Über die Arbeit in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

Zu diesem Seminar

Dieses Seminar richtet sich an Studierende der Sozialen Arbeit (Modul 4.4). Es führt ein in die Arbeit mit behinderten Menschen. Das mag vor dem Hintergrund der umfangreichen inklusive Rhetorik an dieser Hochschule und auch an anderen Orten vielleicht merkwürdig klingen. Aber das Seminarkonzept ist durchaus durchdacht. Ausgangspunkt des Seminarkonzepts ist folgende Analyse: Man muss wohl davon ausgehen, dass Deutschland auch auf Dauer ein Staat ist, in dem Menschen mit Behinderungen in Sondereinrichtungen leben, lernen und arbeiten. Sieht man einmal vom Elementarbereich ab, so gilt vermutlich noch für Jahrzehnte: Inklusion, Integration oder andere Formen des angeblich gemeinsamen Lernens und Arbeitens richten sich nicht an alle Menschen mit Behinderungen, sondern nur an eine kleine, Nicht-Behinderten besonders angenehme Gruppe als behindert eingestufter Menschen. Man könnte sagen: Das sind die Inklusion-Behinderten. Die anderen Menschen mit Behinderungen besuchen in ihrer Schulzeit Förderschulen. Sie arbeiten nicht im ersten Arbeitsmarkt. Und sie leben in Heimen.

Das ist kein Zufall. Sondern diese Verhältnisse sind das Ergebnis von intensiver Lobbyarbeit und entsprechen offenbar den Interessen von bedeutsamen Gruppierungen in dieser Gesellschaft. Sie entsprechen zunächst offenbar sehr weitgehend den Interessen von Personen, die in und mit Sondereinrichtungen Geld verdienen. Sie entsprechen den Wünschen vieler Eltern nicht behinderter Kinder, die letztlich nicht wollen, dass ihre Kinder mit behinderten Kindern zu tun haben. Sie entsprechen den Wünschen vieler Mitarbeiter/innen in Regelinstitutionen, die auf keinen Fall darauf verzichten wollen, behinderte oder schwierige Kinder und Jugendliche aus ihrer Einrichtung entfernen lassen zu können. Sondereinrichtungen entsprechen den Wünschen von weiten Teilen der Wirtschaft, die Menschen mit Behinderungen oder anderen Auffälligkeiten nicht gerne einstellen.

So würde das natürlich keiner sagen. Die Beteiligten sagen lieber, dass sie leider nicht ausgebildet wurden für die Arbeit mit solchen, angeblich schwierigen Menschen. Sie sagen, es gibt wunderbare Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Sie sagen, die Verhältnisse in den Regeleinrichtungen sind so schlecht. Es gibt so viele andere Probleme, um die wir uns noch kümmern müssen. Das überfordert uns. Und sie reden von Inklusion. Das Reden über Inklusion soll davon ablenken, dass der eigentliche Sinn von Sondereinrichtung darin besteht, dafür zu sorgen, dass Menschen mit Behinderungen nicht oder nur ein wenig am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Die Situation von Menschen mit Behinderung ist also alles andere als einfach. Die meisten von ihnen leben, lernen und arbeiten in Sondereinrichtungen. Wer wissen will, wie Menschen mit Behinderung leben, muss sich dem entsprechend für die Verhältnisse in Sondereinrichtungen interessieren. Wer die Situation von Menschen mit Behinderungen nachhaltig verbessern will, muss die Situation von Menschen mit Behinderungen in Sondereinrichtungen verbessern. Balkonreden über Inklusion oder nette Projekte, in denen wenige inklusionsfähige Menschen mit Behinderungen vielleicht auch ein wenig mit Nicht-Behinderten zu tun haben, helfen hier nicht weiter.

Nun ist es für Studierende der Sozialen Arbeit natürlich sinnvoll, über Inklusion schön reden zu können. In der täglichen Arbeit in diesen Einrichtungen hilft das Über-Inklusion-Reden-Können allerdings nicht sehr viel weiter. Es ist wichtiger, die Verhältnisse in Einrichtungen realistisch einschätzen können, die für Menschen mit Behinderungen bereit gestellt werden. Es ist wichtiger zu verstehen, wie es Menschen mit Behinderungen geht und wie man ihre Situation verbessern kann. Es ist wichtiger, die Wünsche und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen zu verstehen und sie wirkungsvoll bei der Wahrung ihrer Interessen zu unterstützen. In dieser Veranstaltungen geht es deshalb weniger um Rhetorik, weniger über ferne Utopien. Sondern in dieser Veranstaltung geht es um die Wirklichkeit in pädagogischen Einrichtungen.

Modulabschließende Prüfungen

In diesem Seminar sind zwei Prüfungsformen möglich.

(1) Sie können ein Referat halten. Das bedeutet unter den Bedingungen eines Online-Seminars: Sie nehmen z. B. mit Ihrem Handy oder mit Ihrem PC den Vortragsteil auf. Am besten ist es, Sie bearbeiten diese Datei noch mit einem Audio-Programm, um Versprecher, Pausen, Nebengeräusche o.ä. herauszuschneiden und speichern diese Datei als mp3 ab. Zusätzlich sollten Sie vielleicht eine Präsentation erstellen, die dann neben der Audio-Datei auf meiner Homepage hochgeladen wird. Am wenigsten Probleme entstehen, wenn Sie diese Präsentation als pdf abspeichern. Beide Dateien senden Sie mir dann bitte als E-Mail-Anhang zu. Das Thema Ihres Referats sollten Sie mit mir absprechen. Inhaltlich sollte das Referat zu dem passen, was Gegenstand des Seminars ist. Der Zeitpunkt hängt von den Inhalten ab. Dieses Seminar folgt den Institutionen von der Wiege bis zur Bahre. Das bedeutet, wenn Sie ein Referat über Kinder halten wollen, müssen Sie mir die Dateien am Anfang des Semesters zusenden. Wenn es um Erwachsene oder sogar alte Menschen geht, dann findet das Referat am Ende des Semesters statt.

(2) Sie können eine Hausarbeit schreiben. Das Thema sollte einen Zusammenhang zum Thema des Moduls haben. Sie können also auch zum Thema Gesundheit oder Diversion schreiben.

Sie haben hier mindestens zwei Optionen:

Eine klassische Hausarbeit untersucht eine nicht allzu offensichtliche Frage in Auseinandersetzung mit dem Stand der Theoriediskussion und Forschung. Bitte sprechen Sie diese Fragestellung in jedem Fall mit mir ab. Wichtig ist, dass Sie im Rahmen Ihrer Hausarbeit nicht nur beschreiben und zusammenfassen, sondern auch analysieren und interpretieren. Eine gute Möglichkeit bieten hierzu Vergleiche (Vergleiche von Methoden, Vergleiche von Institutionen, Ländervergleiche, Vergleiche von Positionen in wissenschaftlichen Debatten).

Eine förderdiagnostische Hausarbeit versucht herauszufinden, welche Angebote einer Ihrer Klienten benötigt, um in seiner/ihrer Entwicklung einen gewichtigen Schritt zu tun. Solche Hausarbeiten kann man für fast alle Klienten fast jeden Alters schreiben. Bitte anonymisieren Sie die Arbeit, wenn Sie über Klienten oder Institutionen schreiben (in diagnostischen Hausarbeiten). D. h.: Alle Namen von Personen, Orten oder Instsitutionen müssen verändert werden.

Die Literatur sollten Sie nicht über Google finden oder sich an dem Bestand in einer Bibliothek Ihrer Wahl auswählen. Sondern Sie sollen auf eine nachvollziehbare Art und Weise die Literatur in Fachdatenbanken auswählen und erst in einem zweiten Schritt ermitteln, in welchen Bibliotheken Sie die betreffenden Zeitschriftenbeiträge oder Bücher finden können. Das ist nicht sehr kompliziert. Und wir werden das vielfach im Rahmen dieses Seminars üben. Es ist möglich, dass Sie sich aufgrund der Corona-Pandemie in der Beschaffung der Literatur noch in der Auswahl auf wenige Bibliotheken der Region beschränken müssen oder mehr Zeit für Fernleihe oder eine Ausleihe über subito einplanen müssen. Für die Gestaltung des Literaturverzeichnisses bzw. für der Zitation im Text ziehe ich die Vorgaben des Zitationssystems der American Psychiatric Association vor. Sie können aber auch andere Zitationssysteme verwenden.

Die Hausarbeiten des Wintersemesters senden Sie mir bitte bis zum 15. Februar.
Bitte versehen Sie Ihre schriftlichen Arbeiten auf der Titelseite mit Ihrem Namen, Ihren Kontaktdaten (u. a. mit Ihrer Handy-Nummer, damit ich notfalls eine Bitte-melden-Sie-sich SMS versenden kann) und mit Ihrem Nickname (so Sie die Noten ab Anfang September bzw.  Anfang März auf meiner Homepage einsehen wollen). 

Die mir zugesandte Datei sollte mit Ihrem Namen benannt sein am besten als pdf abgespeichert sein. Bitte verwenden Sie als Dateinamen Ihren Nachnamen (z. B. Mueller.pdf, wenn Sie Müller heißen. Bitte verwenden Sie immer nur eine Datei pro Anlass (also  z. B. keine gesonderte Titel-Datei, keine gesonderte Literaturdatei, keine gesonderte Datei für einen Wunschzettel). Bitte vergessen Sie auch nicht die eidesstattliche Versicherung (ausdrucken, unterschreiben, einscannen/abfotografieren, einfügen). Bitte vergessen Sie auch nicht die eidesstattliche Versicherung (ausdrucken, unterschreiben, einscannen/abfotografieren, einfügen). Der Umfang der schriftlichen Arbeiten ist abhängig von den Vorgaben des Modulhandbuchs. Dabei ist es möglich, den Umfang geringfügig zu überschreiten (5%). Unterschreiten dürfen Sie aber nicht. Es zählen dabei alle Zeichen, also auch Leerzeichen.  

Teil 1: Einleitung

(01) In der ersten Sitzung stelle ich mich vor. Denn Sie sollen zumindest wissen, aus welcher Perspektive dieses Seminar entwickelt wurde. Darauf folgt ein podcast, in dem erklärt wird, wie das Seminar funktioniert. Den Abschluss bildet ein (kurzes) Planspiel, in dem es um die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention geht.

Vorstellung
Wie das Seminar funktioniert
Planspiel UN Behindertenrechtskonvention

Schreibe einen Kommentar