Diagnostizieren, etikettieren, stigmatisieren (SoSe 2021)

Dieses Seminar richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit (Modul 4.4).

Das ist gar nicht so selten, dass Sozialarbeiter/*innen damit konfrontiert sind, dass die Menschen, mit denen sie arbeiten sollen, in Kliniken, Praxen oder Schulen Labels verpasst bekommen. Und diese Labels können ziemlich unerfreuliche Auswirkungen haben. Denn es macht etwas aus, ob man eine Verhaltensstörung attestiert bekommt oder ein Asperger Syndrom. Wer als lernbehindert eingestuft wird, für den bleibt nur ein Leben am Rande der Gesellschaft – Legastheniker können alles werden. Und auch die anderen Kategorien von Boderline bis zu Wahrnehmungsstörungen haben z. T. gravierende Auswirkungen. Das Seminar erklärt deshalb, wie solche Diagnosen fallen. Es stellt einige Testverfahren vor und erklärt, worauf man achten muss, wenn man für die Rechte seiner Adressat/*innen eintreten will. 

Das Seminar ist wie folgt aufgebaut: Um die diagnostische Arbeit von Psycholog*innen, Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen und Förderschullehrer*innen besser zu verstehen, braucht es zunächst einige Basics der diagnostischen Arbeit. Hört sich vielleicht auf den ersten Blick etwas kompliziert an. Ist es aber nicht. Ich erkläre schon seit vielen Jahren Studierenden der Heilpädagogik und neuerdings auch Studierenden der Elementarpädagogik, worauf sie in Sachen Diagnostik achten müssen. Warum sollte das also nicht im Studiengang Soziale Arbeit funktionieren? Im zweiten Teil der Veranstaltungen geht es Sitzung für Sitzung um psychische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen oder Behinderungen, mit denen man in der Sozialen Arbeit konfrontiert ist.

Lehrziel der Veranstaltung ist dabei nicht etwa, Sie zu befähigen, selbst Testverfahren durchzuführen. Mir ist es aber wichtig, dass Sie verstehen, was die anderen Professionen da treiben. Sie sollten z. B. am Ende des Semesters in der Lage sein, gute und schlechte Testverfahren von einander zu unterscheiden. Und Sie sollten faire und unfaire Testverfahren erkennen können. Denn dies könnte dabei helfen, Adressat*innen beizustehen, die sagen wir z. B. mit Diagnostizierenden konfrontiert sind, die eigenen Interessen folgen oder schlicht und einfach nach fortgeschrittener Berufspraxis in Sachen Diagnostik nicht mehr ganz up to date sind.

Diese Veranstaltung ist asynchron organisiert. D.h.: Sie finden spätestens an dem Tag, an dem das Seminar hätte stattfinden sollen, wenn ein Präsenzstudium möglich gewesen wäre, Audiodateien und manchmal auch weitere Unterlagen auf dieser Homepage. Dieses Seminar verwendet auch Tabellen und Abbildungen der Diagnostik-Materialsammlung (unter: Materialien für die Lehre). Auf einige Inhalte greife ich einfach in mehreren Seminaren zurück. Und da ist es einfacher eine Materialsammlung zu haben, als auf jeder Unterseite die gleichen Abbildungen mehrfach zu verwenden.

Informationen zur modulabschließende Prüfung

Sie können gerne Ihre Modulabschießende Prüfung bei mir anmelden. Grundsätzlich gilt: Studierende, die sich an meinem Seminar beteiligen, können auch bei mir eine Hausarbeit schreiben oder ein Referat halten. Es gibt in Modul 4.4 zwei Optionen: Sie können ein Referat halten oder Sie können eine Hausarbeit schreiben. Für das Referat bieten sich vor allem die Sitzungen über psychische Erkrankungen, Entwicklungsstörungen oder Behinderungen an. Sie stellen – nach Absprache ein Problem vor, berichten z. B. wie man in der diagnostischen Arbeit vorgeht und stellt die wichtigsten Therapiemethoden vor. Für ein Referat benötige ich eine Audiodatei mit dem Referat (mp3) und eine Präsentationsdatei (bitte als pdf exportieren). Am Tag des Referats lade ich dann beides auf meiner Homepage hoch, so Sie mir einen Nickname mitteilen. Es wäre also hilfreich, wenn Sie mir zwei Fassungen Ihres Referats zukommen lassen: eine anonyme (für die Homepage) und eine namentlich gekennzeichnete (für das Prüfungsamt).

Sollten Sie sich für eine Hausarbeit entscheiden, so muss die Arbeit in diesem Modul spätestens am 16.8.2021 um 23.59 Uhr bei mir als E-Mail-Anhang eingegangen sein. Eine Abgabe in Papier ist nur notwendig, wenn Sie sich im dritten Versuch befinden. Bitte nehmen Sie in diesem Fall unbedingt frühzeitig Kontakt mit mir auf. Alle anderen sind gebeten, mir spätestens zum genannten Zeitpunkt ein pdf mit der Hausarbeit zukommen zu lassen. Bitte verwenden Sie in diesem Fall nur eine Datei pro Anlass und benennen diese mit Ihrem Nachnamen. Ich bestätige dann normalerweise innerhalb einiger Stunden den Eingang Ihrer Arbeit, zumindest dann, wenn Ihr Account genügend Speicherplatz aufweist, um meine Antwort auch entgegenzunehmen. Finde ich auf der Titelseite Ihrer Arbeit zudem einen Nickname, so gehe ich davon aus, dass Sie Ihre Note Anfang September unter Verwendung Ihres Nicknames auf meiner Homepage veröffentlicht sehen wollen.

Hausarbeiten können sich auf alle Inhalte des Moduls beziehen, also z. B. auch auf das Thema Gesundheit, Diversity, Inklusion usw. Dabei gibt es mindestens zwei Möglichkeiten, eine Hausarbeit zu schreiben: Sie können erstens eine klassische Hausarbeit verfassen. Es ist aber auch möglich, eine diagnostische Hausarbeit zu schreiben,

Eine klassische Hausarbeit umfasst normalerweise: Einleitung mit Fragestellung und Angaben zur Recherche in Fachdatenbanken, Darstellung des Stands der Theoriediskussion und Forschung, Antwort). Sie sollten dabei darauf achten, dass Ihre Arbeit interpretative Anteile enthält. Nur zusammenfassen, was andere geschrieben haben, reicht also nicht für eine sehr gute Arbeit.

Eine diagnostische Hausarbeit stellt ein Problem eines Ihrer Adressat*innen in den Mittelpunkt. Es ist im Studiengang Soziale Arbeit allerdings nicht möglich, selbst einen Test durchzuführen. Sondern in diagnostischen Hausarbeiten geht es um qualitative Diagnostik. Eine diagnostische Hausarbeit umfasst normalerweise:

(1) Eine Einleitung mit Nennung des Problems (auf das sich Ihre Arbeit bezieht), Angaben darüber, woher Sie den Klienten kennen und Angaben zur Recherche in Fachdatenbanken
(2) Eine Anamnese (Beschreibung der Klientin/des Klienten, Zusammentragen von Informationen, die bedeutsam sind, um das Problem zu verstehen)
(3) Einen Theorieteil (fasst Positionen zusammen, die es in der Literatur zum Problem gibt)
(4) Einen Methodenteil (beschreibt Methoden, die in der Literatur bezogen auf das Problem diskutiert werden)
(5) Und eine Diskussion (Erarbeitet einen Vorschlag, welche Methoden zum Einsatz kommen sollten.

Bitte achten Sie darauf, dass Sie Ihre Hausarbeit vollständig anonymisieren (Keine Namen, keine Namen von Institutionen, keine Ortsangaben).

In beiden Hausarbeitstypen ist es mir wichtig, dass Sie nachvollziehbar machen, wie Sie bei der Recherche vorgegangen sind (Suchbegriffe, Suchdatum, Trefferzahlen, Auswahlkriterien). Wie das funktioniert mit der Datenbankrecherche ist Gegenstand der vorletzten oder vielleicht auch letzten Sitzung dieses Seminars. Derzeit sieht es ja nicht danach aus, als wäre die Pandemie bis Juli besiegt. Es ist deshalb möglich, Ihre Literaturauswahl auf Datenbanktreffer zu beschränken, die im Internet frei verfügbar sind. Dies schränkt allerdings Ihre Themenauswahl u. U. deutlich ein. Wer das nicht will, sollte frühzeitig aktiv werden und z. B. die Fernleihe-Funktion der Hochschulbibliothek oder Literaturbeschaffungsdienste wie subtio verwenden. Dann ist das Themenspektrum Ihrer Hausarbeit deutlich größer. Wenn Sie frühzeitig beginnen wollen, ist es auch möglich, die podcasts aus dem letzten Semester anzuhören (z. B. des Seminars „Forschen über Inklusion“).

Socke12: Diagnostische Kriterien von ADHS Die drei Hauptsymptome von ADHS:

– Hyperaktivität z. B übersteigerter Bewegungsdrang
– Unaufmerksamkeit z. B gestörte Konzentrationsfähigkeit – Impulsivität z. B unüberlegtes Handeln

Nicht jedes unruhiges Kind leidet gleich unter ADHD, deswegen ist es wichtig, dass in der Diagnostik und Behandlung eine erfahrene Fachkraft (Arzt oder Psychotherapeut) Untersuchungen und Beobachtungen über einen längeren Zeitraum (mind. 6 Monate) in verschiedenen Lebensbereichen des Kindes durchführt.

(vgl. Bundesministerium für Gesundheit, 2018)

Da es sich bei ADHS um ein komorbides Störungsbild handelt, ist es möglich, dass ADHS von Symptomen, wie Beispielsweise Verhaltensstörungen, Affektive Störungen oder Lernschwierigkeiten begleitet wird.

(vgl. Brandau & Kaschnitz (2013): ADHS im Jugendalter, S.21)

Welche ist die wichtigste Therapeutische Intervention bei ADHS?

  • –  Unterstützend multimodales Setting: Psychotherapie, Lern- und soziales Training
  • –  Psychotherapie: Verhaltenstherapie mit Selbstinstruktionstraining und Änderung desVerhaltens mit Selbstmanagement

Erste Sitzung

In der ersten Sitzung finden Sie zunächst eine kurze persönliche Vorstellung, damit Sie wissen, mit wem Sie es in den nächsten Wochen zu tun haben. Es folgt eine Begrüßung mit einigen weiteren, wichtigen Informationen zum Seminar und den ersten inhaltlichen Aufgaben. Ich füge zusätzlich noch einen podcast zum Thema Hausarbeiten hinzu – so Sie bei mir eine Hausarbeit schreiben wollen.

ad personam

Begruessung

Hausarbeiten

Pflanze 25: Aufgabe: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS? Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?


Auf der Seite der Bundesärztekammer konnte ich die Grundmerkmale herausfinden:

– Störung der Aufmerksamkeit mit Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen und die Tendenz, Tätigkeiten zu wechseln, bevor sie zu Ende gebracht wurden.

– Unruhiges Verhalten insbesondere mit Unfähigkeit, stillsitzen zu können.

– Impulsivität z. B. mit abrupten motorischen und / oder verbalen Aktionen, die nicht in

den sozialen Kontext passenDabei muss die Störung bereits vor dem sechsten Jahr begonnen haben und mindestens 6 Monate lang andauern.Hierzu wird noch angegeben, dass ADHS nur dann diagnostiziert werden sollte, wenn bei starker Ausprägung ein Missverhältnis zu Entwicklungsalter und Intelligenz besteht.

Im ICD-10 wird dazu noch angeführt, dass die notwendigen Hauptsymptome für eine Diagnose Aufmerksamkeit und Überaktivität sind und diese in mehreren Situationen vorkommen sollten. Andere Störungen wie Lernstörungen und motorische Ungeschicklichkeit können dabei ebenfalls auftreten, sollten aber getrennt diagnostiziert werden.Kinder die noch nicht im Schulalter sind, sollten nur mit ADHS diagnostiziert werden, wenn eine extreme Ausprägung der Störung vorhanden ist.Vgl.: F90.0

Bei der Auswahl der Therapie sollten persönliche Faktoren (z. B. Leidensdruck), Umgebungsfaktoren, der Schweregrad der Störung sowie der koexistierenden Störung sowie die Teilhabe berücksichtigt werden.Es wird ein individueller Behandlungsplan erstellt, der Patient und Angehörige werden über die Störung aufgeklärt und Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt.

Bei Kindern vor dem Alter von sechs Jahren soll primär psychosozial (einschließlich psychotherapeutisch) interveniert werden.Die medikamentöse Behandlung entscheidet sich nach dem Schweregrad der Störung. Der Schweregrad wird folgendermaßen unterschieden:Leichtgradig: wenig bis keine Symptome, nur geringfügige Beeinträchtigungen in sozialen, schulischen oder beruflichen Kontexten.Mittelgradig: es besteht eine deutliche funktionelle Beeinträchtigung oder es treten starke Symptome auf.Schwergradig: die Symptome sind stark ausgeprägt und die Symptome beeinträchtigen die soziale, schulische oder berufliche Funktionsfähigkeit in erheblichem Ausmaß.

Berti:

1. Diagnostische Kriterien von ADHS

Nach dem ICD-10 und DSM-IV müssen die Störungen der Aufmerksamkeit (Unaufmerksamkeit, der Aktivität (Hyperaktivität) und der Impulsivität über einen Zeitraum von über 6 Monaten in einem hohen Ausmaß und in mehreren Lebensbereichen auftreten, um eine ADHS zu diagnostizieren. Nach dem ICD-10 treten die Störungen meist vor dem 6. Lebensjahr auf.

Die Hauptsymptome von ADHS sind also:

– Unaufmerksamkeit: z.B. das häufige Vergessen von Aufgaben, leichte Ablenkbarkeit durch äußere Reize (Licht, Geräusche, Bewegungen), Schwierigkeiten sich auf eine Sache zu konzentrieren,

– Hyperaktivität: z.B. Unruhe, häufiges Zappeln und aufstehen 

Impulsivität: z.B. schwache Impulskontrolle, häufiges ins Wort fallen, Schwierigkeiten zuzuhören

(vgl. Brandau & Kaschnitz (2013): ADHS im Jugendalter, S. 23ff.)

Nach der Bundesärztekammer soll ADHS nur diagnostiziert werden, wenn die Störungen stark ausgeprägt sind und ein Missverhältnis zu Entwicklungsalter und Intelligenz besteht.

2. Wichtigste therapeutische Interventionen bei ADHS

Es gibt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten für ADHS. Bei der Auswahl der geeigneten Interventionen sollten persönliche Faktoren (z.B. Leidensdruck), Umgebungsfaktoren, der Schweregrad der Störungen, mögliche koexistierende Störungen und die Teilhabe einbezogen werden. Dabei können mehrere Interventionen, je nach Situation des Betroffenen, kombiniert werden.

Eine grundlegende Psychoedukation, d.h. die Aufklärung der betroffenen Person und ihrer Bezugspersonen (Eltern, Lehrer*innen) über das individuelle Störungsbild und Behandlungsmöglichkeiten von ADHS, wird immer vorweg empfohlen.

ADHS kann grundsätzlich psychotherapeutisch (Verhaltenstherapie, psychosoziale Maßnahmen) und medikamentösbehandelt werden. Kinder unter sechs Jahren wird sollten vorrangig psychosozial behandelt werden. Ob eine medikamentöse Therapie in Frage kommt, hängt maßgeblich von dem Schweregrad der Störung ab.

(vgl. Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“, S. 17ff.)

Baum13: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?

ADHS zeichnet sich durch drei Kernsymptome aus:

  • –  eine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit (Aufmerksamkeitsstörung)
  • –  der mangelnden Impulskontrolle (Impulsivität) und
  • –  der erhöhten Aktivität (Hyperaktivität)Abgrenzend zu altersgemäßen Verhaltensweisen treten die Verhaltensauffälligkeiten bei einem ADHS- Kind immer sehr ausgeprägt, früh in der Entwicklung, gewöhnlich in den ersten sieben Lebensjahren, in mindestens zwei Lebensbereichen (z.B. Familie und Kindergarten/Schule) und über mehr als sechs Monate gemeinsam auf.ADHS kann sich unterschiedlich darstellen und ist nicht bei allen Patientinnen und Patienten gleich stark ausgeprägt. In Deutschland werden hierfür die Kriterien des US-amerikanischen System (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) zugrunde gelegt:
  • –  vorwiegend hyperaktiv-impulsiver Typ (Aufmerksamkeitsstörung ist wenig manifestiert, der „Zappelphilipp“)
  • –  vorwiegend unaufmerksamer Typ (Hyperaktivität ist wenig ausgeprägt, die „Träumerle“, auch als ADS bezeichnet)
  • –  Der Mischtyp, welcher alle drei Hauptsymptome etwa gleich stark aufweist

    Wichtig für die Diagnose ADHS sind:
  • –  Eine umfangreiche Anamnese, Erfragung der Familiengeschichte und Abklärung familiärer Vorbelastung
  • –  Eine umfassende körperliche und neurologische Untersuchung (Bewegungskoordination, Sehen, Hören sowie EEG/ EKG, Blutuntersuchungen, Abklärung der Schilddrüsenwerte
  • –  Testpsychologische Untersuchungen wie z.B. Intelligenz- und Aufmerksamkeitstests, Überprüfung schulischer Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen, Untersuchung der emotionalen und sozialen Entwicklung
  • –  Verhaltensbeobachtungen und -bewertung- dazu gehören Verhaltensbeschreibungen unterschiedlicher Personen möglichst aus Alltagssituationen von z.B. Eltern, Verwandten, Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern, Kinderärztinnen und -ärzten, Freundinnen und Freunden etc., evtl. Videoaufzeichnungen von Alltagssituationen, Feststellen von Stärken/Kompetenzen und Schwächen/DefizitenWas sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?Die besten Erfolge erzielt meist ein Gesamtbehandlungssystem, ein so genanntes multimodales Konzept, wobei unterschiedliche Therapiemaßnahmen (psychosoziale, pädagogische, psychotherapeutische und medikamentöse Maßnahmen) als Bausteine eingesetzt werden.Die Behandlung sollte individuell angepasst werden und das soziale Umfeld mit eingebunden werden. Wichtig ist allerdings auch, dass im Verlauf der Therapie die Behandlung regelmäßig beurteilt wird, um Therapien anpassen zu können, wie z.B.:
  • –  Entwicklung der Kernsymptome Aufmerksamkeitsstörung, Impulsivität und Hyperaktivität
  • –  Schulische Leistung und Verhalten in der Schule
  • –  Emotionale Entwicklung (Pubertät)
  • –  Beziehung zu Gleichaltrigen/ familiäre Beziehung /Freizeitaktivitäten
  • –  Kontrolle der Medikation (Wachstum)

Teddybär: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?:

Zunächst muss erwähnt werden, dass es zwei Arten von Klassifikationssysteme gibt, welche bei ADHS herangezogen werden können: Einerseits der ICD-10 der WHO sowie der DSM IV der APA (American Psychiatric Association), die sich beide in einigen Punkten unterscheiden.

Nach dem ICD-10 müssen folgende sieben Fälle über den Zeitraum X gegeben sein, dass auf ADHS geschlossen werden kann.

  1. Unaufmerksamkeit (untergliedert in sieben Symptome; sechs von diesen müssen mindestens sechs Monate lang bei einer Person auftreten und Entwicklungsstand untypisch sein)
  2. Überaktivität (untergliedert in fünf Symptome; drei von diesen müssen mindestens sechs Monate lang bei einer Person auftreten und Entwicklungsstand untypisch sein)
  3.  Impulsivität (untergliedert in vier Symptome; eins von diesen muss mindestens sechs Monate lang bei einer Person auftreten und Entwicklungsstand untypisch sein)
  4. Beginn vor dem siebten Lebensjahr
  5. Nr. 1 (bis/und/oder) 3 sollten ortsunabhängig zeitgleich auftreten
  6. Nr. 1 (bis/und/oder) 3 beeinträchtigen das Leben immens
  7. Das Verhalten ist inkompatibel mit einer möglichen Entwicklungsstörung, einermanischen oder depressiven Episode sowie einer Angststörung

Nach dem DSM IV müssen folgende (mindestens) sechs Fälle über den Zeitraum X gegeben sein, dass auf ADHS geschlossen werden kann:

  1. Entweder A.1 Unaufmerksamkeit (in neun Symptome untergliedert, wovon mindestens sechs über einen Zeitraum von sechs Monaten präsent sein müssen und dem Entwicklungsstand der Person nicht entsprechen)
  2. Und/Oder A.2 Hyperaktivität/Impulsivität (in insgesamt neun Symptome untergliedert, wovon mindestens sechs über einen Zeitraum von sechs Monaten präsent sein müssen und dem Entwicklungsstand der Person nicht entsprechen)
  3.  Einige der Symptome von Nr.1 und Nr.2 treten vor dem siebten Lebensjahr auf.
  4. Die Beeinträchtigungen finden ortsunabhängig statt
  5. Deutliche Hinweise auf eine Beeinträchtigung des Individuums in Lebensbereichen
  6. Die Symptome sind nicht unbedingt Teil einer anderen psychischen Erkrankungen.

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Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?:

Es gibt verschiedene therapeutische Möglichkeiten im Umgang mit ADHS, welche ich im Folgenden kurz erläutern werde:

  1. Psychoedukation und Psychotherapie:
    →Psychoedukation umfasst kurzgesagt einerseits die erzieherischer Beratung der Eltern zur Handhabung des Kindes und andererseits das Vermitteln der festgestellten Erkenntnissen und die entsprechenden Folgen der Erkenntnisse für die Personen und Angehörige.
    →Die Psychotherapie wird hierbei meisten mit einem verhaltenstherapeutischen Schwerpunkt initiiert und zielen primär auf ein Kind ab, während Eltern oder Erwachsene durch spezielle Trainings ebenso für die Thematik sensibilisiert werden. Interventionen in Institutionen der betroffenen Personen sind zudem auch möglich.
  2. Medikamentöse Behandlung:
    →Als erste Wahl werden hier Stimulanzien gewählt, da diese eine nachgewiesene Effektivität aufweisen. Als zweite Wahl wird auf Atomoxetin zurückgegriffen. Zudem gibt es Medikamente dritter Wahl, welche benutzt werden, wenn diese aus erster und zweiter Wahl nicht den erhofften Erfolg verursachten.
  3. Apparative Behandlungsmöglichkeiten:
    →Hierunter wird das sogenannte „Neurofeedback“ gezählt. Einfach ausgedrückt werden hierbei Gehirnströme mithilfe elektronischer Hilfsmittel dargestellt und analysiert, was eine Grundlage für weitere Behandlungswege bietet.
  4. Nicht-evidenzbasierte Methoden: →Hierunter fallen exemplarisch:
    – Psychodynamische Interventionen – Ergotherapie
    – Homöopathie
    – Diäten
  5. Selbsthilfegruppen:
    →Es gibt eine aktive Selbsthilfegruppe in Deutschland, welche zunächst als Ort des

Austausches für Eltern gedacht war, die jedoch später für alle von ADHS betroffene Menschen eine Hilfestelle wurde. Eine engmaschige Betreuung von Einrichtungen, in welchen sich Menschen mit einer ADHS Diagnose befinden, wird durch involvierte Personen wie Therapeut*innen, Ärzt*innen und weiteren gewährleistet.

(vgl. Vorstand der Bundesärztekammer 2005: Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung /ADHS)“ – Langfassung – )

Austausches für Eltern gedacht war, die jedoch später für alle von ADHS betroffene Menschen eine Hilfestelle wurde. Eine engmaschige Betreuung von Einrichtungen, in welchen sich Menschen mit einer ADHS Diagnose befinden, wird durch involvierte Personen wie Therapeut*innen, Ärzt*innen und weiteren gewährleistet.

(vgl. Vorstand der Bundesärztekammer 2005: Stellungnahme zur „Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung /ADHS)“ – Langfassung – ).

mkpwlk98: Was sind die diagnostischen Kriterien von ADHS?  Um eine ADHS Diagnose vergeben zu können, müssen die Symptome von Hyperaktivität, Impulsivität und / oder Unaufmerksamkeit die Kriterien von ICD-10 oder DSM-5 erfüllen. Die dafür genannten Kriterien des ICD 10, werden unten aufgelistet. 

ICD 10 F90- Hyperkinetische Störungen: 

charakterisiert durch:

  • einen frühen Beginn (erste fünf Lebensjahren)
  • einen Mangel an Ausdauer bei Beschäftigungen, die kognitiven Einsatz verlangen 
  • eine Tendenz, von einer Tätigkeit zu einer anderen zu wechseln, ohne etwas zu Ende zu bringen
  • desorganisierte, mangelhaft regulierte und überschießende Aktivität
  • Verschiedene andere Auffälligkeiten können zusätzlich vorliegen 
  • oft achtlos und impulsiv
  • neigen zu Unfällen 
  • Beziehung zu Erwachsenen ist oft von einer Distanzstörung, einem Mangel an normaler Vorsicht und Zurückhaltung geprägt
  • anderen Kindern sind sie unbeliebt (können isoliert sein)
  • Beeinträchtigung kognitiver Funktionen ist häufig
  • spezifische Verzögerungen der motorischen und sprachlichen Entwicklung kommen 

Was sind die wichtigsten therapeutischen Interventionen bei ADHS?

Die drei wichtigsten Säulen derADHS -Behandlung sind: 

  1. pädagogische Maßnahmen (Eltern-, Lehrertraining) 
  1. Psycho-/Verhaltenstherapie
  2. Psychoedukation und Psychotherapie 
  3. Psychoedukation 
  4. Psychotherapie
  5. Stimulanzientherapie 
  6. Nicht-Stimulanzien-Therapie
  1. Einsatz von Medikamenten

(Zu einer medikamentöse Behandlung ist jedoch nicht immer zu raten, bei Kindern unter 3 Jahren ist definitiv davon abzuraten und auch bei Kindern unter 6 Jahren soll vorwiegend therapeutisch behandelt werden) 

(Quellen: „Kurzfassung der interdisziplinären evidenz- und konsensbasierten (S3) Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend-, und Erwachsenenalter) 

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