oder des DSM-IV [liefert], jedoch Symptome, die einer genaueren Diagnostik bedürfen [erfasst]“ (Ziegert u.a. 2002). 
  • Der Fragebogen ist in zwei Teile unterteilt. Der erste befasst sich mit Kompetenzen des Kindes bzw. des Jugendlichen, wohingegen in zweiten Teil konkrete Verhaltensauffälligkeiten (z.B. Depressivität, Dissozialität, soziale Probleme, usw.) erfragt werden (vgl. Ziegert u.a. 2002). 
  • Neben den Fragen werden weitere Daten erhoben, dazu zählen: Alter, Geschlecht sowie die erlernten Tätigkeiten der Kindeseltern (vgl. Ziegert u.a. 2002). 
  • Die Daten, welche für die CBCL vorliegen, sind älter und umfassen die Altersgruppe von 6 bis 11 Jahren und von 12 bis 18 Jahren (vgl. Koglin 2017). 
  • „Die Normierung für den deutschen Sprachraum erfolgte anhand einer umfangreichen bundesweit repräsentativen Stichprobe von annährend 2900 Kindern und Jugendlichen“ (Döpfner, Schmeck & Berner 1998). 

Strengths and Difficulties Questionaires (SDQ)

  • Das Testverfahren „SDQ“ fragt nach Stärken und Schwächen von Kindern und Jugendlichen und dient ebenfalls der Erhebung kindlicher Verhaltensweisen. Der „SDQ“ ist ein vergleichsweise kurzer Fragebogen, welcher innerhalb von 5 Minuten bearbeitet werden kann (insg. 25 Fragen) (vgl. Klasen u.a. 2000). 
  • Das Verfahren wurde 1997 in die deutsche Sprache übersetzt und findet seither Anwendung. In einer bundesweit repräsentativen Feldstudie des Testverfahrens wurden 930 Kinder und Jugendliche befragt (vgl. Klasen u.a. 2000). 
  • „Besonders ist bei den SDQ-Fragebogen zur Erhebung der Verhaltensauffälligkeiten und -stärken von Kindern und Jugendlichen der ausgewogene Anteil an positiv formulierten Verhaltensaspekten in der Selbst- und Fremdbewertung“ (Schäfer 2010, S. 1). 
  • Der SDQ erhebt psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen 2 und 17 Jahren. „Darüber hinaus ist es das einzige Screening-Verfahren, für das alle notwendigen Materialien (Fragebögen, Auswertungsbögen, Interpretationsanaleitungen) kostenfrei verfügbar sind“ (Koglin 2017, S.55).

Welches Verfahren würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung?

  • Beide Testverfahren fragen nach Ressourcen und Defiziten von Kindern und Jugendlichen. Damit bieten sie eine sinnhafte Kombination beider Bereiche, anhand derer ein gesamtheitlicheres Profil entworfen werden kann. Das Testverfahren „CBCL“ scheint insgesamt einen höheren Umfang aufzuweisen. Zusätzlich zu Fragen nach Kompetenzen und Schwächen wird das Geschlecht, das Alter sowie die Tätigkeiten bzw. die erlernten Berufe der Kindeseltern erfragt. Aufgrund der vielfältigeren Fragen und der höheren Anzahl dieser, scheint der „CBCL“ einen vollumfänglicheren Blick auf das Verhalten des Kindes/Jugendlichen zu geben. Positiv für das Testverfahren „SDQ“ scheint im Vergleich hingegen der geringere Zeitaufwand sowie die größere Adressatengruppe (zwei bis siebzehn Jahren), welche durch den Fragebogen erreicht wird. Darüber hinaus ist das „SDQ“ das einzige Verfahren, welches kostenfrei genutzt werden kann. Insgesamt scheinen beide Testverfahren Vor- bzw. Nachteile zu bergen, weshalb ich auf eine vergleichbare Eignung der Tests schließen würde. Im besten Fall könnte in der Praxis eine Kombination beider Testverfahren angestrebt werden, welche einander ergänzend dienen. Vorstellbar wäre jedoch, dass praktisch betrachtet, häufiger auf das Verfahren „SDQ“ zurückgegriffen wird, aufgrund des damit verbundenen geringeren Zeitaufwands sowie der besseren und kostenfreien Zugänglichkeit des Testes. 

DÖPFNER, Manfred / SCHMECK, Klaus / BERNER, Walter (1998): Handbuch. Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen. 2. Aufl. Köln.

KLASEN, H. / WOERNER, W. / WOLKE, D. / MEYER, R. / OVERMEYER, S. / KASCHNITZ, W. / ROTHENBERGER, A. / GOODMAN, R. (2000): Comparing the German Versions oft he Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu) and the Child Behavior Check. Dresden: Steinkopff Verlag. 

KOGLIN, Ute (2017): Verhaltensskalen für Kinder im Vergleich. Oldenburg. 

SCHÄFER, Sabine (2010): SDQ (Strenghts and Difficulties Questionaire) – Fragebogen zu Stärken und Schwächen. 

ZIEGERT, Bärbel / NEUSS, Andreas / HERPERTZ-DAHLMANN, Beate / KRUSE, Waltraut (2002): Psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in der allgemeinärtzlichen Praxis. Was ist behandlungsbedürftig? 

Anka13:

Diagnostizieren, Stigmatisieren und Etikettieren – 3. Sitzung 

Aufgabe: Welches Verfahren würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung? Vergleichen Sie die Verfahren „Child Behavior Checklist“ (CBCL) und „Strengths and Difficulties Questionaires“ (SDQ). / Informationen über deutsche Normen 

Antwort: 

Child Behavior Checklist (CBCL)

– Die Child Behavior Checklist dient der Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten, emotionalen Auffälligkeiten, somatischen Beschwerden sowie sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen im Schulalter aus Sicht der Eltern. 

– Es gibt zwei Fragebögen (TRF/6-18R und YSR/11-18R), die aus der CBCL abgeleitet wurden. 

– Die amerikanischen Originale wurden von Thomas M. Achenbach entwickelt und wurden 2001 überarbeitet. 

– Insgesamt gibt es bei der Auswertung der drei Fragebogenversionen acht Problemskalen und drei übergeordnete Skalen. Es gibt eine Erneuerung und zwar kann man DSM-orientierte Skalen bestimmen. 

– In der neuen Fassung wurden in allen drei Fragebögen einzelne Items ersetzt und die Skalenzusammensetzung und Skalentitel wurde teilweise überarbeitet. 

– Für die Skalen der CBCL76-18R und der YSR/11-18R gibt es neu berechnete Normenwerte. 

Für die TRF/6-18R werden Vergleichswerte aus einer deutschen Feldstichprobe von Grundschülern zur Verfügung gestellt. 

– Auch wurden die Cut-off-Werte neu angepasst. 

– Normen: Bundesweit repräsentative Normdaten (T-Werte) liegen für die CBCL/6-18R (N = 2.471) und die YSR/11-18R (N = 1.798) vor. Für die TRF/6-18R stehen Vergleichsdaten einer Großstadtstichprobe von Grundschulkindern (6-11 Jahre) (N = 397) zur Verfügung. Für alle drei Fragebogenfassungen liegen zudem Normdaten (Stanine-Werte und Prozentränge) einer Klinikstichprobe vor (CBCL/6-18R: N = 1.217; YSR/11-18R: N = 718; TRF/6-18R: N = 793).

Strengths and Difficulties Questionaires (SDQ):

– Der SDQ ist ein kurzer Verhaltens-Screening-Fragenbogen zum emotionalen und verhaltensauffälligen Screening für 3- bis 16 Jährige.

– Es gibt mehrere Versionen z.B. für Forscher, Ärzte und Pädagogen. Eine Kurzform, eine längere Form mit einer Wirkungsergänzung und ein Folgeformular. 

– Die 25 Elemente im SQD umfassen 5 Skalen mit jeweils 5 Elementen. 

1) Emotionale Symptome subskalieren

2) Verhalten Von Problemen im Teilmaßstab

3) Hyperaktivität/Unaufmerksamkeit-Teilskala

4) Peer-Beziehungen Problem-Subskala

5) Subskala prosoziales Verhalten

– Es liegen auch deutsche Normen für die SDQ-Elternversion vor Wörner et al. (2004). Stichprobe N = 930 im Alter zwischen 6 und 16 Jahren

Ergebnis: 

Die CBCL in ein internationales Verfahren, welches aufwendig und zeitintensiv ist. Es gibt unterschiedliche Fragebögen, je nachdem wie alt das Kind oder die/der Jugendliche ist. Für die Eltern, Erzieher_innen, Lehrer_innen oder für den Jugendlichen. Für die CBCL (Kinder ab sechs Jahre) gibt es ältere, aber bundesweit repräsentative Daten von zwei Altersgruppe. Für die Lehrer_innen fehlen Normen. Im Vergleich dazu hat der SDQ Fragebogen eine einfache Handhabung und ist weniger zeitintensiv. Man findet die Dokumente schnell und kostenlos im Internet. Eine Normierung zu finden, fiel mir beim SDQ deutlich schwieriger. Ich würde zunächst den zeitintensiveren CBCL-Fragebogen durchführen und anschließend den SDQ-Fragebogen.

Quellen – Internet: 

– Verhaltensskalen_im_Vergleich_-_Prof._Dr._Ute_Koglin – PDF Dokument

– Homepage Testzentrale

– SDQ Info

Pflanze25.

Aufgabe: Welches Verhalten würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung?
Mir ist ebenfalls aufgefallen, dass das Testverfahren CBCL 2900 Kinder und Jugendliche getestet hat und das Testverfahren SDQ nur 930. Hierbei stellt sich mir die Frage, wie Klasen seine Aussage rechtfertigt, diese Studie wäre „bundesweit repräsentativ“, wenn ich durch Ihre Vorlesung gelernt habe, dass eine repräsentative Studie aus 1.500 Probanden besteht. 
Die kurze Bearbeitungszeit spricht hingegen für die SDQ, jedoch sind bei der CBCL keine Bearbeitungszeiten angesetzt. Dadurch, dass dieses Verfahren allerdings in zwei Teile aufgeteilt ist, gehe ich davon aus, dass die Zeiten höher sind. 
Das Alter der Probanden liegt bei der SDQ zwischen 2 und 17 Jahren, Verhaltensstörungen werden jedoch häufig frühestens ab dem Grundschulalter diagnostiziert, weshalb ein großer Teil der Ergebnisse (nämlich der Kinder im Kindergarten/Vorschulalter) aus meiner Sicht nicht relevant wäre und zudem noch weniger Testpersonen erneut für eine nicht-repräsentative Studie sorgen würde.
Der finanzielle Aspekt kann/ ist sicherlich von Bedeutung (sein), wenn ich persönlich jedoch ein Verfahren auswählen müsste, würde ich in diese Studie investieren, sofern ich dazu die Mittel besäße.
Aufgrund der inhaltlichen Schwerpunkte, tendiere ich ebenfalls zum CBCL, allerdings schließe ich mich Ihrer Idee an und würde die Vorteile aus beiden Verfahren kombinieren und ein eigenes Testverfahren durchführen. 

kathi94:

Aufgabe: Diagnose von Verhaltensstörung: Überlegen Sie welches Verfahren Sie einsetzen würden! Child Bevahior Checklist (CBCL) und Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ). 

Child Behavior Checklist:

Ein Elternfragebogen der mittels Skala Verhalten, Probleme (sozialer Rückzug/Probleme, körperliche Beschwerden, Angst, Depressivität, Zwang, dissoziales/aggressives Verhalten) und Kompetenzen (Aktivität, Soziale Kompetenz und Schule) aus Sicht der Eltern erfasst bei Kindern im Alter von 8-14 Jahren. Es werden 120 Items ausfüllt, die in drei Stufen eingrenzbar sind. (vgl. Plück 1997). Hierzu ist auch nennenswert der Teacher Report und Youth Self-report. „Die Normierung für den deutschen Sprachraum erfolgte anhand einer umfangreichen bundesweit repräsentativen Stichprobe von annähernd 2.900 Kindern und Jugendlichen.“ (Testzentrale)

Strengths and Difficulties Questionaire

Hierbei handelt es sich um die Registrierung von Verhaltensstärken und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern von 4-16 Jahren. Der Fragebogen richtet sich an Eltern und Lehrer und dauert nur 5 min. Für Jugendliche gibt es noch ein Selbstbericht als Möglichkeit. Hierzu bestehen 5 Items die nach Stärken und Schwächen fragen: Emotionale Probleme, Externalisierende Verhaltensauffälligkeiten, Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsprobleme, Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen, Prosoziales Verhalten. 

In einer Erhebung wurden bei 930 6-16 Jährigen der Elternfragebogen durchgeführt. Verteilung Alter und Geschlecht wurden mittels statistischen Bundesamts überprüft. Die englische und deutsche SDQ erreichten ähnliche Ergebnisse in den Normierungs- und Validierungsstudien (vgl. Klasen 2003)

Positiv ist die CBCL bezieht mehr Störungen in Betracht als SDQ. Allerdings ist die CBCL auch länger als SDQ und benötigt eine Bearbeitungszeit von 15-20 min. Während die SDQ mehr ein Augenmerk auf psychiatrische Kernstörungen legt, fragt sie allerdings nicht nur nach Schwächen, sondern auch Stärken. Die SDQ bezieht eine größere Altersgruppe ein. 

Quelle:

PLÜCK / DÖPFNER / BERNER / FEGERT / HUSS / LENZ / SCHMECK / LEHMKUHL / POUSTKA / LEHMKUHL (1997): Die Bedeutung unterschiedlicher Informationsquellen bei der Beurteilung psychischer Störungen im Jugendalter – ein Vergleich von Elternurteil und Selbsteinschätzung der Jugendlichen in  Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 46 / 8, S. 566-582

KLASEN / WOERNER / ROTHENBERGER / GOODMAN (2003): Die deutsche Fassung des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu) – Übersicht und Bewertung erster Validierungs- und Normierungsbefunde (Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 52, 7.

Homepage testzentrale: ACHENBACH / KINNEN / PLÜCK / DÖPFNER. Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen

shmt:

Arbeitsauftrag 3

Welches Verfahren würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung? Vergleichen Sie die Verfahren „Child Behavior Checklist“ (CBCL) und „Strengths and Difficulties Questionaires“ (SDQ).

CBCL

  • Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen.
  • Gibt Hinweise auf psychische Störungen.
  • Ursprung (USA): Wurde von Thomas M. Achenbach konzipiert.
  • Der CBCL in der Fassung für Kinder und Jugendliche im Alter von 4 bis 18 Jahren erfasst die Einschätzungen von Eltern hinsichtlich der Kompetenzen und Probleme ihrer Kinder.
  • Der erste Teil des Fragebogens = Ermittlung psychosozialer Kompetenzen
  • Der zweite Teil = Ermittlung von Verhaltensauffälligkeiten und Auffälligkeiten in der Gefühlswelt des Kindes.
  • Normierung (deutscher Sprachraum) = bundesweite repräsentative Stichprobe von annähernd 2.900 Kindern und Jugendlichen.
  • 15 Minuten Durchführung.

SDQ

  • In Großbritannien entwickelt.
  • Instrument zur Erfassung von Verhaltensstärken und -auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 bis 16 Jahren.
  • Fragebogen (für Eltern/Lehrer*innen/ab 11 Jahren von Jugendlichen).
  • 5 Minuten Bearbeitungszeitraum
  • 2 Seiten
  • Fragt nach Stärken und Schwächen
  • Normierung: Bundesweite Felderhebung von 930 sechs bis 16-jährige Teilnehmer*innen.

Welches Verfahren würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung?

Ich würde die beiden Testverfahren als gegenseitige Ergänzung verstehen. Beginnen würde ich mit dem umfassenden CBCL-Testverfahren. Für dieses Testverfahren liegt eine bundesweite Stichprobe von annähernd 2.900 Kindern und Jugendlichen vor. Der SDQ-Fragebogen nimmt weniger Zeit in Anspruch und könnte eine Ergänzung zur Interpretation des CBCL-Testverfahrens darstellen.

Literatur

(Onlinequellen)


Hermine Granger: 

Verhaltensstörung – CBCL vs. SDQ

CBCL:

  • Meist verbreitetes Verfahren zur Fremdeinschätzung von Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen zwischen 4-18 Jahren
  • 120 Fragen unter 8 Unterskalen: 
  1. Sozialer Rückzug
  2. Körperliche Beschwerden
  3. Angst / Depression
  4. Soziale Probleme
  5. Schizoide, repetitive Schlafprobleme
  6. Aufmerksamkeitsschwierigkeiten
  7. Delinquentes, oppositionelles Verhalten
  8. Aggressives Verhalten
  • Hinweise auf PTBS
  • Feldstichprobe und Klinikstichprobe
  • In Deutschland: Stichprobe nach Geschlecht und Alter (4-11, 12-18) von ca. 2900 Kindern und Jugendlichen
  • 2. Auflage seit 1998
  • Keine psychiatrische Diagnose

SDQ:

  • 5 Skalen: 
  1. Verhaltensprobleme
  2. Hyperaktivität
  3. Emotionale Probleme
  4. Verhaltensprobleme mit Gleichaltrigen
  5. Prosoziales Verhalten
  • 3 Punkte Skala
  • Kinder und Jugendliche von 4-16, ausfüllbar von Kind/ Jugendlichem, Eltern und Lehrer_innen
  • Bundesweite Felderhebung von 930 6-16 Jährigen
  • Seit 1997 auf deutsch
  • Einseitige DinA-4 (ca. 5 Minuten Bearbeitungszeit)

Der CBCL wurde anhand einer größeren Stichprobe getestet und hat somit, meiner Meinung nach, eine aussagekräftigere Normierung durchlaufen. Zudem ist der CBCL sehr umfangreich und kann so Hinweise auf verschiedenste Verhaltensstörungen geben. Vor allem würde ich ihn dann verwenden, wenn im Lebenslauf des Kindes oder des Jugendlichen eventuell traumatische Ereignisse stattgefunden haben, da der CBCL auch Hinweise auf eine PTBS geben kann. Da der CBCL als Fragebogen für Eltern ausgerichtet ist, könnte der SDQ vom Kind oder Jugendlichen ausgefüllt werden, um verschiedene Sichtweise auf die Problematiken zu erhalten und diese abzugleichen. 

Quellen:

KLASEN, Henrikje / WOERNER, Wolfgang / ROTHENBERGER, Aribert / GOODMAN, Robert (2003): Die deutsche Fassung des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu) – Übersicht und Bewertung erster Validierungs- und Normierungsbefunde. In: Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

TESTZENTRALE (o.J.): CBCL/4-18. Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen. 

WOERNER, W. / BECKER, A. / FRIEDRICH, C. / ROTHENBERGER, A. / KLASEN, H. / GOODMAN, R. (2006): Normierung und Evaluation der deutschen Elternversion des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ): Ergebnisse einer repräsentativen Felderhebung. In: Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. 30/2. Göttingen: Hogrefe.

VÖLKL-KERNSTOCK, Sabine / SKALA, Katrin / KLOMFAR, Sophie / KOTHGASSNER, Oswald D. (2016): Zur diagnostischen Relevanz von CBCL und YSR bei Diagnose einer PTBS im Jugendalter. Heidelberg: Springer.

Sonja: Welches Verfahren würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung? Vergleichen Sie die Verfahren „Child Behaviour Checklist“ (CBCL) und „Strengths and Difficulties Questionaires“ (SDQ). / Informationen über deutsche Normen 

CBCL:

  • Fragebögen eignen sich zur allgemeinen Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltenskompetenzen
  • Für Kinder/ Jugendliche in verschiedenen Altersgruppen (1-5, 4-18)
  • 3 Kompetenzskalen (Aktivität, soziale Kompetenz und Schule)
  • 8 beurteilungsübergreifende Syndrome (Sozialer Rückzug, Körperliche Beschwerden, Angst/Depressivität, Soziale Probleme, Schizoid/Zwanghaft, Aufmerksamkeitsstörung, Dissoziales Verhalten, Aggressives Verhalten)
  • Beinhaltet Selbsteinschätzung, Einschätzung von Eltern und Lehrern
  • Normierung für deutschen Sprachraum anhand bundesweiter Stichprobe von 2.900 Kindern und Jugendlichen

(Testzentrale)

SDQ:

  • Messung von psychosozialen Problemen (ICD, WHO, 1992) und Stärken (prosoziales Verhalten) 
  • Kindern im Alter von 3 – 16 Jahren
  • 5 Subskalen: Hyperaktivität/Unaufmerksamkeit, Emotionale Probleme, Verhaltensprobleme, Verhaltensprobleme mit Gleichaltrigen, Prosoziales Verhalten
  • Es gibt Eltern-, Kinder- und Lehrerversion
  • Screening zur klinischen Diagnose (Forschungsinstrument)
  • Antwortformat 3-stufig

(Universitätsklinikum Ulm)

Der SDQ ist ein relativ simpler Fragebogen. Der Test kann schnell und vermutlich ohne größere Verständnisprobleme durchgeführt werden. Der CBCL ist etwas umfangreicher was das Durchführen des Test zeitintensiver macht. Letztlich sollte jedoch nicht die zu verwendende Zeit von Bedeutung sein, sondern die Genauigkeit des Tests von Bedeutung sein. Diese sehe ich beim CBCL eher gegeben.

Mary Poppins

Welches Verfahren würde ich bei der Diagnose Verhaltensstörung einsetzen? Ein Vergleich der Testverfahren Child Behavior Checklist (CBCL) und Strenghts and Difficulties Questionnaire (SDQ).

SDQ:

  • Diagnostisches Instrument zur Quantifizierung kindlicher Verhaltensaspekte
  • Erhebung von Verhaltensauffälligkeiten und -stärken von Kindern und Jugendlichen
  • positiv formulierte Verhaltensaspekte für die Selbst- und Fremdbewertung
  • Fragebogen für die Praxis, Zuhause oder Schule
  • Bereiche: Emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten, Hyperaktivität, Probleme mit Gleichaltrigen, prosoziales Verhalten + subjektive Belastungen durch die Störung des Betroffenen
  • Selbstbewertung ab 11 Jahren, Fremdbewertung ab 4 Jahren
  • Verschiedene Fragebogenversionen vorhanden
  • Unterlagen für jedermann zugänglich → Benötigte Unterlagen zur Auswertung: ausgefüllte Fragebögen, Auswertungsbögen, Auswertungsschablonen
  • Ergebnisse zur diagnostischen Bewertung in einer „Cut-off-Tabelle“ → 80% gelten als unauffällig, 10% grenzwertig auffällig, 10% auffällig → durch britische Normierungsstichprobe eingestuft

CBCL:

  • Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen
  • 15-20 Minuten Zeitaufwand
  • Für Haus- und Kinderärzte geeignet
  • keine psychiatrische Diagnose nach ICD-10 oder DSM-IV
  • Ergebnisse über Symptome, die eine genauere Diagnostik bedürfen
  • Youth Self-Report (YSR) ein verknüpfter Fragebogen, von KJ ausgefüllt & Teacher´s Report Form (TRF) ein verknüpfter Fragebogen für Lehrer → Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltenskompetenzen aus mehreren Perspektiven möglich
  • Fragebögen in 2 Abschnitte gegliedert: 1. Teil 3 Kompetenzen des KJ: Aktivität, soziale Kompetenz und Schule / 2. Teil 120 Fragen über 8 Verhaltensauffälligkeiten: Sozialer Rückzug, Körperliche Beschwerden, Angst/ Depressivität, Soziale Probleme, Schizoid/ Zwanghaft, Aufmerksamkeitsstörung, dissoziales Verhalten, aggressives Verhalten
  • zusätzlich werden persönliche und familiäre Daten erhoben, soziale Schichtzugehörigkeit
  • Auswertung nach der deutschen Normen von Achenbach und Edelbroch → T-Werte und Prozenträngen → Normierung 2.900 KJ
  • Feld- und Klinikstichprobe 
  • 3 beurteilungsübergreifende Skalen zu internalisierenden, externalisierenden Auffälligkeiten + Gesamtwert für Auffälligkeiten, welche aus Problemskalen ermittelt werden 

Auswertung:

Eine klare Position, welches Verfahren ich bei der Diagnose Verhaltensstörung durchführen würde, habe ich nicht. Jedes Verfahren hat seine Vor- und Nachteile. 
Ich würde bei dem Verdacht auf eine Verhaltensstörung das SDQ-Verfahren durchführen, da dieses Verfahren kostenfrei und für jedermann verfügbar ist. Somit ist dieses Verfahren auch überall durchführbar: In der Praxis, Zuhause oder in der Schule. Leider ist eine Normierung nur für die Elternversion und für Kinder ab 6 Jahren vorhanden, weshalb die Reliabilität nicht voll gegeben ist.
Wurde mithilfe des SDQ-Verfahrens eine Verhaltensstörung diagnostiziert, so kann zusätzlich das CBCL-Verfahren durchgeführt werden, um die Diagnostik genauer zu erstellen. In der Praxis würde ich das CBCL-Verfahren dem SDQ-Verfahren vorziehen, da dies ein Internationales Verfahren ist und eine große Anzahl von Problembereichen abgefragt werden. In der Praxis ist es auch kein Problem, dass die Bearbeitungsdauer etwas höher ist und nicht kostenfrei verfügbar ist. Eine ältere Normierung ist vorhanden und es wurde eine Feld- und Klinikstichprobe durchgeführt, somit ist die Reliabilität vorhanden.

Quellen:

Herpertz-Dahlmann, Beate / Kruse, Waltraut / Ziegert, Bärbel / Neuss, Andreas (2002): Psychische Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlichen in der allgemeinärztlichen Praxis: Wer ist behandlungsbedürftig? In: Deutsches Ärzteblatt PP. Heft 6, S. 271.

Koglin, Ute (2017): Verhaltensskalen für Kinder im Vergleich. SDQ, CBCL und VSK. Universität Oldenburg.

Lohbeck, Annette / Schultheiß, Jan / Petermann, Franz / Petermann Ulrike (2015): Die deutsche Selbstbeurteilungsversion des Strenghts and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu-S). In: Diagnostica. Jg 61, Heft 4, S. 222-235. Göttingen: Hogrefe Verlag.

Schäfer, Sabine (2010): SDQ (Strenghts and Difficulties Questionaire) – Fragebogen zu Stärken und Schwächen. 

Erklärungen zu testpsychologischen Verfahren – Praxis Dr. Just & sozialpsychiatrisches Team

testzentrale de

Baum13: Welches Verhalten würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung? Vergleich Child Behavior Checklist (CBCL) und Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ)

Child behavior Checklist (CBCL/6-18R)

Hat seinen Ursprung in den USA (Thomas M. Achenbach)

Erfassung von Verhaltens- und emotionalen Auffälligkeiten, somatische Beschwerden und sozialen Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen im Schulalter aus Sicht der Eltern.

Direkt davon abgeleitet wurden TRF/6-18R und YSR/11-18R und dienen der Beurteilung aus Sicht von Lehrern und Jugendlichen

Bildung von acht Problemskalen (ängstlich/depressiv, rückzüglich/depressiv, körperliche Beschwerden, soziale Probleme, Denk-, (Schlaf-) und repetitive Probleme, Aufmerksamkeitsprobleme, Regelverletzendes Verhalten und Aggressives Verhalten) sowie Berechnung dreier übergeordnete Skalen (Gesamtauffälligkeit, Internale Probleme, Externale Probleme).

Möglichkeit DSM-orientierte Skalen zu bestimmen

Zeitaufwand ca. 15-20 Minuten 

Bundesweit repräsentative Normdaten (T-Werte) liegen für die CBCL/6-18R (N = 2.471) vor.

Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ) 

Hat seinen Ursprung in Großbritannien

Erfassung von Verhaltensstärken und -auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 bis 16 Jahren

Zeitaufwand ca. fünf Minuten

Aufbau von 25 Items aufgeteilt in fünf Einzelskalen (emotionale Probleme, externalisierende Verhaltensauffälligkeiten, Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsprobleme, prosoziales Verhalten, Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen)

Deutsche Normierungsstudie zum Eltern-SDQ (N = 930)

CBCL und SDQ haben unterschiedliche Stärken:

SDQ: schneller Zugang, weil kostenfrei im Internet inklusive Auswertungsinstruktionen, fragt nach Stärken und Schwächen 

CBCL: Erfasst seltene Probleme von Kinder und Jugendliche (Bsp. Halluzinationen)

Daher erscheint es sinnhaft, beide Test in Kombination einzusetzen. SDQ zwecks Anfangsdiagnostik und grobe Einschätzung und den CBCL zwecks detaillierter Erfassung psychiatrischer Symptome.

DÖPFNER, M., PLÜCK, J. & KINNEN, C. (2014). CBCL/6-18R, TRF/6-18R, YSR/11-18R. Deutsche Schulalter-Formen der Child Behavior Checklist von Thomas M. Achenbach. Göttingen: Hogrefe.

ESSER, G., HÄNSCH-OELGARTH, S. & SCHMITZ, J. (2017). TBS-TK Rezension: „CBCL/6-18R, TRF/6-18R, YSR/11-18R. Deutsche Schulalter-Formen der Child Behavior Checklist von Thomas M. Achenbach “Psychologische Rundschau, 69, 144–146.

KLASEN, Henrikje, WOERNER, Wolfgang, ROTHENBERGER, Aribert & GOODMAN, Robert (2003). Die deutsche Fassung des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu) – Übersicht und Bewertung erster Validierungs- und Normierungsbefunde Praxis der Kinderpsychologie und Kinderpsychiatrie 52 (2003) 7, S. 491-502.

Teddy

Diagnose von Verhaltensstörungen:

→Child Behavior Checklist (CBCL):
Die Child Behavior Checklist gibt es in verschiedenen Fassungen, welche kontinuierlich aktualisiert werden. Die deutschen Fassungen basieren auf der US-amerikanischen aus dem Jahr 2001 und werden von diesen ins Deutsche übersetzt. Entwickler dieses Verfahrens war Herr Thomas N. Achenbach. Dieses Verfahren (herangezogen wird die aktuelle Fassung laut testzentrale.de genannt „CBCL/6-18R“) ist als Fragebogen konzipiert, aus welchem weitere Fragebögen, hier „TRF/6-18R und YSR/11-18R“, abgeleitet werden. In diesem exemplarischen Fall dienen sie zur Erfassung von emotionalen und verhaltensbasierende Auffälligkeiten sowie somatischen Beschwerden als auch bei sozialen Kompetenzen. Die Fragebögen sind so gestaltet, dass diese drei jeweils nur durch eine bestimmte Gruppe ausgefüllt werden können: 1.) Durch die Eltern, 2.) durch die Lehrenden und 3.) durch die Jugendlichen selbst. Bei Einleitung werden acht Problemskalen gebildet, welche einen Bezug so psychischen und physischen Problemen haben. Außerdem werden drei übergeordnete Skalen erstellt, welche die einzelnen Bereiche zusammenfassen. Im Gegensatz zu älteren Fassungen ist es durch die Neuste ermöglicht worden, Skalen zu berechnen, welche DSM-orientiert sind (nach dem DSM- Klassifikationssystem). Normdaten liegen für die CBCL/6-18R und der YSR/11-18R vor, welche bundesweit repräsentativ, während TRF/6-18R nur Vergleichsdaten von Grundschulkindern aus einer Großstadtstichprobe vorliegen. Alle drei haben jedoch gemein, dass Normdaten einer Klinikstichprobe vorliegen.

→Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ):
Bei dem in Großbritannien entwickelten SDQ handelt es sich um ein Instrument, welches in der Altersklasse 4 bis 16 Jahren bei Individuen eingesetzt wird, um Verhaltensstärken- und Auffälligkeiten festzustellen. Im Jahre 1997 entstanden, wurde es in die deutsche Sprache übersetzt und auch hierzulande genutzt. Als Fragebogen herausgegeben, kann dieser als Selbstbericht durch die Kinder und Jugendlichen ausgefüllt werden als auch durch deren Eltern und Lehrende. Es gibt 25 Items und 5 Stück ergeben eine der folgenden 5 Einzelskalen: 1.) Emotionale Probleme, 2.) Externalisierende Verhaltensauffälligkeiten, 3.) Hyperaktivitäts- und Aufmerksamkeitsprobleme, 4.) Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen, 5.) Prosoziales Verhalten. Die einzelnen Items kann man mit einem „nicht zutreffend, teilweise zutreffend und

einem zutreffend“ beantworten. Für die Normierung wurde eine repräsentative Feldererhebung auf Bundesebene durchgeführt, bei welcher die Elternfassung der deutschen Version des SDQs für 930 sechs bis 16-jährigen Personen ausgefüllt werden. Basierend auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes wurde geprüft, ob die Repräsentativität der Stichprobe bezüglich der Alters- und Geschlechtsverteil gegeben ist.

Welches Verfahren würde ich wählen?:

Basierend auf der Ergebnissen, welche ich auf meiner Recherche erhalten habe, würde ich beide Verfahren nutzen beziehungsweise eines der beiden und das jeweils andere als Ergänzung oder zur Gegenprüfung. Die Repräsentativität der Verfahren sind gegeben, nach Untersuchungen wurde zudem festgestellt, dass die Übertragung aus dem Englischen in das Deutsche erfolgreich verlaufen. Die Nutzung der Items und Skalen, wovon ich letztere allerdings nicht bei der CBCL in meine Erarbeitung einzeln aufgelistet habe, gleichen sich außerdem beinahe in allen Fällen und testen daher fast exakt die gleichen Felder ab. Da bei beiden Verfahren zudem die Betroffenen selbst als auch die Eltern und Lehrenden die Fragenbögen ausfüllen können, halte ich es auch zudem geeignet, dass beide Verfahren ergänzend angewendet werden.

Quellen:
Information der testzentrale.de zu DÖPFNER, Manfred / KINNEN, Claudia / PLÜCK, Julia: Deutsche Schulalter-Formen der Child Behavior Checklist von Thomas M. Achenbach. GOODMAN, Robert /KLASEN, Henrikje /ROTHENBERGER, Aribert /WOERNER, Wolfgang: Die deutsche Fassung des Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ-Deu) – Übersicht und Bewertung erster Validierungs- und Normierungsbefunde [PDF]. BETTGE, S. /HÖLLING, H. /RAVENS-SIEBERER, U. /WIETZKER, A.: Ein Methodenvergleich der Child Behavior Checklist und des Strengths and Difficulties Questionnaire [PDF].

 JC99: Diagnose Verfahren (Strengths and Difficulties Questions = SDQ)

  • Erfassung psychischer Auffälligkeiten aus der Perspektive verschiedener Beurteiler (Lehrer, Eltern, Kinder/ Jugendliche)
  • fünf verschiedene (Problem-)Bereiche werden berücksichtigt:
    • Emotionale Probleme
    • Verhaltensprobleme
    • Hyperaktivität
    • Verhaltensprobleme mit Gleichaltrigen
    • Prosoziales
  • umfasst insgesamt 25 Fragen (zu den fünf unterkategorein gibt es je 5 Aussagen)
    • Diese Aussagen werden mit einer dreistufiger Skala beantwortet (nicht/ teilweise oder eindeutig zutreffend)
  • Lehrerbogen und Elternbogen für den Altersbereich 4 bis 16 Jahre
  • Selbsttest für Jugendliche von 11 bis 16 Jahren
  • Bearbeitungsdauer:Pro Schüler kann der SDQ in ca. 5 Minuten durchgeführt und in 2 Minuten ausgewertet werden
  • Preis:Das Verfahren kann in allen Versionen inklusiveAuswertungsanleitung komplett kostenlosbezogen werden
  • wird von Lehrerpersonen, Eltern und Kindern gleichermaßen zuverlässig beantwortet
  • Es liegen repräsentative Daten vor (Die aus England stammende Originalversion des SDQ wurde psychometrisch an mehreren 10.000 Kindern & Jugendlichen getestet)

Diagnose Verfahren (Child Behavior Checklist = CBCL)

  • Umfasst verschiedene Zielgruppen 
    • Fragenbögen für Erzieher*innen/ Lehrer*innen
    • Elternfragebogen
    • Fragebogen für die Betroffenen (Jugendliche von 11 bis 18 Jahre)
  • Zweiteiliger Fragebogen:
    • 1.Kompetenzen:
      • Schulleistungen
      • Aktivitäten
      • Soziale Kompetenz
    • 2. Verhaltens- und emotionale Auffälligkeiten, körperliche Beschwerden
      • Internalisierende und Externalisierende Probleme
      • Gesamtauffälligkeit
  • Skalen erster Ordnung in der CBCL:
    • 1.Ängstlich/depressiv
    • 2.Rückzug/depressiv
    • 3.Körperliche Beschwerden
    • 4.Soziale Probleme
    • 5.Denk-und repetitive Probleme
    • 6.Aufmerksamkeitsprobleme
    • 7.Regelverletzendes Verhalten
    • 8.Aggressives Verhalten
  • Bearbeitungsdauer: ca. 15 – 20 Minuten
  • Es liegen repräsentative Daten vor (für zwei Altersgruppen: 6 – 11 Jahre und 12 – 18 Jahre; weitere Angaben wurden berücksichtigt z.B. das Geschlecht)

Quellen

KOGLIN, Ute (2017): Verhaltensskalen für Kinder im Vergleich. Oldenburg. 

PÜTZ, Kathrin (2011): aktuelle Testdiagnostische Verfahren im Förderschwerpunkt emotionale soziale Entwicklung. Köln.

psidix org, medizin-im text de,

Welches Verfahren würden Sie einsetzen bei der Diagnose von Verhaltensstörung?

Ich würde beide Verfahren ergänzend zueinander einsetzen. Beginnen würde ich mit dem SDQ unteranderem da es kostenlos zugänglich ist und schnell und unkompliziert einen ersten Eindruck verschaffen kann. Da beide Test unterschiedliche Schwerpunkte haben würde ich auch den CBCL Test anschließend durchführen.

helmobil:

Child Behavior Checklist (CBCL)

Der CBCL kommt aus Amerika. Der englischsprachige Originaltest wurde er vom Psychiater Thomas M. Achenbach konzipiert. An der Entwicklung der Deutschen Fassung ist unter anderem der Kinderpsychiater Manfred Döpfner, Uni Köln, beteiligt. 

Die Child Behavior Checklist (CBCL) ist ein Fragebogen, der Hinweise auf psychische Störungen, zum Beispiel auf ADHS liefern kann. Auch wird er dazu eingesetzt, um weitere psychische Störungen („Komorbiditäten“) bei ADHS zu erfassen. „CBCL/4-18“ bedeutet, dass der Fragebogen sich auf Kinder im Alter von 4 bis 18 Jahren bezieht. Der Fragebogen wird von den Eltern ausgefüllt. Es wird nach Sportarten und Lieblingsaktivitäten gefragt, nach Pflichten, die das Kind im Haushalt erfüllt, nach Pflichten, die das Kind im Haushalt erfüllt, nach der Anzahl der Freunde und vielem mehr. Quelle: Medizin-im-Text org

SDQ

Der SDQ (Strengths and Difficulties Questionnaire) ist ein Fragebogen zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten und -stärken bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 4 bis 16 Jahren. Neben dieser Elternversion existieren Parallelversionen für die Selbstbeurteilung durch Jugendliche (SDQ-deu-J)und die Fremdbeurteilung durch Lehrer (SDQ-deu-L).

Der SQD setzt sich aus fünf Einzelteilen mit jeweils fünf Merkmalen zusammen:

Emotionale Probleme

Hyperaktivität/Aufmerksamkeitsprobleme

Probleme im Umgang mit Gleichaltrigen

Verhaltensauffälligkeiten

sowie Prosoziales Verhalten. 

Die Rohwerte der vier erstgenannten Skalen werden zu einem Gesamtproblemwert zusammengefasst. Die Bewertung der Items erfolgt dreistufig durch: 0 = nicht zutreffend / 1 = teilweise zutreffend / 2 = eindeutig zutreffend. Der zweiseitige Fragebogen beginnt mit einer kurzen Instruktion und enthält insgesamt 25 Merkmale, wobei 10 Merkmale positiv und 14 negativ formuliert sind und problematische Erlebensweisen des Kindes abfragen, während ein Merkmal neutral formuliert wurde.  Quelle ADHSpedia de.

Welches Verfahren würden Sie einsetzen bei der Diagnose „Verhaltensstörung“ ?

Beide Test haben ihre Vor- und Nachteile. Ich denke eine Mischung aus beidem machts und ist individuell zu entscheiden. 

Biene: Welches Verhalten würden Sie einsetzen bei der Diagnose Verhaltensstörung? Vergleich Child Behavior Checklist (CBCL) und Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ)

CBCL:

  • Elternfragebögen zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten, emotionalen Auffälligkeiten, somatischen Beschwerden sowie sozialen Kompetenzen Fragebögen eignen sich zur allgemeinen Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten und Verhaltenskompetenzen
  • Für Kinder im Alter von 8 bis 14 Jahren
  • Von Thomas M. Achenbach entwickelt
  • Dauer der Durchführung beträgt ca. 15 Minuten.
  • Es werden 120 Items ausfüllt, die in drei Stufen eingrenzbar sind
  • Durch eine bundesweite repräsentative Stichprobe von annähernd 2.900 Kindern und Jugendlichen wurde dieses Verfahren im deutschen Sprachraum normiert.

SDQ:

  • SDQ fragt nach Stärken, Schwächen von Kindern
    • Messung von psychosozialen Problemen und Stärken 
  • Für Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren
  • vergleichsweise kurzer Fragebogen mit 25 Fragen, welcher innerhalb von 5 Minuten bearbeitet werden kann 
  • Es gibt Eltern-, Kinder- und Lehrerversion
  • notwendige Materialien (Fragebögen, Auswertungsbögen, Interpretationsanaleitungen) sind kostenfrei verfügbar 

Beide Verfahren beziehen sich auf Ressourcen und Defizite von Kindern und Jugendliche. Das Testverfahren weist einen größeren Umfang auf. Es bezieht u.a. das Geschlecht, das Alter sowie die Tätigkeiten bzw. die erlernten Berufe der Kindeseltern mit ein. Das CBCL scheint ein umfangreicher Blick auf das Verhalten von Kindern zu ermöglichen, da es umfassender aufgebaut ist und inhaltliche Schwerpunkte bietet. 

Das Verfahren SDQ hingegen hat einen geringeren Zeitaufwand und eine größere Adressatengruppe. Zudem kann dieses Verfahren kostenfrei genutzt werden. Aufgrund der inhaltlichen Schwerpunkte tendiere ich allerdings zum CBCL. Da bei beiden Verfahren zudem die Betroffenen selbst als auch die Eltern und Lehrenden die Fragenbögen ausfüllen können, halte ich es allerdings für sinnvoll, dass beide Verfahren ergänzend angewendet werden.

 Bigmann

Child Behavior Checklist (CBCL)

  • „Der Fragebogen besteht aus einem allgemeinen Teil mit offenen Fragen und einem geschlossenen Teil mit Items, die auf einer 3-Punktskala zu beantworten sind“
  • Der CBCL ist nur ein Teil eines Mehrteiligen Testsystems, der in folgende vier Tests untergliedert ist (ASEBA – Achenbach System of Empirically Based Assessment):
    1. Child Behaviour Checklist (CBCL) 6 – 18 (ausgefüllt von den Eltern)
    2. • C-TRF: Teacher’s Report Form 1,5 – 5 (ausgefüllt von einer Lehrkraft)
    3. • TRF: Teacher’s Report Form 6 – 18 (ausgefüllt von einer Lehrkraft)
    4. • YSR: Youth Self-Report 11 – 18 (ausgefüllt von dem Jugendlichen)
  • Der CBCL wird lediglich von den Eltern ausgefüllt
  • Besteht aus drei + einer neuen Kompetenzskaler:
    1. Aktivitäten
    2. Sozial
    3. Schule
    4. Stress-Skala
  • Ist in 5 DSM Skalen unterteilt
    1. Affektive Probleme
    2. Angstprobleme
    3. Somatische Probleme
    4. Aufmerksamkeits/Hyperaktivitätprobleme
    5. Oppositionelle Verhaltensprobleme

Strengths and Difficulties Questionaires (SDQ)

  • Weltweit meistgenutzt zur Erfassung von psychischen Problemen bei Kindern und Jugendlichen
  • Der Test geht nicht nur auf Schwächen, sondern auch Stärken ein
  • Einfluss der psychosozialer Probleme wird im Test auch behandelt
  • Kann bei Erstmessungen als auch bei follow-up Messungen verwendet werden
  • Es gibt 6 Varianten des Tests:
    1. SDQ-P 2-4 auszufüllen von Eltern 2- bis 4-Jähriger
    2. • SDQ-P 4-17 auszufüllen von Eltern 4- bis 17-Jähriger
    3. • SDQ-T 4-17 auszufüllen von Lehrern 4- bis 17-Jähriger
    4. • SDQ-S 11-17 auszufüllen von 11- bis 17-Jährigen (Selbstbeurteilungsinstrument)
    5. • SDQ-I 18+ auszufüllen von Freunden, Partner/innen, Eltern, Geschwistern, Kindern oder anderen Kontaktpersonen von Erwachsenen
    6. • SDQ-S 18+ auszufüllen von Erwachsenen (Selbstbeurteilungsinstrument)
  • Verfahren zur Erhebung von psychischen Auffälligkeiten von Kindern und Jugendlich im Alter 2 und 17 Jahren
  • Können von Eltern, Lehrern und Kindern/Jugendlichen gemeinsam ausgefüllt werden
  • 25 Aussagen mit einer dreistufigen Skala
  • 5 der 25 Aussagen können in eine weite Skala eingeordnet werden:
    1. Emotionale Probleme
    2. Verhaltensprobleme
    3. Probleme mit Gleichaltrigen
    4. Hyperaktivitätsproblem
    5. Prosoziales Verhalten

Fazit:

Wäre ich gezwungen, mein Kind von eines dieser Testverfahren testen zu lassen, würde ich mich auf Anhieb für das/den SDQ entscheiden. Es wirkt, meiner Recherche nach, differenzierter und gesamtheitlicher, was die Befragungen angeht. Beim CBCL wird lediglich die Einschätzung der Eltern berücksichtigt. Außerdem scheint der SDQ in seiner Reputation etablierter zu sein und suggeriert mir damit, dass dieser Test, wahrscheinlich nicht desaströs sein wird.   Quellen: 
EMBLOOM: Child Behaviour Checklist (CBCL) 6 – 18
EMBLOOM: Fragebogen zu Stärken und Schwächen – Strengths and Difficulties Questionnaire (SDQ)
Koglin, Ute (2017): Verhaltensskalen für Kinder im Vergleich. SDQ, CBCL und VSK. Universität Oldenburg. 

Frage Mand an alle: Es geht ja darum, die Normierungsstichprobe zu bewerten. Wenn Sie dieses Kriterium zugrunde legen: Welches Verfahren schneidet dann besser ab?

Vierte Sitzung

Wer herausfinden will, ob Testverfahren ok sind oder eher nicht, der muss sich z. B. damit befassen, ob der Testende einen Einfluss hat (gehört zum Gütekriterium Objektivität), ob das Ergebnis zu einem anderen Zeitpunkt repliziert werden kann (gehört zum Gütekriterium Zuverlässigkeit bzw. Reliabilität), und ob auch eine längerfristige Prognose möglich ist (gehört zum Gütekriterium Validität).

Die meisten Testverfahren veröffentlichen in ihren Handbüchern zu diesen Fragen eine Vielzahl von Tabellen, die ohne statistische Vorkenntnisse kaum zu verstehen sind. In diesem Seminar möchte ich vorschlagen, sich auf einige wenige, leicht zu beantwortende Fragen zu beziehen.

Bei der Objektivität würde ich raten danach zu schauen, ob wirklich die selben Kinder von zwei Testleiter*innen getestet wurden und ob die Übereinstimmung gemessen wurde (Prozentzahlen).

Beim Thema Zuverlässigkeit / Reliabilität würde ich prüfen, ob die sogenannte Test – Retest – Reliabilität untersucht wurde oder doch nur alternative, billigere Konzepte. Interessant ist dann auch, ob der Reliabilitätskoeffizient in allen Altersgruppen die erforderlichen Mindestwerte erreicht (Wenn nicht, ist der Test für diese Altersgruppe nicht einsetzbar).

Wie man Gütekriterien bewertet

Vermutlich ist es doch hilfreich, zumindest zu verstehen, was Korrelationen sind. Immerhin sind Reliabilitätskoeffizienten Korrelationskoeffizienten. Der entsprechende podcast erklärt Berechnung und Interpretation von Korrelationskoeffizienten auf – ich glaube – einfache Art und Weise.

Korrelationen

Sonja: Bewertung AIT von Satow

Normierung: Da 8222 Test ausgewertet wurden und diese die Marke von 1500 Befragten weit übersteigt, kann von einer guten Stichprobengröße gesprochen werden. Auch zwischen den Geschlechtern war die Gruppe relativ gleichmäßig verteilt. Lediglich in den Punkten Alter, Abschluss und Einkommen gab es keine gleichmäßige Verteilung.

Objektivität: Da der Test statistisch ausgewertet werden kann (eine Antwort ist objektiv entweder richtig oder falsch) kann von einem hohen Maß an Objektivität ausgegangen werden.

Reliabilität: Es wird von einem Koeffizienten von Alpha=0.93 berichtet. Dies überschreitet die Grenze von 0.9, welche Auskunft über die Reliabilität Auskunft gibt. Es kann somit von einer hohen Reliabilität ausgegangen werden.

Validität:? (Es wurde berichtet, dass der Test nur nach erstmaligem Durchführen einer Person gewertet werden kann, die Konstanz über einen längeren Zeitpunkt kann dann nicht gemessen werden)

 Ann22 Aufgabe: Bewertung der Gütekriterien des Allgemeinen Intelligenz-Tests von Dr. Satow

Normierung: Mehr als 10000 Menschen haben den Test online auf verschiedenen Plattformen durchgeführt. Davon wurden 8222 Teilnehmer als relevant für die Auswertung gewertet. Vor dem Beginn des Tests wurden soziodemographische Daten der Teilnehmer erhoben. Außerdem musste angegeben werden, ob der Test nur zum Ausprobieren oder ernsthaft beantwortet wird. Die Geschlechter waren relativ gleich verteilt, nur beim Alter und Einkommen gab es eine Ungleichverteilung. Mit 8222 Teilnehmern übersteigt der Test den Wert von mindestens 1500 Teilnehmern und hat daher eine gute Stichprobengröße.

Objektivität: Bei dem AIT kann von einer hohen Objektivität ausgegangen werden, da alle Teilnehmer unter vergleichbaren, standardisierten (Online Test) Bedingungen getestet werden. Die Auswertung und Interpretation des Ergebnisses erfolgt automatisiert und nach klaren Regeln (richtig und falsch Fragen).

Reliabilität: Für die Testung der Allgemeinen Intelligenz hat die Testgenauigkeit einen Wert von alpha=0,93. Ab einem Wert von 0,9 gilt die Reliabilität als hoch.

Die Re-Test Korrelation kann nicht angewandt werden, da der Test nur einmal durchgeführt werden kann. Es kann also nicht untersucht werden, ob das gleiche Ergebnis bei mehrmaliger Durchführung des Tests vorliegt.

Validität: Geschlecht und Alter haben auf die Testergebnisse wenig Einfluss. Schulbildung, Berufsausbildung und Berufstätigkeit haben jedoch, wie erwartet, einen Einfluss auf das Ergebnis des Tests. Daher kann man davon ausgehen, dass eine Validität gegeben ist.  

Shmt: Modul 4.4 LV 2: Diagnostizieren, etikettieren, stigmatisieren

Arbeitsauftrag 4

Testverfahren bewerten: AIT

Handelt es sich um eine akzeptable Normierungsstichprobe? Werden gute Werte im Bereich der Objektivität ermittelt? Welche Art von Reliabilitätskoeffizient wird verwendet? Reicht dies aus? Prognostische Validität oder kriterienbezogene Validität?

Normierung = 8.222 Datensätze wurden ausgewertet. Eine repräsentative Stichprobe liegt vor, wenn sich 1.500 Teilnehmende beteiligt haben. Demnach übersteigen 8.222 Datensätze diese Marke, wodurch eine gute Normierungsstichprobe vorliegt. Zudem wurde besonders Wert daraufgelegt, dass die Teilnehmenden den Test ernsthaft durchgeführt haben. Alle anderen TN wurden aussortiert und nicht mitgezählt.

Objektivität = Teilnahme erfolgt online + anschließender (maschineller) Auswertung.

Dies lässt eine hohe Objektivität vermuten (Keine unterschiedlichen Testleiter*innen).

Reliabilität = 0,93 > 0.90 d.h. hohe Reliabilität 

Validität = keine prognostische Validität, weil der Test einmal durchgeführt wird und nicht zu einem späteren Zeitpunkt nochmal (?)

Anmerkung Mand: Das ist etwas missverständlich formuliert. Der Stichprobenumfang ist absolut in Ordnung. Das Problem liegt eher in der Stichprobengewinnung. Repräsenstativ ist eine Stichprobe dann, wenn jedes Mitglied der Grundgesamtheit die gleiche Wahrscheinlichkeit hat in die Stichprobe zu kommen. Und dies liegt beim AIT nicht vor. Ist aber auch selten bei Intelligenztests, dass die eine repäsentatitive Stichprobe haben.

Grundsätzlich haben alle Online-Stichproben allerdings auch noch ein weiteres Problem: Es ist nicht genau festzustellen, wie viele Menschen, die von der Option, an der Studie teilzunehmen Kenntnis hatten, sich gegen eine Teilnahme an der Normierungsuntersuchung entschieden haben. Der Rücklauf ist normalerweise deshalb katastrophal. Und dies bedeutet: Die Stichprobe ist aus einem weiteren Grund nicht repräsentativ.

Anka 13: Allgemeiner Intelligenz-Test (AIT)

Frage: Handelt es sich um eine akzeptable Normierungsstichprobe? Werden gute Werte im Bereich Objektivität ermittelt? Welche Art von Reliabilitätsquotient wird verwendet? Reicht das aus? Wird die prognostische Validität berechnet oder Kriterienbezogene Validität?

Reliabilität: Die neue überarbeitet Version des Allgemeinen Intelligenz-Test hat 67 Items erreicht. Es wird ein Korrelationskoeffizient Alpha=0,93 angegeben (Berechnung aus allen Items). Damit liegt der Korrelationskoeffizient über der vorgegeben 0,9 für Testverfahren. 

Normstichprobe: N = 8222 / Zufalls-Stichprobe – Die Internetseiten wurden zufällig von den Teilnehmern ausgewählt. Das bedeutet, dass die Personen zufällig selbstbestimmt den Test ausgewählt haben. Jedoch mussten die Teilnehmer angeben, ob sie den Test „nur ausprobieren“ oder „ernsthaft“ machen wollten. Bei der Analyse wurden die Teilnehmer, die „nur ausprobieren“ angewählt haben, nicht berücksichtigt. Ich persönlich finde es schwierig auf welchen Seiten der Test „nur“ angeboten wurde und das die Teilnehmer ausgeschlossen wurden, die den Test „nur ausprobieren“ wollten. 

Objektivität: Der Test wurde als kostenloser Selbsttest auf dem Psychologie-Portal www.psychomeda.de, auf der Karriere-Plattform career-test.de sowie auf weiteren Webseiten und Unternehmensseiten angeboten. 

Validität: Es gibt erwartungskonforme Unterschiede in den Intelligenzprofilen in Abhängigkeit von Schulbildung, Berufsausbildung und Berufstätigkeit. Alter und Geschlecht spielten nur einen geringen Einfluss. 

– Faktorielle Validität: Überprüfung der hierarchischen Strukturen mit einer konfirmatorischen Faktorenanalyse. 

– Interskalen-Korrelationen: Die Sub-Tests sind deutlich korreliert, aus den Größen des Indizes wird jedoch deutlich, dass unterschiedliche Konzepte erfasst wurden. 

 kathi94: Testverfahren AIT

Normierung: An dem AIT Test haben mehr als 10000 Menschen teilgenommen. Nach Ausschluss nicht verwertbarer Daten entstand eine Stichprobe mit 8.222 Teilnehmern. Diese übersteigt den Richtwert von mindestens 1500 deutlich, wodurch sich hier zunächst eine gute Stichprobegröße ergibt. Allerdings ergab sich das zwar die Geschlechter eine relativ gleiche Verteilung hatten, die Verteilung von Alter und Einkommen allerdings einen großen Anteil an jüngere Teilnehmer mit wenig Einkommen aufwies.

Objektivität: Die Auswertung erfolgt elektronisch (kein Einfluss verschiedener Testleiter). Der Test steht online auf Webseiten zur Verfügung.

Reliabilität: Ein Wert von alpha: 0,93 wurde angegeben. Eine gute Reliabilität ist bereits ab einem Wert von 0,9 gegeben.

Validität: Alter und Geschlecht zeigten nur einen geringen Einfluss auf die Intelligenzleistung – wie es erwartet wurde – Schulbildung, Berufsausbildung und Einkommen zeigten hier einen deutlicheren Einfluss auf die Intelligenz. Zweite Durchführung nach längerem Zeitraum?

Hermine Granger: Bewertung des Allgemeinen Intelligenztests (AIT)

  • Normierungsstichprobe
  • Nach Ausschluss 8222 Stichproben
  • Gewinnung der Testpersonen?
  • Objektivität
  • Online-Test (keine Testleiter_innen können Testergebnis beeinflussen)
  • Reliabilität: Korrelationskoeffizient
  • Cronbachs Alpha Korrelationskoeffizient
  • Sprachverständnis: 0.80
  • Numerische Fähigkeiten: 0.84
  • Logisch analytisches Denken: 0.84
  • Räumlich visuelles Denken: 0.80
  • Allgemeine Intelligenz: 0.93
  • Kein Re-Test
  • Validität
  • Konstruktvalidität: AIT stützt sich auf Theorie von CHC-Modell
  • Faktorielle Validität
  • Interskalen Validität (immer bei kleiner / gleich 1 Irrtumswahrscheinlichkeit)

Die Größe der Normierungsstichprobe würde ich als angemessen bewerten. Da der Test online durchgeführt wird, kann kein_e Testleiter_in Einfluss auf die Durchführung und das Ergebnis des Tests nehmen. Bei der Gewinnung der Teilnehmer_innen lässt sich auf kein Kriterium wie der Totalerhebung oder Zufallsstichprobe schließen. Bei der Reliabilität wird auf keinen Re-Test verwiesen, sodass nicht deutlich wird, ob bei erneuter Messung zu einem späteren Zeitpunkt das gleiche Ergebnis erzielt wird. Die Reliabilität wird mit Hilfe des Cronbachs Alpha gemessen. Dieser beträgt zwar bei der Allgemeinen Intelligenz 0.93, also ca. 86%, ist allerdings nicht so aussagekräftig wie andere Verfahren. Es wurde keine prognostische Validität angeführt. Aufgrund der angeführten Aspekte würde ich den Test nicht verwenden. 

Pflanze25 Aufgabe: Testverfahren bewerten. Handelt es sich um eine Ihrer Meinung nach akzeptablen Normierungsstichprobe, die der allgemeine Intelligenztest (AIT) verwendet?
Werden gute Werte im Bereich Objektivität ermittelt? Welche Art von Reliabilitätskoeffizenz wird verwendet und reicht das Ihrer Meinung nach aus? 
Wird die prognostische Validität berechnet oder zumindest die kriterienbezogene Validität?

Normierung: 
– Positiv: 8222 von 1500 Teilnehmer (ungültige Tests bereits ausgenommen); Geschlechter gleichmäßig verteilt (weibliche TN: 55%)
– Negativ: Ungleiche Verteilung beim Alter (20-30 Jahre), Abschluss (52% mind. Fachabitur), Verdienst (42% der TN verdienen weniger als 1000 € pro Monat, jedoch circa 3000 der TN verdienen knapp 3000€ pro Monat)

Objektivität: gegeben

Reliabilität: Alpha: 0,93 -> daher ebenfalls gegeben

Validität: nicht gegeben, da der Test nur einmalig durchgeführt werden kann, es daher nur ein Testleiter gibt und keinen Retest.

Teddy
Überprüfung des AIT von Herrn Dr. Lars Satow
Normierung: Eine Stichprobe mit 8.222 Teilnehmern konnte aus einem Datensatz von insgesamt 10.000 Teilnehmenden gezogen werden, welche an dem AIT von Dr. L. Satow teilnahmen. Eine gute Stichprobengröße liegt hierbei vor, da die gesetzte Schwelle um mehrere Tausende überschritten worden ist. Bezüglich der Verteilung ist festzustellen, dass es auf der Ebene des Geschlechtes ungefähr ausgeglichen ausschaute, während im Feld der
Altersklassen und des verfügbaren Einkommens die Situation unausgeglichen war.Objektivität: Es gab hierbei keine Testleitenden. Alles wurde auf elektronischem Wege nach dem Prinzip „Ja/Nein“ ausgewertet. Alle Teilnehmenden wurden unter vergleichbaren Bedingungen, welche einem Standard folgten, getestet. Daher würde ich die Einschätzung abgeben, dass eine hohe Objektivität gegeben ist.Reliabilität: Auch eine gute Reliabilität ist in diesem Fall gegeben, da der gesetzte Wert von 0,90 nur den Wert alpha = 0,93 wenn auch nur dezent überschritten wurde.Validität: In diesem Bereich bin ich mir sehr unsicher und bevorzuge es mich hierzu nicht zu äußern. Als Hilfestellung habe ich hierbei mir die bereits veröffentlichen Aufgabenbearbeitungen meiner Kommiliton*innen angesehen und war umso verunsicherter. Möglicherweise können Sie sich hierzu einmal äußern?

Antwort Mand: Meine Einschätzung ist: Es gibt einige, gewichtige Probleme mit der Normierung. Die m. E. entscheidende Test-Retest-Reliabilität ist nicht untersucht. Und im Bereich Validität fehlen Angaben zur prognostischen Validität. Das ist insgesamt nicht sehr überzeugend. Würde ich nicht einsetzen, bevor diese Fragen nicht angemessen geklärt bzw. untersucht sind.

Baum13:

4.4.LV 2 

Testverfahren bewerten:

Handelt es sich um eine akzeptable Normierungsstichprobe, die der allgemeine Intelligenztest verwendet?

Es wurden, nach Ausschluss (Ernsthaftigkeit und Wiederholer), 8.222 Datensätze zugelassen und ausgewertet. Das bedeutet, dass die Größe der Stichprobe 1500 übersteigt.

Werden gute Werte im Bereich Objektivität ermittelt?

Testergebnisse werden unabhängig vom Untersuchenden ausgewertet. Es gibt keine Einfluss durch eine/n Testleiter/in und der Test wird online zur Verfügung gestellt. Daher lassen diese Überlegungen eine gute Objektivität vermuten.

Welche Art Reliabilitätskoeeffizient wird verwendet? Ist das Ihrer Meinung nach ausreichend?

Der Gesamttest erreicht eine Reliabilität von 0.93. Da festgelegt ist, dass der Reliabitätskoeffizient bei Testverfahren mindestens bei +0,90 liegen sollte. Somit liegt der Wert knapp darüber, ist aber als ausreichend zu bewerten.

Wird die prognostische Validität berechnet?

Nein, denn die prognostische Gültigkeit setzt voraus, dass der Test mit zeitlichem Abstand zweimal durchgeführt wird. Dies ist hier nicht erfolgt.

Palme24: Normierung: Bei dem „AIT-Test“ haben über 10000 Menschen auf unterschiedlichen Internetplattformen die Fragebögen zu dem Test ausgefüllt. Nach einem Ausschlussverfahren wurden 8222 Leute als relevant eingestuft. Vor Beginn des Tests wurden sozialdemographische Daten von den Teilnehmern entnommen und ebenso sollte beantwortet werden, ob der Test ernsthaft oder nur zum Ausprobieren ausgefüllt wurde. Da der Test die Teilnehmeranzahl von 1500 bei weitem übersteigt, ist eine gute Stichprobe gegeben.

Objektivität: Da der Test maschinell durch „richtig“ oder „falsch“ Fragen ausgewertet wird, kann von einer hohen Objektivität gesprochen werden.

Reliabilität: Die Reliabilität bei dem „AIT-Test“ ist gegeben, da der Alphawert bei 0,93 liegt. Ab einem Wert von 0,9 ist eine hohe Reliabilität vorhanden.

Validität: Die Geschlechterrollen spielen eher eine geringe Rolle. Hingegen wird durch die Bildungsabschlüsse der Teilnehmer und Teilnehmerinnen Einfluss auf den Test genommen. Aus diesem Grund ist eine Validität gegeben.

Fünfte Sitzung

Auch die fünfte Sitzung befasst sich noch einmal mit Gütekriterien von Testverfahren. Im Mittelpunkt steht die Fairness. In Lehrbüchern ist oft zu lesen: Es handelt sich um ein Nebengütekriterium. Wer aber einmal in der Praxis gesehen hat, wie unfaire Verfahren gezielt eingesetzt werden, um z. B. Jungen aus der Sozialen Unterschicht bzw. Kinder aus Familien mit Migrationsgeschichte in Förderschulen abzuschieben, der kann dieser Wahrnehmung nicht zustimmen. Es ist also sehr wichtig zu wissen, dass einige Testverfahren ganz offensichtlich so konstruiert sind, dass ausgewählte Anteile der Bevölkerung Deutschlands schlecht abschneiden, und es ist wichtig zu wissen, welche Verfahren dies sind. In der wissenschaftlichen Diskussion ist der Einfluss von Gender, Herkunft und Kultur nicht umstritten. Es handelt sich allerdings eher um Herrschaftswissen. Fast jede/r, der in der Diagnostik arbeitet, weiß welche Verfahren zu welchem Ergebnis führen. Und viele setzen ihr Wissen auch ein, um institutionelle Bedürfnisse zu befriedigen oder einfach nur, um sicherzustellen, dass es auch wirklich ausreichend Kundschaft gibt.

Wie man aus Kindern mit Problemen Förderschüler*innen macht


Tab 21: Variablen, die einen Einfluss auf den IQ haben – Befunde der kulturvergleichenden IQ-Forschung nach Mand 2012
Geschlecht
Alter
Einkommen
Wirtschaftliches Umfeld
Bildungsstand
Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit
Geschwister
Kriminalität
soziale Herkunft
Gesundheitsvariablen
ADHS
PTBS
Politische Orientierung
Regionale bzw. ethnische Herkunft
Tab 22: Der Einfluss von Testverfahren in kulturvergleichenden
IQ Studien (Wicherts 2010) – Untersuchungen zum mittleren
IQ in Subsaharastaaten Afrikas
K-ABC
WISC-R
Draw-A-Man 
Wechsler Skalen
CFT 
IQ 73
IQ 75
IQ 77,7
IQ 79
IQ 86,7
Tab 23: Empfehlungen des Bayrischen Landesjugendamts zur gutachterlichen Stellungnahme bei der Feststellung seelischer Behinderungen. www.blja.bayern.de/Textoffice/Gesetze/Textsammlung_SGB_VIII/TextOfficeSGBVIII_§_035a.htm Zugriff am 28.2.2007
1.1 Untersuchungen und Angaben zum „Klinisch-psychiatrischen Syndrom“ (Achse 1): Das Gutachten soll eine Angabe darüber enthalten, ob eine psychische Störung im Sinne eines „klinisch-psychiatrischen Syndroms“ vorliegt. Soweit es diagnostisch möglich ist, soll eine Aussage darüber erfolgen, in welcher Weise ggf. die psychische Störung im Zusammenhang mit einer Teilleistungsschwäche des Kindes oder Jugendlichen steht. …1.2
Zu den „umschriebenen Entwicklungsstörungen der schulischen Fertigkeiten“ (Achse 2,siehe Seite 3) … gehören u. a. die „Lese- und Rechtschreibstörung“ (Legasthenie) und die Rechenstörung (Dyskalkulie). … Umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten sind als seelische Behinderung oder drohende seelische Behinderung zu werten, wenn zur Funktionsstörung ein soziales Integrationsrisiko hinzukommt, so daß die Entwicklung des Kindes oder Jugendlichen und seine Eingliederung in die Gesellschaft aller Voraussicht nach beeinträchtigt wird. … Im Gutachten sind die Verfahren und die Ergebnisse zu benennen, nach denen die Diagnose der Entwicklungsstörung des Lesens und Rechtschreibens bzw. der Rechenstörung oder anderer Teilleistungsschwächen festgestellt wurden. … Das Gutachten muß Angaben über das schulische/berufliche Versagen im Lesen und Rechtschreiben enthalten. Grundlage dafür sind z.B. schulische Stellungnahmen und Schulzeugnisse, mangelhafte und ungenügende Diktatnoten. … Der Prozentrang im Rechtschreib- bzw. Lesetest sollte < 10 % entsprechen. Aufgrund der Fehlerstreuung der Testverfahren ist dieser Prozentrang nicht als strikte obere Grenze, sondern als Richtwert zu verstehen, der im Rahmen der übrigen diagnostischen Befunde zu bewerten ist. …
1.3 Angaben zum Intelligenzniveau (Achse 3):Unverzichtbar sind Angaben zur allgemeinen Intelligenzentwicklung. Dazu muß im Gutachten das angewandte Verfahren benannt werden. Als geeignete Verfahren bieten sich an: HAWIK-R, Kaufmann-Test, Adaptives-Intelligenzdiagnostikum (AID), CFT1 und CFT20. Liegen die Testwerte bei CFT1 bzw. CFT20 im unteren Durchschnittsbereich (IQ 85 bis 95), so empfiehlt es sich eine Überprüfung mit den Verfahren HAWIKR oder Kaufmann-Test bzw. AID, um eine allgemeine Intelligenzminderung auszuschließen. Nach den Kriterien von ICD-10 ist für die Feststellung der Entwicklungsstörung ein Intelligenzquotient > 70 vorauszusetzen.Das Gutachten muß eine Beurteilung darüber enthalten, inwieweit eine Diskrepanz zwischen der allgemeinen intellektuellen Begabung und dem Versagen im Lesen und Rechtschreiben bzw. im Rechnen besteht. ….1.4 Angaben zur Körperlichen Symptomatik“ (Achse 4 Das Gutachten muß eine Aussage darüber enthalten, daß eine neurologische Erkrankung (z.B. Epilepsie, Cerebralparese), Sinnesbehinderungen (vor allem im Bereich des Sehens und Hörens) sowie andere körperliche Beeinträchtigungen als Ursache für das Versagen im Lesen, Rechtschreiben bzw. Rechnen ausgeschlossen sind. …
1.5 Angaben zu „Aktuellen abnormen psychosozialen Umständen“ (Achse 5):Die gutachterliche Untersuchung soll die Kenntnis der psychosozialen Lebensumstände des betroffenen Kindes und Jugendlichen einschließen. … Ergänzend zu den Klassifikationskategorien, wie sie im Multiaxialen Klassifikationsschema der Achse 5 angeführt sind, muß überprüft sein, inwieweit eine schulische Förderung des Kindes erfolgt ist (spezielle Stützkurse seitens der Schule, Hausaufgabenhilfe, wesentliche Fehlzeiten usw.). Hilfreich ist eine Aussage darüber, aus welchen Gründen die familiären und innerschulischen Bemühungen nicht ausgereicht haben. Es ist zu verdeutlichen, daß eine außerschulische und außerfamiliäre Behandlung (z.B. „Legasthenietherapie“, „Rechentherapie“) erforderlich und geeignet ist, um die genannten Störungen und damit die (drohende) seelische Behinderung wirksam zu mildern und die soziale und schulische bzw. berufliche Eingliederung zu stützen.1.6 Angaben zur „Globalbeurteilung der psychosozialen Anpassung“ (Achse 6):Das Gutachten muß dazu Stellung nehmen, inwieweit die psychosoziale Anpassung des Kindes bzw. Jugendlichen zum Begutachtungszeitpunkt beeinträchtigt ist.

Helmobil:

Aufgabe: Finden Sie heraus, warum Bayern so merkwürdige Vorschläge gemacht hat und was sie dort getrieben haben. (Tabelle 23)

Dem bayrischen Landesjugendamt ist die Fairness-Problematik in Gutachten bekannt. 

1.3 besagt, wenn „die Testwerte bei CFT1 bzw. CFT20 im unteren Durchschnittbereich (IG 85 bis 95) liegen, empfiehlt es sich eine Überprüfung mit den Verfahren HAWIKR oder Kaufmann-Test bzw. AID, um eine allgemeine Intelligenzminderung auszuschließen.“ Zudem muss im Gutachten das angewandte Verfahren benannt werden. 

Das Gutachten des Bayrischen Landesjugendamt möchte auf Nummer sicher gehen und sich nicht nur von einem einzigen Testverfahren über eine mindere Intelligenz überzeugen lassen. Die Variablen, die Einfluss auf den IQ haben, sind ja bereits in Tabelle 21 aufgezeigt. Hinzu kommt, das verschiedene Testverfahren verschiedene Ergebnisse für eine Person ergeben. Dies ist unter anderem an Tabelle 22 zu erkennen (Abweichungen von 14 IQ-Punkten, nur aufgrund eines anderen Testverfahrens). 

Um das Verfahren weiterhin fair zu gestalten und eine übereilte Einordnung in eine Förderschule auszuschließen, möchte Bayern sich mit anderen Testverfahren im Vergleich absichern, dass wirklich ein Förderungsbedarf vorliegt oder ob nicht andere (möglich notwendige) Maßnahmen angebrachter sind, bevor man den Schritt geht zu sagen, dass jemand in das Raster der seelischen Behinderung fällt. Außerdem ist durch die Nennung des angewandten Testverfahrens eine transparente Beurteilung aller Involvierten möglich. 

In Punkt 1.2 wird darauf hingewiesen, dass „aufgrund der Fehlerstreuung der Testverfahren dieser Prozentrang nicht als strikte obere Grenze, sondern als Richtwert zu verstehen ist, der im Rahmen der übrigen diagnostischen Befunde zu bewerten ist.“ Dies zeigt ebenfalls, dass es nicht immer nur Schwarz oder Weiß gibt, sondern durchaus auch eine Grauzone vorhanden ist und man nicht alles nur an einer Zahl festmachen kann, sondern das Gesamte betrachten muss, um eine gute diagnostische Einschätzung geben zu können. 

In Punkt 1.4 wird zum Beispiel nochmal darauf eingegangen, dass eine „körperliche Beeinträchtigung als Ursache für das Versagen im Lesen, Rechtschreiben bzw. Rechnen ausgeschlossen sind.“ – Also werden hier auch Wechselwirkungen mitberücksichtigt. Nur weil ein Kind auf dem einen Auge nicht so gut sehen kann, heißt es nicht automatisch, dass es auf eine Förderschule muss sondern dass es durchaus auch eine andere Lösung für das Lese-Rechtschreib-Problem gibt. 

LNH: Aufgabe: Das Problem über Fairness-Probleme bei Intelligenz-Testungen scheint weit verbreitet. Finden Sie heraus, insbesondere unter Betrachtung des Punktes 1.3, warum das Bayrische Landesjugendamt so merkwürdige Vorschläge gemacht hat. 

  • Das bayrische Landesjugendamt betont in ihren Empfehlungen unter Punkt 1.3, dass Angaben zur allgemeinen Intelligenzentwicklung zur Feststellung seelischer Behinderungen unverzichtbar seien. Zur Erfassung dieser sollen entsprechende Verfahren genutzt werden. Liegen bei der Ergebnisgewinnung die Testwerte der CFT1 bzw. CFT20 im unteren Durchschnittsbereich, wird empfohlen eine weitere Überprüfung, etwa durch die Verfahren HAWIKR oder Kaufmann-Test, durchzuführen. Dies scheint zunächst insofern sinnvoll, als dass sich nicht alleinig auf die Ergebnisse eines Tests verlassen wird, sondern eine Rückversicherung (bzw. eine Zweitmeinung) gewährleistet (bzw. eingeholt) wird. Zur fairen Gestaltung möchte sich das Land Bayern also Gewissheit verschaffen und sich so auf die Ergebnisse zweierlei Testverfahren berufen können. Meine Recherche ergab jedoch, dass es sich bei den ersten beiden Testverfahren (CFT 1 bzw. CFT 20) um aktuellere Vorgehensweisen zu handeln scheint, wohingegen die Verfahren HAWIKR und Kaufmann-Test deutlich ältere Entstehungsjahre aufweisen. Auch gibt es Studien darüber, dass „bei der Anwendung des HAWIKR […] vielfältige Fehler [etwa hinsichtlich der Durchführungsobjektivität erkannt wurden]“ (Joel 2017, S. 15). Es scheint demnach so, als würde das bayrische Landesjugendamt in ihren Empfehlungen dazu raten, Testergebnisse, welche aus fairen Tests gewonnen wurden, mittels unfairer Testungen zu überprüfen, was wiederrum die vermeintliche Fairness anzweifeln lässt. 

JOEL, Torsten (2017): Das Dilemma der Intelligenzdiagnostik in der Sonderpädagogik – erläutert anhand der neuen KABC-II. In: Verband Sonderpädagogik e.V. (Hrsg.): Zeitschrift für Heilpädagogik. S. 12-21. 

Hermine Granger: Bei der Empfehlung des Bayrischen Landesjungendamts zu Gutachten bezüglich einer seelischen Behinderung werden im Punkt 1.3 konkrete Tests zur Erfassung der Allgemeinen Intelligenz genannt, die geeignet sind. Auf diese Art und Weise können Eltern und Regelschullehrer_innen nachverfolgen, ob es sich bei dem Verfahren um ein faires Verfahren handelt. Durch die vorgeschlagenen Verfahren werden die Förderschullehrer_innen in ihrer Entscheidungsfreiheit über ein Testverfahren eingeschränkt, sodass vermieden werden kann, dass die Auswahl taktisch je nach Interesse des oder der Lehrer_in erfolgt. So wird die Fairness über das Verfahren transparenter und die vorgeschlagenen Verfahren können auch Menschen ohne Kenntnisse im Bereich von Gutachten, insbesondere Eltern, Orientierung bieten. Auch die Vorschläge zur Überprüfung und genauen Angaben, welcher Wert zu welchem Ergebnis führt, helfen für eine Erweiterung der Transparenz. Zudem zeigt Punkt 1.4 auf, dass körperliche Beeinträchtigungen als Ursache einer Lernschwäche ausgeschlossen werden müssen, um das Risiko einer Fehldiagnose zu verringern. 

Mangolassi: Die Vorschläge zu den Testverfahren unter dem Punkt 1.3 sind insbesondere dazu gemacht worden, um eine allgemeine Intelligenzminderung von einer Entwicklungsstörung differenzieren zu können, um eine ,,seelische Behinderung„ diagnostizieren zu können. Um diese diagnostizieren zu können muss ausgeschlossen werden, dass es sich nicht um eine allgemeine Intelligenzminderung handelt. Daher wird empfohlen, bei einem Ergebnis von einem IQ von 85-95 noch andere Tests hinzuzuziehen, um die allgemeine Intelligenzminderung auszuschließen. Es heißt weiter, dass die Entwicklungsstörung nur bei einem IQ über 70 diagnostiziert werden kann. Ich bin mir nun unsicher, ob es darauf hindeutet, dass anhand der Tests ein gewünschtes Ergebnis angestrebt wird, da eine Diagnose bevorzugt wird, oder ob es nur darum geht, sich nicht nur auf einen Test verlassen zu wollen. 

Socke12: Der Punkt 1.3 beim Landesjugendamt ist dafür da, dass nicht nur eine Intelligenzabweichung festgestellt werden kann, sondern auch ob ein spezieller Grund dafür vorliegt, wie zum Beispiel eine Entwicklungsstörung. Durch das Hinzuziehen von anderen Tests bei einem Ergebnis von einem IQ von 85 bis 95 ist ein weiteres Vorgehen um eine eventuelle geistige Behinderung oder andere Mehrfachbehinderungen herauszufiltern. Es wird also der am besten für das Individuum geeignete Test herausgefiltert um ein möglichst sicheres Ergebnis und dem Grund dafür auf die Schliche zu kommen.

kathi94: Das Bayrische Landesjugendamt stellt unter 1.3 zur Feststellung seelischer Behinderung eine Empfehlung zu m Intelligenztest dar. Dabei wird davon ausgegangen, dass zunächst nach dem Culture Fair Intelligence Test eine Testung stattfindet (kulturfreie Testung). Liegen die Werte wie in 1.3 beschrieben im „auffälligen“ Bereich, soll eine weitere Testung stattfinden Natürlich ist zu verstehen, dass das Landesjugendamt hier versucht ein faires Verfahren zur Feststellung einer seelischen Behinderung darzulegen. Besonders im Hinblick auf die bereits genannten Probleme, dass gezielte Tests eingesetzt werden, bei denen die Feststellung eines Förderbedarf höher ist oder Eltern keinerlei Information besitzen über adäquate Testverfahren. Allerdings stellt sich hier doch die Frage, wieso eine Empfehlung stattfindet mit dem Hamburger –Wechsler-Intelligenztest, der doch sehr alt erscheint und nicht mehr fair wirkt.

Berti: Das Bayrische Landesjugendamt empfiehlt zur Feststellung seelischer Behinderungen unter 1.3 verschiedene Testverfahren, die geeignet für die Ermittlung des Intelligenzniveaus sind. Es soll differenziert werden, ob eine Entwicklungsstörung, die einen IQ von über 70 voraussetzt, oder eine allgemeine Intelligenzminderung vorliegt. Wenn der IQ bei dem Verfahren CFT1 bzw. CFT20 im unteren Durchschnittsbereich (85-95) liegt, wird dazu geraten das Ergebnis mit einem anderen Testverfahren zu überprüfen.

Wenn die unterschiedlichen Vorschläge die Fairness des Testverfahrens gewährleisten sollen, stellt sich die Frage warum nicht nur ein bestimmtes Verfahren empfohlen wird, und nur das Ergebnis des fairsten Verfahrens (CFT1 bzw. CFT20) mit einem weniger fairen Verfahren überprüft werden soll. Daher bin ich mir unsicher, welche Intention mit diesen Empfehlungen verfolgt wird. Es scheint so, als ob mit der konkreten Empfehlung zur Überprüfung der Testergebnisse auf ein „schlechteres“ Ergebnis abgezielt wird, damit ggf. die Diagnose anders ausfällt?

Teddy: Aufgabe: Finden Sie heraus, insbesondere unter Betrachtung des Punktes 1.3, warum dasBayrische Landesjugendamt so merkwürdige Vorschläge gemacht hat. Der Punkt 1.3. der Empfehlungen des Bayrischen Landesjugendamts zur gutachterlichen besagt, dass im Falle von im unteren Durchschnittsbereich festgestellten Testwerten bei den Verfahren CFT1 bzw. CFT20 (IG 85 bis 95) eine weitere Überprüfung mit den Verfahren HAWIKR oder Kaufmann-Test bzw. AID angeraten ist, so dass eine allgemeine Intelligenzminderung ausgeschlossen werden kann. In den jeweiligen Unterlagen muss das konkrete Verfahren beim Namen erwähnt werden.
Stellungnahme bei der Feststellung seelischer Behinderungen. Das bayrische Landesjugendamt möchte sich auf verschiedenen Wegen absichern und greift dabei nicht nur auf ein gezieltes Testverfahren zurück, sondern behält sich die Durchführung verschiedener zur Absicherung vor, da verschiedene Testverfahren bei verschiedenen Getesteten teilweise (stark) abweichende Ergebnisse hervorbringen. Grundsätzlich hat diese Absicherung nur das Ziel wirklich sicher zu gehen, dass niemand in das Raster einer Förderbedarfes fällt, der diesen eigentlich nicht benötigt. Die Nennung der einzelnen Verfahren dient meiner Meinung einfachheitshalber zur Transparenz.

Baum 13:

Bei der Tabelle handelt es sich um die Empfehlungen des Bayrischen Landesjugendamts zur gutachterlichen Stellungnahme bei der Feststellung seelischer Behinderungen.

In 1.3 werden geeignete Verfahren aufgeführt, die zur Intelligenztestung herangezogen werden können.

Werden Schüler nun mit CFT1 und CFT20 getestet und erreichen Werte im unteren Durchschnittsbereich (IQ 85 bis 95) wird eine Überprüfung mit andere Testverfahren wie z.B. HAWIKR oder Kaufmann-Test bzw. AID, um eine allgemeine Intelligenzminderung auszuschließen, empfohlen.

Der Hinweis unterdurchschnittliche Ergebnisse mit anderen Verfahren zu überprüfen, erscheint auf den ersten Blick als fair und transparent.

Im Hinblick auf die Tabelle 22, in der der Einfluss von Testverfahren in kulturvergleichenden IQ Studien in Subsaharastaaten Afrikas untersucht wurde (Wicherts 2010), ist es ersichtlich, wie sehr sich verschiedene Testverfahren in ihren Ergebnissen bei gleichen Testpersonen unterscheiden. Ein Ergebnis im unteren Durchschnittsbereich des CFT bedeutet, wenn man sich nach der Tabelle 22 richtet, dass im schlimmsten Fall, der IQ um bis zu weiteren 14 Punkten sinken würde, wenn z.B. der empfohlene Kauffmann-Test angewendet werden würde. Die würde für die Schüler bedeuten, dass eine Entwicklungsstörung bei einem Intelligenzquotient > 70 festgestellt werden könnte, die nicht vorliegt.

JC99: Die Empfehlung zur gutachterlichen Stellungnahme zur Feststellung seelischer Behinderungen des Bayrischen Landesjugendamtes beinhaltet konkret festgelegt zu welchen Aspekten Angaben gemacht werden müssen. Dies soll Fehldiagnosen durch das mögliche Übersehen anderer Komponenten ausschließen. Punkt 1.3 behandelt den Aspekt der Intelligenzentwicklung. Die möglichen Verfahren zur Feststellung des Intelligenzniveaus sind sehr verschieden (siehe Tabelle 22) und das Ergebnis kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst werden (siehe Tabelle 21). Unter 1.3 schreibt das Bayrische Landesjugendamt welche der Testverfahren Sie für geeignet halten und unter welchen Umständen Sie eine Überprüfung mit einem anderen Testverfahren empfehlen.

Biene: Unter Punkt 1.3 betont das bayrische Landesjugendamt, bezüglich einer seelischen Behinderung, konkrete Verfahren bzw. Tests zur Erfassung der allgemeinen Intelligenz. Liegen bei der Auswertung Befinden sich die Testwerte nach einer Auswertung der Tests im unteren Durchschnitt (IQ von 85-95), so wird empfohlen, eine weitere Überprüfung durchzuführen. Diesbezüglich erscheint es als sinnvoll, dass nicht allein die Ergebnisse eines Tests gelten, sondern dass ein weiteres Testverfahren als Rückversicherung hinzugezogen wird. Durch die Testverfahren werden Lehrer in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt, sodass vermieden werden kann, dass die Auswahl durch bspw. die Interessen der Lehrer beeinflusst werden. Über das Verfahren können zudem auch Menschen, insbesondere Eltern, welche keine oder kaum Kenntnisse im Bereich von Gutachten haben eine Orientierung erhalten

Anka13: Das Bayrische Landesjugendamt schreibt unter Punkt 1.2: „Im Gutachten sind die Verfahren und die Ergebnisse zu benennen, nach denen die Diagnose der Entwicklungsstörung des Lesens und Rechtschreibens bzw. der Rechenstörung oder anderer Teilleistungsschwächen festgestellt wurden.“ Zusätzlich sollen weitere Stellungsnahmen bzw. Zeugnisse, die das schulische/berufliche Versagen im Lesen und in der Rechtschreibung beweisen, als Grundlage dienen. Dabei sollte der Prozentrang im Rechtschreib- bzw. Lesetest < 10% sein. Allerdings schreibt das Bayrische Landesjugendamt, dass der Prozentrang von < 10% nur ein Richtwert ist und man dies nicht als genaue obere Grenze ansehen soll. Hier weist das Bayrische Landesjugendamt darauf hin, dass es zu Fehlersteuerung der Testverfahren kommen kann und man zusätzlich auch immer weitere diagnostische Befunde hinzuziehen sollte. Im Punkt 1.3 schreibt das Bayrische Landesjugendamt, dass es verschiedene geeignete Verfahren zur Testung der Intelligenz gibt. Zusätzlich weist das Bayrische Landesjugendamt darauf hin, dass ein zweites Verfahren zur Überprüfung sinnvoll wäre, um eine allgemeine Intelligenzminderung auszuschließen. Insgesamt kann man aus den verschiedenen Punkten entnehmen, dass verschiedene Angaben gemacht werden sollten, um z.B. bestimmte Erkrankungen auszuschließen oder um z.B. die Lebensumstände des betroffenen Kindes/Jugendlichen zu kennen. 

Sechste Sitzung: Probleme im Lesen und Schreiben

Das ist gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten, über die vielen Störungen, die mit Problemen im Lesen und Schreiben verbunden sind. Man kann u. a. Lese/Rechtschreibprobleme entwickeln, weil man einfach ein schlechter Schüler ist. Dann gibt es unter bestimmten Bedingungen noch die Diagnose Legasthenie. Bei einigen Kindern reichen die Testwerte nur für die Diagnose Auditive Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen. Und wer echt Pech hat, für den bleibt nur die Diagnose Lernbehinderung. Na klar gibt es Leitlinien und diagnostische Verfahren, die angeblich erlauben, zuverlässig zwischen diesen Gruppen zu unterscheiden. Das zentrale Problem: Diese Verfahren haben ziemlich häufig gravierende Probleme in der Fairness. Und so hängt es wirklich sehr davon ab, mit welcher/m Gutachter*in die Eltern oder das Kind zu tun haben. Und so ist es manchmal einfach Glücksache die begehrten Labels zu erhalten (Legasthenie), mit den zumindest nicht schädlichen Labels abgespeist zu werden (Auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitunggstörung) oder eine Diagnose zu erhalten, die den meisten Kindern und Jugendlichen zuverlässig einen Platz am Rande der Gesellschaft vermittelt (Lernbehinderung).

Legasthenie, LRS, Auditive Wahrnehmungsstörungen und Lernbehinderung

Socke 12 Was kann das Kind schon und was nicht?
Ich habe die Vermutung der Satz bedeutet: Eine Fliege auf Uwes Nase. Das Kind kann schon nach Gehör die Sätze sinngemäß wiedergeben und aufschreiben. Das Kind hat Probleme beim Wörter trennen, beim Schreiben in der richtigen Schreibweise und der Groß- und klein Schreibung.

Baum13: Was kann der Junge schon und was kann er noch nicht (Abb. 3)

Der Junge hat bereits eine phonologische Bewusstheit, die auch in der Tabelle aus Abb. 2 als Prädikator aufgeführt wird. Man kann, aufgrund des Beispiels, erkennen, dass der Junge in der Lage ist phonetisch zu schreiben. Der Satz ist fast so geschrieben wurde, wie man ihn sprechen würde. Möglicherweise könnte auf das Vorhandensein eines rudimentären Wortbildspeicher schließen, da einzelne Worte, die Nomen, in dem Satz richtig sind, wenn auch klein geschrieben. Bei dem Namen bin ich nicht sicher, ob man es dem logographemischen Lesen zuordnen könnte. Die einzelnen Worte werden noch nicht getrennt und Wissen über Groß- und Kleinschreibung ist nicht vorhanden.

shmt: Was kann das Kind? Was kann es nicht?

  • Phonetisches Schreiben (+)
  • Graphemtreffer gelingen zum Teil (nase, uwe)
  • Groß- und Kleinschreibung (-)
  • Satzanfang und Satzende (-)
  • Worttrennung (-)
  • Rechtschreibregeln: Silbentrennung

Pflanze25 Was bedeutet der Satz?: … fliegt auf Uwes Nase (erstes Wort nicht erkannt)
Der Junge kann: phonetisch Schreiben, teilweise logographemisch Lesen.
Der Junge kann noch nicht: Groß- und Kleinschreibung, Satzanfang und -ende darstellen, Wörter trennen

LNH:

  • Fähigkeit zum phonetischen Schreiben (✓)
  • Vorliegen einer phonologischen Bewusstheit (-)
  • Richtiges Schreiben eines Wortes (Graphemtreffer) (-) 
  • Verwendung von Groß- & Kleinschreibung (X)
  • Worttrennung (X) 
  • Erkennbarer Satzanfang & -Ende (X) 
  • (X = nicht vorhanden,
  • – = teilweise vorhanden,
  • ✓= vorhanden) 

Hermine Granger: Ich vermute der Satz bedeutet: „Die fliegt auch auf Uwes Nase.“. Was kann das Kind schon?

  • Phonetisches Schreiben (Wörter nach Gehör aufschreiben)
  • Z.T. Phonologisches Bewusstsein (Anlaut + Auslaut)

Was kann das Kind noch nicht?

  • Schreiben nach Rechtschreibregeln (Groß- und Kleinschreibung, Satzzeichen, Lücken zwischen den Wörtern, Rechtschreibung)
  • Korrekte Schreibweise aller Wörter des Satzes sind noch nicht im Wortbildspeicher vorhanden

JC: Da könnte stehen: „Die fliegt auf Uwes Nase“. Das Kind kennt die Buchstaben größtenteils und kann phonetisch schreiben. Rechtschreibregeln beherrscht das Kind fast gar nicht. Platz lassen zwischen einzelnen Wörtern, das Wörter trennen  am Ende einer Zeile und die Groß- und Kleinschreibung muss das Kind noch üben.

Sonja: Was kann der Junge schon? Das Kind hat bereits die Phase des frühen Schreibens überschritten, da es großenteils erkennbare Buchstaben nutzt. Ebenfalls beherrscht das Kind das phonetische Schreiben. Worte wurden so geschrieben, wie das Kind sie ausspricht. Es fehlt bei dem Kind jedoch noch die Umsetzung von Rechtschreibregeln. So fehlen Groß- und Kleinschreibung, sowie Freiräume zwischen den Wörtern.

Ann22 Was kann das Kind schon und was nicht? Das Kind kann bereits phonetisch schreiben und hat die Phase des frühen Schreibens (kritzeln, Namen schreiben) abgeschlossen. Das Kind schrieb den Satz so auf, wie er ihn ausspricht und versteht. Das Schreiben nach Rechtschreibregeln kann das Kind noch nicht, da es keine Satzzeichen, Abstände und Groß- und Kleinbuchstaben benutzt.Interessant ist, dass das Kind das Wort „fligt“ mit g und nicht mit k schreibt, da eine Unterscheidung von G und K gerade in der phonetischen Phase oftmals schwer fällt.

motorino95: „Anhand Abbildung 2, kann ich feststellen, dass dieser Junge seinen Satz in phonologischen Lauten wiedergeben kann. Teilweise gelingt es dem Jungen, Wörter richtig zu schreiben (nase und uwes). Ihm fehlt es an der Benutzung von Groß- und Kleinschreibung. Im Weiteren kann gesagt werden, dass Rechtschreibung im Allgemeinen mangelnd ist, denn es fehlt eine Wort- und Silbentrennung.“

Berti: Das Kind hat bereits ein phonologisches Bewusstsein entwickelt und kann phonetisch schreiben. Es hat den Satz nach Gehör aufgeschrieben, kennt die Buchstaben und kann sie weitgehend richtig schreiben. Das Schreiben nach Rechtschreibregeln beherrscht das Kind noch nicht. Es verwendet keine Groß- und Kleinschreibung, Worttrennung und Satzzeichen. 

Hinweis Mand: Ja, alles richtig. Aber der Fachbegriff lautet: „Phonologische Bewusstheit“ nicht „Phonologisches Bewusstsein“.

Mangolassi: Ich vermute, das Kind verfügt über die phonologische Bewusstheit und das phonetische Schreiben, da die Wörter des Satzes nach gesprochenen Lauten aufgebaut sind. Was das Kind noch nicht kann ist das Schreiben nach Rechtschreibregeln. 

Helmobil: Was kann das Kind schon und was nicht? (Diagnostiksammlung: Abb. 2 & 3)

Das Kind hat:

  • Die Fähigkeit zum phonetischen schreiben
  • Ein phonologisches Bewusstsein

Das Kind kann nicht:

  • Groß- und Kleinschreibung
  • Wort-/Silbentrennung
  • Erkennbar machen von Anfang & Ende vom Satz
  • Worte richtig schreiben (Grammatik)

Der Satz könnte abgelesen lauten: Die fliegt auch auf Uwes Nase.

Anka13: – Der Junge hat bereits ein phonologisches Bewusstsein bzw. kann er phonetisch Schreiben. Er hat einen Satz gehört, den er versucht zu schreiben. Rechtschreibregeln sind ihm noch nicht bekannt. Einzelne Wörter sind richtig geschrieben, wie „Uwe“ und „Nase“. 

Anmerkung Mand: Hier kommt eine kleine begriffliche Korrektur: Es heißt nicht „phonologisches Bewusstsein“ sondern „phonologische Bewusstheit“.

Siebte Sitzung

In der siebten Sitzung geht es um die Frage, wie man die vielen Störungsbilder in Sachen Lesen und Schreiben auseinanderhält. Das ist nämlich weder einfach noch unwichtig. Probleme im Lesen und Schreiben, können z. B. auf Lernbehinderungen, auf Legasthenie, auf Auditive Wahrnehmungsverarbeitungsstörungen zurückgehen, ohne dass man dies an den verwendeten Fehlertypen oder am Ausmaß der Probleme erkennen könnte. Die Legasthenietherapie bezahlt unter bestimmten Bedingungen das Jugendamt. Wenn man Glück hat finanziert die Krankenkasse ein wenig Logopädie für Kinder mit Auditiven Wahrnehmungsstörungen. Und auf Kinder mit Lernbehinderungen warten vor allem Förderschulen und danach ein Leben am Rande der Gesellschaft. Mit Legasthenie kann man dagegen in Deutschland zumindest Ministerpräsident werden (Bodo Ramelow) und in den USA sogar Präsident (Bush junior). Das lohnt sich also, genau hinzuschauen. Und natürlich gibt es auch in diesem Metier wieder institutionelle Bedürfnisse, die gravierende Auswirkungen haben.

Lernbehinderung, LRS und AWV

helmobil: Was hat Tarek? suchen Sie eins von vier Labels aus. (Diagnostik-Materialsammlung – Tabelle 53)

  • Tarek ist libanesischer Herkunft und ist in der 4. Klasse. Er ist auf dem Lese- & Schreiblevel eines Erstklässlers. Er liest synthetisiert und hat in Mathe ebenfalls Probleme, vor allem bei Textaufgaben. Sein IQ-Test ergab 83. Sonst sehr wortgewandt, Lese-Rechtschreibschwäche fällt im Alltag nicht im Sprachgebrauch auf.
  • Ich schwanke zwischen dem Förderbedarf Lernen, da er einen IQ von 83 hat. Und dort ein IQ von 70-85 eine Bedingung ist. Zudem hat er Probleme in Mathe und hat eine libanesische Migrationsgeschichte. Familien mit Migrationsgeschichte sind beim Förderbedarf Lernen überrepräsentiert. Durch seine aufbrausende Art, anderen Schülern gegenüber, lässt sich auch ansatzweise erschließen welcher sozialen Herkunft er entspringt, auch diese ist im Förderbedarf Lernen überrepräsentiert.
  • Andererseits könnte Tarek auch lediglich ein schlechter Schüler sein. Hierfür ist zwar keine IQ-Diskrepanz vorgesehen, jedoch ist hier eine Kombination aus Lese/Schreib und Matheproblemen häufig. Je nach Herkunft ist es nicht untypisch, dass die Kinder schlechte Schüler sind. Außerdem sind in diesem Label auch die Familien mit Migrationsgeschichte überrepräsentiert. 
  • Eine definitive Entscheidung ist für mich, auf dieser Grundlage, nicht zu treffen. Die Komplexität einer solchen Entscheidung wird an diesem Beispiel erneut deutlich. 

Anka13: Information – Tarek ist 10 Jahre alt, hat einen libanesischen Migrationsgeschichte und besucht die 4. Klasse einer Grundschule. Er liest und schreibt wie ein Erstklässler. Er kennt noch nicht die Verbindung zwischen Buchstaben und Lauten. Manchmal schreibt er Wörter ohne Vokale. Er liest synthetisierend. In Mathematik ist er nur etwas besser, als in Lesen und Schreiben. Er schreibt sehr häufig schlechte Noten. Textaufgaben sind besonders schwierig für ihn. Tarek hat einen IQ von 83. Mündlich Ausdrücken kann er sich auch. 

  • Wenn man nur vor der Tabelle ausgeht und nur die kurzen Informationen ohne weiteres Hintergrundwissen in den Fokus nimmt, würde ich zu drei Störungsbildern tendieren. Zum Einen, dass Tarek einen Förderbedarf im Bereich „Lernen“ haben könnte. Sein IQ liegt genau zwischen 70 und 85. Auch hat er häufig Probleme im Fach „Mathematik“. Da Tarek einen Migrationshintergrund könnte man jetzt einfach sagen, dass dies auch zum Förderbedarf „Lernen“ passt, da viele Kinder mit Migrationshintergrund einen Förderbedarf besitzen. 
  • Zum Anderen könnte Tarek auch ein Schüler mit schlechten Schulleistungen sein. Ein Grund dafür könnte sein, dass er im Lesen/Schreiben sowie in der Mathematik Probleme hat und eine Kombination hier sehr häufig vorhanden ist. Häufig zählen dazu auch Kinder, die einen Migrationshintergrund haben.
  • Zuletzt könnte er aber auch ein Legastheniker sein. Kleine Hinweise dafür könnten sein, dass sein allgemeines Tempo sehr langsam ist. Er verwechselt ab und zu die Laute und in Mathematik hat er zwar Schwierigkeiten, jedoch besonders bei Textaufgaben. Auch würde dazu passen, dass er sich mündlich sehr gut ausdrücken kann. 

Hermine Granger – Tarek:

  • 4. Klasse
  • Libanesischer Herkunft
  • Lesefähigkeit auf Stand eines 1. Klässlers
  • Keine Verbindung zwischen Buchstaben und Lauten (phonologische Bewusstheit)
  • Schreiben von Wörtern ohne Vokale
  • Langsame Verarbeitung
  • Synthetisiertes Lesen
  • IQ: 83
  • Mathe weniger problematisch als Lesen und Schreiben, aber dennoch:
  • Viele 5en seit mehreren Schuljahren
  • Abstand zu Mitschüler_innen vergrößert sich nicht
  • v.a. Probleme bei Textaufgaben
  • keine Probleme bei der gesprochenen Sprache

Mögliche Labels:

  1. Sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich Lernen
  2. LRS / Legasthenie
  3. Auditive Wahrnehmungsverarbeitungsstörung
  4. Schulleistungsprobleme

Prüfung des Sonderpädagogischen Förderbedarfs im Bereich Lernen:

  1. IQ
  • Tarek hat einen IQ von 83. Dies befindet sich im notwendigen IQ Bereich von 70-85, allerdings bereits an der Grenze. 
  1. Ausprägung der Probleme
  • Da sich die Schreibfähigkeit auf dem Stand eines 1. Klässlers befindet (Probleme in der phonologischen Bewusstheit, phonetisches Schreiben, Wortbildspeicher) und das Lesen synthetisierend stattfindet, kann von gravierenden und langandauernden Problemen gesprochen werden.
  • Tarek ist zwar seit Jahren nicht gut in Mathe und schreibt viele 5en, jedoch ist sein Wissensstand nicht auf einem niedrigeren Klassenniveau als das seiner Mitschüler_innen. Besondere Probleme treten bei Textaufgaben auf, was auf Probleme in der Schreib- und Lesefähigkeit zurückgeführt werden könnte.
  1. Betroffenheit des mathematischen Denkens
  • Mit den gegebenen Informationen würde ich vermuten, dass die Ausprägung der Probleme im mathematischen Denken nicht gravierend genug sind.

Prüfung der Legasthenie

  1. IQ
  • IQ-Diskrepanz: Bei einem IQ von 83 müssten die Leistungen von Tarek schlechter sein als bei 97% der Normierungsstichprobe. Es gibt dazu keine Informationen, jedoch könnte ich mir aufgrund seines Schreibentwicklungsstandes vorstellen, dass dies eventuell gegeben sein könnte.
  1. Ausprägung der Probleme
  • Die oben aufgeführten Probleme sind gravierend genug, um für eine Legasthenie zu sprechen.
  1. Betroffenheit des mathematischen Denkens
  • Der Ausschluss hängt davon ab, wie die Matheprobleme bewertet werden. Wird die Matheproblematik als Dyskalkulie eingestuft, kann schulrechtlich keine Legasthenie vorliegen. Ich würde aufgrund der gegebenen Informationen davon ausgehen, dass die Matheprobleme in keinem pathologischen Bereich liegen, sodass eine Legasthenie nicht ausgeschlossen werden kann.

Prüfung der auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung:

  1. IQ

Da der IQ von Tarek mit 83 im unteren Bereich liegt könnte ebenso eine Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung vorliegen.

  1. Ausprägung der Probleme

Da Tarek ähnlich klingende Laute verwechselt, keine Verbindung zwischen Buchstaben und Lauten erkennen kann und langsam verarbeitet, könnte eine auditive Wahrnehmungsstörung vorliegen.

  1. Betroffenheit des mathematischen Denkens

Da ich anhand der Informationen die mathematischen Probleme nicht als Dyskalkulie einordnen würde, wäre eine auditive Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung möglich.

Prüfung der Schulleistungsprobleme:

  1. IQ

Ob eine IQ-Diskrepanz vorhanden ist, ist nach den Informationen nicht eindeutig feststellbar. 

  1. Ausprägung der Probleme

Die Probleme im Lese- und Schreibbereich sind sehr gravierend, sodass einfache Schulleistungsprobleme unwahrscheinlich erscheinen.

  1. Betroffenheit des mathematischen Denkens

Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Mathematikprobleme auf Schulleistungsprobleme zurückgeführt werden können. Tarek hat zwar häufig 5en über einen langen Zeitraum, jedoch in einem für das Alter angemessenen Rahmen, sodass Mathe vielleicht einfach ein Fach ist, das ihm nicht liegt.

Anhand meiner vorgenommenen Prüfungen wird deutlich, dass je nach vorhandener oder nicht vorhandener IQ-Diskrepanz eine Entscheidung getroffen werden würde. Nach meinen Überlegungen und der Informationen der genauen Schwierigkeiten von Tarek würde ich zu einer auditiven Wahrnehmungs- und Verarbeitungsstörung tendieren oder falls eine IQ-Diskrepanz vorliegt zur Legasthenie. Die mathematischen Probleme würde ich eher als Schulleistungsproblem einstufen, sodass ich einen sonderpädagogischen Bedarf im Bereich Lernen ausschließen würde (da keine gravierenden mathematischen Probleme vorhanden sind). 

shmt – Arbeitsauftrag 7

Der 10-jährige Junge Tarek besucht aktuell die 4. Klasse einer Grundschule. Tarek hat eine libanesische Migrationsgeschichte. Er liest und schreibt, wie es ein Erstklässler tut. Er hat u.a. die Verbindung zwischen Buchstaben und Lauten richtig drauf. Er verwechselt bspw. O und U. Manchmal schreibt er Wörter auch ohne Vokale. Zudem ist er langsam. Probleme im Schreiben liegen somit sicherlich vor. Lesen tut er etwas besser (synthetisierendes lesen). Er zieht Laute Buchstabe für Buchstabe zusammen. Dies dauert lange. Eine Lehrerin des nahegelegenen Förderzentrums wurde informiert. Intelligenztest wurde gemacht (Wechslerskalen). IQ liegt bei 83. Mathe besser als im Lesen und Schreiben. Er schreibt regelmäßig 5en (seit mehreren Schuljahren). Er ist ein schlechter Schüler in Mathe. Abstand zum Klassendurchschnitt wird nicht größer. Textaufgaben fallen ihm schwer. Mündlicher Sprachgebrauch fällt nicht auf. Was hat Tarek?Sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Lernen? Legasthenie? Wahrnehmungsverarbeitungsstörung? Schlechter Schüler? (siehe Diagnostik-Materialsammlung-Tabelle 53).

IQ = 83 spricht deutet auf den sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Lernen hin, weil hierfür ein IQ-Wert zwischen 70 bis 85 notwendig ist. Der Migrationshintergrund könnte ein weiteres Indiz dafür sein, dass der Förderbedarf Lernen erfüllt ist. Familien mit Migrationshintergrund sind in diesem Förderbereich oft vertreten.

Der IQ-Wert ist unterdurchschnittlich (<85), demnach liegt keine Lese- und Rechtschreibschwäche vor. Demnach müssen auch keine weiteren Testungen erfolgen.

Wahrscheinlich fällt Tarek das Lernen, Lesen, Schreiben und die Mathematik schwerer, weil seine kognitive Leistungsfähigkeit eher gering ist.

Hattingen: Aus meinem Praktikum in der Erziehungsberatungsstelle in Hattingen, glaube ich in Erinnerung zu haben: Zuerst wurde ein IQ-Test durchgeführt und im Anschluss dann ein Mathematiktest oder Lese-/Rechtschreibtest. Dann wurde die Diskrepanz bemessen.
War der IQ-Test aber bereits im unterdurchschnittlichen Bereich (<85), waren die anderen Tests hinfällig und das Kind verfügt eben über geringe kognitive Kompetenzen.

Vertue ich mich da oder liege ich gar nicht so falsch? 

Antwort Mand: Es gibt in dieser Hinsicht unterschiedliche Positionen. Viele Jugendämter argumentieren aber: Bei einem IQ unter 85 liegt keine Legasthenie vor. 
Das Problem ist aber: Ein IQ 83 mit einem unfairen Testverfahren dürfte ziemlich sicher einem IQ >85 mit einem fairen Testverfahren entsprechen. Das könnte u. U. im Libanon sogar nahe am Durchschnitt liegen. Hinzu kommt ein Kennwert, den ich in diesem Seminar nicht vorgestellt habe: den Standardmessfehler. IQ Messungen sind niemals so präzise, dass man eine Entscheidung an wenigen IQ Punkten festmachen kann. Man kann sagen: IQ-Tests sind zwangsläufig ungenau / unscharf. Wenn Sie das interessiert, könnten Sie sich im Seminar Testen und Fördern den Podcast der siebten Sitzung anhören.

Baum 13: Ausgehend von der Tabelle (Tabelle 53) und den gegebene Informationen:

  • –  Junge Tarek
  • –  vierte Klasse einer Grundschule
  • –  libanesischen Migrationshintergrund
  • –  Lesen und schreiben als das eines Erstklässler zu bewerten
  • –  Verwechselung einzelner Vokale und lässt sie ggf. bei manchen Wörtern ganz weg
  • –  sehr langsames Arbeitstempo
  • –  synthetisierendes Lesen
  • –  IQ-Test (Wechsler-Skalen) ergibt einen IQ von 83
  • –  Mathematik ist besser, jedoch Bearbeitung von Textaufgaben sehr schlecht
  • –  mündlicher Sprachgebrauch ist gut
  • –  er ist in der Lage sich argumentativ mit anderen Kindern auseinanderzusetzen.Welches Label passt zu Tarek? Sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich Lernen? Legasthenie? Schlechter Schüler? (siehe dazu Diagnostik-Materialsammlung-Tabelle 53)Förderbedarf im Bereich „Lernen“ wäre möglich, weil der IQ genau zwischen 70 und 85 liegt. Auch sind Probleme Mathematik gegeben. Aufgrund des Migrationshintergrund wäre die Zuordnung zu diesem Label möglich.Das Label Legasthenie wäre auch möglich, da Verwechslung von Vokalen, sowie das Weglassen von Vokalen stattfindet, ein langsames Arbeitstempo gegeben ist, er nicht altersgemäß lesen kann und im mathematischen im Textaufgaben große Probleme bereitenDas Label Schulleistungsprobleme wäre auch möglich. Kinder mit Migrationshintergrund sind in diesem Bereich überrepräsentiert. Auch würde dafürsprechen, dass er nicht nur im Schreiben Schwierigkeiten hat, sondern auch in der Mathematik.Im Hinblick auf das Testverfahren (Wechsler-Skalen), die Herkunft des Jungen in Verbindung mit Tabelle 22, die sich auf die letzte Sitzung bezog, ist die Einordnung des IQ-Wert schwierig.

Berti: Welches Label passt zu Tarek?

Ich könnte mir vorstellen, dass Tarek entweder ein Schüler mit schlechten Schulleistungen ist oder Legasthenie hat. Für schlechte Schulleistungen spricht, dass bei ihm eine Kombination aus Problemen in den Bereichen des Lesens, Schreibens und der Mathematik besteht. Für das Label Legasthenie spricht, dass seine Probleme im Lesen und Schreiben deutlich gravierender scheinen als die in Mathe. Sein Tempo beim Lesen und Schreiben ist sehr langsam, demgegenüber kann er sich mündlich sehr gut ausdrücken. Zudem könnten Tareks Lese- und Schreibprobleme, seine Leistungen in Mathe negativ beeinflussen (Textaufgaben).

Auf den ersten Blick erfüllt Tarek auch die diagnostischen Kriterien für sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich lernen, ich würde dieses Label für ihn jedoch eher ausschließen. Es liegen zwar Probleme im Fach Mathe vor, aber diese scheinen nicht ausgeprägt und gravierend genug für eine Lernbehinderung in diesem Bereich zu sein. Zudem liegt Tareks IQ 83 (ermittelt durch die Wechsler-Skalen) zwar im erforderlichen Bereich, dieser würde jedoch mit einem fairen Testverfahren wahrscheinlich höher (>85) ausfallen.

LNH – Aufgabe: Welches Störungsbild könnte bei Tarek vorliegen? Welches Label passt? 

  • Informationen: Tarek (10 Jahre, libanesische Herkunft) besucht die vierte Klasse einer Grundschule. Er liest und schreibt auf dem Level eines Erstklässlers, d.h. er kann Buchstaben und Laute noch nicht richtig miteinander verknüpfen, einige Wörter schreibt er gänzlich ohne Vokale und sein Schreibtempo ist deutlich verringert. Das Lesen gelingt ihm insgesamt besser als das Schreiben. Er liest jedoch synthetisiert und auch in Mathematik weist er Problematiken auf (Tarek gehört in Mathematik zu den schlechtesten Schülern seiner Klasse). Hier bereiten ihm vor allem Textaufgaben Schwierigkeiten. Sein IQ liegt bei einem Wert von 83. Im Alltag spricht er wortgewandt und eloquent. Seine Probleme in den Bereichen Lesen und Schreiben fallen im alltäglichen Sprachgebraucht nicht auf. Auch im Sozialen neigt Tarek zu Auffälligkeiten, auf dem Schulhof ist er bspw. häufiger in hitzige Auseinandersetzungen verwickelt. 
  • Vermutung: Die dargestellten Hintergrundinformationen könnten auf mehrere Störungsbilder hinweisen: 
  • Förderbedarf Lernen: Schüler*innen welche über einen Förderbedarf im Bereich „Lernen“ verfügen, weisen i.d.R. einen IQ zwischen 70 und 85 auf. Tareks IQ liegt bei einem Wert von 83 und somit inmitten dieses Bereiches. Zudem hat Tarek einen Migrationshintergrund. Ausgehend von der Tabelle könnte dies ein weiterer Faktor dafür sein, dass Tarek über einen Förderbedarf im Bereich „Lernen“ verfügt, da Kinder mit Migrationsgeschichte (je nach Herkunft) als überrepräsentiert gelten. 
  • Legasthenie: Außerdem könnte bei Tarek eine Legasthenie vorliegen. Auch hier spielt der Wert des IQs eine Rolle. Außerdem wird häufig eine allgemeine Leistungsminderung beobachtet. Tareks Defizite im Bereich Lesen, Schreiben und Mathematik könnten ein Indikator hierfür darstellen. 
  • Schüler mit schlechten Schulleistungen: Andererseits könnte Tarek auch leidglich ein Schüler mit schlechten Schulleistungen sein. Auch hier spielt der Wert des IQs sowie die grundsätzlich eher schlechten schulischen Leistungen eine Rolle. Je nach Herkunft zählen auch hier Kinder mit Migrationsgeschichte als überrepräsentiert. 

Auf der Grundlage der dargestellten Informationen erscheint es für mich als nicht sinnvoll, eine finale Entscheidung zu treffen, da dreierlei Labels als möglich erscheinen. Das Fallbeispiel verdeutlicht erneut die Komplexität der Thematik.

Teddy: INFORMATIONSSPEICHER: 10 Jahre, 4.Klasse, Tarek, libanesische Migrationshintergrund, liest und schreibt wie erste Klasse, Verbindung Laute Buchstabe noch nicht drauf, schreibt manchmal Wörter ohne Vokale, furchtbar langsam; Probleme beim Schreiben sicher, Lesen bisschen besser (synthetisierendes Lesen), IQ Test Ergebnis Wert 83, Mathe besser als Lesen Schreiben, schreibt regelmäßig fünfen seit mehreren Schuljahren, Textaufgaben besonders schwierig, im Sprachgebrauch fallen keine grammatischen Fehler auf (sehr eloquent). Was hat Tarek?

Basierend auf den Einträgen in der Tabelle 53 der Diagnostik-Materialsammlung schwanke ich zwischen schwanke ich stark zwischen:

  • Förderbedarf Lernen: Das Ergebnis der IQ-Testes sowie die Migrationsgeschichte des Kindes würde hierfür sprechen. Da er in Mathe nur geringfügig besser ist als beim Lesen/Schreiben würde dies den Förderbedarf unterstreichen.
  • LRS: Unsicher, weil keine allgemeine Leistungsminderung ausgeschlossen ist. Zudem spricht seine soziale und familiäre Herkunft hiergegen. Im schulrechtlichen Sinne sind seine Probleme nicht kombinierbar im Sinne der LRS, wobei aus psychologischer Sicht eine Kombination aus LRS und Dyskalkulie trotzdem möglich ist.
  • Lediglich schlechte Leistungen ohne klar nachweisbare Gründe: Sämtliches aus dem Informationsspeicher spricht aber auch hierfür→einen familiären Migrationshintergrund, Schwächen im Bereich des Lesens und Schreibens sowie der Mathematik. Ein IQ, der unter dem Durchschnitt liegt, muss hier nicht festgestellt sein.Mein Favorit ist der letzte Punkt! Gerne möchte ich auch hier anmerken, dass Tarek mit dem festgestellten IQ-Wert von 83 nahe der festgelegten Obergrenze liegt und daher nur dezent gemindert ist.Dennoch vermag ich selber nicht korrekt darüber zu entscheiden, weil ich denke, dass man sich diesen Fall in der Realität anschauen muss, da man durch konkretes Beobachten zudem viel mehr in Erfahrung bringen kann als durch Weitergesagtes. Selbst wenn das vorliegende Kind lediglich fiktiv ist.

JC99 – Aufgabe: Was hat Tarek? 

  • Tarek ist libanesischer Herkunft und ist in der 4. Klasse
  • Er ist auf dem Lese- & Schreibniveau eines Erstklässlers 
  • Er liest synthetisiert und hat in Mathe ebenfalls Probleme, vor allem bei Textaufgaben. Hat seit mehreren Jahren Probleme (schreibt viele fünfen)
  • Sein IQ-Test ergab 83
  • Er ist sehr wortgewandt, Lese-Rechtschreibschwäche fällt im Alltag nicht im Sprachgebrauch auf. 

Es könnte eine Lernbehinderung vorliegen, dafür spricht der IQ, die Schulischen Probleme in Deutsch und Mathe, die über einen längeren Zeitraum bestehen. Dagegen spricht, dass die schlechten Schulleistungen vor allem im Lesen und Schreiben auch durch die Migrationsgeschichte beeinflusst werden. Zudem wird der Abstand zum angestrebten Leistungsniveau nicht größer und die mathematischen Probleme, können auch auf die Schwierigkeiten im Lesen zurück zuführen sein.

Es könnte also auch Legasthenie sein, dabei ist zwar keine IQ Diskrepanz vorgesehen, aber aufgrund der Tatsache das IQ Test bei Kindern mit Migrationsgeschichte nicht immer fair gewählt sind, könnte der eigentliche IQ auch höher liegen. Zudem ist der getestete IQ auch nur knapp unter der Grenze von 85.

Sonja: Es ist möglich, dass Tarek mit einem Förderbedarf im Bereich lernen diagnostiziert wird. Sein IQ liegt in dem entsprechenden Rahmen. Auch zeigt er Probleme in Mathe und hat einen Migrationshintergrund.

Ebenfalls sollte getestet werden, ob Tarek Legastheniker ist, da er trotz relativ geringem IQ und schlechten Deutsch und Mathenoten sich eloquent ausdrückt.

Auch wäre es möglich, dass Tarek als Schüler mit schlechten Schulleistungen diagnostiziert wird. Da sowohl das Fach Deutsch, als auch Mathe negativ betroffen ist bei ihm. Auch sind in dieser Kategorie Kinder mit Migrationshintergrund überrepräsentiert.

Um eine eindeutige Diagnose zu nennen, müssten weitere Informationen zum Beispiel durch Tests gesammelt werden.

Kathi94:

Welches Label hat Tarek?

Tarek, ist 10 Jahre alt, geht in die 4.Klassse der Grundschule. Tarek kann lesen und schreiben wie ein Erstklässler. Tarek nutzt noch das synthetische Lesen. In Mathematik bestehen ebenfalls erhebliche Probleme (Besonders bei Textaufgaben). Beim Wechsler-Intelligenztest kam ein IQ von 83 heraus. Der mündliche Sprachgebrauch ist dabei gut.

  1. Eine Diagnose im Förderbereich Lernen könnte leider erfolgen aufgrund der Migrationsgeschichte und den Problemen im Bereich Mathematik und Deutsch. Gleichwohl könnte er aufgrund der Informationen aber auch als Schüler mit schlechten Leistungen diagnostiziert werden. Wobei ersteres leider näher liegt aufgrund der Migrationsgeschichte
  2. Legasthenie: Da Tarek zwar schlechte Leistungen zeigt im Bereich Lesen/Schreiben und Mathematik (besonders Textaufgaben), aber mündlich sich sehr gut ausdrücken kann, wäre auch eine Legasthenie im Bereich des Möglichen.
  3. Die Berücksichtigung des IQ-Wertes ist hier eher schwierig, aufgrund des eher unfair

Socke12 – Tarek, ist 10 Jahre alt, geht in die 4.Klassse der Grundschule. Tarek kann lesen und schreiben wie ein Erstklässler.

Ich denke, dass die Legasthenie weitaus besser zu ihm passt, als schlechte Schulleistungen, da er in Mathe etwas besser ist. Textaufgaben im Mathe fallen ihm ebenfalls sehr schwer, was auch wiederrum eher für eine Legasthenie spricht. Allerdings könnte es sich auch um eine Legasthenie in Kombination mit einer Dyskalkulie handeln, denn dass eine schließt das andere nicht aus.

Tarek scheint sich unabhängig von den Schulbenotungen, durchaus gut ausdrücken zu können und mit anderen Kindern klar zu kommen.

Ich vermute, er erfüllt nicht genug die Diagnostischen Kriterien für sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich lernen. Es liegen zwar verschiedene Problematiken vor diese scheinen jedoch nicht ausgeprägt genug für eine Lernbehinderung zu sein. Es könnte sich dabei eher um eine Lernstörung im Bereich der Mathematik und der Leserechtschreibschwäche oder eben eine Legasthenie.

Achte Sitzung

Wenn sich deutsche Pädagog*innen über irgend etwas einig sind , dann über dies: Es gibt immer mehr verhaltensgestörte Kinder. Und na klar, es fällt auch überhaupt nicht schwer, Meldungen zu finden, die feststellen, dass auch die Covid-19 Pandemie dazu geführt hat, dass immer mehr Kinder und Jugendliche schwere Verhaltensstörungen entwickeln. Ist doch klar, die sind zu Hause ihren schrecklichen und sicher überforderten Eltern ausgesetzt und können nicht mehr täglich die wunderbaren Segnungen des deutschen Schulsystems genießen. Den meisten Zeitgenoss*innen gelten Verhaltensstörungen auch als festes Persönlichkeitsmerkmal. Etwa so: Augenfarbe blau, Haarfarbe blond, und: ist verhaltensgestört.

Diese Wahrnehmungen sind zwar weit verbreitet. Mit wirklich belastbaren Forschungsbefunden sind sie aber nicht so ohne weiteres zu belegen. Man weiß z. B. ziemlich genau, dass Lehrer*innen sehr unterschiedlicher Meinung in der Frage sein können, welches Verhalten als „verhaltensgestört“ eingestuft werden muss, und welches nicht. Ein und dasselbe Verhalten kann in Düsseldorf als schwer gestört gelten und sagen wir in Gelsenkirchen als vollkommen normal. Was vor zehn Jahren als gestört galt, kann heute als vielleicht zwar nicht unbedingt erfreuliches, aber doch keineswegs ungewöhnliches Verhaltensmerkmal wahrgenommen werden. Lehrerinnen und Lehrer können unterschiedlicher Meinung in der Frage sein, wer verhaltensgestört ist und das gilt z. B. auch für Lehrer*innen am Anfang ihres Berufslebens und Lehrer*innen, die schon zwanzig Jahre unterrichten. Anders formuliert: Der Begriff „Verhaltensstörung“ und sämtliche Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989). Und dies ist ein echtes Problem – u. a. auch für die Immer-Mehr-Verhaltensgestörte-Diagnosen.

Verhaltensstörungen

Tab 5 Prävalenzzahlen Verhaltenstörungen
Remschmidt/Walther 1990

Mand 1995 (Berlin, 4. Klasse)


KMK 1999
MSW 2002
KMK für Schuljahr 2018



Mand2007 (NRW, 4. Klasse)

13 % – 31 %

1991: 12,5 % Grund-
1994: 16,1 % schulen
0,36
0,47
D: 0,56 % in der Förderschule
NRW: 1,02 % in der Förderschule 

11 % (GE-Schulen)
38 % (F-Schulen L)
Tab 6: Begriff Verhaltensstörungen: AO-SF § 5 (3)
Erziehungsschwierigkeit liegt vor, wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler der Erziehung so nachhaltig verschließt oder widersetzt, dass sie oder er im Unterricht nicht oder nicht hinreichend gefördert werden kann, und die eigene Entwicklung oder die der Mitschülerinnen und Mitschüler erheblich gestört oder gefährdet ist.
Tab 7 Relativität von Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen und ihre Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989).
Sie sind eher das Ergebnis eines vergleichsweise komplexen Prozesses mit vielen Beteiligten als eine feste Eigenschaft (Mand 2003).
Dies hat Auswirkungen auf die Zahlen und die Diagnose
Tab 8: Auswirkungen von Beobachtervariablen auf die Wahrnehmung auffälligen Verhaltens
GeschlechtHoughton u.a. (1988), Kearny & Plax (1986), Kearny & Plax (1987), Mittelmark & Pirie (1988), Borg & Falzon (1989), vgl. Bach u.a. (1984), Mc Intyre (1988), Mand (2002 b), Baumgardt/Mand/Ostermann (2008)
Alter, Berufserfahrung, Berufszufriedenheit des LehrersTornow (1978), Bach (1987), Kearny & Plax (1986), Kearny u.a. (1987), Camp (1987), Mand (1995), Mand (2002 a)
Pädagogische ArbeitWetzel (1978), Vaughn & Lancelotta (1986), Lochman u.a. (1987), Trovato u.a. (1992), Harris u.a. (1992), Fuchs u.a. (1989), Mand (1995)

Socke12: Liegt eine Verhaltensstörung vor? Was braucht dieser Junge?

Manuel 10 Jahre alt, lebt in seiner Welt im zweiten Weltkrieg. Ich denke Manuel hat keine Verhaltungsstörung, er scheint gute Schulische Leistungen zu haben und sich Zuhause ebenfalls normal zu benehmen. Vielleicht ist er durch die vielen Erzählungen und die Erziehung und engen Kontakt mit dem Großvater auf dieses Verhalten gekommen.

Bachblütentherapie scheint mir ein sehr falscher Ansatz. Der Junge braucht eine Verhaltenstherapie um dieses in den Griff zu bekommen oder aber eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, falls er durch irgendwelche Erlebnisse, von denen niemand weiß traumatische Erfahrungen gemacht hat, die ihn zu diesem Verhalten gebracht haben.

Hermine Granger: Hat der Junge eine Verhaltensstörung? Was braucht der Junge?

  • 10 Jahre alt
  • Denkt er ist im 2. Weltkrieg
  • Malt Kriegsbilder
  • Lagert Zuhause Munition und Waffen aus dem 2. Weltkrieg
  • Quält kleine Kinder
  • Mutter: Manuel macht Zuhause keine Probleme und seine Schulleistungen sind okay
  • Bachblütentherapie

Um herauszufinden, ob Manuel eine Verhaltensstörung hat oder nicht, könnte der Vergleich eines CBCL der Lehrer_in und der Mutter hilfreich sein. Da die Aussage der Mutter beschönigt sein könnte, sollte ihre Aussage allein zu keiner Entscheidung führen. Falls die schulische Entwicklung von Manuel tatsächlich der Norm entspricht und dementsprechend gefördert werden kann, wäre eine Verhaltensstörung unwahrscheinlich. In diesem Falle könnte eine sekundäre Traumatisierung vorliegen, die sich durch die Erzählungen vom Opa und dessen traumatischer Erfahrungen gebildet hat. Bei dieser Vermutung würde ich eine Psychotherapie empfehlen. Eine Bachblütentherapie halte ich für unwirksam, da diese lediglich bei leichten Belastungen eingesetzt wird.

Sonja: Ich finde es schwer, allein von Erzählungen und mit wenig Wissen zu Verhaltensstörungen einzuschätzen, ob Manuel verhaltensgestört ist. Dass Manuel so eine Faszination mit dem 2.Weltkrieg hat und zeitweise auch in dieser Welt zu leben scheint finde ich sehr auffällig. Andererseits ist aber bekannt, dass er diese Ideen vermutlich von seinem Großvater hat. Auch spricht es, falls man der Aussage trauen kann, gegen eine Verhaltensstörung, dass Manuels Mutter sagt, dass er sich zu Hause nicht auffällig verhält.

Ich kann mir vorstellen, dass es gut wäre wenn Manuel eine Psychotherapie erhält um die Ursachen seines Denkens besser verstehen zu können. Um erfolgreiche weitere Therapie durchzuführen ist es wichtig zu wissen, ob Manuel weiß, dass er sich in einer Traumwelt bewegt, oder ob es ihm gar nicht bewusst ist. Die Bachblütentherapie klingt für mich fraglich, aber solange dem Kind damit nicht geschädigt würd spricht meiner Meinung nach nichts dagegen. Ich würde es als positiv einschätzen, dass die Mutter sich für ihren Sohn engagiert und einzusehen scheint, dass ihr Sohn therapiebedarf hat.

Berti: Manuel lebt in seiner eigenen Welt in der Zeit des 2. Weltkriegs und malt brutale Kriegsbilder. Das allein ist ein auffälliges Verhalten, aber schadet erst einmal keinem. Es lässt eine Traumatisierung, die eventuell durch die Erzählungen von traumatischen Erfahrungen des Großvaters oder durch andere nicht bekannte Erlebnisse ausgelöst wurden, vermuten. Des Weiteren sammelt er gefährliche Kriegsgegenstände und quält kleinere Kinder. Damit gefährdet er sich und andere. Das Quälen anderer Kinder könnte ein Ausdruck des Wunsches von Kontrolle und Macht über andere sein. Seine schulische Leistung und das, nach Aussage seiner Mutter, unauffällige Verhalten zu Hause sprechen gegen eine Verhaltensstörung. Die Mutter könnte Manuels verhalten jedoch schönreden wollen. Daher finde ich es schwierig zu beurteilen, ob eine Verhaltensstörung vorliegt oder nicht. Es wäre wichtig zu klären, ob Manuel sich darüber bewusst ist, dass er sich in einer Traumwelt befindet. Ich denke, dass eine Bachblütentherapie nicht ausreichend ist und Manuel in jedem Fall von einer Psychotherapie profitieren würde. Diese sollte sich meiner Meinung nach nicht nur auf eine Verhaltenstherapie beschränken. Es sollte zunächst der Ursache Manuels Verhaltens nachgegangen werden, um dann an seinem Verhalten arbeiten zu können.

Information Mand: Nein, Manuel hat sein Verhalten nicht unter Kontrolle. Kann aber durchaus sein, dass er weiß, dass da in Wirklichkeit sagen wir: keine Tiefflieger im Anflug sind.

Helmobil: Aufgabe: Hat der Junge eine Verhaltensstörung? Was braucht der Junge?

  • Eine Verhaltenstherapie erachte ich hier für sinnvoll, da der Ursache seines Verhaltens auf den Grund gegangen werden muss. Um weiteren Schaden an seinem sozialen Umfeld zu vermeiden, sollten Methoden entwickelt werden, wie der Junge besser mit seiner Weltkriegsvorstellung umgehen kann. Auch wenn die schulischen Leistungen und sein Verhalten zuhause in Ordnung sind, sollte hinterfragt werden, wieso der Junge in anderen Situationen anders reagiert und wie es möglich ist noch weitere Ausschreitungen zu verhindern. 
  • Eine Bachblütentherapie erachte ich in diesem Zusammenhang nicht für sinnvoll und zukunftsorientiert.

Teddy – Aufgabenstellung: Liegt eine Verhaltensstörung vor? Was braucht dieser Junge?

Informationsspeicher: 10 Jahre alter Manuel. Lebt im 2.WK in der Fantasie. Wenn Bilder gemalt werden sind es Kriegsbilder. Großvater hat viel von traumatisierenden Kriegserlebnissen erzählt. Manuel sammelt im Wald vergessene Kriegsmunition (vielleicht auch der Opa). Ärgert jüngere Kinder und wenn man mit ihm spazieren geht, fängt er plötzlich Warnrufe aus dem Krieg vor einem Flieger von sich zu geben und weg zu springen. Mutter sagt zuhause ist alles okay und die Schulleistungen sind ok. Manuel kriegt eine Bach-Blütentherapie (alternative Medizin; Annahme: Es gibt eine Gleichgewichtsstörung der Seele)

Aufgabenbearbeitung: Nach einer Eigenrecherche über den Hintergrund einer Bach-Blütentherapie komme ich zu dem Schluss, dass diese nicht geeignet ist. Zugleich soll es aber nicht heißen, dass alternative Medizin keine guten Wirkungen verursachen. Im Falle von Manuel würde ich den Eltern empfehlen, eine Psychotherapie mit Schwerpunkt auf Verhaltenstherapie für Manuel zu initiieren, sodass dieser durch ein systemisches Vorgehen Manuel kennenlernen kann und seine Welt nachvollziehen kann. Durch gezieltes Stellen von offenen Fragen und einem Perspektivwechsel kann einerseits dem Therapeuten ermöglicht werden die Gedankengänge Manuels nachzuvollziehen und sein darauf basiertes Handeln. Andererseits wird Manuel aber auch durch kontinuierlicher Teilnahme ermöglicht ein besseres Verständnis von ihm selbst zu erzielen und seine Gedanken von der Realität zu separieren und diese reflektiert zu betrachten, sodass man Grenzen aufzeichnen kann. Dass diese Grenzen nicht aufgelöst und beide Welten vermischt werden können/dürfen, könnte durch den Therapeuten einfach gesagt vermittelt werden. Beobachtungen von Manuels Verhalten in unterschiedlichen Situationen, wie sie exemplarisch durch die Mutter daheim geäußert worden sind, könnten beeinflusst und beschönigt sein, sodass diese nicht unbedingt die Tatsache darstellen. Wichtig ist es aber auch für eine Therapie, dass zunächst sämtliche geäußerte Eindrücke von bspw. Bezugspersonen gesammelt, bewertet und schließlich mit dem gewonnen Eindruck während der Therapie abgeglichen und neu betrachtet werden. Ob die Verhaltenstherapie mit oder ohne die Anwesenheit der Mutter durchgeführt werden sollte mag ich nicht zu beurteilen, sondern mutmaße stattdessen, dass diese ohne Anwesenheit der Mutter durchgeführt werden sollte.

JC99: Ich denke Manuel hat keine Verhaltensstörung, sondern eine Psychische Störung. Seine Schulischen Leistungen sind in Ordnung. Diese Psychische Störung hat aber starke Auswirkungen auf sein Verhalten, welches er nicht steuern kann. Da sein Verhalten teilweise Selbst -und Fremdgefährdungen verursacht (Munitionen lagert, Kinder quält), benötigt er dringend Hilfe z.B. in Form einer Psychotherapie. Die Bachblütentherapie scheint bei der schwere seiner Störung nicht ausreichend zu sein. 

Eine Situation und Diagnose einzuschätzen, ohne die betroffene Person zu kennen ist sehr schwierig.

Baum13:

Manuel ist 10 Jahre alt, lebt in seiner Fantasie der Zeit des zweiten Weltkrieges. Er zeichnet sehr gut, stellt in seinen Zeichnungen detailliert Kriegsmaschinerie und blutende Menschen dar. Ungewöhnlich daran ist, dass Manuel keine Kriegserfahrungen hat und er auch keinen Fluchthintergrund besitzt. Sein Großvater berichtet oftmals von traumatisierenden Kriegserlebnissen und sucht mit ihm in den Wäldern nach Überresten von Waffen und Munition, die dann zu Hause gesammelt und gelagert werden. Bei Spaziergängen durch die Stadt ist er in seiner Phantasiewelt im Krieg. Mitschüler, die dabei getroffen werden, sind über das Verhalten nicht verwundert und kennen das bereits. Manuel quält gerne Kinder, hält sich dabei aber an Kleinere, denen er körperlich überlegen ist.  Seine schulischen Leistungen sind zufriedenstellend, seine Lehrer_innen wünschen sich das Manuel therapeutisch begleitet wird. Manuels Mutter ist mit ihrem Sohn zufrieden, da er sich zu Hause anpasst und unauffällig ist. Dem Wunsch nach Therapie ist sie nachgekommen. Manuel bekommt eine Bachblütentherapie. 

Wenn man sich an § 4 Satz 4 AO-SF orientiert, könnte sonderpädagogischer Förderbedarf im Bereich ES bestehen, da er die Entwicklung der Mitschülerinnen und Mitschüler möglicherweise stört oder gefährdet indem er jüngere Mitschüler quält. Hierbei muss aber hinterfragt werden, was sich hinter der Begrifflichkeit „quälen“ wirklich versteckt: stehen Körperverletzungsdelikte im Raum bzw. besteht eine nachweisbare Fremdgefährdung (evtl. Gefährdung der Schulgesundheit §54 SchulG NRW) und wurden von der Schule bereits Ordnungsmaßnahmen (§53 SchulG NRW) ergriffen, die jedoch zu keiner Verhaltensänderung führten, dann ist der Förderbedarf wohl zu bejahen

Würde er keine anderen Kinder quälen, könnte man sein Verhalten als überbordende Phantasie betrachten, da er damit niemandem Schaden zufügt. 

Manuel scheint sehr durch die Erzählungen seines Großvater und das gefährliche Hobby des Ausgraben von Kriegsgeräten geprägt zu sein. Ob es einen Vater gibt, ist nicht offensichtlich. 

Die Bachblütentherapie muss man kritisch betrachten, da sie in den Bereich der Homöopathie einzuordnen ist und es keine wissenschaftlich anerkannten Studien über die tatsächlich medizinische Wirksamkeit von Homöopathie gibt. Man kann diese Therapieform ergänzend im Glauben der Wirksamkeit zu anderen Therapieformen einsetzen.

Eine Verhaltenstherapie für Manuel könnte sinnvoll sein. Hierbei würde man nach den Ursachen für sein Verhalten gegenüber schwächeren Schülern suchen. Dabei wäre interessant, wie die tatsächliche Familienbeziehung sich darstellt, wie er sich seinen Mitschüler_innen in der Klasse gegenüber verhält und was an weiterer Freizeitgestaltung stattfindet.

Wichtig dabei ist, dass die Mutter und der Großvater und deren Verhalten, auch in die Therapie mit einbezogen werden und deren Bereitschaft etwas zu verändern.

Elterntrainings können dabei helfen, die Alltagsbelastung in den Familien zu reduzieren. Dabei werden Eltern beispielsweise Möglichkeiten aufgezeigt, dem Kind Regeln und Grenzen zu setzen und eine sinnvolle Kontrolle und Aufsicht wahrzunehmen. Auch werden sie dahingehend geschult, erwünschtes Verhalten beim Kind zu belohnen und positives Verhalten zu verstärken.

shmt: Das CBCL-Testverfahren sollte (falls angewandt) auch seitens der Lehrenden ausgefüllt werden, da die Meinung der KM bereits die Subjektivität dieses Tests verrät.

Falls sich Manuels schulische Leistung als altersentsprechend äußert, ist eine Verhaltensstörung auszuschließen. Zu Hause scheint er sich ja (trotz Subjektivität) unauffällig zu verhalten.

Wahrscheinlich ist Manuel durch die Erzählungen seines Großvaters geprägt. Hypothese: Durch den engen Kontakt zu seinem Großvater gehören Kriegserzählungen und der Transfer in den Alltag (Munition sammeln) zu seinem Leben dazu. 

Evtl. ist Manuel traumatisiert und benötigt eine Psychotherapie. Die Bachblütentherapie würde ich an dieser Stelle ausschließen, da Manuels Gedanken tiefenpsychologisch betrachtet werden sollten. Zudem sollte aber auch ein systemischer Blick auf die familiäre Situation geworfen werden. Wie wird Manuel von Kriegen erzählt? 

Kathi94: Bei Manuel hat sich zweifelsohne ein Problem entwickelt. Sein Verhalten sollte hinterfragt und ergründet werden. Manuel beschäftigt sich in hohem Maße mit Kriegsgeschehen (wobei auch das sammeln und ausgraben von Kriegsgegenständen hier hinterfragt werden sollte). Weiter sollte aber auch auf das „quälen“ der anderen Kinder geschaut werden. Nach diesen Erzählungen über Manuel ist es noch schwer zu sagen, was für Manuel Fantasie ist bzw. was vielleicht durchaus bewusst von ihm gesteuert ist. Eine Psychotherapie könnte zunächst helfen. Allerdings gehören im Therapieprozess dringend auch die Mutter und der Großvater mit eingebunden. Fraglich ist hier auch inwieweit dieses Verhalten zuhause gezeigt wird, oder ob die Mutter das Verhalten beschönigt. Die Bachblütentherapie mag ja gerne angewendet werden, dies sollte aber nur zusätzlich zur eigentlichen Therapie eingesetzt werden, da diese homöopathische Therapie keine ausreichenden wissenschaftlichen Ergebnisse aufweist.

Mangolassi: Nach der Begriffsgrundlage vom AO-SF §5 (3) trifft die ,,Erziehungsschwierigkeit„ insofern zu, dass die eigene Entwicklung gestört ist und die der Mitschüler*innen gefährdet. Denn die kriegsgeprägte Fantasiewelt und wie umfassend er von dieser eingenommen ist, ist meiner Meinung nach schon eine Störung der Entwicklung. Und durch das Quälen der Mitschüler*innen sind diese auch gefährdet. Es ist aber fraglich, ob er sich der Erziehung in dem Maße verschließt oder widersetzt, dass er im Unterricht nicht ausreichend gefördert werden kann. Wenn ich es richtig verstanden habe, dann besteht im Unterricht erst mal kein Problem. Daher würde ich mich einigen der anderen Antworten anschließen und denken, dass er eher eine psychische Störung hat und diese behandelt werden sollte. 

Anka13: -> Manuel lebt in seiner eigenen Phantasiewelt. Aufgrund der Informationen ist es schwer zu beurteilen, ob Manuel bereits fest in seiner Phantasiewelt lebt oder ob er noch dazu in der Lage ist, Realität und Phantasiewelt zu unterscheiden. Bejahen kann man, dass sein Verhalten zunächst auffällig ist. Jedoch würde ich nicht sofort sagen, dass bei Manuel eine Verhaltensstörung vorliegt. Da die Mutter aussagt, dass ihr Kind sich „normal“ verhält und es keine schulischen Leistungsauffälligkeiten gibt, wäre es sinnvoll, weitere Personen (Lehrer*innen/Erzieher*innen) zu befragen. Dazu sollten geeignete Fragebögen verwendet werden. Auch sollte eine Einschätzung durch den Kinderarzt und durch das Gesundheitsamt erfolgen. Die Bachblütentherapie ist als alleinige Therapie noch nicht ausreichend bzw. kritisch zu betrachten. Durch die Aussagen des Kinderarztes bzw. des Gesundheitsamtes sollte eine genauerer medizinische Einschätzung erfolgen, die dann dementsprechend mit den geeigneten Therapiemöglichkeiten behandelt werden sollte. Auch ist es Sinnvoll z.B. durch Mitarbeiter*innen des Jugendamtes oder des Kinderarztes, der Mutter zu verdeutlichen, dass Manuel tiefgreifende Unterstützung benötigt. 

Neunte Sitzung

Die neunte Sitzung befasst sich nun mit der Autismus Spektrum Störung. Dass Sozialarbeiter*innen mit Menschen im Spektrum zu tun haben, ist eher selten. Aber es macht durchaus Sinn, einige wichtige Informationen zur ASS zu kennen. Denn sehr häufig wird diese Störung erst spät diagnostiziert. Und manchmal muss man überlegen, ob nicht anstelle einer ADHS vielleicht doch ASS diagnostiziert werden sollte. Denn ADHS gehört zu den komorbiden Störungsbildern von Autismus.

Autismus – eine Einführung

Referat Asperger Syndrom

Hermine Granger: Soll ein Verfahren zur Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs eingeleitet werden?

  • 7-jähriger Junge
  • Bereits sonderpädagogische Förderung erhalten
  • IQ-Test vor Einschulung ergab einen IQ von 75 (Kaufmann-Intelligenztest)
  • Spricht mit besonderer Betonung
  • Schwierigkeiten bei der Einordnung sozialer Situationen
  • Phonologische Bewusstheit, Rechnen, Lesen, Schreiben durchschnittlich
  • Interesse der Förderschule für das Kind

Die Mutter sollte sich genau überlegen, ob sie die Unterschrift für das Verfahren gibt. Da die Förderschule Interesse an dem Kind zeigt, ist es sehr wahrscheinlich, dass Testverfahren eingesetzt werden, die ein positives Ergebnis (also sonderpädagogischer Bedarf vorhanden) zur Folge haben. Das würde große Auswirkungen auf das Leben und die Zukunft des Kindes mit sich ziehen, da Kinder von der Förderschule meist massive Probleme in ihrer zukünftigen Bildungslaufbahn haben. Phonologische Bewusstheit, Rechenfähigkeit, Lese- und Schreibfähigkeit scheinen bei dem Jungen nicht eingeschränkt zu sein, weshalb kein akuter Bedarf besteht, ein Verfahren einzuleiten. Sein IQ-Test ergab zwar einen IQ von 75, also im Bereich einer Lernbehinderung, allerdings könnte durch einen anderen Test ein Wert über 80 erreicht werden, sodass allein aufgrund des damaligen IQ-Wertes keine Entscheidung zu einem Verfahren getroffen werden sollte. Lediglich seine Betonung der Worte und die Schwierigkeiten bei der Einordnung sozialer Situationen sollten von der Mutter im Auge behalten werden und eventuell mit einem oder einer Psychiater_in / Psychotherapeut_in und einem oder einer Logopäd_in abgeklärt werden. Dazu ist jedoch keine Förderschule nötig. Um die Förderschule von dem Jungen abzubringen, würde ich ihr raten, mit rechtlichen Mitteln zu drohen.

shmt: Soll ein Verfahren zur Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs eingeleitet werden?

Steckbrief:

  • 7-jähriger Junge (hat bereits heilpädagogische Förderung erhalten)
  • Heilpädagogin hat vor Einschulung einen IQ-Test durchführen lassen
  • IQ = 75 – Kaufmann Intelligenztest
  • Der Junge kann sprechen, spricht mit besonderer Betonung
  • Er kann soziale Situationen schwierig einschätzen
  • Phonologische Bewusstheit vorhanden
  • rechnen, lesen und schreiben lernen funktioniert
  • Förderschule hat Interesse an dem Jungen

Der Junge hatte damals bei dem IQ-Test ein Ergebnis von 75 erzielt. Dieses Ergebnis scheint veraltet und müsste mithilfe eines neuen Testverfahrens überprüft werden. Demnach stellt dieses Ergebnis nicht die Grundlage des Handlungsbedarfs dar. 

Seine Fähigkeiten im Bereich rechnen, lesen und schreiben scheinen durchschnittlich zu sein. Hier besteht auch kein voreiliger Grund zur Sorge.

Evtl. könnte die KM (niederschwellig) eine Erziehungsberatungsstelle aufsuchen, in der Testungen stattfinden und könnte einfach mal den IQ überprüfen lassen.

Gleichzeitig könnte an dieser Stelle die Einordnung sozialer Situationen angesprochen werden und die besondere Betonung beobachtet werden. Vielleicht wäre die hausinterne Psychologin/oder der hausinterne Psychologe hier die qualifiziere Ansprechperson (im Vgl. zu Sozialarbeiterinnen, Heilpädagoginnen). Bei Bedarf könnte ein Netzwerk aufgezeigt werden (Psychotherapie, …). Die Förderschule erscheint mir noch zu früh.

Teddy: Informationsspeicher: 7 Jahre alter Junge; Hat heilpädagogische Förderung erhalten; Intelligenztest durchgeführt (von Kaufmann)→IQ von 75 vor Einschulung festgestellt; Redet mit besonderer Betonung und ein bisschen antisozial eingestellt; liest und schreibt und rechnet; Förderschule möchte das Kind haben; Feststellungsverfahren für sonderpädagogischen Förderbedarf soll eingeleitet werden.

Was soll die Mutter tun?

Die Mutter sollte nicht der Forderung der örtlichen Förderschule nachgeben, da die bisherigen Resultate und Beobachtungen nicht unbedingt auf ein sonderpädagogischen Förderbedarf hinweisen. Der durchgeführte Intelligenztest von Kaufmann brachte hervor, dass Quotient vom 75 unterdurchschnittlich ist. Da allerdings verschiedene Verfahren unterschiedliche Resultate erbringen können ist es angeraten weitere Verfahren als Ausschlusskriterium durchzuführen. Zwar ist das besondere Betonen von Wörtern und eine sozial distanzierende Einstellung ungewöhnlich und bedarf genauerer Beobachtung, dennoch gibt es Menschen, welche charakterlich grundsätzlich distanziert sind, sodass dies auch keine gewichtige Aussage für einen Förderbedarf ist. Dies wird auch dadurch untermalt, dass der sieben Jährige keine schwerwiegenden Probleme im Bereich LS und der Mathematik hat. Der Mutter rate ich weitere unabhängige Therapeuten aufzusuchen, sodass diese den Jungen mit anderen Verfahren testen und dieser über einen Zeitraum detaillierter beobachtet wird. Die mögliche Entscheidung der Mutter das Kind auf eine Förderschule zu schicken würde ich als sehr risikoreich sehen, da diese einen enormen und lebensprägenden Einfluss auf das Kind haben könnte und diese ihm zahlreiche Möglichkeiten verschließt, die er ansonsten wahrnehmen könne. Zudem könnte sich die Mutter im späteren Verlauf Vorwürfe machen und sollten diese verstärkt auftreten wäre ein mögliche „Folgereaktion“ die Entwicklung einer psychischen Erkrankungen wie einer Depression.

Anka13: Aus meiner Sicht sollte die Mutter kein Verfahren zur Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs einleiten. Da der IQ-Test eine längere Zeit her ist und vor der bereits stattgefundenen heilpädagogischen Förderung gemacht wurde, würde es Sinn machen, diesen Test zunächst zu erneuern. Insgesamt klingt es nicht danach, dass der Junge einen akuten Bedarf an Förderbedarf hat. Da die Förderschule bereits Interesse an dem Kind zeigt, kann davon ausgegangen werden, dass ein Testverfahren genutzt werden könnte, welches das Ergebnis „sonderpädagogischen Förderbedarf“ erzielen würde. Da aber der Junge noch keinen sehr gravierenden, akuten Schwierigkeiten hat, wäre dies eine übereilte Handlung mit negativen schulischen und beruflichen Konsequenzen für den Jungen. Die Mutter sollte weiterhin im aktiven Dialog mit den Lehrer*innen und dem Kinderarzt sein. Auch könnte sie sich beraten lassen durch zusätzliche Experten im Gebiet „Sprache“ und „kindliches Verhalten“ (Logopäd*innen/Sozialarbeiter*innen in Erziehungsberatungsstellen/Psychotherapeut*in). Alle Personen, die den Jungen erleben, sollten das Kind beobachten und die Beobachtungen ausführlich dokumentieren.

Berti:Meines Erachtens sollte die Mutter dem Verfahren zur Ermittlung sonderpädagogischen Förderbedarfs nicht zustimmen.Der IQ des Jungen würde zwar für einen sonderpädagogischen Förderbedarf sprechen, die Testung liegt jedoch längere Zeit zurück und sollte mit einem anderen Testverfahren überprüft werden. Die phonologische Bewusstheit und die Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen scheinen bei dem Jungen durchschnittlich ausgeprägt zu sein und geben keinen Hinweis auf akuten Handlungsbedarf für ein solches Verfahren. Aufgrund des bestehenden Interesses der Förderschule an dem Jungen, würden vermutlich Testverfahren verwendet werden, die auf das Ergebnis Förderbedarf abzielen. Da der Junge bisher keine schwerwiegenden Einschränkungen aufgrund der beschriebenen Schwierigkeiten zu haben scheint, wäre der Besuch einer Förderschule meiner Ansicht nach unverhältnismäßig, weil dieser mit hoher Wahrscheinlichkeit negativ auf die berufliche Zukunft auswirkt. Angesichts der ungewöhnlichen Betonung von Wörtern und den Schwierigkeiten bei der Einordnung sozialer Situationen sollte das Kind dennoch weiterhin beobachtet werden. Um diese Problematik weiter zu verfolgen, könnte z.B. ein*e Psychotherapeut*in aufgesucht werden. 

Mangolassi: Aus meiner Perspektive sollte die Mutter ihre Unterschrift nicht geben. Solange der Junge in der Schule mitkommt und seine Leistungen nicht zu schlecht sind, sollte er nicht auf eine Förderschule gehen. Das Ergebnis des IQ-Tests ist ohnehin kritisch zu betrachten und sollte kein ausschlaggebender Faktor sein. Wenn die Mutter dennoch am IQ festhält, würde ich ihr raten, weitere andere Tests durchführen zu lassen.Außerdem würde ich empfehlen, zu einer Therapie für Autismus-Spektrum-Störung zu gehen, oder in eine Art Therapie-Zentrum, wo der Junge lernen kann, wie er am besten mit anderen Menschen in einen Kontakt kommt und wie man sich in der Gruppe verhält, etc. 

JC99: Die Mutter sollte dies gut abwägen. Solange der Junge in der Schule im Lesen, Rechnen, Schreiben und im sozialen Miteinander keine gravierenden Schwierigkeiten aufweist, muss nicht zwingend über eine Förderschule nachgedacht werden. Oftmals reichen dann auch „niederschwelligere“ Angebote aus um einzelne Defizite zu beheben. Der IQ von 75 spricht für eine Lernbehinderung, die durchschnittlichen Schulischen Leistungen wieder sprechen dieser These. Sollte im weiteren Schulverlauf der Verdacht aufkommen es könnte eine unterdurchschnittliche Intelligenz oder sonderpädagogischer Förderbedarf bestehen, sollte zunächst ein aktueller IQ Test durchgeführt werden mit einem anderen Test verfahren. Ob Asperger – Autismus vorliegt ist aus dieser kurzen Beschreibung schwer zu diagnostizieren. Das Kind sollte erstmal weiter von allen Beteiligten beobachte werden. Selbst wenn es Asperger Autismus wäre, ist der Besuch einer Regelschule möglich. Das Interesse der Förderschule finde ich sehr bedenklich. Es sollte nur ein Verfahren eingeleitet werden, wenn die Notwendigkeit besteht und es dem Kind hilft bzw. weiterbringt z.B. wenn eine Feststellung eines sonderpädagogischen Förderbedarfs die Beantragung von einer Schulbegleitung oder ähnlichen ermöglicht (sollte der Junge so etwas benötigen).

helmobil: Auch ich schließe mich der Meinung, der anderen Kommilitonen an und sage: Nein, die Mutter sollte ihre Unterschrift nicht voreilig abgeben. Der IQ-Test ist veraltet und sollte wiederholt werden oder durch andere Testverfahren widerlegt/bestätigt werden. Die Ursache schulischer Schwierigkeiten muss nicht zwingend dazu führen, dass das Kind eine Förderschule zukünftig besuchen muss. Es ist Vorsicht geboten mit einer übereilten Zusage an einer Förderschule, da wir in den Sitzungen zuvor, Kenntnis darüber erlangen konnten, dass der Kaufmann-Test nicht der einzige Test ist, der durchgeführt werden kann und Testverfahren gerne so manipulativ eingesetzt werden, dass ein Förderschulbedarf besteht, um die Quote zu verbessern.

Ich würde ihr raten, zunächst einmal intensive Gespräche mit der Kinderärztin und der derzeitigen Schule zu führen, um eine Alternativlösung zu erarbeiten. Schulische Probleme können sich auch gut und gerne durch andere Symptombekämpfungen auflösen. Zudem macht jeder eine andere Entwicklung durch, sodass eine lediglich andere Betonung der Wörter nicht ausschlaggebend für mich wäre sofort zu einer solchen Maßnahme (Förderschule) zu greifen. Ich kann verstehen, dass die Alarmglocken bei der Mutter angehen, auch weil sie sich gut beraten fühlt durch die Heilpädagogin, dem vorliegenden IQ-Test, etc. pp, jedoch würde ich ihr davon abraten diesen drastischen Schritt zu gehen und ihr einen Denkanstoß geben, was das für die schulische und berufliche Zukunft des Jungen bedeutet. Wie schon einmal festgehalten: Einmal Förderschule – immer Förderschule. Ist das immer der richtige und einzige Weg sobald jemand aus „der Norm“ fällt?

kathi94:Das vorliegende Fallbeispiel stellt einen siebenjährigen Jungen vor, der früher heilpädagogische Förderung erhalten hat, in dessen Zuge ein Intelligenztest (IQ 75) gemacht wurde. Der Junge hat ein gutes phonologisches Bewusstsein, scheint Lesen und Schreiben erlernen zu können. Lediglich die Einschätzung sozialer Ereignisse scheint ihm Schwierigkeiten zu machen. Zunächst ist einmal festzustellen, dass der Kaufmann –Test in der Vorschulzeit gemacht wurde und lange zurückliegt. Dass die Förderschule nun Interesse an dem Jungen hat, bestärkt hier auch den Verdacht das Testverfahren angewendet werden, die die These eines sonderpädagogischen Förderbedarfs unterstützen würden. Der Mutter ist hier nicht zu raten, weitere Testung zu machen zur Prüfung auf den sonderpädagogischen Förderbedarfs. Zumal der Junge offensichtlich eine adäquate Leistung in der Schule vorzeigt. Was die sozialen Schwierigkeiten angeht, kann man durchaus die Mutter beraten, damit sich die Schwierigkeiten im Laufe der Entwicklung nicht verstärken.

Baum13: Soll ein Verfahren zur Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs eingeleitet                                                                                                                         werden?

Informationen: Junge, 7, heilpädagogischer Förderbedarf im Kindergarten erhalten, Kauffmann-Intelligenztest ergab IQ von 75, spricht betont, soz. Ereignisse in der Kita können nicht in passenden Kontext gesetzt werden, normale phonologische Bewusstheit, kann lesen, schreiben und rechnen lernen, Förderschule interessiert sich für das Kind

Nach den vorliegenden Informationen würde ich der Mutter abraten der Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs voreilig zuzustimmen. Der Kauffmann-Intelligenztest ist nicht aussagekräftig genug. Mit diesem Wert wäre der Junge im Bereich einer Lernbehinderung. 

Durch eine einmalige Testung in der Kita, diese möglicherweise folgenschwere Entscheidung zu treffen, halte ich nicht für richtig. 

Hilfe könnte sich die Mutter erstmals in einer Erziehungsberatungsstelle holen. Dort könnte sie unabhängig bezüglich weiterer Verfahren beraten werden. Auch die Aufnahme des Kontaktes zur Clearingstelle wäre denkbar. 

In der Schuleingangsphase, die sich auf die 1. und 2. Klasse der Grundschule erstreckt, werden Kinder gezielt beobachtet und eventueller Förderbedarf durch sozialpädagogische Fachkräfte der Schuleingangsphase und Sonderpädagogen, beobachtet und festgestellt. Sollte dies im Fall des Jungen sich dann so darstellen, können auch dann noch weitere Maßnahmen angedacht werden.

Socke 12 : Soll ein Verfahren zur Ermittlung des sonderpädagogischen Förderbedarfs eingeleitet werden?

Die Testung de IQ Testes liegt länger zurück und ist dadurch veraltet, die Mutter sollte dem Förderbedarf noch nicht zustimmen. Es sollte erstmals eine erneute Testung mit einem anderen Verfahren erfolgen. Denn die phonologische Bewusstheit und die Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen scheinen bei dem Jungen normal bis gut ausgeprägt zu sein. Da die Förderschule Interesse daran hat den Jungen aufzunehmen würden diese eine Testung nehmen, welche das Ergebnis zum Anraten zur Förderschule abzielt. Ein sonderpädagogischen Förderbedarf finde ich unangemessen und übertrieben in der Situation des Jungen. Der Junge sollte jedoch weiterhin beobachtet werden, da er Schwierigkeiten hat soziale Situationen einzuordnen.

Zehnte Sitzung

Schwerpunktthema der zehnten Sitzung ist ADHS. Kennen Sie vermutlich aus Ihrem Umfeld, dass da einige Kinder, Jugendliche oder vielleicht auch Erwachsene sind, die unter dieses Label fallen. Viele nehmen Medikamente. Und manchmal ist die Diagnose ADHS auch der erste Schritt in ein Leben am Rande der Gesellschaft.

ADHS

Tab 101: Erscheinungsmerkmale von ADHS nach DSM 5 (Schlottke et al 2019, 431 f.): Situationsübergeifend, wiederkehrende und vom Entwicklungsalter deutlich abweichende
Unaufmerksamkeit
Impulsivität
Hyperaktivität

3 Subtypen: dominierend unaufmerksamer, 
dominierend hyperaktiv-impusiver Subtyp 
und Mischtyp
Tab 102: Ätionlogische Modelle bei ADHS (Schlottke et al 2019, 433)
Psychophysiologische Besonderheiten und neurobiologische Besonderheiten (mangelnde Aktivierungsregukation, unzureichende Verarbeitung von Signalen) 

Kompetenz und Perfomanzmängel (z. B. bei Emotionsregulierung, Gedächtnisprozesse, Belohnungsaufschub) 

Negative Interaktion mit Bezugspersonen
Tab 103: Vorgehen bei der Diagnose von ADHS (Schlottke et al 2019, 436)
Diagnose sollte nur von erfahrenem Psychiater oder Psychotherapeuten durchgeführt werden.
Altersangepasste Symptomkriterien verwenden
Diagnose nur dann, wenn Diagnosekriterien nach ICD oder DSM erfüllt sind und gleichzeitig mindestens moderate Beeinträchtigungen vorliegen, die in verschiedenen Lebensbereichen durchgängig beobachtet werden.
Tab 104: Diagnostische Leitlinie für ADHS: awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Diagnose soll erstellt werden auf Grundlage 
einer umfassenden, strukturierten Exploration des Patienten (bei Kindern und Jugendlichen auch seiner Bezugspersonen)
der Verhaltensbeobachtung des Patienten (bei Kindern und Jugendlichen der Patient-Eltern-Interaktionen)
der psychopathologischen Beurteilung des Patienten auf Grundlage der explorierten und beobachteten Symptomatik
der körperlichen und insbesondere der neurologischen Untersuchung mit Beurteilung des Entwicklungsstands 
Selbsteinschätzung sollte neben der im Kindesalter entscheidenden Bedeutung des Berichts der Eltern und anderer Bezugspersonen berücksichtigt werden
Fragebogenverfahren für Eltern, Lehrer oder Patienten sind hilfreich. Diagnose soll aber nicht ausschließlich auf Grundlage von Fragebogenverfahren oder Verhaltensbeobachtung gestellt werden. Verhaltensbeobachtung außerhalb der Untersuchungssituation sind nützlich (z. B. in der Schule) 
Testpsychologische Untersuchungen können ergänzend eingesetzt werden und sind zur Beantwortung spezifischer Fragen notwendig (z. B. Bei Verdacht auf schulische Überforderung, Intelligenzminderungen). Verhaltensbeobachtungen während der Testung können ergänzende Hinweise liefern. ADHS-Symptome müssen aber nicht notwendig während Untersuchung auftreten. 
Altersbesonderheiten:
keine Diagnose unter drei Jahren
im Alter von drei bis vier Jahren kann Diagnose i.d.R. nicht hinreichend sicher gestellt werden
im Vorschulalter soll Diagnose nur bei sehr starker Ausprägung der Symptomatik gestellt werden
Risikofaktoren bei jüngeren Kindern: sehr stark ausgeprägte Unruhe, Impulsivität und Ablenkbarkeit und Störungen der Regulation
Tab 105: Differentialdiagnose nach Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)

Bei der Differentialdiagnose sollte ADHS abgrenzt werden von: 

Störung des Sozialverhaltens
stereotype Bewegungen (z. B. im Rahmen von ASS)
TIC und Tourette-Störungen (Bewegungen)
umschriebene Entwicklungs- und Lernstörungen (Unaufmerksamkeit)
Intelligenzminderung (Überforderung)
Autismus-Spektrum-Störung (Unaufmerksamkeit, Impulsivität)
Beziehungs- und Bindungsstörung mit Enthemmung (sozial enthemmtes impulsives Verhalten)
Angststörungen (Unaufmerksamkeit und Unruhe in Zusammenhang mit Angst)
depressive Störungen (Konzentrationsprobleme)
bipolare Störungen (episodisch: Überaktivität, Impulsivität und Konzentrationsprobleme)
disruptive Affektregulationsstörungen (Impulsivität im Rahmen von Reizbarkeit)
Substanzkonsumstörungen (Substanzen können Symptome einer ADHS auslösen)
Persönlichkeitsstörungen 
Schweregrad laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021) / orientiert an DSM 5
Leichtgradig: wenig oder keine Symptome zusätzlich zu denen, die zur Diagnosestellung erforderlich sind und: geringfügige Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Funktionsbereichen

Mittelgradig: trotz der geringen Symptomausprägung deutliche funktionelle Beeinträchtigung oder trotz geringfügiger funktioneller Beeinträchtigung deutlich mehr Symptome als zur Diagnoseerstellung erforderlich

Schwergradig: deutlich mehr Symptome als zur Diagnoseerstellung erforderlich bzw. stark ausgeprägt und funktionelle Beeinträchtigung in erheblichem Ausmaß
Tab 106: Therapie von ADHS laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Behandlung im Rahmen eines multimodalen Gesamtkonzepts Psychoedukation 
Bei Kindern unter 6 sollte primär psychosozial interveniert werden (einschließl. Psychotherapie)
Pharmakotherapie nicht vor dem Alter von drei Jahren

Bei ADHS mit leichtem Schwergrad: primär psychosozial (einschließl. Psychotherapie, Pharmakotherapie nur in Einzelfällen) 

Bei moderater ADHS: intensivierte psychosoziale Intervention (einschließl. Psychotherapie) oder eine pharmakologische Behandlung oder eine Kombination

Bei schwerer ADHS: nach intensiver Psychoedukation primär Pharmakotherapie. Psychosoziale Intervention (einschließl. Psychotherapie) kann bzw. soll integriert werden (wenn ADHS Symptomatik bestehen bleibt). 
Tab 107:Psychosoziale Interventionen laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Prävention: Beratung über angemessenes Erziehungsverhalten von Eltern & Pädagog*innen (einschließlich Elterntrainings)

Psychosoziale Interventionen: Elterntraining, Elternschulung, Elternberatung (einschließlich Psychoedukation), Erziehertraining (auf verhaltenstherapeutischer Basis) und Erzieherberatung 
ergänzend: Kindzentrierte Interventionen (Trainings)

Gruppentrainings sind besser evaluiert
Tab 108: Empfehlungen zu Alternativen Verfahren laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Neurofeedback kann bei Kindern ab 6 Jahren ergänzend eingesetzt werden, wenn dadurch nicht eine andere wirkungsvollere Therapie verzögert oder verhindert wird

Wichtig ist ein Training mittels gut untersuchter Protokolle. Prinzipien der Lerntheorie und Transferübungen sollen einbezogen werden. Mindestens 25-30 Sitzungen, danach: prüfen ob Fortsetzung gerechtfertigt ist.
Diätische Interventionen: ausgewogene Ernährung wichtig. Diäten, der Verzicht auf künstliche Farbstoffe sollten nicht als generelle Intervention durchgeführt werden. Bei Hinweisen auf einen Zusammenhang zwischen Nahrungsmitteln und Verhalten sollte die Eltern an einen Ernährungsberater verwiesen werden.

Eltern sollen darauf hingewiesen werden, dass keine Befunde zu Langzeiteffekten durch das Weglassen von Nahrungsmitteln vorliegen. Die Leitlinien geben keine Empfehlung zur Gabe von Omega-3 oder Omega-6 Fettsäuren. 
Tab 109: Pharmakologische Interventionen laut Diagnostische Leitlinie für ADHS / awmf org (Zugriff am 19. Mai 2021)
Alter des Patienten, Schwergrad der Symptomatik, Schwere der Beeinträchtigung in verschiedenen Lebensbereichen, sowie die Wirksamkeit eingeleiteter psychosozialer Interventionen (inkl. Psychotherapie) soll bei der Indikationserstellung berücksichtigt werden. 
Initiierung und beaufsichtigte Anwendung einer medikamentösen Behandlung nur durch Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, ärztlichen Psychotherapeuten. Entscheidung nur durch einen Arzt mit besonderen Kenntnissen zu Verhaltensstörungen in dieser Personengruppe. Entscheidung nur nach gesicherter Diagnoseerstellung. Nach medikamentöser Einstellung sind Folgeverordnungen in Ausnahmefällen auch durch Hausärzte möglich.
Behandlungsoptionen: Stimulanzien je nach Zulassungsstatus: Methylphenidat, Amfetamin und Lisdexamfetamin), Atomoxetin und Guanfacin. 

Cannabis soll explizit nicht zur Behandlung von ADHS eingesetzt werden. 
Tab 110: Kazda, L. Bell, K. Thomas, R. McGeechan, K., Sims, R, Barratt, A.: Overdiagnosis of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children and Adolescents: A Systematic Scoping Review.“ Apple Books. „Overdiagnosis of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children and Adolescents:“Auszug aus: „Overdiagnosis of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder in Children and Adolescents: A Systematic Scoping Review.“. JAMA Netw Open. 2021 Apr; 4(4): e215335.  Published online 2021 Apr 12. doi: 10.1001/jamanetworkopen.2021.5335PMCID: PMC8042533

Kadzda et al (2021) stellen ein Review vor, das sich mit Problemen bei der Diagnose von ADHS befasst. Sie untersuchen insgesamt 334 Studien, die ihren Auswahlkriterien entsprechen. 

Ergebnisse (Auswahl):
Es gibt Hinweise auf deutliche Prävalenzunterschiede (weniger ADHS Diagnosen bei Mädchen, Afro-Amerikanischen und Hispancic Kindern und Jugendlichen, starke regionale Unterschiede, Unterschiede je nach verwendetem Diagnostik-Manual). 

45 Studien berichten von steigenden Zahlen ADHS-Diagnosen

25 Studien verweisen darauf, dass der Zuwachs von ADHS vor allem durch leichtere Fälle zustande kommt.

64 Studien berichten von einem wachsenden Anteil von Kindern und Jugendlichen, die pharmakologisch behandelt werden.

31 Studien weisen darauf hin, dass die Schäden einer ADHS Diagnose den möglichen Nutzen überwiegen

121 Studien weisen darauf hin, dass die Schäden der ADHS-Therapie den Nutzen der Behandlung überwiegen.

Sonja: Ich denke die Sorge der Mutter, dass ihr Sohn Ritalin bekommt sollte ernst genommen werden. Ich halte es für sinnvoll erstmal andere Behandlungsmethoden zu wählen. Die Therapie durch die Kinderpsychologin klingt sehr versprechend, da sie in dem Bereich sehr erfahren zu sein scheint. Die Wirksamkeit des Verzichts auf Phosphat, sowie der Reittherapie sind fraglich, dennoch finde ich beides unproblematisch, da es die Behandlung nicht negativ beeinflussen sollte.

Baum13: Der behandelnde Psychiater möchte den Jungen multimodal behandeln – die Gabe von Ritalin verbunden mit psychotherapeutischer Unterstützung. 

Es besteht im Rahmen der psychotherapeutischen Behandlung auch die Möglichkeit an gruppentherapeutischen Angeboten teilzunehmen. Diese Angebote gliedern sich u.a. in:

  • Gruppenangebot für Jungen mit ADHS 
  • Eltern von Kindern mit ADHS

Hier würde ich der Mutter anraten an der Elterngruppe teilzunehmen und den Austausch und Kontakt zu anderen betroffenen Eltern wahrzunehmen. Der Austausch über das Störungsbild könnte ihr helfen besser damit umzugehen, da sie alleinerziehend ist und sicherlich davon profitieren würde.

Ich würde ihr empfehlen, dass sie nochmals um Beratung des behandelnden Arzt bittet. Für die Compliance der Eltern ist eine gute Aufklärung über das Störungsbild und die dazugehörige Medikation unerlässlich.  

Da eine sorgfältige Diagnosestellung erfolgte, ist davon auszugehen, dass in diesem Fall das Medikament wirksam sein wird.

Methylphenidat bewirkt, dass das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn reguliert wird. Dies würde sich positiv auf den Jungen auswirken in Form von mehr Ausgeglichenheit, besserer Konzentration und somit seinen Schulalltag gelingender gestalten.

Wichtig ist hierbei auch auf die Sorgen der Mutter einzugehen. Auf der Seite der Bundesärztekammer wurde 2005 eine Stellungnahme bezüglich ADHS veröffentlicht, in der beschrieben wird, dass es bei einigen Kindern unter der Einnahme von Methylphenidat zu einer vorübergehende Verlangsamung des Körperwachstums kommt, dies aber bis zum Erwachsenenalter ausgeglichen werden könnte.

Die Entwicklung einer Demenz vom Alzheimer-Typ ist fragwürdig, Quellen dazu konnte ich nicht finden.

Die Reittherapie und die phosphatarme Ernährung können begleitend sicherlich keinen Schaden anrichten. 

In der Reittherapie könnte die Konzentration und die Anpassungsleistung gefördert werden, durch die Entwicklung eines Verständnis für die Reaktionen und Eigenheiten eines Pferdes. 

Bei den Phosphaten muss man unterscheiden in künstlich zugegeben und natürlich vorhandenen. Künstliche Phosphate sind verstärkt in Fastfood und stark industriell verarbeiteten Lebensmitteln zu finden. Sie werden den Lebensmitteln künstlich zugegeben. Natürlich vorhanden ist es in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Milch aber auch in Gemüse, Nüssen, Reis, Haferflocken oder Hülsenfrüchten. Der Verzicht oder die Reduzierung des Konsums von Fastfood und Co. ist sicherlich keine schlechte Entscheidung. 

kathi94: Zunächst einmal sollte der Mutter die Behandlung durch den Psychotherapeuten nahegelegt werden, hier besonders in Verbindung der Gruppenangebote (Psychoedukation). Hier ist es durchaus möglich weiteres Wissen für die Mutter zu erwerben, um mit das Störungsbild des Kindes besser zu verstehen. Die Bedenken des Medikaments sollten gehört werden (Nicht ohne Grund ist Methylphenidat ein Betäubungsmittel). Weitergehend bleibt der Mutter bei Bedenken des Medikaments, auch die Möglichkeit sich noch einmal eine Zweitmeinung/Expertenmeinung einzuholen, insbesondere auch zu dem Schweregrad der Störung. Die Reittherapie ist eine „schöne“ Ergänzung, sollte aber nicht alleine genutzt werden. Das Verzichten auf Phosphate hat in der Wissenschaft keine Handhabung und sollte somit nicht als Therapie genutzt werden.

Socke12: Alleinerziehende Mutter mit einem 10 Jahre alten Jungen, welcher die Diagnose ADHS hat.

Ich würde er Mutter raten den Kontakt zu anderen betroffenen Eltern zu suchen und dadurch Erfahrungen auszutauschen.

Die Therapie durch die Kinderpsychologin klingt viel versprechend. Die Idee mit der Reittherapie und der phosphatarmen Ernährung klingt ebenfalls so, als ob sich dies nicht negativ auf den Jungen auswirken könnte. Da der Junge so lange ohne Ritalin ausgekommen ist, würde ich der Mutter empfehlen, es vorerst mit anderen Möglichkeiten, die dem Kind in auf keinen Fall schaden zu fügen können, zu probieren.

Wenn festgestellt wird, dass die Hilfe ohne das Medikament nichts nützt, kann es immer noch eingenommen werden.

Quellen dazu, dass die Behandlung mit Ritalin die Entwicklung einer Demenz vom Typ- Alzheimer auslöst konnte ich nicht finden und Stufe ich deshalb als, fragwürdig ein. Jedoch kann Ritalin andere Nebenwirkungen hervorrufen.

Hermine Granger: Ich würde der Mutter nahelegen, sich von einem Fachmann oder einer Fachfrau die Nebenwirkungen von Ritalin schildern zu lassen. So wüsste sie, welche Nebenwirkungen tatsächlich auftreten können, damit sie nicht jedem Gerücht über das Medikament zum Opfer fällt. Trotzdem sollten die Sorgen der Mutter auf jeden Fall ernst genommen werden. Ich würde hier versuchen, erst einmal nur mit der Psychotherapie zu intervenieren und eine Weile zu beobachten, ob die Therapie ausreicht. Wenn sich nach einem bestimmten Zeitraum keine Verbesserung beobachten lässt, kann man immer noch über eine Pharmakotherapie nachdenken. Den Verzicht auf Phosphate und die Reittherapie halte ich für unbedenklich, wenn es der Mutter ein gutes Gefühl gibt. Allerdings sollten diese Maßnahmen nur zusätzlich erfolgen und nicht anstatt einer Psychotherapie.

helmobil: Die Mutter möchte lieber zunächst Alternativtherapien anstreben, bevor sie auf die Behandlung mit Medikamenten zurückgreift. Dies ist vollkommen verständlich, meiner Ansicht nach. Ob eine Reittherapie, sowie der Verzicht auf Phosphate in der Ernährung, die erhoffte Wirkung erbringt, ist fraglich, jedoch würde ich Sie bei dem Vorgehen unterstützen. Manchmal findet man die beste Behandlungsmethode lediglich durch Ausschlussverfahren. Hinzufügend würde ich der Mutter jedoch die Kinderpsychologin ans Herz legen, da diese einen sehr kompetenten Eindruck macht. Eine Mischung aus den Wünschen der Mutter und fachlicher Beratung seitens der Kinderpsychologin erscheinen mir in diesem Zusammenhang am sinnvollsten.

JC99: Die Bedenken der Mutter bezüglich des Ritalins sind auf jeden Fall vom behandelnden Arzt ernst zu nehmen und die Mutter sollte um ein Aufklärungsgespräch bezüglich der Nebenwirkungen bitten (ggf. auch bei einem anderen Arzt), auch über die Möglichkeit es abzusetzen, falls Nebenwirkungen auftreten. Die Gabe von Ritalin sollte die Mutter auch mit dem Jungen absprechen, ob er das (ausprobieren) möchte oder nicht. Einige Kinder merken ja bei sich selbst einen Unterschied in ihrer Konzentrationsleistung mit und ohne Ritalin.  Die Psychotherapie von einer Ärztin, die sich darauf spezialisiert hat, klingt erstmal nach einem guten Ansatz. Auch die Therapie sollte aber nur in Absprache mit dem Jungen erfolgen, da nur eine Aussicht auf Erfolg besteht, wenn er die Hilfe gut annehmen möchte/ kann. Dasselbe gilt fürs Therapeutische Reiten. Die Mutter sollte also sowohl mit einem Arzt als auch mit ihren Sohn Rücksprache halten. Unabhängig von Ihrer Entscheidung gilt es natürlich das alle Beteiligten (auch die Schule) den Jungen weiter genau beobachten, um Veränderungen zu bemerken und dies an den behandelnden Arzt weiter zugeben.

shmt: Ich kann mir vorstellen, dass ich die KM dahingehend beraten würde, sich Meinungen einzuholen. Vorzugsweise bei einem anderen Arzt oder bei einer anderen Ärztin. Psychotherapie erscheint hier sinnvoll (inkl. Psychoedukation der KM). Hier würde die KM auch über ADHS aufgeklärt und neues Wissen generieren. Ergänzend kann eine Reittherapie nicht schaden, sollte es der KM Sicherheit geben und keine weiteren Kosten herbeiführen. Ritalin könnte auf diese Weise umgangen werden und Nebenwirkungen auslassen.

Berti: Die Sorgen der Mutter sollten auf jeden Fall ernst genommen werden. Ich würde ihr raten, sich eine Behandlungsempfehlung einer anderen Psychiaterin oder einem anderen Psychiater einzuholen. Außerdem sollte sie um eine umfassende Aufklärung über das Störungsbild ADHS und vor allem über die Wirkungsweise und Nebenwirkungen von Ritalin bitten. Darüber hinaus würde ich der Mutter die Teilnahme an einem Gruppenangebot für Eltern von Kindern mit ADHS empfehlen. Diese Maßnahmen könnten sie bei der Entscheidung für oder gegen eine medikamentöse Behandlung unterstützten. Der Verzicht auf Phosphate in der Ernährung und eine Reittherapie können nicht schaden, wenn sie dem Jungen gut tun. Ich würde der Mutter nahelegen in jedem Fall parallel eine psychotherapeutische Behandlung für ihren Sohn in Anspruch zu nehmen und sich nicht nur auf alternative Behandlungsformen zu verlassen. 

Teddy: Zunächst würde ich der Mutter raten, durch einen weiteren Facharzt eine erneute Anamnese durchführen zu lassen und die Diagnose abzuwarten. Sollte diese wieder für ein schweres ADHS sprechen kann die Mutter eben psychotherapeutische Unterstützung einschalten. Diese kann sich in Einzel- und oder Gruppeneinheiten mit ebenso Betroffenen kennzeichnen, aber auch durch das Begleiten der Mutter in den Einzelsitzungen. Die Sorgen der Mutter bzgl. der möglichen Medikamentenvergabe sollte ernst genommen werden und auf eine medikamentöse Behandlung vorerst abgesehen werden. Darum sollen die Wünsche der Mutter zunächst berücksichtigt werden, als eine Alternative eine Reittherapie zu starten und auf Phosphate in der Ernährung zu verzichten, da beides keine negativen Auswirkungen auf das Kind haben würde. Neben Hilfen für das Kind kann die Mutter sich ebenso Hilfestellungen suchen, welche professionellen Charakter haben können oder eben auf der Ebene der Kommunikation zwischen auch betroffenen Angehörigen. Sollten die eingeleiteten Hilfen für das Kind nicht die gewünschte Effektivität vorweisen kann unter Rücksprache mit der Mutter auf eine Verordnung von Ritalin zurückgekommen werden, wobei dieses kritisch gesehen werden muss, da Methylphenidat berechtigterweise unter den Betäubungsmitteln fällt und nur dort angewendet werden sollte, wo es auch zu hoher Wahrscheinlichkeit keine andere Behandlungsart gibt. Daher muss die Diagnose korrekt gestellt sein und weitere Behandlungswege als nicht erfolgreich gewertet gelten.

Elfte Sitzung

Gegenstand der elften Sitzung ist Mutismus. Dass Kinder aufhören zu reden, ist ein eher seltenes Phänomen. Das Referat einer studentischen Arbeitsgruppe erklärt, was Mutismus ist, beschreibt diagnostische Verfahren und erklärt wie Therapeut*innen vorgehen. Das Referat ist relativ umfangreich. Deshalb gibt es zwei Audiodateien.

Referat Mutismus Teil 1

Referat Mutismus Teil 2

12. Sitzung

In der 12. Sitzung stehen zwei Referate auf dem Programm. Das erste Referat informiert über Depressionen. Depressive Episoden sind wirklich sehr häufig. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Sie in Ihrem Berufsleben mit Menschen zu tun haben, die depressiv sind. Und es ist wichtig, dass sich zumindest in etwa auskennen. Denn es kann sein, dass Sie aktiv werden müssen und ggf. dafür sorgen sollten, dass eine professionelle Diagnostik und eine angemessene Behandlung erfolgt.

Referat Depression

Dass Sozialarbeiter*innen mit Adressat*innen zu tun haben, bei denen eine Posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wurde ist zumindest in einigen Arbeitsfeldern keineswegs selten. Wer z. B. in Erziehungshilfeeinrichtungen arbeitet, hat sogar fast regelmäßig mit Klient*innen zu tun, die diese Diagnose haben. Man muss allerdings auch sagen, dass sowohl die Diagnose von PTBS wie auch die Behandlung leider nicht immer professionell erfolgt. Vorsicht ist immer dann geboten, wenn Diagnose und Behandlung nicht durch Ärzte oder Psychotherapeut*innen mit Krankenkassenzulassung erfolgt. Und die retrospektive Aufdeckung von frühen Traumata durch Traumapädagog*innen ist in vielen Fällen eher ein zweifelhaftes und auch gefährliches Geschäftsmodell.

Referat PTBS

13. Sitzung

In der 13. Sitzung steht noch ein Referat von Bigman zum Thema Frühkindlicher Autismus auf dem Programm.

Frühkindlicher Autismus

Darüber hinaus habe ich für das Modul 4.4 noch einmal alle wesentlichen Informationen zum Thema Hausarbeit in einem Podcast zusammengefasst.

Hausarbeiten im Modul 4.4

9 Gedanken zu „Diagnostizieren, etikettieren, stigmatisieren (SoSe 2021)“

  1. Kriterien für ADHS:
    – extrem geringe Aufmerksamkeit (leicht ablenkbar)
    – Unruhig und immer in Bewegung (schwierigkeiten, länger still sitzen zu bleiben)
    – keine Kontrolle über Impulse (verbal sowie in Handlungen)
    – keine Geduld Tätigkeiten die ausgeübt werden zu vollenden, da es an Konzentration mangeld.
    – um ADHS zu diagnostizieren müssen die genannten symptome, nach dem ICD-10 länger als 6 Monate vorhanden sein und sich auf mehr als nur einen Lebensbereich beziehen.
    – in den meisten Fällen tritt ADHS vor dem 6. Lebensjahr auf.

    Therapeutisch wird empfohlen, dass sich an ausschlaggebene Faktoren des Klienten orientiert werden muss z.B. die Umgebung aber auch wie ausgeprägt die Störung ist. Hierzu ist es nötig, jegliche Information bezüglich der Familiengeschichte in Erfahrung zu bringen und ob Vorbelastungen oder generelle Risikofaktoren vorhanden sind. Verschieden Tests geben Klarheit darüber ob neurologische-, körperliche- sowie Intelligenzdefizite vorhanden sind. Wird die Störung vor dem 6. Lebensjahr festgestellt, so liegt der Fokus auf psychosoziale Interventionsmaßnahmen wie z.B. einer Verhaltenstherapie. Der Einsatz von Medikamenten wird abhängig davon gemacht, wie weit die Störung ausgeprägt ist.

    Antworten
  2. Unterscheidung zwischen Hochbegabung und Verhaltensstörung:

    Hochbegabung:
    Hochbegabte weisen in einem oder mehreren Bereichen eine überdurchschnittliche Leistung auf. Hochbegabungen sind mit einem sehr hohen IQ von über 130 begleitet. Allerdings ist die Folge eines überdurchschnittlichen IQ ein geringer EQ. Können von Verhaltensstörungen wie ADHS und Asperger begleitet werden

    Verhaltensstörung:
    Verhaltensstörungen sind durch ein auffälliges Verhalten begleitet. Diese äußern sich Hyperkinetisch (ADHS) und mit einer sozialen- und emotionalen Störungen. Können im Zusammenhang mit einer Hochbegabung stehen.

    Problematisch für die Unterscheidung ist, dass Hochbegabte Kinder meistens durch derartige Verhaltensstörungen auffallen. Dieses Verhalten, besonders in der Schule, lässt sich auf unterforderung und eine dadurch entstehende Frustration zurückführen. Resultierend äußern sich Aggressionen und Verweigerungen. Auch mit sozialen ausgerenzungen ist zu rechnen, da hochbegabte Kinder eine Interlektuelle und gedankliche überlegenheit gegenüber gleichaltrigen haben und diese sich somit für andere Dinge interessieren. Diese Auffälligkeiten die eine Hochbegabung mitbringt macht es schwer eine Hochbegabung von einer Verhaltensstörung zu unterscheiden.
    Besonders häufig wird eine Hochbegabung mit dem Asperger Syndrom verwechselt. Hierbei gibt es viele ähnlichkeiten wie z. B. ein gutes Gedächtnis und eine besondere sprachliche Begabung.
    Erfahrungsgemäß besteht jedoch durchaus die Möglichkeit, dass eine Hochbegabung UND eine Verhaltensstörung zusammen auftreten können. Daher ist es wichtig, dass bei einem Auffälligen Verhalten beide Aspekte getestet werden.

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  3. CBCL oder SDQ

    Die Child Behavior Checklist (CBCL) ist ein Elternfragebogen bei dem das Verhalten von dessen Kindern beurteilt wird. Dieser umfasst 120 Items die sich in den Bereichen für die Erfassung von psychosoziale Komeptenzen und Auffälligkeiten in der sozialen- und emotionalen Kompetenz befinden. Dieser kann bei Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 8 Jahren angewendet werden. Und weist eine Dauer von 15 Minuten auf. Der Stichprobenumfang bezieht sich auf n = 2900 Probanden

    Das Strenths and Difficultines Questionaires (SDQ) ist ein Testverfahren, welches Verhaltensauffälligkeiten untersucht. Hierzu gibt es 25 Items, welche sich mit den Stärken und Schwächen der Kinder und Jugendlichen befassen. Anwendbar ist dieses Verfahren bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 17 Jahren und dauert 5 Minuten. Der Stichprobenumfang bezieht sich auf n = 930 Probanden.

    Bevorzugen würde ich das CBCL Verfahren, da zum einen die Stichprobe deutlich größer war und somit Aussagekräftiger als bei dem SDQ Verfahren. Ebenfalls ist das CBCL Verfahren Umfangreicher und gibt daher mehr Aufschluss über bestehende Auffälligkeiten. Allerdings würde ich nicht komplett auf das SDQ Verfahren verzichten. In Kombination mit dem CBCL Verfahren oder ähnliches ist der SDQ definitiv anwendbar.

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  4. Die Empfehlung des Bayrischen Landesjugendamt (1.3) besagt, dass seelische Behinderungen durch bestimmte Verfahren die eine Intelligenzentwicklung bestimmt werden müssen.
    Für die Erfassung, ob es sich um eine allgemeine Intelligenzminderung oder einer auf Basis einer seelischen Behinderung, wird der CFT1 und CFT20 angewendet.
    Liegen die Ergebnisse bei CFT1 und CHFT20 in einem unterdurchnittlichen Bereich, werden weitere Tests angefordert (z. B. Kaufmann-Test oder HAWIKR).

    Der Freistaat zeigt eine gewisse Fairness, da dieser auf 2 Ergebnisse zurückgreift und sich nicht nur auf ein Ergebnis Beruft. Dies ist eine Art Absicherung, und soll zeigen, ob es sich Tatsächlich um eine Intelligenzminderung aufgrund einer seelischen Behinderung handelt. Gleichzeitig ist es für einen Laien (Eltern, Lehrer usw.) leichter nachvollziehbar, ob dieses Verfahren fair verläuft.

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  5. Was kann das Kind bereits und was nicht?

    Das Kind kann:
    – Nach Gehör Sätze wiedergeben und schreiben (phonologische bewusstheit)
    -Silbentrennung
    – Teilweise richtige Schreibung eines Wortes (Graphemtreffer)

    Das Kind kann nicht:
    – Korrektes Schreiben (Groß und Klein, Rechtschreibung und Satzzeichen)

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  6. Tarek:
    Tarek ist 10 Jahre alt, hat einen libanesischen Migarationshintergrund und besucht die 4. Klasse. Allerdings sind seine Schreib- und Lesefähigkeiten vergleichbar mit einem 1. Klässler und Verbindungen zwischen Buchstaben und Lauten sind nicht vorhanden. Jedoch ist Tarek Wortgewandt, wodurch dieses Defizit nicht direkt auffällt. Mathematische Probleme sind ebenso vorhanden. Insgesamt ist Tarek anhand seiner Noten ein schlechter Schüler. Tareks IQ befindet sich in einem Bereich von 83.

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    Anhand der Tabelle gehe ich von einem Förderbedarf im Lernen, da sei IQ in den dafür vorgesehene Bereich liegt (zwischen 70 und 85). Probleme nicht nur in einem Fach und Migrationshintergrund. Aber auch eine Legasthenie könnte vorhanden sein, da Tarek sehr langsam im sprachlichen Bereich ist und dies wäre ebenfalls eine Erklärung bei den Problemen von Mathematischen Textaufgaben. Infrage kommt jedoch auch, dass Tarek ein schlechter Schüler ist, da dies bei Lese-, Schreib- und Mathedefizite vermehrt vorkommt. Ein weiteres Indiz kann hierbei auch der Migrationshintergrund sein.

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  7. Ist eine Verhaltensstörung vorhanden? Was braucht der Junge?

    Manuel ist 10 Jahre alt. Durch den Einfluss seines Großvaters hat er ein extremes Interesse an den 2 WK entwickelt. Dieses Interesse äußert sich, indem Manuel Kriegsutensilien wie Munition und Waffen aus dem 2. WK zuhause hat, Bilder diesbezüglich malt und teilweise fantasiert, er würde im 2 WK sein. Ebenfalls soll er kleine Kinder quälen. Manuels Mutter beschreibt ihn als unauffälligen Jungen der keine Probleme macht mit Schulleistungen die akzeptabel sind. Manuel bekommt durch eine „Gleichgewichtsstörung der Seele“ eine Bachblütentherapie.

    Die Problematik die sich mit seiner extremen Leidenschaft gegenüber dem 2 WK entwickelt hat, sind wahrscheinlich auf seinen Großvater zurückzuführen. Da ein Intensiver Kontakt zwischen beiden besteht, haben die Erzählungen seines Großvaters enormen Einfluss auf Manuel genommen, welche wahrscheinlich sehr prägend sind.
    Meiner Meinung nach wird eine Bachblütentherapie in diesem Fall keine Verbesserung herbeiführen. Vielmehr ist eine Professionelle Hilfeleistung in Form eine Psychotherapie nötig um die Ursachen seines Verhaltens festzustellen. Ebenfalls müssen Mutter und Großvater Teil der Therapie werden bzw. mit in die Therapie einbezogen.
    Fragwürdig ist auch, ob es Manuel bewusst ist, dass es sich um seine Fantasie handelt oder ob er Teilweise denkt es sei real. Ebenfalls stellt sich die Frage, ob die Mutter tatsächlich keine Auffälligkeiten feststellt.

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  8. Soll ein Verfahren zur Ermittlung des sonderpädagogischens Förderbedarf eingelitet werden?

    Bei diesem Fall handelt es sich um einen 7-jährigen Jungen. Der Junge hat bereits eine sonderpädagogische Förderung erhalten. Ein veranlasster IQ-Test der Heilpädagogin der vor der Einschulung durchgeführt wurde hat einen IQ von 75 ergeben (Kaufmann Intelligenztest). Der Jugne spricht mit einer besonderen Betonung und ein phonologisches Bewusstsein ist vorhanden. Der Junge kann lesen, schreiben und rechnen. Aber die Einschätzung von sozialen Situationen fallen ihm schwer. Die Förderschule zeigt Interesse an ihm.

    Der Mutter ist abzuraten eine Unterschirft zu geben.
    Zwar hat der Junge in dem IQ Test ein Ergebnis von 75 erlangt, allerdings sollte aufgrund der veraltung des Tests ein neuer Test gemacht werden. Besonders, weil der Junge anscheinend durchschnittliche Leistungen im Bereich lesen, schreiben und rechnen erzielt, weshalb kein Handlungsbedarf besteht. Ebenfalls sollte der Mutter bewusst sein, dass ein Besuch der Förderschule negative Folgen in der Bildungslaufbahn und der späteren Erwerbstätigkeit mitbringt. Die defizite sind nicht ausgeprägt genung um eine Förderschule zu empfehlen. Vielmehr sollte durch Logopädie die besondere Betonung in den Griff bekommen werden und evtl. durch eine Therapie das einordnen soziale Situationen gefördert werden.

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  9. Die Angst der Mutter bezüglich der Verabreichung von Ritalin ist absolut verständlich. Ritalin weist viele Nebenwirkungen auf, weshalb die Mutter diesbezüglich eine Beratung eines Expertens benötigt. Hilfreich wäre es für die Mutter ebenfalls, sich mit anderen Eltern, die ein Kind mit der Diagnose ADHS haben auszutauschen.
    Die Mutter versucht durch Alternativen wie eine Reittherapie und einer Phospahtfreien Ernährung die Einnahme von Medikamenten zu verhindern. Ob dies ihren Zweck erfüllt ist fraglich. Allerdings können folgende Dinge den Umgang mit Kindern die an ADHS leiden erleichtern:
    – Klare Regeln
    – Feste Tagesstruktur und Rituale
    – Gute Eigenschaften Erkennen und diese immer wieder loben
    Diese Dinge erwiesen sich als Wichtig, da Kinder mit ADHS sich nicht gut steuern können und mehr Lenkung der Eltern benötigen.
    Die Idee einer Therapie durch eine Kinderpsychologin mit einer Spezialisierung zu dieser Thematik scheint mir sinnvoll und sollte definitiv umgesetzt werden.

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