Institutionen für Menschen mit Behinderungen (SoSe 2021)

Dieses Seminar richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit (Modul 4.4).

Hört sich erst einmal komisch an, wenn man ein Seminar über Institutionen für Menschen mit Behinderungen besuchen soll. War da nicht was mit Inklusion? Die Erfahren der letzten Jahre lehrt: Es gibt zwar einige wenige inklusive Vorzeige-Einrichtungen. Aber für die meisten Dinge im Leben gibt es Sondereinrichtungen. Es gibt so viele Förderschulen wie eh und je. Es gibt immer mehr Werkstätten für behinderte Menschen. Die meisten Erwachsenen mit Behinderungen leben in Wohnheimen. Und ich fürchte: Das wird so bleiben in den nächsten Jahrzehnten. Macht durchaus Sinn, diese Sondereinrichtung ein wenig genauer anzuschauen.

Dieses Seminar analysiert die Situation in diesen Einrichtungen aus einer besonderen Perspektive vor dem Hintergrund der Vermutung, dass die entsprechenden Institutionen noch längere Zeit bestehen werden und vor dem Hintergrund, dass in der Behindertenindustrie keineswegs die Absicht besteht, Sondereinrichtungen durch inklusive Einrichtungen zu ersetzen. Und man muss leider feststellen, dass auch in den meisten Regeleinrichtungen, keineswegs die Absicht besteht, dafür zu sorgen, dass wirklich alle Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam leben, lernen und arbeiten. Politische Mehrheiten für eine inklusive Umgestaltung der Lebensverhältnisse sind auch nicht in Sicht.

Ad personam: Vorstellung

Es ist wichtig, Missstände zu benennen. Es ist wichtig, deutlich zu machen, unter welchen Bedingungen Menschen mit Behinderungen leben, lernen und arbeiten müssen. Und es ist wichtig möglichst präzise zu beschreiben, dass die Verhältnisse für die meisten Menschen mit Behinderungen keineswegs inklusiv sind. Es ist wichtig, Fehlentwicklungen wahrzunehmen und öffentlich anzusprechen. Und es ist wichtig, zu zeigen, welche Wege andere Länder gehen, die weit weniger Menschen mit Behinderungen an den Rand der Gesellschaft drängen.

Informationen zum Seminar

Dieses Seminar ist eine asynchrone Lehrveranstaltung. Das heißt: Sie finden hier wöchentlich spätestens zu dem Zeitpunkt an dem das Seminar hätte stattfinden sollen Podcasts. Nach einigen einleitenden Sitzungen übernimmt das Lebensalter der Adressat*innen strukturierende Funktion. D.h. den Anfang machen Angebote für die Kleinen. Dann folgt der Schulbereich. Am Ende des Seminars stehen die Bereiche Arbeit und Wohnen. Die Podcasts enthalten Aufgaben für die Teilnehmer*innen des Seminars. Die Lösungen, Kommentare und Fragen senden Sie mir bitte per E-Mail zu. Ich veröffentliche dies dann auf dieser Unterseite, so Sie mir einen Nickname nennen. Bitte beachten Sie, dass ich mit sehr vielen Studierenden korrespondiere und insgesamt acht Veranstaltungen anbiete. Dies führt unter den gegebenen Rahmenbedingungen dazu, dass ich mehrere Stunden täglich auf die Beantwortungen von E-Mails bzw. auf die Überarbeitung meiner Homepage verwenden muss. Es ist also hilfreich, wenn Sie bei jedem Kontakt noch einmal Ihren Nickname wiederholen und das Seminar, auf das Sie sich beziehen.

Wenn Sie sich aktiv an meinem Seminar beteiligen, können Sie auch Ihre Modulabschließende Prüfung bei mir anmelden. Die Prüfungsform ist entweder Referat oder Hausarbeit. Referate müssen sich auf das Thema des Seminars beziehen und auch zeitlich zu der Seminarstruktur passen. Es macht also z. B. keinen Sinn, am Anfang des Semesters ein Referat über hoch betagte Menschen mit Behinderung halten zu wollen. Bitte sprechen Sie mögliche Referate mit mir per E-Mail ab.

Referate

Hausarbeiten müssen lediglich einen Bezug zu Inhalten des Moduls aufweisen. D.h. neben Behinderung bzw. Inklusion können sich die Hausarbeiten auch auf Diversity oder den Gesundheitsbereich beziehen. Es ist in jedem Fall sinnvoll, auch die Themen der Hausarbeiten mit mir abzusprechen. Bitte lassen Sie mit Ihre Hausarbeiten als E-Mail-Anhang zukommen. Bitte verwenden Sie eine Datei pro Anlass und benennen diese mit Ihrem Nachnamen. Dabei ist es mir wirklich gleichgültig, auf welcher Seite die Pagnierung beginnt. Denn ich drucke die Arbeiten mit 4 Seite pro A4 aus, um sie dann per dhl an das Prüfungsamt zu schicken.

Hausarbeiten müssen in diesem Modul spätestens am 16.8.2021 um 23.59 Uhr bei mir eingegangen sein.

Hausarbeiten

Der Umfang Ihrer Hausarbeit ist in der für Sie jeweils gültigen Fassung des Modulhandbuchs verbindlich festgelegt. Dabei zählen alle Zeichen und auch alle Teile der Arbeit (also z. B. auch der Anhang). Die vorgegebene Zeichenzahl dürfen Sie nicht unterschreiten. Überschreiten ist nicht erwünscht, aber notfalls möglich (bis zu 10 %). Bitte achten Sie darauf, dass Sie präzise zwischen eigenen Gedanken und den Gedanken anderer unterscheiden, auch dann, wenn sie keine wörtlichen Zitate verwenden. Dabei ist es zwingend erforderlich, dass Sie die verwendeten Quellen angeben. Ihre Hausarbeit sollte auf einem Zitationssystem beruhen. Ich persönlich bevorzuge das Zitationssystem der APA, weil es das mit Abstand bedeutendste Zitationssystem in meinem Metier ist. Das Zitationssystem der EvH ist außerhalb der Hochschule nicht sehr bekannt. Wenn das Ihnen zu viel Mühe macht, sich mit einem anderen Zitationssystem vertraut zu machen, können Sie dieses Zitationssystem auch verwenden.

Das Zitationssystem der APA

Erster Teil des Seminars: Einleitung

Erste Sitzung

Die erste Sitzung des Institutionenseminars beginnt mit einer Art Planspiel. D. h. in diesem Fall: Ich erzähle Ihnen eine Geschichte, die sofortiges Handeln erfordert, um Schaden von Deutschland abzuwenden. Sie mailen mir Ihre Vorschläge. Ich veröffentliche diese auf dieser Seite, so Sie mir einen Nickname nennen.

5 Maßnahmen zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention

Pflanze 25Aufgabe: Entwickeln Sie 5 Sofortmaßnahmen wie man in Deutschland Inklusion nachhaltig umsetzen kann.
5 Sofortmaßnahmen:
1. Armut in Deutschland in jeder Form und überall beenden, Menschen mit Behinderungen sollen in den ersten Arbeitsmarkt eingesetzt werden
2. Aufklärungskampagnen zu sexuell übertragbaren Krankheiten werden zum Pflichtprogramm
3. Inklusive Bildungskonzepte in Schulen für alle SchülerInnen (kleinere Klassen, geschulte Lehrkräfte, Geld für Lehrpersonal an Schulen unbegrenzt)
4. Infrastruktur barrierefrei gestalten
5. zugängliche Informationen über Mobilitätshilfen, Technologien, Formen von Hilfen, Unterstützungen und Einrichtungen 

JC99: Thema: UNBRK

Aufgabe: fünf Sofortmaßnahmen zur Umsetzung der UN – Behindertenrechtskonvention

  • Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen und für alle Formen der Behinderung (Genug Geld für den Umbau von Bildungseinrichtung, Straßen, Börden, ÖPNV usw.; Dolmetscher für Deutsche Gebärdensprache…)
  • Bürokratie zur Beantragung von Hilfen und Hilfsmitteln, die (für die Selbstständigkeit/ Eingliederung) notwendig sind, vereinfachen. & bessere/ mehr Informationen welche Hilfe/ Hilfsmittel zur Verfügung stehen und wie diese beantragt werden können (ggf. Hilfestellungen bei der Beantragung zur Verfügung stellen)
  • keine finanzielle Diskriminierung (Änderung des Bundesteilhabegesetz; auch Menschen mit Behinderung müssen soviel Geld verdienen und ansparen dürfen wie sie möchten/ können.
  • Inklusive Konzepte in (möglichst) allen Betreuungs- und Bildungseinrichtungen 
    • Pflicht, dass z.B. alle Kitas Kinder mit Behinderung aufnehmen müssen
    • Schulungen von Betreuungs- und Lehrpersonal (multiprofessionelle Teams)
  • DGS – Unterricht in Schulen (zuerst Schulung der Lehrpersonen)  Verbesserung der Kommunikation und so auch der Teilhabe und Inklusion von gehörlosen und hörgeschädigten Menschen; Gebärden bieten auch Kindern und Jugendlichen Unterstützung mit einer Sprach- oder geistigen Behinderung.

Sonnenblume: 5 Sofortmaßnahmen wie man in Deutschland Inklusion nachhaltig umsetzen kann.

  1. Gemeinsame Schulen und Kitas

keine Abgrenzungen von Behinderungen 

Kinder entwickeln deutlich stärkere soziale emotionale und kognitive Kompetenzen 

  1. Die Lehrerausbildung muss den Umgang mit Heterogenität und Diversität besser schulen  

mehr Gelder für Schulungen 

  1. Menschen mit Behinderung sollen die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt bekommen, wie „gesunde“ Menschen

Arbeitsplätze müssen geschaffen werden 

  1. Menschen mit Behinderung sollen mehr Barrierefreiheiten bekommen

mehr Geld für öffentliche Verkehrsmittel, öffentliche Einrichtungen (Kino), andere Kassensysteme beim Einkaufen (ohne Hilfe den Einkauf wegräumen) 

  1. Schulungen für Arbeitgeber/Arbeitnehmer, in Bezug auf Menschen mit Behinderungen

Integration in den normalen Arbeitsalltag 

Popele:
Kitas sind für alle Kinder. Kitas müssen auch Kinder mit Behinderungen annehmen.
dazu:2. Personal in allen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen werden ausgebildet und qualifiziert.
3. Vollständige Barrierefreiheit in sozialen und öffentlichen Einrichtungen, Freizeiteinrichtungen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen.
4. Menschen sollen zusammen leben. Keine Einrichtung speziell für Menschen mit Behinderung, sondern Orte an denen gemeinsam gelebt, gelernt und vor allem auch zusammen gearbeitet wird.dazu:
5. Menschen mit Behinderungen bekommen die selben Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Sonja: 5 Sofortmaßnahmen zur Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention:
1. mehr Geld fliest in die Umsetzung der Barrierefreiheit
2. WfbMs werden in andere Betriebe mit selben Arbeitsauftrag eingebettet (Bsp.: Holzwerkstatt in Tischlerbetrieb)
3. Inklusion auch vermehrt im Freizeitbereich umsetzten (Bsp. Sportvereine), Angebot von Inklusionshelfern auch für diesen Bereich
4. Förderschulen werden geschlossen, Lehrer und Kinder wechseln zu Regelschulen – Klassengröße wird klein gehalten um auf alle individuellen Bedürfnisse eingehen zu können
5. Wandel von großen Wohngruppen in stationären Einrichtungen zu kleineren WGs, welche in Stadtteil eingebettet sind.

Palme24:  Aufgabe: Entwickeln Sie 5 Sofortmaßnahmen wie man in Deutschland Inklusion nachhaltig umsetzen kann. 
 
 
1. Mehr Barrierefreiheiten für Menschen mit Behinderung
 
 
2. Menschen mit Behinderung müssen mehr in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden und ebenso in diesem gefördert werden. Dafür werden mehr Förderkonzepte gebraucht, die Verbindungen zwischen den Werkstätten für Menschen mit Behinderung und dem ersten Arbeitsmarkt schaffen, sodass die Menschen nicht nur die Chance haben sich weiterzuentwickeln, sondern so auch durch Einzelgesprächen nachhaltig gefördert werden.
 
 3. Inklusive Bildungskonzepte in Kitas und Schulen.
 
 4. Verbindliche Schulungen in Bezug auf Inklusion in Unternehmen. Eventuell eine zusätzliche verbindliche Quote für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Förderbedarf.
 
 5. Um Menschen mit Behinderung zu inkludieren müssen diese die Chance haben die gesellschaftlichen Themen mitzugestalten. Aus diesem Grund wäre eine bestimmte Quote von Menschen mit Behinderung in politischen Parteien denkbar.   

helmobil: Aufgabe: Entwickeln Sie 5 Sofortmaßnahmen wie man in Deutschland Inklusion nachhaltig umsetzen kann. 

– Aufklärungsarbeit und erste Berührungspunkte in KiGä und Schulen. Damit es garnicht erst zur Abgrenzung kommt. Was gibt es für Behinderungen? Wie geht man mit diesen um? Etc. (bspw. Wie ein Schulfach integrieren, wie bei Sexualkundeunterricht)

– Deutlich mehr geschultes Personal einführen, die eine Inklusion möglich machen. Dementsprechend auch honorieren. Den Beruf interessanter gestalten, nicht als niederträchtige Arbeit darstellen, als wäre es „eklig/zu schwer“ mit behinderten Menschen zu arbeiten. Große Förderprojekte ins Leben rufen. 

– Barrierefreiheit überall!

– Medizinische Versorgung für Menschen mit Behinderung bezahlbar machen! Studien und Forschung finanziell VIEL stärker finanziell nach vorne bringen! 

– Mehr Angebote für das Umfeld schaffen. (Gebärdensprachekurse etc. erleichtern Umgang im Alltag)

– Gleichberechtigung! 

XY123: 5 Sofortmaßnahmen wie man in Deutschland Inklusion nachhaltig umsetzen kann.

  • Der öffentliche Raum sollte Barrierefrei gestaltet sein.
  • Abschaffung von Finanziellen Barrieren für die Teilhabe am öffentlichen Leben. Z.B Urlaubsreisen.
  • Schaffung von besseren Eingliederungsmöglichkeiten auf dem ersten Arbeitsmarkt, bzw. eine Abschaffung der Unterscheidung zwischen ersten und zweiten Arbeitsmarkt.  
  • Schulen sollten in der Lage sein, für jede Person ein Bildungsangebot bereitzustellen, in Verbindung mit einer dementsprechenden Schulung des Lehr- und Betreuungspersonal. 
  • Aufklärungsarbeit um Berührungsängste aufgrund von Unwissenheit zu verringern.

LNH: 5 Sofortmaßnahmen, wie Inklusion innerhalb Deutschlands nachhaltig umgesetzt werden kann: 

  • Etablierung von inklusiven Konzepten zur praktischen Umsetzung von Gleichberechtigung und zum Schutz vor Diskriminierungen in allen Bildungs- und Betreuungseinrichtungen (Kiga/Kita, Schulen, Arbeit, etc.) 
  • Herstellung gleicher Zugänglichkeiten und Schaffung von Barrierefreiheiten in allen Lebensbereichen 
  • Verpflichtenden Fortbildungen/Schulungen zum Thema Inklusion für Fachkräfte des Arbeitsbereiches zwecks Aufklärung, Wissenserweiterung und Sensibilisierung 
  • Bereitstellen finanzieller Mittel, z.B. zwecks tatsächlicher Umsetzung von Barrierefreiheiten, zur medizinischen Versorgung betroffener Personen, zur Beantragung von Hilfsmittel für betroffene Personen, o.ä.
  • Förderung und Unterstützung hinsichtlich des Arbeitsmarktes und der beruflichen Möglichkeiten und Perspektiven (Schaffung von Arbeitsplätzen, Anpassung der Beschäftigungsbedingungen, Unterstützung bei der Arbeitssuche, usw.) 

Biene:

5. Sofortmaßnahmen, wie man in Deutschland Inklusion nachhaltig umsetzen kann:

  1. Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen, damit Barrieren verschwinden, die Menschen mit Behinderung an der Teilhabe hindern und somit ausgrenzen
  2. Um in der Arbeitswelt Inklusion zu ermöglichen, sollte eine Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt sollte an den Fähigkeiten der betroffenen Menschen und deren Wünschen orientieren. Zudem sollte, wenn eine Abschaffung von WfbMs nicht möglich ist, eine Umgestaltung dieser erfolgen. So sollten WfbMs nicht den Zwängen eines normalen Unternehmens gleichgestellt sein, sich wirtschaftlich selbst tragen zu müssen. Dies könnte man durch eine Änderung der Finanzierung dieser herbeiführen. Auch sollte die Möglichkeit von Ausgleichszahlungen, welche als Umgehung der Behindertenquote missbraucht werden aufgehoben werden, damit mehr Personen auf den ersten Arbeitsmarkt gelangen können.
  3. Verpflichtende Schulungen zu Inklusion in Unternehmen in denen bspw. verschiedenste Behinderungsbilder erläutert werden.
  4. Sollte es nicht möglich sein, Förderschulen aufzuheben, so sind regelmäßige Projekte zwischen Menschen mit Behinderung und Nichtbehinderten denkbar.
  5. Sollte ein Auflösen von Wohneinrichtungen nicht möglich sein, so sollte man diese zentral in z.B. Wohnvierteln verlegen. So könnte z.B. durch eine Quartiersentwickelung eine aktive Teilnahme und Mitgestaltung am Gemeinschaftsleben ermöglicht werden.

Mary Poppins: 5 Sofortmaßnahmen wie man in der BRD Inklusion nachhaltig umsetzen kann
1. Gebärdensprache als Teil des Bildungsbereichs Sprache
2. Inklusives Bildungssystem: Kindergärten für Kinder mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf; Kinder/Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Regelklassen unterrichten, mit der Möglichkeit einen Schulabschluss zu erreichen, welcher auf dem Arbeitsmarkt akzeptiert wird.
3. Barrierefreie Architektur verpflichtend 
4. Anti-Bias Ansatz in die Konzepte von Kindergärten und Schulen verankern
5. Verpflichtender Personalschlüssel für Bildungseinrichtungen; Sonderpädagogen müssen in Kindergärten und Schulen fester Bestandteil der Teams sein

Bena99:

1. finanzielle Mittel bereit stellen, um Barrierefreiheit in allen Lebensbereichen gewährleisten zu können. So werden Betroffene nicht ausgegrenzt.
2. Mehr sonderpädagogische Angebote in allgemeinen Schulen, um das gemeinsame Lernen zu erweitern.
3. Mehr Schulungen in Bezug auf Inklusion und Umgang mit behinderten Menschen.
4. Gleichberechtigung auf dem Arbeitsmarkt.
5. Der Gesellschaft mehr Angebote schaffen, sich eigenständig in das Leben betroffenerer Menschen zu integrieren.

Zweite Sitzung

In der zweiten Sitzung werden wichtige Begriffe in der Behindertenarbeit geklärt. Das ist schon bedeutsam, die richtigen Begriffe zu verwenden. Denn wenn man die Begriffe nicht kennt, dann drohen bald Missverständnisse. Hinzu kommt: An vielen Stellen lauern Fettnäpfchen – auch wenn man sich selbst nicht als energische/r Anhänger*in von Political Correctness einstufen würde. Was ist z. B. Behinderung? Ist es besser „Mensch mit Behinderung“ zu sagen als „der Behinderte“? Ist es sinnvoll sagen wir Synonyme zu verwenden – den Begriff „Beeinträchtigung“ oder anstelle von „geistiger Behinderung“ – „Lernschwierigkeit“? Wie nennt man die Menschen ohne Behinderung? Sind die gesund oder sagt man damit aus, dass Behinderung eine Krankheit ist? Ist es ok, für diese Gruppe den Begriff „Normale“ zu verwenden?

Behinderungsbegriffe


Tab 17 : ICIDH und ICF (WHO 2005)
ICIDHICF
Konzeptkein übergreifendes KonzeptKonzept der funktionalen Gesundheit
GrundmodellKrankheitsfolgenmodellbio-phsychosoziales Modell der Komponenten von Gesundheit
OrientierungDefizitorientiert: Es werden Behinderungen klassifiziert.Ressourcen und defizitorientiert:
Es werden Bereiche klassifiziert, in denen Behinderungen auftreten können.
Es können unmittelbar positive und negative Bilder der Funktionsfähigkeit erstellt werden.
Behinderungformaler Oberbegriff zu Schädigungen, Fähigkeitsstörungen und (sozialen) Beeinträchtigungen: keine expolizite Bezugnahme auf Kontextfaktorenformaler Oberbegriff zu Beeinträchtigungen der Funktionsfähigkeit unter expliziter Bezugnahme auf Kontextfaktoren
grundlegende Aspekte: Schädigung (impairment)





Fähigkeitsstörung(disability)






soziale Beeinträchtigung (handicap)
Körperfunktionen und -strukturen, Störungsbegriff Schädigung (Funktionsstörung, Strukturschaden)

Aktivitäten
Störungsbegriff: Beeinträchtigung der Aktivität

Partizipatiom (Teilhabe) und deren Beeinträchtigung definiert als Wechselwirkung zwischen dem gesundheitlichen Probken (ICD) einer Person und ihren Umweltfaktoren
Umweltfaktorenbleiben unberüccksichtigtUmweltfaktoren sind integraler Bestandteil des Konzepts und werden klassifiziert.
personenbezogene (persönliche) Faktorenwerden höchstens implizit berücksichtigtwerden explizit erwähnt, aber nicht klassifiziert
Anwendungsbereichnur im gesundheitlichen Bereich

(Sonja) Definitionen von Behinderung:

Nach §2 SGB IX:

(1) Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.
 (2) Menschen sind im Sinne des Teils 3 schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 156 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben.
 (3) Schwerbehinderten Menschen gleichgestellt werden sollen Menschen mit Behinderungen mit einem Grad der Behinderung von weniger als 50, aber wenigstens 30, bei denen die übrigen Voraussetzungen des Absatzes 2 vorliegen, wenn sie infolge ihrer Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz im Sinne des § 156 nicht erlangen oder nicht behalten können (gleichgestellte behinderte Menschen).

Nach UN-Behindertenrechtskonvention:

„Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.“

Nach WHO:

“Disability results from the interaction between individuals with a health condition such as cerebral palsy, down syndrome and depression as well as personal and environmental factors including negative attitudes, inaccessible transportation and public buildings, and limited social support.”

Im Nationalsozialismus:

Menschen mit Behinderung sind lebensunwerte Menschen und Gefahr für Erbgut der Bevölkerung.
 „Als Erbkrank galt man, wenn man an einer der folgenden Krankheiten litt: “1. angeborenem Schwachsinn, 2. Schizophrenie, 3. zirkulärem (manisch-depressivem) Irresein, 4.erblicher Fallsucht, 5. erblichem Beitstanz (Huntingtonsche Chorea), 6. erblicher Blindheit, 7. erblicher Taubheit, 8. schwerer erblicher körperlicher Mißbildung, 9.Ferner kann unfruchtbar gemacht werden, wer an schwerem Alkoholismus leidet“ (Quelle: Der Bedeutungswandel der Behinderung vom Nationalsozialismus bis heute. Behinderung als Abweichung von der Norm?)

Sonnenblume: Behinderungsdefinitionen

„Behinderung ist ein weiterer Begriff, der im Themenfeld von Gesundheit und Krankheit zu definieren ist. Wann dieser Begriff zur Kennzeichnung von Problemen, die Menschen in ihrer körperlichen und geistigen Funktionsfähigkeit einschränken, eingeführt wurde, ist unklar; sicher ist, dass er in Deutschland in der Kombination geistig und körperlich behindert im Reichsschulpflichtgesetz von 1938 auftauchte. Rechtlich wurde er in der Bundesrepublik Deutschland später durch das 1961 verabschiedete Bundessozialhilfegesetz (BSHG) verankert, und durch das sich ab Mitte der 1960er-Jahre entwickelnde Sonderschulwesen erfuhr er weitere Verbreitung.“ (vgl. Franke S.89ff.)

Franke, Alexa (2012): Modelle von Gesundheit und Krankheit., 3.Auflage. Bern: Verlag Hans Huber 

Was sind Körperbehinderungen ?

„Eine Körperbehinderung ist – im allgemeinen Sprachgebrauch – eine überwindbare oder dauernde Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit infolge einer Schädigung des Stütz- und Bewegungssystems oder einer anderen organischen Schädigung…“ (Behinderung org)

„Eine Körperbehinderung ist eine länger andauernde Schädigung des Stütz- und Bewegungssystems oder der Organe, die vor dem Hintergrund individueller und umweltbezogener Faktoren als Aktivitäts- und Teilhabebeeinträchtigung deutlich wird.“(socialnet de)

„Der Begriff der Körperbehinderung ist eine Sammelbezeichnung für sämtliche Erscheinungsformen und Schweregrade körperlicher Bewegungseinschränkungen, die sich aus Schädigungen des Stütz- und Bewegungsapparates und aus anderen inneren oder äußeren Schädigungen des Körpers und seiner Funktionen ergeben. Während die körperliche Bewegungsfähigkeit in der Regel beeinträchtigt ist, entsprechen die individuellen Ausprägungen der Kognition und der Emotion der Vielfalt menschlicher Leistungs- und Verhaltensweisen.“ (talentplus de/lexikon)

Wann ist jemand Sehbehindert? 

  • Als sehbehindert gilt nach medizinischer Messung (Augenarzt) wer trotz Korrektur mit Brille oder Kontaktlinsen nicht die normale Sehfunktion erreicht und dessen Sehschärfe (Fachbegriff: „Visus“) auf dem besseren Auge weniger als ein Drittel (1/3; 0,3; 33%) bis 1/20 (0,05; 5%) liegt.
  • Hochgradig sehbehindert ist wer mit dem besseren Auge eine Sehschärfe von weniger als 1/20 bis zu 1/50 (0,02; 2%) erreicht.
  • Menschen mit geringeren Visus gelten gesetzlich als blind, auch wenn noch ein Restsehvermögen oder Lichtscheinwahrnehmung vorhanden ist.
    (Sehbehinderung de)

Pflanze 25: Im folgenden finden Sie meine Rechercheergebnisse:

– Sozialgesetzbuch 9. Buch
§ 2 Absatz 1 SGB IX
„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.“

§ 2 Absatz 2 SGB IX
„Menschen sind im Sinne des Teils 3 (des SGB IX) schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 156 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben.“

Diese Art der Behinderung manifestiert sich, so wie bei den Lernbehinderten, vorrangig im Schulalter. Einige Schüler sind in ihrem Verhalten auffällig und stören den Unterricht. Sie müssen jedoch nicht verhaltensgestört sein.

– Früher wurden Kinder mit Verhaltensstörungen noch „Schwererziehbare“ genannt und sie wurden in Heimen und Anstalten betreut. Seit den siebziger Jahren existieren darüber andere Ansichten. Havers gibt für Verhaltensstörungen folgende Definition:

„Unter einer Verhaltensstörung versteht man eine Regelübertretung, die vom Handelnden selbst oder von jemandem, der sich ihm gegenüber in einer Machtposition befindet, als störend und unangemessen beurteilt wird.“ (Havers, 1978, S. 24)

– Als sehbehindert gilt nach medizinischer Messung (Augenarzt) wer trotz Korrektur mit Brille oder Kontaktlinsen nicht die normale Sehfunktion erreicht und dessen Sehschärfe (Fachbegriff: „Visus“) auf dem besseren Auge weniger als ein Drittel (1/3; 0,3; 33%) bis 1/20 (0,05; 5%) liegt.
Hochgradig sehbehindert ist wer mit dem besseren Auge eine Sehschärfe von weniger als 1/20 bis zu 1/50 (0,02; 2%) erreicht.
Menschen mit geringeren Visus gelten gesetzlich als blind, auch wenn noch ein Restsehvermögen oder Lichtscheinwahrnehmung vorhanden ist.

Nach der Weltgesundheitsorganisation werden Sehbeeinträchtigungen wie folgt eingruppiert (International Classification of Diseases = ICD H53-54).

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Benna99: Definitionen von Behinderung

Definition der WHO

Die WHO geht bei Behinderung immer von 3 Begriffen aus:

  1. impairment (Schädigung) = Mängel oder Abnormitäten der anatomischen, psychischen oder physiologischen Funktionen und Strukturen des Körpers
  2. disability (Beeinträchtigung) = Funktionsbeeinträchtigung oder -mängel aufgrund von Schädigungen, die typische Alltagssituationen behindern oder unmöglich machen
  3. handicap (Behinderung) = Nachteile für eine Person aus einer Schädigung oder Beeinträchtigung 

Der Begriff ,,Behinderung“ ist sehr komplex und dient oft nur zur Vereinfachung. Jede Behinderung kann durch verschiedenen Spezialisten unterschiedlich beurteilt werden. Um die Behinderung jedoch in eine Kategorie einordnen zu können, wird zwischen folgenden Unterschieden:

Geistige Behinderung Hörschädigung Körperbehinderung Lernbehinderung Mehrfachbehinderung Schwerbehinderung Schwerstbehinderung Sehschädigung Sprachbehinderung Sprachbehinderung Verhaltensstörung

1. Ursachen

Wodurch kam es zu dieser Behinderung? Dies ist wichtig für Nachteilsausgleiche und Ähnliches.

  • angeboren
  • Unfall
  • Wehrdienst-/Kriegsbeschädigung
  • sonstige Ursachen

2. Arten der Behinderung

Im deutschen Sprachraum wird der Begriff Behinderung noch in folgende Untergruppen aufgeteilt: GeistigeBehinderung
HörschädigungKörperbehinderungLernbehinderungMehrfachbehinderungSchwerbehinderungSchwerstbehinderungSehschädigungSprachbehinderung SprachbehinderungVerhaltensstörung

3. Folgen

Wichtig für die Berufsgruppen, die mit diesen Menschen arbeiten.

  • Sonderschulbedürftigkeit
  • Hilflosigkeit
  • Wohnbehinderung
  • Rehabilitationsbedürftigkeit

Behinderungen können, egal wie schwer sie sind, subjektiv sehr unterschiedlich erlebt werden.  Desweiteren ist es noch wichtig zu wissen, dass sich der Begriff „Behinderung“ im Laufe der Geschichte der Menschheit erst entwickelte und auch heute noch ständig weiteren Entwicklungen ausgesetzt ist. Betroffene fühlen sich oft durch den Begriff stigmatisiert und auch Menschen, die mit Behinderten arbeiten, akzeptieren ihn nicht länger.

Ab wann gilt jemand als Sehbehindert?

  • Als sehbehindert gilt nach medizinischer Messung (Augenarzt) wer trotz Korrektur mit Brille oder Kontaktlinsen nicht die normale Sehfunktion erreicht und dessen Sehschärfe (Fachbegriff: „Visus“) auf dem besseren Auge weniger als ein Drittel (1/3; 0,3; 33%) bis 1/20 (0,05; 5%) liegt.
  • Hochgradig sehbehindert ist wer mit dem besseren Auge eine Sehschärfe von weniger als 1/20 bis zu 1/50 (0,02; 2%) erreicht.
  • Menschen mit geringeren Visus gelten gesetzlich als blind, auch wenn noch ein Restsehvermögen oder Lichtscheinwahrnehmung vorhanden ist.

LNH: Aufgabe 21.04.2021 (Begriffsdefinitionen): 

Aufgabe: Suchen Sie nach Definitionen der Begriffe Behinderung, Körperbehinderung und Sehbehinderung. 

Definition „Behinderung“ gem. der UN-Behindertenkonvention: 

  • „Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können“ (UN-BRK 2017). 

Definition „Behinderung“ gem. des SGB IX: 

  • „Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist“ (§ 2 Absatz 1 SGB IX) 

Definition „Blindheit und Sehbehinderung“ gem. des RKIs: 

  • „Blindheit liegt vor, wenn das Augenlicht vollständig fehlt, der Visus (Sehschärfe) auf dem besseren Auge nach optischer Korrektur höchstens 0,02 beträgt, andere Störungen des Sehvermögens vorliegen, die dieser Beeinträchtigung gleichkommen (z.B. durch Gesichtsfeldausfälle) oder ein vollständiger Ausfall der Sehrinder nachgewiesen ist“ (RKI 2017) 
  • „Hochgradige Sehbehinderung liegt vor, wenn der Visus auf keinem Auge und auch nicht bei beidäugiger Prüfung mehr als 0,05 beträgt oder andere gleichzuachtende Störungen der Sehfunktion vorliegen (d.h., wenn die Einschränkung des Sehvermögens einen Grad der Behinderung (GdB) von 100 bedingt und noch nicht Blindheit vorliegt“ (RKI 2017)
  • „Sehbehinderung liegt vor ab einer Visus-Kombination im Bereich zwischen 0,4/0,02 und 02,/0,2 oder bei gleich zu bewertenden Gesichtsfeldausfällen“ (RKI 2017) 

Definition „Körperbehinderung“ gem. Leyendecker: 

  • Nach Leyendecker wird eine Person als körperbehindert bezeichnet, „die infolge einer Schädigung des Stütz- und Bewegungssystems, einer anderen organischen Schädigung oder einer chronischen Krankheit so in ihren Verhaltensmöglichkeiten beeinträchtigt ist, dass die Selbstverwirklichung in sozialer Interaktion erschwert ist“ (Leyendecker 2000). 

Leyendecker, C. (2000): Geschädigter Körper, behindertes Selbst oder: „In erster Linie bin ich Mensch“. In: K. Kallenbach (Hrsg.): Körperbehinderungen. Schädigungsaspekte, psychosoziale Auswirkungen und pädagogisch-rehabilitative Maßnahmen. Bad Heilbrunn/Obb: Klinkhardt, 13–53.

RKI – Robert Koch Institut (Hrsg.) (2017): Gesundheitsberichterstattung des Bundes Gemeinsam getragen von RKI und Destatis. GBE-Themenheft. Blindheit und Sehbehinderung. Berlin. 

UN-BRK – Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen (Hrsg.) (2017): Die UN-Behindertenrechtskonvention. Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderung. 

Palme24

Definitionen

Behinderung:
 
 „Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) unterscheidet seit 2001 im Zusammenhang mit Behinderung fünf Dimensionen: Körperfunktionen, Körperstrukturen, Aktivitäten der Person und Partizipation in der Gesellschaft sowie Umweltfaktoren. Die WHO hat ihre International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps zu einer International Classification of Functioning, Disability and Health erweitert und betont damit auch die Fähigkeiten statt nur die Defizite bei Behinderung. Die Behinderung eines Menschen resultiert aus einem komplizierten, oftmals unmerklichen Zusammenspiel vieler innerer und äußerer Faktoren.
 Sicher erleben Menschen mit Behinderungen ihre Situation in vielfacher Hinsicht als großes „Handicap“. Sie bedrückt ihre Benachteiligung in Bereichen des alltäglichen Lebens. Nur selten steht ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe und barrierefreie Teilnahme am öffentlichen Leben offen.“ 
 
 Quelle: Ärzteblatt 
 
 Artikel 1 und Präambel der UN-BRK
 „Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen (gemeint sind: einstellungs- und umweltbedingte) Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.“
 
 Quelle: UN-Behindertenrechtskonvention 
 
 § 2 Absatz 1 SGB IX
 „Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.“

§ 2 Absatz 2 SGB IX
 „Menschen sind im Sinne des Teils 3 (des SGB IX) schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 156 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben.“

Quelle: Sozialgesetzbuch 9.Buch
 
Geistige Behinderung: 
 

 „Geistige Behinderung bedeutet eine signifikant verringerte Fähigkeit, neue oder komplexe Informationen zu verstehen und neue Fähigkeiten zu erlernen und anzuwenden (beeinträchtigte Intelligenz). Dadurch verringert sich die Fähigkeit, ein unabhängiges Leben zu führen (beeinträchtigte soziale Kompetenz). Dieser Prozess beginnt vor dem Erwachsenenalter und hat dauerhafte Auswirkungen auf die Entwicklung.“
 
Quelle: Weltgesundheitsorganisation 

Sehbehinderung: Über eine Sehbehinderung spricht man, wenn man auf dem bessersehenden Auge, selbst mit Hilfsmittel, nicht mehr als 30% von dem sehen kann, was ein gesundes Auge sehen kann. Blind ist man, wenn die Sehleistung komplett oder fast ganz eingebüßt ist.
 
Quelle: Robert-Koch-Institut 

Popele:

Begriffsdefinitionen: 

 „Behinderung”:  

Quelle: Sozialgesetzbuch 9. Buch 

§ 2 Absatz 1 SGB IX 

„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können. Eine Beeinträchtigung nach Satz 1 liegt vor, wenn der Körper- und Gesundheitszustand von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweicht. Menschen sind von Behinderung bedroht, wenn eine Beeinträchtigung nach Satz 1 zu erwarten ist.“ 

§ 2 Absatz 2 SGB IX 

„Menschen sind im Sinne des Teils 3 (des SGB IX) schwerbehindert, wenn bei ihnen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und sie ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 156 rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches haben.“ 

Quelle: UN-Behindertenrechtskonvention 

Artikel 1 und Präambel der UN-BRK 

„Zu den Menschen mit Behinderungen zählen Menschen, die langfristige körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, welche sie in Wechselwirkung mit verschiedenen (gemeint sind: einstellungs- und umweltbedingte) Barrieren an der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft hindern können.“ 

„Körperbehinderung”:  (Talentplus de/lexikon)

Der Begriff der Körperbehinderung ist eine Sammelbezeichnung für sämtliche Erscheinungsformen und Schweregrade körperlicher Bewegungseinschränkungen, die sich aus Schädigungen des Stütz- und Bewegungsapparates und aus anderen inneren oder äußeren Schädigungen des Körpers und seiner Funktionen ergeben. Während die körperliche Bewegungsfähigkeit in der Regel beeinträchtigt ist, entsprechen die individuellen Ausprägungen der Kognition und der Emotion der Vielfalt menschlicher Leistungs- und Verhaltensweisen.” 

Häufigsten Erscheinungsformen von Körperbehinderung: 

  • Schädigung des Zentralnervensystems 
  • Schädigung der Skelettsystems 
  • Fehlbildung des Skelettsystems 
  • Schädigung der Gliedmaßen 
  • Muskelsystemerkrankungen  
  • Entzündliche Erkrankungen der Knochen und Gelenke 

„Sehbehinderung”: 

Quelle: Robert Koch-Institut GBE Themenheft Blindheit und Sehbehinderung

Blindheit liegt vor, wenn:

  • das Augenlicht vollständig fehlt
  • der Visus (Sehschärfe) auf dem besseren Auge nach optischer Korrektur höchstens 0,02 beträgt 
  • andere Störungen des Sehvermögens vorliegen, die dieser Beeinträchtigung gleichkommen (z.B. durch Gesichtsfeldausfälle) 
  • oder ein vollständiger Ausfall der Sehrinde nachgewiesen ist. Hochgradige 

Sehbehinderung liegt vor, wenn:

  • der Visus auf keinem Auge und auch nicht bei beidäugiger Prüfung mehr als 0,05 beträgt 
  • oder andere gleichzuachtende Störungen der Sehfunktion vorliegen (d.h., wenn die Einschränkung des Sehvermögens einen Grad der Behinderung (GdB) von 100 bedingt und noch nicht Blindheit vorliegt). 

Sehbehinderung liegt vor: 

  • ab einer Visus-Kombination im Bereich zwischen 0,4/0,02 und 0,2/0,2 
  • oder bei gleich zu bewertenden Gesichtsfeldausfällen.

Anka13:

Behinderungsdefinitionen: 

  1. Ärzteblatt – Behinderungen: Erweiterte Definition der WHO

Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass die Behinderung eines Menschen nicht einfach der Ausfall oder die Schädigung bestimmter Funktionen ist. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) unterscheidet seit 2001 im Zusammenhang mit Behinderung fünf Dimensionen: Körperfunktionen, Körperstrukturen, Aktivitäten der Person und Partizipation in der Gesellschaft sowie Umweltfaktoren. Die WHO hat ihre International Classification of Impairments, Disabilities and Handicaps zu einer International Classification of Functioning, Disability and Health erweitert und betont damit auch die Fähigkeiten statt nur die Defizite bei Behinderung. Die Behinderung eines Menschen resultiert aus einem komplizierten, oftmals unmerklichen Zusammenspiel vieler innerer und äußerer Faktoren.

Sicher erleben Menschen mit Behinderungen ihre Situation in vielfacher Hinsicht als großes „Handicap“. Sie bedrückt ihre Benachteiligung in Bereichen des alltäglichen Lebens. Nur selten steht ihnen eine gleichberechtigte Teilhabe und barrierefreie Teilnahme am öffentlichen Leben offen. R. H.

  1. WHO – Definition des Begriffs „geistige Behinderung“

Geistige Behinderung bedeutet eine signifikant verringerte Fähigkeit, neue oder komplexe Informationen zu verstehen und neue Fähigkeiten zu erlernen und anzuwenden (beeinträchtigte Intelligenz). Dadurch verringert sich die Fähigkeit, ein unabhängiges Leben zu führen (beeinträchtigte soziale Kompetenz). Dieser Prozess beginnt vor dem Erwachsenenalter und hat dauerhafte Auswirkungen auf die Entwicklung.

Behinderung ist nicht nur von der individuellen Gesundheit oder den Beeinträchtigungen eines Kindes abhängig, sondern hängt auch entscheidend davon ab, in welchem Maße die vorhandenen Rahmenbedingungen seine vollständige Beteiligung am gesellschaftlichen Leben begünstigen.

Im Kontext der WHO-Initiative „Bessere Gesundheit, besseres Leben“ schließt der Begriff „geistige Behinderung“ auch Kinder mit autistischen Störungen ein, die geistige Beeinträchtigungen aufweisen. Er schließt aber auch Kinder ein, die aufgrund vermeintlicher Behinderungen oder einer Ablehnung durch ihre Familie in Institutionen eingewiesen wurden und deshalb Entwicklungsstörungen und psychologische Probleme aufweisen.

  1. Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen -Definition des Begriffs „seelische Behinderung“

Gegenüber anderen Behinderungsarten sind seelische Behinderungen schwerer zu definieren. Sie betreffen nicht messbare Dimensionen wie Fühlen, Handeln, Wahrnehmung oder Orientierung. Es handelt sich um subjektive Phänomene, für die es keine genau definierte Norm gibt. Von vielen seelischen Krankheiten sind zudem die Ursachen nicht bekannt. Deshalb orientieren sich die Diagnosen im klinischen Bereich vielfach an der Beschreibung des Zustandes und des Verlaufs der Erkrankung.

Seelische Erkrankungen treten in verschiedenen Formen auf. Die Übergänge sind fließend. Seelische Störungen sind äußerst vielfältig. Gemäß der Klassifikation der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hier einige wichtige Beispiele:

Schizophrene und wahnhafte Störungen mit eingeschränkter Wahrnehmung der äußeren Wirklichkeit. Bewusstsein, Denken und Fühlen sind gestört, oft im Verlauf von Phasen. Betroffene fühlen sich verfolgt oder bedroht, verschließen sich ihrer Umwelt, hören Stimmen, haben Halluzinationen.

Affektive Störungen mit manischen und depressiven Phasen im Wechsel (sogenannte Bipolare Störung) oder mit anhaltender Depression.

Belastungs- und Anpassungsstörungen mit generellen oder speziellen Angststörungen, sozialer Phobie (Angstzustände bei sozialen Kontakten), Zwangsstörungen (zwanghafte Gedanken oder Handlungen), Belastungsstörungen als Reaktion auf persönlich erfahrene Bedrohungen (zum Beispiel Unfall, Tod, Naturkatastrophe, Verbrechen) oder als somatoforme Störungen (starke körperliche Symptome wie Schmerzen oder Herz-Kreislauf-Beschwerden, die sich nicht auf organische Erkrankungen zurückführen lassen).

Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen mit anhaltenden Verhaltensmustern, die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen (zum Beispiel krankhaftes Misstrauen, soziale Abkapselung, Pedanterie, Aggression gegen andere oder sich selbst, hilflose Abhängigkeit).

Problem der Akzeptanz: Viele seelisch erkrankte Menschen haben Schwierigkeiten, sich zu ihrer Behinderung zu bekennen. Sie haben Angst davor, stigmatisiert zu werden. Oft sind sie auch nicht in der Lage, ihre Situation richtig einzuschätzen. Dies führt zum Beispiel zu Problemen, wenn es um den Kündigungsschutz geht. Liegt keine Anerkennung der Schwerbehinderung vom Versorgungsamt beziehungsweise der nach Landesrecht zuständigen Behörde vor, dann kann natürlich auch der besondere Kündigungsschutz nicht greifen. Daher ist es angebracht, darauf hinzuwirken, dass ein Anerkennungsantrag gestellt wird.

Im Arbeitsleben zu beachten:

Unerklärliche Verhaltensänderungen eines Mitarbeiters besprechen, um das veränderte Verhalten zu verstehen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Es sollte eine zentrale Bezugsperson im Betrieb geben, mit der die betroffene Person ihre betrieblichen Angelegenheiten besprechen kann.

Arbeitsabläufe und Aufgaben strukturiert und transparent gestalten.

Über- wie auch Unterforderung vermeiden.

Eindeutigkeit im Umgang hilft, Verunsicherungen abzubauen.

Medikamente können auch Nebenwirkungen haben, die sich auf die Leistungsfähigkeit auswirken.

Beratung und Betreuung: Die Betreuung seelisch behinderter Menschen und die Beratung von Arbeitgebern, Vorgesetzten und Kollegen bei Problemen im psychosozialen Bereich ist die Aufgabe der Integrationsfachdienste, die von den Integrationsämtern koordiniert werden.

JC99 4.4 LV 1 Thema Behinderungsbegriffe

Definition Sehbehinderung:

  • Sehkraft auf dem besseren Auge geringer als 30%
  • Hochgradig sehbehindert, wenn eine Sehkraft von unter 5% vorliegt
  • Blind: Sehkraft unter 2% (unabhängig davon, ob Lichtwahrnehmung möglich ist oder nicht)

Definition Körperbehindert:

  • Begriff für alle Erscheinungsformen und schweregrade körperlicher Bewegungseinschränkung
  • Die Schädigung der körperlichen Funktionen beeinträchtigt die Teilhabe am Leben in der Gesellschaft

Definition Verhaltensstörung:

  • Von der Norm abweichendes sozial Verhalten (häufige Regelübertretung)
  • Verhalten wird von der handelnden Person oder dem Gegenüber als störend und unangemessen beurteilt

Quellen

Bund zur Förderung Sehbehinderter -Landesverband Nordrhein-Westfalen e.V.

ICD-Code

Kommunaler Sozialverband Sachsen körperlich behinderte Menschen

REHADAT – Das Portal zu Arbeitsleben und Behinderung

Definition von dem Begriff ‚Behinderung‘

In der Bundesrepublik Deutschland ist die Definition von Behinderung durch das Bundesteilhabegesetz geändert worden. Nach der seit dem 1. Januar 2018 geltenden Fassung versteht man nun gemäß § 2 Absatz 1 Satz 1 Neuntes Sozialgesetzbuch (SGB IX) unter Behinderung:

“Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können”. Diese deutsche Gesetzesdefinition des Behindertenbegriffs beruht auf der Behindertenrechtsdefinition der Vereinten Nationen.

Quelle: Behindertenrechtskonvention

Definition von dem Begriff ‚Körperbehinderung‘

Dies ist eigentlich nur ein Oberbegriff für sämtliche Erscheinungsformen und Schweregrade körperlicher Beeinträchtigungen.

Im Handbuch der Sonderpädagogik Band I findet man dazu folgende Aussage:

„Eine Körperbehinderung ist – im allgemeinen Sprachgebrauch – eine überwindbare oder dauernde Beeinträchtigung der Bewegungsfähigkeit infolge einer Schädigung des Stütz- und Bewegungssystems oder

einer anderen organischen Schädigung…“1 Die häufigsten Erscheinungsformen sind:

  1. Schädigungen des ZNS
    – erworbene Querschnittslähmung
    – zerebrale Bewegungsstörungen (Spastik, Athetose, Ataxie) – Multiple Sklerose
    – Spaltbildungen des Rumpfes (Spina bifida, Polyomyelitis)
    – Parkinsonerkrankungen
  2. Schädigungen des Skelettsystems
    – Rückgratverkrümmungen (Skoliosen, Lordosen, Kyphosen) – Osteogenesis imperfecta (Glasknochenkrankheit)
    – Gelenkfehlstellungen (Luxationen)
  3. Fehlbildungen des Skelettsystems
    – Amelie, Dysmelien
    – Spaltbildungen von Hand oder Fuß (Klumphand, Klumpfuß)
  4. Amputationen (durch Unfallschäden, Tumore, Gefäßerkrankungen)
  5. Muskelsystemerkrankungen (Muskelatrophie, Muskeldystrophie)
  6. Entzündliche Erkrankungen der Knochen und Gelenke (Arthritis)

    (Quelle: Behinderung org)

Mary Poppins

Definitionen: Behinderung/ Verhaltensstörung/ Körperbehinderungen

Definition behinderte Menschen nach dem ICF der WHO und UN-Behindertenrechtskonvention: 
„In Gesundheitswissenschaften und Medizin ist Behinderung zunächst als Krankheitsfolge und persönlicher Funktionsmangel definiert“ (Welti 2016, S. 87). Die Behinderung eines Menschen ist das Zusammenspiel von gesundheitlichen Funktions- und Aktivitätsstörungen und behindernden persönlichen und gesellschaftlichen Kontextfaktoren, wodurch die Teilhabe und Partizipation beeinträchtigt ist. „Behinderung wird so nicht nur als persönliche Eigenschaft, sondern als gesellschaftliches Verhältnis verstanden“ (Welti 2016, S. 88).

Definition behinderte Menschen nach § 2 SGB IX und § 3 BGG: 
Eine Behinderung ist dann vorhanden, wenn die körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit länger als sechs Monate vom dem für das Lebensalter typischen Entwicklungsstand abweichen und dadurch die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigt ist. 

Definition körperbehinderte Menschen nach dem Fachlexikon der Sozialen Arbeit:
„Körperbehinderte Menschen sind infolge einer Schädigung des Stütz- und Bewegungsapparates oder einer chronischen Krankheit in ihrer Bewegungsfähigkeit dauernd eingeschränkt“ (Müller-Fehling 2016, S. 524). Es gibt eine Vielzahl von Körperbehinderungen, wie z.B. Schädigungen des Zentralen Nervensystems durch erworbene Querschnittslähmung, Multiple Sklerose, Parkinsonerkrankungen, Fehlbildungen des Skelettsystems etc. Bei körperbehinderten Menschen ist die Körpermotorik beeinträchtigt, jedoch gib es alle individuellen Ausprägungen bei den Leistungs- und Verhaltensweisen. Somit ist die gesamte Bandbreite der gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe und Rehabilitation möglich, Abhängig von der Bereitstellung kompensatorischer Leistungen, einer weitestgehend barrierefreien Umwelt, Integrationsbereitschaft der Gesellschaft und der barrierefreie Zugang zu den Ressourcen der Gesellschaft. 

Definition Verhaltensauffälligkeiten nach dem Fachlexikon der Sozialen Arbeit:
Verhaltensauffälligkeiten ist ein Sammelbegriff für Verhaltensweisen, welche von der Norm abweichen. Davon verwandte Begriffe sind Verhaltensstörung und seelische Erkrankung. Die Normen sind zum Einen durch die Bezugsgruppen sozial definiert und können situations- und altersspezifisch variieren. Zum Anderen gibt es Normen, welche statistisch bestimmt werden und Auftretenshäufigkeiten von Verhaltensweisen oder Merkmalen beschreiben. Die Verhaltensweisen und Merkmale müssen klassifizierbar und messbar sein. „Es wird dann davon ausgegangen, dass die Verteilung dieser Merkmale dem Modell der statistischen Normalverteilung folgt, Auftretenshäufigkeiten am Rande dieser Normalverteilung werden als auffällig definiert“ (Fröhlich-Gildhoff 2016, S. 953). Es gibt keine klare Grenze, sondern ein Individuum befindet sich in einem Kontinuum zwischen verhaltensauffällig und nicht auffällig. 

Definition Verhaltensstörung nach ICD-10:
In Kapitel V werden Störungen der psychischen Entwicklung klassifiziert. Verhaltensstörungen sind länger anhaltende Zustandsbilder und Verhaltensmuster, welche Auswirkungen auf den charakteristischen und individuellen Lebensstil und auf das Verhältnis zur eigenen Person und zu anderen Personen haben. Die Zustandsbilder und Verhaltensmuster entstehen meistens als Folge konstitutioneller Faktoren und sozialer Erfahrungen, welche im frühen Verlauf der individuellen Entwicklung oder im späteren Leben erworben werden. Persönlichkeitsstörungen sind tief verwurzelte Verhaltensmuster, welche sich in unterschiedlichen persönlichen und sozialen Lebenslagen äußern. 

Quellen:
Welti, Felix (2016): Behinderte Menschen. In: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Fachlexikon der Sozialen Arbeit. 8. Auflage. Berlin: Nomos, S. 87-88.

Müller-Fehling, Norbert (2016): Körperbehinderte Menschen. In: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Fachlexikon der Sozialen Arbeit. 8. Auflage. Berlin: Nomos, S. 524-525.

Fröhlich-Gildhoff, Klaus (2016): Verhaltensauffälligkeiten. In: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. (Hrsg.): Fachlexikon der Sozialen Arbeit. 8. Auflage. Berlin: Nomos, S. 953.

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Hrsg.) (2021): ICD-10-GM Version 2021, Systematisches Verzeichnis, Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision. F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Köln.

Biene: Definition Behinderung

Bis heute ist es nicht gelungen den Begriff der Behinderung allgemein akzeptabel zu definieren. Hierfür gibt es u.a. folgende Gründe:

  • „Behinderung ist kein Faktum, keine unabänderliche Tatsache, nicht allein organische Schädigung, sondern ein Phänomen, ein Vorkommnis, eine Gegebenheit, mit vielen Bedeutungen, die immer davon abhängen, wer und wie man sich dem Phänomen zuwendet“ (Fornefeld 2020, Behinderung – geistige Behinderung – Definitionen).
  • „Jede Profession, die sich mit Behinderung befasst, wählt einen eigenen Zugang zu ihr, d.h. die Pädagogik sieht Behinderung anders als die Soziologie, die Psychologie oder die Medizin. Diese Sichtweisen unterscheiden sich wiederum von einer sozialrechtlichen. Die Unterschiede führen dazu, dass jede Disziplin ihr eigenes Verständnis von Behinderung hat, sie anders definiert“ (ebd.).

Im SGB IX §2 Abs.1 ist Behinderung wie folgt beschrieben:

„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können“ (§ 2 Abs. 1 SGB IX).

Die UN-Behindertenrechtskonvention definiert Behinderung wie folgt:

„Menschen mit Behinderungen sind Menschen, die körperliche, seelische, geistige oder Sinnesbeeinträchtigungen haben, die sie in Wechselwirkung mit einstellungs- und umweltbedingten Barrieren an der gleichberechtigten Teilhabe an der Gesellschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate hindern können“ (§ 2 Abs. 1 SGB IX).

Dritte Sitzung

Die dritte Sitzung befasst sich nun erstmalig mit der Inklusionsdebatte. Wer sich nicht besonders intensiv mit der Entwicklung der letzten 15 Jahre befasst hat, der meint manchmal: Integration ist der veraltete, rückständige, Defizit-orientierte Begriff für das gemeinsame Leben, Lernen und Arbeiten von Menschen mit und ohne Behinderung und Inklusion sei der neue, moderne, Begriffsnachfolger. Ganz so einfach ist die Sache allerdings nicht. Denn der Erfolg des Begriffs „Inklusion“ hat vor allem damit zu tun, dass sich die zahlreichen Befürworter*innen von Sondereinrichtungen in die Debatte eingeschaltet haben. Das offensichtliche Ziel dieser Strategie: Inklusive Rhetorik verbreiten und Sondereinrichtungen bewahren. Denn eines ist vollkommen klar: Das Reden über Inklusion hat – wenn überhaupt – nur winzige Auswirkungen auf die Wirklichkeit von Sondereinrichtungen. Die sind nämlich nach wie vor gut gefüllt.

Integration und Inklusion

LNH:

Aufgabe 28.04.2021 (Integration und Inklusion): 

Aufgabe: Vergleichen Sie die Begriffe Integration nach George Feuser mit dem Begriff Inklusion nach Andreas Hinz.

Integrationsbegriff nach Georg Feuser 

  • Feuser beeinflusst die integrationspädagogische Debatte seit 1982 nachhaltig (vgl. Lingenauber 2003). 
  • Feuser „definiert Integration u.a. als „Absage“ an die „Aussonderung“ behinderter Menschen und gleichzeitig als eine Kritik an der Theorie und Praxis von Sonderpädagogik und allgemeiner Pädagogik“ (Lingenauber 2003, S. 21).  Integration sollte als Bestandteil Allgemeiner Pädagogik erfasst werden und hierbei das Ziel verfolgen, allen Kindern gleichermaßen Kooperation, Lernen und Förderungen zu ermöglichen (vgl. Lingenauber 2003).  
  • Integration beschreibt den Prozess der gleichberechtigten, gleichwertigen und anerkennungsbasierten Teilhabe aller an Bereichen wie z.B. Bildung. Integration sollte den Alltag der allgemeinen Pädagogik bilden und als solche nicht separiert betrachtet werden, so dass sowohl Kinder mit als auch ohne Behinderung vom (pädagogischen) Miteinander profitieren können (vgl. Feuser 2013).  

Inklusionsbegriff nach Andreas Hinz 

  • Inklusion nach Hinz kann als Optimierung und Erweiterung des Integrationsbegriffes verstanden werden. Er betont, dass Inklusion vor allem allgemeinpädagogisch begründet sei und als solche nicht eigenständig betrachtet werden sollte (vgl. Grummert 2019). 
  • Hinz wendet sich gegen gesellschaftliche Marginalisierung. Er schreibt allen Menschen das gleiche Recht zu und sieht Inklusion damit als Mittel zur Gleichberechtigung aller inmitten der Gesellschaft. Jedes Individuum sollte gleichermaßen das Recht haben, individuell gefördert zu werden und an sozialen Prozessen teilhaben zu können (vgl. Benkert 2016).
  • Die „gute“ Form der Integration denkt, im Vergleich zur schlechten Form, sowohl Kinder mit als auch ohne Behinderung im Schulalltag mit und ermöglicht damit eine gemeinsame Form der Förderung. 

Vergleich 

  • Sowohl Feuser als auch Hinz beschreiben Integration bzw. Inklusion als einen Teil allgemeiner Pädagogik. Sie wenden sich damit von dem Verständnis ab, Integration bzw. Inklusion als eine gesonderte Disziplin der Pädagogik zu verstehen. Beide beschreiben und betonen hierbei die Wichtigkeit einer gemeinsamen Erziehung, Bildung und Unterrichtung behinderter und nicht-behinderter Kinder. Beide sprechen von heterogenen (Lern-)Gruppen, welche allen Kindern gleichermaßen Nutzen und Förderung bringen sollen. Sie sprechen sich gegen gesellschaftliche Marginalisierung und Etikettierung aus und unterstreichen damit das Recht jedes Individuums auf soziale Teilhabe und individuelle Förderung. 

BENKERT, Christine (2016): Was ist Inklusion – aus Sicht verschiedener Disziplinen?

FEUSER, George (2013): Inklusive Bildung – ein pädagogisches Paradoxon.  

GRUMMERT, Marek (2019): Sonderpädagogische Professionalität und Inklusion. Wiesbaden: Springer VS.

LINGENAUBER, Sabine (2003): Integration, Normalität und Behinderung. Eine normalismustheoretische Analyse der Werke von Hans Eberwein und Georg Feuser. Opladen: Leske & Budrich. 

Sonja: Vergleich Integration nach Feuser/ Inklusion nach Hinz

Feuser und Hinz haben zwar ein unterschiedliches Verständnis des Begriffs Integration, haben jedoch ähnliche Vorstellungen bezüglich einer integrativen bzw. inklusiven Schulform.
Sie sehen das Unterrichten von Kindern mit Behinderungen in Förderschulen bzw. mit speziellen Förderprogrammen nicht als angebracht an.  Für sie ist das Schaffen einer heterogenen Gruppe in welcher Kinder gemeinsam Lernen und Spielen wichtig. Sowohl Feuser als auch Hinz sehen individuelle Lernpläne für jedes Kind als Ressource.

Mary Poppins

Vergleiche den Begriff Integration nach George Feuser mit dem Begriff Inklusion nach Andreas Hinz.

Integration nach George Feuser:

  • allgemeine Pädagogik
  • alle Kinder und Schüler kooperieren miteinander auf ihrem Entwicklungsniveau mit dem Ziel Entwicklung zur nächsten Entwicklungsstufe
  • gemeinsame Lebens- und Lernfelder für behinderte und nichtbehinderte Menschen
  • Ziel: Schaffung der Kultur einer inklusiven Gesellschaft → niemand wird ausgegrenzt

Inklusion nach Andreas Hinz:

  • allgemeinpädagogischer Ansatz
  • alle Menschen das gleiche volle Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe
  • jeder Mensch ist selbstverständliches Mitglied der Gemeinschaft
  • uneingeschränkter Zugang zum Bildungsbereich 
  • unbedingte Zugehörigkeit zu allgemeinen Kindergärten und Schulen des soz. Umfeldes
  • Inklusion = Mittel zur Erreichung von Gleichberechtigung in der Gesellschaft

Vergleich:

Feuser und Hinz haben folgende Punkte gemeinsam: Beide sehen den Begriff der Integration und Inklusion als Teil der allgemeinen Pädagogik. Zudem wollen beide keine Absonderung von behinderten und nichtbehinderten Menschen, sondern fordern gemeinsame Bildung und Erziehung mit dem Blick auf individuelle Entwicklungsziele. Hinz verfolgt das Ziel der Erreichung von Gleichberechtigung in der Gesellschaft und Feuser das Ziel der Schaffung einer inklusiven Gesellschaft.

Quellen:

Benkert, Christine (2016): Was ist Inklusion – aus Sicht verschiedener Disziplinen?

Feuser, George (2018): Allgemeine Pädagogik (Integration/ Inklusion). 

Kunert, Kerstin (2009): Unterschiede der Ziele und Forderungen von Integration und Inklusion.

Sonnenblume

Vergleich von Integration- nach Feuser und Inklusion- nach Hinz

Feuser und Hinz haben in etwa gleiche Vorstellungen von Integration und Inklusion. Ihr Anliegen ist es ein gemeinsames Lebens- und Lernfeld aller Menschen (Behinderten und Nichtbehinderten) das gleiche und volle Recht auf individuelle Förderung, Entwicklung und Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen. Erziehung und Bildung sollen für jeden individuell gestaltet werden, abhängig ihrer Stärken und Schwächen. Prinzipien der Wertschätzung und Anerkennung von Vielfalt (Diversität) stehen dabei in Vordergrund. Integration/Inklusion erfordert in Einrichtungen, wie in Kindergärten und Schulen, eine Gestaltung, die sozialen Ausschluss und persönliche Etikettierung verhindert.  

Pflanze25

Aufgabenstellung: Vergleichen Sie die Begriffe „Integration“ nach Georg Feuser mit dem Begriff „Inklusion“ nach Andreas Hinz.

Integration (Feuser):
– Beschreibt Integration als „Absage der Aussonderung“ der Menschen mit besonderem Förderbedarf und kritisiert die Sonderpädagogik
– Integration sollte für ihn Teil der allgemeinen Pädagogik sein
– Alle Kinder arbeiten am gleichen Ziel, aber mit unterschiedlichen Aufgaben, die an ihre Kompetenzen angepasst sind

Inklusion (Hinz):
– Hinz versteht die Inklusion als Erweiterung und Verbesserung der Integration
– Alle Menschen haben die gleichen Rechte und Hinz sieht somit die Inklusion als notwendiges Mittel zur Gleichberechtigung aller Menschen
– Unterscheidet die „gute“ von der „schlechten“ Integration. Eine gemeinsame Förderung ohne Förderschulen ist nur bei einer guten Integration individualisiertem Unterricht möglich -> Zugang zu allgemeinen Schulen

Gemeinsamkeiten:
– Ähnliches Verständnis einer gemeinsamen Schulform für alle Kinder
– Förderschulen sehen Feuser und Hinz als nicht zeitgemäß
– Heterogene Gruppen erwünscht
– Individualisierter Unterricht
– Diversity

 Vergleich der Begriffe Integration nach George Feuser / Inklusion nach Andreas Hinz.Feuser definiert die Integration als „Absage der Aussonderung“ von behinderten Menschen (Kindern und Schüler_innen). Er fordert die Erschaffung einer inklusiven Gesellschaft um so allen Kindern bzw. Schüler_innen die selben Chancen von Kooperation, Lernen und Förderungen zu ermöglichen.
Hinz beschreibt die Inklusion als eine Verbessrung der Integration. Er beschreibt die Inklusion als ein Mittel allen Menschen die selben Rechte auf individuelle Entwicklungen und soziale Teilhabe zu ermöglichen um so ein gleichgestelltes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Vergleich: Sowohl Feuser als auch Hinz verfolgen das Ziel, Menschen mit oder ohne Behinderung die selben Rechte, Förderungen und Chancen in der Gesellschaft zu ermöglichen. Sie fordern beide eine gemeinsame Schulform für die Kinder und sehen Förderschulen als nicht zeitgemäß. Diversity soll hierbei im Vordergrund stehen, welche den bewussten Umgang mit Vielfalt in der Gesellschaft beschreiben soll um so jedem Individuum Anerkennung und Wettschätzung zu geben. Ziel ist es keine Aussonderungen durch die Förderschulen zu erschaffen. 
Quelle: Benkert, Christine (2016): Was ist Inklusion – aus Sicht verschiedener Disziplinen?            Feuser, George (2018): Allgemeine Pädagogik (Integration/ Inklusion). 

Ze99:

Feuser definiert die Integration als „Absage der Aussonderung“ von behinderten Menschen (Kindern und Schüler_innen). Er fordert die Erschaffung einer inklusiven Gesellschaft um so allen Kindern bzw. Schüler_innen die selben Chancen von Kooperation, Lernen und Förderungen zu ermöglichen.
Hinz beschreibt die Inklusion als eine Verbessrung der Integration. Er beschreibt die Inklusion als ein Mittel allen Menschen die selben Rechte auf individuelle Entwicklungen und soziale Teilhabe zu ermöglichen um so ein gleichgestelltes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Vergleich: Sowohl Feuser als auch Hinz verfolgen das Ziel, Menschen mit oder ohne Behinderung die selben Rechte, Förderungen und Chancen in der Gesellschaft zu ermöglichen. Sie fordern beide eine gemeinsame Schulform für die Kinder und sehen Förderschulen als nicht zeitgemäß. Diversity soll hierbei im Vordergrund stehen, welche den bewussten Umgang mit Vielfalt in der Gesellschaft beschreiben soll um so jedem Individuum Anerkennung und Wettschätzung zu geben. Ziel ist es keine Aussonderungen durch die Förderschulen zu erschaffen. 
Quelle: Benkert, Christine (2016): Was ist Inklusion – aus Sicht verschiedener Disziplinen?            Feuser, George (2018): Allgemeine Pädagogik (Integration/ Inklusion). 

JC99: Integrationsbegriff nach Georg Feuser

  • Gemeinsames Lebens- und Lernumfeld für alle Kinder (keine Sondereinrichtungen bei Kindergärten oder Schulen)
  • Keine „Etikettierung“ als „behindert“  Ziel ist eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung
  • Sollte Bestandteil der allgemeinen Pädagogik sein

Inklusionsbegriff nach Andreas Hinz

  • Inklusion als Erweiterung von Integration (beides Teil der allgemeinen Pädagogik)
  • Alle Menschen sind gleichwertig und sollen so auch gleichberechtigt Teil der Gesellschaft sein
  • Gute Schulbildung/ Schulsystem muss für alle die gleichen Chancen ermöglichen
  • alle Menschen das gleiche Recht auf Entwicklung und soziale Teilhabe mit ihren Individuellen Bedürfnissen

Vergleich

Beide haben ein ähnliches Verständnis von Integration bzw. Inklusion. Sie wollen das Kindergärten und Bildungseinrichtungen so gestaltet sind, dass sie für alle Kinder und Jugendliche ein gutes und effektives Lernklima bieten. Dazu Bedarf es individualisierte Unterrichtskonzepte, aber keine Exklusion in gesonderte Einrichtungen.

Quellen

FEUSER, George (2018): Allgemeine Pädagogik. Thesen zur Integration – Inklusion

BENKERT, Christine (2016): Was ist Inklusion – aus Sicht verschiedener Disziplinen?

Popele

Vergleich der Begriffe Inklusion nach Andreas Hinz und Integration nach Georg Feuser:

Feuser und Hinz beschreiben ihre Begriffe der Integration und Inklusion sehr ähnlich. Beide sehen Integration/Inklusion als Teil der allgemeinen Pädagogik. Sie wollen den Unterricht an Förderschulen, abdanken, da sie diese als nicht zeitgemäß empfinden. Eine Absonderung von Menschen mit Behinderung soll es durch diese Schulform nicht mehr geben. Stattdessen sollen alle Kinder in heterogenen Gruppen zusammen lernen und spielen. In einer gemeinsamen Schulform bekommt jedes Kind die Möglichkeit auf eine individuelle Förderung. Das Recht auf soziale Teilhabe und Wertschätzung in der Gesellschaft spielt für Hinz und auch für Feuser eine tragende Rolle.

Biene:

Integration Feuser:

  • Integration soll Teil allgemeiner Pädagogik sein
  • Er fordert eine gemeinsame Lernumgebung für alle Kinder
  • Abschaffung der Etikettierung „Behindert“
  • Sein Ziel ist eine Gesellschaft ohne Ausgrenzung

Inklusion Hinz:

  • Inklusion wird als Erweiterung von Integration gesehen
  • beides ist Teil der allgemeinen Pädagogik)
  • Unterscheidet in gute und schlechte Intergration
    • Gute Form der Integration muss für alle die gleichen Chancen ermöglichen
  • Inklusion als notwendiges Mittel zur Gleichberechtigung

Feuser und Hinz haben ähnliche Vorstellungen von Integration bzw. Inklusion. Beide haben das Anliegen, ein gemeinsames Lebens- und Lernfeld für alle Menschen zu ermöglichen, ungeachtet von Behinderungen. Dies schließt das gleiche Recht auf individuelle Förderung, Entwickelung und Teilhabe mit ein. Um dies zu ermöglichen, bedarf es nach Feuser und Hinz individualisierte Unterrichtskonzepte. Beide fordern eine gemeinsame Schulform für die Kinder und sehen Förderschulen als nicht mehr zeitgemäß an.

Quellen:

FEUSER, George (2018): Allgemeine Pädagogik. Thesen zur Integration – Inklusion

BENKERT, Christine (2016): Was ist Inklusion – aus Sicht verschiedener Disziplinen?

helmobil:

Aufgabe: Hypothesen , Warum hegen Integrations- / Inklusionspädagogendie die Hoffnung eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern könne Abhilfe bei der Stigmatisierung schaffen?

→ Kinder lernen offen mit ‚Verschiedenheiten‘ umzugehen

→ so bauen sich gar nicht erst Vorurteile auf / Vorurteile können behoben werden

→ Potentiale können entfaltet werden

→ Mehr soziale Gerechtigkeit und mehr Verständnis zwischen behinderten und nicht-behinderten Menschen

→ Kinder mit einer Behinderung können etwas von ihren Mitschülern lernen

→ Aufklärung über diverse Behinderungen bei nicht-behinderten Menschen, ein miteinander lernen und leben vereinfacht die bloße Theorie

→ Langfristig ist das Inklusionsschulmodell kostengünstiger, da man nicht mehr so viele verschiedene Schulen benötigt

→ etc.

Anka13: Integrationsbegriff nach George Feuser

  • Integration wird als ein Prozess verstanden.
  • Der Begriff „Integration“ bedeutet, die Forderung, dass die Erziehungs- und Bildungsbedürfnisse, wie die „spezifischen Förderbedarfe“ aller behindert bzw. nichtbehindert geltenden Schüler in gemeinsamen, Entwicklung induzierenden Lernprozessen in einer Schule befriedigt werden sollen. 
  • Auch bedeutet der Begriff, dass es ein demokratisches und humanes Schulsystem bzw. Erziehungs-, Bildungs- und Unterrichtssystem ohne hierarchische Strukturen geben soll. 
  • Die Erziehung und der Unterricht sollen in heterogenen Gruppen stattfinden. Heterogenität bedeutet hier: Verschiedene Entwicklungs- und Lernniveaus, verschiedene Kulturen, verschiedene Sprachen etc. 
  • Die absolute gleichberechtigte Teilhabe alle Menschen in der Gesellschaft an kulturellen Erbe und der sozialen Gemeinschaft. 

(vgl. FEUSER, George (1989,1995) Von der Integration zur Inclusion. „Allgemeine (integrative) Pädagogik und Fragen der Lehrerbildung. PDF-Datei)

Inklusionsbegriff nach Andreas Hinz: 

  • Inklusion wird als ein allgemeinpädagogischer Ansatz definiert. Die Bürgerrechte dienen dabei als Grundlage. 
  • Inklusion wendet sich gegen jede Art von Marginalisierung.
  • Inklusion bedeutet, dass alle Menschen das gleiche Recht auf individuelle Entwicklung und soziale Teilhabe besitzen. Unabhängig von ihrem Entwicklungsstand. 
  • Inklusion bedeutet die individuellen Bedürfnisse wahrzunehmen und anzuerkennen.

(vgl. Handlexikon der Behindertenpädagogik, 2006)

Vierte Sitzung

In der vierten Sitzung soll es um zwei klassische Theorieschulen gehen, die erklären, warum Menschen mit Behinderungen in unser Gesellschaft oft einen schweren Stand haben. Das sind alte Bücher, aber bei diesen Ansätzen handelt es sich nach wie vor wichtige Bezugstheorien für Integrationspädagogik und Inklusionspädagogik. Und zumindest Goffmans Stigma liest sich auch 60 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung ziemlich aktuell. Denn erstens kann man die Beobachtungen, die Goffman gemacht hat, nach wie vor auch noch heute machen – das Reden über Inklusion ist hier offenbar weitgehend wirkungslos. Und zweitens überzeugen seine Erklärungen noch immer im Alltag.

Etikettierung und Stigmatisierung von Menschen mit Behinderungen

Tab 60: Symbolischer Interaktionismus
Die Rezeption des Symbolischen Interaktionismus beginnt in der BRD in den 70er Jahren, also in einer Phase, in der marxistische Positionen in ihrer Bedeutung abnehmen.
Wichtige Vertreter sind Herbert Blumer und Erving Goffman. Viele Autor/*innen des S.I. berufen sich zudem auf George Herbert Mead.
Der S.I. spielt in der Sozialen Arbeit bzw. in behindertenpädagogischen Disziplinen eine wichtige Rolle für das Verständnis und die Kritik von Sondereinrichtungen bzw. er hat einige Bedeutung in der frühen Psychiatriekritik.
Der S.I. wird u.a. auch deshalb zur wichtigen Bezugstheorie der neu entstehenden Integrationspädagogik, weil man glaubt, durch einen frühen und positiv besetzten Kontakt Stigmatisierungsvorgänge vermeiden zu können. 
Der S.I. hat vor allem in den 70er und 80er Jahren einigen Einfluss auf die wissenschaftliche Diskussion und Forschung genommen. Heute ist der Einfluss nur noch gering. 
Tabelle 61 Positionen von George Herbert Mead: Geist, Identität und Gesellschaft (zuerst englisch 1934)
Mead untersucht u.a. Interaktion und Verstehen unter Menschen.Bekannt geworden ist Geist, Identität und Gesellschaft vor allem durch seine Thesen zur Identität und zum Fremdverstehen. Grundgedanke ist die Überlegung, dass Identität entsteht, indem man sich aus der Perspektive anderer wahrnimmt. Diesen Mechanismus nennt Mead „role-taking“, ein Konzept, das später von Piaget und Nachfolgern wieder aufgegriffen wird und in heutigen Zusamenhängen unter dem Bergriff theory of mind diskutiert wird. Role-Tanking funktioniert bei Mead nicht nur in Bezug auf konkrete andere. Sondern Menschen können sich selbst auch aus der Perspektive von sozialen Gruppen wahrnehmen oder noch allgemeiner aus der Perspektive des „Verallgemeinerten anderen“. Identität umfasst dabei einerseits die tatsächlich gesprochenen Worte und Emotionen (Mead bezeichnet diesen Teil der Identität als „I“) und andererseits die organsierte Gruppe anderer (Mead prägt hierfür den Begriff „me“).
Tab 62: Blumer, Der methodologische Standort des S. I.
drei Prämissen:1. Menschen handeln Dingen gegenüber auf der Grundlage von Bedeutungen, die diese Dinge für sie besitzen2. Die Bedeutung der Dinge geht aus sozialer Interaktion hervor.3. Bedeutungen ergeben sich für eine Person durch die Art und Weise, in der andere Menschen ihr gegenüber in Bezug auf dieses Ding handeln. Bedeutungen sind also soziale Produkte.
Tab 4: Identität & Stigma nach Goffman (1962)
virtuale soziale Identität als das, was andere von uns erwarten aktuale soziale Identität als das, was wir wirklich sind Stigmatisierung als Diskrepanz zwischen aktualer & virtualer sozialer Identität (bei diskreditierenden Erwartungen anderer) 3 Arten von Stigmata: Abscheulichkeiten des Körpers, individuelle Charakterfehler, phylogenetische Stigmata (Rasse, Nation, Religion) 
Tab 5: Auswirkungen des Stigmas auf die Interaktion nach Goffman (1962)
Stimatisierte:
unsicher, weil sie spüren, dass das Stigma wahrgenommen wird 
Gefühl nicht zu wissen, was andere denken defensives Sichverkriechen oder feindselige Kontakte 
Normale:
Antizipation der Probleme 
so tun, als gebe es das Stigma nicht
so tun, als sei der Stigmatisierte ein Niemand 
Tab 59: Howard S. Becker (1963)
Abweichendes Verhalten setzt Regeln voraus, deren Verletzung abweichendes Verhalten konstituiert.
Diese Regeln werden durchgesetzt, wenn die Durchsetzer darin einen Vorteil sehen.
Die Durchsetzung/ das Aufzwingen von diesen Regeln basiert auf Macht und Stellung.Etikettierung umfasst als Prozess
einen Verstoß gegen eine Regel
die (öffentliche) Definition dieses Regelverstoßes als abweichendes Verhalten
die Chancenreduzierung des Etikettierten
die Übernahme der Fremddefinition
als Folge: eine deviante Karriere

Sonja: Mögliche Gründe, warum Integrations-/ Inklusionspädagogen die Hoffnung haben, dass eine gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung dazu führt, dass Stigmatiserung abnimmt:

– Mögliche stigmatisierende Ansichten die Kinder ohne Behinderung von Kindern mit Behinderung haben können wohlmöglich durch den Kontakt widerlegt werden.

– Durch die gemeinsame Erziehung lernen die Kinder ohne Behinderung die Kinder mit Behinderung besser kennen. Damit rücken sie als Individuen und ihr tatsächlicher Charakter in den Vordergrund – nicht ihre Behinderung. Dies führt dann dazu, dass auch andere Kinder nichtmehr lediglich als behindert wahrgenommen werden, sondern als Individuum.

Sonnenblume Aufgabe: Hypothesen entwickeln, warum Integrationspädagogen*innen und Inklusionspädagogen*innen Hoffnung hegen, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nichtbehinderten Kindern dazu führen könnte das Stigmatisierungen abnehmen. 

  • Gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern vermeiden Stigmatisierung durch eine „Integrative Pädagogik“. Dies führt zur Normalisierung und zur sozialen Inklusion. ALLE Kinder nehmen an alle Aktivitäten und Angeboten teil. 
  • Behinderte Kinder in Integrativen Einrichtungen erhalten einen Schutz vor sozialer Ausgrenzung, fördert sowohl die Weiterentwicklung von behinderten wie auch von nichtbehinderten Kindern. Normalität tritt ein.
  • Gute Beziehungen zwischen behinderten und nichtbehinderten Kindern lassen sich durch pädagogische Unterstützung und gute Organisation erzielen. 
  • Kontakte unter behinderten und nichtbehinderten Kindern wird zur Normalität, jedes Kind ist individuell. Es gibt keine Ausgrenzung. Jeder wird so akzeptiert wie er ist. 

– Durch die gemeinsame Erziehung lernen die Kinder ohne Behinderung die Kinder mit Behinderung besser kennen. Damit rücken sie als Individuen und ihr tatsächlicher Charakter in den Vordergrund – nicht ihre Behinderung. Dies führt dann dazu, dass auch andere Kinder nichtmehr lediglich als behindert wahrgenommen werden, sondern als Individuum.

LNH: Aufgabe 05.05.2021 (Gemeinsame Erziehung behinderter und nicht-behinderter Kinder): 

Aufgabe: Überlegen Sie sich, warum Integrationspädagog*Innen/Inklusionspädagog*Innen die Hoffnung hegen, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern dazu führen kann, dass Stigmatisierungen abnehmen. 

  • Integrationspädagog*Innen und Inklusionspädagog*Innen könnten die Hoffnung hegen, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern zur Reduktion von Stigmatisierungen führen kann, da eine gemeinsame Erziehung und Entwicklung das Entstehen möglicher negativer Erwartungen hemmen könnte und so der Entstehung von Vorurteilen/Berührungsängsten etc. entgegenwirken würde. 
  • Integrationspädagog*Innen und Inklusionspädagog*Innen könnten die Hoffnung hegen, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern zur Reduktion von Stigmatisierungen führen kann, da die frühzeitige Auseinandersetzung mit Beeinträchtigungen bzw. der Kontakt zwischen behinderten und nicht behinderten Kindern dazu führen könnte, dass Unterschiedlichkeiten zwischen den Individuen als etwas vollkommen Normales wahrgenommen würden. Diversität würde Teil der Normalität. 
  • Integrationspädagog*Innen und Inklusionspädagog*Innen könnten die Hoffnung hegen, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern zur Reduktion von Stigmatisierungen führen kann, da sich diese durch den Kontakt und die Interaktionen als gleichberechtigte Gruppe wahrnehmen würden. Innerhalb dieser würden Kinder lernen, mit- und voneinander zu lernen. 
  • Integrationspädagog*Innen und Inklusionspädagog*Innen könnten die Hoffnung hegen, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern zur Reduktion von Stigmatisierungen führen kann, da durch eine gemeinsame Erziehung Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft und Respekt gefördert und gestärkt werden würde. 

JC99: Aufgabe Hypothesen entwickeln, warum Inklusionspädagogen*innen die Hoffnung haben, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern dazu führen könnte, dass Stigmatisierungen abnehmen. 

  • Wenn Kinder von Anfang an gemeinsam aufwachsen (z.B. alle Kindergärten inklusiv wären), wäre Behinderung für die Kinder nichts (mehr) unbekanntes und fremdes. 
  • Sie lernen Vielfalt kennen (alle Menschen sind verschieden und haben unterschiedliche Bedürfnisse, aber alle sind gleich in ihrer wertig als Individuum)
  • Sie könnten früh voneinander lernen und schnell merken, dass die Persönlichkeit eines Menschen im Vordergrund stehen sollte
  • das frühe und durchgehende gemeinsame Erziehen könnte so (falsche) Vorurteile und (Berührungs-) Ängste abbauen (oder gar nicht erst entstehen lassen)
  • Dadurch würde ein „Schubladen denken“ verhindert werden können und Stigmatisierung würde abnehmen.

Ze99: Durch die gemeinsame Erziehung der behinderten und nicht behinderten Kindern, tritt eine Normalität ein. Die behinderten Kinder bekommen so die Möglichkeit, an den selben Aktivitäten wie die nicht Behinderten Kinder teilzunehmen. Zudem entsteht keine Kontaktscheue der Kinder, da sie es gewohnt sind untereinander zu spielen und voneinander zu lernen und sie die Diversität somit als etwas normales empfinden. Durch eine Integration / Inklusion wirkt man einer Separation von behinderten und nicht behinderten Kindern entgegen um so jedem Kind die Möglichkeit einer Individuellen Entwicklung im selben Rahmen zu bieten. Außerdem könnte dies bewirken, dass die Kinder weniger auf Äußerlichkeiten achten, sondern ihren Fokus mehr auf den Menschen und seinen Charakter legen. 

Bena99: Gemeinsame Erziehung würde bewirken, dass die Kinder ohne Einschränkungen, die anderen Kinder besser kennenlernen und mit dem Thema ,,Behinderung“ in Kontakt treten. Durch das gemeinsame aufwachsen kann eine gegenseitige Akzeptanz angebahnt werden – besonders von nicht behinderten Kindern zu den behinderten Kindern. Jeder Mensch ist ein Individuum und sollte nicht auf seine Äußerlichkeiten oder Schwächen reduziert werden. Wichtig hierbei ist jedoch die wichtige pädagogische Organisation und Unterstützung.

Pflanze25 Aufgabe: Entwickeln Sie Hypothesen, warum Integrationspädagog*innen und Inklusionspädagog*innen Hoffnungen hegen, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht-behinderten Kindern dazu führen könnte, dass Stigmatisierungen abnehmen.

– Vorurteile durch täglichen Umgang gemindert, höhere Auseinandersetzungen mit den Besonderheiten der behinderten Kindern
– Gleichberechtigung, mehr Kinder hätten die Chance auf gute Bildung und einen guten Abschluss
– Kinder lernen Diversion kennen, alle gleich, obwohl jeder anders ist -> optimale Bedingung für Erwachsenenalter 
– Kinder haben meist generell weniger Vorurteile als Erwachsene -> Eltern könnten sich ihren Kindern anpassen, bzw. Können Kinder ihre Ansichten an andere weitergeben
– behinderte Kinder lernen nicht-behinderte Kinder kennen, sodass sie nicht nur „unter sich“ sind.

Mary Poppins

Warum hegen Integrations-/ Inklusionspädagogen die Hoffnung, dass eine gemeinsame Erziehung von behinderten und nicht behinderten Kindern dazu führen könnte, dass Stigmatisierungen abnehmen?

  • Durch eine gemeinsame Erziehung ist es möglich die Vielseitigkeit und Unterschiedlichkeit von Individuen kennenzulernen, zu akzeptieren und lernen damit umzugehen.
  • Mithilfe von gemeinsamer Erziehung können Erzieher die Kinder dazu anleiten sich in andere hineinzuversetzen und ihre Perspektive zu wechseln. Dadurch können die Kinder Empathie erlernen und ein Gefühl für Diskriminierung entwickeln.
  • Durch eine gemeinsame Erziehung kann sich eine Selbstverständlichkeit der Vielfalt entwickeln.
  • Mithilfe von gemeinsamer Erziehung lernen Kinder, dass behinderte und nicht behinderte gleichwertige Individuen sind und und alle ein Teil der Gesellschaft sind.
  • Eine gemeinsame Erziehung von Kindern mit und ohne Behinderung kann aufzeigen, dass es kein „Normalsein“ gibt, sondern die Vielfalt existiert.

Fünfte Sitzung

In der fünften Sitzung beginnt nun der zweite Teil des Seminars. Das Seminar stellt – dem Lebensalter folgend – Institutionen vor, in denen Menschen mit Behinderung leben, lernen und arbeiten.

Den Anfang machen die Kindertagesstätten. Hier liegen in Sachen Inklusion besondere Verhältnisse vor. Denn anders als in anderen Bereichen, ist es keineswegs selten, dass Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam die Kindertagesstätten der Nachbarschaft besuchen. Dass das gemeinsame Lernen hier möglich ist, ist schon seit einigen Jahren fast Konsens in der einschlägigen Forschung. Die einschlägigen didaktischen Konzepte sind weitgehend kompatibel mit den Forderungen aus Integrations- und Inklusionspädagogik. Und die Einwände der Eltern nicht behinderter Kinder wurden hier nicht allzu deutlich formuliert.

Kinder mit und ohne Behinderungen spielen, lernen und arbeiten in der Kita

Tab 9: Didaktische Konzepte der Elementarpädagogik mit Bedeutung für integrativen Kitas laut Herm 2008 (zitiert nach Kreuzer 2008)
(1) Montessori-Pädagogik
Respekt gegenüber dem Selbstbildungsprozess des Kindes 
sensible Perioden (2-4 Jahre: Verfeinerung der Sinne) 
Aufgabe des Erziehers: die Kinder aufmerksam zu beobachten und ihnen bei Bedarf Hilfestellungen zu geben. Kritik an Montessoripädagogik: Übungscharakter mit den didaktischen Materialien, die Vernachlässigung des freien Spiels, der freien Bewegungsaktivitäten und der kindlichen Fantasie  

(2) Reggiopädagogik (Loris Malaguzzi)Prinzip der Gemeinschaftlichkeit und gesellschaftspolitischen Orientierung “Pädagogik des Werdens“ (Dreier 1993, 57) 
Fünf Grundsätze der Reggio-Pädagogik laut Dreier (1993, 130): Das Bild vom Kind als kompetentes, aktives und kreatives Wesen, mit einem angeborenen Forscherdrang  /  Ein ganzheitliches Verständnis von Entwicklung /  Erzieherinnen als  Begleiter der Kinder auf ihrem Weg des Forschens und Lernens / Die partnerschaftliche Einbeziehung der Eltern (Eltern werden als Experten ihrer Kinder) Fünftens: Die Arbeit in den Krippen und Kindergärten als Teil des sozialen und kulturellen Lebens des Gemeinwesens . 
Zentrale Elemente des pädagogischen Konzepts : Projektarbeit (Projekte entwickeln sich vorwiegend aus Spielhandlungen, Gesprächen oder aus Beobachtungen der Kinder. Sie werden zwar von den Erwachsenen durch Impulse erweitert oder akzentuiert, jedoch nicht gesteuert) / die Dokumentation (Handlungsprozesse und Kompetenzzuwächse aller Kinder werden auf vielfältige Weise dokumentiert, z. B.: „sprechenden Wände“, mit Kinderarbeiten, Fotos, Kinderäußerungen und Kurzkommentaren der Erzieherinnen) / der Raum als „dritter Erzieher“ soll Geborgenheit und eine Atmosphäre des Wohlfühlens vermitteln, aber auch zu zum Aktiv-Werden initiieren (charakteristisch:Spiegel, Verkleidezonen, Schattentheater, Projektoren und Leuchttische sowie Werkstätten und Ateliers, in denen Kinder selbsttätig aktiv werden).  

(3) Situationsansatz
Ziele laut Zimmer (1985): die Orientierung des Lernens an Lebenssituationen von Kindern, die Verbindung von sozialem und sachbezogenem Lernen, die Einrichtung altersgemischter Gruppen, die pädagogische Mitwirkung von Eltern und anderen Erwachsenen, ein dialogisches Verhältnis von Lehrenden und Lernenden,  die gemeinwesenorientierte Arbeit und die offene Planung und die Ausgestaltung des Kindergartens als Lebensraum Projektarbeit („Lernen in Zusammenhängen“) und der Begriff „Schlüsselsituation“ stehen im Zentrum (Schlüsselsituationen als Situationen aus der Erlebnis- und Erfahrungswelt, die für Kinder bedeutsam sind /  Projektthemen sollen, auf Schlüsselsituationen gründend, gemeinsam mit den Kindern ausgesucht und geplant werden). 
Soziales Lernen als zentraler Bezugspunkt des Lernens & Abgrenzung gegen instrumentelles und von sozialen Bezügen isoliertes Lernen abgrenzen.
Kritik Schäfer (2004): Schlüsselthemen für die Lebenswirklichkeit von Kindern nicht wirklich aus Nachfragen und Beobachtungen bei den einzelnen Kindern, sondern eher aus Expertenaussagen über „heutige Kindheit“ – also aus Erwachsenensicht – zustande. 

LNH:

Aufgabe: Planen Sie eine Woche in einer Kindertageseinrichtung zum Thema „Mama bekommt ein Baby“. Beziehen Sie sich dabei auf zwei der drei Ansätze. 

  • Grundlage: Die Projektwoche zum Thema „Mama bekommt ein Baby“ orientiert sich vorwiegend an der Reggiopädagogik sowie am Situationsansatz. Die Idee der Projektarbeit entwickelt sich aus Beobachtungen und Gesprächen mit den Kindern der Gruppe. Schlüsselsituationen aus den Erlebnis- und Erfahrungswelten der Kinder bilden den Kern der Projektarbeit. Im Folgenden stellt die Schwangerschaft bzw. die Neuzuwachse einiger Familien der Gruppe eine solche „Schlüsselsituation“ dar, welche die Kinder vor neue Erfahrungen und Erlebnisse stellt. Die Projektwoche soll der Vor- und Aufarbeitung des Themas gewidmet sein, welche über die familiäre Situation hinaus geht und somit familiäre und institutionelle Arbeiten verknüpft (der Begriff der „Schlüsselsituationen“ als Teil des Situationsansatzes). Inmitten der Projektwoche sollen die Kinder der Gruppe selbstständig aktiv werden und vielfältige Möglichkeiten erhalten, sich mit der Thematik zu befassen. Zur Dokumentation des Projektes werden „sprechende Wände“ gestaltet, welche inmitten der Woche die Handlungsprozesse sowie die Kompetenzzuwächse aufzeigen („sprechende Wände“ als Teil der Reggiopädagogik). 
  • Einführung: Zu Beginn der Woche wird zunächst mit einem Sitzkreis gestartet. So soll ein guter Einstieg gewährleistet und die Möglichkeit gegeben werden, sich kindgerecht auszutauschen. Aufgrund der vielfältigen Schwangerschaften und der zusätzlichen Geburt eines Geschwisterkindes am Wochenende, wird das Gespräch vermutlich automatisch auf die Thematik „Mama bekommt ein Baby“ fallen. (Auch im weiteren Verlauf der Woche, werden die Tage mit Morgenkreisen gestartet.) 
  • Kindgerechte Aufklärungsarbeit: Im Weiteren erfolgt eine Bilderbuchbetrachtung. Diese soll der kindgerechten Vermittlung und Aufklärung dienen und die Kinder so näher an das Thema Schwangerschaft heranführen. Hierfür gibt es eine Reihe von Büchern, welche sich alters- und kindgerecht mit der Thematik befassen (Bspw. „Hallo Baby, wann kommst du?“ von Lydia Hauenschild oder „Unser Baby“ von Angela Weinhold). Im Anschluss wird das Buch in der Bücherkiste der Gruppe deponiert, sodass sich die Kinder dieses, bei Bedarf / Interesse, erneut ansehen können. 
  • Angebote: Auch sollen innerhalb der Projektwoche gezielte Angebote durchgeführt und thematische Impulse gesetzt werden, welche die Kinder auf unterschiedliche Weisen abholen und so das Thema vielfältig bearbeiten, z.B. durch: 
    • Kreativangebote, z.B. thematische Ausmalbilder, etc.
    • Verkleidezonen bzw. Rollenspielraum, z.B.  Rollenspiele (Mutter-Vater-Kind), Einsatz thematisch passender Materialien (z.B. Babyflasche, Maxi-Cosis, Kinderwagen, etc.), etc. 
    • Bewegungsbaustellen, z.B. Beweglichkeit mit „schwangerem“ Bauch testen, etc.

Diese werden den Interessen der Kinder angepasst und können freiwillig von ihnen genutzt werden. 

  • Eltern-Kind-Angebote: Ziel ist außerdem, die pädagogische Mitwirkung der Eltern. Aufgrund dessen steht ein Nachmittag der Woche unter dem Motto „Eltern-Kind-Aktion“. Hier wird eine Aktion angeboten, welcher der Auseinandersetzung der Mütter und derer Kinder gewidmet sein soll. Etwa durch das Anmalen des Schwangerschaftsbauches der Mutter mit Fingerfarbe könnten weitere Erfahrungen geschaffen werden, welche die Kinder mit ihren Müttern sowie dem ungeborenen Geschwisterkind in Verbindung bringen können. 

Sonja: Wochenplanung einer KITA-Gruppe mit dem Thema: „Mama bekommt ein Baby“ nach Montessori- und Reggio Pädagogik

(altersgemischte Gruppe, ein Mädchen mit Down Syndrom, welches kognitiv etwas unterentwickelt ist) 

MO:
 Die Kinder machen ein Brainstorming und sammeln Ideen dazu, was die Aufgaben eines Geschwisterkinds sind. Hierzu können sie von den Erziehern gestellte Piktogramme aussuchen und an eine Wand hängen. Die Erzieher halten sich im Hintergrund, doch ermutigen auch ruhige Kinder Ideen zu äußern Die Wand bleibt die Woche lang bestehen.

DI:
 Es kommen Eltern der Kindergartenkinder, welche schwanger sind/ ein Neugeborenes haben in die KITA. Die Kinder können den Eltern, dann jegliche Fragen zum Thema Schwangerschaft, Geburt, Leben mit einem Neugeborenen usw. stellen.

MI:
 Die Kinder werden in kleinere, heterogene Gruppen aufgeteilt. Dort können sie (wenn nötig mit Hilfe der Erzieher) verschiedene Rollen innerhalb einer Familie verteilen/ einnehmen. Sie überlegen sich dann Szenen aus dem Alltag einer Familie mit schwangerer Frau oder auch Neugeborenen. Je nach kognitiven Stand der Kinder, können sie Rollen übernehmen die mehr oder weniger sagen (Bsp.: Mutter redet ggf. viel, Neugeborenes gar nicht).

DO:
 Die Kinder spielen den anderen Kinder ihre, am Vortag überlegten, Szenen vor.

FR:
 Die Kindergartengruppe geht in ein Theaterstück im örtlichen Theater, welches sich ebenfalls mit dem Thema Familienzuwachs beschäftigt. Nach dem sie zurück in der KITA sind können die Kinder sammeln was sie in der Woche gelernt haben.  

Sonnenblume5. Aufgabe: Planen Sie eine Woche in einer Kindertageseinrichtung zum Thema „Mama bekommt ein Baby“. Beziehen Sie sich dabei auf zwei der drei Ansätze.

Montag: 

Zum Einstieg in den Tag beginnt die Kindergartengruppe mit einem Morgenkreis, die Kinder sitzen alle auf einem Sitzkissen im Kreis und tauschen sich aus. Der Einstieg ins Thema (Mama bekommt ein Baby) ist so einfacher. Die Erzieher*innen fragen nun die Kinder, wer schon alles ein Geschwisterchen hat. Daraufhin können die Kinder ohne Geschwister Dinge nachfragen. 

Dienstag:

Der Morgenkreis wird wiederholt. Zum heutigen Einstieg in den Tag wird eine Bilderbuchgeschichte erzählt. Die Kinder haben am Ende der Geschichte Zeit zu überlegen, wie diese hätte weiter gehen können. So ist es einfacher den Kindern Dinge zu erklären/veranschaulichen.   

Mittwoch: 

Wie auch schon die Tage zuvor, wird der Morgenkreis wiederholt. Die Kinder haben die Möglichkeit sich über die letzten zwei Tagen auszutauschen. Sie können erzählen, was sie besonders gut fanden und worüber sie noch mehr erfahren wollen. Anhand der „sprechenden Wände“ sollen die Kinder Ihre kreative Art nutzen und aus Naturgegenständen „ihre“ Familie oder eine Situation nachbauen. Am nächsten Tag können die Kinder es dann vorstellen.

Donnerstag:

Im heutigem Morgenkreis präsentiert jedes Kind seine eigene Familie oder Situation aus den Naturgegenständen. Die anderen Kinder hören aufmerksam zu und tauschen sich aus. 

Freitag:

Zum Abschluss der Woche sind nochmal die Mütter mitgekommen, die gerade schwanger sind oder ein Neugeborenes haben. Somit haben alle Kinder nochmal die Chance ihre letzten Fragen zu stellen.  

Palme24 – „Mama bekommt ein Baby“ – Eine Themenwoche in der KITA mit zwei Erziehunspädagogischen Ansätzen: 

Montag: 
In einem Sitzkreis können alle Kinder etwas zu der Thematik „Mama bekommt ein Baby“ sagen. Anschließend kann jedes Kind ein Bild von einem Baby malen. 

Dienstag: 
Am Dienstag soll sich mit der Entwicklung eines Embryos befasst werden. Dazu wird ein Ultraschallbild mitgebracht und den Kindern erklärt, wie lange sich ein Kind im Bauch der Mutter befindet. Ebenso werden die Entwicklungsstadien bildlich aufgezeigt. 

Mittwoch: 
Zur Unterstützung der Phantasie werden Objekte mitgebracht die sich mit dem Thema Baby befassen z.B. Maxi-Kosi,  Kinderwagen, Babypuppe, Schnuller etc.
Die Kinder sollen dabei ihre Assoziationen zu den Objekten beschreiben. 
Anschließend können sie mit den Objekten spielen. 

Donnerstag: 
Die Kinder werden in gleich großen Gruppen eingeteilt und werden begleitend bei Rollenspielen unterstützt. Dazu sollen sich die Kinder in die Rollen der Mutter, des Vaters oder eines Geschwisterkindes hineinversetzen. Zusätzlich sollen sich die Kinder selbst in der Situation mit einem Geschwisterkind wiederfinden. 

Freitag: 
Am letzten Tag der Projektwoche kommen die Eltern der Kinder in die KITA. 
Alle Kinder zeigen ihren Eltern die selbstgemalten Babybilder. Ein Elternteil pro Kind soll ein Ultraschallbild ihres zukünftigen Kindes bzw. für die Eltern die sich aktuell in keiner Schwangerschaft befinden ein Ultraschallbild von dem Kind aus der KITA mitbringen. Nun können die Kinder ihre Eltern alles zur Schwangerschaft fragen. 
Anschließend können die Kinder sich mit dem Bauch der Mutter befassen und diesen vorsichtig steicheln und ein Ohr auf den Bauch halten. 

In der Projektwoche bekommen die Kinder sowohl einen Theorie-, als auch einen Praxisbezug zu der Thematik: „Mama bekommt ein Baby“.
Mit den unterstützenden Ansätzen der Reggiopädagogik und des Situationsansatzes lernen die Kinder verschiedenste Ebenen einer Schwangerschaft und eines Babys kennen.

JC99 – Aufgabe:
Planung einer Projektwoche in einer Kita zu dem Thema „Mama ist schwanger/ bekommt ein Baby“.

Voraussetzungen: die Gruppe ist altersgemischt und ein 4 jähriges Mädchen hat das Down – Syndrom (kognitiv verzögerte Entwicklung)

Berücksichtigung der Montessori- und Reggiopädagogik und/ oder Situationsansatz.  entsprechend thematisch gestaltende Räume, Elternarbeit, 

Montags

Im Morgenkreis nebst den üblichen Ritualen das Thema des Projektes vorstellen, die Kinder können sagen was ihnen dazu einfällt, ob sie jüngere oder ältere Geschwister haben etc.

Dienstags

Kinder dürfen Fotos und alte Baby Sachen von sich selbst mitbringen und zeigen. (Können nach Wunsch auch aufgehängt werden für die Woche.)

Mittwochs

Eltern kommen die Schwanger sind/ ein neu geborenes Baby haben und beantworten Fragen der Kinder (z.B. im Morgen- oder Abschlusskreis)

Donnerstag

Besprechen von Gefühlen im Zusammenhang mit dem neuen Geschwisterkind

Freitag

Zusammenfassung der Woche; Kinder können ihre gemalten/ gebastelten Sachen zeigen, ggf. ein kleines Rollenspiel aufführen.

Die gesamte Woche über (in der Freispielzeit)

vermehrt Bücher in der Leseecke, die sich mit diesem Thema beschäftigen z.B. „Conni und das neue Baby“, „Woher die Kinder kommen“ und viele weitere. Die Kinder können sich die verschiedenen Bücher bei Interesse selbst ansehen oder bei kleinen „Lesestunden“ von Erzieher*innen vorlesen lassen:

Im Bereich des Rollenspiels („Küchen- und Puppenecke“) alles Rund ums Thema Schwangerschaft/ Baby/ Geschwister aufbauen / vorbereiten z.B. Puppen und Puppenwagen etc.

Im Kreativ/ Bastel Bereich können die Kinder z.B. mit vorbereitetem Material (und ggf. Unterstützung) „Familienhäuser“ basteln, Bilder für ihr (ungeborenes) Geschwisterkind malen etc.

Pflanze25: Projektarbeit nach der Reggiopädagogik. 
Projekte (je nach verfügbarer Zeit):
– Kinderbücher zum Thema lesen
– Mutter-Vater-Kind Spiele
– Spiel mit Puppen (Ähnlichkeit zu Babys wichtig, wie bei einer Baby-born)
– Malen/Basteln z.B. Anmalen eines weißen Baby-body´s/Kleidung vom neuen Baby
– Schlaflieder singen und auswendig lernen
– Austausch in der gesamten Gruppe zum Anfang jeden Tages und zum Abschluss

Einbeziehung der Eltern:
– Aufklärung
– Gipsabdruck des Bauches der schwangeren Mutter anmalen
– Ohr an den Babybauch
– Dem Baby und dem Kind gleichzeitig vorlesen
– Dem Baby im Bauch vom Tag in der KiTa erzählen

In Verbindung mit Montessori:
– Kinder können sich frei in den Projekten bewegen
– Kinder können sich austauschen und von eigenen Erfahrungen berichten und die Projekte bewerten
– Materialien für die Projekte befinden sich auf greifbarer Höhe/ in der Nähe der Kinder
– Sinnesbildung durch Singen (Sprechen), Lesen (Hören), Malen (Greifen/Tastsinn)

Sechste Sitzung

Mit der sechsten Sitzung geht das Seminar einen nächsten Schritt im Seminaraufbau voran. Schwerpunkt dieser und auch der nächsten Sitzungen ist die Schule. Dass die Schule einen solchen wichtigen Schwerpunkt dieses Seminars darstellt hat damit zu tun, dass hier wichtige Entscheidungen für das Leben von Menschen mit Behinderungen fallen. Wer in die falsche Schule gerät, hat kaum Chancen auf eine Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt. Und wer nicht im ersten Arbeitsmarkt arbeiten darf, für den bleibt oft nur ein Leben am Rande der Gesellschaft, wenn nicht sogar ein Leben in Sondereinrichtungen. Ein zweiter Anlass, einen genaueren Blick auf die Schule zu werfen, ist die Forschung- und Publikationslage. Förderschullehrer*innen müssen ausgebildet werden. Und dies übernehmen jede Menge Professor*innen mit manchmal so wohl klingenden wie irreführenden Denominationen. Dass Professor*innen, sagen wir: mit dem Schwerpunkt „Inklusive Pädagogik“ eigentlich vor allem Förderschullehrer*innen ausbilden, deren überwiegendes Geschäft ganz offfensichtlich nicht inklusive ist, ficht die Hochschulen dabei nicht an. Nun schreiben diese Professor*innen Bücher und Zeitschriftenbeiträge. Das Ergebnis ist: Es gibt ziemlich viel zu lesen im Bereich Schule.

Förderschulen als Schulen für Kinder mit Migrationsgeschichte

Abbildung 1:

Ihre Aufgabe finden Sie in dieser Sitzung in einer gesonderten Audiodatei. Weil man sich die Verhältnisse in einer Förderschule gut vorstellen kann, wenn man eine Klasse kennenlernt, stelle ich Ihnen hier eine (fiktive) Lerngruppe vor. Ihre Aufgabe: Bitte planen Sie eine Unterrichtsreihe.

Aufgabe: Dinos in der Förderschule

Pflanze25 – Aufgabe: Planen Sie eine Unterrichtsreihe zum Thema Dinos in einer Vierten Klassen an einer Förderschule für ESE.

– erste kurze theoretische Einleitung zum Thema und Vorstellung der Unterrichtsreihe
für die nachten 3 Wochen
– Dinos basteln/ausmalen
– Mappen erstellen für die Unterrichtsreihe mit Arbeitsblättern, die zum kognitiven
Stand des Kindes passen
– Lückentexte
– Film gucken/Hörspiel hören -> Kinder können hier das was sie wichtig fanden rausschreiben
oder grafisch darstellen
– Steckbriefe zu den Dinos vervollständigen (mithilfe einer Internetrecherche
und möglicherweise auch in Gruppenarbeit)
– Zeitstrahl an der Tafel erstellen bis zum Aussterben der Dinos
(Steckbriefe können hier angebracht werden)
– zuordnen Pflanzen-/Fleischfresser

Sonja: Unterrichtsreihe in einer Förderschulklasse zum Thema Dinos:
1. Doppelstunde: Es wird gemeinsam eine kindergerechte Doku über Dinosaurier geguckt.
2. Doppelstunde: Die Kinder erstellen jeder eine Mindmap zu Dinos (mit Wissen aus der Doku und bereits bestehendem Wissen), die Kinder können ihre Ideen entweder aufschreiben oder aufmalen.     Anschließend gibt es Partnerarbeit (die Teams sollten hier so gewählt werden, dass eine bestmögliche Zusammenarbeit möglich ist), die Partner erklären dem gegenüber ihre Mindmap.
3. Doppelstunde: In der letzten Doppelstunde können sich die Kinder einen eigenen Dino ausdenken.     Diesen sollen sie dann malen und seine Eigenschaften schriftlich oder grafisch festhalten. Anschließend werden die gemalten Dinos mit den Steckbriefen an die Tafel gehangen.

Sonnenblume

Aufgabe: Eine Unterrichtsreihe gestalten zum Thema Dinos in der vierten Klasse einer Förderschule 

Drei Doppelstunden mit dem Thema Dinos 

  • 1. Doppelstunde: Es wird einen gemeinsamen Sitzkreis geben, indem die Unterrichtsriehe und das Thema besprochen wird. Anschließend wird ein Film geschaut (Sendung mit der Maus). Dieser Film erklärt kindgerecht alles zum Thema Dinos. 
  • 2. Doppelstunde: Die Kinder sollen in ihrer eigenen Fantasie, ihren eigenen Dino malen und geschalten. Dafür hat jedes Kind seinen eigenen Tisch und ausreichend Platz. Um die Dinos besser zu basteln, können die Kinder Naturgegenstände zur Hilfe nehmen, es gibt aber auch einen Drucker, sodass die Kinder was ausdrucken können. Anschließend präsentieren die Kinder sich gegenseitig ihre Dinos. – Sie erklären ihre Dinos und erzählen die dazugehörigen Eigenschaften. Die fertigen Dinos werden an die Tafel gehangen. 
  • 3. Doppelstunde: Es wird eine Geschichte erzählt und die Kinder dürfen sich dafür in verschiedene Dinos verkleiden und versuchen die Geschichte nachzuspielen. Am Ende der Unterrichtsriehe wird geschaut, ob die Kinder noch Fragen haben. Wenn sie noch Fragen haben, wird mit Hilfe des Computers recherchiert. 

Ze99: 
– erste Unterrichtsstunde in Kleingruppen austauschen was die Mitschüler bereits über Dinos wissen. Anschließend kleine Einführung ins weitere Vorgehen und Interessen der Kinder in Erfahrung bringen – In der  anschließende Stunde eine Präsentation über die bekanntesten Dinos. Kinder können sich einen aussuchen und malen mit wichtigen Stichpunkten an der Seite des Blatts- Darauffolgenden Stunde die Bilder der Kinder im Klassenraum aufhängen und jedem Kind die Möglichkeit geben sich die Bilder der Mitschüler anzusehen um gelerntes wieder in Erinnerung zu rufen- Abschließende Stunde damit verbringen einen kinderfreundlichen Film zu den Dinos zu schauen und anschließend reflektierend drüber zu sprechen welche Dinos den Schülern am besten gefallen haben und diese Aussage begründen. 

JC99:

6. Sitzung

Aufgabe: Planung einer Unterrichtsreihe zum Thema Dinos (Sachunterricht) im 4. Schuljahr einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung.

  1. Doppelstunde
  • Thema mit der Klasse besprechen 
  • Kinder können sammeln was Ihnen zum Thema Dinos einfällt (z.B. „Mind-Map“ an der Tafel) 
  • Eine kurze(!) Kinder-Doku zum Thema Dino schauen (z.B. Sendung mit der Maus o.ä.)
  • „Mind-Map“ ergänzen
  1. Doppelstunde:
  • Es wird (vor-) gelesen aus Büchern über Dinos (Kinder können auch selbst Bücher mitbringen)
  • Malen und Basteln von Dinos (je nach Fähigkeit mit entsprechender Unterstützung/ Vorbereitung der Materialien) 
  1. Doppelstunde:
  • Gesammeltes Wissen zusammenfassen 
  • Präsentieren der gemalten und gebastelten Dinos
  • Kinderfilm/ Serie „In einem Land vor unserer Zeit schauen“

Mary Poppins – Unterrichtsreiche zum Thema Dinosaurier

  1. Doppelstunde:
    Als Einstieg eine Bewegungsgeschichte zum Thema Dinosaurier erzählen. Dann in einem Kreis zusammensetzen und mit Hilfe von Dinobildern kann jeder erzählen, was er schon zu diesem Thema weiß, was ihn interessiert. Als nächstes einen „Museumsrundgang“ zu vier verschiedenen Dinosauriern gestalten, die sich die Kids aussuchen können. Bilder ausmalen, kleine Texte lesen/vorgelesen bekommen, Wörterrätsel oder kleine Videos angucken (ein Bild, ein Text etc. pro Tisch). 
  2. Doppelstunde:
    Gemeinsam Steckbriefe zu den vier Dinosauriern schreiben. Mithilfe von einer Geschichte/ einem Video die Zeitalter der Dinosaurier kennenlernen und gemeinsam einen Zeitstrahl gestalten. Vielleicht eine große Tapete, welche man in der Klasse aufhängen kann. 
  3. Doppelstunde:
    Gesammeltes Wissen wiederholen, Mappe Anlegen
    Dinosaurier Quiz + Abschlusszertifikat als Dinosaurierforscher
    Abschlussspiel über Dinosaurier

Siebte Sitzung

In der siebten Sitzung geht es darum, wie man aus Kindern mit Problemen Inklusionskinder und Förderschüler macht. Das ist ein Verwaltungsakt, in dem Interessen der beteiligten Schulen eine wichtige Rolle spielen – obwohl dies in den Verwaltungsvorschriften nur auf den zweiten Blick zu erkennen ist. Man braucht Grundschullehrer*innen, die Kinder loswerden wollen (Förderschule) oder sich Hoffnung darauf machen, dass sie wirksame Hilfe in ihre Klassen bekommen (Gemeinsame Erziehung, Integration, Inklusion). Man benötigt Förderschullehrer*innen, die entweder auf Schülersuche für ihre Klassen sind oder Inklusionsschüler rekrutieren wollen. Man braucht einen Schulrat, der dies alles unterstützen will. Und erforderlich sind vor allem viele Eltern, die nicht wissen, was da passiert. Das Resultat: In den meisten Regionen Deutschlands müssen sich die Förderschulen keine Sorgen machen, dass ihnen die Förderschüler ausgehen. Und – zumindest für die Förderschulen Lernen gilt: Jungen, Kinder aus armen Familien und Kinder mit Migrationsgeschichte sind stark überrepräsentiert.

Zur Diagnose sonderpädagogischen Förderbedarfs

Tab 21: Variablen, die einen Einfluss auf den IQ haben – Befunde der kulturvergleichenden IQ-Forschung nach Mand 2012
Geschlecht
Alter
Einkommen
Wirtschaftliches Umfeld
Bildungsstand
Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit
Geschwister
Kriminalität
soziale Herkunft
Gesundheitsvariablen (ADHS, PTBS)
Politische Orientierung
Regionale bzw. ethnische Herkunft

LNH: Aufgabe: Nehmen Sie zu einem Gutachten Stellung. Sind Sie der Meinung, dass der Junge lernbehindert ist? Was empfehlen Sie den Eltern? 

  • Hintergrundinformationen: Junge, 10 Jahre, türkisch als Erstsprache, besucht die vierte Klasse einer Grundschule. Ergebnis des Gutachtens zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs legt einen IQ von 84 offen. Zur Feststellung wurde der Kaufmanns Intelligenztest für Kinder genutzt. Auch die mangelhaften Noten in Deutsch lassen auf einen Lernbehinderung schließen. 
  • Beantwortung: Die Ergebnisse der Verfahren zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs scheinen je nach Wahl des Verfahrens zu variieren und liefern insgesamt abweichende Ergebnisse. Testverfahren wie etwa die Wechsler-Skalen oder der Kaufmanns-Test schneiden i.d.R. schlechter ab als etwa das CFT-Verfahren. Die Ergebnisse der Testungen hängen stark mit der Art des Tests zusammen. Testverfahren wie die Wechsler-Skalen oder der Kaufmann-Test scheinen Jungen, Kinder aus armen Familien sowie Kinder mit Migrationsgeschichte zu benachteiligen. Zweierlei Aspekte, das Geschlecht und die Herkunft des Jungen des Fallbeispiels, lassen darauf schließen, dass das gewählte Testverfahren nicht genügend Fairness bietet. Bezugnehmend zur Fragestellung würde ich den Eltern empfehlen, einen weiteren Test durchzuführen. Dieser dient der Überprüfung bzw. der Einholung einer Zweitmeinung. Hierfür würde ich den Eltern das CFT Verfahren ans Herz legen, welches fairer und aktueller ist. Die mangelhaften Noten im Bereich Deutsch lassen für mich zunächst nicht auf eine Lernbehinderung schließen und könnten auch der Tatsache geschuldet sein, dass die deutsche Sprache nicht seiner Muttersprache entspricht. 

Bena99 – PLANSPIEL: Nehmen Sie zu einem Gutachten Stellung. Sind Sie der Meinung, dass der Junge lernbehindert ist? Was empfehlen Sie den Eltern? 

10 Jähriger Junge, Erstsprache türkisch, besucht die vierte Klasse einer Grundschule, schon länger mangelhafte Noten in Deutsch, noch keine Klasse wiederholt 
Ergebnis des Gutachtens zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarfs: IQ von 84 (Kaufman- Intelligenzmessung für Kinder)

Der Junge scheint mir nicht lernbehindert zu sein. Seine mangelhaften Noten im Bereich Deutsch lassen nicht auf eine Lernbehinderung schließen, da die deutsche Sprache nicht seiner Muttersprache entspricht. 
Die Fairness des durchgeführten Test spielt eine große Rolle. Wie Sie in ihrem Podcast erwähnen, sind oft die Kinder der Armen und die Kinder der Migranten betroffen, so auch der Junge aus dem Fallbeispiel. Da sein IQ Test bei 84 liegt und der Grenzwert einer Lernbehinderung bei 85 liegt, würde ich den Eltern empfehlen einen zweiten Test durchzuführen, welcher fairer ist. Da der CFT- Test unter den selben Bedingungen besser abschneidet als der bei dem Jungen durchgeführte Kaufman- Test, würde ich diesen vorschlagen. 

JC99: Thema: Zur Diagnose sonderpädagogischen Förderbedarfs

Aufgabe: Nehmen Sie zu einem Gutachten Stellung. Sind Sie der Meinung, dass der Junge lernbehindert ist? Was empfehlen Sie den Eltern? 

Hintergrundinformationen: 

  • Junge, 10 Jahre, türkisch als Muttersprache, 
  • besucht die vierte Klasse einer Grundschule. 
  • IQ von 84 mit dem Kaufmann Test. 
  • mangelhaften Noten in Deutsch über längeren Zeitraum
  • Diagnose im Gutachten: Lernbehinderung

Für mich das die Diagnose Lernbehinderung nicht eindeutig, da bei den IQ Test nicht alle gleich fair sind und vor allem Schüler mit Migrationshintergrund oft schlechter abschneiden, da sie der Test benachteiligt. Zudem ist der IQ Wert mit 84 nur einen Punkt unter dem angegebenen Richtwert von 85.  Dazu kommt das nicht erwähnt wurde, ob auch die Leistungen im Mathematischen Bereich seit längerem Mangelhaft oder ungenügend sind.

Da die schlechten schulischen Leistungen im Fach deutsch, sowohl durch seine Zweisprachigkeit kommen kann, als auch z.B. durch Legasthenie würde ich den Eltern raten, die Entwicklung weiter zu beobachten/ in der Grundschule zu belassen ggf. Nachhilfe zu suchen und/ oder ein Diagnose Verfahren zu LRS zu beantragen. Ggf. auch den IQ Test nochmal mit einem anderen Test wiederholen (nicht Kaufmann- Test)
Einigen Kindern hilft auch eine Schulbegleitung, diese kann auch ohne die Diagnose „Lernbehinderung“ beantragt werden.

Mary Poppins – Stellungnahme zum Gutachten auf sonderpädagogischen Förderbedarfs eines zehnjährigen Jungen

Die durchgeführten Tests sind nicht reliabel genug, um die Diagnose einer Lernbehinderung stellen zu können. Unterschiedliche Testverfahren können bei Kindern je nach Bildungsstand, Herkunft und Einkommen unterschiedliche Ergebnisse hervorbringen.
Da die Muttersprache des zehnjährigen Junge türkisch ist, könnte damit die Note Mangelhaft in Deutsch erklärt werden und sollte nicht all zu sehr in die Diagnostik mit einbezogen werden. In den anderen Fächern scheint der Junge keine großen Schwierigkeiten zu haben, da er immer versetzt wurde. Im Fach Deutsch könnte Nachhilfe oder eine andere Art der Förderung im Bereich Sprache schon ausreichend sein, um die Note zu verbessern. Im Hinblick auf den Intelligenztest wäre es wichtig einen zweiten Intelligenztest durchführen zu lassen, welcher ein anderes Testverfahren beinhaltet. Somit wird eine Zweitmeinung eingeholt und die Diagnostik einer Lernbehinderung bestätigt oder nicht bestätigt. Die vorliegenden Ergebnisse sind nicht aussagekräftig genug und müssen überprüft werden, damit nicht voreilig die Diagnose Lernbehinderung gestellt wird. 

Sonja: Die Durchführung des Kaufmann Tests und des Rechtschreibtest reichen meiner Meinung nach nicht aus, um den Jungen als lernbehindert zu diagnostizieren. Es sollte über die Durchführung eines weiteren Tests nachgedacht werden, da gerade Jungen mit Migrationshintergrund bei dieser Art Test schlechter abschneiden, als bei anderen Tests. Außerdem wäre es interessant zu wissen, wie der Junge in Mathe ist, da eine Schwäche nur in Deutsch nicht für die Diagnose einer Lernbehinderung reicht. Meine Empfehlung an die Eltern wäre also die Durchführung weiterer Tests.

Sonnenblume: Hintergrundinformationen:

  • 10-jähriger Junge, Muttersprache Türkisch (Erstsprache)
  • Besucht die vierte Klasse einer Grundschule 
  • Hat schon länger mangelhafte Noten in Deutsch, noch keine Klasse wiederholt
  • Ergebnis des Gutachtens zur Feststellung sonderpädagogische Förderbedarfs, legt einen IG von 84 offen 
  • Diagnose zur Feststellung im Gutachten: Lernbehinderung, Kaufmanntest 

Dadurch, dass seine Muttersprache Türkisch ist, denke ich nicht, dass eine Lernbehinderung gleich was mit der Note in Deutsch zu tun hat. Zudem ist der Kaufmanntest einer von vielen, ich würde den Eltern raten, einen zweiten/anderen Test durchführen zu lassen, um noch eine weitere Einschätzung zu erhalten. Sein IQ Test liegt minimal unter dem Durchschnitt (85-115). Außerdem denke ich, ist der Junge in den anderen Fächern nicht schlecht, da er immer in die nächste Klasse versetzt wurde. 

Achte Sitzung 

Mit der achten Sitzung wendet sich das Seminar der schulischen Inklusionsforschung zu. Das ist kein besonders einfacher thematischer Schwerpunkt. Denn das Problem ist: Inklusionsforschung ist sehr häufig Legitimationsforschung. D.h.: Die Kolleg*innen sind von den Segnungen von Inklusion (Inklusionsbefürworter*innen) oder von den Segnungen von Förderschulen (Förderschulbefürworter*innen) überzeugt, und wollen nun belegen, dass das von ihnen bevorzugte System besser ist. Natürlich ist das gleich in mehrfacher Hinsicht ein problematisches Vorgehen. Wissenschaftstheoretisch muss man z. B. mit Karl Popper einwenden, dass die Wissenschaftlichkeit eines Ansatzes in seiner Falsifizierbarkeit besteht. Und man muss leider feststellen, dass es einigen Kolleg*innen keineswegs darum geht, so zu forschen, dass sie in ihren Ansichten über Inklusion und Förderschule widerlegt werden. Und es gibt auch ziemlich belastbare Hinweise darauf, dass behinderte Kinder in den Förderschulen irgendwie anders behindert sind, als Kinder in inklusiven Schulen. Ein genauerer Blick lohnt also.

Inklusionsforschung

Sonja: Die Stichprobe in der Untersuchung „Andere Länder andere Schüler?“ von Hans Wocken sollte kritisch bewertet werden. Zwar ist die gesamte Zahl der Befragten mit 10109 sehr hoch. Jedoch wurde nicht in jeder Schulform eine ausreichend hohe Zahl Befragt. Nur bei Gymnasien und Haupt- und Realschulen wurde der Wert von 1500 Befragten überschritten.
 Auch bezüglich der Gewinnung kann nicht von einer Zufallsstichprobe gesprochen werden. Die Teilnehmer haben die Klassen bezüglich ihrer persönlichen Kontakte ausgewählt.
 Bezüglich des Rücklaufs gibt es keine Informationen.

JC99: Es wurden insgesamt wurden mit 10.109 Schüler*innen sehr viele befragt. Dazu sind Hauptschule, Realschule, Gymnasien und auch Förderschulen befragt worden. Die Verteilung von Mädchen und Jungen sind ungefähr gleich. Die Anzahl der jeweiligen befragten pro Schule ist aber sehr unterschiedlich (bei den Förderschulen deutlich geringer). Dies liegt vermutlich daran, das Förderschulen im Allgemeinen weniger Schüler*innen haben. Die Anzahl der befragten Kinder aus der Förderschule in Niedersachen, ist mit insgesamt nur 94 so gering, dass darauf hingewiesen wird, dass die Repräsentativität nicht sichergestellt ist. Es wird deutlich das nur eine bestimmt Zielgruppe befragt wurde (nur Kinder der 5 bzw. 7 Klasse). Deshalb können auch nur Aussagen über diese Zielgruppe getroffen werden.

Sonnenblume: In dem Text „Andere Länder andere Schüler“ von Hans Wocken wurden 10109 Schüler*innen befragt. Bei der Befragung wurden Hauptschulen, Realschule, Gymnasien und Förderschulen mit einbezogen. Die Verteilung von Jungen und Mädchen ist ungefähr gleich. Bei den Gymnasien, Haupt- und Realschulen wurden deutlich mehr befragt als in den Förderschulen, dass könnte darauf zurückführen das Förderschulen weniger Schüler*innen haben. In der Befragung wurden nur Schüler*innen der 5. Und 7. Klasse befragt. Die Stichprobe kann als nicht repräsentativ gewertet werden, weil in der Förderschule in Niedersachsen nur 94 Schüler*innen befragt wurden. 

Neunte Sitzung

Auch die neunte Sitzung befasst sich noch einmal mit der schulischen Inklusionsforschung. Da sind einfach zu viele Studien in diesem Zusammenhang veröffentlicht. Die Studien der Förderschulbefürworter finden Hinweise auf ein Patt der Systeme im Vergleich Förderschule und Inklusion. Und die Studien der Inklusionsbefürworter ermitteln Befunde, die darauf hinweisen, dass die Inklusionsschüler*innen besser abschneiden.

Das Problem: Auch wenn das System Förderschule und die Inklusionsschulen die gleichen Labels verwenden. Es sieht sehr danach aus, als könnte man Förderschüler*innen und Inklusionsschüler*innen nicht so ohne weiteres vergleichen. Kurz zusammengefasst kann man sagen: In den Inklusionsschulen finden sich die Problemkinder der Mittelschicht und in den Förderschulen die Kinder der Armen und die Kinder der Migranten. So zu tun, als gebe es keine Unterschiede zwischen diesen Gruppen, ist sicher nicht ok.

Die Studie von Kocaj et al (2014)

Unterschiede zwischen Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf in der Studie von Kocaj et al 2014
Cohens dSignifikanzniveau
IQ verbal0,80***
IQ räumlich0,49***
Sozialer Status0,36**
Höchster Bildungsabschluss
in Familie
0,40***
Gewünschter Schulabschluss
Hauptschule
-0,49***
voraussichtlicher Schulabschluss
mindestens Realschule
0,54***
Bücher zu Hause0,25***
d kleiner 0,2 kein Effekt
d 0,2 bis kleiner 0,5 geringer Effekt
d 0,5 bis kleiner 0,8 = moderater Effekt
ab d= 0,8 starker Effekt
**: entspricht Irrtumswahr-scheinlichkeit kleiner 1 %
*** entspricht Irrtumswahr-scheinlichkeit kleiner 0,1 %

Zehnte Sitzung

Die zehnte Sitzung des Seminars befasst sich mit dem Schwerpunkt „Arbeit“. Den podcast übernimmt eine Studierende, die ihre Prüfungsleistung in diesem Modul angemeldet hat.

Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt

1 Gedanke zu „Institutionen für Menschen mit Behinderungen (SoSe 2021)“

  1. Nickname: Jill98

    Verhaltensstörungen:

    „Unter einer Verhaltensstörung versteht man eine Regelübertretung, die vom Handelnden selbst oder von jemandem, der sich ihm gegenüber in einer Machtposition befindet, als störend und unangemessen beurteilt wird.“ (Havers, 1978, S. 24)

    Im ICD 10 sind folgende psychische und Verhaltensstörungen definiert:

    Kapitel V
    Psychische und Verhaltensstörungen

    (F00-F99)Inkl.: Störungen der psychischen Entwicklung.
    Exkl.: Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

    Dieses Kapitel gliedert sich in folgende Gruppen:

    F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
    F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
    F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
    F30-F39 Affektive Störungen
    F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
    F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
    F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
    F70-F79 Intelligenzstörung
    F80-F89 Entwicklungsstörungen
    F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
    F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen

    Dieses Kapitel enthält die folgenden Sternschlüsselnummern:
    F00.-* Demenz bei Alzheimer-Krankheit
    F02.-* Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten

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