Arbeitsfeld Erziehungshilfe

Familien, die nicht angemessen mit ihren Kindern umgehen, sind leider keine Seltenheit in Deutschland. Und Kinder aus diesen Familien sind wirklich darauf angewiesen, dass Sozialarbeiter/*innen angemessen und wirkungsvoll agieren.

Diese Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende des BA Soziale Arbeit (Modul 4.1). Es führt ein in die Arbeit in der Erziehungshilfe . Es informiert über typische Lebensverhältnisse dieser Familien. Es stellt Entwicklungsmodelle und diagnostische Methoden vor. Und es macht exemplarisch mit einigen Fördermethoden bekannt.

Dieses Seminar wird ausschließlich online angeboten. Sie finden an dieser Stelle jede Woche podcasts. Diese Podcasts enthalten üblicherweise kleine Aufgaben. Sie sind gebeten die Aufgaben zu bearbeiten und mir das Ergebnis Ihrer Bemühungen per E-Mail zuzusenden. Nennen Sie mir in Ihrer E-Mail einen Nickname, so veröffentliche ich Ihren Beitrag und ggf. auch Antworten und Kommentare von mir anonymisiert auf dieser Homepage. So können auch die anderen Teilnehmer/*innen Ihren Beitrag sehen und ggf. darauf reagieren.

Am Anfang des Seminars stehen einige einleitende Sitzungen. Wir starten mit einem allgemeinen Blick auf das System Erziehungshilfe in Deutschland. Und das Seminar nimmt die Zielgruppen der Hilfen zur Erziehung näher in den Blick. Hierauf folgt eine Auseinandersetzung mit einigen wichtigen Entwicklungsmodellen. Ein wesentlicher Schwerpunkt ist auch die diagnostische Arbeit. Im letzten Teil des Seminars werden einige Methoden vorgestellt.

Erster Teil: Einleitung

(1) In der ersten Veranstaltung des Seminars stehen zunächst formale Dinge auf dem Programm. Sie werden über den Aufbau des Seminars informiert. Ich stelle mich kurz vor. Sie erfahren auch, wie das in diesem Seminar mit den Portfolios funktioniert.

Vorstellung
Wie das Seminar funktioniert
Portfolio
Aufbau des Seminars und Planspiel

Der inhaltlichen Einstieg in das Thema läuft über eine Art Planspiel. Sie sollen sich vorstellen, das Bundesfamilienministerium habe sich an dieses Seminar gewendet, und um Vorschläge zur Neugestaltung des Familienhilfessystems gebeten. Bitte lassen Sie mir Ihre Ideenskizzen per E-Mail zukommen. Ich veröffentliche diese Vorschläge hier, so Sie mir einen Nickname zukommen lassen.

Mo schreibt: Erziehungshilfe als soziale Dienstleistung führt dazu, dass im Rahmen des sozialhilferechtli- chen Dreiecks die Qualität der Leistungserbringer zu Lasten der Adressat*innen erfolgt. Zwar haben die Leistungsempfänger das Wunsch- und Wahlrecht, jedoch geht der Leistungsträger einen Versorgungsvertrag zwischen ihm und dem Anbieter ein. Die Interessen des Leistungs- empfängers sind in einer durch den Staat fremdbestimmten Bedarfsregelung in Folge zweit- rangig. Es handelt sich dabei um normierte Leistungsangebote, die schlecht individuell auf den Leistungsempfänger zugeschnitten werden können. Hier müsste ein Ansatz gefunden werden, der die Qualität der individuellen Versorgung in den Fokus setzt, um so klient*innenorientiert arbeiten zu können.
Vielleicht wäre es eine Möglichkeit einen Gutschein für eine bestimmte Leistung vom Leis- tungsträger zu erhalten, mit welchem Adressat*innen selbst die Auswahl bzw. den Vertrag mit dem Anbieter eingehen können. So kann sich eine normale Wettbewerbssituation entwi- ckeln.

Mavi schreibt: In meiner Vorstellung könnte eine Neugestaltung des Familienhilfesystems folgendermaßen aussehen: Ich habe im Laufe meines Beruflebens die Erfahrung gemacht, dass das Arbeitsfeld Erziehungshilfe -mit seinen unterschiedlichen Bereichen, bei den Familien oftmals von negativen Vorurteilen behaftet ist.  Die Vorurteile sind dabei unterschiedlicher Art: „Die machen doch eh nichts.“, „Die nehmen uns nur die Kinder weg.“ „Die wollen uns was.“ usw. Eine Chance zum Umdenken sehe ich vor allem in dem Bereich der ambulanten Eriehungshilfe.
Ich würde die ambulante Erziehungshilfe dahingehend ausbauen, dass Fachleute aus diesem Bereich fest und präventiv an (Bildungs) Institutionen jeglicher Art installiert werden. Auf diese Weise könnte sich dieses negativ behaftete Bild von Erziehungshilfe, welches von Schamgefühl und Angst vor weiteren Handlungen oftmals ergänzt wird, etwas relativieren. Wenn Kindergärten, Familienzentren, Schulen – gleich welcher Schulform – mit festen Mitarbeiter*innen der Erziehungshilfe ausgestattet werden, könnte der Umgang für Familien, Kinder, Jugendliche, Erzieher*innen und Lehrer*innen im Bereich der Erziehungshilfe zur Normalität werden. Die Wege der Aufsuchung könnten so unkomplizierter gestaltet werden, da die Hilfe direkt vor Ort ist. Die Vernetzung des multiprofessionellen Teams der Institutionen fördert einen effektiven Austausch und ein zeitnahes Handeln. Dabei finde ich es notwendig, dass sich die ambulante Erziehungshilfe, mit seiner Arbeit, breit gefächert aufstellt: D.h. die Arbeit der Erziehungshilfe sollte sich an alle Familien der jeweiligen Institution richten, so dass nicht nur die Problemfamilien betreut werden, sondern alle Familien von dem Angebot profetieren können und so homogene Arbeitsgruppen/Beratungen etc. entstehen können. Dabei ist eine partizipierende Arbeit mit den Familien von großer Relevanz. Auf diese Weise kann Hilfe möglichst früh geleistet werden. Zudem könnte sich die Barriere zur Erziehungshilfe reduzieren, sodass sich ein Gefühl der „Normalität“ ausbreiten kann. Ebenso ist es aus meiner Sicht förderlich, wenn vermehrt auch Mitarbeiter*innen mit Migrationshintergrund mit den Familien arbeiten. Für viele Familien, die einen Migrationshintergrund haben, trägt dieser Aspekt zu einer schnelleren Kooperationsbereitschaft bei. 
Generell sollte im gesamten Bereich der Erziehungshilfe Personal aufgestockt werden. Viele Mitarbeiter*innen sind mit der Menge an Aufgaben tatsächlich überfordert, da „Arbeitspensum“ und „Arbeitszeit“ oftmals in keinem adäquaten Zusammenhang stehen. Um hier effektiver mit den Familien arbeiten zu können, sollte hier eine Umgestaltung vorgenommen werden.

Elli schreibt: Meine Ideen zu Verbesserung des Familienhilfesystems wären u.a. (wie schon erwähnt wurde) auch das Image des Jugendamts zu verbessern. Da mit dem Wort „Jugendamt“ nicht direkt Hilfe und Unterstützung verbunden wird, sondern eher „die nehmen uns die Kinder weg“, oder „die nehmen mir meine Eltern weg“, „da passiert ja eh nix“, oder „bis die was machen, muss erst was schlimmes passieren“ etc. Es könnte helfen, die Arbeit des Jugendamts transparenter zu machen und durch verschiedene Angebote deutlich zu machen, dass das Jugendamt in erster Linie Familien unterstützen möchte. Dadurch kann eine Zusammenarbeit mit den Familien und dem Jugendamt stattfinden und es wird nicht gegeneinander gearbeitet. Dafür müssten auf jeden Fall mehr Mitarbeiter eingesetzt werden, damit mehr Ressourcen vorhanden sind. 
Des Weiteren würde ich vorschlagen, dass bei Familien, die vorher bereits auffällig geworden sind, z.B. weil es hier schon Kinder gibt, die z.B. Probleme mit dem Sozialverhalten haben, standardmäßig ein Familienhelfer die Familie eine Zeitlang begleitet, nicht um die Familie zu kontrollieren, sondern vor allem, Unterstützung zu bieten und bei Problemen direkt eingreifen zu können und ggf. weitere Hilfemaßnahmen in die Wege leiten zu können.
Besonders in sozialbenachteiligten Stadtvierteln sollte es Anlaufstellen für junge Eltern geben, an denen sie kostenlos Hilfe bekommen könnten. Dies könnte in Form von (online) Infoabenden stattfinden oder fachlich geleitete Gruppen in denen sich Eltern über Probleme, Sorgen etc. austauschen können und so auch merken, dass sie damit nicht alleine sind.
Es sollte zu dem auch eine Anlaufstelle für Kinder geben, die sich Hilfe holen möchten, entweder als eine Art „Sorgentelefon“ oder einen Ansprechpartner in der Schule, dies könnte zunächst ja auch anonym (per Mail oder so) stattfinden. Die Kinder sollten keine Angst haben müssen, dass sie sich Hilfe holen.
Wichtig finde ich auch, dass es für jedes Kind einen gesicherten Kindergartenplatz in der Nähe des Wohnortes gibt.
Es sollte zudem mehr Gruppenangebote für Kinder geben (Sportgruppen, Entspannungsgruppen, Kreativgruppen etc.) Dadurch werden u.a.  das Sozialverhalten und die Fähigkeiten gefördert. Vielleicht könnte ein Fahrdienst eingerichtet werden, der die Kinder dorthin bringt und wieder abholt, wenn die Eltern nicht mobil sind.

„Keek“ schreibt: Für eine Neugestaltung des Familiensystems ist es meiner Meinung nach wichtig, Netzwerke zwischen verschiedenen Institutionen wie bspw. Schule, Jugendamt, Beratungsstellen, Sportvereinen etc. aufzubauen, bzw. zu stärken, um ein möglichst breites Angebot für eine effektive Erziehungshilfe zu ermöglichen und den Familien verschiedene Möglichkeiten aufzeigen zu können, aber auch um für die Kinder möglichst viele Anlaufstellen zu schaffen. Wichitg in diesem Zusammenhang ist, eine in vielen Fällen bestehende Furcht vor dem Jugendamt oder anderen Beratungsstellen abzubauen. Hier wäre es wünschenswert, gerade Beratungen im Jugendamt niedrigschwelliger zu gestalten und bspw. Online Angebote zu schaffen, aber auch Mitarbeiter zu haben, die sich ggf. mit der Sprache und Kultur der Familien auskennen.
Auch ist es wichtig (wie hier schon öfter erwähnt), einen möglichst frühen Kontakt zu Familien aufzubauen, damit diese Furcht gar nicht erst entsteht. Generell sollte mehr Aufklärung in dieser Richtung erfolgen, so dass es nicht mehr den Beigeschmack eines „Versagens“ hat, sich Hilfen zu Erziehung zu holen, sondern dass es akzeptiert wird, dass dies letztlich dem Wohle der gesamten Familie dient.
Eine Stärkung der Schulsozialarbeit ist in meinen Augen ein wichtiger Bestandteil, da hier die Kinder (im Regelfall) einen großteil ihres Tages verbringen und so die Schule zu einem „sicheren Raum“ für Kinderin schwierigen Situationen werden kann. Hier kann Schulsozialarbeit einerseits bspw. im Rahmen des Unterrichts Angebote oder Möglichkeiten zur Hilfe präventiv vermitteln, aber auch im Rahmen von Elterngesprächen Einfluss nehmen. Eine grundsätzliche Personalaufstockung ist dabei notwendig, damit im Zweifelsfall schnell Maßnahmen eingeleitet werden können oder bereits bei der Feststellung eines Bedarfs Angebote gemacht werden können und ein möglichst perönlicher/intensiver Kontakt zu den Familien möglich ist.

Vanessa schreibt: Ich persönlich würde es für gut befinden, wenn schon in den Kindergärten bei Elternabenden verschiedene öffentliche Träger die zuständigen Mitarbeiter/innen Ihrer Einrichtung im Bereich der Familienhilfe vorstellen und einen Überblick über deren Aufgabenbereich und Handlungsfelder geben. So würde das Thema auch enttabuisiert werden, da die meisten Menschen,  meiner Meinung nach, Familienhilfe eher als etwas negativ behaftetes betrachten. Wenn andere hören, dass man mit Familienhilfe / Hilfen zur Erziehung zu tun hat, wird oft abgestempelt, dass es sich um eine Problemfamilie handelt. Das sollte vermieden werden. Es sollte durch Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit, in Form von „Werbung für Erziehungshilfe“ daran gearbeitet werden, dass auch Familien ohne Probleme bereitwillig Hilfen in Anspruch nehmen.

Krstlaur: Ich muss mich den Gedanken meines / meiner Kommiliton*in Mavi anschließen. In jedem Bereich der Sozialen Arbeit in dem ich bisher Erfahrungen sammeln durfte, wurden Erziehungshilfen von dem Großteil der Leistungsempfänger durch bestehende Vorurteile als negativ angesehen. Man muss also schon vorher etwas verändern, damit es gar nicht erst zu diesen Ansichten kommt. 
Wenn Erziehungshilfen in vielen und vor allem in verschiedenen Institutionen fester Bestandteil wären, würde man diese evtl. irgendwann als “normal” und Teil des Lebens ansehen und man würde nicht mehr abstoßend darauf reagieren. Zudem wäre eine regelmäßige, alltägliche Aufklärung über die Aufgaben der Erziehungshilfen wünschenswert, um positive Aufmerksamkeit zu gewinnen. 

jetut schreibt: Folgende Änderungen würde ich vornehmen: 

  • Betreuung aller Familien von Geburt an: Hebammen, die junge Mütter/junge Familien begleiten, werden immer seltener. Gerade in den ersten Wochen ist eine Unterstützung in vielen Familien sinnvoll und notwendig. Unterstützung, Entlastung und offenes Ohr in Form einer Fachkraft sollte jeder jungen Familie zustehen. So kann mit einer positiven ersten Erfahrung mit der „Erziehungshilfe“ auch sofort das negative Vorurteile von Sozialarbeiter*innen als „langem Arm des Jungendamtes“, die bloß die Kinder wegnehmen, ausgeräumt werden.
  • Aufstockung Personal: Um den ersten Punkt gewährleisten zu können, braucht es mehr Personal. In meiner Vorstellung sollte im Personalwesen ein Umdenken stattfinden. Deutlich mehr Stellen auf weniger „Fälle“ und in regelmäßigen Abständen zeitlich befristete 75 Prozentstellen, damit zu der in Teilen durchaus psychisch sehr belastenden Arbeit, ein Ausgleich gefunden werden kann. Vielseitige Fort- und Weiterbildungen, die nicht privat finanziert werden müssen.
  • Anbindung an Institutionen: Wenn es dann genug Personal gibt, dann sollen die Fachkräfte in Kindergärten, Familienzentren, Schulen, Berufsschulen, Universitäten/Fachhochschulen, in Sportvereinen und Bewegungszentren andockt werden, so dass der Kontakt zu den Familien immer hergestellt ist. Die Familien haben dann die Möglichkeit schamfrei und schnell Beratung und Unterstützung zu bekommen und die Fachkräfte können Gespräche initiieren, wenn es ihnen so scheint als bräuchte eine Familie Unterstützung.
  • Präventive Angebote: Alle Kinder sollten an Erlebnis- und Abenteuerpädagogische Angeboten teilhaben, damit sie sich und ihren Körper kennenlernen, Selbstwert und Selbstwahrnehmung lernen und so in sich gestärkt werden. So können sie im Team und alleine lernen für ihre Bedürfnisse einzustehen. 

Keks schreibt: „Die Überarbeitung des Familienhilfesystem könnte möglicherweise wie folgt aussehen:

Wie bereits erwähnt ist es von äußerster Notwendigkeit mit den Hilfen zur Erziehung so früh wie möglich die Eltern und Kinder in den unterschiedlichen Einrichtungen (Krankenhäuser, Kindergärten, Grundschulen, Weiterführende Schulen) zu erreichen. Aus meiner Umgebung kenne ich es so, dass es in Kindergärten und Grundschulen keine fest angestellten Sozialarbeiter*innen gibt. Stattdessen betreuen externe Sozialarbeiter*innen mehrere Einrichtungen und kommen für wenige Stunden in der Woche in die Einrichtungen und bieten Sprechstunden an, die vor allem von Lehrenden/ Erziehern angenommen werden. Häufig handelt es sich aber nicht um Stunden, sondern eher um Minuten, da alle Mitarbeitenden wenig Zeit haben. Eltern dürfen diese Angebote natürlich auch wahrnehmen, all zu häufig wissen diese aber entweder nichts von den Angeboten oder nehmen diese aus Angst oder wegen falscher Vorstellungen nicht wahr. Daher ist es wichtig, die Angebote der Erziehungshilfe einerseits präsenter zu machen, andererseits als Sozialarbeitende selbst auch vor Ort präsenter zu sein, zum Beispiel durch eine*n Sozialarbeiter*in pro Einrichtung. Dies hätte den Vorteil, dass von dort aus die weitere Netzwerkarbeit schneller zu anderen Institutionen stattfinden kann (zum Jugendamt, Wohngruppen, Beratungsstellen). Kinder fassen durch eine höhere Präsenz der Sozialarbeiter vor Ort möglicherweise schneller den Mut sie auch selber anzusprechen, wenn sie Hilfe brauchen. Des Weiteren entlastet dieses Vorgehen auch Erzieher*innen und Lehrer*innen, die möglicherweise selber überfordert mit bestimmten Situationen sein können. Dies setzt natürlich die bereits erwähnte Aufstockung des Personals voraus.“

A-C schreibt: Wenn ich die Erziehungshilfe neugestalten dürfte, würde es wie folgt ablaufen. Ich würde zuerst einmal den Eltern die Angst nehmen, sich Hilfe zu holen, wenn diese gebraucht wird. ebenfalls würde ich ihnen die Angst vor der Gesellschaft nehmen, die denken könnte, die betroffenen Eltern sein nicht in der Lage ihre Kinder zu erziehen. Deshalb wird in vielen Fällen die Hilfe erst geholt, wenn es zu spät ist, um einer Stigmatisierung durch die Gesellschaft zu vermeiden.   Eine vermehrte Öffentlichkeitsarbeit der Jugendämter, der Beratungsstellen und des Kinderschutzbundes könnten einen großen Teil dazu beitragen, die Stigmatisierung zu verringern. Die Jugendämter sollten versuchen ihre Arbeit so Transparent wie möglich zu gestalten, um ihren „Negativen“ ruf zu verlieren. Z.B. kann diese durch Aktionstage passieren, die Zeigen wie das Jugendamt arbeitet. Ein sehr wichtiger Faktor ist die Aufklärung, dass das Jugendamt nicht generell die Kinder „weg“ nimmt, sondern zeigt, dass Kinder nicht immer in Obhut genommen werden müssen, wenn die Betroffenen im Vorfeld sich Hilfe holen. Dafür braucht das Jugendamt vom Familienministerium bereit gestellt Mittel (Personal und Geld).  
Im zweiten Schritt würde ich die Schulsozialarbeit stärken durch Präsent und auch durch Aktionstage in der Schule, wo den Kindern gezeigt wird wo sie Hilfe bekommen können, denn die Schule ist der Ort wo die Kinder meiste Zeit verbringen. Aber auch Mitschüler zu sensibilisieren für das Thema, welche Anzeichen es gibt und das es wichtig ist einer Vertrauensperson Bescheid zu geben, wenn ein anderes Kind erzählt, dass es zu Hause Probleme hat, um dem betroffen Kind dann besser helfen zu können. Es sollte auch Sozialarbeiter in den Kindergärten geben die als Anlaufstelle dienen, wenn es Probleme in der Familie gibt, sowie als Schnittstell zwischen der Kindertagesstätte und dem Jugendamt und den Eltern. Jede Einrichtung, die mit Kindern und Jugendlichen arbeitet, sollte den Kindern- Jugendlichen immer sagen, wenn es Problem zu Hause gibt „wir sind da und helfen.“ 

JuBa schreibt: Des Weiteren hier meine Vorschläge zur Verbesserung des Erziehungshilfesystems:
Ein großer Schwerpunkt in der Erziehungshilfe sollte die Aufklärungsarbeit darüber sein, was Erziehungshilfe leistet, wie man diese in Anspruch nehmen kann und wie man dazu Zugang erhält.Durch Öffentlichkeitsarbeit wie z.b durch Artikel in Zeitschriften, Flyern, Zeitungen aber vor allem auch durch die Medien können möglichst viele Familien/Eltern angesprochen werden. Dies könnte durch kurze Werbesequenzen oder Dokumentationen in den Medien gelingen, vielleicht in den Werbepausen.Die größte Herausforderung ist es, genügend Personal bereitzustellen, um Aufklärungsarbeit leisten zu können. Doch genau an dieser Stelle müsste das System einen Wandel erfahren.Bereits in den Krankenhäusern sollte es mehr Sozialarbeiter_innen geben, die auf der Entbindungsstation arbeiten und auch auf den Kinderstationen, und die regelmäßig Zeit dafür haben, mit den Eltern ins Gespräch zu kommen. Sie müssten in einem engen Austausch mit Ärzt_innen und Pflerger_innen stehen, die ihre Eindrücke von der Familie und eventuellen Hilfebedarf in ihrem alltäglichen Ablauf am Besten mitbekommen. Nötig ist die Zusammenarbeit in einem multiprofessionellen Team, um den Familien und vor allem den Kindern, nötige Hilfestellungen zu gewährleisten.Man sollte vor allem viel mehr Präventionsarbeit leisten, um eventuelle Kindeswohlgefährdungen abzuwenden und frühzeitig zu erkennen. In Kitas und Kindergärten sollte daher ebenso ein multiprofessionelles Team arbeiten, man benötigt mehr Sozialarbeiter_innen, die Elternabende arrangieren, Beratungen anbieten und sich bei auffällig verhaltenden Kindern direkt an die Familie wenden, um Unterstützung und Einbindung in Hilfesysteme vornehmen.In anderen Institutionen wie den Schulen ist genau das Gleiche notwendig, es arbeiten dort viel zu wenig Sozialarbeiter_innen, die den Anliegen der Kinder gerecht werden können.

BS schreibt: Ideen zur Überarbeitung des Familienhilfesystems 

Ein höherer Personalschlüssel: Um ein professionelles und effizientes Familienhilfesystem gewährleisten zu können, muss als Grundlage erst einmal genügend Personal zur Verfügung stehen. Um einen Anreiz zu schaffen, finde ich es an dieser Stelle wichtig, ebenfalls über eine faire Vergütung zu sprechen, was ggf. auch mit mehr Anerkennung des Berufszweiges einhergehen würde. Ist man alleine für eine Vielzahl von zugeteilten Fällen zuständig, so kann nicht nur das Wohl des Kindes nicht gewährleistet werden, sondern auch das eigene Wohl und die eigene Gesundheit nicht (Thema Burnout).  

Mehr Transparenz: Wie einige Mitstudierende bereits erwähnt haben, ist das Arbeitsfeld der Erziehungshilfe oft mit negativen Vorurteilen behaftet (Bsp. „die wollen uns doch nur die Kinder wegnehmen“). Durch verstärkte Transparenz und Öffentlichkeitsarbeit muss auf den unterschiedlichsten Wegen deutlich gemacht werden, dass zugehörige Institutionen eine entlastende, unterstützende und helfende Funktion haben. Hierzu muss viel intensiver nach außen getragen werden, welche unterschiedlichen Maßnahmen es überhaupt gibt. Die Vielfalt der Angebote muss transparent und für jedermann einfach zugänglich gemacht werden.

Ausbau präventiver Maßnahmen: Kurz gesagt sollten Familien so gestärkt und unterstützt werden, dass es gar nicht erst zu so hohen Zahlen von Kindeswohlgefährdungen kommt. Präventive Maßnahmen, die sich nicht nur auf das Kind, sondern auf das gesamte Familiensystem beziehen, müssen stark ausgebaut werden.

Ausbau der Netzwerkarbeit: Wünschenswert wäre es, eine noch effizientere und engere Zusammenarbeit aller Institutionen (z.B. Jugendämter, Kinderärzte, Grundschulen…) anzustreben, um mögliche Anzeichen einer Kindeswohlgefährdung deutlich rechtzeitiger festzustellen. 

 Zesel :In meiner Vorstellung muss die Erziehungshilfe frühzeitig bei den Eltern angesetzt werden. Neben dem Studium arbeite ich als Erzieherin in einer Kita und bemerke, dass einige schwangere Paare oder Paare mit einem Neugeborenen einen Platz zur Betreuung anmelden möchten. Die Eltern haben den Bedarf das eigene Kind in die Betreuung zu schicken. Dies hat eine Vielfalt an Gründen und auch Auswirkungen auf das Kind, dabei spielt die Wirtschaft eine wesentliche Rolle. Das Kind wird professionell betreut und lernt in den unterschiedlichen Lebensabschnitten verschiedene Pädagogen kennen (Erzieher_in, Lehrer_in, etc.). Zuhause sollte eine gute Beziehung zu den Eltern und eine Fortführung der Förderung und Erziehung stattfinden. Jedoch können dies nicht alle Eltern leisten oder es herrschen in den Familien Unsicherheiten. Den Eltern sollte die Möglichkeit gegeben werden mit nützlichen Werkzeugen der Erziehung zu arbeiten. Dazu müssen diese Eltern erreich werden, Frühe Hilfen sind ein guter Ansatz dafür. Sie bieten niederschwellige Angebote und die Eltern haben einen Ansprechpartner_in. Dadurch haben sie eine Begleitperson, welche die Angst und das Schamgefühl nehmen zum Beispiel das Jugendamt zu kontaktieren. Eine Erziehungshilfe sollte ambulant, flexibel auf Individualitäten eingehen und auch systemisch arbeiten. Die ambulante/ aufsuchende Arbeit schafft für die weniger mobilen Familien einen größeren Anreiz diese zu nutzen, auch die Fachkräfte können durch die wohnlichen Gegebenheiten sich ein besseres Bild machen. Die Individualität bezieht sich auf die Vielfalt der Familien und deren Problemlagen, sowie Bedürfnisse. Die systemische Arbeit betrachtet die Familie als ganzes System. Probleme können über Generationen weitergegeben werden und dieser Ursprung sollte analysiert und gemeinsam mit der Familie bearbeitet werden.

 Kokos schreibt: Ich würde das Erziehungshilfesystem in vielen Punkten ausbauen wollen. Dazu zählt unter anderem mehr (feste) Stellen zu schaffen und diese in möglichst vielen Bereichen als direkte Bezugsperson und Ansprechpartner zu installieren. Dazu zählen Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäuser, Krabbelgruppen, Gemeinden etc. Dort sollte die Netzwerkarbeit ausgebaut werden, um Familien und Einzelpersonen zielgerichtet helfen zu können. An dieser Stelle wären regelmäßige Besprechungen der Akteure innerhalb eines Bezirks von Vorteil. Wie bereits einige vor mir geschrieben haben, hat die Erziehungshilfe und speziell das Jugendamt kein gutes Image bei potenziellen Klient*innen. Dies sollte durch breite Öffentlichkeitsarbeit und ein gutes Maß an Transparenz geändert werden. Grundsätzlich fehlt es häufig an Informationen und „Werbung“ für bereits bestehende Angebote. Ziel wäre es, dass auch ohne direkte, größere Probleme Hilfe in Anspruch genommen wird, ohne das dies als negativ angesehen wird. 

Aber: Vorschläge zur Neugestaltung des Familienhilfesystems

Meiner Meinung nach, ist der Grundstein für eine Veränderung im Familienhilfesystems eine Neuorientierung finanzieller Ressourcen.
Die mitunter schlechten Arbeitsbedingungen im Bereich des Jugendamtes haben es über Jahre verantwortet, eine hohe Fluktuation im Personalbereich nach sich zu ziehen. Dadurch leiden Arbeitsprozesse, Zuverlässigkeit und Evaluation bestehender Projekte und Methoden. Hinzu kommt, dass Hilfeprozesse nicht stetig begleitet werden und es zu einem häufigen Wechsel und dadurch Störung im Beziehungsaufbau kommt.
Ich schließe mich den Vorrednern an, dass das Arbeitspensum teilweise nicht zu schaffen ist, sodass es zu qualitativ minderen Prozessabläufen kommt oder schlichtweg etwas vergessen wird. Aus eigener Erfahrung, vergaßen Mitarbeiter des Jugendamtes und der Erziehungsberatung gemeinsame Termine mit Schule und Eltern, sodass der Beratungsprozess gestört wurde. 
Durch eine Verbesserung der finanziellen Aspekte, könnten die Aufgaben besser auf mehre Mitarbeiter verteilt und durch Zeitgewinn eine höhere Qualität erlangen.

Zudem würde ich ein breiteres, vom Arbeitgeber übernommenes Fortbildungs- und Qualifizierungsprogramm begrüßen. Fortbildungsangebote sind teilweise sehr freiwillig, teuer oder schwer zugänglich aufgrund des Ortes oder der Zeit. Eine Vielfalt im Fort- und Weiterbildungsystem würde die Qualität im Familienhilfesystem grundsätzlich stärken und den bereits negativen Schatten in den Hintergrund drängen.
Ich kenne viele Studenten der Sozialen Arbeit, die nach dem Studium besonders in den Bereich der Familienhilfe wollten, sich nach wenigen Jahren jedoch umorientieren, da der Druck auf vielen Ebenen zu hoch ist. Möglicherweise wären weitere Praxisphasen im Studium in Kooperation mit den Familienhilfesystemen eine Möglichkeit, weitere Einblicke vertiefen zu können. Viele Bereiche mit so sensiblen Inhalten, wie im Familienhilfesystem, sind für Praktikanten schwer zugänglich. Eine Kooperation zwischen Hochschule und Praxisanbietern wäre eine hilfreiche Lösung.

Außerdem sehe ich große Chancen in der Neugestaltung der Zielgruppe. Besonders in der Schulsozialarbeit wird der präventive Aspekt, der in den Leitzielen verankert ist, sehr zweitrangig behandelt. Im Schulsystem / Lehrplan ist wenig Platz für Sozialkompetenz fördernde Projekte und viele Schulsozialarbeiter*innen sind eher der fremde Ansprechpartner in der Krise, anstatt im Schulalltag präsent. 
Wäre das Familienhilfesystem allgemein nicht nur kurativ eine Möglichkeit, sondern präventiv für alle Familien ein Begleiter, würde das negative Bild schwinden. Bereits vor Eintreten einer Krise bestünde eine Beziehung zu Einrichtungen der Familienhilfe, sodass die Hemmschwelle sinkt, Hilfe anzufordern. Hilfe anzufordern, erhält in den Augen der Gesellschaft den Chatakter des eigenen Versagens. Familienhilfe sollte präventiv Wege finden, das eigene Bild und das positive Selbstbild der Zielgruppe zu stärken. 
Nur so kann auch ein partizipativer Hilfeprozess stattfinden, ehe es zu „Zwangsberatungen“ zum Beispiel im Bereich der Kindeswohlgefährdung kommt.

Um dieses Beispiel aufzugreifen ist eine verbesserte Kooperation und Kommunikation der Familienhilfe und der Bildungseinrichtungen zu gestalten. Ein gleichberechtigtes Netzwerk, zum Beispiel im Bereich Schule, sollte mittels Arbeitsvertragangleichungen, Teilnahme an schulinterner Wahlen u.a.angestrebt werden. Schulsozialarbeit sollte eine der Lehrerschaft gleichberechtigte Grundlage erhalten, anstatt wie bisher, untergeordnet zu sein.
Diesen Aspekt kann man auf weitere Bereiche der Familienhilfe beziehen.

Five schreibt: Neugestaltung des Familienhilfesystems. Ich würde präventiv vorgehen. Das man alle Frauen und Männer, unabhängig vom Familienstatus, Erwerbstätigkeit und Elternschaft gleichermaßen fördert. Bedeutet ein guten Ausbau außerfamiliärer Kinderbetreuung, großzügige Familienleistungen, spezielle Erziehungszeiten auch für Väter. Des Weiteren sozial abgesicherte Teilzeitarbeit und großzügige Urlaubsregelungen werden geboten. Hinzu kommt ein breit ausgebautes Programm sozialer Dienstleistungen für Kinder und ältere Menschen. Mehr offene Angebote wie Streetworker und Anlaufstellen, würde ich für Jugendliche und Kinder bereitstellen. Gerade die Sozialraumarbeit in Problem Bezirken würde ich Intensivieren. Des Weiteren würde ich spezielle Finanzielle Regelungen ändern. Beispielsweise, dass Jugendliche die in Wohngruppen wohnen ihr Ausbildungsgehalt zu 100 Prozent beziehen dürfen, oder wenn die Eltern Hartz IV bekommen, die Jugendlichen nicht angerechnet werden, damit gewisse Anreize entstehen können.  

Kathi94 schreibt: Eine Neugestaltung des Erziehungshilfensystems:

Es bestehen weiterhin vielfältige Probleme im Erziehungshilfensystem.Durch meine bisherige berufliche Laufbahn habe ich bereits Erfahrungen gemacht mit Problemen, Beispiel:
1. Die Familienhilfe konzentriert sich nur auf ein Kind der Familie, anstatt auf alle 
2. Zu spätes Eingreifen des Jugendamtes,obwohl das Problem einer Misshandlung bekannt ist
3. Eltern veranlassen ständige Schulwechsel der Kinder, um die Problemlage ums Kind zu verschleiern

Ein Vorschlag zur Neugestaltung des Erziehungshilfensystems ist eine deutlich engere Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen. Dies bedeutet einen besseren Austausch zwischen Jugendamt, Schulen, Kindergärten, Jugendtreffs u.s.w. Hier muss eine stetige Fallbesprechung stattfinden (auch bei Schulwechseln). Weitergehend müssen in diesen Institutionen aber auch bessere Schulungen der Betreuungspersonen stattfinden, um die Problemlagen der Kinder zu erkennen und reagieren zu können. Die Familienhilfe sollte zudem auch ein Instrument werden, dass alltäglich scheint und nicht mehr negativ besetzt ist. Eltern müssen von Beginn an ebenfalls „geschult“ werden, welche Hilfen zur Verfügung stehen und wo diese zu finden sind.

L-O24 schreibt: Könnte das Erziehungshilfe System in Deutschland abgeändert werden, so würde ich es befürworten, wenn das Jugendamt seine Aufgabe als Wächteramt erklärbarer und transparenter gestalten würde. Wünschenswert wäre es, wenn das oftmals negativ belastete Bild, durch die Vorteile, welche sich durch die Mitarbeit und Mitgestaltung des Jugendamtes ergeben, positiv geändert wird. Demnach sollen „Kontrolle“ und „Zwang“ weniger in Verbindung mit dem Hilfesystem gebracht werden, sondern vielmehr eine Bereitschaft zur Mitarbeit erfolgen.
Evtl. wäre dies mithilfe eines „Bonusheftes“ umsetzbar. Bereits vor der Geburt, werden künftige Eltern durch regelmäßige Arztbesuche oder Vorbereitungskurse positiv im System vermerkt. Wünschenswert wäre es, wenn die Frühen Hilfen bereits nach der Geburt, innerhalb der Familien tätig werden und sich für Erstbesuche anmelden. Dort können sie sich einen Eindruck der Familienverhältnisse sowie Wohnverhältnisse verschaffen und in ihrer Rolle als Wächteramt im Sinne des Kindesschutzes agieren. Ebenso profitiert die Familie von diesem Besuch, da sie durch die Fachkraft aufgeklärt wird, welche Stadtbezogenen Neugeborenen Kurse, Programme oder Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Hilfe sollte im Besten Falle etwas Freiwilliges und nicht etwas Auferlegtes sein. Demnach sollten die Klienten Familien dazu motiviert werden, dass es sich lohnt mit Erziehungshilfen in Kontakt zu treten. Daher würde auch so ein Besuch positiv in dem Bonusheftes vermerkt werden.
Durch die Ausgestaltung mehrerer Stadtteilbüros, sollte ebenso jedem Bürger gezeigt werden, an welchem Standpunkt die Außenstelle des Jugendamtes tätig und anzutreffen ist.
Durch die zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten des Stadtteilbüros werden Barrieren geöffnet, sodass z.B. Kurse oder Nachhilfestunden, wenn nicht sogar Bürgertreffs dort stattfinden können. Auch durch die Zusammenarbeit mit den anderen einflussnehmenden Erziehungsstellen z.B. den Schulen, könnten regelmäßige Besuche in den Stadtteilbüros zur Aufklärungsarbeit dienlich sein.
Eine fest installierte Notrufstelle, welche für Kinder eingerichtet ist, sollte extra für deren Bedürfnisse, Fragen und Anliegen zur Verfügung gestellt werden. Die Ausgestaltung des Bonusheftes sieht vor, dass Familien z.B. Mutter- oder Vater-Kind Kuren, Freizeitparkbesuche, Sportkurse o.Ä. mitfinanziert bekommen.

Freu schreibt:

Vorschläge zur Veränderung des Erziehungshilfesystems: Freu schreibt: Da ich in dieses Seminar nachgerückt bin, kann ich mich zunächst den Vorschlägen meiner Kommiliton/innen vor mir anschließen. Dazu finde ich besonders wichtig, dass durch die Erhöhung des Personalschlüssels eine adäquate, langfristige und kompetente Beratung von Kindern und Familien sichergestellt wird. Diese Beratung und Begleitung finde ich sowohl im Vorfeld einer Maßnahme/eines Angebotes, als auch nach Beendigung dieser, sehr wichtig. Dadurch soll es nicht immer sofort zu überstürzten Eingriffen, wie z.B. einer Inobhutnahme kommen (Ausnahmen natürlich in dringenden Notfällen notwendig!), sondern vorher das Familiensystem mit all seinen zur Verfügung stehenden Ressourcen durchleuchtet werden. Genügend Zeit für Beziehungsarbeit finde ich an dieser Stelle ebenfalls sehr wichtig, damit eine gute Zusammenarbeit möglich ist und keine „Machtspielchen“ o.ä. zu Lasten der Kinder ausgetragen werden. Ebenso würde die langfristige Nachbetreuung nach der Beendigung einer Maßnahme einen kontrollierten Übergang z.B. in die selbstständige Bewältigung des Alltages oder die Rückführung eines Kindes in den elterlichen Haushalt, sicherstellen. Dadurch können eventuell auftretende Probleme sofort  gemeinsam bearbeitet werden und es droht kein erneuter „Rückfall“ in die vorherige Maßnahme. Um all dies gewährleisten zu können, benötigt es eine frühe Aufklärung der Angebote der Erziehungshilfe, genügend Personal mit ausreichend Zeit und Fachkompetenz und eine gute Netzwerkarbeit.Ebenso würde ich die Bearbeitungszeiträume der gerichtlichen Verfahren inklusive Gutachten erheblich verkürzen wollen. Der Gerichtsprozess nimmt in all den mir bekannten Fällen auf der Arbeit dermaßen viel Zeit in Anspruch, sodass die Kinder bspw. ewig lange in Bereitschaftspflegefamilien verweilen und in der „Schwebe“ sind, weil die Gutachter/in ständig ihre Fristen verlängert oder Gerichtstermine nur mit langer Wartezeit vergeben werden etc. 

Purzel :Das Erziehungshilfesystem in Deutschland ist in der aktuellen Gesellschaft stark von negativen Vorurteilen besetzt. Meiner Meinung nach, müsste zunächst das Image der Erziehungshilfe grundlegend verändert werden, damit Familien die Hilfe als Chance für sich sehen. Die Frage ist hier jedoch, in welcher Weise dies möglich ist. Kinder und Familien sollten im Vorfeld über die Möglichkeiten und Angebote der Erziehungshilfe informiert werden. Dies sollte präventiv und unter Beachtung der Freiwilligkeit geschehen. Die Umsetzung könnte zum Beispiel durch Infobroschüren, Ansprechpartner, Infoabende, usw. an Kindergärten und Schulen geschehen. Dabei sollen Sorgeberechtigte und Kinder gleichermaßen die Chance haben, sich über diese Unterstützungsmöglichkeiten zu informieren. Durch diese präventive Maßnahme können Familien die Angst genommen werden, dass einem die Kinder sofort „weggenommen“ werden. Sie erfahren stattdessen, welche weiteren Angebote es neben der allbekannten Heimunterbringung gibt. 
Des weiteren muss das Personal in vielen Bereichen des Erziehungshilfesystems aufgestockt werden. Es müssen Bedingungen geschaffen werden, bei der die Fachkräfte bestmöglich arbeiten können. Ein Beispiel hierfür wäre die Arbeit beim ASD. Hier kommt es häufig dazu, dass die Sachbearbeiter viel zu viele Fälle bearbeiten müssen, sodass in den einzelnen Fälle nicht immer ein guter Ansprechpartner zur Seite steht. Darunter leidet dann der individuelle Prozess; die Familien bekommen das Gefühl, dass man sich nicht gut um sie kümmert. Dies zeigt sich in vielen weiteren Bereichen genauso, sodass das Problem des Personalmangels angegangen werden muss.
Wenn eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Bereichen der Sozialen Arbeit geschaffen wird, besteht die Möglichkeit, dass Familien viel besser im Rahmen eines Netzwerkes begleitet und unterstützt werden können. Ebenso wird den verschiedenen Fachkräften bewusster, dass sie nicht „alleine“ sind, sondern durch ein multiprofessionelle Zusammenarbeit eine bestmögliche Unterstützung der Familien geboten werden kann.

FräuleinF

Planspiel Neugestaltung des Familienhilfesystems

  • „Früherkennung“: die sog. Willkommensbesuche könnten als eine Art Pflicht durchgeführt werden, nicht nur bei Risikofamilien, sondern allgemein für alle Familien um frühzeitig Defizite erkennen zu können und niederschwellige, weg invasive Angebote anbieten zu können und eine Gefährdung direkt zu vermeiden. Auch frühzeitige Beratung bei Schwierigkeiten wie Schwierigkeiten beim Füttern, Schreibabys oder ähnliches kann so eingesetzt werden und zur Erleichterung in der Familie sorgen.
  • Pos. Präventive Arbeit: Es liegen viele negative Vorurteile gerade dem Jugendamt gegenüber vor. Das Jugendamt tue nichts oder klaue Kinder um sich daran zu bereichern sind nur zwei davon. Verschiedene Veranstaltungen mit positiver Atmosphäre, wie kleinere Feste, Elterncafes, Spielenachmittage, etc. an welchen sich das Jugendamt positiv und nahbar darstellt, können helfen um Brücken zu bauen und neue positive Bilder innerhalb der Bevölkerung zu schaffen
  • Tage der offenen Tür: Solche Tage in verschiedenen Einrichtungen der offenen und der stationären Jugendhilfe, in Beratungsstellen oder auch beim Jugendamt könnten dazu beitragen, Hemmungen abzubauen, sodass Klienten frühzeitig Hilfe suchen und die entsprechenden Stellen aufsuchen und nicht erst, wenn schon eine akute Gefährdung besteht. Auch könnte so mehr über verschiedene Angebote und Möglichkeiten aufgeklärt werden, indem diese besser zugänglich sind an Tagen der offenen Tür.
  • „Werbekampagnen“: Durch mediale, positive Präsenz kann Aufklärung betrieben werden oder daran gearbeitet werden, negative Bilder der Bevölkerung auszugleichen. Bspw. könnten Kampagnen zum Akquirieren neuer Pflegeeltern genutzt werden (aus meinem beruflichen Kontext heraus konnte ich beobachten, dass hier ein großer Mangel besteht).
  • Mehr Geld für Personal: Mehr Personal bedeutet mehr Möglichkeiten frühzeitig in Prozesse einzusteigen und sich den entsprechenden Klienten intensiver widmen zu können und individuelle Bedürfnisse und Bedarfe festzustellen und zu bearbeiten. Gerade im Jugendamt besteht ein sehr hohes Fallaufkommen, sodass Prävention kaum möglich ist und sich auf die Nachsorge (Bearbeitung von akuten Krisen) konzentriert wird.

02 In der zweiten Sitzung des Seminars steht die Analyse der derzeitigen Verhältnisse im Mittelpunkt des podcasts.

Vorab eine wichtige Information. Aufgrund eines Todesfalls in meiner Familie kann ich am 12. und 13.10. leider nicht wie gewohnt E-Mails bearbeiten und meine Homepage moderieren. D.h.: Sie können mir natürlich Ihre Beiträge zusenden. Ich antworte aber unter Umständen erst am 14.10.

Über die Auswirkungen von Globalisierung, Digitalisierung und Individualisierung

Tab 3: Auswirkungen gesellschaftlichen Wandels auf die Erziehungshilfe 
Globalisierung

Digitalisierung / Robotisierung

Abnehmende Bedeutung von Religion

Individualisierung

Folge: Familien sind in Schwierigkeiten: Erwerbsarbeit wird für große Teile der Bevölkerung unwichtig, Sinnstifter verschwinden, Kinder sind durch Zugänglichkeit von Pornographie und Gewaltdarstellungen in Gefahr, Beziehungen werden durch leichte Zugänglichkeit von Tinder & co destabilisiert.
Tabelle 4: Mögliche Strategien
Politik: 
Finanzierung eines gemeindewesenorientierten Umbaus des Ruhrgebiets: Rückbau von Industriebrachen und Betonwüsten, Wohnungsbau von Armen für Arme, Förderprogramme für Handwerk, Naturschutz & Kultur 

Effektive Besteuerung und Kontrolle der digitalen Konzerne – Robotersteuer

Anti-Gentrifizierungs & Anti-Ghetto-Politik

Ausbau/Umbau des Bildungs- & Sozialwesens: Elitenförderung & Armenbildung, Partnerschaft & Familie und Digitale Bildung als Unterrichtsfach

Soziale Arbeit: Empowerment für ein gutes Leben, Präventionsorientierung, Erziehungsbegleitung, Erziehungshilfemittel nach Bedarf und nicht nach Finanzkraft bereit stellen,  Demokratische Kontrolle der Erziehungshilfe 

Aber: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rand der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, Struktur zu geben.

Antwort:

Zielsetzungen:

Sinnstiftung durch Erkennen und Anerkennung von Stolz

Selbstwirksamkeit

Empowerment

Lösungsfokussierte Begleitung

Die Zielsetzungen in Angeboten für Menschen am Rand der Gesellschaft ohne Arbeit müssten Aspekte der Sinnstiftung im Erkennen und Anerkennen von Stolz der jeweiligen Adressaten sein. Der Bereich Arbeit als Sinngebung besteht nicht, was sich negativ auf andere Bereiche auswirkt. Ein Erkennen von Sinnhaftigkeit in anderen Bereichen sowie eine Anerkennung dieser sind eine Grundlage für das Erstellen diverser Angebote für o.g. Zielgruppe. 

Dabei muss die Selbstwirksamkeit betrachtet werden, die mitunter als Ziel des Empowerment fungiert. Die Adressaten müssen selbst Leistungen erkennen, Ziele benennen, Wege entwickeln und die selbstwirksam erreichen. Menschen am Rande der Gesellschaft sind teils geprägt von einem hohen Maß an mangelnder Selbstakzeptanz, haben wenig Selbstvertrauen oder -sicherheit. Um diese Selbstwirksamkeit zu erreichen, gilt es, die Adressaten zu bestärken, sich mit den eigenen Fähigkeiten und Kenntnissen auseinanderzusetzen, das positive Selbstbild zu stärken und die Selbstwirksamkeit zu erreichen. Das geschieht nicht, indem dass den Adressaten Wege vorgegeben werden, sondern diese Wege und Erkenntnisse dienen der Erarbeitung der Selbstwirksamkeit der einzelnen Adressaten, die im Rahmen der Sozialen Arbeit begleitet werden.

Es gilt bei Angeboten für die Zielgruppe, den defizitären Blick abzuwenden und lösungsorientiert Hilfestellung zu geben. 

Das bedeutet, dass Ursachen für die Arbeitslosigkeit, Ursachen für Probleme innerhalb der Familie oder Ursachen für die eigene Unzufriedenheit wichtig, jedoch für erste Angebote, sekundär sind. Lösungsfokussierte Angebote in dem Rahmen dienen der Auseinandersetzung der eigenen Person, der familiären Situation und zielen auf Veränderung ab, sodass die Selbstwirksamkeit und damit Stolz über das eigene Handeln einhergehen kann. 

Die Ursachen für Problematiken sollten natürlich ergründet werden, jedoch nicht als Erstangebot, sondern in separaten Einheiten. 

Angebote der Kinder- und Jugendhilfe sollten diese Aspekte innehaben, um eine Sinngebung für die Menschen am Rande der Gesellschaft zu ergründen.

Trotz der im Beitrag genannten gesamten negativen Auswirkungen, sehe ich auch viele positive Punkte und Chancen im Bereich Digitalisierung, Individualisierung und gesellschaftliche Veränderungen, die gerade stattfinden. Als Beispiel möchte ich die Angebote des Austauschs in sozialen Netzwerken nennen. Während der Pandemie bedingten Schließungen kamen täglich neue „Facebookgruppen“ für die Bereiche Beschäftigungsideen mit Kindern zu Hause, Bastelangeboten mit kostenlos zur Verfügung gestellten Vorlagen via PDF-Datei, Sportangebote mit Verlinkungen zu Youtubechannels für die Bewegung daheim und Kochideen für die gemeinsame Zubereitung aller Altersklassen. 

Bei Instagram warben täglich mehrere User für Achtsamkeit für Mütter aufgrund der Diversität in der Care Arbeit. Es gab etliche Weiterleitungen zu örtlichen und überregionalen Hilfeangeboten und der Spruch „es ist okay, wenn es dir nicht gut geht“ wurde in jeglichen „Stories“ bekannter und unbekannter User verwendet. 

Forenbeiträge über Eingeständnisse der Hilflosigkeit wurden täglich mehr und es entstand ein Unterstützungsnetzwerk mit Weiterleitungen zu professionellen Hilfestellen. 

Das Thema Selbstachtsamkeit, Entspannung, Annehmen von Hilfe und Leisten von Hilfe hat während der Pandemiezeit an Stellenwert in der Gesellschaft gewonnen. Die Angebote waren allesamt niedrigschwellig und zum Großteil anonym, sodass eine Inanspruchnahme, auch professioneller Hilfeangebote, auch für die Adressaten in unserem Planspiel leicht zugänglich waren. 

Dieser Ansatz ist auf Angebote der Kinder- und Jugendhilfe übertragbar: vermehrt und ergänzend online gehen. Die Menschen da abholen, wo sie gerade stehen. Präventiv oder kurativ. 

Möchte man nun über konkrete Angebote nachdenken, die die zuvor genannten Zielsetzungen in der Entdeckung von stolzmachenden Aspekten innehaben, so würden diese zum Teil auch online realisierbar sein. 

Vermehrte und frei zugänglichere Onlineangebote für Eltern, die nicht in Form von belehrenden Grundlagenvermittlungen wie „Elternführerscheinen“ oder andere verlaufen, sondern eher in Anlehnung an das biopsychischen Modell, auf den Körper-Seele-Einklang einwirken. 

Das Modell, dass den Körper und die Seele in Einheit bringt, betrachtet drei Aspekte. Die biologische Ebene, die der medizinischen Gesundheit und dem körperlichen Wohlbefinden dient. Die psychische Ebene, die die Bewältigung individueller Bewältigungs- und Gestaltungsrichtungen anspricht. Und zuletzt die soziale Ebene, die Komponenten des sozialen Lebens inne hat. Hat ein Mensch nie gearbeitet, oder arbeitet nicht mehr oder ist derzeit arbeitssuchend, gilt dies als ein Aspekt im sozialen Bereich des biopsychischen Modells. Der soziale Bereich kann zudem auch andere Punkte, außer Arbeit, zum inneren Einklang miteinbeziehen. Als Beispiel eben Familienleben, Beziehungsgestaltung bezüglich Freundschaften, Vereinsaktivitäten und andere. 

Um Angebote zu schaffen, wirkt es unterstützend, sich individuell die verschiedenen Komponenten des biopsychischen Modells zu betrachten. Besteht, jenseits der Selbstwirksamkeit im Bereich Arbeit, ein Einklang anderer Bereiche? 

Welchen Bereichen muss Aufmerksamkeit geschenkt werden, um ein positives Selbstbild zu entwickeln und letztendlich Selbstwirksamkeit in Sinnhaftigkeit zu ermöglichen? 

Konkrete Onlineangebote im präventiven Sinne könnten sein: 

Offene und kostenlose Kurse zu Achtsamkeitsübungen im Alltag. Familien am Rande der Gesellschaft, haben oft ein negatives Selbstbild. Durch einzelne Übung, die online abrufbar sind und einfach und kostenlos in den Alltag integriert werden können, kann ein positives Selbstbild verstärkt werden. 

Mögliche kleine Übungen könnten sein: Jedes Mal, wenn etwas Positives in einer bestimmten familiären Situation passiert, wird ein Kreis auf ein Blatt gemalt. Am Ende des Tages betrachtet man dieses Blatt und evaluiert die Positiverlebnisse. Fragen könnten hier sein: War es mein Verdienst? Was habe ich geleistet? Welches Gefühl habe ich dabei? Was hat mich stolz gemacht? Auch Übungen der Entspannung, Input für Familienzeiten und Stärkung des Selbstwertes durch eine Onlinebegleitung während der Kurse sind Optionen. 

Fernab der onlinebasierten Möglichkeiten gibt es Präsenzangebote für die Zielgruppe. In Form von kostenlosen Kursangeboten zu oben genannter Thematik. 

Eine Vernetzung der Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe halte ich für sehr sinnvoll für etwaige Angebote. Weniger zur Überwachung mit Entbindung jeglicher Schweigepflichten, vielmehr zu Kompetenzsteigerung in den sozialen und psychischen Bereichen. Eine Vernetzung der Einrichtungen Schule und Kinder- und Jugendhilfe in ausgedehnter Form über die Schulsozialarbeit hinaus, wäre eine Option für Angebote. Stetige Treffen mit Eltern, die mit Inhalten zur Entwicklung eines positiven Selbstbildes trotz Arbeitslosigkeit beitragen. So wäre eine Vertrauensbasis geschaffen und die eigenen Kompetenzen und Grenzen könnten im stetigen Austausch lösungsfokussiert beraten werden. 

Weitere Vernetzungen wären, in Anlehnung an das biopsychische Modell, die Vernetzung von Fachkräften aus anderen Bereichen mit Angeboten für Familien und Menschen am Rande der Gesellschaft. 

Ernährungsberatende Kurse finde ich nicht abwegig, lediglich die Ausrichtung finde ich veränderbar. Das eigene Wohlbefinden, die eigene Gesundheit sollte mitunter in den Mittelpunkt rücken, um einen Einklang zwischen Körper und Seele und zu erreichen. 

So könnte man Angebote schaffen hinsichtlich gesunder und günstiger Ernährung und nicht nur auf Ernährungstipps fokussieren, die für Menschen am Rande der Gesellschaft zum Teil sehr teuer sind. Die Struktur und Selbstorganisation fällt schwer, wenn man finanziell nicht für vier Wochen planen kann. Die Aspekte gesunde Ernährung aller, Wocheneinkäufe und Finanzen sind eine große Belastung. Kursangebote, mit einem positiven Blick und Ausgestaltung durch Teilnehmerbeiträge und Erfahrungen wären eine gute Unterstützung auf Strukturverhältnisse im Alltag.

Auch niedrigschwellige Sportangebote wären eine Option im Rahmen einer Vernetzung. Vereinssport ist relativ teuer und damit für Menschen am Rande der Gesellschaft nicht zugänglich. Zudem erschwert das nicht flächendeckende Angebot den Zugang, denn meist ist kein Auto vorhanden. In der Nähe der Grundschule wohnen die Familien allerdings bereits. Eine Vernetzung hinsichtlich Ort der Angebote in Schule, Gemeinde, Kindergarten wäre hier eine denkbare Option für den gesundheitlichen Bereich zur Stärkung des Körpers. 

Auch beim Sport lassen sich Gesprächsinhalten integrieren – wieviele Übungen habe ich heute geschafft? Bin ich stolz auf mich? 

Ich denke, es gibt eine Reihe an Möglichkeiten, Angebote der Kinder- und Jugendhilfe zu schaffen, welche Erwachsenen am Rande der Gesellschaft zur Entwicklung eines positiven Selbstbildes verhilft.

Wichtig finde ich, um auf das den Beitrag Bezug zu nehmen, dass die Felder ersetzt werden, die durch die gesellschaftliche Entwicklung nicht mehr präsent sind. Das heißt, den persönlichen Austausch in die Lebenswelten verlegen, mehr digital agieren. Kirchen und Gemeinden als Ansprechpartner durch Kurse und Angebote ersetzen, sodass stetig eine Vertrauensbasis und Bezug besteht. Angebote auf die Entwicklung eines positiven Selbstbildes im Einklang mit Körper, sozialen und psychischen Aspekten bereitstellen, die leicht zugänglich sind. Netzwerk der Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe ganzheitlich ausbauen. Ferner das Angebotssystem auf Familien und deren Kompetenzen ausrichten, anstatt lediglich den defizitären Blick in verpflichtenden Hilfeangeboten schaffen. 

theperksofbeingkathi: Meine Ideen zu Verbesserung des Familienhilfesystems wären folgende:

– das Image des Jugendamts müsste verbessert werden, da das Wort für viele negativ chronitiert sind.
– mehr präventive Angebote für Familien (Beratungsangebote, Aufklärungsarbeit etc.)
– bessere Kommunikation zwischen den einzelnen Dienstleistern (Schule, Sportverein, Kindergarten, Ärzte, Beratungsstellen, Hebammen etc.)
– mehr Strukturprojekte in Stadtteilen
– Kontakt mit den Familien so früh wie möglich beginnen (Beispielsweise Flyer für Angebote zukommen lassen).

StTi

  • Für Menschen am Rande der Gesellschaft könnte es sinnvoll sein Aufgaben anzubieten, die einer Gemeinschaft helfen um wieder einen näheren Bezug zur Gesellschaft zu bekommen. Anbieten würden sich hier städtische Projekte, wie zum Beispiel ein Gemeinschaftsgarten, um den sich alle Nachbarn gleichermaßen kümmern können und benutzen dürfen. Neben dem gemeinschaftlichen Aspekt des Projektes besteht für jede Person zudem die Möglichkeit eine individuelle Aufgabe zu übernehmen. Diese kann dann in eigener Verantwortung verrichtet werden und nach erfolgreichem Abschluss förderlich für die Empfundene Selbstwirksamkeit sein.
  • Für die Aneignung und Aufrechterhaltung einer Struktur ist Beständigkeit gefragt. Menschen die längere Zeit nicht oder noch nie gearbeitet haben fehlt diese Beständigkeit meist komplett. Um hier Struktur zu etablieren ist es wichtig ein Konzept zu entwickeln, welches im besten Fall freiwillig von den Klienten angenommen wird und zur selben Zeit die Einhaltung der vorher festgelegten Vorgaben kontrolliert. Durch einen leichteren Zugang zu diesen Hilfen könnte man zudem noch mehr Klienten gewinnen.

Jetut:

Wie kann man Angebote schaffen, damit Menschen am Rande der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind?

In welche Richtung muss man denken um Menschen, die nicht (mehr) arbeiten Struktur zu geben?

  • Mehr Sozialer Wohnungsbau -> gibt die Möglichkeit sich in seinem Zuhause wohlzufühlen
  • Durchmischung der Gesellschafft. Keine Ghettos/Gentrifizierung mehr. -> Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten leben miteinander und nicht aneinander vorbei. Vorurteile und Ängste können abgebaut werden.
  • Quartiersmanagement/Sozialraumarbeit: Projekte und Aufgaben in Quartieren, um Menschen am Rande der Gesellschaft die Möglichkeit zu geben Talente kennenzulernen/zu entdecken und mit ihrem Talent etwas Gutes für die Nachbarschaft zu tun, Anerkennung zu erfahren, Erfolgserlebnisse zu haben
  • Schulfächer, die gemeinschaftsfördernder sind: Gesellschaftskunde in der vermittelt wird, das jede*r in der Gesellschaft von Bedeutung ist, grundlegende Strukturen in der Demokratie und Beteiligung erklärt

Fyve:

1.. Menschen am Rande der Gesellschaft dazu bringen, auf etwas stolz zu sein.

2. Des Weiteren wie verleihe ich diesen Menschen Struktur. 

3. Mein Ansatz wäre es zu verhindern Menschen das Gefühl zu geben, am Rande der Gesellschaft zu sein beziehungsweise das Gefühl zuhaben ausgeschlossen zu werden. Durch die Leistungsgesellschaft in Deutschland haben viele Kinder und Jugendliche schon in der Schule früh das Gefühl ausgeschlossen zu werden. Hier sollten wir den Fokus auf die Stärken legen, damit ein Gefühl von stolz überhaupt entstehen kann. Die Kinder und Jugendlichen werden dadurch selbstbewusster und trauen sich in verschiedenen Bereichen mehr zu. Bedeutet eine Änderung des Schulsystems in Deutschland. Außerdem Änderungen der Finanziellen Situation von Kindern und Jugendlichen, die in einer Wohngruppe Leben und dabei sind eine Ausbildung zu absolvieren. Sie sollen ihr Ausbildungsgehalt behalten, weil Geld ein entscheidender Faktor ist, um Wertschätzung für das geleistete auszudrücken. Dies gilt auch für Familien, wo die Jugendlichen Geld abgeben müssen an den Staat, weil ihrer Eltern Hartz 4 beziehen.

4. Die Schulen sollten ihre Angebote nach dem Unterricht intensivieren bedeutet Angebote erschaffen, damit Kinder und Jugendlichen Interesse haben auch nach der Schule zum Beispiel noch an einem Fußball Training kostenlos teilnehmen zu wollen. Dadurch bekommen Kinder und Jugendliche eine gewisse Grundstruktur. Auch Intensive Sozialraumarbeit kann den Kindern und Jugendlichen Struktur in ihrem Alltag geben.

Mavi: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rande der Gesellschaft stolz auf sich sind?

Viele dieser Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft befinden, sind bereits in diese Position hineingeboren. Diese gesellschaftliche Rolle wird also häufig von Generation zu Generation weitervererbt. Viele Gegebenheiten im alltäglichen Leben werden von diesen Menschen als „Normal“ angesehen und sie geben sich oftmals mit ihrer Situation ab. Ich finde, dass man niederschwellige Angebote schaffen sollte, die an den individuellen Ressourcen der Menschen anknüpfen. Jeder Mensch hat Stärken und Talente in sich. Diese müssen erweckt, hervorgehoben und genutzt werden. 

Für die Kinder und Erwachsene könnten solche Angebote folgendermaßen aussehen:

  • Im Kindergarten Bereich könnten Ags / Projekte angeboten werden, die verschiedene Anforderungen an die Kinder implizieren. In Elterngesprächen könnte eine entsprechende Unterstützung zur Vertiefung der beobachteten Ressourcen der Kinder angeboten werden: Vermittlung an Sportverein, Tanzgruppe, etc.
  • In der Schule könnte an einem Tag ein fester AG-Tag eingeführt werden. Die Kinder könnten sich so, für eine AG entscheiden, die sich an ihren individuellen Interessen orientiert. Diese AG könnte den Kindern neue Kompetenzen und Möglichkeiten vermitteln.
  • Ein Schwerpunkt könnte auch die Projektarbeit darstellen, beispielhaft sei hier ein Zurkusprojekt erwähnt. Dieses Projekt sollte das gesamte Schulpersonal, die Schüler -und Elternschaft mit einbeziehen. Eltern könnten kleinere Gruppen, mit entsprechender Unterstützung begleiten, die Organisation von Verkaufsständen übernehmen, Kinder schminken, etc. Gemeinsames Tun schafft ein Wir-Gefühl und die Eltern erfahren gleichzeitig das Gefühl wichtig zu sein – sie werden gebraucht. Diese Faktoren stärken ihr Selbstbewusstsein nachhaltig. Eine tolle Wertschätzung für die Eltern ist es, wenn das eigene Kind auf das Engagement der Eltern stolz ist. 
  • Besonders die Bildungsinstitutionen können ihre Angebote immer wieder so ausrichten, dass sie die Ressourcen der Eltern und Kinder mit einbeziehen und auch gerne nutzen. Ich denke, dass es dennoch wichtig ist, dass Fachpersonal diese Angebote mitbetreut, um bei Bedarf unterstützen zu können und gleichzeitig den Rahmen für einen hilfreichen Austausch zu gestalten. 
  • Erwachsene könnten sich in das Schulleben weiterhin einbringen, indem sie als Lese-Paten, AG-Unterstützer (Bastel-Opa, Näh-Oma, Koch-Mama, Garten-Papa,) etc. eingesetzt werden. 
  • Außerhalb der Bildungsinstitutionen könnte eine organisierte Nachbarschaftshilfe diesen Menschen dazu verhelfen, ihre Stärken für andere einzubringen und sich gegenseitige zu helfen.
  • Viele Städte verfügen über eine Ehrenamtsagentur, die vielen Menschen die Möglichkeit bietet, sich sinnstiftend in die Gesellschaft einzubringen.

Zesel: Einer der größten Hürden wird es sein die Familien zu erreichen und die Inanspruchnahme der Hilfen zu bewirken. Sie sind eingeschränkt in ihrer Mobilität und die Sorge oder auch Scham sind vorhanden, um sich Hilfe zu holen. Dadurch fühlen sich einige Menschen unfähig und in eine Schublade gesteckt.
Stattdessen soll die Familie befähigt werden und auch damit verbunden die Strukturierung des eigenen Alltags. Damit die Struktur bestand hält, muss die Familie partizipativ eingebunden werden. Sozialarbeiter_innen die nah an der Familie „dran sind“ z.B. durch aufsuchende Soziale Arbeit, SPFH haben einen genaueren Blickwinkel. Die Schule wird bei der Struktur eine zentrale Rolle spielen. Innerhalb der Familie sollen Momente geschaffen werden, wo alle beisammen sind, z.B. das Abendessen. Die digitalen Medien bleiben stumm und die Familienmitglieder tauschen sich über ihren Alltag aus. Die Beziehungen und die Gemeinschaft werden dabei gefördert. Jedes einzelne Familienmitglied fühlt sich wahrgenommen und auch wertgeschätzt. Erfolge wie auch Misserfolge werden gemeinsam durchlebt.
Vielen Familien sind die kostenlosen Angebote nicht bewusst. Die Fachkräfte sollten das Wissen über kommunale Angebote besitzen. Des Weiteren sollten kostengünstige Angebote geschaffen werden, damit Familien mit finanziellen Engpässen einen schönen Familienausflug leisten kann. Innerhalb der Familie könnten dann neue Fähigkeiten und Interessen entdeckt werden. Als Beispiel nehme ich einen Zoobesuch. Die Kinder nehmen die Tiere wahr und beobachten diese. Dabei entdecken sie Menschen die mit den Tieren zusammenarbeiten. Erste berufliche Wünsche/ Berufsinteresse können gebildet werden (Zukunftsvisionen).
Die Selbstwirksamkeit und die Ressourcen müssen gefördert werden, um das Selbstbewusstsein zu steigern. Wenn die Familie sich selbst befähigen kann und Erfolge wahrnimmt, dann sind die einzelnen Personen entschlossener weitere Erfolge anzustreben.

cora1108: Um Angebote schaffen zu können, die dazu führen, dass Menschen auf sich und das was sie tun, wirklich stolz sind, sollten genau diese Menschen in die Entwicklung dieser Angebote miteinbezogen werden. Es könnten Arbeitsgruppen gebildet werden, die aus freiwilligen Personen bestehen, die aus den sogenannten Problemfamilien stammen. Die Einladung in diese Gruppen könnte durch Fachkräfte der Erziehungshilfe erfolgen, die Kontakt zu diesen Familien haben. In diesen Arbeitsgruppen würden Fachkräfte und die „betroffenen“ Personen gemeinsam erarbeiten, welche Angebote schon bestehen, welche noch und wie verbessert werden müssten und an welchen Angeboten seitens der Familien überhaupt Interesse besteht. 
Außerdem könnten mehr Ehrenämter in Bereichen, in denen ein solcher Einblick noch nicht möglich ist, dazu beitragen, dass Menschen, die ihre Interessen noch nicht kennen, wieder einen Sinn für sich finden.
 Ich selbst war in einem Sportverein, der kostengünstigere Plätze für Kinder aus Problemfamilien anbot (ohne diese kenntlich zu machen). Dadurch bot sich ihnen die Chance auf einen festen Platz in einer Gemeinschaft, eine Aufgabe und einen Grund, stolz auf sich und das Team zu sein. 
Um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder dies noch nie taten, eine Struktur zu geben ist mein Vorschlag, die Altersbegrenzungen für ein freiwilliges soziales Jahr aufzuheben. Durch ein solches oder ähnliches Jahr, es gibt da ja viele Möglichkeiten, können Interessen geweckt werden und es werden automatisch die Strukturen eines Arbeitsfeldes kennengelernt. 

Keks: Wie kann man Angebote schaffen, damit Menschen am Rande der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben Struktur zu geben?
Arbeitslosigkeit bringt zunächst häufig erst einmal einen Statusverlust mit sich, welcher unter anderem durch Ausgrenzungserfahrungen zu einem Verlust des Selbstwertvertrauens und Selbstbewusstseins führen kann. Um diese wieder aufzubauen, benötigen die Menschen ein soziales Umfeld (Freunde, Familie, Nachbarn), die den arbeitslosen Menschen trotzdem mit Respekt begegnen und diesen nicht abwerten. Des Weiteren wird es durch die fehlende Tagesstruktur mit der Zeit immer schwieriger seinen Alltag zu ordnen. Um seinen Alltag zu strukturieren, benötigt es denke ich vor allem bestimmte Fähigkeiten/ Kompetenzen und Routine. Es sollte weniger nach den Defiziten geschaut werden, sondern mehr nach den vorhandenen Ressourcen. Diese Fähigkeiten können sein, dass sich jemand noch um eine Familienangehörigen kümmern muss, ein Haustier hat oder noch einem Hobby nachgeht. Daran lässt sich anknüpfen und die dadurch erworbenen Kompetenzen weiter ausbauen. Mit den vorhandenen Ressourcen lässt sich etwas erreichen, was die Person selbst geschafft hat und darauf stolz sein kann (Zum Beispiel beim Joggen, wenn immer mehr Kilometer gelaufen werden oder wenn er oder sie schafft den jungen Hund zu erziehen). Dieser Ansatz lässt sich mit Hilfe eines guten sozialen Umfelds umsetzen.
Da dieses aber nicht immer gegeben ist, ist es wichtig auch jene Menschen zu erreichen, die nicht von ihrem direkten Umfeld unterstützt werden, beispielsweise durch niedrigschwellige Angebote wie offene Treffs oder anonyme Selbsthilfegruppen, welche auf Augenhöhe stattfinden und nicht durch Therapeuten oder Sozialarbeiter geleitet werden.
Da auch Kinder schon am Rande der Gesellschaft stehen (vor allem durch Armut) ist es wichtig die Chancen auf Teilhabe zu verbessern. Angefangen in den Kitas und Schulen durch kostenlose Angebote, damit kein Kind aufgrund fehlender finanzieller Mittel ausgeschlossen wird. Aus einer vielseitigen Auswahl an AGs in Schulen können Kinder für sich ein passendes Angebot aussuchen, sich ausprobieren und in einem sozialen Rahmen herausfinden, wo ihre Stärken liegen. Durch positive Rückmeldungen von Lehrern und Gleichaltrigen stärken sie ihr Selbstbewusstsein und können auf etwas stolz sein.

Elli: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rand der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, Struktur zu geben.
Ich denke, es sollten niederschwellige und unbedingt freiwillige Angebote sein. Denn, wenn Menschen in einem „Muss“-Kontext stehen, können sie sich meist weniger darauf einlassen. Diese Angebote sollten dem Menschen ein Gefühl von „ich werde gebraucht“ geben. Sie sollten dort ihre Stärken kennenlernen und neue Fähigkeiten entdecken können.
Es könnte z.B. eine Art Familientherapie sein. Da das Wort „Therapie“ meist abschrecken wirkt, könnte es z.B. „Familienwerkstatt“ genannt werden. Hier treffen sich dann verschiedene Familien und verbringen z.B. einen Nachmittag zusammen. Es findet ein Austausch statt, Familien merken, dass sie mit ihren Problemen nicht alleine sind und knüpfen vielleicht neue Bekanntschaften / Freundschaften. Durch verschiedene Spiele z.B. „Das Stärkentier“ können jeder Familie die eigenen Stärken deutlich und somit bewusster gemacht werden. (bei diesem Spiel überlegt jedes Familienmitglied, was er/sie gut kann. Z.B. schnell rennen. Als nächstes wird dann überlegt, welches Tier schnell rennen kann, (z.B. ein Gepard). Dann wird ein Körperteil des Gepards auf ein Blatt gemalt. Dies wird dann für jedes Familienmitglied gemacht. (z.B. Mama beobachtet alles, dies könnte eine  Giraffe sein, weil sie von oben alles im Blick, der Papa ist stark, dies könnte der Löwe symbolisieren, etc. hat Am Ende entsteht dann das „Stärkentier“, in dem sich jedes Familienmitglied wiederfindet).
Eine weitere Möglichkeit wäre z.B. ein „Do-it-yourself“ (online-) Kurs. Hier könnten Familien u.a. lernen, wie sie mit wenig Kostenaufwand neue Dinge erschaffen können, z.B. Bilder malen oder etwas über das Upcyling ihrer Möbel lernen etc. So können sie selbst etwas erschaffen.
Auf Plattformen könnten sie sich über Probleme etc. austauschen und vielleicht einen Ratschlag an andere Familien in der gleichen Situation geben.
 Wenn jemand z.B. gut malen kann, Handwerklich begabt ist, gut tanzen kann etc. könnte er dies an andere Menschen weitergeben.
Allerdings wird im Internet häufig auch das perfekte Leben suggeriert (z.B. auf Instagram). Durch einen Filter sieht man die perfekt aufgeräumte Wohnung, trotz Kinder, die Eltern sind gestylt und es läuft scheinbar alles perfekt. Es gibt sicherlich auch Accounts, die authentischer sind, aber dies sollte man im Hinterkopf behalten, damit man sich selbst nicht unter Druck setzt und sich mit den Menschen auf Instagram vergleicht.
Eine Nachmittagsbetreuung für die Kinder würde die Eltern entlasten und sie hätten ein paar Stunden für sich und können wieder Kraft tanken.
 Ich denke, dass es am wichtigsten ist, dass sich die Menschen vernetzen. In welcher Form auch immer, ob z.B. beim Sport oder in (Online) Kursen etc. spielt dabei keine Rolle. Der Austausch ist sehr wichtig und dass die Menschen merken, dass sie nicht alleine sind, dass sie gesehen werden.
Für Menschen, die nicht mehr arbeiten gehen (können) oder noch nie gearbeitet haben, ist es wichtig, dass sie eine Tagesstruktur bekommen. Hier könnten ihnen Angebote helfen, die an festen Tagen stattfinden. Z.B. könnten sie mit den Hunden im Tierheim zu festen Zeiten spazieren gehen. So bekommen sie einen Rhythmus, verlassen ihre Wohnung, bewegen sich an der frischen Luft und haben das Gefühl, dass sie gebraucht werden. Außerdem freuen sich die Hunde, wenn sie die Menschen wiedersehen und das steigert das Wohlbefinden.
Des Weiteren könnten sie z.B. sich im Altenheim mit den Menschen unterhalten oder Spiele spielen oder als Schülerlotse tätig sein.
Sport- und Kreativgruppen dienen zudem als Vernetzungsmöglichkeit, es können neue Freundschaften geknüpft werden und durch Bewegung wird das Wohlbefinden gesteigert.
Es sollte zudem Angebote geben, bei denen sie einen Tagesplan erstellen können. Wann stehe ich auf? Wann gehe ich einkaufen? Wann putze ich? Etc. Allerdings ist es wichtig, dass auch hier kein „Muss“-Kontext entsteht und der Mensch das Gefühl bekommt, dass er kontrolliert wird.

LeBe: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rand der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, Struktur zu geben?

Meine Überlegungen:

  • Stärken herausfinden/offenlegen und darauf fokussieren: Den Menschen kostenlose Angebote geben (z.B. Einzelgespräche), wo herauskristallisiert werden soll, was die Menschen gerne tun, was sie gut können und wo ihre Stärken liegen. Im Zusammenhang damit dann Schnupperkurse, für gewählte Arbeitsfelder anbieten, um auch den wieder Einstieg in das Arbeitsleben so leicht wie möglich zu gestalten. Auch mögliche alternative Wege aufzeigen, um den Menschen „am Rande der Gesellschaft“ eine gute Zukunftsperspektive zu geben.
  • Dabei spielt auch das Netzwerk wieder eine wichtige Rolle. Stetige Verbesserung und Ausbreitung ist notwendig. Mehr Institutionen sollten diese Möglichkeiten/Unterstützungsmaßnahmen selbst anbieten und auch Menschen, die längere Zeit ohne Arbeit waren mit offen Armen begrüßen und sie durch bestimmte Projekte wieder in das Arbeitsleben einbinden.
  • Arbeitslosigkeit ergründen: Wo liegt das eigentliche Problem? Krankheit, familiäre Probleme, usw.? Darauf dann gezielt Angebote, Gespräche, mögliche therapeutische Unterstützungen ausrichten.
  • Präventiv arbeiten: Durch frühzeitige Angebote, Transparenz und bessere Erreichbarkeit versuchen, es gar nicht zu einer solchen Situation kommen zu lassen und die Menschen so früh wie möglich aufzufangen.
  • Beginnen auch die Freizeit zu gestalten, um so auch Kontakte zu knüpfen. Regelmäßige (z.B. wöchentliche) Freizeitangebote anbieten, die vielseitig und vor allem auch kostenlos sind. Dadurch finden Menschen am Rande der Gesellschaft wieder Anknüpfpunkte und gleichzeitig ergibt sich wieder eine Struktur in ihrem Alltag. -> Dabei spielt der Faktor Sport auch eine wichtige Rolle, da man sich durch Bewegung nicht nur fit und gesund halten kann, sondern man sich nach dem Sport auch gut fühlt und neue Energie schöpft.
  • Verantwortung übertragen/ Gebraucht werden/ Wichtig sein: (Zum Beispiel) Grade in Zeiten von Covid-19 hat die Nachbarschaftshilfe wieder sehr viel an Wichtigkeit gewonnen. Es gibt immer Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind und nicht immer welche bekommen. Man sollte hier gezielt durch Angebote und Projekte Menschen am Rande der Gesellschaft in diese Hilfen einbinden, denn so hilft man nicht nur den Menschen, die zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr einkaufen gehen können, sondern auch die Menschen „am Rande der Gesellschaft“ bekommen ein gutes Gefühl in dem sie Gutes tun, gebraucht werden und anderen Menschen helfen.

Freu schreibt: Menschen am Rande der Gesellschaft dazu bringen, auf etwas stolz zu sein. Des Weiteren wie verleihe ich diesen Menschen Struktur. 

1. Mein Ansatz wäre es zu verhindern Menschen das Gefühl zu geben, am Rande der Gesellschaft zu sein beziehungsweise das Gefühl zuhaben ausgeschlossen zu werden. Durch die Leistungsgesellschaft in Deutschland haben viele Kinder und Jugendliche schon in der Schule früh das Gefühl ausgeschlossen zu werden. Hier sollten wir den Fokus auf die Stärken legen, damit ein Gefühl von stolz überhaupt entstehen kann. Die Kinder und Jugendlichen werden dadurch selbstbewusster und trauen sich in verschiedenen Bereichen mehr zu. Bedeutet eine Änderung des Schulsystems in Deutschland. Außerdem Änderungen der Finanziellen Situation von Kindern und Jugendlichen, die in einer Wohngruppe Leben und dabei sind eine Ausbildung zu absolvieren. Sie sollen ihr Ausbildungsgehalt behalten, weil Geld ein entscheidender Faktor ist, um Wertschätzung für das geleistete auszudrücken. Dies gilt auch für Familien, wo die Jugendlichen Geld abgeben müssen an den Staat, weil ihrer Eltern Hartz 4 beziehen.
2. Die Schulen sollten ihre Angebote nach dem Unterricht intensivieren bedeutet Angebote erschaffen, damit Kinder und Jugendlichen Interesse haben auch nach der Schule zum Beispiel noch an einem Fußball Training kostenlos teilnehmen zu wollen. Dadurch bekommen Kinder und Jugendliche eine gewisse Grundstruktur. Auch Intensive Sozialraumarbeit kann den Kindern und Jugendlichen Struktur in ihrem Alltag geben.

Krstlaur: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rand der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, Struktur zu geben.
Die meisten Menschen am Rande der Gesellschaft sehen darin wahrscheinlich gar kein Problem, da sie, wie die Generationen vor ihnen, in diese Position hineingeboren wurden und diese demnach als „normal“ ansehen.
Ich glaube wenn Randgruppe mit in die Entwicklung eines Angebotes einbezogen werden und die Experten in diesem Bereich sind würden sie wirklich stolz auf sich sein, wenn auch Menschen anderer Positionen der Gesellschaft diese in Anspruch nehmen. Damit meine ich aber nicht, dass Gefühl der Überlegenheit, sondern das der Gleichberechtigung. Ein Miteinander auf Augenhöhe ist glaube ich sehr wichtig.
Beispiel: Es sollte nicht „normale“ Sportangebote für Kinder geben, welche sich die Mitgliedschaft leisten können und gesonderte Angebote für Mitglieder der Randgruppe, welche besonders gefördert werden müssen. Wenn es nur ein einziges Angebot gäbe, in welchem die beiden Gruppen vereint wären, würden die Mitglieder sich nicht von einander unterscheiden und einander schätzen lernen.
Ich denke die wichtigsten Punkte den man beachten muss, wenn man Menschen die nicht mehr arbeiten bzw. noch nie gearbeitet haben Struktur geben möchte, ist Akzeptanz und Freiwilligkeit. Niemand kann ein andauerndes zufriedenstellendes Ergebnis erzielen, wenn man sich gezwungen fühlt etwas an seinem bisherigen Leben zu ändern. Zuvor ist es aber noch wichtiger zu realisieren und dann auch zu akzeptieren, dass man etwas ändern sollte. Wenn diese beiden Faktoren nicht vorhanden sind verschreckt man die Betroffenen nur und falls sie schon Vorurteile über bestimmte Hilfsangebote hatten, werden diese durch das Gefühl des Missverständnisses nur noch verstärkt.

Kokos:
– Es ist schwierig pauschal Maßnahmen zu formulieren für „Menschen am Rande der Gesellschaft“, denn sie sind keine homogene Gruppe und müssen sicherlich sehr vielfältig betrachtet werden. Dennoch halte ich es im ersten Schritt für notwendig, sie möglichst früh und präventiv abzuholen und Chancen zu geben. Beginnen Kinder und Jugendliche sich wie „am Rande der Gesellschaft“ zu fühlen, ist es schwierig, ihnen anderes zu vermitteln. Ich halte es also für sinnvoll, die Arbeit bereits in Kindergärten und Schulen zu beginnen, um etwaige Benachteiligungen so gut es geht zu erkennen und aufzufangen. Auch Familien sollten unterstützt werden, so dass diese sich gesehen und gehört fühlen. Ein ressourcenorientierter Blick auf die Klient:innen ist hierbei sicherlich eine gute Basis und vermittelt, dass diese bereits Stärken haben, die sie für sich und andere einsetzen können.
– Um Stolz und Sinnhaftigkeit in einer Aufgabe zu erkennen, nützt wohl zuallererst das Lob von außen. Schafft man also Angebote, die einer Gesellschaft oder Gruppe förderlich sind und die viele Menschen zusammen- und weiterbringt, kann dies dazu führen, dass die handelnden Menschen Aufmerksamkeit, Respekt und Anerkennung erfahren. Außerdem ist es wichtig, ein echtes Ergebnis zu schaffen. Aufgaben zu erledigen und dann zeigen zu können, was man geleistet hat, hat einen Einfluss auf das eigene Selbstwertgefühl und kann somit auch Stolz fördern. Sport- und Kreativangebote für Gruppen innerhalb eines Wohnbezirks wären dabei eine Idee, auch ein Nachbarschaftsnetzwerk könnte hierbei helfen, da so jeder seine individuellen Fähigkeiten einbringen kann und gleichzeitig Gutes tut. 
– Struktur kann nur durch ein stabiles Umfeld geschaffen werden. Dazu gehören wiederkehrende und langfristige Angebote ebenso wie zum Beispiel ein festes Team an Sozialarbeiter:innen oder feste Institutionen im Sozialraum. Wenn diese Angebote freiwillig und gerne angenommen werden, hat man eine realistische Chance, dass auch ins Leben der Klient:innen mehr Struktur einkehrt.

Kathi94: Der erste Vorschlag wäre die Anbindung an Sportvereine im Sozialraum. Dies setzt natürlich ein gewisses Interesse voraus, sich auch sportlich zu betätigen. Neben dem sportlichen Ausgleich zum Alltag, bringt ein Sportverein auch die Möglichkeit mit sich, neue Bekanntschaften/Freundschaften zu schließen. Ein weiterer Vorschlag wären die Angebote der externen Tagesstruktur (viele Träger bieten dies in ihrer Angebotspalette mit an). Die Tagesstruktur kann hier werktags täglich genutzt werden und beinhaltet je nach Klientel verschiedene Einzelangebote (z.B. Gartenarbeit, Kreativarbeiten, Kochen u.s.w.). Der nächste Vorschlag wäre die ehrenamtliche Arbeit. Sich ehrenamtlich in die Gesellschaft einzubringen, kann (je nach Klient) ein Gefühl von Stolz mit sich bringen. Ehrenamtliche Arbeit ist in vielen Bereichen gern gesehen und wertgeschätzt. Kirchliche Einrichtungen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Wohnhäuser der Behindertenhilfe u.s.w. freuen sich meist über ehrenamtliche Hilfe und können von dieser Mithilfe profitieren. 
Bei allen Vorschlägen gilt natürlich, dass der Sozialarbeiter auf die Interessen seines Klienten schaut und Angebote wählt, die auch das Interesse des Klienten weckt. Hier sollte auch die Sozialraumorientierung ein wichtiger Aspekt sein. Dies bedeutet, Angebote zu suchen, die sich in unmittelbarer/erreichbarer Nähe zum Klienten befinden. Generell können alle Vorschläge nicht nur eine Tagestruktur mit sich bringen, sondern auch neue Kontakte entstehen lassen.

JuBa – zu den Fragen: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rand der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, Struktur zu geben?

Viele Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, haben große Angst vor Einsamkeit. Daher sollte man soziale Kontakte herstellen über niedrigschwellige Angebote, die die Interessen der Leute betreffen. Es können Kurse entstehen für bestimmte Altersgruppen, z.b für ältere Menschen, in denen die Gruppenteilnehmer Kenntnisse über ihre Stärken (z.b Stricken) an andere Kursteilnehmer weitergeben können. So erleben sie ein Gefühl von Können und Gebrauchtwerden. Diejenigen wiederrum, die neue Dinge erlernen, können stolz sein auf ihre neuen Fähigkeiten und diese dann an neue Kursteilnehmer weitergeben.

Für Familien gibt es die Möglichkeit, Frühe Hilfen in Anspruch zu nehmen, wodurch sie durch interdisziplinäre Vernetzung bereits sehr früh die Möglichkeit haben, in der Erziehung ihrer Kinder Hilfestellungen und Beratung zu erhalten. Die Mitarbeiter_innen der Frühen Hilfen sollten hierbei ebenfalls die Familien an niedrigschwellige Angebote heranführen, durch welche die Familienzusammengehörigkeit gestärkt wird und die einzelnen Ressourcen und Stärken der Familienmitglieder gefördert werden. Dies sorgt dafür, dass jeder in der Familie  ein festes Rollenbild hat und über die anderen Kompetenzen der Familienmitglieder  Bescheid weiß. Spielerische und kreative Angebote sorgen für Erfolgserlebnisse und durch Lob und Belohnung entsteht Stolz.

Menschen, die nicht mehr arbeiten oder noch nie gearbeitet haben, haben neben einer fehlenden Tagesstruktur meist auch noch zusätzliche psychische oder auch gesundheitliche Probleme, die ebenfalls Beachtung finden müssen. Sie benötigen somit zuerst Regeln und einen Tagesplan, den sie am besten selbst aufschreiben, um sich die festgelegten Absprachen zu verinnerlichen. Die Aufstellung einer Tagesstruktur und die Anfertigung eines Plans sollte dabei im Beisein einer Fachkraft erfolgen, die unterstützend zur Seite steht. Jedoch sollten keine Vorgaben gemacht werden, der Impuls zur Veränderung sollte von der Klientin/ dem Klienten aus kommen. Dafür ist es hilfreich, in einem Gespräch die Ressourcen und Stärken herauszufinden, um darauf aufbauend Dinge in den Tagesplan zu integrieren, die Freude und Spaß bringen (Treffen mit Freunden, 30 Min laut singen, ein Bild malen, einen Liebesbrief schreiben etc.). Die Menschen müssen lernen, Stück für Stück wieder Verantwortung zu übernehmen um die Sinnhaftigkeit ihres Lebens wiederzufinden. Es muss ihnen eine Fachkraft zur Seite gestellt werden, die sie eng begleitet, Hausbesuche plant, gemeinsame Einkäufe übt, bei Behördengängen hilft und die Menschen in das soziale Leben integriert, z.b indem sie mit anderen Menschen in Kontakt gebracht werden, die ähnliche Probleme haben.

Eagle: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rand der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, Struktur zu geben.

Berufliches Scheitern bedeutet in der heutigen Zeit auch oftmals gleichzeitig eine gesellschaftliche Abwertung. Viele dieser Menschen haben das Gefühl am Rande der Gesellschaft zu stehen und ausgeschlossen zu werden. Dies beginnt oftmals schon in der schulischen Laufbahn. Während der Schullaufbahn ging es immer darum, sich möglichst gut anzupassen. Während sich praktisch alles außer unserem Schulsystem auf der Welt weiter entwickelt wundert man sich, warum nach zehn oder 13 Schuljahren eine Generation in das Arbeitsleben steigen soll, die keine Ahnung hat, was sie beruflich machen will. Das Schulsystem ist zu statisch. Jeder sollte natürlich Grundkenntnisse in Mathematik, Erdkunde oder ähnlichen Fächern erlangen. Dennoch gibt es einige Dinge – gerade in den höheren Klassen – die sich jeglichem Interesse der Schüler entziehen und sie auch oft durch schlechte Noten demotivieren. Hier ist es notwendig und sinnvoll, bereits frühzeitig die individuellen Bedürfnisse und Stärken der Kinder zu berücksichtigen, um ihre Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich und Dinge die sie gut können und interessieren, zu bekräftigen. Dies sollte anhand von verschiedenen kostenlosen Projekten, Angebote oder AG’s bereits in der Schule passieren.

Bei Langzeitarbeitslosen die nicht mehr arbeiten oder noch nie gearbeitet haben sollte ebenfalls lösungsfokussierter gehandelt werden. Man sollte die Tatsachen, wieso ein Mensch nicht oder noch nie arbeiten zwar nicht wegdenken, aber sie nicht größer machen als sie sind. Denn erst dann, werden sie wirklich zu einem großen Problem. Auch hier sollte es niederschwellige und freiwillige Angebote geben, die die Menschen nutzen können. Das steigert das Wir-Gefühl, das Gefühl „gebraucht zu werden“, Sinnhaftigkeit in einer Aufgabe zu sehen und stolz auf das Getane zu sein. Durch die Digitalisierung lässt sich hier auch eine positive Resonanz ziehen, nämlich das man sich bereits online vernetzen kann und gemeinsame Projekte starten kann. Durch jedes Projekt können neue Freundschaften geknüpft werden, was wiederum das allgemeine Wohlbefinden der Menschen steigert. Durch die Nachbarschaftshilfe oder Angebote wie gemeinsames Kochen oder Kreativwerkstatt entstehen soziale Kontakte, das Gefühl von Verbundenheit, Steigerung des Verantwortungsgefühl und des „Gebraucht-Seins“, was wiederum eine erste positive Einstellung neben der Arbeitslosigkeit bedeutet. Durch anschauliche Ergebnisse wird das Selbstwertgefühl und gesteigert und somit auch der Stolz auf die eigene Person und Fähigkeiten gefördert.

Struktur entsteht durch ein stabiles Umfeld. Dies sollte durch Sozialarbeiter, verschiedene sozialen Einrichtungen wie zum Beispiel Ämtern oder auch der Kirche gegeben werden. Durch diese können sie die verschiedenen Projekte kennenlernen, um einen festen Platz in der Gemeinschaft zu bekommen.

Sinnvoll wäre es vermutlich zu Beginn, eine Fachkraft zur Seite zu haben, die bei der Strukturierung des Tages helfen kann.

Jonny96: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rande der Gesellschaft stolz auf sich sind?

Vorab ist zu erwähnen das jeder Mensch individuell ist und auch unterschiedliche Ausgangslagen, sowie Interessen hat und es deswegen schwierig ist Angebote oder Maßnahmen zu nennen die auf alle Menschen in Randgruppen abgestimmt sind. In vielen Fällen lässt sich beobachten, dass die Ausgangslage in denen die Menschen sich befinden von Generation zu Generation weiter gegeben werden und aus dieser Randgruppe nur schwer herausfinden. Meistens befinden sich die Freunde und Bekannte der Familien auch am Rande der Gesellschaft, so dass diese unter sich bleiben. Um diesen Menschen zu helfen ist es wichtig niederschwellige und vor allem kostenlose Angebote zu schaffen. Es könnte sich um Angebote nur für Kinder, für Eltern, für Erwachsene oder auch für Familien handeln. In diesen Angeboten sollen die Ressourcen und Stärken der Einzelnen gefördert und gebraucht werden, damit ein Selbstwertgefühl aufgebaut werden kann. Ich finde es ist auch wichtig, dass es Angebote sind in denen keine Gruppenbildung möglich ist, damit niemand ausgeschlossen werden kann. In vielen Stadtteilen gibt es Stadtteilbüros in denen verschiedene Angebote stattfinden. Meistens scheitert es bei Personen der Randgruppen daran, dass sie sich nicht trauen solche Angebote wahrzunehmen. Hier könnte eine SPFH Anbindung schaffen. Die SPFH könnte den jeweiligen Familien Angebote vorstellen und diese gemeinsam mit den Familien/ Personen besuchen, so dass ihn die Angst genommen wird. Zudem finde ich es wichtig, dass Jugendliche eine Vorstellung davon haben sollen wie sie sich ihre Zukunft vorstellen. Hier könnten Praktikas hilfreich sein. Auch in diesen kann das Selbstwertgefühl und das Gefühl von gebraucht werden gestärkt werden. Die Aufgabe von Bildungsinstitution sollte auch sein das Selbstwertgefühl und  die Persönlichkeit der Menschen zu stärken.

Trüffel Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rand der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, Struktur zu geben.

Um Angebote zu schaffen, die bewirken, dass Menschen am Rande der Gesellschaft auf ihr Handeln und sich selbst stolz sein können, sollten genau diese Menschen in diesen Entwicklungsprozess mit einbezogen werden. Wichtig ist es, diese Angebote nicht zu pauschalisieren, denn jeder „Fall“ ist individuell zu betrachten. Es gilt, die Stärken eines jeden individuell zu filtrieren, ihn nicht zu über- oder unterfordern und ihm die nötige Anerkennung und Wertschätzung zu vermitteln, um so einen Raum für selbständige und individuelle Entwicklung zu gewährleisten. Festzuhalten ist, dass Menschen besonders dann auf etwas stolz sind, wenn sie etwas aus eigener Überzeugung und mit eigener Kraft geschafft haben. So lassen sich beispielsweise in Kooperation mit den Klienten Ziele entwickeln (einfache Ziele). Wichtig ist es, sich in kleinen Schrittzielen immer weiter an größere heran zu arbeiten. Dies bietet die Chance, das Selbstbewusstsein zu stärken. Die Voraussetzung für diese Angebote jedoch, ist die freiwillige Inanspruchnahme der Klienten. Um den Menschen, die noch nie gearbeitet haben oder nicht mehr arbeiten wieder eine Struktur zu geben, sind Langzeitangebote von besonderer Bedeutung, denn so wird ein stabiles Umfeld geschaffen. Zuerst erachte ich es für sinnvoll, zusammen mit den Klienten zu überlegen, welche Ziele sie im Leben allgemein verfolgen, um im zweiten Schritt zu schauen, was getan werden müsste, um die vorerst sehr hochgesteckten Ziele erreichen zu können. Um kleinschrittiger zu werden, sollte anschließend besprochen werden, was man täglich dafür tun könnte, um sich langsam diesen Zielen in Zwischenschritten anzunähern. Daraus resultieren vom Klienten eigen geschaffene Aufgaben im Alltag, die durch tägliche Dinge zum Erfolg führen können. Es ist wichtig darauf zu achten, dass nur maximal die Hälfte der Zeit des Klienten verplant wird, um so einen optimalen Raum zu schaffen, in dem noch genug Zeit für Freunde, Familie und unerwartete Ereignisse bleit. Diese „Zeitaufopferung“ kann von Klient zu Klient variieren, wobei das zuvor Genannte zu beachten ist.

Alles in Allem, denke ich jedoch, dass diese Frage sehr schwer zu beantworten ist, da viele Faktoren zusammentreffen. 

L-O24:
Stolz können Menschen sein, wenn sie aus eigenem Antrieb heraus etwas bewirkt oder geschaffen haben. Sowohl in Einzel- als auch in Gruppenaktivitäten. Um Menschen dazu zu bewegen, sich aktiv an ihrer eigenen Lebensgestaltung zu beteiligen und aus Leidenschaft oder einem inneren Antrieb heraus ins Tun zu kommen, benötigt es Motivationsarbeit. Alte Strukturen und bekannte Verhaltensmuster müssen durchbrochen werden. Ich könnte mir vorstellen, dass man Interessen wecken muss oder aber auch entdecken sollte. Durch verschiedene Projekt Arbeiten oder aber auch durch AGs können Kinder verschiedene Sportmöglichkeiten oder andere außerschulischen Aktivitäten kennenlernen. Eltern oder andere Erwachsene könnten dazu motiviert werden, selbst tätig bei der Verbesserung ihres Stadtteiles mitzuwirken. Ggf. durch runde Tische oder Bürgertreffs könnten im Sinne der Sozialraumorientierung neue Angebote geschaffen werden, welche zur Selbsttätigkeit auffordern. Ich glaube, dass z.B. junge Frauen, welche früh schwanger geworden sind, bei der Entwicklung und Umsetzung eines „Elterntreffs“ genau für diese Personengruppe maßgebliche Ressourcen sind. Diese können in ihrem Stadtteil diesen Elterntreff durch eigene Erfahrungsschätze bereichern und dafür sorgen, dass andere jüngere Mütter eine neue Anlaufstelle für ihre Sorgen, Probleme und Fragen haben und ggf. ebenso mit ins Tun kommen. Ich glaube dieses Konzept fordert sehr zur Selbstwirksamkeit auf und lässt Menschen im Umkehrschluss stolz werden und bietet ihnen Struktur und einen Sinn. 

 A-C: Wie kann man Angebote schaffen, die dazu führen, dass Menschen am Rand der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind? In welche Richtung muss man denken, um Menschen, die nicht mehr arbeiten oder nie gearbeitet haben, Struktur zu geben

Eine Art „Hilfe zur Selbsthilfe“, könnte eine Möglichkeit sein, durch den Einbezug der Zielgruppe die in bestimmten Quartieren oder Stadtvierteln leben. Es sollte ihnen ermöglicht werden sich aktiv an der Gestaltung ihres Quartieres zu beteiligen, denn dadurch hat jedes Einzel eine Chance, seinen eigenbetrag leisten, auf den er stolz sein kann. Gleichzeitig wird der Alltag wieder strukturiert und die vorhandenen Ressourcen gefördert.

Ein weiterer Faktor ist die Möglichkeit einer Aktiven Freizeitgestaltungen, es sollten niederschwellige Angebote geben.  wie z.B. die Kosten Übernahme von Sportangeboten in Sportverein oder das Fitnessstudio das Spezielle Angebote für dies Ziel gruppe anbietet.

Angebote erstellt, die den Menschen die Arbeitslos bzw. suchend sind, helfen, wieder eine Arbeitsstelle zu finden Bsp. es kann versucht werden jemanden der Handwerklich begabt ist, kleinere Hausmeistertätigkeiten im seiner Wohnanlage übernehmen zulassen. Dadurch fühlt sich dieser Mensch wertgeschätzt, er hat eine Aufgabe, auf die er stolz sein kann. Noch eine weiterer Positiver Effekt ist das, dadurch sein Alltag wieder Struktur bekommt.

Mehr Sozialer Wohnungsbau den sich auch Menschen mit geringen Einkommen leisten können. Eine schöne Wohnung die selbst eingerichtet und gestaltet ist kann, auch das Selbstwert gefühlt steigern.

Fräulein F.: Stolz entwickeln bei Randgruppen der Gemeinschaft

  • Die Erreichbarkeit der Adressaten stelle ich mir schwierig vor. Hierbei könnte Quartiersarbeit, Streetwork, Onlinepräsenz oder Präsenz durch Plakate und Flyer hilfreich sein, jedoch kann ich selbst nicht einschätzen, wie attraktiv dies auf das fokussierte Klientel wirkt
  • Motivationssuche:    
    • Was ist die aktuelle Lebenslage?
    • Was bereitet Freude?
    • Gibt es etwas, dass zur Aktivität anspornt?
  • Partizipation: Die Klienten sollten in alle Prozesse einbezogen werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Teilnehmer der Angebote aber nicht durch schwierige Entscheidungen oder bei komplexen Lösungsfindungen überfordert werden, da von geringer Frustrationstoleranz, nach langer Erwerbslosigkeit und fehlender Struktur, auszugehen ist.
  • Plan: Visualisierung eines Arbeitsplans, viele kleine Teilschritte die abgeharkt werden können um den bisherigen Fortschritt zu veranschaulichen und die Motivation zu erhalten und zu fördern
  • Projektgröße: Die Projektgröße sollte gering gehalten werden um Motivationsverlust zu vermindern und Frustration zu vermeiden
  • Stolz kann gut über Selbstwirksamkeit entwickelt werden à sichtbare positive Ergebnisse führen zum Erkennen von Selbstwirksamkeit und somit zum Empfinden von Stolz
  • Am Rande der Gesellschaft kann der Wunsch sehr stark sein, zu dieser wieder dazu zu gehören. Projekte zum Wohle der Gemeinschaft oder welche die direkte Umgebung positiv beeinflussen können daher eine gute Grundlage für Angebote sein.
  • Beispiel: Eine Gruppe von Teilnehmer verschönern einen Park oder Spielplatz im Quartier. Materialien könnten über Spenden akquiriert werden. Ein sichtbares Ergebnis wird auch von der Umwelt wahrgenommen und kann zu Zuspruch und Anerkennung führen, welches wieder das Empfinden von Stolz fördert

Purzel schreibt: Menschen am Rand der Gesellschaft fällt es häufig schwer Dinge zu sehen, auf die stolz sein können. Oftmals überwiegt der Gedanke an negative Ereignisse. Daher wäre es notwendig diesen Menschen dazu zu verhelfen, das Gefühl von stolz wieder zu empfinden. Hierfür müssen verschiedene niederschwellige Angebote geschaffen werden über Medien, Sozialräume, usw., die diese Menschen nutzen.

So können im Rahmen der Digitalisierung der Gesellschaft Plattformen zum Austausch geschaffen werden. Dabei soll es nicht vordergründig, um den direkten, persönlichen Austausch gehen, sondern auch anonyme Rahmen geschaffen werden, von denen diese Menschen einen Nutzen ziehen können. Hier kann es um verschiedene Angebote gehen, bei denen die Menschen neue Stärken entdecken können.

Ebenso sollte es in den direkten Sozialräumen Angebote geben, die sie unter Freiwilligkeit nutzen können. Dies kann durch das sogenannte Quartiersmanagement geschaffen werden.

Die Menschen am Rand der Gesellschaft müssen sich als Teil der Gesellschaft fühlen, um für sich wieder einen Sinn zu finden.

 


(3) Die dritte Lehreinheit führt ein in wichtige Begriffe der Erziehungshilfe

Begriffe in der Erziehungshilfe
Tab 36: Beratungsanlässe nach Hundsalz, A.: Erziehungsberatung. In: Birtsch, V. u.a. (Hrsg.): Handbuch Erziehungshilfen.Münster 2001, 504)
emotionale Probleme 
soziale Verhaltensauffälligkeiten 
Probleme im Schul- & Leistungsbereich 
Schwierigkeiten in der familialen Interaktion 
psychosomatische Auffälligkeiten 
Tab 44: Doss, M.: Eltern, deren Kinder in Heimerziehung leben. Münster 1998 (zugleich Diss Uni Münster 1998)
Die untersuchten Mütter sind zum Zeitpunkt der Eheschließung und zum Zeitpunkt der Geburt ihres ersten Kindes deutlich jünger als der Durchschnitt. 
Die Eltern leben zu großen Anteilen in desolaten Partnerschaftsbeziehungen.
Ein Grossteil der Mütter hat zum Zeitpunkt der Heimunterbringung bereits mehrere Kinder und bekommt nach der Heimunterbringung noch weitere Kinder. Sie sind bei Ehe-schließung und bei Geburt des ersten Kindes deutlich jünger. 
Eine Rückführung in die Herkunftsfamilien ist sehr erschwert (unterschiedliche Lebensorte, keine Wahrnehmung der Erziehungsverantwortung bei 76 % der Väter und 58 % der Mütter).
Die Eltern haben mehrheitlich auch nicht mehr das Sorgerecht für ihr Kind. 
Die soziale Lage der Herkunftsfamilien ist desolat (hoher Anteil von Sozialhilfeempfängern, 245) Die Eltern haben zwar mehrheitlich verschiedene ambulante erzieherische Hilfen erhalten.
Diese waren allerdings offenbar nicht erfolgreich. 
Die Kinder verbleiben relativ lange im Heim (50% länger als drei Jahre) 
Tab 47: Zahlen zur Familienhilfe laut Hemling, S.: Sozialpädagogische Familienhilfe und andere Formen familienbezogener Hilfe. In: Birtsch, V./Münstermann, K./Trede, W.: Handbuch Erziehungshilfen
Dauer im Jahr 1998 durchschnittlich 16 Monate
1998: bundesweit 15300 Familien mit insgesamt 38000 Kindern und damit 10% mehr als 1997Hoher Anteil an Stieffamilien (16 % gegenüber 10% im Bundesdurchschnitt) bzw. Einelternfamilien (51% gegenüber ca 20% im Bundesdurchschnitt)
hohe Kinderzahl, Häufung von Unterversorungslagen, materielle, bildungsmäßige und räumliche Ausgrenzung, Beschränkung von gesellschaftlichen Wahl & Teilhabemöglichkeiten,
laut Blüml u.a. (1994) liegt bei einem Drittel der Familien bei mindestens einem Erwachsenen ein Suchtproblem vor.

Tab 7 Relativität von Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen und ihre Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989).
Sie sind eher das Ergebnis eines vergleichsweise komplexen Prozesses mit vielen Beteiligten als eine feste Eigenschaft (Mand 2003).
Dies hat Auswirkungen auf die Zahlen und die Diagnose
Abbildung 1 Wirtschaftliche Situation (Transferleistungsbezug der Hilfen zur Erziehung und Eingleiderungshilfe in Anspruch nehmenden Famulien(aus: HZE Bericht 2017,19) n%
SPFH949665,6
27,2er Hilfen ambulant857359,1
Tagesgruppen467651,7
Vollzeitpflege493572,8
Heimerziehung1115154,5
Eingliederungshilfen § 35 A670331,0
Tab 5 Prävalenzzahlen Verhaltenstörungen
Remschmidt/Walther 1990
Mand 1995 (Berlin, 4. Klasse)

KMK 1999(Deutschland)

Mand 2007 (NRW, 4. Klasse)
13 % – 31 %
1991: 12,5 % Grund-
1994: 16,1 % schulen
0,36 
11 % (GE-Schulen)
38 % (F-Schulen L)
KMK für Schuljahr 2018 (Deutschland)0,56 % emsoz Förderschüler
MSW (NRW) 20180,65 % emsoz Förderschüler 
1,02 % Schüler mit sonderpäd. Förderbedarf emsoz
Tab 8: Auswirkungen von Beobachtervariablen auf die Wahrnehmung auffälligen Verhaltens
GeschlechtHoughton u.a. (1988), Kearny & Plax (1986), Kearny & Plax (1987), Mittelmark & Pirie (1988), Borg & Falzon (1989), vgl. Bach u.a. (1984), Mc Intyre (1988), Mand (2002 b), Baumgardt/Mand/Ostermann (2008)
Alter, Berufserfahrung, Berufszufriedenheit des LehrersTornow (1978), Bach (1987), Kearny & Plax (1986), Kearny u.a. (1987), Camp (1987), Mand (1995), Mand (2002 a)
Pädagogische ArbeitWetzel (1978), Vaughn & Lancelotta (1986), Lochman u.a. (1987), Trovato u.a. (1992), Harris u.a. (1992), Fuchs u.a. (1989), Mand (1995)
Tab 6: Begriff Verhaltensstörungen: AO-SF § 5 (3)
Erziehungsschwierigkeit liegt vor, wenn sich eine Schülerin oder ein Schüler der Erziehung so nachhaltig verschließt oder widersetzt, dass sie oder er im Unterricht nicht oder nicht hinreichend gefördert werden kann, und die eigene Entwicklung oder die der Mitschülerinnen und Mitschüler erheblich gestört oder gefährdet ist.
Tab 49: Lernbehinderungen, Verhaltensstörungen und einige ihrer Synonymbegriffe nach Mand 2003
Verhaltensstörungen, Auffälliges Verhalten, Sopäd Förderbedarf im Bereich Em SozLernbehinderung, Lernprobleme, Lernstörungen, Sopäd. Förderbedarf im Bereich Lernen
Kernsymptome:
Probleme in den Beziehungen zu Mitschüler/innen und Lehrer/innen
Probleme im Arbeitsverhalten
Probleme im Bewegungsverhalten
Probleme in Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
Probleme im Umgang mit Gefühlen

begleitende Symptome
Probleme im Schriftspracherwerb
Probleme in der Entwicklung mathematischen Denkens




Kernsymptome:
Probleme im Schriftspracherwerb
Probleme in der Entwicklung mathematischen Denkens




begleitende Symptome
Probleme in den Beziehungen zu Mitschüler/innen und Lehrer/innen
Probleme im Arbeitsverhalten
Probleme im Bewegungsverhalten
Probleme in Aufmerksamkeit und Wahrnehmung
Probleme im Umgang mit Gefühlen

Jetut: leider konnte ich für die Stadt Essen die von Ihnen gewünschten Zahlen nicht finden. Allerdings habe ich mal die Schulformen aufgelistet. Unter dem Nicknamen „jetut“ könnten Sie diese verwenden.
Für EssenFörderschulen mit soz-em Förderbedarf: 16Förderschulen mit anderen Schwerpunkten: 8 Gesamtschulen: 8 Hauptschulen: 8Realschulen: 15 Gymnasien: 21
Daraus ergibt sich, dass 12,16% der weiterführenden Schulen in Essen Förderschulen mit soz-em Förderbedarf sind und es ergänzend noch 6,08% Förderschulen mit anderen Schwerpunkten (z.B. motorisch oder geistig) gibt. Grundschulen habe ich ausgeklammert von dieser Berechnung.Quelle: SchulListe.euhttp://www.schulliste eu/type/forderschulen/?bundesland=nordrhein-westfalen&kreis=essen-kreisfreie-stadt

LeBe: Allgemeiner Förderbedarf in Deutschland (2015):

  • „In Deutschland haben rund eine halbe Millionen Kinder und Jugendliche bzw. 6 % aller Schüler*innen einen diagnostizierten sonderpädagogischen Förderbedarf.
    Die Quoten sind dabei in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich, da die diagnostischen Kriterien nicht gleich sind:
    Sie reicht von 4,5 % in Rheinland-Pfalz bis 11,7 % in Mecklenburg-Vorpommern und ist in den ostdeutschen Bundesländern generell deutlich höher als in den westdeutschen.“ 

Quelle: Bertelsmann Stiftung (2015): Inklusion in Deutschland. Daten und Fakten. https://www.institut-bildung-coaching de/wissen/lernen-hintergrundwissen/inklusion-foerderschwerpunkte.html – aufgerufen am 19.10.2020.

Bundesergebnisse von 2007-2016: 

2007: 10,8%2011: 13,4%2014: 16,1%
2008: 11,5%2012: 14,3%2015: 16,6%
2009: 12,2%2013: 15,2%2016: 16,6%
2010: 12,9%

Quelle: Eigene Darstellungen. Vgl. Kultusminister Konferenz (2018). Dokumentation Nr. 214: Sonderpädagogische Förderung in Schulen 2007 – 2016https://www.kmk org/dokumentation-statistik/statistik/schulstatistik/sonderpaedagogische-foerderung-an-schulen.html – aufgerufen am 19.10.2020.

Anmerkung Mand: Vielen Dank für die Arbeit. Es ist allerdings wichtig, dass allen klar wird, was in dieser Grafik 100 Prozent ist. In den Tabellen geht es nicht darum, wieviel Prozent aller Schüler als verhaltensgestört eingestuft werden. Sondern es geht hier darum, wieviel Prozent aller als behindert eingestufter Kinder sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung haben. Die Kolleg*innen in den Förderschulen finden immer häufiger, dass Kinder, die sie für behindert halten, Verhaltensstörungen haben. Weil die ja bekanntermaßen auch immer mehr Kinder für behindert halten, bedeutet das natürlich auch: Die erkennen auch immer mehr Kinder mit Verhaltensstörungen. Nur sind dies nicht 16 %, sondern derzeit 1,67 % aller Schüler/*innen – zumindest derzeit in NRW (s.o.: Tabelle 5; Zeile MSW 2018).

Freu: Daten zum Kreis Unna:
Gesamtschülerzahl an allgemeinbildenden Schulen: 43.312 Schüler/innen im Schuljahr 2016/2017
zum Vergleich in den vorherigen zwei Schuljahren:2015/2016 -> 43.8812014/2015 -> 45.075
Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung:  801 Schüler/innen im Schuljahr 2016/17 (1,85% der Gesamtschülerzahl) zum Vergleich in den vorherigen zwei Schuljahren:2015/2016 -> 863 (1,96% der Gesamtschülerzahl)2014/2015 -> 874 (1,94% der Gesamtschülerzahl)
Quelle:Kreis Unna – Der Landrat (Hrsg.) (2017): Bildungsmonitor Kreis Unna. Kommunale Bildungsberichterstattung. https://www.kreis-unna de/fileadmin/user_upload/Kreishaus/40/Bildung_integriert/40_Broschuere_Bildungsmonitor.pdf. – aufgerufen am: 20.10.2020.

Elli schreibt: Leider konnte ich die gewünschten Zahlen nirgendswo finden und beim Schulamt konnte mir auch keiner weiterhelfen. Ich habe daher nur für das Schuljahr 2016/2017 die Zahlen im Kreis Recklinghausen herausgefunden.

Im Kreis Recklinghausen gab es 2016/2017 insgesamt 27.318 Schüler*innen (Jahrgangsstufe 1-5). Davon wurde bei 1.870 Schüler*innen ein individueller Förderbedarf festgestellt. Darunter sind 318 Schüler*innen, die den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung haben. Das entspricht 17,0% der Schüler, die einen individuellen Förderbedarf haben.

Von den insgesamt 27.318 Schüler*innen haben, 1,2% den Förderbedarf emotionale und soziale Entwicklung.

Quelle: http://recklinghausen.rbn.nrw de/info/gub.pdf (Zugriff zuletzt, 20.10.2020)

(Tabelle selbst erstellt)

Anmerkung Mand: Vielen Dank. Vielleicht sollten Sie noch wissen: Selbstverständlich wird in den Schulämtern jedes Jahr ganz genau nachgehalten, wie viele Schüler welchen sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Und das tun die seit vielen Jahren, nicht nur in Recklinghausen, sondern in allen Schulämtern NRWs. Kann das sein, dass die ihre Zahlen nicht herausgeben wollen?

Vielleicht sollte ich bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, dass es in NRW normalerweise zwei Schulämter gibt: eine städtische Behörde (Schulverwaltungsamt; kümmert sich um Gebäude, Schulbücher, Hausmeister, Sozialarbeiter usw.) und eine Landesbehörde (dort sitzen die Schulräte/*innen). Die Zahlen hat nicht das Schulverwaltungsamt des Kreises bzw. der Stadt, sondern die Landesbehörde (Schulamt für den Kreis …).

Kathi94“ :Die Gesamtzahl der Schüler in Herne im Jahr 2008/2009 lag bei 18.228. Darunter waren 188 Schüler an Förderschulen mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Daraus ergibt sich, dass 1,031% aller Schüler im Jahre 2008/2009 an einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung in Herne unterrichtet wurden.

Die Gesamtzahl der Schüler in Herne im Jahr 2018/2019 lag bei 15.625. Darunter waren 123 Schüler an Förderschulen mit dem Schwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung. Daraus ergibt sich, dass 0,787% aller Schüler im Jahre 2018/2019 an einer Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung in Herne unterrichtet wurden. 

Quelle: Stadt Herne (2020): Herne in Zahlen – Statistisches Jahrbuch 2018

Stadt Herne (2009): Herne in Zahlen- Statistisches Jahrbuch 2008

https://www.herne de/Stadt-und-Leben/Stadtfakten/Kommunalstatistik/Statistisch

AnKa: Recherche zu Daten in Gelsenkirchen

Die Anzahl an allen Schüler aller Schulformen und Arten belief sich auf 28.169 im Jahr 2017/2018. Im Jahr 2012/2013 waren es insgesamt 21.983 Schüler. 

Bei insgesamt 1.121 Schülern wurde ein Förderbedarf gesehen und mit Blick auf den Sonderpädagogischen Förderbedarf des emotionalen-sozialen Bereiches waren es 211 Schüler im Jahr 2017/2018. Das bedeutet, dass es 0,8 % von der Gesamtanzahl der Schüler sind. 

Als Vergleich waren es im Jahr 2012/2013 120 Schüler, also 0,6%. Die Angaben gelten jetzt nur für den Schwerpunkt allein, es gibt auch noch weitere Förderschulen die den Schwerpunkt Lernen sowie den emotionalen und sozialen Bereich implizieren. 

Quelle: https://www.gelsenkirchen de/de/Bildung/Kommunales_Bildungsbuero/Bildung_in_Zahlen/_doc/Sch%C3%BClerjahresstatistik_Schuljahr_17-18.pdf

Nick schreibt zu den Zahlen im Ennepe-Ruhr-Kreis 2008:
29328 Schüler_innendavon besuchen 771 Schüler_innen also 2,62%% eine Förderschule.Leider konnte ich für das Jahr bei meiner Recherche keine Auskünfte darüber finden, wie viele Schüler_innen davon einen Sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung in Anspruch genommen haben. 
Quelle: https://www.stadt-wetter de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Fachbereich_2/Gesamtgutachten_22112012_1_.pdf
Ennepe-Ruhr-Kreis 2018:
31493 Schüler_innendavon besuchen 1015 Schüler_innen also 3,22% eine Förderschule.363 Schüler also 1,15% der gesamten Schüler_innen haben einen Sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung in Anspruch genommen.
Quelle: https://www.transferagentur-nordrhein-westfalen de/fileadmin/website_isa/Bilder/Aktuelles/Bildungsreport_EN_2019.pdf

Seaside schreibt: In den kreisfreien Städten NRWs haben 9,07 % der Schüler*innen Förderbedarf. Die Standardabweichung beträgt 2,51 % . Es gibt große Unterschiede in der Anzahl von Förderschüler*innen in den kreisfreien Städten. So kann diese unter Umständen entweder 6,5% oder 11,5% betragen.

Fyve schreibt: Bochum: Schüler mit pädagogischen Förderungsbedarf im Bereich emotionaler und sozialer Entwicklung. 

Ich konnte leider keine Vergleiche anstellen, weil es keinen genauen Statistiken über den Förderungsbedarf von Kindern und Jugendlichen in Bochum gibt. Ich konnte allerdings interessante allgemein Infos über den Förderungsbedarf in Bochum herausfinden.  

„Mit Beginn des Schuljahres 2017/2018 gab es in Bochum 48.633 Schülerinnen und Schüler an insgesamt 96 Schulen. 4.900 Schülerinnen und Schüler davon besuchten 13 private Schulen. 47 % der Schulen waren Grundschulen, sie decken den Primarbereich fast völlig ab. Daneben gibt es drei Waldorfschulen, die auch über den Primarbereich hinausgehen. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf können ihre Schullaufbahn wahlweise an einer Förderschule oder einer Grundschule beginnen“ (Sozialbericht Bochum 2018) 

Unter dem Aspekt der schulischen Inklusion stellt sich die Frage, an welche Schulform die Kinder wechselten, die keine Empfehlung bekamen, weil sie einen sonderpädagogischen Förderbedarf haben. Von den 66 Schülerinnen und Schülern, die an den Grundschulen keine Schulformempfehlung erhielten, wechselten 18 an Förderschulen, die übrigen wechselten zu Regelschulen: 13 Schülerinnen und Schüler wählten die Realschule, fünf das Gymnasium. Die übrigen 30 Schülerinnen und Schüler wechselten an Schulen des längeren gemeinsamen Lernens. An die Hauptschule wechselte keine Schülerin/kein Schüler ohne Schulformempfehlung. (Quelle: https://www.bochum de/C125830C0042AB74/vwContentByKey/W2B74C6P260BOCMDE/$FILE/Sozialbericht_2018.pdf)

Die Bochumer Grundschulen weisen eine sehr unterschiedliche Anzahl an Kindern auf, die eine sonderpädagogische Unterstützung erhalten. Im Schuljahr 2017/2018 gab es in 15 von 36 städtischen Grundschulen weniger als 5 Kinder mit sonderpädagogischem Förderunterstützung, in 12 Schulen unter 10 Kinder, in 8 Schulen 10-21 Kinder und in der Gertrudisschule 68 Kinder. (Quelle: https://www.lokalkompass de/bochum/c-politik/viel-zu-wenige-grundschulkinder-in-bochum-erhalten-sonderpaedagogische-unterstuetzung_a1115958) .

Jonny96 schreibt: Wieviele Schülerinnen und Schüler haben im Jahr 2008, sowie im Jahr 2018 einen sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich emotionaler-/ sozialer Entwicklung?

Meine Datenerhebung trifft auf die Stadt Gelsenkirchen zu. 

Im Jahr 2008/2009 hatte Gelsenkirchen eine Gesamtschülerzahl von 29.607, während es im Jahr 2017/2018 eine Gesamtschülerzahl von 28.169 war. 

Von der Gesamtschülerzahl gingen im Jahr 2008/2009 1569 Schüler auf eine Förderschule. Dies entspricht einen Prozentsatz von 5,30%. Im Jahr 2017/2018 gingen 1121 Schüler auf eine Förderschule, dies sind 3,98%. Die Förderschule ist hier noch allgemein gehalten und es wurde noch kein Schwerpunkt berücksichtigt. 

Im Jahr 2008/2009 gingen 141 Schüler auf eine Förderschule mit dem Schwerpunkt emotionale-/ soziale Entwicklung. Dies entspricht 0,48% der Gesamtzahl aller Schüler. 

2017/2018 haben 211 Schüler eine Förderschule mit dem oben genannten Schwerpunkt besucht. Also 0,75% der Gesamtschülerzahl. 

Quellen: https://www.gelsenkirchen.de/de/Bildung/Kommunales_Bildungsbuero/Bildung_in_Zahlen/_doc/Sch%C3%BClerjahresstatistik_Schuljahr_17-18.pdf 

https://www.statistischebibliothek de/mir/servlets/MCRFileNodeServlet/NWHeft_derivate_00002804/B122200800_A.pdf;jsessionid=B6C98FEE9E631921575E0164A5FB6F70

cora1108

Recherche zu Daten in Wuppertal
Leider konnte auch ich keine genauen Daten der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung finden.Dafür habe ich aber Daten zum Schulwechsel von der Grundschule auf weiterführende Schulen gefunden, die in diesem Zusammenhang auch interessant sein könnten, da Sie betont haben, dass die Einstufung einer Verhaltensstörung oft schon in der Grundschule geschieht und dementsprechend bestimmt einen Einfluss auf die weitere Schulform haben wird:

Schulwechsel auf eine weiterführende Schulform in Wuppertal 2017/2018:
– Gymnasien (33,1 %)    davon Mädchen (35%)  davon Jungen    (31,3%)
– Gesamtschulen (32,5%)
– Realschulen (fast jedes 3. Kind)
– Hauptschulen (9,4%)

Aufällig war hier zum Einen, dass die Zahl der Mädchen, die auf ein Gymnasium geschickt worden sind, höher war, als die Zahl der Jungen. Dies könnte in Verbindung dazu gesetzt werden, dass mehr Jungen als Mädchen als verhaltensgestört eingestuft werden und demnach in der verbreiteten Ansicht „nicht für das Gymnasium geeignet“ sind.
Außerdem wurden in diesem Bericht die Förderschulen nicht erwähnt. Sie wurden lediglich unter dem Begriff „Sonstige“ aufgeführt und stellen einen auffällig kleinen Prozentsatz dar:
– im Jahr 2008: 0,4%- im Jahr 2018: 0,9 %

https://www.wuppertal de/ber_2018_2.pdf

Kokos: Die Stadt Essen führt leider keine öffentlichen Statistiken über die Anzahl von Schülerinnen und Schülern an Förderschulen mit Schwerpunkt der emotionalen und sozialen Entwicklung. Es gibt allerdings allgemeine Zahlen für alle Förderschulen im Stadtgebiet. 2018 besuchten 3.055 Schülerinnen und Schüler in Essen eine Förderschule, das macht einen Anteil von 5,2% an der gesamten Schülerschaft in der Stadt aus. (https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/12/ein_blick_auf/Bildung_in_Essen_04_2019.pdf) 2008 lag diese Zahl noch bei 3.591, ein Anteil von 5,6%. (https://media.essen.de/media/wwwessende/aemter/12/handbuch/Bildung_Kultur_Freizeit.pdf). Auch zu den einzelnen Förderschulen findet man keine Angaben mit Schülerzahlen. 
Zahlen, die sich auf Gesamtdeutschland beziehen, lassen sich interessanterweise sehr schnell finden. Laut Kultusministerkonferenz hatten 2016 deutschlandweit 1,18% aller Schülerinnen und Schüler einen Förderschwerpunkt „Emotionale und soziale Entwicklung“. Dieser Anteil stieg seit 2007 deutlich an. (2007: 0,639%, 2011: 0,863%, 2015: 1,178%). (https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/pdf/Statistik/Dokumentationen/Dok_214_SoPaeFoe_2016.p


Keks: Genauso wie Elli bin ich auch zunächst den Weg über die Kontaktierung des Schulamts Gelsenkirchen gegangen. Ich habe Ihnen die E-Mail als PDF angehangen. Leider habe auch ich keine Antwort auf meine Anfrage erhalten. Auf Ihre Frage, ob es sein kann, dass sie Ihre Zahlen nicht veröffentlichen wollen, kann ich mir vorstellen, dass der Druck höher wäre, ebenfalls eine Auswertung und Ursachendarlegung dieser Daten zu veröffentlichen, die für alle einsehbar ist.
In der Schülerstatistik des Bildungsbüros wurde festgehalten, dass es im Jahr 2012/2013 eine Gesamtschülerzahl von 26.368, dabei besuchten 134 Schüler*innen eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung (rund 0,51%) 
Im Jahr 2017/2018 waren es insgesamt 28.169 Schüler- und Schülerinnen, wovon 211 Schüler*innen eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung besuchten (rund 0,75%)
Die Berechnung schließt die Schüler*innen an anderen Schulformen im gemeinsamen Lernen aus.

Fräulein F. : Kinder mit dem Förderschwerpunkt sozial, emotionale Entwicklung in Herne:

  • Für das Schuljahr 2008/2009

Gesamtanzahl der Schüler                           18228

Schüler an Förderschulen                             941                  (5,16%)

Förderschüler Schwerpunkt soz. emo.         188                  (1,03%)

Davon männliche Schüler                             136                  (72,34%)

Davon weibliche Schüler                               52                    (27,66%)

  • Für das Schuljahr 2018/2019

Gesamtanzahl der Schüler                           15625

Schüler an Förderschulen                             623                  (3,99%)

Förderschüler Schwerpunkt soz. emo.         123                  (0,79%)

Davon männliche Schüler                             103                  (83,74%)

Davon weibliche Schüler                               20                    (16,26%)

Die Statistiken zeigen, dass nur ein sehr geringer Teil der Schüler eine Förderschule besucht und auch nur ein geringer Teil aller Schüler auf eine Schule mit dem Schwerpunkt der sozialen und emotionalen Entwicklung geht.

Der Anteil der männlichen Schüler mit dem Förderschwerpunkt soziale und emotionale Entwicklung ist deutlich höher wie der der weiblichen Schüler und nimmt über die Jahre noch zu.

Die geringere Anzahl an Schülern einer Förderschule mit sozialem und emotionalem Schwerpunkt ist im Jahr 2018/2019 ist deutlich geringer, da eine der Förderschulen in Herne geschlossen wurde und die Kapazitäten der verbleibenden Schule nicht erhöht wurden.

Purzel schreibt zu Zahlen in Recklinghausen: Leider konnte ich keine Zahlen zum sonderpädagogischen Förderbedarf finden:

Schüler*innen auf allgemeinbildenden Schulen 

Schulform Schülerzahlen                                           in %

Grundschulen 4.080                                                     31,8%

Hauptschulen 98                                                            0,8%

Realschulen 2.004                                                        15,6%

Gymnasien 3.631                                                          28,3%

Integrierte Gesamtschulen 2.741                                   21,4%

Förderschulen (Bereich Grund-/Hauptschule) 279          2,2%

Gesamt 12.833 100%

Quelle: Stadtverwaltung Recklinghausen Tabelle 11.1: Schüler*innen auf allgemeinbildenden Schulen (2019/20)

Schüler*innen auf allgemeinbildenden Schulen (2018/19)
GesamtDeutscheAusländer
Anzahl%Anzahl%Anzahl%
Grundschulen3.92630,103.32825,525984,58
Hauptschulen1461,121180,90280,21
Realschulen1.99915,331.87214,351270,97
Gymnasien3.69728,343.56027,291371,05
Integrierte Gesamtschulen2.76321,182.18916,785744,40
Förderschulen (Bereich Grund-/Hauptschule)Gesamt51213.0433,93100,0043011.4973,3088,15821.5460,6311,85

Quelle: 2018 Jahresbericht_Final pdf

(4) In der vierten Lehreinheit geht es um die Auswirkungen von Armut auf das Arbeitsfeld Erziehungshilfe.

Sieht man von den Erziehungsberatungsstellen ab, so sind die Verhältnisse schon ziemlich eindeutig: Das sind nicht die Kinder der Reichen und Gebildeten in den Maßnahmen. Sondern das sind ziemlich häufig die Kinder der Armen.

Armut in der Erziehungshilfe
Tab 30: Modell der schichtenspezifischen Sozialisation nach Geulen (1991)
Das Modell der schichtenspezifischen Sozialisation geht davon aus, dass „ aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen der Väter am Arbeitsplatz, die familiale Sozialisation in der sozialen Unterschicht in mehrfacher Hinsicht (…) anders verlaufe und zu anderen Ergebnissen führe als in der Mittelschicht, daß daher die Kinder aus der Unterschicht in dem durch Mittelschichtskultur dominierten Schul- und Bildungssystem auf größere Schwierigkeiten stoßen und stärker ausselegiert würden, daß sie später wieder nur in der Unterschicht zugänglichen Berufspositionen einrücken könnten .“ 
Tab 31: Lernbehinderung als soziokulturelle Benachteiligung (Begemann 1970)
zumindest partielle Gleichsetzung von Lernbehinderung und Schichtzugehörigkeit bei Begemann als These, daß Hilfsschüler bis auf eine Minderheit der armen, proletarischen, sozial rückständigen Unterschicht entstammen 
Schulversagen als Versagen an Mittelschichtsstandards: Hilfsschüler sind unterdurchschnittlich gemessen an den Normen der Mittelschicht. Sie sind soziokulturell benachteiligt Mittelschichtslastigkeit von Intelligenztestverfahren
Resümee: Hilfsschulbedürftigkeit kann nicht mit psychologischen, soziologischen oder medizinischen Kategorien beschrieben werden, sondern nur als pädagogische Aufgabe 
Die Sozialisationsbedingungen von Hilfsschülern: Gefühle der Unterlegenheit, Ausgeliefertheit, Benachteiligung, geringe Bildungsmotivation, Unterschichtsmatriarchat, Familismus (Verkehrskreis beschränkt auf Verwandte und Nachbarn), niedriger Wohnkomfort in unzureichenden Wohnungen, viele Kinder, autoritärer Erziehungsstil, wenig Gelegenheiten zum produktiven Tun, Schülercliquen, die die Schichtgrenzen kaum überschreiten Sprachliche Benachteiligung (in Anlehnung an Bernstein) 
Tab 32: Theorie des sozialen und kulturellen Kapitals (Bourdieu 1979)
Klassen werden weder über ein Merkmal oder die Summe von Merkmalen definiert (Alter, Geschlecht, soziale Herkunft, Einkommen, Ausbildungsniveau)
noch durch eine Kette von Merkmalen, die von einem Hauptmerkmal (z. B. von der Stellung im Produktionsprozess) abgeleitet sind 
Definition sozialer Klassen als Struktur der Beziehungen zwischen allen relevanten Merkmalen, die jeder derselben … verleiht Klassenzugehörigkeit ist mit einem Bündel ungefähr gleich wahrscheinlicher ungefähr gleichwertiger Lebensläufe verbunden
 Wichtig sind: ökonomisches Kapital (neben Durchschnittseinkommen auch Konsum-Indices wie Auto und Bootsbesitz oder Urlaub im Hotel),
kulturelles Kapital (mit Indikatoren wie: Häufigkeit der Lektüre nicht berufsbezogener Literatur, Häufigkeit von Theaterbesuch, Nicht-Besitz eines Fernsehers usw.)
und soziales Kapital. Der Konsum vor allem solcher Güter, die ein der bürgerliche Lebensart konformes Verhalten symbolisieren lässt, garantiert ein soziales Kapital, ein Kapital an ´mondänen Beziehungen´, die bei Bedarf einen nützlichen Rückhalt bieten, ein Kapital an Ehrbarkeit und Ansehen verleihen 

Aber schreibt: Was möchte ich als Familienhilfe in der Familie von Vicky erreichen?

Die mangelnde Struktur, die Schichtzugehörigkeit zur unteren Schicht mit Armut und „Chaos“ verbunden, die Vermutung der nicht hinzureichenden Bildungschancen von Vickys Kind, lassen mich als Familienhilfe zunächst aktiv werden. 

Die Betonung des begleitenden Risikos der Kindeswohlgefährdung machen eine Intervention notwendig.

Schwierig ist tatsächlich der Weg in einen Hilfeprozess. 

Als wichtigen Einstieg würde ich versuchen, zu Vicky eine Beziehung für den Hilfeprozess aufzubauen. Da ich Vicky als nicht offen für eine Unterstützung halte, sehe ich in einer behutsamen Beziehungsgestaltung durch Wertschätzung und Empathie die Grundlage. Ebenso muss ich parallel Indizien für die vermutete Kindeswohlgefährdung beobachten.

Zur Risikobewertung würde ich der Checkliste zur Bewertung von Kindeswohlgefährdung hinzuziehen. Je nach Ausprägung von Auffälligkeiten gilt es einer Risikoeinschätzung als Grundlage für Folgeschritte. Vereinbarungen und Kontrolle durch mich als Familienhilfe müssen Vicky im Hilfeplan signalisiert und einfach dargestellt werden.

Ich würde demnach zur Prüfung, meinen Hilfeplan an Vickys Alltag ausrichten und sie bei alltäglichen Situationen begleiten, um die Beziehung zu gestalten, ihr das Angebot als „Insel“ im Bereich der Jugendhilfe ihr Ansprechpartner zu sein, darstellen. 

Ich gehe davon aus, dass nicht Vicky um Familienhilfe gebeten hat, sondern dass diese im Zwangskontext stattfindet. Daher denke ich, dass nach einigen Terminen des Beziehungsaufbaus, erst ein Gespräch über mögliche Probleme stattfinden kann. 

Aufgrund meiner Vermutung, dass die Familienhilfe auf Zwang stattfindet, gelten die ersten Sitzungen der Empfindungen und des Erlebens von Vicky hinsichtlich ihrer Selbstorganisation, in Bezug auf Chantal und in Hinblick auf die Familienhilfe. 

Ich würde mit Vicky das Gespräch anstreben, was sie hinsichtlich Struktur im Alltag, Struktur in erzieherischen Fragen und Struktur im Haushalt versteht, selbst stört und ändern möchte. Im Begleiten einzelner Situationen, würde ich ihr Beispiele zur Optimierung geben, allerdings sie in diese Planung miteinbeziehen und den finanziellen und den sozialen Kontext beachten. 

Sollte Vicky sich öffnen, kann über Punktepläne kleinschrittig an verschiedenen Konzepten für einen Strukturaufbau im Alltag gearbeitet werden. Angepasst an Vickys Budget und sozialem Netzwerk natürlich. 

Hier beziehe ich mögliche Kooperationspartner in den Hilfeplan ein.

In diesem Fall sehe ich erhebliche Probleme, Vicky Grenzen von Nähe und Notwendigkeiten von Distanz im Beziehungsaufbau zu signalisieren. Der notwendige Vertrauensaufbau ist unerlässlich, jedoch schätze ich Vicky so ein, dass sie eventuell die Art dieser Beziehung falsch deutet, sodass eine notwendige Distanz in Form fachlicher Gespräche und Anregungen zwingend mit dem Vertrauensaufbau einhergehen muss. 

Diese Fachlichkeit muss angepasst sein an die Herkunft und der Bildungsherkunft von Vicky. Während der ersten Termine gilt es daher, mehr über Herkunft und Bildungsstand zu erfahren, um die Art und Weise des weiteren Hilfeplans vorzubereiten. 

Nach einer stetigen Begleitung in kurzen Abständen, einer Zielerstellung und Punkten, die es zu „optimieren“ gilt, würde ich als Familienhilfe nach und nach Vickys Autonomie fördern durch konkret gestellte Aufgaben. Nicht, um ihre Autonomie zu untergraben, sondern um die Beziehung und die Absicht der Familienhillfe nicht aus den Augen zu verlieren. 

Die Ausführung dieser Aufgaben liegt in Vickys Ausgestaltung, solange das Ziel erreicht wird. 

Nach und nach würde ich die autonomischen Prozesse freier formulieren, um ihr Mitwirken zu fördern. 

Diesen Schritten geht die Vereinbarung mit Vicky hinsichtlich einer möglichen Kindeswohlgefährdung voraus. Erst, wenn dort, nach Absprache und Kontrolle, keine Auffälligkeiten durch autonomische Prozesse zu erkennen sind, ist ein ressourcenorienter Mitwirkungsprozess sinnig.

Für einen Beratungsverlauf mit Vicky halte ich einen freien Beratungsverlauf für nicht förderlich für das Erreichen der Zielsetzungen. In dem Fall würde ich zunächst durch eine Eingrenzung von Antwortmöglichkeiten in Verbindung mit Einschätzungen anhand einer Skala arbeiten. Meine Bedenken liegen hier im „Abschweifen“ vom Hilfeplan, dadurch dass Vicky durch frei gestellte Fragen an die Grenzen ihrer reflektierenden Sichtweise kommt. Die Befähigung zur Selbstreflexion könnte durch eine schrittweise Öffnung der Formulierungen als Teilziel gesetzt werden.

Ferner würde ich mit Vicky die Möglichkeiten zur Unterstützung erörtern. Im Netzwerk agiert die Familienhilfe als Case Manager, sodass Vicky erst einmal nur einen Ansprechpartner hat, um die nötigen Schritte einzuleiten. Meine Vermutung wäre, dass die Kontaktaufnahme zu diversen Stelle, eine Überforderung darstellt und somit die Motivation an der Beteiligung des Hilfeplans scheitert. 

Weitere Möglichkeiten wären Sportangebote oder Freizeitangebote seitens der Kinder- und Jugendhilfe für Chantal. Je nach Alter von Chantal können AG und Förderangebote in Betracht gezogen werden sowie eine Betreuung im Offenen Ganztag, um Vicky in der Position der Alleinerziehenden zu entlasten und ihr die Chance zu geben, sich auf den Hilfeplan mit der Familienhilfe zu konzentrieren. 

Welche langfristigen Hilfen können für Vicky in Frage kommen, würde ich im Verlauf des Hilfeplans mit Vicky konkretisieren. 

Freu schreibt:
Was würde ich als Familienhelferin in der Familie von Vicky Pollard und ihrer Tochter erreichen wollen?
Aus fünf verschiedenen Videos auf Youtube habe ich über Vicky erfahren, dass sie zu Aggressivität und Gewalt neigt, nur über einen begrenzten Wortschatz mit grammatikalischen Problemen verfügt, einen Hang zu Kriminalität und der Nichteinhaltung von Regeln und Grenzen hat, nicht außerhalb ihres gewohnten schichtspezifischen Umfelds verkehrt und augenscheinlich über einen eher geringen IQ verfügt. Da sich Vickys 8-jährige Tochter bereits ähnlich wie ihre Mutter verhält, würde ich es mir als Familienhelferin zur Aufgabe machen, die Ausmaße ihres Verhaltens möglichst einzudämmen bzw. zu verringern und bestenfalls, wenn dies noch möglich ist, ihr Verhalten großflächig zu verändern. Dazu ist es erforderlich, dass Vickys Tochter bildungstechnisch speziell geschult und gefördert wird. Hierfür würde ich Kontakt zum Jugendamt herstellen und prüfen, ob spezielle Anträge für Vicky gestellt werden können. Zusätzlich würde ich mit ihr eine Nachhilfe-Gruppe suchen, in welcher der Lernstoff nachgeholt und aufgearbeitet werden kann.Damit Vickys Tochter etwas aus ihrem gewohnten Umfeld herauskommt und ein anderes Lebensumfeld kennenlernt, würde ich sie motivieren wollen, an (außer)schulischen Gruppenangeboten und/oder verschiedenen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe mit gleichaltrigen Kindern teilzunehmen, um dadurch u.a. Sozialkompetenz, Regeleinhaltung, Empathiefähigkeit etc. zu gewinnen. Allerdings müsste ich natürlich auch mit Vicky selbst zusammenarbeiten, damit sie in ihren Fähigkeiten, ihre Tochter besser unterstützen zu können, geschult wird. Da Vicky vermutlich die Familienhilfe zur Unterstützung nicht selbst gefordert hat, sondern der Einsatz der Familienhilfe als Zwangsmaßnahme eingestielt wurde, gilt es zunächst Vertrauen und eine Beziehung zu Vicky aufzubauen. Ihr müsste immer wieder verdeutlicht werden, dass die Familienhilfe als Unterstützung fungieren soll und nicht als Bestrafung. Dennoch müssen aufgrund der vorangegangenen Kindeswohlgefährdungen klare Regeln und Grenzen mit Vicky vereinbart werden, welche zwingend im Sinne und zum Schutz ihrer Tochter eingehalten werden müssen. Dabei sollte versucht werden, diese möglichst gemeinsam mit Vicky zu erarbeiten, damit sie den Gedanken hinter diesen Schutzvereinbarungen nachvollziehen kann. Eventuell vorhandene Ressourcen von Vicky sollten dabei aufgegriffen werden und durch neue Tipps bzw. Forderungen der Familienhilfe hinsichtlich der Erziehung und Förderung ihrer Tochter ergänzt bzw. erneuert werden. Je nachdem, ob neue Aspekte für eine Kindeswohlgefährdung hinzukommen oder Vicky als Mutter nicht bereit ist, mit der Familienhilfe zusammenzuarbeiten, müsste zusammen mit dem Jugendamt geprüft werden, ob der gewöhnliche Aufenthalt ihrer Tochter bei ihr noch gewährleistet werden kann oder ggf. eine stationäre Unterbringung in einer Wohngruppe oder Pflegefamilie notwendig ist. 

 Ansa: Ich würde zunächst telefonisch Kontakt zu Vicky aufnehmen und sie zum Erstgespräch einladen, mit der Option daraus auch einen Hausbesuch machen zu können. In diesem Erstgespräch würde ich mit ihr die Ausgangslage besprechen und verdeutlichen, dass aufgrund der Kindeswohlgefährdenden Momente Handlungsbedarf besteht. Natürlich auch mit dem Hinweis, dass es für sie einfacher ist wenn sie kooperiert und nur negative Konsequenzen für sie hat wenn sie die Mitarbeit verweigert. 
Zunächst würde ich beim JA eventuell auch doppelte Fachleistungsstunden beantragen, um die Beziehungsarbeit vernünftig führen zu können. Die Folgegespräche würde ich dann dafür einplanen und dort dann auch Chantal mit einplanen. Zuerst also alles dafür tun, damit das Bild vom bösen Jugendamt bzw. der bösen Erziehungshilfe mit dem Bild der hilfsbereiten Sozialarbeiterin substituiert wird. 
In den Gesprächen würde ich darüber hinaus immer wieder erfragen, wo die Familie denn selber den Hilfsbedarf sieht oder welche Punkte ihrer Meinung nach zu verbessern sind. 
Als Sozialarbeiter würde ich im Sinne des Kindes nach dem Prinzip „äußere Ordnung führt zu innerer Ordnung“ vorgehen und erst einmal davon ausgehen, dass Chantal lediglich Symptomträger der Ausgangssituation ist. 
Ich würde versuchen Vickys Lebenswelt etwas zu ordnen, beispielsweise ein Haushaltsorganisationstraining zu installieren und etwaige Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Damit würde dem Kind schon einiges an Struktur vorgegeben werden und die finanzielle Situation würde auch verbessert. 
Sobald ich erste Erfolge sehe, würde ich ebenfalls die Fachleistungsstunden reduzieren, um der Familie die Erfolge zu verdeutlichen. 

Dumbo schreibt: Thema 4 Vicky und Chantal

Aufgabe: Was will ich in der Familie von Vicky erreichen, wenn ich dort als Familienhelferin eingesetzt werde?

  • Vicky dabei unterstützen den familiären Kreislauf zu unterbrechen
    • Drogentherapie
    • Psychologisches Gutachten bei einer Fachstelle erstellen lassen und evtl. psychologische Unterstützung
  • Soziale und schulische Entwicklung fordern und fördern, so dass Chantal eine tragbare Lebensperspektive geschaffen werden kann. Dies kann durch Betreuung in einer OGS, Mitgliedschaft in einem Verein, durch den Besuch einer Kinder- und Jugendgruppe, etc. erreicht werden.
  • Kleine Ziele verfolgen, damit das Selbstwertgefühl von Vicky und Chantal gestärkt wird. Z.B. regelmäßiges einkaufen, Termine einhalten, … (Ressourcenarbeit betreiben) Alltagsbewältigung fördern
  • Vertrauensbasis zwischen Vicky und Chantal schaffen
  • Angemessenen Umgang mit Konfliktsituationen erlernen, so dass Chantal ein gewaltfreies Heranwachsen möglich ist (Entwicklung von Strategien)
  • Erziehungsberatung für Vicky (was braucht mein Kind, worauf muss ich achten, was habe ich für Pflichten,…?)

JuBa: Die Problemlagen dieser Familie sollten meiner Ansicht nach interdisziplinär angegangen werden. Da die Mutter (Vicky) bereits in vielerlei Hinsicht Hilfebedarf in sozialen Angelegenheiten hat, sollte sie – um des Kindes Willen – ebenfalls in ein funktionierendes Hilfesystem eingebunden werden. So bewegt sie sich dem Anschein nach zum einen in einer Lage, in der der Einfluss von Drogen und Gewalt an der Tagesordnung sind und ihr bereits Probleme mit dem Gesetz verschafft haben. Hier ist es nötig, das Gespräch mit Vicky zu suchen und ihr zu verdeutlichen, dass diese Umstände für das Aufwachsen und die Entwicklung ihrer Tochter nicht tragbar sind und Hinweise auf eine Kindeswohlgefährdung darstellen. In ersten Gesprächen muss es jedoch zunächst das Ziel sein, Vertrauen zu Vicky aufzubauen und sie nicht gleich mit Anforderungen zu konfrontieren. Da aus den Videos hervorgeht, dass Vicky keine große Einsichtsfähigkeit hat, Fehler nicht nachvollziehen kann oder leugnet, ist der Beziehungsaufbau zur Fachkraft ein erster großer Schritt. Ihr muss einfühlsam deutlich gemacht werden, dass das Unterstützungsangebot eine Chance für sie und ihre Tochter ist, weiterhin zusammen leben zu können. Um Vicky Hilfestellungen zur Verbesserung ihrer Erziehungskompetenz zu geben, muss jedoch zunächst ihre eigene Situation verbessert werden, um der Tochter ein Vorbild zu werden. Sie benötigt dazu Anbindung an Drogentherapieformen, Therapeuten, evtl. Selbsthilfegruppen. Zur häuslichen Unterstützung kann eine Haushaltshilfe hinzugezogen werden. Es braucht Aufklärung im Bereich gesunder Ernährung und sportlicher Aktivität. Dazu kann man Vicky und ihre Tochter in niedrigschwellig angelegte Kurse einbinden, was ihr Zusammengehörigkeitsgefühl und den Familienzusammenhalt zusätzlich fördert.

Für die Tochter (Chantal) ist es von Bedeutung, ihr im schulischen Bereich Unterstützungsmöglichkeiten zur Seite zu stellen, z.B in Form von Nachhilfe. Sie benötigt einen geregelten Schulrhythmus und hat wahrscheinlich einen großen Hilfebedarf in der sprachlichen Entwicklung, welche Logotherapie nötig macht. Zudem muss ihr Sozialverhalten gefördert werden, man könnte sie z.B in Kursen anmelden, in denen sie zusammen mit anderen Kindern ihren Interessen nachgehen kann (Malen, Tanzen, Singen etc.).


Elli:

  • Vicky hat schon früh eine Tochter (Chantal) bekommen
  • Chantal ist 8 Jahre alt und genauso drauf wie ihre Mutter

Rahmenbedingungen: 

Verhältnisse: kein Geld, keine Tagesstruktur, jede Menge Hinweise auf Kindeswohlgefährdung

Vicky: 

  • Vorlaut, übergewichtig, immer genervt
  • Trägt nur einen pinken Jogginganzug
  • Weiß viel Intimes über ihre Mitmenschen („Tratschtante“), diese Geschichten nutzt sie, um in Problemsituationen von sich abzulenken
  • Sie raucht und trinkt Alkohol (auch in der Schwangerschaft)
  • Geht nicht zur Schule
  • Zeigt sich ambivalent
  • Niedriges Selbstwertgefühl, übernimmt keine Verantwortung für sich und ihr Handeln
  • Sehr unsicher im Kontakt mit anderen („aber nein, aber ja, aber nein (…)“)  (zeigt sich aber sehr stark-> beleidigt ihr Gegenüber und zeigt sich angespannt)
  • Hat Schwierigkeiten Menschen zu vertrauen/Beziehungen aufrecht zu halten, Angst verurteilt/verletzt zu werden
  • Ist auf sich allein gestellt
  • „auf Krawall gebürstet“, denkt schnell, jemand „will ihr was“
  • Kennt kein Familienleben -> Keinen Kontakt zu ihrem KV, wenig Kontakt zu ihrer KM (von ihr bekommt sie keine Unterstützung)
  • Falscher Freundeskreis

Elli: Überlegung:  Ich bin als Familienhelferin in der Familie von Vicky.

Was will ich in der Familie erreichen?

Was will ich von denen?

Allgemein: auf Augenhöhe arbeiten, sie da abholen, wo sie stehen und ihre Ressourcen nutzen und fördern 

Vicky

  • Als erstes ein Gespräch mit Vicky führen, um deutlich zu machen, dass sich etwas ändern muss (Kindeswohlgefährdung) und welche Konsequenzen es sonst gibt und um Ziele von ihr herauszufinden
  • Versuchen Vertrauen aufzubauen, eine Bezugsperson zu sein: Da Vicky niemanden hat, dem sie vertrauen kann und mit dem sie reden kann
  • Ihr wird es schwer fallen Hilfe anzunehmen, da sie sich vermutlich immer schon alleine durchgeschlagen hat und von ihren Eltern auch keine Unterstützung bekommt /bekommen hat
  • Unterstützung im Alltag, Tages- /Wochenplan (Aufstehen, Aufräumen, Einkaufen, Putzen, Kochen etc.) erstellen: Sie hat von ihren Eltern keine Tagesstruktur beigebracht bekommen
  • Irgendwann vielleicht ein Gespräch mit KM und Vicky führen: Schwieriges Verhältnis zur KM
  • Selbstwirksamkeitserfahrungen / Selbstwertgefühl steigern: Hat ein niedriges Selbstwertgefühl, da sie vermutlich nie Lob und Unterstützung erfahren hat.
  • Evtl. Selbsthilfegruppe: da erfährt sie, dass sie nicht alleine ist -> Hat vermutlich Angst verurteilt zu werden, deshalb zeigt sie sich so vorlaut und aggressiv, damit sie nicht verletzt wird
  • Evtl. Abendschule: damit sie ihren Schulabschluss nachholen kann -> Vorbildfunktion
  • Verschiedene Praktika: damit Vicky vielleicht einen Job findet, der ihr Spaß macht und sie motiviert ist, die Schule nachzuholen und ein Ziel vor Augen hat
  • Arzttermin vereinbaren: Körperliche Untersuchung (Alkohol, Rauchen, Übergewicht)
  • Ernährungsplan erstellen
  • Wohlbefinden steigern
  • Die Beziehung zu ihrer Tochter stabilisieren (z.B. durch Marte Meo)
  • Sie muss lernen Verantwortung für sich und ihr Handeln zu übernehmen, damit sie auch Verantwortung für ihre Tochter übernehmen und sie in ihrer Entwicklung unterstützen kann

Chantal

  • Gespräch führen, Beziehung / Vertrauen aufbauen
  • Schulangst? Mobbing? Etc. Gespräch mit der Schule führen: Gründe herausfinden, warum sie nicht zur Schule geht.
  • Evtl. Schulwechsel, (dadurch auch neuen Freundeskreis), Jemanden der sie zur Schule begleitet, Hausaufgabenbetreuung
  • Tagesstruktur erstellen
  • Interessen herausfinden und fördern: neues Hobby finden, dadurch kann sie neue Kontakte knüpfen, dadurch bekommt sie Anerkennung und evtl. entstehen Freundschaften
  • Soziales Kompetenztraining
  • Andere soziale Gruppen („Ich bin nicht alleine“ / „Wir-Gefühl“) (z.B. Sportgruppen)
  • Mutter-Kind-Beziehung stärken (z.B. „Marte Meo) oder Gemeinsame Aktivitäten mit Vicky und Chantal planen (Kochen/Backen, Spazieren gehen, Spiele spielen etc.)
  • Selbstwertgefühl steigern, Ressourcen fördern
  • Anti-Aggressionstraining
  • Mit Vicky zusammenarbeiten, damit Chantal Unterstützung von ihrer KM erfährt

KeeK: Ich bin Familienhelfer in der Familie von Vicky. Was will ich erreichen?

 Voraussetzungen:

Vicky:

  • Neigt zu Gewalt
  • Kriminelle Tendenzen
  • Drogen
  • Kein funktionierendes Familienleben
  • Fragwürdiger Umgang /Freundeskreis
  • Hat eine „kurze Zündschnur“
  • Grenzüberschreitend
  • Hält sich nicht an Regeln
  • Vorlaut
  • Niedriger IQ

Vorgehen:

  • Erste Kontaktaufnahme / Vertrauen entwickeln
  • Beziehungsarbeit
  • Prüfen, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt / Risikoeinschätzung
  • Hilfeplan erstellen in Zusammenarbeit mit Vicky und Chantal
  • Kleinschrittig arbeiten
  • Drogentherapie anstoßen / Selbsthilfegruppen
  • Ggf. Antiaggressionstraining
  • Erziehungsberatung
  • Beziehungsarbeit zwischen Chantal und Vicky
  • Betreuungsangebote für Chantal prüfen
  • Schulische Unterstützung für Chantal
  • Förderangebote und Angebote für Soziale Kontakte für Chantal (bspw. Sportvereine, OGS)

LeBe: Vicky und Chantal: 

Vicky Pollard greift in ihrer Kommunikation häufig zu Schimpfwörtern und Beleidigungen. Auch in ihren Handlungen zeigt sie stets ein aggressives und gewaltbereites Verhalten. Sie ist des Öfteren in Gewaltverbrechen und Kriminalität verwickelt, zeigt aber hierbei wenig Einsichtsfähigkeit oder Verantwortungsbewusstsein, sondern schiebt die Schuld immer auf ihre „Gang“. Vicky ist dem Anschein nach übergewichtig und raucht sehr viel. Sie bekam bereits im jungen Alter eine Tochter namens Chantal, welche nun 8 Jahre alt ist.

Wir gehen nun davon aus, dass aufgrund Vickys mehrmaligen Vorstellens vor Gericht, ihr dabei auch ein Familienhelfer_in zugewiesen wurde. Es ist daher wichtig, Vicky zunächst einmal deutlich zu machen, dass ein Familienhelfer_in nur helfen möchte und nichts Böses will.

Wie zuvor bereits beschrieben, ist sich Vicky nie wirklich einer Schuld bewusst und kann die derzeitige Lage nicht richtig einschätzen. Aus diesem Grund würde ich als Familienhelfer zunächst ein Einzelgespräch mit Vicky suchen und versuchen eine Vertrauensbasis und eine Beziehung aufzubauen. Aus den Videos entnehme ich, dass dies eventuell länger als ein Gespräch dauern könnte, da sich Vicky vermutlich zunächst stark angegriffen fühlen würde. Deshalb ist es wichtig, stets Verständnis zu zeigen und einen Ruhepol in die Gespräche zu bringen. Nichts destotrotz muss man Vicky die schlechte Lage verdeutlichen und aufzeigen, was passieren könnte, wenn sie sich nicht mehr um Chantal kümmert (Kindeswohlgefährdung und Inobhutnahme). Wenn sie weiterhin mit Chantal zusammenleben möchte, muss sie etwas an ihrem Leben ändern. Gemeinsam muss man sich mit ihren Problemen auseinandersetzen und ihr zeigen, dass es auch anders möglich ist. Vicky scheint keinen geregelten Tagesablauf zu haben und häufig Drogen zu konsumieren. An dieser Stelle wäre eine Drogenkonfliktberatung die erste Anlaufstelle. Es ist wichtig, Vicky wieder eine Struktur zu geben. Dies könnte man durch sich immer wiederholende Tagespläne und -abläufe schaffen. Hierbei wird sie vermutlich ebenfalls Hilfe gebrauchen, deshalb könnte man zusätzlich gezielte Unterstützung zum Thema Kochen und Putzen geben. Als weitere Hilfe für eine geregelte Struktur und zur Verbesserung der finanziellen Situation, könnte eine Jobsuche vom Vorteil sein. Da ich annehme, dass Vicky noch nicht viel Erfahrung damit hat, ist es wichtig in kleinen Schritten vorzugehen und mit ihren vorhanden Ressourcen zu arbeiten. Aus dem Erscheinungsbild geht ebenfalls hervor, dass Vicky nicht sonderlich gesund lebt, das könnte auch ein Grund für ihr mangelndes Selbstwertgefühl sein. Hier würde ich als Familienhelfer sportliche Aktivitäten sowie eine Ernährungsberatung empfehlen. Dies würde auch Chantal viel helfen. Außerdem sollte Vicky verdeutlicht werden, dass Gewalt und verbale Aggression keine Lösung sind. An dieser Stelle könnten passende Therapien helfen, die die Konfliktlösekompetenz fördern sollen. Des Weiteren scheint ihre „Gang“ der falsche Umgang zu sein. Hier könnte man mit weiteren Freizeitangeboten, nicht nur eine Struktur schaffen, sondern Vicky ein anderes soziales Umfeld bieten und ihre sozialen Kompetenzen verbessern.

Als Familienhelfer ist es ebenfalls von besonderer Bedeutung sich nicht nur um Vicky zu kümmern und diese eng zu begleiten, sondern auch Chantal muss unterstützt werden. Chantal zeigt bereits einige Verhaltensmerkmale von ihrer Mutter. Deshalb ist es wichtig, schlimmere Folgen zu verhindern. Es sollte zunächst einmal geschaut werden, ob Chantal regelmäßig die Schule besucht. Dadurch erhält auch Chantal einen geregelten Tagesablauf. Zusätzlich sollte Chantal schulische Unterstützung erhalten, um die verbale Ausdrucksweise sowie die schulischen Leistungen zu verbessern. Auch nach der Schule, ist es gut, ihr ein Angebot zu bieten, z.B. in Form von sportlichen oder künstlerischen Aktivitäten (Sportverein, Musikunterricht usw.). Dies würde auch Chantals soziale Kompetenzen fördern. Bei all den Maßnahmen ist es besonders wichtig, stets mit Mutter und Tochter zusammenzuarbeiten.

Fyve: Familienhilfe bei Vicky: 

Vicky und Chantal sollten in einem funktionierenden Hilfesystem eingebunden werden. In ersten Gesprächen muss geklärt werden wie es weitergehen kann, damit Chantal bei ihrer Mutter bleiben kann. Dazu müssen Ziele vereinbart werden. Wichtige Ziele müssen sein Anbindung an Drogentherapie, Ernährungsberatung, Erziehungsberatung, Beziehungsarbeit zwischen Vicky und Chantal fördern. Des Weiteren muss intensiv mit Chantal gearbeitet werden bedeutet, Soziales Kompetenztraining, Tagesstruktur, Anti-Aggressionstraining. Hilfreich wäre erstmal eine Sozialpädagogische Familienhilfe mit in die Familie einzubringen, damit eine Ansprechperson zur Seite steht. Wenn die Ziele nicht erreicht werden können und Vicky nicht Besserung zeigt, muss das Jugendamt von einer Kindeswohlgefährdung ausgehen und Chantal stationär unterbringen. 

AnKa: Was möchte ich in der Familie von Vicky erreichen, wenn ich dort als Familienhelferin tätig bin? 

Fall: Vicky Pollard und ihre Tochter Chantal 

Durch verschiedene Youtube Videos habe ich einen ersten Eindruck von Vicky bekommen. Vicky zeigt ein sehr hohen Hilfebedarf in vielen Bereichen, damit sie für ihre Tochter ein gutes Vorbild sein kann, die bereits die Verhaltens- sowie Lebensweisen der Mutter verinnerlicht hat. Ich würde zunächst eine Beziehung zu Vicky aufbauen und eine Vertrauensbasis für die Zusammenarbeit schaffen. Bevor Vicky ihre Mutterrolle verantwortungsbewusst und zuverlässig ausführen kann müssen ihre Probleme angegangen werden, um die Kindeswohlgefährdung abzuwenden. Gemeinsam mit Vicky muss ein geregelter Tagesablauf mit Strukturen erarbeitet werden. Transparent muss ihr ihre aktuelle Lebenslage vor Augen geführt werden mit den Konsequenzen, wenn sie ihr Leben wie bisher weiterlebt, nämlich die Inobhutnahme von Chantal und ihre Ausweglose Lage in ein Tief. Aufgrund der fehlenden Einsichtigkeit und ihrer fehlenden Bildung ist es wahrscheinlich, dass es lange dauert, bis sie dies verstehen wird. Anforderungen an Vicky wären zudem auch eine Therapie für ihr Drogen-sowie Alkoholproblem. Gegen die Gewaltbereitschaft würde ich ein Anti-Aggression-Training empfehlen, welches ihr neue Wege anbietet mit Konfrontationen umzugehen. Um für ihre Tochter eine Motivation zu sein wäre es auch sinnvoll, wenn Vicky einen Abschluss nachholt und die Abendschule besucht. Das wäre aber der Optimalfall und zuvorderst stehen die Therapie an, der Tagesablauf und das Verinnerlichen eines gewaltfreien Auftretens. Angebote könnten auch im Austausch mit dem Jugendamt gesucht werden. Für Vicky und Chantal ist eine gute Eltern-Kind-Bindung wichtig, die gefördert werden müsste durch gemeinsame Aktivitäten. Da Vicky in vielen Bereichen für Chantal keine Hilfe darstellte würde ich Chantal Nachhilfe für schulische Defizite empfehlen, das Anbinden an ein Jugendzentrum für den Kontakt mit gleichaltrigen und das Erarbeiten eines Tagesablaufes mit der Kopplung an ein Verstärkerplan, damit es sie nochmal mehr motiviert. 

Zesel: Was will ich in der Familie von Vicky erreichen, wenn ich dort als Familienhelferin eingesetzt werde?

Vicky Pollard hat eine Tochter namens Chantal, 8 Jahre alt. Das Verhalten wurde von der Tochter übernommen (Lernen am Modell) und es steht eine Kindeswohlgefährdung im Raum.

Die Mutter neigt dazu ihr Verhalten schnell rechtfertigen zu müssen und möchte die Schuld auf andere Personen schieben. Dies bettet sie häufig in eine Geschichte ein und spickt diese mit Randbemerkungen, sodass sie nicht die „eigentliche“ Schuldige ist.

Die Erreichbarkeit der Familie und die Zusammenarbeit wird sich schwierig gestalten. Eine ambulante Maßnahme und auch eine SPFH sollte in die Familie installiert werden, damit ein besseres Bild von der aktuellen Situation entsteht. Zunächst muss eine gute Beziehungsebene geschaffen werden, damit gemeinsam später die Problematik aufgearbeitet werden kann. Die Sozialarbeiter_in soll offene Fragen stellen, die mit dem Alltag in Verbindung stehen, z.B. „Was haben Sie gestern erlebt?“ Vicky Pollard sollte nicht in Zugzwang geraten sich rechtfertigen zu müssen, sonst möchte sie die Schuld abwenden. Stattdessen soll ihr Selbstwertgefühl gefördert werden, sodass sie sich sicherer im Umgang mit Chantal fühlt. Gemeinsam muss eine Auftragsklärung erfolgen, damit beide Seiten wissen, worauf sie abzielen und die Wünsche/ Bedürfnisse der jungen Mutter und Tochter erfasst werden. Wenn das Vertrauen zu dem Sozialarbeiter_in aufgebaut ist, können Themen wie Abschluss, Finanzierung, Strukturierung des Alltags, Drogenkonsum und das Verhältnis zu ihrer Tochter intensiver besprochen werden. Jedoch muss beachtet werden, dass es viele „Problempunkte“ sind und es nicht zu einer Überforderung der Mutter kommt. Sie sollte in dem Prozess Selbstwirksamkeit erfahren, dadurch gewinnt sie die Möglichkeit, an sich selbst zu arbeiten und ihr Kind nicht zu verlieren (Inobhutnahme oder Verlust der Mutter-Tochter-Beziehung). Sie soll angeregt werden Interaktionen mit Chantal zu starten (Brettspiel spielen, usw.) und danach berichten sie über ihre Empfindungen dabei. Es werden gemeinsame Erlebnisse geschaffen und die Kommunikation findet nebenbei statt. Die Familie wird stabilisiert und die beiden entwickeln eine Vertrauensbasis. Chantal könnte ihre Probleme (z.B. Schule) ansprechen und Vicky könnte diese aus Eigenerfahrung nachempfinden.  

kathi94: Vicky Pollard scheint eine Figur darzustellen mit vielen verschiedenen Problemlagen. Als Familienhelferin würde ich zunächst natürlich versuchen eine Vertrauensbasis aufzubauen, was voraussichtlich bei dieser Person nicht die einfachste Aufgabe sein wird. Dennoch ist dies die Basis für weiteres Vorgehen, da eine ablehnende Haltung seitens Vicky wohl eher zum Fehlschlag einer Familienhilfe führen würde. Als eines der ersten Schritte, wäre wohl die Sicherung der  Grundbedürfnisse ein wichtiger Aspekt. Dies beinhaltet die Bereiche Ernährung, Finanzen, Wohnen und die Sicherung der gesundheitlichen Versorgung (z.B. Ist überhaupt eine Krankenversicherung vorhanden, müssen Leistungen beantragt werden?). Vicky sollte hierbei nach Möglichkeit Unterstützung und Begleitung erhalten in der Kontaktaufnahme mit Behörden und Ämtern. Weitergehend sollte unterstützt werden zwischen Vicky und ihrer Tochter wieder eine tragfähige Beziehung aufzubauen. Die Sicherung einer Tagesstruktur ist hier auch wichtig, sowohl für Vicky, als auch ihre Tochter. Gibt es Probleme in der Schule, wird eine Hausaufgabenbetreuung benötigt oder andere Betreuungsangebote nach der Schule? Müssen weitere Hilfebedarfe besprochen werden für die Tochter? Gibt es ihm nahen Umfeld Angebot, die für Vicky eine Anlaufstelle sein können (z.B. Mutter-Kind-Treffen)? Weitergehend muss mit Vicky das Thema des Drogenmissbrauchs behandelt werden, hier bietet sich eine Therapie an (vorallem im Sinne des Kindesschutz). Zudem wäre eine Möglichkeit der Unterstützung das Einüben alltagspraktischer Fähigkeit (auch hier könnte sich passend sehr gut ein Angebot der Tagesstruktur anbieten). Weitergehend kann die Familienhilfe hier auch Unterstützen bei der Entwicklung einer Erziehungsfähigkeit. Alle Maßnahmen setzen allerdings das Einverständnis und Mitwirkungsbereitschaft von Vicky voraus.

Eagle: Familienhelfer bei Vicky und Chantal:

Vicky:

  • Zugangsweg finden → Vertrauen aufbauen, Ansprechperson sein, sachlich über Probleme reden, als Ruhepol fungieren
  • die eigene Situation von Vicky muss sich verbessern, damit sie ihrer Tochter ein Vorbild sein kann → deutlich machen, dass Hilfe und Unterstützung nur gemeint ist (um eben auch vor Kindeswohlgefährdung und den damit einhergehenden Konsequenzen zu schützen)
  • Unterstützung/Verbesserung/Eindämmung in:Sucht → DrogentherapieAggressionsprobleme → DeeskaltionstrainingAlltagsbewältigung → Struktur geben, geregelte Abläufe (anfängliche Hilfe bei Haushalt, Einkaufen etc)in soziales Umfeld integrieren/Kontakte aufbauen → Nachbarschaftshilfen, Soziale ProjekteSteigerung des eigenen Selbstwertgefühls → Selbsthilfegruppen, Sport- und Ernährungsangebote aufzeigen/näherbringen 

Chantal:

  • schulische Entwicklung fördern → z.B. Nachhilfe, Betreuung OGS
  • soziale Entwicklung fördern → Interessen heraus kristalisieren und z.B. durch Freizeitangebote stärken, dort Kontakt zu anderen Kindern
  • Tagesstruktur zusammen entwickeln
  • Ansprechpartner auch für Chantal sein → auf Wünsche, Ängste etc eingehen
  • Beziehungsarbeit zwischen Mutter und Tochter 

Nick: Vickys Verhalten äußert sich in Aggressivität und Gewalt. Ihr Umfeld bewegt sich in der unteren Schicht und ist kein guter Umgang für sie, da sie mit ihrem Freundeskreis Verbrechen begeht und Drogen Konsumiert. Sie besitzt ein niedriges Bildungsniveau, was deutlich durch ihren Wortschatz und Satzbildung wird.

Vicky hat keinen Strukturierten Alltag und keine Zukunftsperspektiven. Da sie früh Mutter geworden ist, und ihre 8-Jährige Tochter Chantal schon ähnliche Verhaltensweisen wie Vicky entwickelt, wird es an dieser Stelle von Nöten, Vicky und ihrer Tochter unterstützende Angebote zu machen.

Vicky wird sich wahrscheinlich jeder Hilfestellung bzw. Hilfeleistung verweigern. Daher wird der Beziehungsaufbau zu Vicky eine enorme Herausforderung. Um hier eine Beziehung aufzubauen ist es wichtig, Vicky auf Augenhöhe zu begegnen. Es ist viel Feingefühl durch Empathie und einen Behutsamen Umgang mit Vicky gefordert, damit sie sich nicht zurückzieht bzw. verschließt.

Vicky muss deutlich gemacht werden, dass ihr momentanes Leben zwischen Drogen, Gewalt und Kriminalität eine Kindeswohlgefährdung führ ihrer Tochter darstellt. 

Vicky können Unterstützungen im Haushalt angeboten werden. Eine Hilfestellung in Form von Hilfe zur Erziehung z.B. bei einer Erziehungsberatungsstelle ist hier absolut relevant, da Vicky keinerlei Verständnis in Sachen Erziehung oder Umgang mit Kindern hat. Auch der Schritt zu einer Therapie oder den Besuch einer Selbsthilfegruppe sollte ihr unbedingt aufgezeigt werden. Mit solchen oder ähnlichen Maßnahmen soll Vicky eine Struktur in ihren Alltag bekommen, damit sie Chantal einer geeigneten Vorbildfunktion Dient.

Bei Chantal ist es wichtig, sie so viel es geht aus diesem prekären Umfeld raus zu bekommen. Hier ist es von Bedeutung ihr im Schulischen Bereich Unterstützung in Form von Nachhilfe zu geben aber auch Maßnahmen wie AG´s/Kurse oder Tagesgruppen um ihre sozialen Kompetenzen zu fördern sind hier sehr wichtig

Freu schreibt: Was würde ich als Familienhelferin in der Familie von Vicky Pollard und ihrer Tochter erreichen wollen?
Aus fünf verschiedenen Videos auf Youtube habe ich über Vicky erfahren, dass sie zu Aggressivität und Gewalt neigt, nur über einen begrenzten Wortschatz mit grammatikalischen Problemen verfügt, einen Hang zu Kriminalität und der Nichteinhaltung von Regeln und Grenzen hat, nicht außerhalb ihres gewohnten schichtspezifischen Umfelds verkehrt und augenscheinlich über einen eher geringen IQ verfügt. Da sich Vickys 8-jährige Tochter bereits ähnlich wie ihre Mutter verhält, würde ich es mir als Familienhelferin zur Aufgabe machen, die Ausmaße ihres Verhaltens möglichst einzudämmen bzw. zu verringern und bestenfalls, wenn dies noch möglich ist, ihr Verhalten großflächig zu verändern. Dazu ist es erforderlich, dass Vickys Tochter bildungstechnisch speziell geschult und gefördert wird. Hierfür würde ich Kontakt zum Jugendamt herstellen und prüfen, ob spezielle Anträge für Vicky gestellt werden können. Zusätzlich würde ich mit ihr eine Nachhilfe-Gruppe suchen, in welcher der Lernstoff nachgeholt und aufgearbeitet werden kann.Damit Vickys Tochter etwas aus ihrem gewohnten Umfeld herauskommt und ein anderes Lebensumfeld kennenlernt, würde ich sie motivieren wollen, an (außer)schulischen Gruppenangeboten und/oder verschiedenen Angeboten der Kinder- und Jugendhilfe mit gleichaltrigen Kindern teilzunehmen, um dadurch u.a. Sozialkompetenz, Regeleinhaltung, Empathiefähigkeit etc. zu gewinnen. Allerdings müsste ich natürlich auch mit Vicky selbst zusammenarbeiten, damit sie in ihren Fähigkeiten, ihre Tochter besser unterstützen zu können, geschult wird. Da Vicky vermutlich die Familienhilfe zur Unterstützung nicht selbst gefordert hat, sondern der Einsatz der Familienhilfe als Zwangsmaßnahme eingestielt wurde, gilt es zunächst Vertrauen und eine Beziehung zu Vicky aufzubauen. Ihr müsste immer wieder verdeutlicht werden, dass die Familienhilfe als Unterstützung fungieren soll und nicht als Bestrafung. Dennoch müssen aufgrund der vorangegangenen Kindeswohlgefährdungen klare Regeln und Grenzen mit Vicky vereinbart werden, welche zwingend im Sinne und zum Schutz ihrer Tochter eingehalten werden müssen. Dabei sollte versucht werden, diese möglichst gemeinsam mit Vicky zu erarbeiten, damit sie den Gedanken hinter diesen Schutzvereinbarungen nachvollziehen kann. Eventuell vorhandene Ressourcen von Vicky sollten dabei aufgegriffen werden und durch neue Tipps bzw. Forderungen der Familienhilfe hinsichtlich der Erziehung und Förderung ihrer Tochter ergänzt bzw. erneuert werden. Je nachdem, ob neue Aspekte für eine Kindeswohlgefährdung hinzukommen oder Vicky als Mutter nicht bereit ist, mit der Familienhilfe zusammenzuarbeiten, müsste zusammen mit dem Jugendamt geprüft werden, ob der gewöhnliche Aufenthalt ihrer Tochter bei ihr noch gewährleistet werden kann oder ggf. eine stationäre 

mrg1607: Was will ich in der Familie von Vicky als Familienhelferin erreichen?

Vorgehen: 

  • Kontaktaufnahme zu Vicky
  • Vicky die aktuelle Lage erklären und Notwendigkeit der Familienhilfe aufgrund KWG verdeutlichen
  • Beziehungsaufbau zu Vicky und Chantale
  • evtl. Gutachten über Erziehungsfähigkeit von Vicky erstellen lassen
  • mit Vicky und Chantale ihre Ressourcen erarbeiten, positiv bestärken
  • Anbindung von Vicky an: Drogenberatungsstelle, Antigewalttraining, Verhaltenstherapie
  • emotionale + soziale Kompetenzen der beiden erarbeiten und ausbauen
  • emotionale Bindung zwischen Mutter und Tochter aufbauen + stärken
  • Erziehungsberatung für Vicky
  • Unterstützung im häuslichen Bereich bieten
  • festen Tagesstrukturplan erarbeiten
  • schulische Förderung von Chantale z. B. durch Integrationshelfer
  • soziale Entwicklung von Chantale fördern z. B. durch Anbindung an Verein/Jugendzentrum/Gruppenarbeit
  • Gemeinsame Interessen von Mutter und Tochter erarbeiten und gemeinsame Aktivitäten planen, um Bindung zu stärken
  • berufliche Perspektive mit Vicky erarbeiten
  • bei sichtlichen Erfolgen evtl. Anbindung von Mutter und Tochter an Spielgruppe, um positive soziale Kontakte herzustellen

Ziele zusammengefasst:

  • Strukturen für Mutter und Kind schaffen
  • positive emotionale und soziale Entwicklung der beiden fördern
  • gute Bindung zwischen Mutter und Tochter
  • förderliche soziale Kontakte aufbauen
  • schulische Förderung Chantale, berufliche Perspektive Vicky

jonny 96: Was möchte ich als Familienhilfe in der Familie von Vicky erreichen?

Mein Vorgehen als Familienhelferin würde so aussehen, dass ich Kontakt zu Vicky aufnehme und um ein Erstgespräch bitte. Dieses Erstgespräch könnte auch sofort bei ihr Zuhause stattfinden, damit ich mir einen ersten Eindruck von der räumlichen Umgebung machen kann. Bei dem Erstgespräch würde ich die Vorgehensweise erklären und ihr verdeutlichen, dass es negative Konsequenzen mit sich führt, wenn sie die Hilfe nicht annimmt, da eine deutliche Kindeswohlgefährdung im Raum steht. Nimmt sie die Hilfe an, werde ich mehrere Tage in der Woche die Familie besuchen um eine Beziehung aufbauen zu können. Erst wenn wir eine gewisse Beziehungsbasis erreicht haben, werde ich anfangen pädagogisch zu arbeiten. Zunächst würde ich mich den Alltag von den Beiden widmen, so dass sie Struktur und einen Tagesablauf reinbekommen. Ich würde Ihnen helfen die Wohnung auf Vordermann zu bringen und gemeinsam mit ihnen einkaufen gehen, so dass sie lernen ausgewogen, aber auch günstig einkaufen zu gehen. Läuft dies einigermaßen gut, so würde ich Vicky an eine psychologische Beratungsstelle anbinden. Diese kann besucht werden wenn Chantal in die Schule geht. Um Chantal mehr in die Gesellschaft zu integrieren und soziale Kontakte aufzubauen würde ich probieren sie an einem Verein anzuknüpfen. Desweiteren sollte Vicky Hilfe bei Bewerbungen erhalten, sowie bei Bewerbungsgesprächen um den Kreislauf der Arbeitslosigkeit zu durchbrechen und um ein Vorbild für Chantal zu sein. Auch wäre die Erziehung von Chantal ein großes Thema. 

Nickname: A-C

Was will ich bei Vicky und Ihrer Tochter Chantal als Familienhelferin erreichen? 

Da ich mich als Familienhelferin im Vorfeld über Vickys Vergangenheit und aktuelle Situation informiert habe,

 weiß ich über sie, dass sie Gewalttätig ist, drogenabhängig, im Gefängnis saß und die Schule abgebrochen hat.

Als Familienhelferin würde ich, als erstes versuchen das Vertrauen von ihr zugewinnen, in dem ich mich mit Ihr unterhalte und sie aus ihrer Sichtweise erzählen lasse. Im nächsten Schritt signalisieren ich ihr, dass das ihre letzte Chance ist, ihre Tochter Chantal zu behalten und dass ich hier helfen werde ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen, diese aber nur möglich ist, wenn sie kooperiert und mitarbeitet. 

1. Vicky soll versuchen Ihre Probleme zu benennen.

2. Gemeinsames erarbeiten von Lösungsangeboten.

3. Psychologisches Gutachten erstellen lassen. 

4.Therapieplätze suchen (Verhaltenstherapie, Antiaggressionstherapie, erneute Drogen Therapie) 

5. Tagesstrukturplan mit ihr zusammen erstellen.

6. Ihr die Möglichkeit aufzeigen, das sie Ihren Schulabschluss nach machen kann und danach die Möglichkeit einer Ausbildung besteht. 

7. Haushaltsführung mit Vicky anleiten.

8. Ein Milieu Wechsel vorschlagen (Umzug)/ Mutter- Kind- Wohngruppe 

9. Soziales Umfeld prüfen. 

10. Vicky zur Selbsthilfe Gruppe schicken 

Chantal: 

Da bei Chantal eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, sie sich schon als 8-Jährige benimmt wie ihre Mutter. Gewalttätig sind keine Regel und Grenzen kennt. 

Würde ich als erst mal ein Psychologisches Gutachten machen lassen um zuschauen wo ich als erste ansetzen muss und welche Ressourcen Chantal hat.

1. Antiaggressionstherapie für Chantal/ Tiergestützt Verhaltenstherapie 

2.  Nach der Schule weiter Betreuung in der Tagesgruppe des Örtl. Jugendhilfeträgers. 

3. Chantal soll lernen ihre überschüssige Energie in der Freizeit abzubauen. 

Gemeinsamt mit Chantal nach einer Sportart suchen. 

4. Förderunterricht in der Schule, Ausgleich der Defizite. 

5.Einen Vormund für Chantal beim Jugendamt bestellen (Finanzen ggf. erweitern.)

6. ggf. Schulwechsel 

Als Familienhelferin würde ich versuchen Chantal zu erklären, dass wenn wir alles das Umsetzten, sie die Therapie macht, es in der Schule leichter für sie wird. Das es deswegen sehr wichtig ist, dass sie mitarbeitet. 

Die Punkte werden mit Vicky, dem Vormund von Chantal und Chantal beim Hilfsplan Gespräch schriftlich festgehalten. 

(5) Fünfte Lerneinheit: Deutungsmuster & ein skurriler Fall

Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass ich in der Blockwoche (9.-13.11.) keine neue Lerneinheit hochladen werde. Die sechste Lerneinheit wird voraussichtlich erst am 16.11. veröffentlicht.

5.1 Nachtrag zur letzten Sitzung: Der Deutungsmusteransatz

Die fünfte Lerneinheit stellt ein Konzept vor, das nur über einen kurzen Zeitraum in den 1990er Jahren von Einfluss war. Es macht aber durchaus Sinn, sich mit Positionen des Deutungsmusteransatzes zu befassen, weil er – anders als die auf Bourdieu basierenden Konzeptionen (die ja bereits in den späten 1970er Jahren entstanden) – durchaus handfeste Anwendungsmöglichkeiten für die Arbeit in sozialen Brennpunkten bietet.

Deutungsmuster


Tab 33
: Deutungsmusteransatz (Eberwein & Mand 1992)
Brennpunkte als Subkultur mit eigenen Regeln, Situationsdefinitionen, Deutungsmustern) 
Schul- & Verhaltensprobleme von Kindern & Jugendlichen aus diesen Brennpunkten als Folge kultureller Missverständnisse 
pädagogische Aufgabe: nicht mehr Sozialisationsdefizite ausgleichen, sondern Brücke bauen von Subkultur zu Mehrheitskultur 


5.2: Ein Fall zum Nachdenken: Fischmaul

Fischmaul

Purzel: Fallbeispiel „Fischmaul“

In der Darstellung des Falles wird deutlich, dass es sich um eine komplexe Problemlage handelt. Um eine passgenaue Hilfe aufzeigen zu können, ist es wichtig die einzelnen Schwierigkeiten herauszuarbeiten.

„Fischmaul“:

  • Probleme in der emotionalen und sozialen Entwicklung
  • Mobbing durch andere Mitschüler_innen aufgrund seines Aussehens
  • Durch Mobbing Aggresionsproblem
  • Schwierigkeiten mit Autorität
  • Übertragung vom „Ungerechtigkeitsgefühl“ auf andere Bereiche (z.B. Schulaufgaben, usw.)

Mutter:

  • Ablehnung von Förderschulen
  • Schwierigkeiten mit Autorität
  • Isolation der gesamten Familie von sozialen Kontakten

Durch die Problemdarstellung wird deutlich, dass sowohl „Fischmaul“ als auch die Mutter keinen positiven Bezug zum System Schule haben. Dadurch muss hier sehr niederschwellig mit der Erziehungshilfe begonnen werden. Damit ein positiver Bezug zu Autoritätspersonen aufgebaut werden kann, wäre es eine erste Idee, die Schulsozialarbeit hinzuzunehmen. Diese kann eine unparteiische Basis zwischen Schule und Familie bilden. Die Schulsozialarbeit kann hier zunächst Kontakt zu „Fischmaul“ herstellen. Ist dies gut gelungen, kann der Kontakt zur Mutter aufgebaut werden. Durch die kleinschrittige Herangehensweise kann gewährleistet werden, dass „Fischmaul“ und seine Mutter im gesamten Prozess gut miteinbezogen und mitgenommen werden. Durch die Hilfe kann es möglich sein, dass die Mutter sich auf weitergehende Hilfe durch das Jugendamt einlässt. Jedoch ist es notwendig offen über Ängste und Sorgen zu sprechen. In der Falldarstellung wurde deutlich, dass auch der ASD den Kontakt zu dieser Familie aufgrund von „gefährlichen“ Tieren meidet. Die Mutter muss in dem gesamten Schulprozess „besser“ mitgenommen werden, damit sie erkennen kann, welche Schwierigkeiten ihr Sohn hat und wie sie dazu beitragen kann, ihn zu unterstützen. Ferner sollte hier über eine therapeutische Behandlung für die Mutter nachgedacht werden, damit die Kooperation überhaupt erst möglich ist.

Ergänzend zu individuellen Hilfen ist es notwendig die Problematik des Mobbings in der Schule zu thematisieren. Dadurch dass die Kinder auf dieser Schule im Bereich der sozial emotionalen Entwicklung Schwierigkeiten aufzeigen, bedarf ist viel Zeit, damit sie verstehen, welche Emotionen und Gefühle das Mobbing bei „Fischmaul“ auslöst. Dies könnte im Rahmen eines Projektes oder Team Building Maßnahmen stattfinden. 

Des Weiteren wäre es denkbar eine Integrationskraft für „Fischmaul“ zu installieren, damit ein individuelles Lernen für ihn gewährleistet werden kann. Er wird nicht mehr so sehr von anderen Mitschüler_innen abgelenkt, sodass er seine Aufgaben nicht mehr mit den der anderen vergleicht. Bei dieser Unterstützungsmöglichkeit muss aber gut abgewägt werden, ob er dadurch mehr Vor- oder Nachteile hat (Grenzen ihn die anderen dadurch mehr aus?).

Elli: Ich vermute mal, dass die KM narzisstisch ist. Sie kann keine Schwäche zu lassen und lässt sich auch nichts sagen, schon gar nicht von Autoritätspersonen. Um ihre Stärke zu symbolisieren, macht sie Bodybuilding und hat drei („aggressive“) Kampfhunde. Dass sie so ländlich wohnt und das nächste Haus erst weiter weg ist, könnte zeigen, dass sie niemanden so leicht an sich ranlässt. Ich vermute mal, dass das Wort „Förder“ negativ für sie ist und mit Schwäche verbunden/gleichgesetzt ist.
 Ihr Sohn hat entweder durch „lernen am Modell“ sich diese Verhaltensweise abgeguckt oder ist selbst narzisstisch. Er hat keine Frustrationstoleranz und kann ebenso keine Schwäche zu geben. Er hat ein niedriges Selbstwertgefühl, dies versucht er durch die Aggressionen und Prügeleien zu verbergen. Außerdem möchte er damit seine Stärke symbolisieren. Aufgeben kommt für ihn nicht in Frage, daher entstehen auch immer wieder neue Konflikte. Vielleicht ist er auch verbal nicht so fit („stark“) wie die anderen Kinder und muss dies dann durch die Prügeleien kompensieren. Zudem fühlt er sich gekränkt, wenn andere Kinder andere Aufgaben bekommen als er. Er hat ein verzerrtes Selbstbild.  Das Fischmesser sollte wahrscheinlich auch seine Stärke symbolisieren und er hat seiner KM nicht Bescheid gesagt, dass sie das Messer wieder abholen soll, da dies wiederum für ihn Schwäche bedeuten würde, nach Hilfe zu fragen.

Ich denke, dass hier zunächst der Beziehungsaufbau wichtig ist. Falls hier wirklich Narzissmus vorliegen sollte, ist es sehr schwer bzw. unmöglich, dass die Einsicht besteht, dass das eigene Verhalten zu den Problemen führt. Narzisstische Menschen sehen die Fehler bei anderen Menschen. So nimmt die KM z.B. auch keine Hilfe vom JA an, da sie ja keine Probleme hat, sondern die anderen Menschen haben ja die Probleme.
 Ein Therapeut könnte versuchen mit dem Jungen zusammen, seine Gefühle und Verhaltensweisen besser zu verstehen und dadurch seine Empathiefähigkeit zu fördern. Er könnte z.B. erlebte Situationen nachspielen und so neue Verhaltensweisen einüben.

Des Weiteren sollte versucht werden, dass Selbstwertgefühl des Jungen zu steigern. 

Vielleicht kann auch der Kontakt zu seinem KV wiederhergestellt werden. Da der neue LG der Mutter, auch keine guten Ansichten hat und auf die „falschen Sachen“ stolz ist. (z.B., dass seine Tochter wieder abgehauen ist)

Vielleicht könnte man auch die Beziehung zwischen Mutter und Kind verbessern. Vielleicht denkt der Junge auch, dass er nur so von seiner KM geliebt wird, wenn er so ist wie sie.

 Vielleicht könnte man den Jungen auch zu einem Boxkurs anmelden. Hier darf er „kämpfen“. Er bekommt durch sein Verhalten (Prügeln) in der Schule immer Ärger und erfährt dadurch negatives. Bei dem Boxtraining könnte er dadurch positive Erfahrungen machen, was sein Selbstwertgefühl steigert.

Eventuell müsste das JA nochmal in die Familie gehen. (evtl. Kindeswohlgefährdung?, da der Junge einfach so an so ein gefährliches Messer kam)

ansa
Fischmaul:
– Impulsdurchbrüchig- Rückständige emotionale und soziale Entwicklung- ausgeprägtes Ungerechtigkeitsgefühl – Widerstand und Auflehnung gegen Autoritäten – Schwierigkeiten in der Konfliktbewältigung 
mögliche Deutungshypothesen: – hat keine Handlungsmöglichkeiten bezüglich der Emotionsregulation gelernt- Eventuell ausgeprägtes Gefühl „Außenseiter“ zu sein ohne eine Idee wie er dies ändern könnte- Fühlt sich in seinem eigenen Leben ohnmächtig und ist dementsprechend „Schicksalsergeben“ – Betrachtet Gewalt als Lösungsansatz – Ohnmachtsgefühl führt zur niedrigen Frustrationstoleranz – eher unreflektiertes Verhalten, da er seine dysfunktionalen Lösungsansätze (bspw. immer wieder die Gewaltlösung gegenüber körperliche überlegenen Mitschülern zu versuchen) wiederholt.
aus dem Elternhaus resultierende Probleme: – „Verbohrtheit“ (Mutter lehnt Förderschulen ab) –  Kein Glaube an Autorität in Form des Jugendamtes (Gedanke von „uns kann ohnehin keiner helfen“) – Waffenaffinität wirkt Gewaltverherrlichend – Abkapselung seit der Kindheit, dementsprechend schwierig Sozialkompetenz zu lernen
Lösungsansatz: 
– Ich würde bei Fischmaul ansetzen. Ich würde ihn zum Gespräch einladen um mit ihm zu diskutieren, warum er sich immer so verhält. Gegebenenfalls auch „provokant“ nachfragen, ob ihm sein Verhalten bisher viel genützt habe.- Ich würde versuchen Fischmaul im Schulalltag zu integrieren, eventuell mit AGs oder Förderschulspezifische Angebote zu nutzen die die Sozialkompetenz fördern. Außerdem würde ich mich als Ansprechpartner anbieten, damit er sich Ernst genommen fühlt, falls er sich ungerecht behandelt fühlt. – Alles in allem würde ich erst einmal versuchen kleine Erfolge zu erzielen um der Mutter später mehr Argumente vorlegen zu können. Diesbezüglich auch Fischmaul vom Hilfekonzept überzeugen, so dass er positiv auf seine Mutter einwirken kann. – Alles in allem würde ich es so aufbauen, dass weder Fischmaul noch seine Mutter das Gefühl bekommen die Kontrolle zu verlieren. Also alles in kleinen Schritten und nur nach Absprache. -Falls dies alles angenommen wird einen Kontakt zu einer Erziehungsbeistandschaft herstellen, damit die Familie in ihrem Alltag unterstützt wird. 

Aber: Der Fall „Fischmaul“ zeigt mehrere Problemlagen, denen einzeln und bedacht begegnet werden kann. 

„Fischmaul“ bringt Schwierigkeiten im Bereich der emotional sozialen Entwicklung mit sich. Aufgrund dieser Schwierigkeiten, fällt er Mobbingattacken zum Opfer. Die geringe Frustrationstoleranz sowie ein erhöhtes Aggressionspotenzial lassen ihn immer wieder anecken. Die Ablehnung von Autoritäten, mangelnde Transparenz im Unterrichtsgeschehen und einen stark ausgeprägten Ungerechtigkeitssinn bereiten „Fischmaul“ Probleme, sich in die Gemeinschaft zu fügen.

Die Mutter von „Fischmaul“ lebt mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn isoliert und mit potenziell gefährlich einzustufenden Tieren. Die Tochter des Lebensgefährten ist im Heim untergebracht. 

Die Mutter lehnt das System Schule, speziell diese Förderschule, ab. Sie richtet ihre Aggressionen ebenfalls gegen Autoritäten und entzieht sich jedem Hilfeprozess hinsichtlich schulischer und erzieherischer Angelegenheiten. 

Der erste Handlungsbedarf ergibt sich für mich hinsichtlich „Fischmaul“. 

Als gravierende Punkte sehe ich das erhöhte Aggressionspotenzial und die damit verbundene geringe Frustrationstoleranz, was zuerst betrachtet werden sollte.

Die Steigerung der sozialen Kompetenz und die Stärkung des positiven Selbstbildes würde ich als zweites Ziel sekundär oder unterstützend betrachten. 

Eine Transparenz für das Stellen unterschiedlicher Aufgaben hinsichtlich des Unterrichtes seitens der Lehrkräfte sehe ich als begleitende Maßnahme, um die Aggressionen hinsichtlich der für „Fischmaul“ empfundenen Ungerechtigkeiten präventiv zu regulieren. 

Da sich „Fischmaul“, ebenfalls wie seine Mutter, gegen autoritären Einfluss wehrt, liegt die Option des Einsatzes der Schulsozialarbeit nahe. Durch Beziehungsarbeit und Kooperation mit „Fischmaul“ könnte fernab der autoritären Struktur im Schulsystem ein Hilfeplan aufgebaut werden. 

Prozedere in Zielsetzungen könnte sein:

  • Beziehungsaufbau durch Gespräche und Beobachtungen
  • Unterstützung im Unterrichtsgeschehen – lösungsorientierte Maßnahmen hinsichtlich Klassengemeinschaft, Stundentransparenz hinsichtlich unterschiedlicher Aufgaben
  • Betrachten der Frustrationstoleranz – „Fruststopper“ – Strategien entwickeln
  • Mobbing in betroffenen Stufen / Klassen zum Thema machen durch Unterrichtseinheiten – Themen wie Selbstbild, Gruppendynamik, Aggressionen aufgreifen 
  • Anti-Aggressionsstrategien entwickeln – lösungsorientierte Betrachtung für Umgang mit Emotionen, Emotionsregulierung 
  • Projekt innerhalb der Klasse zur sozialen Kompetenz
  • Stärkung des positiven Selbstbildes in Kleingruppen, Einzelgesprächen mit „Fischmaul“ erarbeiten, ressourcenorientierte Betrachtung

Ferner gilt es, das Gespräch zu „Fischmauls“ Mutter zu suchen. Auch hier sehe ich die Schulsozialarbeit als Brücke zwischen Schulsystem und ablehnender Haltung der Mutter. 

Als Zielsetzung im Hilfeplan sehe ich ebenfalls den Beziehungsaufbau. Da ich davon ausgehe, dass die Mutter einer Einladung zu einem Gespräch nicht nachkommen wird, halte ich hier einen Beziehungsaufbau durch positives Feedback zu „Fischmauls“ Verhalten und Verbesserungen in Problemverhalten denkbar. Dazu eignet sich möglicherweise ein Heft oder der telefonische Austausch. 

Positives Feedback, Engagement der Schulsozialarbeit und der Lehrerschaft und positive Erlebnisse von „Fischmaul“ nach den umgesetzten Maßnahmen könnten eine erste Brücke für den persönlichen Austausch ebnen. 

Der Schulsozialarbeit in Kooperation mit den Lehrern und Lehrerinnen ist hier ein zeitliches Ziel gesetzt, bis wann der persönliche Austausch mit der Mutter stattfinden sollte. 

Erzielen alle Maßnahmen keinen Erfolg, ist zu evaluieren, inwieweit sich „Fischmauls“ Verhalten verändert hat und ob weitere Kooperationen und Interventionen der Erziehungsberatung und auch des Jugendamtes akut notwendig sind oder ob eine Änderung der Maßnahmen zum Beziehungsaufbau Erfolg bringen kann. 

JuBa: Wo genau liegen die Probleme bei Fischmaul und seiner Mutter?

Welche Maßnahmen könnten Hilfreich sein?

Die Familie, insbesondere Fischmaul und seine Mutter, legen ein sehr unangepasstes Verhalten gegenüber der Schule und in Hinblick auf die Erziehungshilfe und das Jugendamt an den Tag. Problemlagen bei Fischmaul finden sich zum einen in seiner emotionalen und sozialen Entwicklung. Er hat Probleme mit seiner Impulskontrolle und reagiert aufgedreht oder sogar aggressiv gegenüber Mitschülern und Lehrern, sobald er sich angegriffen und ungerecht behandelt fühlt, er kann mit Frustrationen schlecht umgehen, kann in Konfliktsituationen nicht angemessen reagieren und kennt kein Nähe- und Distanzverhalten gegenüber Autoritätspersonen. Dies sin Dinge, die er aus seinem häuslichen Umfeld wahrscheinlich nicht anders kennt und auch nicht anders gelernt hat, da seine Mutter ähnliche Verhaltensweisen zeigt. Gewaltbereitschaft, gewalttätiges Verhalten und Ausgrenzung begegnen Fischmaul zuhause wahrscheinlich im Alltag, sodass er dieses Verhalten für normal hält und in der Schule auf andere Regeln und Normen trifft, die er in diesem Ausmaß gar nicht kennt. Zudem kann es sein, dass Fischmaul durch die Hänseleien seiner Mitschüler (und vielleicht auch durch seine Familie) ein sehr negatives Selbstbild hat und folglich nur ein sehr geringes bis kaum vorhandenes Selbstwertgefühl. Die Familie wohnt recht isoliert, was bedeutet, dass Fischmaul sehr wahrscheinlich auch nur wenig sozialen Kontakt zu anderen Gleichaltrigen hat und demnach auch von Freunden keine anderen Umgangsformen kennt.

Auch die Mutter von Fischmaul hat ein scheinbar ausgeprägtes Autoritätsproblem und hat für sich und ihre Familie ein sehr isoliertes Umfeld geschaffen. Sie verhält sich ablehnend gegenüber jeglicher Hilfeformen, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, dass sie selbst in ihrer Jugend keine guten Erfahrungen mit dem Schulsystem und dem Jugendamt gemacht hat. Diese negativen Erfahrungen gibt sie nun an ihren Sohn weiter. Als alleinerziehende Mutter hat sie eine große Aufgabe, der sie vielleicht nicht gewachsen ist. Sie muss für ihre Kinder Sorgen und ist wahrscheinlich überfordert und bei Zeiten auch hilflos, woraus Versagensängste resultieren. Diese versucht sie durch ablehnendes Verhalten und ihr muskulöses Aussehen zu verdrängen und zu überspielen.

Als Maßnahmen, die hilfreich für die Familie sein könnten, schlage ich vor, zunächst eine Vertrauensbasis mit dem Jungen zu schaffen, da er in dieser Beziehung noch unbefangener ist als seine Mutter. Es ist wichtig, den Jungen ernst zu nehmen und ihm deutlich zu machen, dass man ihn nicht angreifen will. Das Augenmerk sollte ganz klar auf seinen Stärken liegen . Vielleicht gäbe es für ihn die Option, sich in einem Sportverein, der an seine Gegebenheiten angepasst ist, auszupowern und mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen, die ihn auch außerhalb der Schulzeit mal anders wahrnehmen und wo schulische Leistung gerade keine Rolle spielt. So könnte er sein Sozialverhalten stärken und seine Aggressionen und ungebündelten Kräfte auf andere Art und Weise rauslassen. Die Schulsozialarbeit – wie bereits erwähnt – wäre eine gute Möglichkeit, auch zwischen Lehrern und dem Jungen zu vermitteln. Wenn eine Vertrauensbasis aufgebaut ist und der Junge merkt, dass er auch mal Zuspruch für etwas bekommt, kann man versuchen, an die Mutter heran zu kommen und sie mit in den Hilfeprozess einzubeziehen. Hierbei spielt Partizipation und Transparenz eine sehr große Rolle. Nur so kann man der Mutter zu verstehen geben, dass sie aktiv mit einbezogen und ernstgenommen wird. Sie muss ernstgenommen werden und auch Grenzen müssen akzeptiert werden, um einem Kontrollverlust vorzubeugen. In kleinen Schritten muss hierbei eine Basis geschaffen werden, die ihre ablehnende Haltung revidiert, um so an der Beziehung zwischen Mutter und Kind zu arbeiten, ihre Beziehungskompetenz zu stärken und ihr negatives Bild vom Schulsystem zu verändern.

AnKa: Fallbeispiel Fischmaul: Problemdarstellung und Maßnahmen skizzieren 

Fischmaul besucht eine Schule mit dem Förderschwerpunkt der emotionalen sozialen Entwicklung, die von der Mutter partout abgelehnt wird. Zunächst kann man sagen, dass Fischmaul keine günstigen Familiären- sowie Sozialen Lebensbedingungen hat. Seine Mutter lebt abgeschieden mit ihm und dem Lebensgefährten auf dem Land umgeben von Kampfhunden ohne soziale Kontakte. Sie reagiert ebenfalls genauso wie Fischmaul ablehnend auf Autoritätspersonen und lässt sich nicht auf Hilfe ein. Ersichtlich ist jedoch, dass Fischmaul massive Probleme hat, die in der Familie nicht behandelt werden können. Fischmaul wird in der Schule gemobbt aufgrund seines Aussehens und reagiert auf Konflikte sowie Probleme mit Aggressionen. Täglich ist er in Prügeleien verwickelt und hat keine Impulskontrolle. Das Problem empfinde ich als erheblich und dieses sollte angegangen werden. Beispielsweise wäre es hier möglich, ein Ventil für Fischmaul zu finden und einen Verein oder ähnliches aufzusuchen, um seinen Frust angemessen herauszulassen. Zudem kommt er in Kontakt mit anderen Kindern und erlernt neue soziale Kompetenzen im Team. Ein geringes Selbstbewusstsein wurde auch deutlich und sollte gefördert werden. Da Fischmaul die Ansicht und auch die Auflehnung gegenüber Autoritäten von seiner Mutter übernommen hat sollte in der Schule eine Sozialarbeiterin aufgesucht werden. Sie stellt nochmal einen anderen Bezug zur Schule dar und kann die erste Instanz zu einer Veränderung werden. Ferner könnte man im Verlauf auch Gespräche mit der Mutter injizieren, doch zunächst erstmal eine Basis mit Fischmaul zu schaffen. Es wäre auch denkbar eine Hilfe zur Erziehung anzusteuern, da die Familie dem Jugendamt ja auch schon bekannt ist. Möglichkeiten wäre eine Betreuung in einer Tagesgruppe oder sogar einen Erziehungsbeistand hinzuzunehmen. Eine Familienhilfe wäre auch denkbar. Für Fischmaul würde dies bedeuten, dass er dann außerhalb der Schule auch nochmal eine Anlaufstelle hätte seine Probleme zu bearbeiten und Unterstützung zubekommen. 

cora1108: Ich denke in Bezug auf Fischmaul und seine Familie wird relativ schnell klar, dass hier ganz langsam und erstmal mit niederschwelligen Angeboten ein Beziehungsaufbau stattfinden muss. Seine Mutter hat eindeutig starke Probleme mit Autoritäten und dementsprechend auch mit der Förderschule, auf die Ihr Sohn geht. Um hier einen Kontakt aufzubauen, könnte sich die Schulsozialarbeit an die Familie wenden. Da Fischmaul starke Selbstzweifel hat und nicht weiß, wie er mit seinen Gefühlen umgehen soll. Um sein Selbstwertgefühl zu steigern, würde es Fischmaul gut tun, Erfolgserlebnisse zu sammeln. Die Schulsozialarbeit könnte hierfür Angebote schaffen/vermitteln (je nachdem, wo Fischmauls Interessen liegen). Eventuell könnte dies auch mit einem Anti-Aggressions-Training verbunden werden.
Durch diese Kontakte könnte die Mutter mehr Vertrauen zur Schulsozialarbeit und somit zur Förderschule fassen. Eventuell könnte Sie dadurch verstehen, welche Bedürfnisse Ihr Sohn hat und welche Probleme im eigenen Haushalt diesbezüglich bestehen und Sie würde sich der Zusammenarbeit Stück für Stück mehr öffnen. Es besteht jedoch auch das hohe Risiko, dass Sie dies nicht tut, da ihre Abneigung gegenüber Autoritäten tief verwurzelt ist und durch ihren Lebensgefährten verstärkt wird. Aus diesem Grund und wegen einer möglichen Gefährdung der Kinder im Haushalt (Fischmaul hatte Zugang zu Jagdmesser etc.) sollte das Jugendamt die Familie im Haushalt begleitenm, auch wenn der ASD den Kontakt bisher eher gemieden hat. 

Kokos:
– der aktuelle Stand: der Junge „Fischmaul“ fällt durch seine Probleme in der emotionalen und sozialen Entwicklung auf. Aufgrund seines Aussehens wird der Junge in der Schule gemobbt, woraufhin er scheinbar nur mit aggressivem Verhalten antworten kann. Seine Frustrationstoleranz scheint sehr niedrig, da er mehrfach täglich durch den gleichen Auslöser in Rage gebracht wird. Sein Selbstbild entspricht nicht dem Bild, dass andere von ihm haben, so dass er sich auch mit deutlich überlegenen Gegnern anlegt. Er hat also kein Gefühl für seine eigene Unterlegenheit. Außerdem zeigt sich, dass seine Wahrnehmung stark von einem „Ungerechtigkeitssinn“ geprägt ist, nachdem immer er derjenige ist, der benachteiligt wird. – zur Familie: Fischmaul erfährt eher keinen familiären Rückhalt, der sein Sozialverhalten bessern könnte, sondern wird durch das „Vorbild“ seiner Mutter eher weiter in seinem bisherigen Verhalten gestärkt. Diese hat eine starke Abneigung gegenüber dem System Förderschule und nimmt dementsprechend nichts von dem an, was aus der Schule geraten wird. Ihr Autoritätsproblem färbt stark auf ihren Sohn ab. Ebenso fällt auf, dass die KM möglich stark wirken will, vielleicht um ungebetene Ratschläge abzuwehren. Schwäche wird vermutlich im Haushalt nicht gern gesehen, was Fischmauls aggressive Reaktionen erklärt. Die Familie lebt eher abgeschottet und hat es durch gefährliche Tiere geschafft, selbst das Jugendamt fern zu halten. Mit dem Erziehungshilfesystem hat die Familie keine guten Erfahrungen gemacht, der Freund der KM freut sich sogar, wenn seine Tochter abgängig ist. Insgesamt präsentiert sich die Familie und vor allem die Mutter als unangepasst und auch unwillig.
– Maßnahmen: Im ersten Schritt ist das Kind in den Fokus zu nehmen. Durch eine Schulbegleitung (Integrationskraft o.ä.) und eine gezielte Strategie der Schule und Schulsozialarbeit sollte der Junge unterstützt werden. Die Beziehungsarbeit sehe ich hierbei als besonders wichtig an. Es sollte dem Jungen ermöglicht werden, positive Kontakte und Erfahrungen innerhalb der Schule zu sammeln. Einzelgespräche sowie Gruppenangebote bieten sich dabei an. Zudem sollte die Mobbingthematik angegangen werden, da diese häufig der Auslöser für Fischmauls Verhalten ist. Die Schulsozialarbeit kann im nächsten Schritt den Kontakt zur Familie/ der KM aufnehmen, die zu diesem Zeitpunkt eventuell durch Erzählungen ihres Sohnes bereits von den Hilfemaßnahmen gehört hat. Bei ihr ist es besonders wichtig, Akzeptanz herzustellen und auf ihre Mitarbeit hinzuarbeiten. Ziel sollte mittelfristig sein, eine Flex-Kraft (SPFH o.ä.) in die Familie einzusetzen, um auch zuhause mehr Struktur zu schaffen und in Kontakt mit dem Jugendamt die Entwicklung des Jungen zu verfolgen. Dieser könnte weiterhin in Angebote außerhalb der Schule angebunden werden, um soziale Kontakte zu stärken. Ein Anti-Aggressions-Training kann außerdem dabei helfen, ihm Handlungsmöglichkeiten und -alternativen an die Hand zu geben und an seiner Frustrationstoleranz zu arbeiten.

AnKa: Fallbeispiel Fischmaul: Problemdarstellung und Maßnahmen skizzieren 

Fischmaul besucht eine Schule mit dem Förderschwerpunkt der emotionalen sozialen Entwicklung, die von der Mutter partout abgelehnt wird. Zunächst kann man sagen, dass Fischmaul keine günstigen Familiären- sowie Sozialen Lebensbedingungen hat. Seine Mutter lebt abgeschieden mit ihm und dem Lebensgefährten auf dem Land umgeben von Kampfhunden ohne soziale Kontakte. Sie reagiert ebenfalls genauso wie Fischmaul ablehnend auf Autoritätspersonen und lässt sich nicht auf Hilfe ein. Ersichtlich ist jedoch, dass Fischmaul massive Probleme hat, die in der Familie nicht behandelt werden können. Fischmaul wird in der Schule gemobbt aufgrund seines Aussehens und reagiert auf Konflikte sowie Probleme mit Aggressionen. Täglich ist er in Prügeleien verwickelt und hat keine Impulskontrolle. Das Problem empfinde ich als erheblich und dieses sollte angegangen werden. Beispielsweise wäre es hier möglich, ein Ventil für Fischmaul zu finden und einen Verein oder ähnliches aufzusuchen, um seinen Frust angemessen herauszulassen. Zudem kommt er in Kontakt mit anderen Kindern und erlernt neue soziale Kompetenzen im Team. Ein geringes Selbstbewusstsein wurde auch deutlich und sollte gefördert werden. Da Fischmaul die Ansicht und auch die Auflehnung gegenüber Autoritäten von seiner Mutter übernommen hat sollte in der Schule eine Sozialarbeiterin aufgesucht werden. Sie stellt nochmal einen anderen Bezug zur Schule dar und kann die erste Instanz zu einer Veränderung werden. Ferner könnte man im Verlauf auch Gespräche mit der Mutter injizieren, doch zunächst erstmal eine Basis mit Fischmaul zu schaffen. Es wäre auch denkbar eine Hilfe zur Erziehung anzusteuern, da die Familie dem Jugendamt ja auch schon bekannt ist. Möglichkeiten wäre eine Betreuung in einer Tagesgruppe oder sogar einen Erziehungsbeistand hinzuzunehmen. Eine Familienhilfe wäre auch denkbar. Für Fischmaul würde dies bedeuten, dass er dann außerhalb der Schule auch nochmal eine Anlaufstelle hätte seine Probleme zu bearbeiten und Unterstützung zubekommen. 

Zesel: Maßnahmen und Probleme Familie „Fischmaul“

Innerhalb der Familie scheinen eigene Wert- und Normvorstellungen vorzuliegen. Die Mutter vermittelt diese ihrem Sohn. Eventuell hat sie Rückschläge von ihren Kontakten erhalten, sodass sie sich isoliert und in ihrer „eigenen Welt leben“ möchte. Dort hat ihr keiner etwas zu sagen und sie wird nicht kritisiert. Aufgrund ihrer Abneigung gegenüber „höher“ gestellten Personen, muss in der Vergangenheit auch etwas vorgefallen sein, zum Beispiel in der Schule. Als Sozialarbeiter_in sollte der Familie emphatisch auf Augenhöhe begegnet werden. Wenn die unterschiedlichen Problemlagen gemeinsam angegangen werden, hat sie nicht das Gefühl übergangen zu werden. Zusammen gestaltete Ziele können dabei helfen, um ihr Interesse anzuregen. Niederschwellige Angebote wären ein Schritt zu einer Beziehungsebene und der gemeinsame Austausch ist sehr wichtig. Die familiären Vorstellungen sind dadurch nachvollziehbar. Wenn die Beziehung und das Vertrauen gefestigt sind, agiert die Fachkraft als eine Art Dolmetscher_in für weitere Anknüpfungspunkte wie dem ASD.

Die systemische Arbeitsweise ist dafür ein guter Ansatz. Die Familie wird dabei als ein komplexes System verstanden und es wird nicht von dem einzelnen Familienmitglied ausgegangen. Generationsübergreifende Problemlagen können nachvollzogen werden und Lösungsansätze müssen gemeinsam erarbeitet werden. „Fischmaul“ hat wahrscheinlich Impulskontrollstörungen, sodass er schnell zu aggressivem Verhalten neigt, dies könnte von seinem Familien Bild geprägt sein.

Dumbo:

Fischmaul

  • Vertrauensdefizite
  • Autoritätsproblem
  • Sensibler Gerechtigkeitssensor für die eigene Gerechtigkeit
  • Extrem abgeschiedene Familie (physisch und psychisch)
  • Spiegelung des Verhaltens der Mutter
  • Mutter lehnt Schule von Fischmaul ab… Was heißt das für Fischmaul?
  • Jugendamt nicht involviert
  • Aggressives Verhalten auch gegenüber älteren Schüler_innen und Autoritäten
  • Halten von Kampfhunden und giftigen Schlangen/ Jagdmesserbesitz ? Kindeswohlgefährdung?

Zu Beginn muss ein Vertrauensverhältnis aufgebaut werden, sonst sind alle anderen Maßnahmen sinnlos. Wenn eine Basis geschaffen wurde auf der gearbeitet werden kann, sollte versucht werden die Familie in soziales Leben zu integrieren. Fischmaul braucht den Kontakt zu Kindern, die keinen Spaß daran haben ihn Fischmaul zu nennen und ihn explodieren zu sehen. So kann er vielleicht Freundschaft aufbauen und sein Sozialverhalten optimieren. Er sollte lernen sich nicht provozieren zu lassen, denn dann haben die anderen Schüler_innen schnell kein Interesse mehr an ihm. Es sollte auf jeden Fall mit seinen Stärken gearbeitet werden. Vielleicht hilft Fischmaul Marte Meo. In den Filmen kann er sein eigenes Verhalten sehen und reflektieren. Dabei merkt er vielleicht auch wie sein Verhalten nach außen wirkt.

Fischmaul spiegelt das Verhalten der Mutter wider. Dadurch, dass sie ein Autoritätsproblem hat, übernimmt Fischmaul diese Ansicht. Seine Mutter ist sein Vorbild, daher sollte sie ebenfalls mit einbezogen werden.

Außerdem sollte die Haltung von Kampfhunden und giftigen Schlangen in dieser Familie polizeilich geprüft werden. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie die einfach so halten dürfen. Auch polizeilich geprüft werden sollte unbedingt, ob die Familie so ein Jagdmesser besitzen darf (Waffenschein,…?) um die Familie und andere zu schützen.

Eagle: Fallbeispiel „Fischmaul“

Fischmaul reagiert in der Schule impulsiv und aggressiv gegenüber seinen Mitschülern. Bekannt ist nicht, wie sein Verhalten zuhause ist. Jedoch kann man davon ausgehen, dass die Mutter vermutlich Gewalt und körperliche Überlegenheit mit Stärke assoziiert. Die Familie lebt zurück gezogen, ohne ersichtliche weitere soziale Kontakte, umgeben von mehreren Kampfhunden und lehnt ebenfalls jede Hilfe des Jugendamts oder weitere Einrichtungen ab. Die Förderschule wird ebenfalls als negativ angesehen.

Fischmaul wird dementsprechend auch außerhalb der Schule wahrscheinlich keine Freunde haben. Durch sein aggressives Verhalten gegenüber seinen Mitschülern wird deutlich, dass Fischmaul ein relativ geringes Selbstwertgefühl hat, welches er mit körperlicher Gewalt überspielen oder ausgleichen möchte. Das Mobbing verstärkt dieses Gefühl.

Wichtig hierbei ist es zunächst, einen Zugang zu dem Kind zu finden. Dies würde ich anhand einer Schulsozialarbeiterin veranlassen. Durch Gespräche kann sie möglicherweise herausfinden, wieso Fischmaul so aggressiv reagiert und auch mit „Ungerechtigkeit“ schlecht umgehen kann. 

Außerdem sollte Fischmaul lernen, seine Kraft sinnvoll und gezielt einzusetzen, beispielsweise beim Boxen. Hierbei wird in der Regel auch gelehrt, wann dies angewendet werden darf und wann nicht. Zusätzlich wäre ein Antiaggressionstraining mit einem ausgebildetem Trainer für alle Schüler der Schule sinnvoll.

Wichtig ist außerdem, dass auch die Mitschüler mit einbezogen werden und es ein Projekt zum Thema Mobbing geben muss. Mobbing ist leider ein weitverbreitetes Thema an Schulen und kann (gerade sozial schwache) Kindern extrem zusetzen.

Durch den anfänglichen Zugang zu Fischmaul, lässt sich vielleicht auch ein Zugang zur Mutter finden. Vielleicht lässt sich durch Erzählungen von ihm mit der Zeit aus besser feststellen, wie der Umgang zuhause von statten geht. 

Der Kontakt muss definitiv zum Elternhaus aufgebaut werden, da beispielsweise das Mitbringen von Messern eine Kindeswohlgefährdung darstellen kann. Ebenso würde ich hierfür den ASD informieren da nicht erst gehandelt werden sollte, wenn es schon zu spät sein könnte. 

Fräulein F: Ich würde im Fall Fischmaul zuerst den Fokus auf Fischmaul selbst legen und erst nach gelungener Beziehungsarbeit den Weg in die Familie suchen. Dies könnte durch eine Schulsozialarbeiterin geschehen oder eine I-Kraft möglicherweise. Ich könnte mir zudem vorstellen, dass eine weibliche Fachkraft eher Zugang später zu der Mutter finden könnte, da gerade in traditionelleren Rollenbildern Frauen weniger Autorität zugeschrieben wird, womit die Kindesmutter ja Probleme zu haben scheint. Auch könnte ich mir vorstellen, dass ein sehr niederschwelliges Sozialkompetenztraining in Form von Sozialer Gruppenarbeit für Fischmaul eine Möglichkeit wäre. Hierbei sollte die Gruppe nicht zu groß sein, damit Fischmaul das Gefühl bekommt, genug gesehen zu werden. Hierbei könnte nochmal intensiv an dem Empfinden von Ungerechtigkeit gearbeitet werden, gleichzeitig aber auch darauf, ein positives Selbstbild zu entwickeln und auch zu erfahren, positive Aufmerksamkeit von außen zu erhalten.
Im Kontakt mit der Mutter wird es meiner Vermutung nach schwierig, sowie langwierig eine Beziehung zu dieser aufzubauen. Jedoch sehe ich hierbei die größten Chancen um sie zur Mitarbeit zu bewegen. Evtl. braucht die Mutter selbst mehr Raum um ihre Bedürfnisse zu äußern und diese mehr befriedigen zu können, um darüber anschließend ein Verständnis für die Bedürfnisse ihrer Kinder zu bekommen. 
Ich vermute, dass dort viele Strukturen sehr festgefahren sind, negative Bilder besonders zu pädagogischem Personal und den Einrichtungen verhärtet sind und es sehr lange dauern würde, dort eine Veränderung zu erzielen. Darauf sollten die jeweiligen Maßnahmen eingestellt sein, um Frustration seitens der Fachkräfte zu vermeiden, die diese dann an die Familie weitergeben könnten.

Keks: „Fischmaul“

Die Problemlagen der Familie sind sehr vielfältig. Die Mutter lehnt Förderschulen und insbesondere diese Förderschule ab. Vermutlich denkt sie, „Fischmaul“ hat so eine Schule nicht nötig und es braucht keine Autorität, die ihm sagt, was richtig ist und was zu tun ist. Zusätzlich lebt sie mit ihrer Familie isoliert im ländlichen Raum ohne sozialen Kontakte. Dadurch bleiben auch „Fischmaul“ andere Kinder und Kontakte außerhalb der Schule verwehrt. Dies nimmt gleichzeitig die Chance vielleicht Kinder kennen zu lernen, die ihn nicht wegen seines Äußeren mobben. Zusätzlich macht die Mutter Bodybuilding und hat mehrere (Kampf-)Hunde. Ich kann mir vorstellen, dass sie diese besitzt, um genau Leute (Autoritäten) abzuschrecken und um sich selber ein autoritäres Auftreten zu verschaffen.

„Fischmaul“ leidet unter dem Mobbing der anderen aufgrund seines Aussehens und dem Namen „Fischmaul“. Ich kann mir gut vorstellen, dass er keine (gute) Affektregulation hat und überhaupt nicht weiß welche Emotionen er eigentlich wahrnimmt. Jede Emotion mündet in aggressivem Verhalten.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine konstruktive Arbeit mit der Mutter möglich ist, beziehungsweise, dass diese sich darauf einlassen würde. In ihren Augen hat ihr Sohn keine (Mobbing)Probleme oder muss aus ihrer Sicht sich selbst verteidigen, zum Beispiel mit einem Messer, um den anderen zu zeigen, wer der Stärkere ist und sich Respekt zu verschaffen. Auch wenn die Mutter von „Fischmaul“ sicher mit ursächlich ist für sein Verhalten, würde ich mich vor allem auf „Fischmaul“ konzentrieren, der eben viel Zeit in der Schule verbringt. Hier wäre es sicher gut, wenn er ein erhöhtes Selbstwertgefühl bekäme. Ebenso sollte an seiner Emotionsregulation gearbeitet werden, vielleicht mit Hilfe eines Therapeuten (oder einer ausgebildeten Schulsozialarbeiterin?). Dieser kann ihm dann auch dabei helfen seine Emotionen überhaupt erst einmal genauer kennen zu lernen. Es geht nicht darum, ihn zu einem ruhigen Kind umzupolen, sondern darum, dass er erkannt, was Gefühle mit ihm machen und dass er die Aggression/ Energie in etwas anderes, etwas Positives stecken kann (z.B. Sport). Ich denke, es ist wichtig, dass „Fischmaul“ sich nicht immer nur als „Opfer einer ausweglosen Situation“ erlebt, sondern im Schulalltag weiter ein Gefühl von Kontrolle und Entscheidungsfreiheit hat. Man könnte ihm beispielsweise zwei Aufgaben zeigen und ihn entscheiden lassen, ob er lieber Aufgabe 1 oder 2 machen möchte. Nichts desto trotz denke ich, dass das Jugendamt weiter an der Familie dran bleiben muss, auch wenn sie Angst haben, um eine mögliche Kindeswohlgefährdung auszuschließen und den Kontakt zu der Familie nicht zu verlieren.

Darüber hinaus muss mit der gesamten Klasse/ Schule über das Thema Mobbing gesprochen werden, um vielleicht einen Auslöser für „Fischmauls“ Verhalten zu reduzieren.

Nick: Fischmaul

Problem:

Bei den Problemen die Fischmaul betreffen kann zwischen Fischmaul selbst und der Mutter differenziert werden.

Fischmaul hat definitiv Probleme in der emotionalen und sozialen Entwicklung. Dies wird deutlich wie er mit dem Mobbing durch die anderen Mitschüler umgeht. Fischmaul weist eine enorme Schwierigkeit mit Autoritätspersonen auf und fühlt sich von diesen immer ungerecht behandelt.

Die Mutter von Fischmaul hat eine schlechte Meinung gegenüber Förderschulen und lehnt diese grundsätzlich ab. Durch das isolierte Leben hat sie keine Sozialen kontakte.

Hier wird deutlich das die Mutter ihre Einstellung und Lebensweise auf Fischmaul übertragen hat. Vor allem das Thema Schule und Autoritätspersonen stellt ein besonderes Problem dar. 

Maßnahmen:

Um einen positiven Bezug zu dem Thema Schule herzustellen, sollten sich die Schulsozialarbeiter mit Fischmaul in Verbindung setzten. Und ihn vielleicht auch dabei unterstützen, sich mehr an den Schulalltag anzupassen (durch AGs oder anderen Angeboten die auch seine Soziale Entwicklung fördern). 

Der Kontakt seitens der Schulsozialarbeiter mit der Mutter sollte auch aufgenommen werden. Ist diese Hürde geschafft und der Verlauf der Kontaktaufnahme hat einen positiven Verlauf genommen, kann zusammen mit der Mutter und dem Jugendamt nach Hilfeangeboten geschaut werden. 

Auch das Mobbing sollte mit den Schülern, die Fischmaul mobben, Thematisiert werden. Fischmaul muss geholfen werden, mit diesen oder ähnlichen Situationen umzugehen. 

Da Fischmaul eine verzögerte emotionale und soziale Entwicklung hat, wird dies wahrscheinlich eine besondere Herausforderung. Daher ist es wichtig, das Fischmaul, wenn es zu solchen Geschehnissen kommt, eine Vertrauensperson hat, sei es ein Schulsozialarbeiter oder ein Lehrer, an den er sich wenden kann. 

FIVE: Fallbeispiel „Fischmaul“

Problemlagen: Fischmaul hat Schwierigkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung. Er hat große Aggressionsprobleme und eine sehr geringe Frustrationstoleranz. Des Weiteren Probleme mit Autoritäten, genauso wie seine Mutter. Die Mutter beeinflusst ihr Kind auf niemanden hören zu müssen. Sie Leben isoliert auf einem Hof vermutlich hat Fischmaul nicht viel Kontakt zu anderen Menschen seine einzigen Bezugspersonen sind die Mutter und ihr Freund. 

Problembehandlung. 

Ich bezweifele, dass Gespräche oder Sozialkompetenz Training bei Fischmaul helfen würde. Ich gehe auch stark davon aus, dass das Gespräch von Seiten des Jugendamtes gesucht wurde. Ebenso das die Förder-Schule auch Maßnahmen ergriffen hat Fischmaul zu helfen. Das große Problem in diesem Fall ist die Mutter, die sich auf keine Hilfen einlässt und den Jungen somit dauerhaft beeinflusst und das gelernte oder angesprochene von Seiten der Pädagogen wieder nieder reißt. Dadurch, dass das Jugendamt Angst hat das Haus zu betreten, müssen hier speziellere Maßnahmen ergriffen werden. Das Jugendamt sollte der Mutter ausdrücklich erörtern, dass es im Falle Fischmaul nicht so weiter gehen kann. Die Mutter muss dazu aufgefordert (gezwungen) werden, das Verhalten von Fischmaul positiv zu verändern. Das Bedeutet, dass es verpflichtend wird an Kompetenz Kursen und Psychologischen Hilfen teilzunehmen, sowohl Fischmaul als auch die Mutter. Hier müssen von Seiten der Pädagogen die Fortschritte dokumentiert werden. Wenn diese Fortschritte aus bleiben, weil die Mutter zu viel gegen agiert, muss der junge aus der Familie genommen werden. Die Gefahr ist groß, dass wenn er unter solchen Umständen und Einflüssen aufwächst ein Gefahr für sich selbst und der Umwelt wird.

Jonny 96: Fallbeispiel Fischmaul Es lässt sich festhalten, dass Fischmaul aufgrund seines Aussehens stark gemobbt wird und es deshalb immer wieder zu unkontrollierten Wutausbrüchen kommt. Da die Mitschüler dies wissen nutzen sie es aus, um ihren Spaß zu haben. Auch kommt es zu Wutausbrüchen wenn er sich ungerecht behandelt fühlt. Um die Ursache seiner Defizite herauszufinden ist es wichtig sich das Soziale Umfeld anzuschauen. Fischmaul lebt mit seiner Mutter auf dem Land. Abgeschieden von Sozialen Kontakten. Die Familie hat mehrere Kampfhunde und giftige Schlangen. Deutlich wird, dass die Mutter von Fischmaul ihm ein Leben ohne Respekt vor den jeweils anderen vorlebt. Sie brüstet sich mit ihren Kampfhunden, Schlangen und Body Building um wahrscheinlich etwas zu kompensieren. Fischmaul hat es nicht anders vorgelebt bekommen und diese Verhaltensweisen übernommen. Da die unkontrollierten Wutausbrüche mehrmals täglich vorkommen, sollte man probieren diese Schwächen zu schwächen. Dies könnte folgenermaßen passieren. Fischmaul könnte ein Anti- Aggressionstraining besuchen in dem er lernt seine Impulse zu kontrollieren und andere Lösungswege kennenlernt. Zudem sollte er in einem Verein angebunden werden, damit er soziale Kontakte knüpfen kann. Da die Familie dies von sich aus nicht in Anspruch nehmen wird, müsste eine Familienhilfe in die Familie integriert werden. Die Familienhilfe kann außerdem Kontakt zu der Schulsozialarbeiterin aufnehmen, damit ein bzw. mehrere Gespräche mit der Mutter von Fischmaul stattfinden können. Ein weiterer Lösungsweg wäre eine Tagesgruppe oder 5- Tagesgruppe für Fischmaul, damit er soziale Kompetenzen erlernen kann und klare Regeln und Strukturen kennenlernt. Auch könnte in einem Verein oder in der Tagesgruppe an seinem niedrigen Selbstbewusstsein gearbeitet werden.  

6.: Perspektivenübernahme und Theory of mind

Sich in andere Hineinversetzen können, ist eine Fertigkeit, die vielen Klienten der Erziehungshilfe schwer fällt. Wer das nicht kann, gerät häufig in Auseinandersetzungen und ist kaum in der Lage, zu verstehen, wie andere ticken. Das erklärt nicht alle Probleme. Aber Probleme in der sozial kognitiven Entwicklung erklären viele Probleme.

Piaget als Ausgangspunkt der Theorien zur sozial-kognitiven Entwicklung

Abbildung 4: Drei Berge- Versuch

Abbildung 5: Wasserhahn-Abbildung


Abbildung 51: Entwicklung der Perspektivenübernahme (aus Selman 1982, 240 f) Selman, R.: Sozial-kognitives Verständnis – Ein Weg zu pädagogischer und klinischer Praxis. In: Geulen, D. (Hrsg.): 1982, Perspektivenübernahme und soziales Handeln, Frankfurt a. M. 223-256
Stufe 0: Egozentrische Perspektive (Alter 3-6 Jahre)
Das Kind nimmt zwar den Unterschied zwischen sich und anderen wahr, unterscheidet aber noch nicht zwischen seiner sozialen Perspektive (Gedanken und Gefühle) und der der anderen. Es kann von anderen offen gezeigte Gefühle benennen, aber sieht noch nicht den kausalen Zusammenhang zwischen Handlungsgründen und Handlungen.
Stufe 1: Sozial-informationsbezogene Perspektivenübernahme (6-8 Jahre)
Das Kind nimmt wahr, dass der andere eine eigene, in seinem Denken begründete Perspektive hat und dass diese seiner eigenen Perspektive ähnlich oder auch nicht ähnlich sein kann. Jedoch kann sich das Kind nur auf jeweils eine Perspektive konzentrieren und nicht verschiedene Gesichtspunkte koordinieren. 
Stufe 2: Selbstreflexive Perspektivenübernahme (8-10 Jahre)
Dem Kind ist bewusst, dass jedes Individuum der Perspektive des anderen gegenwärtig ist und dass dies jeweils die Sicht seiner selbst wie die vom anderen beeinflusst. Eine Möglichkeit, die Intentionen, Absichten und Handlungen eines anderen zu beurteilen, besteht darin, sich an seine Stelle zu versetzen. Das Kind kann eine koordinierte Kette von Perspektiven bilden, aber noch nicht von diesem Prozess auf die Ebene simultaner Gegenseitigkeit abstrahieren.
Stufe 3: Wechselseitige Perspektivenübernahme (10-12 Jahre)
Das Kind nimmt wahr, dass sowohl es selbst wie auch der andere den jeweils anderen Teil wechselseitig und gleichzeitig als Subjekt sehen kann. Es kann aus der Zwei-Personen-Interaktion heraustreten und diese aus der Perspektive einer dritten Person betrachten.
Stufe 4: Perspektivenübernahme mit dem sozialen und konventionellen System (12-15 Jahre und älter)
Die Person sieht, daß wechselseitige Perspektivenübernahme nicht immer zum völligen Verstehen führt. Soziale Konventionen werden als notwendig angesehen, weil sie von allen Mitgliedern der Gruppe (dem generalisierten Anderen) unabhängig von ihrer Position, Rolle oder Erfahrung verstanden werden.

Stufen des moralischen Urteils Kohlberg, L.: Stufe und Sequenz: Sozialisation unter dem Aspekt der Kognitiven Entwicklung. In: Kohlberg, L.: Zur kognitiven Entwicklung des Kinders. Frankfurt a. M. 1974, 60 f

Stufe 1: Orientierung an Bestrafung und Gehorsam.
Egozentrischer Respekt vor überlegener Macht oder Prestigestellung bzw. Vermeidung von Schwierigkeiten. Objektive Verantwortlichkeit.
Stufe 2: Naiv egoistische Orientierung.
Richtiges Handeln ist nur jenes, das die Bedürfnisse des Ich und gelegentlich die der anderen instrumentell befriedigt. Bewusstsein für die Relativität des Wertes der Bedürfnisse und der Perspektive aller Beteiligten. Naiver Egalitarismus und Orientierung an Austausch und Reziprozität. 
Stufe 3: Orientierung am Ideal des ´guten Jungen´ .
Bemüht, Beifall zu erhalten und anderen zu gefallen und ihnen zu helfen. Konformität mit stereotypischen Vorstellungen von natürlichem oder Mehrheitsverhalten, Beurteilung aufgrund von Intentionen.
Stufe 4: Orientierung an Aufrechterhaltung von Autorität und sozialer Ordnung.
Bestrebt, >seine Pflicht zu tun< , Respekt vor der Autorität zu zeigen und die soziale Ordnung um ihrer selbst willen einzuhalten. Rücksicht auf die Erwartungen anderer.
Stufe 5: Legalistische Vertrags-Orientierung.
Anerkennung einer willkürlichen Komponente oder Basis von Regeln und Erwartungen als Ausgangspunkt der Übereinstimmung. Pflicht definiert als Vertrag, allgemein Vermeidung der Verletzung von Absichten oder Rechten anderer sowie Wille und Wohl der Mehrheit. 
Stufe 6: Orientierung an Gewissen oder Prinzipien.
Orientierung nicht nur an zugewiesenen Rollen, sondern auch an Prinzipien der Entscheidung, die an logische Universalien und Konsistenz appellieren. Orientierung am Gewissen als leitendes Agens und an gegenseitigem Respekt und Vertrauen. 

Aber: Auf welcher Stufe der Perspektivübernahme kann sich „Fischmaul“ ohne Überforderung bewegen? Welche Angebote können hilfreich sein?

Anhand der Beschreibungen möchte ich „Fischmaul“ der Stufe 0 in dem Modell der Entwicklung der Perspektivübernahme nach Selman (1982) zuordnen. In der egozentrischen Phase erkennt das Kind keinen Unterschied zwischen seiner Perspektive und der der anderen. Ebenso ist die Fähigkeit zum Erkennen von anderen Handlungsabsichten nicht ausgebildet. „Fischmaul“ bezeichnet es als Ungerechtigkeit, dass die Lehrkräfte innerhalb der inneren Differenzierung unterschiedliche Materialien zur Bearbeitung, angepasst an den Entwicklungs- und Förderstand der Kinder, anbieten. Die Handlungsabsicht der Lehrkräfte, dass die Arbeitsaufträge individuell auf das Kompetenzvermögen der Kinder angepasst und so eine Erarbeitung positiv für die Lernatmosphäre, das Selbstbild und die schulische Förderung sein können, kann „Fischmaul“ im Rahmen seiner Fähigkeiten in der Perspektivübernahme (Stufe 0) nicht erkennen. 

Daraus folgt, dass eine Förderung der Perspektivübernahme hinsichtlich Stufe 1 keine Überforderung darstellen sollte. 

Angebote, um die Stufe 1 anzustreben, sollten sich an dem Ziel orientieren, dass jeder Mensch eine eigene Perspektive hat, in der die Handlungsabsichten von der eigenen abweichen können. 

Ich würde in diesem Fall verschiedene Angebote schaffen, in der Klassengemeinschaft sowie in Kleingruppen. 

Die Angebote sollten auf die Fertigkeiten der Emotionserkennung, Emotionsspiegelung und Emotionsregulation ausgerichtet sein, um die aggressive Potenziale von „Fischmaul“ zu regulieren und so eine Perspektivübernahme fernab von Impulsivität zu erzielen. 

Mögliche Angebote in der Klassengemeinschaft und auch in Kleingruppen sind hier Spiele zur Förderung der Benennung von Gefühlen, einordnen dieser in Kategorien und Unterschiede erkennen sowie Ausdruck von Gefühlen. 

In nächster Ebene wird die Regulation betrachtet, mögliche Fruststopper werden erarbeitet. Hier eignet sich die Arbeit in Kleingruppen. 

Zur Betrachtung der Perspektivübernahme können Rollenspiele zur Spiegelung der Emotionen sein, sodass eine externe Perspektive spielerisch eingenommen werden kann. 

Gemeinschaftspiele hinsichtlich sozialer Kompetenz eignen sich im Klassenverband. 

Die Stärkung des Selbst- und Fremdbildes, das Ausdrücken von Meinung und erkennen von anderen Absichten sowie die Regulation von Emotionen dienen als Grundlage, um Stufe 1 ohne Überforderung zu erreichen, bezogen auf Fischmaul. 

Die Übungen sind zudem eine Festigung des Aufbaus der Fertigkeiten von Stufe 1 und 2, sodass für den Sozialraum der Klassengemeinschaft diese Übungen sinnvoll sind. 

Durch die Arbeit in Kleingruppen oder in der Klassengemeinschaft entsteht für „Fischmaul“ keine Sicht einer Ungerechtigkeit. Es werden alle SuS angesprochen und in die Festigung und Entwicklung der Fähigkeiten der Perspektivübernahme integriert. 

Für die konkrete Situation der unterschiedlichen Arbeitsmaterialien bietet sich ein Wochenplan an, der Pflichtaufgaben enthält sowie Zusatzaufgaben. Dieser könnte für alle Kinder im Angebot stehen, sodass die Kinder sich, orientiert an ihre Fertigkeiten, einen Pflichtteil aussuchen können, den Zusatz nach Beendigung erledigen können. 

Fischmaul wird so die „schwierigen“ Arbeitsblätter vielleicht sichten, jedoch dann die für ihn passenden Aufträge auswählen. So wäre die Ungerechtigkeit in seinen Augen durch gesonderte Aufträge nicht gegeben und jedes Kind könnte, nach eigenem Tempo und eigener Kompetenz arbeiten. 

Freu: Auf welcher Stufe der Perspektivenübernahme könnte sich „Fischmaul“ bewegen? Welche Angebote können gemacht werden, damit er die für eine weitere Entwicklung erforderlichen Erfahrungen macht?

Ich würde „Fischmaul“ in der Stufe 0 in Selmans Modell der Entwicklung der Perspektivübernahme einordnen. Somit befindet er sich in der Stufe der egozentrischen Perspektive. Aufgrund seines äußerst stark ausgeprägten Gerechtigkeitsdrangs ist es sehr wahrscheinlich, dass „Fischmaul“ entwicklungsmäßig nicht in der Lage ist, jegliche Intentionen, Handlungen und Reaktionen seiner Lehrkräfte, Mitschüler/innen oder seiner Mutter richtig und sinngemäß zu erschließen. Er ist sich nur seiner eigenen sozialen Perspektive bewusst und kann sich nicht in die Gedanken und Gefühle seiner Mitmenschen hineinversetzen, sodass er sich in sämtlichen Situationen in seiner persönlichen sozialen Perspektive ungerecht behandelt fühlt. Er ist in seiner Entwicklung noch nicht so weit fortgeschritten, als dass er z.B. von den ewigen Hänseleien darauf schließen könnte, dass die Mitschüler/innen nicht mit diesen aufhören, weil sie sich so an seiner Erregung erfreuen oder die Lehrkräfte ihm z.B. ganz bewusst und mit sinnvollen Hintergedanken andere Arbeitsblätter geben, weil diese eben seinem individuellen Entwicklungs- und Leistungsstand entsprechen.

Damit „Fischmaul“ die erste Stufe erreichen kann, sollte er ganz bewusst die Erfahrung machen, dass seine Mitmenschen eigene soziale Perspektiven besitzen und diese entweder seiner eigenen Perspektive ähneln oder sich gänzlich von dieser unterscheiden. Dafür sollte im Klassenverband viel gruppenorientiert zusammengearbeitet werden. Man könnte beispielsweise jeden Morgen vor dem richtigen Unterrichtsbeginn eine kurze „Stimmungs- und Gefühlsrunde“ machen, in der jeder mithilfe von Stimmungskarten oder -figuren kurz aufzeigt, wie es ihm heute geht und erklärt, warum es ihm heute so geht. Durch diese wiederkehrende Gefühlrunde wird „Fischmaul“ ganz deutlich gezeigt, dass jeder Mensch situations-/tages- oder gefühlsabhängig unterschiedlich drauf ist und seine individuelle Geschichte dahinter „mitbringt“. Des Weiteren könnte in Kleingruppen an dem Erkennen von verschiedenen Emotionslagen gearbeitet werden. Anhand von Bildern, Videos, Rollenspielen oder Geschichten sollen die verschiedenen Emotionslagen erkannt werden und könnten im weiteren Schritt z.B. nachgeahmt werden.

LeBe

Aufgabe: Auf welcher Stufe der Perspektivenübernahme bewegt sich „Fischmaul“? Welche Angebote kann man „Fischmaul“ anbieten, damit er die für eine weitere Entwicklung erforderlichen Erfahrungen sammeln kann?

Meiner Einschätzung nach bewegt sich „Fischmaul“ bei seiner Entwicklung der Perspektivübernahme auf der Stufe 0, genannt ‚Egozentrische Perspektive‘, des Modells von Selman 1982. „Fischmaul“ kann nicht erkennen, welche Absichten sich hinter dem Handeln seiner Mitmenschen verbergen. Kinder in dieser Stufe 0 können zwar die Gedanken und Gefühle andere erkennen, können aber nicht verstehen, dass diese möglicherweise eine andere Sichtweise auf die gleichen Handlungsverläufe haben. Aus diesem Grund empfindet „Fischmaul“ viele Handlungen als ungerecht ihm gegenüber, weil er zwar die Handlung erkennt, aber nicht die eigentliche Absicht hinter dieser Handlung auffasst (Beispiel: Lehrkräfte geben unterschiedliche Aufgabenstellungen nicht um „Fischmaul“ zu diskriminieren, sondern um sie individuell an den Lernfortschritt der Kinder anzupassen).

Durch bestimmte Angebote sollte „Fischmaul“ nun so gefördert werden, dass er in dem Modell der Perspektivübernahme sich in Stufe 1 bewegen wird. Ziel ist es also, dass „Fischmaul“ erkennen kann, dass Handlungsverläufe, Absichten und Perspektiven von jedem subjektiv interpretiert werden. Jeder hat also eine andere Wahrnehmung der Dinge.

Angebote könnten wie folgt aussehen:

  • Innerhalb der Klasse können regelmäßig offene Gesprächsrunden eingeführt werden, in denen sich alle gemeinsam mit den eigenen Gefühlen und der der anderen auseinandergesetzt wird.
  • Außerdem ist es wichtig, nach einem weiteren (Streit-)Vorfall nicht einfach die Beteiligten zu bestrafen, sondern auch hier die Handlungen und Gefühle aller Parteien gemeinsam zu reflektieren.
  • Zudem können Lehrkräfte gezielt darauf achten, die Motive ihrer Handlungen ausführlich innerhalb der Klasse zu erklären. So kann „Fischmaul“ ein Verständnis dafür aufbauen, dass die Lehrkräfte bestimmte Handlungen aus gutem Grund machen und es nicht immer böse meinen.
  • Eine gute „Übung“ ist auch bestimmte Situationen nachzuspielen und dabei die verschiedenen Rollen zu tauschen, sodass sich „Fischmaul“ in die Position der anderen hineinversetzen muss/kann.
  • „Geschichten-lesen“ in den Unterricht einbinden. Durch bestimmte Kurzgeschichten mit Bildern für Kinder könnte man bestimmte Situationen/Lebenslagen/Handlungen und die mit einhergehenden Gefühle und Perspektiven aller besser veranschaulichen.  

ansa: Ich würde Fischmaul ganz intuitiv in Stufe 0 ansiedeln, er sieht größtenteils nur sich und vergleicht sich ohne Verschränkung der Perspektive mit den anderen. Durch seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, fühlt er sich dementsprechend oft ungerecht behandelt. Dies ist natürlich nur eine Vermutung, aufgrund der Erzählungen. Es könnte natürlich auch andere Erklärungen für Fischmauls Verhalten haben, wie bspw., dass er nicht akzeptieren möchte, dass andere Schüler in seiner Klasse die Unterrichtsmaterialien schneller begreifen als er. 
Ich würde anfangen, Fischmaul den Umgang mit Emotionen näher zu bringen. Dies vor allem durch stetiges benennen von Gefühlen. Einerseits würde ich die Schüler dazu auffordern, transparent damit umzugehen, andererseits als Vorbild vorangehen und auch meine Gefühle benennen. 
Eventuell ließe sich dafür auch eine Art Projekttag machen. 
Im nächsten Schritt würde ich die Schüler auffordern, gegenseitig ihre Gefühle zu benennen. (Bspw: Wie denkst du, geht es Fischmaul, wenn du dich über ihn lustig machst?) 
Außerdem würde ich versuchen den Schülern zu verdeutlichen, dass die Intention und Wirkung von gewissen Verhaltensweisen sehr unterschiedlich sein können. 

JuBa Aufgabe: Auf welcher Stufe der Perspektivenübernahme bewegt sich Fischmaul ?

Welche Angebote kann man machen, damit Fischmaul die für eine weitere Entwicklung erforderlichen Erfahrungen macht?

Ich würde Fischmaul ebenfalls der Stufe 0: ,,Egozentrische Perspektive‘‘ des Entwicklungskonzeptes von Selman zuordnen, da Fischmaul scheinbar nicht in der Lage ist, zwischen seinen eigenen Gedanken und Gefühlen und denen anderer Personen zu unterscheiden.  Dies gilt in Bezug auf die Mitschüler_innen und seine Lehrer_innen. So kann er keinen Zusammenhang zwischen den Handlungen der Lehrer_innen (Mitschüler_innen erhalten unterschiedlich schwierige Lernaufgaben) und den damit verbundenen Absichten (Förderung der individuellen Entwicklung und Anpassung an das individuelle Lerntempo) herstellen. Zudem versteht er nicht, wieso seine Mitschüler_innen ihn auslachen.

Um die sozial-kognitive Entwicklung von Fischmaul adäquat zu fördern und seine Kompetenzen der Rollenübernahme zu stärken, sollte er zunächst Erfahrungen aus der Stufe 1: ,,Sozial-informationsbezogene Perspektivübernahme‘‘ machen. In dieser Stufe sind Kinder in der Lage, sich in andere hineinzuversetzen. Dazu muss Fischmaul wahrnehmen, dass die anderen Kinder der Klasse (und die Lehrer_innen) auch andere Gedanken haben können und diese sich demnach nicht mit seinen Gedanken überschneiden müssen. Um somit zu erkennen, dass es verschiedene Standpunkte gibt, die man vertreten kann, muss soziale Interaktion stattfinden. Diese kann man im Klassenverband gut herstellen. Der/Die Lehrer_in könnte beispielsweise ein Plakat an die Tafel hängen, auf dem ein Spielplatz zu sehen ist. Die Kinder sollen nun aufmalen, was sie dort als erstes sehen. Jedes Kind wird etwas anderes malen. Anschließend werden die Zeichnungen besprochen und durch den Austausch wird auffallen, dass es unterschiedliche Perspektiven zu einem Bild gibt.  Es sollten also die Sichtweisen anderer Kinder in der Klasse aufgezeigt werden, um verschiedene Meinungen und Erfahrungen zu sammeln. Fischmaul würde merken, dass das was er gemalt hat nicht alle anderen ebenso gemalt haben, weil sie andere Gedanken zu dem Bild hatten als er.

Spielerisch kann man so auch Kompetenzen trainieren, die mit Emotionen zu tun haben. Trainings zum Erkennen von Emotionen oder Überlegungen dazu, in welchen Situationen Gefühle ausgedrückt werden und wie sie sich zeigen vermitteln unterschiedliche Wahrnehmungen. Rollenspiele mit Puppen oder selbstgebastelten Figuren können dabei die Fantasie der Kinder anregen.

Keek: Aus den Beschreibungen geht hervor, dass es Fischmaul schwer fällt, die Perspektive anderer einzunehmen und deren Handlungsabsichten adäquat zu beurteilen. Daher liegt nahe ihn in die Stufe 0, der egozentrischen Phase, der Entwicklung der Perspektivenübernahme einzuordnen. Das Ziel wäre somit, zu versuchen ihm Kompetenzen der Stufe 1 zu vermitteln und darauf aufbauend dann eine Vermittlung der in Stufe 2 typischen und altersgerechten Kompetenzen anzustreben.

Eines der Hauptprobleme war, dass Fischmaul eine individuell angepasste Förderung nicht anerkennen konnte. Daher wäre es von Vorteil, die Angebote innerhalb des Klassenkontextes zu erarbeiten. Dadurch wird vermieden, dass Fischmaul sich durch Einzelförderung zurückgesetzt und ungerecht behandelt fühlt. Übungen zu Perspektivübernahme oder Emotionsregulierung sind sicherlich auch für die restliche Klasse von Vorteil. Durch das beobachten der anderen SuS mit den Übungen, kann ein weiterer Lerneffekt einsetzen.

Als konkrete Maßnahmen würden mir hier besonders Rollenspiele einfallen, die darauf abzielen, die Perspektive des Gegenübers einzunehmen. Auch Übungen hinsichtlich der Erkennung und Benennung von Gefühlen könnten hilfreich sein. Da erstmal versucht werden sollte Fischmaul „sicher“ auf Stufe 1 der Perspektivübernahme zu bringen, sollte es sich hier um Konfliktvermeidende und Grundsätzlich nicht überfordernde Übungen und Angebote handeln.

Keks

Auf welcher Stufe der Perspektivübernahme kann sich „Fischmaul“ ohne Überforderung bewegen? Welche Angebote können hilfreich sein?

Ich würde „Fischmaul“ auf der Stufe 0 „egozentrischen Perspektive“ sehen. Er sieht sich als Mittelpunkt der Welt und möchte genauso behandelt werden wie alle anderen. Ist dies nicht der Fall, fühlt er sich ungerecht behandelt. Dabei erkennt er nicht die Beabsichtigung des Lehrerenden, warum jeder Schüler individuelle Aufgaben gestellt bekommt, egal wie oft es ihm erklärt wird. Ebenso wenig versteht er die Absichten, weshalb seine Mitschüler ihn immer wieder „Fischmaul“ nennen. 

Auf Stufe 1 „Sozial-informationsbezogene Perspektivenübernahme“ erkennen Kinder, dass es nicht nur ihre eigene Perspektive und ihre eigenen Gefühle gibt, sondern auch noch eine Perspektive ihrer Mitmenschen. Damit „Fischmaul“ auf Stufe 1 gelangen kann, muss er lernen sich in andere hineinzuversetzen, Empathie entwickeln. Dies erlernt er durch Erfahrung und Beobachtung seiner Umwelt. Wenn Lehrende Mobbing sehen, müssen sie eingreifen und allen Beteiligten erklären, dass das Verhalten nicht okay ist. Zusätzlich kann auf die Emotionen der einzelnen Personen eingegangen werden, was machen die Hänseleien mit „Fischmaul“ und was fühlen die Mitschüler dabei. Ich denke es ist wichtig solche und andere Situationen immer wieder gemeinsam zu reflektieren und auf die Gefühle hin zu untersuchen.

Des Weiteren kann ich mir gut vorstellen, dass Gesprächsrunden im Klassenverband hilfreich sein könnten. Zum Beispiel, dass gegen Schulschluss eine Runde gemacht wird mit der Frage „Hast du heute etwas geschafft/ erlebt, worüber du dich gefreut hast?“ Oder „Was war schwierig an dem Tag heute? Warum war es schwierig?“ Das könnte dazu beitragen, sich den eigenen Gefühlen und Perspektiven noch einmal bewusster zu werden. Gleichzeitig erfährt „Fischmaul“ aber auch, dass bei seinen Mitschüler vielleicht andere Emotionen vorherrschen, obwohl sie denselben Tag in der Schule verbracht haben.

Zudem könnten im Unterricht auch kurze Geschichten vorgelesen und besprochen werden, in denen es zum Beispiel um einen Streit zwischen zwei Freunden geht. Die Schüler könnten darüber sprechen, welche zwei Perspektiven sie erkennen und wie die Freunde sich wohl fühlen mögen. Das gibt die Möglichkeit sich in jemand anderes hineinzuversetzen, ohne persönlich involviert zu sein.

Elli: Auf welcher Stufe der Perspektivübernahme kann sich „Fischmaul“ ohne Überforderung bewegen? Welche Angebote können hilfreich sein?

Ich würde „Fischmaul“ in dem Modell „Entwicklung der Perspektivenübernahme“ (Selman1982,240 f) auf der Stufe „0“ einordnen. Ihm fehlt die Fähigkeit zwischen seiner eigenen Perspektive und der der anderen zu unterscheiden. Des Weiteren kann er noch keinen Zusammenhang zwischen Handlungen und Handlungsgründen erkennen. Er findet es z.B. ungerecht, dass die Lehrer ihm andere Aufgaben zur Bearbeitung geben. Er „sieht“ nicht, dass die Lehrer ihn damit nicht ärgern wollen, sondern ihn damit individuell unterstützen und bestmöglich fördern wollen. Auch kann er scheinbar nicht nachvollziehen, dass die Hänseleien der anderen Kinder nicht aufhören, weil er jedes Mal erneut wieder (aggressiv) darauf reagiert und die anderen Kinder genau dieses Verhalten provozieren wollen.

Die Angebote, die „Fischmaul“ benötigt um bestmöglich gefördert zu werden, sollten darauf (zunächst) abzielen, dass es verschiedene Perspektiven gibt und man eigene Handlungsabsichten / -strategien nicht direkt auf andere übertragen kann.

Hilfreich könnten Spiele / Angebote sein, die das Benennen von Gefühlen fördern und wie sich Gefühle äußern können (Mimik, Gestik, Stimmlage). 

 Zudem könnten Signalwörter (mit der gesamten Klasse) erarbeitet werden, dadurch können die persönlichen Grenzen (von „Fischmaul“ aber auch von anderen Kindern) besser wahrgenommen und im besten Fall akzeptiert werden.

Des Weiteren sind Spiele die die sozialen Kompetenzen gefördert werden wichtig. Dadurch wird der Zusammenhalt der Klassengemeinschaft gestärkt.

„Fischmaul“ sollte Übungen machen, die ihm zur Impulsregulierung helfen. Dadurch kann er bestimmte Signale seines Körpers wahrnehmen und frühzeitig reagieren, damit er die aggressiven Impulsdurchbrüche besser kontrollieren kann. (z.B. könnte auch hier ein Signalwort mit einem Lehrer ausgemacht werden, welches der Lehrer dann nennt, wenn die Situation angespannter wird und „Fischmaul“ so ein Gefühl dafür bekommen kann, wann es besser wäre aus der Situation zu gehen etc.)

Des Weiteren könnte man für die Kinder eine Art „Lobbox“ erstellen, in der die Lehrkräfte und evtl. auch die Kinder selbst Zettel einwerfen, auf denen eine positive Sache über ein anderes Kind steht. Dadurch wird das Selbstwertgefühl gesteigert.

 Spielsituationen könnte man (mit Erlaubnis der Erziehungsberechtigten) auf Video aufzeichnen und „schöne Momente“ heraussuchen und diese dann den beteiligten Kindern zeigen (durch eine Fachkraft). Viele „schöne Situationen“ gehen im Alltag schnell verloren und man sieht nur das negative. Durch die Aufnahmen kann der Blick auf das positive gelenkt werden. Dadurch steigert sich ebenfalls das Wohlbefinden und die Kommunikation untereinander wird gefördert.

AnKa: Auf welcher Stufe der Perspektivübernahme bewegt sich Fischmaul und welche Angebote könnten ihm helfen, um weitere Erfahrungen für seine Entwicklung zu sammeln? 

Aufgrund von Fischmauls Reaktionen und seinen Handlungen lässt sich schlussfolgern, dass Fischmaul die Absichten von seinen Mitmenschen nicht erkennen kann. Sein stark ausgeprägter Sinn nach Gerechtigkeit untermauert auch hier seine Einschränkung zur Wahrnehmung von anderen Perspektiven. Ich würde aus diesen Gründen Fischmaul in dem Modell der Entwicklung der Perspektivübernahme nach Selman in Stufe 0 einordnen. Das ist die egozentrische Perspektive.  

Fischmauls nächster Schritt wäre der Übergang in die erste Stufe. Die Stufe hat das Ziel ihm zu verdeutlichen, dass sein Gegenüber eine andere Perspektive als er selbst einnehmen kann. Der Schwerpunkt liegt hier auf dem Bewusstwerden der unterschiedlichen Wahrnehmungen jedes einzelnen. Angebote könnten hier zum Beispiel eine Traumreise/Fantasiereise sein. Im Unterricht kann man dieses Angebot im Klassenverband durch das Erzählen einer Geschichte oder Abspielen einer CD ganz leicht umsetzen. Den Kindern wird es ermöglicht sich ganz auf seine individuelle Reise zu begeben und anschließend kann im Klassenverband besprochen werden, was die Kinder gesehen, gehört oder gemacht haben. Dabei wird sich herausstellen, dass alle etwas anderes erlebt haben und stärkt somit die Wahrnehmung und die Perspektive für die Seite der anderen. Im Klassenverband könnten auch Rollenspiele durch die Kinder oder durch Puppen/ Stofftiere angeboten werden, um sich in die Rolle eines anderes hineinzuversetzen. Um Gefühle und Emotionen von anderen besser einordnen zu können, könnten dahingehend Übungen gemacht werden wie „Tabu“ indem die Kinder ein bestimmtes Gesicht bei der jeweiligen Emotion machen. Dadurch wird auch gleichzeitig die Wahrnehmung gestärkt und die eventuell andere Interpretation der Mimik der Kinder. Bilder und Geschichten könnten hier auch hilfreich sein. 

(Kokos): Fischmaul ist nach Selmans Modell der Perspektivübernahme der Stufe 0 zuzuordnen. Er kann sich Intentionen seiner Mitmenschen nicht erschließen und agiert lediglich seinen eigenen Bedürfnissen entsprechend. So erkennt er beispielsweise nicht, dass die unterschiedlichen Schulaufgaben unterschiedlichen Entwicklungsständen angepasst sind und somit die Kompetenzen der Schüler:innen ganz individuell fördern. Dadurch sieht er auch nicht, dass er von diesem Verfahren profitiert, denn auch er wird seinem Leistungsstand entsprechend gefordert. Ebenfalls erkennt er die Motivation der Mitschüler (nämlich ihn ausrasten zu lassen) nicht und geht ihnen somit „in die Falle“. Da er nur seine eigene Perspektive kennt, muss dies gleichzeitig auch die richtige sein: alle anderen verhalten sich also falsch.
Um Fischmaul in Stufe 1 zu helfen, halte ich es für sinnvoll verschiedene Gruppen- und Klassenübungen zu machen und ihn möglichst viel in Kontakt mit anderen Gleichaltrigen zu bringen. Wichtig ist vor allem die Vermittlung von Gefühlswahrnehmung und -benennung. Hierfür können in Kleingruppen folgende Fragen besprochen und erarbeitet werden: Welche Gefühle gibt es? Wodurch wird welches Gefühl ausgelöst? Welche Gefühle sind schön, welche mag man nicht haben? Wodurch machen sich Gefühle bei mir, aber auch bei anderen bemerkbar? Durch Rollenspiele und ausführliche Besprechungen von (positiven und negativen) Situationen, kann ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass auch andere legitime Perspektiven haben. Bezüglich der Schulaufgaben kann man Fischmaul möglicherweise verschiedene Schwierigkeiten zeigen und ihm erklären, auf welchem Entwicklungsstand die Schule ihn sieht und was er, wenn er weiter fleißig mitarbeitet, bald schaffen kann. Auch, dass andere Kinder Schwierigkeiten in anderen Bereichen haben als er.

Five: Aufgabe: Auf welcher Stufe der Perspektivenübernahme bewegt sich „Fischmaul“? Welche Angebote kann man „Fischmaul“ anbieten, damit er die für eine weitere Entwicklung erforderlichen Erfahrungen sammeln kann?

Fischmaul ist laut Modell von Selman auf der Stufe 0 Egozentrische Perspektive. Der Klient nimmt den Unterschied zwischen sich und anderen wahr kann aber nicht unterschieden, dass die anderen Kinder und Jugendlichen andere Gedanken und Gefühle haben. Fischmaul sieht keinen Zusammenhang zwischen Handlungsgründen und Handlungen. Er kann sich nicht in andere hineinversetzten und fühlt sich so in sämtlichen Situationen überfördert. Das führt dazu, dass er z.B. nicht versteht, dass die Mitschüler ihn nur ärgern, weil er immer überreagiert und sich provozieren lässt. 

Angebote könnten sein: 

  • Rollenspiele die mit Gefühlen arbeiten. Damit Fischmaul lernt die Perspektive des Gegenübers nachvollziehen zu können. Man sollte auch Situationen nachspielen die oft prekär für Fischmaul erscheinen.
  • Ein hilfreiches Element könnte auch sein jeden Morgen eine Befindlichkeitsrunde einzuführen, indem jeder Schüler erzählen darf, was ihm zurzeit belastet oder sehr erfreut. 
  • Dass die Lehrer ausführlich darauf achten ihm zu erklären, warum er in manchen Situationen anderen Handlungen vollziehen muss oder darf als andere. Beispiel hier die unterschiedlichen Lernzettel, damit er versteht warum es dort Unterschiede gibt. Sehr klare und offene Kommunikation. 

Cora 1108:

Meiner Meinung nach kann „Fischmaul“ Stufe 0 der Entwicklung der Perspektivübernahme nach Selman (1982) zugeordnet werden. Dementsprechend befindet er sich aktuell in der egozentrischen Phase.
Fischmaul erkennt zwar deutlich, wenn er andere Aufgaben als seine Klassenkamerad:innen erhält. Er empfindet dies jedoch als ungerecht und ist noch nicht in der Lage dazu, zu reflektieren, warum er nicht die gleichen Aufgaben wie andere Kinder bekommt. Deswegen reagiert er mit Wut. Die positive Absicht der Lehrkräfte erkennt er also nicht. 
Um es Fischmaul zu ermöglichen auf Stufe 1: Sozial-informationsbezogenee Perspektivübernahme zu gelangen und seine eigenen und fremde Gefühle besser zuordnen und verstehen zu können, wäre ein spielerischer Umgang mit verschiedenen Gefühlen angebracht. In kleinen Gruppen könnten die Kinder verschiedene Gefühle und mögliche Ursachen dafür kennenlernen und gegenseitig versuchen zu erzählen, wie sie sich in bestimmten Situationen fühlen und warum dies so ist (mit Hilfe von Materialien, Spielen etc.).
Wenn Fischmaul die verschiedenen Gefühle besser einordenen kann und weiß, dass auch die anderen Kinder verschieden fühlen, dann kann er seine aggressiven Ausbrüche aufgrund von Situationen wie unterschiedlichen Materialien vielleicht besser verstehen.
Um ihm dann noch verständlich zu machen, wieso er teilweise andere Aufgaben bekommt und dass sich die Kinder auf unterschiedlichen Lernebenen befinden, wäre eine offene Kommunikation darüber angebracht. Wahrscheinlich bekommt nicht nur Fischmaul in der Klasse manchmal andere Aufgaben. Vielleicht würde es helfen, wenn die Aufgaben regelmäßig offen besprochen werden würden, damit die Kinder sehen, dass jedes von ihnen unterschiedlich lernt und dass gemischte Gefühle darüber okay und normal sind. 
In einem weiteren Schritt könnte man die Kinder in kleine Gruppen einteilen, in denen alle Kinder unterschiedliche Dinge gut könnten. So könnten sie sich gegenseitig unterstützen und dabei lernen, dass sie trotzdem gut in etwas sind, auch wenn sie in anderen Bereichen noch Hilfe brauchen.

Purzel: Ich würde Fischmaul der Stufe 0, egozentrische Perspektive, in dem Modell der Entwicklung der Perspektivenübernahme nach Selman zuordnen. In dieser Stufe gelingt es dem Kind zwar den Unterschied zwischen sich und anderen wahrzunehmen, unterscheidet aber noch nicht zwischen seiner sozialen perspektive und der der anderen. Es kann von anderen offen gezeigten Gefühlen benennen, aber sieht noch nicht den kausalen Zusammenhang zwischen Handlungsgründen und Handlungen.

„Fischmaul“ empfindet die Handlungen der Lehrer_innen ihm gegenüber als unfair. Er kann den Zusammenhang zwischen der individuellen Förderung des einzelnen Schülers und den dazugehörigen Arbeitsaufträgen nicht erkennen.

Daraus lässt sich folgern, dass eine Förderung der Perspektivenübernahme der Stufe 1 erforderlich ist.

Hier können verschiedene Formen der Förderung genutzt werden. So ist es sinnvoll Übungen im Rahmen von kleingruppen, in der Klassengemeinschaft und alleine durchzuführen. Damit „Fischmaul“ lernen kann, dass andere eine eigene Perspektive haben und diese seiner eigenen Perspektive ähnlich oder nicht ähnlich sein können, sollten Rollenspiele durchgeführt werden. Hierdurch kann „Fischmaul“ in andere Rollen schlüpfen die ihm andere Handlungsabsichten aber auch Sichtweisen aufzeigen können. Diese Rollenspiele sollten immer nur zu zwei durchgeführt werden, damit es zu keiner Überforderung kommt.

Ein anderes Angebot könnten Gefühlsrunden in der Klasse sein. Hier hat jeder die Möglichkeit seine eigene Stimmung und Gefühle zu verbalisieren. Die anderen können dabei lernen sich mit den Gefühlen der anderen auseinanderzusetzen. Dieses Angebot bietet ein längerfristiges Lernen, wenn es in den Schulalltag fest integriert wird.

7. Lerneinheit: Entwicklungsmodelle im Lesen und Schreiben

Viele Adressat*innen der Erziehungshilfe haben Probleme im Lesen und Schreiben. Man könnte sich zwar auf den Standpunkt stellen, dass derlei Inhalte für die Soziale Arbeit nicht relevant sind. M. E. gibt es aber zumindest zwei gute Gründe, sich mit der Lese-/Schreibentwicklung zu befassen: Erstens sind Lesen und Schreiben eine sehr wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Kinder und Jugendliche, die hier Probleme haben, benötigen also alle Hilfe, die sie bekommen können. Das übernehmen in wohl situierten Mittelschichtsfamilien die Eltern. Und wer unterstützt die Kinder und Jugendlichen in den stationären Einrichtungen? Zweitens ist die deutsche Schule nicht besonders gut darin, schwachen Schüler*innen zumindest Basiskenntnisse des Lesens und Schreibens zu vermitteln. Jahr für Jahr verlassen etwa 10 Prozent der Absolventen die Schule ohne angemessen lesen und schreiben zu können. Und die schulischen Angebote in den Förderschulen sind hier auch nicht besonders erfolgreich. Die meisten Eltern wissen das und wehren sich, wenn ihre Kinder in Förderschulen abgeschoben werden sollen. Wer übernimmt diese Aufgabe in den stationären Einrichtungen?

Modelle der Lese-/Schreibentwicklung

Lebe schreibt:

Aber schreibt:

Aufgabe: Stellen Sie fest, was der Schüler bereits kann und was noch nicht und entwickeln sinnvolle Förderangebote. 

(bezogen auf Abbildung 3: Schreibversuche)

Der von dem Jungen geschriebene Satz ist Element der Hamburger Rechtschreibprobe nach May. Die HSP 1 Plus dient der Erfassung der Rechtschreibstrategien in den jeweiligen Klassen zu unterschiedlichen Zeitpunkten und damit dem Vergleich in Deutschland. 

Die HSP 1 Plus kann zu unterschiedlichen Zeiträumen durchgeführt werden, jeder Durchführungszeitraum wird in der Auswertung betrachtet. Mögliche Zeiträume sind hier das 1.Schuljahr Januar/ Februar oder Mai/ Juni, oder 2.Schuljahr Dezember/ Januar. 

Der in der HSP vorgegebene Satz in Diktatform lautet: Die Fliege fliegt auf Uwes Nase. 

Zu Gliedern ist der Satz in sechs Wörter zu 22 Graphemtreffern. Grapheme sind die Verschriftlichungen der Laute im Rahmen der Rechtschreibstrategien. 

Aufgliederung zur Veranschaulichung:

D | ie 2 Graphemtreffer

F | l | ie | g | e 5 Graphemtreffer

f | l | ie | g | t 5 Graphemtreffer

au | f 2 Graphemtreffer 

U | w | e | s 4 Graphemtreffer

N | a | s | e 4 Graphemtreffer

(Quelle MAY P. / MALITZKY V. / VIELUF U. (2018) HSP 1 Plus. Klett: Stuttgart) 

Im ersten Schritt der Auswertung wird die Anzahl der richtig geschriebenen Wörter betrachtet. Hier erreicht der Schüler zwei von sechs richtigen Wörtern.

Im nächsten Schritt werden die Graphemfehler betrachtet. Der Junge erreicht 14 von 22 Graphemtreffern.

Im nächsten Schritt wird die Auswertung nach den Rechtschreibstrategien betrachtet. Hier wird unterschieden in alphabetischer Strategie und in orthopgraphischer und morphematischer Strategie.

Die alphabetische Strategie bezeichnet die Erschließung von Lauten über Buchstaben. Das Gesagte wird verschriftlicht. 

Die orthografische Strategie umfasst die Umsetzung von erlernten Regeln der Rechtschreibung, vom Wortbild. Die morphematische Strategie bedeutet die Fähigkeit zur Gliederung eines Wortes, um das Wortbild zu erschließen. 

Der Junge hat in der Auswertung ausschließlich Fehler im Bereich der orthografischen und morphematischen Strategie. Das Wort „Fliege“ fehlt im Satz, meiner Meinung nach kann hier jedoch keine fehlende Anwendung der Strategien zugeordnet werden, sondern eine Differenzierung innerhalb der Diktatsituation. 

Aufgrund der Zuordnung nach der Betrachtung der Graphemtreffer kann ausgewertet werden, dass der Junge die alphabetische Strategie beherrscht, was bedeutet, dass die gehörten Laute den korrekten Buchstaben zugeordnet werden können. Vor allem in den lautgetreuen Worten „Uwes“ und „Nase“ ist diese Erkenntnis zu stützen. 

Regeln der Rechtschreibung, zu merkende Strategien wie zum Beispiel „ie“ als langer Laut in den Wörtern „Die“ und „fliegt“ konnte der Junge nicht anwenden. Die Wortbilder sind noch nicht eingeprägt die Regeln sind noch nicht verinnerlicht, sodass sie nicht angewendet werden.

Im Sinne von Fördermaßnahmen möchte ich hier eine Förderung der Rechtschreibregeln empfehlen. 

Ausgehend davon, dass der Junge die erste oder zweite Klasse besucht, könnten sich Förderangebote wie folgt darstellen:

  • Merken von Wortbildern 
  • Vokalermittlung (langer Vokal oder kurzer Vokal)
  • Wortstämme erkennen
  • Vorsilben und Nachsilben merken
  • Silben ermitteln mittels Einsatz von Silbenbögen
  • Verlängerung der Wörter
  • Zusammensetzung von Wörtern mit gleichen Silben (le-SEN, rei-SEN u.a.)

Ebenso können, je nach Altersstufe, kleine Lesespiele das synthetisierte Leseverständnis einüben und dienen der Merkfähigkeit für Wortbildspeicher. 

Freu: Was kann der Junge aus dem Beispiel schon und was nicht? Welche Förderangebote wären sinnvoll?

Ich habe leider nicht ganz entziffern können, was der Junge geschrieben hat bzw. schreiben wollte. Mir sind die Wörter „fligt“ und „nase“ jedoch sofort aufgefallen. Insgesamt lässt sich anhand des Beispiels erkennen, dass der Junge bereits viele Buchstaben an sich kennt, diese aber größtenteils nicht sicher lautgetreu verschriftlichen kann. Dazu beherrscht er die Rechtschreibregeln wie Groß- und Kleinschreibung oder das Setzen von Leerzeichen und Satzzeichen noch nicht. Ich denke, er befindet sich in der Phase zwischen dem „frühen Schreiben“ und dem „phonologischem Bewusstsein“. Dabei ist sein phonologisches Bewusstsein jedoch noch nicht vollständig ausgereift und benötigt noch ausreichend Schulung. Aus diesem Grund würde ich Förderangebote anwenden, die sein Gefühl für Phonologie verbessern.

Mögliche Angebote:

-Reimwörter finden

-Wörter klatschen (Silbentrennung)

-Wortbausteine verbinden-Wortstämme bilden

-Buchstabenkunde

-gemeinsames Vorlesen

-Anfangs- und/oder Endbuchstabe von vorgesagten Wörtern benennen

JuBa: Was kann der Junge?

  • schreibt auf, was er hört (Hörwahrnehmung klappt)
  • kennt das Alphabet/ die Buchstaben
  • hat ein klares leserliches Schriftbild
  • gleichmäßiges Druckausüben auf den Stift (Motorik gelingt)

Was kann der Junge noch nicht?

  • Abstand zwischen den einzelnen Wörtern lassen
  • Groß-und Kleinschreibung
  • auf der Linie schreiben
  • Buchstaben werden spiegelverkehrt geschrieben
  • Rechtschreibung (,,ie‘‘)

Fördermaßnahmen:

Um Schreiben zu lernen, ist es von Bedeutung, immer wieder Lesen zu üben. Hierfür gibt es bestimmte Bücher, mit denen man Lesen lernen kann (große Buchstaben, kurze Kapitel). Am besten benutzt man Bücher, die das Kind auch interessant findet. Hilfreich ist es ebenfalls, dem Kind vorzulesen. Es gibt auch Lesespiele, die das Kind animieren und dafür sorgen, dass das Lesen Spaß macht. Mit Hilfe solcher Spiele kann das Kind üben, Buchstaben zu erkennen, Buchstabieren üben und den Wortschatz erweitern.

Silbenklatschen oder Übungshefte mit Silbenaufgaben sowie Reime helfen dabei, die phonologische Bewusstheit zu fördern. Es gibt Anlauttabellen, mit denen die Kinder üben können (Buchstabe/Laut + Bild).

Der Junge sollte regelmäßig Lesen und Schreiben üben, jedoch mit genügend Pausen und nicht zu lang. Nur so kann Kontinuität zum Lernerfolg führen und das Kind fühlt sich dabei nicht überfordert.

Elli: Stellen Sie fest, was der Schüler bereits kann und was noch nicht und entwickeln sinnvolle Förderangebote.

Der Satz soll lauten: „Die Fliege fliegt auf Uwes Nase.“ . Dies ist ein Element der Hamburger Rechtschreibprobe nach May. (wie „Aber“ bereits schön erläutert hat)

Die beiden Wörter, die direkt erkennbar waren, sind „Uwes“ und „Nase“. Die restlichen Wörter konnte nicht direkt entziffern. 

Der Schüler lässt zwischen den einzelnen Buchstaben genügend Platz, sodass die Buchstaben erkennbar sind. Allerdings ist zu wenig Platz zwischen den einzelnen Wörtern, sodass es schwer ist zu erkennen, wo ein Wort aufhört und wo das nächste anfängt.

Die erkennbaren Schwierigkeiten /Schwächen sind: 

  • Groß- und Kleinschreibung
  • Satztrennung
  • Kind schreibt scheinbar nach Gehör
  • Schwierigkeiten mit „i“ und „ie“
  • Der Buchstabe „D“ ist spiegelverkehrt geschrieben
  • Es fehlt das Wort „Fliege“
  • Alle Buchstaben sind gleich groß geschrieben

 Förderungsvorschlag

  • Lesen, lesen, lesen, lesen (Auch Zuhause, wenn möglich Eltern mit ins Boot holen und zusammen lesen) (Oder in der Schule eine „Lese AG“ einführen, hier können die Kinder dann selber ein Buch lesen oder üben sich gegenseitig vorzulesen etc. ) 
  • Texte abschreiben – in Übungsheften mit Hilfslinien (wie im Beispiel von Lebe) (Das Haus)
  • Übungen „i“ und „ie“ (Vielleicht als Lückentext und das Kind muss „i“ oder „ie“ einsetzen 
  • „Silbenklatschen“ 
  • „Lauftexte“ ein Text wird z.B. auf die Fensterbank gelegt und das Kind läuft dann dorthin, merkt sich einen Satz und läuft zu seinem Platz und schreibt diesen auf. Dann läuft es wieder zu dem Text und merkt sich den nächsten Satz usw.

 Keks

Stellen Sie fest, was der Schüler bereits kann und was noch nicht. Entwickeln Sie sinnvolle Förderangebote.

Zunächst sehe ich bei dem Kind, dass es schafft, Wörter so aufzuschreiben, wie es sie hört. Die lautgetreuen Wörter „Uwes“ und „Nase“ sind beide richtig geschrieben. Des Weiteren scheint es den Satzbau (Subjekt, Prädikat, Objekt) verstanden zu haben (sofern es kein Diktat gewesen ist).

Ich vermute, dass Kind wollte den Satz „Die fliegt auf Uwes Nase.“ schreiben. Wohlmöglich fehlt in dem Satz das Wort Fliege, also „Die Fliege fliegt auf Uwes Nase.“ Sofort aufgefallen ist mir das Fehlen von Satzzeichen, sowie die durchgehende Aneinanderreihung der Wörter ohne Abstand. Das Kind scheint des Weiteren noch Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung zu haben. Zunächst konnte das Kind die Regel des langen Lautes „ie“ bei den Wörtern „Die“ und „fliegt“ nicht anwenden. Hinzu kommt eine Nichtbeachtung der Groß-und Kleinschreibung. Zuletzt ist mir aufgefallen, dass zu Beginn der Buchstabe „D“ spiegelverkehrt aufgeschrieben worden ist.

Mögliche Fördermaßnahmen:

Zu den Problemen mit der Groß-und Kleinschreibung hilft zu Beginn die Wiederholung der Regeln, dass Satzanfänge und Nomen, sowie Wörter mit den Endungen -ung, -heit, -keit etc. groß geschrieben werden. Es kann helfen mehrere Sätze auf einem Arbeitsblatt zu lesen und das Kind muss den Buchstaben am Satzanfang, des Nomens und die Endung des Wortes einer -ung, -heit, -keit – Endung markieren. Zusätzlich könnte hier auch noch das Satzzeichen markiert werden.

Beispiel: Meine Freundin erhält von mir eine Einladung.

Weiter könnten Bilder Arbeitsblätter helfen, wo das Kind die Buchstaben nachzeichnen muss. Zunächst könnte es sich eher um ein Ausmalbild handeln und im weiteren Verlauf werden die Buchstaben immer kleiner und präziser. So kann dem spiegelverkehrten Schreiben entgegengewirkt werden.

Für seine Schwierigkeiten wann „ie“ oder nur „i“ geschrieben wird, könnten Reimworte gemeinsam mit den Kindern gefunden werden, die entweder mit „ie“ oder nur mit „i“ geschrieben werden. So lernen die Kinder noch einmal den Unterschied zu hören zwischen einem langen i und einem kurzen i.

Beispiel: Ziegel – Spiegel, Mitte – bitte etc.

Weiter könnten Arbeitsblätter vorbereitet werden, in denen die Kinder bei den Wörter entweder das „ie“ oder „i“ einsetzen müssen.

Beispiel: die St____fte, die Br____fe etc.

Zesel:

Was kann der Junge?

  • Das Gehörte konnte er gut verschriftlichen
  • Einfache Wörter wie „Nase“ kann er bereits verschriftlichen
  • Bei dem Namen „Uwe“ hat er Kasus (Genitiv) „s“ angehängt

Was kann er nicht?

  • Er hat Schwierigkeiten mit dem Vokal „ie“: Di, fligt
  • Keine Leerzeichen wurden zwischen den Wörtern gelassen
  • Die Groß- und Kleinschreibung wurde nicht beachtet
  • Das „D“ hat er spiegelverkehrt geschrieben

Förderung:

  • Silbenklatschen
  • Einen Finger zwischen die einzelnen Wörter legen, um genügend Platz zu lassen
  • Reime
  • „Könnerheft“ anlegen, hierbei handelt es sich um Heft, dass dem Kind zeigen soll, was es schon alles kann. Das Kind kann darin zum Beispiel eintragen, dass es jetzt gelernt hat innerhalb der Linien zu bleiben. Die Kinder sehen, was sie schon geschafft haben und bestärken sich dadurch.
  • Dem Entwicklungsstand entsprechende Lektüre lesen
  • Wenn das Kind im Schreiben viele Fortschritte geschafft hat, können erste gemeinsame Geschichten geschrieben werden oder ein Skript für ein kleines Theaterstück oder Hörspiel. Die eigene Geschichte in einer Umsetzung ist eine hohe Wertschätzung für das Kind und birgt viel Selbstwirksamkeit mit sich.

Kokos: Der Satz, den der Junge geschrieben hat, soll wohl (mit etwas Fantasie) „Die Fliege fliegt auf Uwes Nase.“ bedeuten. Sehr auffällig ist, dass zwar die Buchstaben gut erkennbar sind, aber keine Lücken zwischen den Wörtern gemacht wurden. Außerdem fehlt ein gesamtes Wort bzw. zwei Wörter, nämlich „Fliege fliegt“ wurden miteinander verschmolzen, wodurch dem Satz das Subjekt fehlt. Der Anfangsbuchstabe „D“ wurde spiegelverkehrt geschrieben, aus dem „ie“ in „fliegt“ wurde ein einfaches „i“ und die Groß- und Kleinschreibung wurde nicht beachtet.
Als Maßnahmen halte ich folgende Übungen für sinnvoll:- besprechen der Fehler bzw. der Regeln, die der Junge beim nächsten Mal mehr beachten soll- Silbenklatschen, Silbenübungen (z.B. Silben in Wörtern durch Striche trennen)- Buchstaben nachschreiben, dabei auf Höhe und Größe von Buchstaben achten- Übungen zur Groß- und Kleinschreibung: Lückentexte, Wörter Bildern zuordnen (bei Nomen, als Verdeutlichung, dass diese immer groß geschrieben werden)- Leseübungen, Vorlesen, Interesse fördern durch zunächst kurze Texte und einzelne Sätze, Lesespiele- viel schreiben lassen.

cora1108: Was kann der Junge bereits:  – die einzelnen Buchstaben (bis auf Ausnahmen) – einzelne Wörter schreiben
Was kann er noch nicht so gut: – keine Abstände zwischen den Wörtern (das deutet vielleicht darauf hin, dass er einen Satz und die darin enthaltenen Wörter noch nicht getrennt voneinander betrachten kann) – Groß-/Kleinschreibung  – manche Buchstaben wie das „D“ schreibt er noch spiegelverkehrt
Mögliche Förderung:
 – Sprechübungen / passende Lieder / Reime – Passende Lektüre zum lesen und schreiben lernen  – Silbenklatschen  – Schreibübungen (Wörter nachzeichnen etc.) 

FYVE Aufgabe: Was kann der Schüler bereits und was noch nicht, entwickeln sie ein sinnvolles Förderangebot. 

– Der Junge kennt schon recht viele Buchstaben 

– Beherrscht nicht die Groß- und Kleinschreibung 

– Probleme mit Satzzeichen und Leerzeichen  

Förderangebot: 

Wichtig ist rasch erste Anfangserfolge mit dem Kind erzielen, dies motiviert für den weiteren oft langen weg. Was helfen kann, ist das sogenannte automatisieren. Hier werden Rechtschreibfehler die oft vorkommen gezielt eingeübt. Diese werden dann regelmäßig mit dem Kind geübt. Das Wort wird diktiert und man korrigiert es gemeinsam mit dem Kind zusammen. Wichtig zu beachten, dasselbe Wort sollte bei jedem Durchgang mit einem neuen Satz vorgegeben werden, damit das Kind nicht die Schreibweise auswendig lernt. Das Wort nicht im Satz ändern z.B. Vögel statt Vogel. Das Lernwort nicht am Anfang des Satzes setzen, es soll nämlich die Groß- und Kleinschreibung aktiv mit bedenken. 

Ein weiteres Förderangebot was hilft, um Schreiben zu lernen, ist viel Lesen. Es gibt bestimmte Bücher die dafür konzipiert sind. Des Weiteren sollte das Thema des Buches an den Interessen der Kinder gekoppelt sein, damit eine gewisse Motivation entsteht.  

Lebe: Aufgrund der vorliegenden Informationen über den Jungen und seine Situation, bin ich der Meinung, dass es sich nicht um eine Lernbehinderung handelt. Auffällig ist nämlich, dass es vor allem im Bereich Deutsch Lernschwierigkeiten und mangelhafte Noten gibt, nicht aber so stark ausgeprägt in allen Bereichen. Außerdem ist die Muttersprache des Jungen türkisch und es kann sein, dass eventuell auch zuhause bei seiner Familie viel türkisch und weniger deutsch gesprochen wird. Daher würde ich eher vermuten, dass es sich nicht um eine Lernbehinderung handelt, sondern lediglich Probleme im Sprachverständnis vorliegen. Das würde auch das schlechte Ergebnis des Rechtschreibtests begründen. Aus diesem Grund würde ich den Eltern raten zunächst Rücksprache mit den Lehrern zu halten. Wird dem Jungen in der Schule genügend Unterstützung geboten (z.B. in Form von Aufgabenstellungen in leichter Sprache oder mit Begleitung von Bildern) und werden alle zusätzlichen Lernhilfen, wie ein Sprachkurs genutzt? Außerdem ist es wichtig, dass der Schüler auch in seinem sozialem Umfeld mehr deutsch spricht und hört, um die Sprache besser zu lernen. Man könnte dazu noch auf mediale Hilfsmittel zurückgreifen, wie leicht verständliche (Kinder-)Filme oder Bücher, um ein besseres Gefühl und Verständnis für die deutsche Sprache zu erhalten.

Unabhängig davon würde ich noch einmal nachharken, ob auch die richtigen und passenden Tests gemacht worden sind und eventuell diese (oder andere) Tests wiederholen. Gibt es eventuell auch Tests auf Türkisch? Es könnte sein, dass der IQ des Kindes bei 84 liegt, weil er Teile der Aufgaben erst gar nicht verstanden hat.

Mar: Ich finde es ebenfalls fraglich, den von ihnen genannten Fall als „Lernbehinderung“ einzustufen.Die Ergebnisse des IQ Tests sagen meines Erachtens in diesem Fall wenig über die allgemeine Lernfähigkeit des Kindes aus, da offensichtlich ja die sprachliche Barriere das Hauptproblem zu sein scheint. Wie meine Kommiliton_innen bereits argumentierten ist zunächst festzustellen, ob es sich bei der Ermittlung des Förderbedarfs hauptsächlich auf Defizite im sprachlichen Bereich bezieht. Hat die Schule nach §12 Abs. (2) alle Fördermöglichkeiten diesbezüglich ausgeschöpft? Ich würde den Eltern raten, sich zunächst eine Zweitmeinung einzuholen und ein gemeinsam klärendes Gespräch mit der Klassenlehrkraft zu führen. Evtl. ist ein erneuter Besuch der 4. Klasse mit Sprachförderung (DaZ) vorzuziehen und einen IQ Test in einem Jahr zu wiederholen, bzw. in der Muttersprache durchzuführen? Sicherlich besteht auch die Möglichkeit einen anderen Test zum Vergleich einzuholen?
Nach §13 Abs (4) Ist das Gutachten mit allen Unterlagen der Schulaufsichtsbehörde zur Entscheidung vorzulegen. Die Schulaufsichtsbehörde kann, soweit es für die Entscheidung notwendig ist, Gutachten weiterer Fachkräfte oder Fachdienste einholen. – Nach diesem Paragraphen, würde ich unbedingt zusätzlich weitere Meinungen zu diesem Fall einholen.

Kommentar Mand: Ja, richtig. Aber die müssen das ja auch wollen. Ich fürchte, es gibt nicht allzu viele Schulrät*innen, die das dringende Ziel verfolgen, bei Kindern mit Migrationsgeschichte eine Förderschulkarriere zu verhindern.

Purzel:

Schwierigkeiten des Schülers

  • Groß- und Kleinschreibung
  • Wörtertrennung
  • Schreiben nach Gehör
  • Ähnliche Wörter werden zusammengefasst (fliegt- Fliege)
  • Größe der einzelnen Buchstaben
  • Es wirkt nichts so, dass er eine Lernbehinderung hat, sondern noch eine intensive Förderung braucht.

Förderungsmöglichkeiten:

Die einfachste Form des Schreiben Lernens ist das Lesen. Somit empfehle ich, dass das Kind anfängt einfache Bücher zu lesen, in denen die Große- und Kleinschreibung unter anderem deutlich wird. Diese Bücher kann man für weitere Übungen nutzen, z.B. das Suchen von Nomen, Verben, Adjektive, Texte abschreiben auf Linienpapier in der Struktur: Dach, Erdgeschoss, Keller.

Des Weiteren gibt es verschiedene Übungsblätter um das Schreiben von Wörter zu lernen, z.B. Buchstabensalat: Buchstaben der Wörter in die richtige Reihenfolge bringen, Groß- und Kleinschreibung: Text mit nur großen Buchstaben umschreiben, Silbentrennung: Silben klatschen u. erkennen. 

8. Lerneinheit: Die Auswirkungen von Bilingualität auf die Lese-/Schreibentwicklung

Wer im Ruhrgebiet lebt und arbeitet, für den ist es kaum mehr zu vermitteln, dass es noch diagnostische Instrumente oder Förderkonzepte gibt, die nicht auf die besonderen Bedürfnisse von bilingualen Kindern eingestellt sind. Denn Bilingualität ist längst nicht mehr seltener Ausnahmefall. Sondern Bilingualität ist selbstverständlich in fast jeder Lerngruppe. Es macht also Sinn, sich die Auswirkungen von Bilingualität anzuschauen.

Die Auswirkungen von Bilingualität in der Lese-/Schreibentwicklung

9. Lerneinheit: Wie man aus Kinder mit Problemen behinderte Kinder macht.

Es gibt viele Problemkinder: Kinder, die sich schwer tun mit dem Lesen und Schreiben. Kinder die aggressiv sind. Kinder die laut sind. Kinder die sich nicht konzentrieren können. Wenn man diese Kinder fragt, ob sie behindert sind – verstehen sie das als Beleidigung, nicht als ihre Eigenschaft. Auch ihre Eltern werden in den allermeisten Fällen widersprechen. Mein Kind sitzt doch nicht im Rollstuhl. Und doch sind es diese Kinder, die die Mehrheit der Förderschüler stellen. Behindert sind sie, weil sie in einem Verfahren zur Feststellung sonderpädagogischen Förderbedarf als behindert diagnostiziert wurden: als lernbehindert oder als verhaltensgestört z. B. Hört sich nicht so schön an. Deshalb sprechen die Pädagogen*innen lieber von sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich Lernen oder vom sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich emotionale und soziale Entwicklung. Was die Beteiligten ebenfalls gerne verschweigen, ist der Umstand, dass bestimmte Bevölkerungsgruppen überrepräsentiert sind. Förderschulen sind bekanntlich Schule für Arme und Schulen für Migranten. Und: Förderschulen sind auch ziemlich deutlich Schulen für Jungen.

Diese Besonderheiten sind Ergebnisse einer in der Regel wenig fairen diagnostischen Arbeit. Zum Einsatz kommen diagnostische Instrumente, von denen die meisten Förderschullehrer*innen wissen wie unfair sie sind. Macht nichts. Denn eines tun diese Test verlässlich: Sie liefern Förderschullehrer*innen und auch Grundschullehrer*innen jede Menge behinderte Kinder.

Zur Diagnose sonderpädagogischen Förderbedarfs

Freu: Ich persönlich würde nicht darauf schließen, dass bei dem Jungen eine Lernbehinderung vorliegt. Laut der Erzählung liegen bei dem Jungen ausschließlich Defizite im Bereich Deutsch vor. Dies würde ich nahezu ausschließlich auf seine türkische Erstsprache zurückführen.

Ein Förderschwerpunkt im Bereich Lernen besteht, wenn die Lern- und Leistungsausfälle schwerwiegender, umfänglicher und langandauernder Art sind. Bei dem Jungen mögen die Lern- und Leistungsausfälle im Bereich Deutsch vielleicht schwerwiegend und langandauernd sein, aber sie betreffen laut den Erzählungen nicht auch noch andere Lernbereiche, wie z.B. Mathematik, und sind demnach nicht umfänglich. Er hat noch keine Klasse wiederholen müssen, sodass ich davon ausgehe, dass seine anderen Leistungen nicht als schwerwiegend und langandauernd einzustufen sind.

Da der Junge im familiären Kontext und auch in seiner Freizeit vermutlich überwiegend Türkisch sprechen wird, ist es nicht unbedingt überraschend, dass er vor allem mit der deutschen Grammatik im schulischen Bereich erhebliche Schwierigkeiten hat. Dass sein Testergebnis im Rechtschreibtest also schlechter ausfällt als bei 90% der Vergleichsgruppe ist ebenfalls wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass in der Vergleichsgruppe nicht ausschließlich von Kindern ausgegangen wird, deren Erstsprache nicht Deutsch ist. Auch der Kaufman-Intelligenztest ist vermutlich ein solcher Test, der v.a. bei ärmeren Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund schlechtere Ergebnisse liefert.

Ich würde den Eltern raten, zunächst im familiären Bereich überwiegend Deutsch mit ihrem Jungen zu sprechen, sofern sie selbst der deutschen Sprache mächtig sind. Ebenfalls würde ich ihnen empfehlen, dass der Junge im schulischen sowieso außerschulischen Bereich mehr Förderung im Bereich Deutsch erhält, indem er z.B. an speziellen Angeboten teilnimmt, die Deutsch als Zweitsprache fördern. Falls es möglich und überhaupt nötig ist, würde ich den Jungen erneut testen lassen. Dabei sollte jedoch ein faires Testverfahren ausgewählt werden, welches u.a. auch zu seiner persönlichen und sozialen Herkunft passt und diese berücksichtigt.

LeBe

Aufgrund der vorliegenden Informationen über den Jungen und seine Situation, bin ich der Meinung, dass es sich nicht um eine Lernbehinderung handelt. Auffällig ist nämlich, dass es im Bereich Deutsch Lernschwierigkeiten und mangelhafte Noten gibt, nicht aber in allen Bereichen. Außerdem ist die Muttersprache des Jungen türkisch und es kann davon ausgegangen werden, dass eventuell auch zuhause bei seiner Familie viel türkisch und weniger deutsch gesprochen wird. Daher würde ich eher vermuten, dass es sich nicht um eine Lernbehinderung handelt, sondern lediglich Probleme im Sprachverständnis vorliegen. Das würde auch das schlechte Ergebnis des Rechtschreibtests begründen. Aus diesem Grund würde ich den Eltern raten zunächst Rücksprache mit den Lehrern zu halten. Wird dem Jungen in der Schule genügend Unterstützung geboten (z.B. in Form von Aufgabenstellungen in leichter Sprache oder mit Begleitung von Bildern) und werden alle zusätzlichen Lernhilfen, wie ein Sprachkurs genutzt? Außerdem ist es wichtig, dass der Schüler auch in seinem sozialen Umfeld mehr deutsch spricht und hört, um die Sprache besser zu lernen. Man könnte dazu noch auf mediale Hilfsmittel zurückgreifen, wie leicht verständliche (Kinder-)Filme oder Bücher, um ein besseres Gefühl und Verständnis für die deutsche Sprache zu erhalten.

Unabhängig davon würde ich noch einmal nachharken, ob auch die richtigen und passenden Tests gemacht worden sind und eventuell die (oder andere) Tests wiederholen. Gibt es eventuell auch Tests auf Türkisch? Es könnte sein, dass der IQ des Kindes bei 84 liegt, weil er Teile der Aufgaben erst gar nicht verstanden hat.

ansa: Ich würde den Eltern den Rat geben erst einmal abzuwarten und eventuell einen noch einmal einen anderen Test machen zu lassen. Als türkischer Muttersprachler ist es nicht ungewöhnlich, dass er in einem Rechtschreibtest im Vergleich zu gleichaltrigen deutschen Muttersprachlern schlechter abschneidet. Ebenso haben wir ja im Podcast gehört, dass der Kaufmann Test nicht besonders „fair“ ist, wenn er bei Kindern auf Migrantenfamilien angewendet wird. Darüber hinaus kratzt der Junge mit 84 auch wirklich so gerade eben erst an einer Intelligenzminderung. Die Chance, dass ein anderer Test bei einem IQ-Punkt mehr auskommt ist dementsprechend nicht unwahrscheinlich. Bezüglich der Schulleistungen würde ich noch den Rat ergänzen, den Jungen im Fach deutsch mehr zu unterstützen. Vielleicht indem zuhause mehr deutsch gesprochen wird (vorausgesetzt, dass sie zuhause bislang mehr türkisch gesprochen haben) oder indem sie den Jungen in einer Deutsch-AG oder einem Deutsch Förderunterricht anmelden. Falls sich dann auf Dauer keine Besserung einstellt, kann man das ganze Diagnoseverfahren wiederholen. 

Aber: Zunächst bleibt festzuhalten, dass der Junge eine IQ-Testung nach Kaufman absolviert hat. Das Ergebnis lag bei 84. 

Das Verfahren ist in fünf Kennwerte unterteilt. Die Ergebnisse der einzelnen Kategorien ergeben ein Gesamtergebnis, welches durch das Gutachten des Verhaltens während des Tests ergänzt werden soll, um ein komplexes Ergebnis darzustellen. Anhand des Wertes und des des Verhaltens während des Tests können Stärken und Schwächen des Kindes dargelegt werden. 

Die HSP ist in dem Fallbeispiel ebenfalls schlecht im Ergebnis. Zu beachten sind hier unterschiedliche Faktoren, die ein Ergebnis beeinflussen können. Der Zeitpunkt der unterschiedlichen Rechtschreibproben kann aufgrund von Unterrichtsausfall (durch Lehrkraft, Schüler, Umstände) entscheidend die Ergebnisse beeinflussen. Ebenso liegen in der HSP Auswertung verschiedene Gesamtzahlen vor, die das Ergebnis nicht gravierend, jedoch minimal beeinflussen können. In Ballungsgebieten herrscht eine mildere Gesamtgüte, anstatt in ländlichen Gebieten. Ein entscheidender Punkt ist hier die Muttersprache des Schülers. 

Der Notenschnitt des Schülers ist als „mangelhaft“ beschrieben. Davon ausgehend, dass der Schüler bereits zwei Zeugnisse mit Noten erhalten hat, stellt sich die Frage, wie die Lernentwicklung zu bewerten ist und welche Fördermaßnahmen bereits stattgefunden haben. Eine Dokumentation über die Lernentwicklung wäre hier ein ergänzendes Dokument zur Gesamtbeurteilung. 

Im familiären Bereich ist die Mehrsprachigkeit innerhalb der Familie zu beachten. Welche außerschulischen Angebote wurden ggf. bisher in Anspruch genommen? Seit wann lebt die Familie in Deutschland? Wie ist die familiäre Situation allgemein? Gibt es Sprachbarrieren im bisherigen Austausch mit den Lehrkräften? Gab es bereits Gespräch über die Lernentwicklung und damit Annahmen von Defiziten?

Zunächst würde ich das Gespräch zu den Eltern suchen, um die familiären Punkte zu klären. Inwiefern versteht die Familie die Motivation seitens der Schule für dieses Gutachten? Was wurde im Vorfeld besprochen und angeraten? Falls Gespräche stattfanden, was wurde außerschulisch davon seitens der Eltern umgesetzt? Wie beurteilen die Eltern die schulische Situation? Wo benötigen Sie Hilfe? Wie kann diese Hilfe aussehen? Was ist ihr Ziel bei diesem Gespräch? 

Im Anschluss daran suche ich das Gespräch zu den Lehrkräften. Was sind die Beweggründe für eine Testung und die Vermutung für einen sonderpädagogischen Förderbedarf? Welche Maßnahmen wurden bisher ergriffen? Wie wird die Lernentwicklung bewertet? Welche Ergebnisse lieferten zuvor stattgefundene Lernzielkontrollen, HSP u.a.? Wie sind andere schulische Leistungen der sonstigen Mitarbeit zu bewerten? Wie lautet der Förderplan gemäß AO-GS §3 §4 im Bereich individuelle Förderung? Wie ist die Zusammenarbeit mit den Eltern? Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Jungen? 

Als nächsten Schritt würde ich das Gespräch mit dem Schüler suchen. Was ist sein Eindruck von seinen schulischen Leistungen? Was denkt er über die Tests? Wie fühlt er sich sozial in der Klasse? Was fällt ihm schwer? Wo benötigt er Hilfe und was möchte er ändern? Was hilft ihm im Schulalltag bisher? 

Nach diesen Gesprächen begleite ich die Eltern zum Einsehen des Gutachtens. 

Auf Grundlage der mir vorliegenden Informationen, empfehle ich den Eltern, dass sie das Gespräch mit den Lehrkräften suchen. Bei diesem Gespräch möchte ich sie, hinsichtlich der Dokumentation der Lernentwicklung des Kindes und möglicher Förderpläne gemäß AO-GS § 3 und § 4, unterstützen. Besteht seitens der Schule personell die Möglichkeit für Fördermaßnahmen im Bereich Lernen, Sprache und Zweitsprache (DaZ), so könnte das als nächstes Ziel ein Förderplan zur individuellen Förderung sein. 

Außerschulische Angebote im Bereich Lernen sind anzuraten, um ganzheitlich den Lernerfolg herzustellen. Zudem kann die deutsche Sprache durch außerschulische Angebote ergänzend gefestigt werden.

In diesem Zusammenhang sollte, mithilfe der Lehrkräfte, über Ressourcen und Defizite des Jungen gesprochen werden. Durch Testungen, Gespräche und Fördermaßnahmen entsteht eine Stigmatisierung, welches nicht nur den Lernmisserfolg des Jungen hervorhebt, sondern zusätzlich das Selbstbild des Jungen beeinträchtigt. Ressourcenorientierte Maßnahmen sind anzuraten, um den Jungen mit der Stärkung eines positiven Selbstbilds, bei dem weiteren Weg zu unterstützen. 

Gemeinsam mit Lehrkräften und Eltern möchte ich einen Plan erarbeiten, in dem festgelegt wird, bis wann welche Maßnahmen erfolgen und bis wann wir uns erneut treffen, um das Erreichen oder Nichterreichen möglicher Ziele zu evaluieren. 

Gemeinsam mit dem Schüler möchte ich diesen Plan vereinfacht erarbeiten, damit er sich partizipativ an der Lernentwicklung beteiligen kann. Weniger relevant ist hier, welche Fördermaßnahmen konkret zu wann umgesetzt werden, sondern was er hier beitragen kann, um kleine Ziele, wie z.B. eine Verbesserung in einem Fach zu erreichen. 

Eine weitere, gravierende Option wäre hier, die Rückstufung in die Jahrgangsstufe 3. Ob dies anzuraten ist, orientiert sich an den zuvor besprochenen Maßnahmen und der Evaluation nach Umsetzung. 

Zusammenfassend möchte ich den Eltern raten, dass aufgrund der Komplexität von Intelligenz und Gütekriterien / -differenzen diverser Testverfahren, eine Wiederholung der Tests anzuraten ist, ehe dem sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Lernen zugestimmt wird. 

Zunächst gilt es, durch individuelle Förderung, Schwächen zu erkennen und daran zu arbeiten und ebenso Stärken zu fördern. 

Das kann durch schulische Maßnahmen laut AO-GS und außerschulische Angebote stattfinden. Sollten diese Maßnahmen keinen Lernerfolg zeigen, besteht die Möglichkeit einer Rückstufung in die Klasse 3. Als letzten Weg würde ich eine erneute Testung nach Durchführung eines Förderplans raten. 

Die Befürchtungen meinerseits sind, eine zu voreilige Diagnostik im sonderpädagogischen Förderbedarf, sodass der Junge nach der 4.Klasse eine Förderschule besuchen wird. Wenn dies, nach einer erneuten Testung und nach nicht erbrachten Erfolgen in der Lernentwicklung deutlich darauf hinweist, halte ich die Förderschule für einen guten und richtigen Weg. Sollten jedoch „nicht eindeutige“ und vorschnelle Diagnostiken diesen Weg ebnen, kann das weitreichende Folgen für die Entwicklung des Schülers haben. Demnach ist diese Entscheidung nicht schnell zu treffen und muss allen möglichen individuellen Wegen der Förderung folgen und nicht diesen vorangehen. 

In der Gesamtbewertung sehe ich persönlich eher ein sprachliches Defizit, welches durch individuelle Förderung bearbeitet werden kann. 

Sonnenblume: Ich würde mit dem vorliegenden Ergebnis, dass ausschließlich einen Bedarf in Deutsch aufweist nicht mit einer Lernbehinderung gleichsetzen. Eher sollte überprüft werden, da Türkisch die Muttersprache ist, ob zuhause ausschließlich auf Türkisch kommuniziert wird, was gleichzeitig die Entwicklung der deutschen Sprache beeinflusst.Mögliche Vorgehensweisen zur Überprüfung einer Lernbehinderung
*IQ Test bei einem Facharzt oder unabhängigen Stelle wiederholen und die Möglichkeit prüfen, diesen ggf. in der Muttersprache Türkisch durchzuführen.
*Eine gemeinsame Fallbesprechung mit der Lehrkraft und der sonderpädagogischen Kraft. Überprüfung der sonderpädagogischen Unterstützungsmöglichkeiten in der Regelschule und ob alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden oder es noch Maßnahmen gibt, die bislang nicht angewendet wurden.
* Überlegung und Einbeziehung der Eltern bzgl der Förderung der deutschen Sprache, sowohl im schulischen als auch außerschulischen Setting.
* Möglichkeit in Erwägung zeihen die Klasse zu wiederholen, begleitend mit entsprechender Sprachförderung.

 

JuBa:

Frage: Bin ich der Meinung, dass der Junge lernbehindert ist? Was empfehle ich den Eltern?

Nach den genannten Angaben aus dem Gutachten, würde ich nicht davon ausgehen, dass der Junge lernbehindert ist. Das im ausgewählten Testverfahren (Kaufman-Intelligenztest) festgestellte Ergebnis eines IQ von 84 liegt gerade so an der Grenze zur Lernbehinderung. Zudem hat der Junge noch keine Klasse wiederholen müssen, es stellt sich also die Frage, ob wirklich Leistungsausfälle schwerwiegender, umfänglicher und langandauernder Art vorliegen und zwar in mehreren Schulfächern. Es ist nur die Rede von dem Fach Deutsch, also wird nur ein Leistungsbereich mangelhaft sein. Zu bedenken ist dabei, dass der Junge bilingual aufwächst und seine erste Sprache Türkisch ist. Hat der Junge also gegebenenfalls nur Probleme in einem Bereich, lässt sich dadurch nicht auf eine Lernbehinderung schließen, wodurch kein sonderpädagogischer Förderbedarf notwendig ist, da z.B auch Probleme in Mathe vorliegen müssten. Die Frage wäre, ob auch ein Rechentest stattfand und ob die ausgewählten durchgeführten Testverfahren geeignet waren. Für eine adäquate Aussage fehlen noch Angaben zu Lernentwicklung, Leistungsstand, Arbeits- und Sozialverhalten des Jungen.

Den Eltern würde ich zunächst empfehlen, von einem Einvernehmen abzusehen und ein Gespräch mit den Lehrern zu suchen, um zu schauen, ob andere Testverfahren angewendet werden können. Die Frage ist, wie viel und wie oft der Junge zuhause mit seinen Eltern Deutsch spricht und in welchem Umfang die Familie dort Unterstützungsbedarf hat. Mit der Schule ist zu klären, welche geeigneten schulischen Fördermaßnahmen für den Jungen möglich sind. Lese- und Rechtschreibtraining müssen geübt werden und können auch durch Unterstützung außerhalb der Schule, z.B in Lerngruppen, stattfinden.

Kathi94: Zur ersten Feststellung ist zunächst zu sagen, dass der 10 Jährige Junge Türkisch als Erstsprache hat und im Bereich Deutsch eine schlechte Leistung zeigt, wenn auch schon länger. Der Förderschwerpunkt Lernen besteht laut §4 Abs 2. erst bei „Leistungsausfällen schwerwiegender, umfänglicher und langandauernder Art“. Es ist nicht verwunderlich, dass der Junge Schwierigkeiten im Bereich Deutsch aufweist, da er Türkisch als Erstsprache hat. Hier gilt es sicherlich ersten einmal zu überprüfen, welche Sprache im häuslichen Umfeld gesprochen wird. Aus dem Problembereich Deutsch direkt einen generellen Förderschwerpunkt zu machen, erscheint hier doch sehr übereilt. Sinnvoller ist hier eine Feststellung möglicher Förderansätze und Ressourcen, den Jungen unter Einbindung der Eltern zu unterstützen seinen Probleme im Bereich Deutsch entgegenzuwirken. Beispiel: „Ist es möglich im häuslichen Umfeld mehr Deutsch zu reden, um dem Jungen beim Lernen der Sprache zu unterstützen?“ Wie bereits im Podcast besprochen, wäre der Kaufmanns Intelligenztest kein fairer Intelligenztest, besonders nicht für Kinder mit Migrationshintergrund. In diesem Fallbeispiele wäre es wohl zunächst ratsam, Gespräche mit Eltern und Lehrer zu suchen, um einen Weg zu finden den Jungen nicht nach der Grundschule direkt auf eine Förderschule zu schicken. Da keine weiteren Defizite benannt sind, wie z.B. im Bereich Mathe, und auch bisher keine Klasse wiederholt werden musste, erscheint diese Diagnose doch eher hart und unfair. 

Elli: Liegt bei dem 10-jährigen Jungen eine Lernbehinderung vor und was würde ich den Eltern empfehlen? 

Meiner Meinung nach, liegt bei dem Jungen nicht unbedingt eine Lernbehinderung vor. Der IQ-Test wurde mit dem Test nach Kaufman durchgeführt, hier kann es bis zu 14 Punkten unterschiede zu anderen Tests geben. Angenommen der Junge macht einen neuen Test und bekommt 14 Punkte mehr, dann wäre er über der Grenze der Lernbehinderung bei einem Wert von 98 IQ-Punkten. Des Weiteren weißt er nur Defizite im Bereich deutsch vor. Dies würde ich daraus schließen, dass er in einer türkischen Familie lebt und seine Muttersprache türkisch ist. Ich vermute mal, dass der Junge außerhalb der Schule nur türkisch spricht und ihm somit „einfach“ die Praxis fehlt, deutsch zu sprechen. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn das Ergebnis, des Rechtschreibtests, schlechter ausfällt, als bei 90% der Vergleichsgruppe.
 Damit ein Förderschwerpunkt im Bereich Lernen besteht, müssen die Lern- und Leistungsausfälle langandauernder und umfänglicher Art sein. Laut den Infos, die wir haben, hat er nur das Defizit in Deutsch, damit wäre der Punkt „umfänglicher Art“ nicht gegeben. Da er auch noch keine Klasse wiederholen musste, schließe ich daraus, dass der Junge in den anderen Bereichen gut mitkommt und die Aufgaben erledigen kann und auch versteht. 

Den Eltern würde ich raten, den IQ-Test noch einmal zu wiederholen zu lassen, diesmal aber einen anderen Test zu verwenden. Ich würde ihnen zudem ans Herz legen, dass sie mit ihrem Sohn so gut wie möglich auch Zuhause Deutsch üben, z.B. Bücher (vor-) Lesen. Die Eltern sollten selbst deutsch üben, sofern sie der Sprache noch nicht so mächtig sind und evtl. einen Kurs belegen und so später auch ihren Sohn besser unterstützen zu können.
Der Junge sollte auch außerhalb der Schule so oft wie es geht deutsch sprechen, z.B. in dem er sich mit Schulfreunden, die deutsch sprechen, verabredet und mit ihnen Zeit verbringt. Oder die Eltern melden ihn z.B. in einem Sportverein an, wo er „nebenbei“ noch deutsch lernen kann.

 Ich würde vielleicht noch das Gespräch mit Lehrern und Eltern suchen und Möglichkeiten besprechen, wie die Schule den Jungen noch unterstützen kann.

Elli: Liegt bei dem 10-jährigen Jungen eine Lernbehinderung vor und was würde ich den Eltern empfehlen? 

Meiner Meinung nach, liegt bei dem Jungen nicht unbedingt eine Lernbehinderung vor. Der IQ-Test wurde mit dem Test nach Kaufman durchgeführt, hier kann es bis zu 14 Punkten unterschiede zu anderen Tests geben. Angenommen der Junge macht einen neuen Test und bekommt 14 Punkte mehr, dann wäre er über der Grenze der Lernbehinderung bei einem Wert von 98 IQ-Punkten. Des Weiteren weißt er nur Defizite im Bereich deutsch vor. Dies würde ich daraus schließen, dass er in einer türkischen Familie lebt und seine Muttersprache türkisch ist. Ich vermute mal, dass der Junge außerhalb der Schule nur türkisch spricht und ihm somit „einfach“ die Praxis fehlt, deutsch zu sprechen. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn das Ergebnis, des Rechtschreibtests, schlechter ausfällt, als bei 90% der Vergleichsgruppe.
 Damit ein Förderschwerpunkt im Bereich Lernen besteht, müssen die Lern- und Leistungsausfälle langandauernder und umfänglicher Art sein. Laut den Infos, die wir haben, hat er nur das Defizit in Deutsch, damit wäre der Punkt „umfänglicher Art“ nicht gegeben. Da er auch noch keine Klasse wiederholen musste, schließe ich daraus, dass der Junge in den anderen Bereichen gut mitkommt und die Aufgaben erledigen kann und auch versteht. 

Den Eltern würde ich raten, den IQ-Test noch einmal zu wiederholen zu lassen, diesmal aber einen anderen Test zu verwenden. Ich würde ihnen zudem ans Herz legen, dass sie mit ihrem Sohn so gut wie möglich auch Zuhause Deutsch üben, z.B. Bücher (vor-) Lesen. Die Eltern sollten selbst deutsch üben, sofern sie der Sprache noch nicht so mächtig sind und evtl. einen Kurs belegen und so später auch ihren Sohn besser unterstützen zu können.
Der Junge sollte auch außerhalb der Schule so oft wie es geht deutsch sprechen, z.B. in dem er sich mit Schulfreunden, die deutsch sprechen, verabredet und mit ihnen Zeit verbringt. Oder die Eltern melden ihn z.B. in einem Sportverein an, wo er „nebenbei“ noch deutsch lernen kann.

 Ich würde vielleicht noch das Gespräch mit Lehrern und Eltern suchen und Möglichkeiten besprechen, wie die Schule den Jungen noch unterstützen kann.

FYVE: Diagnose sonderpädagogischen Förderbedarf

Die Defizite im Bereich Deutsch lassen sich erklären, dass seine Erstsprache Türkisch ist. Seine Eltern werden Zuhause nur Türkisch reden, so bekommt er die Deutschkenntnisse nur in der Schule vermittelt. Des Weiteren können seinen Eltern ihn vermutlich im Fachbereich Deutsch schulisch nicht unterstützen. Andere Lernauffälligkeiten wie z.B. in dem Fach Mathematik sind nicht sichtbar. Er musste noch keine Klasse wiederholen daraus schließe ich, dass seine anderen schulischen Fähigkeiten ausreichend oder zufriedenstellend sind. Der Test in der Rechtschreibung wurde nicht auf Kinder bezogen die Deutsch als Zweitsprache nutzten, somit wird das Ergebnis verfälscht. Der Kaufman-Intelligenztest bezieht sich nicht auf die Lebenssituation der Klienten. 

Somit kann ein Kind was an dem Test teilnimmt und der deutschen Sprache nicht zu hundert Prozent mächtig ist nicht berücksichtigt werden. Es kann passieren, dass gewisse Fragen gar nicht verstanden werden, die der Klient aber durchaus beantworten könnte.

Ich würde daher den Eltern raten, den sonderpädagogischen Förderbedarf nicht anzunehmen. Das Testverfahren ist zu unpräzise und schließt gewichtige Faktoren aus. Ich gehe stark davon aus, dass der Junge ein sprachliches Defizit hat, welches durch individuelle Sprachförderung bearbeitet werden kann. Wenn die Eltern des Jungen die deutsche Sprache nicht sprechen können oder sich schlecht ausdrücken, sollten sie weiterhin mit ihrem Sohn Türkisch sprechen. Sonst lernt er wohl möglich nur falsche Ausdrucksformen. 

Keek: Laut der vorhandenen Informationen kommt der Junge beim Kaufmann Intelligenztest für Kinder auf einen IQ von 84. Seine Leistungen in der Schule sind im Fach Deutsch schon länger mangelhaft und bei der Hamburger Schreibprobe schneidet er schlechter ab als 90% der Vergleichsgruppe.

Anhand dieser Informationen würde ich erst einmal zu dem Schluss kommen, dass keine Lernbehinderung vorliegt. Die mangelnden Deutschkenntnisse sind wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass seine Erstsprache türkisch ist und dass daher voraussichtlich auch im familiären Umfeld vor allem oder ausschließlich türkisch gesprochen wird. Ich vermute, dass es sich bei der Vergleichsgruppe der Hamburger Schreibprobe vor allem um Kinder handelt, bei denen deutsch die Erstsprache ist und daher das Ergebnis ziemlich verzerrt ist. Es werden weiterhin keine Hinweise darüber gegeben, dass der Junge auch in anderen Fächern Probleme hat.

Die Lern- und Leistungsausfälle müssen langandauernder und umfänglicher Art sein, um eine Lernbehinderung zu rechtfertigen, da sie zwar langandauernd aber nicht umfänglich sind, gehe ich davon aus, dass keine Lernbehinderung besteht. Der vorgenommene IQ Test ist nicht zwangsläufig aussagekräftig, da er durch viele Faktoren beeinflusst werden kann, gerade wenn er bei Kindern Migrantenfamilien angewendet wird.

Ich würde einerseits empfehlen den IQ Test noch einmal von unabhängiger Stelle wiederholen zu lassen und ggf. einen anderen Test zu verwenden. Bezüglich der sprachlichen Schwierigkeiten würde ich zunächst ein Gespräch mit den Eltern suchen um darauf hin zu wirken in der Familie vermehrt deutsch zu sprechen und ihren Sohn auch sonstig bei lernen der Sprache zu unterstützen. Gleichzeitig wäre es evtl. sinnvoll sich nach anderen Fördermöglichkeiten diesbezüglich umzusehen. Es wäre außerdem sinnvoll, ein Gespräch mit den Lehrern anzustreben um auch hier geeignete Fördermaßnahmen ergreifen zu können.

Keks: Ich sehe bei dem Jungen keine Lernbehinderung. Er scheint lediglich größere Probleme in dem Fach Deutsch zu haben. Das mag an seiner türkischen Erstsprache liegen und, dass er außerhalb der Schule wenig Kontakt mit der deutschen Sprache hat. Das schlechte Sprachverständnis spiegelt sich auch im Ergebnis der Rechtschreibtests wieder. Des Weiteren scheinen die Lernschwierigkeiten nicht umfänglicher zu sein, wie es eben bei einer Lernbehinderung der Fall ist, da er bislang keine Klasse wiederholen musste und auch sonst in den anderen Fächern keine mangelhaften Leistungen erbringt.

Da der Kaufmann-Test als „nicht fair“ beschrieben worden ist, wäre es vermutlich ratsam, noch einmal einen anderen Test machen zu lassen, um abzuklären, ob nicht doch eine Lernbehinderung vorliegt. Ich würde die Eltern jedoch erst einmal zu einem Gespräch bitten, um zu erfahren, ob nicht im Vorfeld schon etwas unternommen worden ist oder ob sie selber etwas von seiner „Problematik“ überhaupt mitbekommen haben. Falls bisher nichts unternommen worden ist und die Eltern sich darauf einlassen, könnten sie die deutsche Sprache mit deutsch-türkischen Bildwörterbüchern in ihren Alltag integrieren. Oder, wenn möglich, leichte Kinderbücher gemeinsam lesen, um ein Gefühl für den Wortschatz und die Grammatik zu bekommen. Vielleicht hat der Schüler auch selber Ideen oder Wünsche, wie er mit der Situation umgehen möchte. 

Nach Einger Zeit kann ein fairer Test noch einmal wiederholt werden, um den Lernerfolg zu überprüfen.

cora1108: Anhand der vorliegenden Informationen würde ich nicht davon ausgehen, dass bei dem Jungen eine Lernbehinderung vorliegt. Die mangelhaften Noten in Deutsch werden sich wahrscheinlich darauf zurückführen lassen, dass er mit Türkisch als Erstsprache aufgewachsen ist.Dies sollte jedoch erst genauer geprüft werden, bevor davon ausgegangen wird. Ein Förderschwerpunkt im Bereich Lernen scheint bei dem Jungen nicht vorzuliegen, da er zwar in Deutsch, jedoch in keinem anderen Fach schwerwiegende Leistungsausfälle hat.Er musste bisher keine Klasse wiederholen, was darauf hindeutet, dass seine Schwierigkeiten sich auf das Fach Deutsch beschränken.
Ich würde den Eltern raten:- Im Alltag mehr Deutsch mit dem Jungen zu sprechen – Eventuell einen Test auf Türkisch machen lassen – Fördermöglichkeiten der deutschen Sprache (schulisch und außerschulisch)- Weiterhin eine vertrauensvoll Fachkraft hinzuziehen.

Kokos: Dem Gutachten nach ist die Einordnung in die Lernbehinderung mit 84 Punkten sehr knapp ausgefallen. Vor allem, da die Defizite des Jungen sich auf den Bereich „Sprache“ begrenzen lassen, sehe ich jedoch keine Lernbehinderung vorliegen. Seine Schwierigkeiten im sprachlichen Bereich sind viel eher mit seiner Erstsprache (die türkisch und nicht deutsch ist) zu begründen. So können wir davon ausgehen, dass der Junge außerhalb der Schule eher wenig deutsch spricht und sich eher auf türkisch verständigt. So wären die schlechten Ergebnisse im Test und in der Rechtschreibung zu erklären. Ein weiterer Indikator ist, dass es ansonsten keinerlei „schwerwiegenden und langdauernden“ Defizite gibt. Der Junge musste noch keine Klasse wiederholen, seine Noten in den anderen Fächern sind also durchaus gut und reichen für die Versetzung. Es existieren also keine „umfänglichen“ Lern- und Leistungsausfälle.
Ich würde den Eltern daher empfehlen, den Jungen nochmal einen anderen Test machen zu lassen, da verschiedene Tests auch verschiedene Ergebnisse bringen und sein erstes Ergebnis viel mehr ein Sprachdefizit als eine Lernbehinderung aufzeigt. Möglich wäre, dass der Kaufman-Test, der gemacht wurde, einer der Tests ist, die ihn als Jungen mit Migrationshintergrund benachteiligen. Weiterhin würde ich den Eltern raten, die deutsche Sprache im Alltag zu integrieren, so dass auch die Sprachschwierigkeiten abgebaut werden. Ich halte es dabei für wichtig, die Schule mit einzubeziehen und in einem Gespräch mit dem Kind, den Eltern und den Verantwortlichen der Schule zu schauen, welche Wünsche die jeweiligen Seiten haben, aber auch welche Maßnahmen ergriffen werden können, um den Jungen zu unterstützen. Wenn nach einer vorher bestimmten Probezeit keine Besserung zu sehen ist, sollte ein neuer Test in Betracht gezogen werden.

Juna: Liegt bei dem 10-jährigen Jungen eine Lernbehinderung vor und was empfehle ich den Eltern?

Der Junge hat wahrscheinlich keine Lernbehinderung. Er hat lediglich Defizite im Bereich des Faches Deutsch, alle anderen Lernbereiche sind nicht als schwierig ausgewiesen. Ich finde ein Intelligenztest ist auch eine Momentaufnahme. Abgesehen davon dass es vielerlei verschiedene Intelligenztests gibt und jeder bei unterschiedlichen Tests auch unterschiedliche Ergebnisse erzielen würde, muss man sich bei Kindern auch fragen: konnte das Kind den Test gänzlich durchführen oder hat es nach einiger Zeit „dicht“ gemacht, hat es alle Aufgaben vestanden? Besonders mit dem Hintergrund der Bilingualität müsste das beachtet werden. Das Kind hat ganz andere Vorausseztung als ein Kind ohne Migrationshintergrund, das nur mit der deutschen Sprache aufwächst. Dafür wird der 10-jährige Junge durch die Bilingualität auch viele Vorteile haben, die bei diesem Intelligenztest und auch im Fach Deutsch keine Relevanz finden. Den Eltern würde ich anbieten, die deutsche Sprache für sich selbst mehr auszubauen, um für sich eine gute Alltagsbewältigung in Deutschland zu haben, dabei trotzdem ihre Herkunftssprache nicht zu vernachlässigen. Das ohne die Eltern überfordern zu wollen. Im Hinblick auf den Jungen würde ich Angebote im Freizeitbereich suchen auf die er Lust hat und dort in der deutschen Sprache gesprochen wird. Außerdem würde ich zur langfristigen Nachhilfe im Bereich Deutsch raten, damit der Junge die erforderliche Förderung bekommt, die er zu Hause aufgrund seiner Herkunft nicht hat. Nach etwa 6 Monaten müsste ein Gespräch mit der Lehrkraft geführt werden, um zu erfahren welche Veränderungen sich ergeben haben. Sollte eine Verbesserung im Fach Deutsch vorliegen, würde ich keine weitere Diagnostik durchführen und die Maßnahmen weiterhin empfehlen. Sollte es keine positive Änderung geben, sollte man die Diagnostik mit einem anderen Intelligenztest durchführen.

Purzel: Meiner Meinung liegt keine Lernbehinderung vor, da der Fokus auf die deutsche Sprache gelegt wurde. Da es sich um eine Familie mit türkischem Hintergrund handelt, gehe ich davon aus, dass im häuslichen Umfeld hauptsächlich türkisch gesprochen wird und er in dem Fach Deutsch nur sehr eingeschränkt bis gar keine Unterstützung erhält. Da es keine Angaben zu den Noten in anderen Fächern gibt, gehe ich davon aus, dass sich diese im Normalbereich befinden. 

In der Bearbeitung eines IQ-Test sind die Kinder und Jugendlichen auf sich alleine gestellt und müssen sich die Aufgaben selbst erlesen und verstehen. Da der Junge bereits Probleme in der deutschen Sprache aufweist, wird er sicherlich Schwierigkeiten gehabt haben, die Aufgaben zu verstehen, sodass auch andere Aufgaben in anderen Bereichen schlechter ausgefallen sind. 

Meiner Meinung nach müsste der Junge mehr Förderung in Deutsch erhalten. Möglichkeiten wären hier zum Beispiel eine Lese-AG oder Deutsch-Nachhilfe. Des Weiteren würde die Wiederholung einer Klasse ihm die Möglichkeit geben, die deutsche Sprache in seinem Tempo zu lernen ohne Überforderung. Hier ist jedoch die Unterstützung der Lehrenden gefragt. Diese sollten ihm eine individuelle Unterstützung in diesem Fach bieten.

10. Lerneinheit: Kindeswohlgefährdung

 Die zehnte Lerneinheit befasst sich mit einem Thema, das Sozialarbeiter*innen gut kennen. Auch die Entscheidung darüber, ob Kindeswohlgefährdung vorliegt, basiert auf diagnostischer Arbeit. Das Problem ist hier allerdings weniger, dass keine geeigneten Verfahren zur Verfügung stehen, um Familien zu finden, in denen es zu Kindeswohlgefährdungen kommt. Sondern das Problem besteht darin, dass einige Kommunen die Kosten für eine stationäre Unterbringung nicht aufbringen wollen oder können. Der Podcast befasst sich mit einem Fall, der das Thema aus einer für Sozialarbeiter*innen ungewohnten Perspektive angeht: aus der Perspektive eines Lehrers.

Kindeswohlgefährdung

Zweiter Bestandteil der zehnten Lerneinheit ist die Frage, wie man Verhaltensstörungen diagnostiziert. Das ist keineswegs eine einfache Angelegenheit. Denn ob ein Kind, ein Jugendlicher oder eine Erwachsene als „verhaltensgestört“ eingestuft wird, hängt von z. B. von Merkmalen derjenigen ab, die diese Frage beurteilen – z. B. von der Frage, ob es sich um einen Berufsanfänger handelt oder einen Pädagogen mit viel Berufserfahrung. Es gibt auch starke Gendereffekte, allerdings nicht unbedingt in politisch korrekter Richtung. Im podcast wird der Lehrerfragenbogen (trf) der Child Behavior Checklist (cbcl) vorgestellt.

Diagnose von Verhaltensstörungen
Tab 7 Relativität von Verhaltensstörungen
Verhaltensstörungen und ihre Synonymbegriffe sind relativ (Bach 1989).
Sie sind eher das Ergebnis eines vergleichsweise komplexen Prozesses mit vielen Beteiligten als eine feste Eigenschaft (Mand 2003).
Dies hat Auswirkungen auf die Zahlen und die Diagnose

Zesel: Ich denke, die Familie möchte für sich bleiben und ihre Arbeit weiter vollziehen können, ohne dass Druck von außen kommt. Die Kinder kommen aus einem Milieu, wo die Mutter und auch Stiefmutter gegen Geld ihren Körper zur Verfügung stellen. Es ist daher für die „Eltern“ normal, dass die Kinder mit dem Thema früh konfrontiert werden. Die Kinder bleiben den Kunden fern und dürfen das Haus nicht betreten, dadurch soll sichergestellt werden, die Kinder zu schützen. Für außenstehende Personen ist dies nicht nachvollziehbar und sie reagieren mit Unmut. Die Reaktion ist, dass Außenstehende den Kindern helfen möchten und die Eltern die Sorge haben, dass die Kinder weggenommen werden. Eine nicht aktuelle Telefonnummer oder auch eine falsche Nummer weisen auf, dass sie nicht kontaktiert werden möchten. Besonders schlimm war es für die Eltern, dass das Jugendamt kontaktiert wurde. Das Jugendamt hat keinen guten Ruf und gilt als kinderwegnehmende Organisation oder als versagende Instanz. In diesem Fall wird es das Erste sein. Für viele Eltern ist es ein Schock, wenn das Jugendamt die Familie kontrolliert. Sie wollen ihre Unabhängigkeit erlangen und sehen das Problem nicht. Daher gab es nur eine Lösung für die Familie, die Kinder von der Schule zu nehmen, damit der Gesprächspartner_in wegfällt und dann in eine andere Stadt zu ziehen. Dann ist das Jugendamt auch nicht mehr für die zuständig. Nur kooperieren die Jugendämter untereinander und geben den Fall weiter, das wird der Familie in der neuen Stadt auffallen. Denn das neue Jugendamt sucht den Kontakt zu der Familie. „Jugendamtshopping“ werden Familien genannt die aufgrund des Jugendamtes in eine andere Stadt verziehen. Aber dort sucht das Jugendamt die Familie auch auf.

Einer der wichtigsten Sachen in so einem Fall ist die Dokumentation. Es können dadurch alle Informationen und Gespräche gesammelt werden. Falls es zu einem Gerichtsverfahren kommt, dann ist diese Dokumentation sehr wichtig und die Arbeit der Pädagogen_innen / Lehrer_innen   ist nachvollziehbar. Sie waren in der Position als ein Gesprächspartner und haben regelmäßig mit den Kindern gesprochen und eine Vertrauensbasis aufgebaut. Die Kinder haben Ihnen anvertraut, dass trotz des Einschreitens des Jugendamtes die Steifmutter ihr Gewerbe wieder aufgenommen hat. Sie sind mit dem Jugendamt in Kontakt getreten, weil Sie nach § 8a SGB VIII einen Schutzauftrag haben. Es hätte eine Lehrerversammlung geben können, damit ein Austausch untereinander gewährleistet ist. Vielleicht haben einige Kollegen_innen bereits Erfahrungen gemacht und könnten diese mit Ihnen teilen.

Bei dem Jugendamt kann ich nur anmerken, dass diese mehr Kontrollbesuche hätten machen müssen. Die Kinder hätten über ein Selbstmelden aufgeklärt werden sollen, sodass bei einer Verschlechterung oder gleich bleibenden Situation (war hier der Fall) die Kinder die Möglichkeit gehabt hätten, sich in Obhut nehmen zu lassen.

Aber: Bezogen auf das Fallbeispiel, stellt sich die Frage, ob etwas in dem Prozedere seitens der Lehrer hätte anders laufen sollen. 

Nein, ich denke, dass der Ablauf in diesem Fall richtig gelaufen ist, wenn auch es sehr frustrierend erscheint, dass die Familie unbekannt verzogen ist und man nichts mehr über den weiteren Verlauf erfahren hat. 

Die Mädchen haben sich an die Lehrkräfte gewendet, um von den Ereignissen zu berichten, die sie offenbar sehr belasten. 

Dass die Lebensgefährtin und auch die leibliche Mutter der Prostitution innerhalb der familiären Wohnung nachgehen und die Kinder Kenntnis davon haben, ist nicht in Ordnung und in dem Fall auch zu melden. 

Die Lehrkräfte nahmen sich der Problemschilderung der Mädchen an, wollten dazu das Gespräch mit dem Vater suchen. Das halte ich für vollkommen korrekt. Eine umgehende Meldung, ohne die Eltern zu befragen, würde eine offensichtlich akute Kindeswohlgefährdung voraussetzen. In meinen Augen liegt hier ein Grenzfall vor, jedoch gab es keine akuten Hinweise auf eine anzeigepflichtige Situation, die beobachtet wurde. Die Vermutung der Kindeswohlgefährdung beruht hier auf Erzählungen. Kinder haben das Recht einer sofortigen Selbstmeldung einer Gefährdung, das jedoch verneinten die Mädchen. Zunächst sollte das Gespräch mit dem Vater stattfinden, welches die Grundlage für das weitere Vorgehen sein soll. Um die Vertrauensbasis zu wahren, wurde versucht, dieser Schritt umzusetzen. 

Da der Vater jedoch die Lehrkräfte privat telefonisch und in der Wohnung kontaktierte, sehe ich hier ebenfalls eine bedrohliche Situation, die ebenfalls aufgrund der Drohungen des Vaters ein alternatives Handeln erforderte. 

Das Hinzuziehen des Jugendamtes war unbedingt von Nöten. Vor Ort behielt man die Mädchen kurzfristig in Obhut, um die Seite des Vaters anzuhören. Im Sinne der rechtlichen Situation, dass ein Verbleib in der Familie gesichert sein soll, wurde hier womöglich die Vereinbarung getroffen, dass die Nebentätigkeit der Lebensgefährtin und der Mutter in der familiären Wohnung ruhen muss, das Thema von den Kindern ferngehalten wird und Besuche seitens des Jugendamtes erfolgen, um die Einhaltung der Vereinbarung zu kontrollieren. 

Die erneuten Berichte seitens der Kinder, die Unregelmäßigkeiten und Drohungen des Vaters gehörten in diesem Fall weiter dokumentiert und weitergeleitet, wie geschehen.

Das Agieren des Jugendamtes ist hier eventuell fragwürdig, da durch den unbekannten Umzug die Zuständigkeit natürlich nicht mehr gegeben und auch nicht mehr möglich ist. Da offenbar die Vereinbarungen nicht eingehalten wurden, tendiere ich zu dem Ergebnis, dass eine Kindeswohlgefährdung vorliegt, welche ein strikteres Handeln erfordert, als eine Vereinbarung, die durch Kontrolltermine stattfindet. 

Jedoch haben die Lehrkräfte, meines Erachtens nach, sich nach Vorschrift im Prozedere Kindeswohlgefährdung verhalten. Emotional konnten sie eine Vertrauensbasis schaffen, sodass sich die Mädchen erneut anvertraut haben und auch weiter berichteten, nachdem sie bereits abgestraft wurden seitens des Vaters. 

Die Lehrkräfte symbolisieren hier Sicherheit und handeln umgehend. Falls im Team der Schule vorhanden, wäre das Hinzuziehen der Schulsozialarbeit bzw. der Fachkraft für Kinderschutz eine weitere Möglichkeit darstellen um die Situation zu bewerten und weiteres Vorgehen zu planen. 

ansa: Ich denke nicht, dass sie etwas falsch gemacht haben. Von der Erzählung her, haben sie sich als Lehrer sogar besonders engagiert gezeigt. Ich denke leider nicht einmal, dass das die Regel ist. Meine Theorie wäre, dass das Jugendamt sozusagen „den Einsatz verpasst“ hat. Sie hätten beispielsweise festlegen können, dass der Vater verpflichtet ist das Jugendamt über einen Umzug zu informieren. Dies scheint nicht geschehen zu sein. Allerdings ist das meines Wissenstandes nach aber auch eine sehr heikle Angelegenheit, da die Kommunikation zwischen einzelnen Jugendämtern sehr schwerfällig ist. Ist die Familie in sozusagen „freiwilliger“ Betreuung hat das Jugendamt nicht einmal eine Pflicht, das Jugendamt des neuen Wohnortes zu unterrichten. Wird die Familie im „Zwangskontext“ betreut, muss das neue Jugendamt zwar unterrichtet werden, bis dann aber dort auch eine Hilfemaßnahme anläuft kann durchaus eine geraume Zeit vergehen. Dazu kommt in ihrem Beispiel auch noch, dass die Familie unbekannt verzogen ist. Ich musste bei diesem Fall an ein Buch denken, welches ich mal gelesen habe. „Du nanntest mich Teufelskind“ von Victoria Spry. Es beruht auf wirklich so geschehenen Ereignissen in England, ca. um die Jahrtausendwende. Verurteilt wurde Eunice Spry 2007 aufgrund von 26 Fällen der schweren Kindesmisshandlung zu 14 Jahren Gefängnis. Es ist zwar schon etwas her, dass ich das Buch gelesen habe aber ich kann mich noch dran erinnern, dass die Mutter Eunice ihre drei Pflegekinder wirklich abartig schlecht behandelt hat. Das ist auch Leuten aufgefallen, aber dadurch, dass sie immer zwischen zwei verschiedenen Wohnorten wechselte lief sie ca. 18 Jahre am Radar des Jugendamtes vorbei. 

Elli: Wenn ich das richtig verstanden habe, ging das alles sehr schnell. Der erste Kontakt/das erste Gespräch zwischen Ihnen, ihrer Kollegin und den beiden Schülerinnen fand am 2.11. statt und ab dem 11.11. sind sie unbekannt verzogen.
 Ich würde sagen, dass von Ihrer Seite aus nicht viel falsch gelaufen ist, da Sie auf die Schülerinnen zugegangen sind, ein Gespräch geführt und anschließend das JA informiert haben. Außerdem haben Sie alles, was passiert ist (Gespräche zwischen Ihnen und den Mädels, ob die Mädels zur Schule gekommen sind oder nicht, Anrufe bzw. Kontaktaufnahmen seitens des Vaters etc.) dokumentiert und direkt an das JA weitergegeben haben und standen im engen Kontakt mit dem JA.

Ich könnte mir vorstellen, dass sich der KV bedrängt gefühlt hat. Aus seiner Sicht (und auch aus die seiner LG und der leiblichen KM) haben sie die Kinder geschützt, da sie das Haus nie betreten durften, wenn die Männer zu besuch kamen. Sie haben darüber offen gesprochen und so war es für sie „normal“, dass die Kinder schon früh mit dem Thema konfrontiert wurden.
Die richtigen Telefonnummern konnten wahrscheinlich nicht angegeben werden, da sie diese für das „Gewerbe“ gebraucht haben und nichts davon rauskommen sollte.
Als das JA eingeschaltet wurde, fühlte sich der KV kontrolliert und ist deswegen in die offensive gegangen und drohte mit Anwälten/ Anzeigen etc. Die einzige Möglichkeit für ihn war es, dass die Kinder von der Schule genommen werden müssen, damit sie keinen Ansprechpartner mehr haben, der das berufliche stören könnte.
Ich bin mir unsicher, ob das JA eine andere Möglichkeit gehabt hätte, als die Schülerinnen dort waren und der KV kam und sie wieder mit nach Hause genommen hat. Vielleicht gab es hier eine Grauzone und es lagen noch nicht genügend Informationen vor, die auf eine Kindeswohlgefährdung hinwiesen oder dadurch, dass versprochen wurde, dass das Gewerbe Zuhause nicht mehr stattfindet, hatte das JA erstmal keinen Grund mehr, die Mädchen bei sich zu halten.
Vielleicht hätte das JA eingreifen sollen, als die Mädchen gegen den Willen des Vaters zur Schule gegangen sind und berichtet haben, dass das Gewerbe Zuhause wieder aufgenommen wurde und dass sie „aus Strafe“ zur KM ziehen sollen, die aber auch als Prostituierte arbeitet. (Ich weiß nicht, wie lange es tatsächlich dauert, bis eine Inobhutnahme stattfinden kann, also bis alles in die Wege geleitet wurde etc.)
Im Voraus wurden die Mädchen ja schon gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, in eine WG o.ä. zuziehen. Eine Möglichkeit hätte sein können, dass die Mädchen vorübergehend in eine WG o.ä. ziehen und es erneute Kontrollbesuche vom JA beim KV gibt und wenn dann gewisse Auflagen z.B. dass das Gewerbe nicht mehr stattfindet erfüllt sind, erst dann über eine Rückführung gesprochen werden kann.

 Als die Mädchen beim Klauen erwischt wurden, war dies vielleicht ein erneuter Hilferuf von ihnen, dass wieder jemand auf sie aufmerksam wird und sie so versucht haben, dass sie nicht mit ihrer Familie umziehen müssen.

JuBa: Meiner Meinung nach haben die in den Fall involvierten Lehrer_innen richtig gehandelt und sind zunächst ihrem Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung gem. § 8a SGB VIII nachgekommen. Demnach wurden die Kindern nach ihren Erläuterungen zur aktuellen Situation im Elternhaus von den Lehrer_innen ernst genommen und zu einem Gespräch gebeten. Als die Kinder um Hilfe bitten, versuchen die Lehrer_innen daraufhin, Kontakt zum KV der Kinder herzustellen, um mit ihm ein Gespräch auszumachen. Als dies jedoch nicht funktionierte und der KV grenzüberschreitend die Privatwohnung einer Lehrerin aufsucht und mit einer Anzeige droht, und sagt, er wolle die Kinder nicht mehr zur Schule zu schicken, wurde die Polizei und dann das das Jugendamt informiert.

Die Kinder können sich zwar vorstellen, nicht mehr Zuhause zu wohnen, allerdings ist ihre Situation für sie bisher noch nicht so schlimm, dass sie selbst beim JA um Obhut bitten.

Offensichtlich wurde im Elternhaus sowohl seitens der Lebensgefährtin des KV als auch von der leiblichen Mutter der Kinder Prostitution betrieben. Die Rolle des KV dabei scheint einem Zuhälter gleich zukommen, da er scheinbar die geldlichen Einnahmen der Frauen beschlagnahmt und das ,,Gewerbe‘‘ überwacht.

Die Kinder wurden nicht in das Haus/Wohnung gelassen, in der der Prostitution nachgegangen wurde, um diese zu schützen. Akute Gefahr durch z.B Übergriffe durch die Freier bestand demnach nicht. Im Kinderzimmer allerdings fanden sich Spuren, die definitiv nicht als kindgerecht oder für Kinderaugen bestimmt sind, und alleine die Tatsache, dass auch das Kinderzimmer benutzt wird um Freier zu bedienen, ist nicht haltbar und keine kindgerechte Umgebung. Auch dass die beiden Mädchen den Wortlauten nach zu urteilen genau wissen, was in ihrem Zuhause vonstattengeht, gehört normalerweise nicht in den Ablauf einer kindgerechten Entwicklung.

Auch das JA ist dem Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII nachgekommen und hat, anzunehmender Weise, eine Gefahreneinschätzung vorgenommen und zunächst ein Gespräch mit den Kindern gesucht, um daraufhin zu entscheiden, die Kinder zunächst im Jugendamt zu belassen. Hier hätte das JA vielleicht zeitnah das Gespräch mit dem KV suchen sollen, dieser jedoch wusste über die Schule, dass seine Kinder sich im JA aufhalten und wurde zuvor wahrscheinlich noch nicht vom JA kontaktiert. Das JA hat die Kinder wieder in die Obhut des KV übergeben und Vereinbarungen getroffen, dass das Gewerbe aufgelöst werden soll und unangemeldete Kontrollbesuche stattfinden werden. Das JA wird die Gefahr somit nicht für dringlich oder akut empfunden haben, da sie sonst anders gehandelt und die Kinder aus der Familie genommen hätten. Diese Entscheidung kann ich zunächst nachvollziehen, da sich akute körperliche Schädigungen, die sich intensiv auf die Entwicklung auswirken und die Wahrscheinlichkeit eines akuten Schadeneintritts nicht gegeben schienen. Zudem schien der KV in der Lage zu sein und auch bereit zu sein, dem Gewerbe in der Wohnung nicht mehr nachzugehen und somit die Gefahr abzuwenden. Nachdem jedoch das JA zwei Mal über den Verlauf und das erneute Aufnehmen des Gewerbes nach dem Gespräch mit dem KV informiert wurde, hätte es schon einen Kontrollbesuch seitens des JA geben müssen, um dies zu prüfen.

AnKa & Jonny96: Was liegt für ein Problem vor und wurde richtig gehandelt?

Im elterlichen Haushalt liegt die Problematik vor, dass dort in Anwesenheit der Kinder Prostitution betrieben wird. Die Einsicht der Eltern dahingehend war nicht vorhanden und stellte für die Kinder kein sicheres Wohnumfeld dar. Gleichzeitig wollen die Eltern sich der derzeitigen Lage entziehen und in eine Stadt ziehen, sodass die Zuständigkeit des Jugendamtes wechselt und sie unbekannt bleiben. Auch gehen sie den möglichen Konfrontationen in der Schule aus dem Weg, da die Kinder eine neue Schule besuchen. Fraglich erscheint uns, warum der Vater die Fachkraft privat telefonisch erreichen konnte. Wir hätten statt der Bemerkung auf dem Zettel für ein Gespräch, den Vater einen Brief geschickt mit einer offiziellen Einladung zu einem persönlichen Gespräch in der Schule. Die Fachkraft hat den Kontakt sowie Austausch zu den Eltern gesucht und im Nachhinein erst das Jugendamt kontaktiert. Diesen Handlungsweg sehen wir als richtig an. Von Seiten des Jugendamtes würden wir uns mehr Austausch mit den Kindern wünschen, da durch die Prostitution eine mögliche Kindeswohlgefährdung vorliegt, wenn die Eltern diese im häuslichen Setting nicht unterbinden. 

Fräulein F.:Meines Erachtens nach wurde seitens der Lehrer das vorgeschriebene Prozedere korrekt ausgeführt. Es wurde versucht Kontakt zu den Eltern herzustellen, bzw. zum Vater und der Lebensgefährtin und in diesem Rahmen erstmals für Klärung zu Sorgen.Durch das Auftreten des Vaters und der Lebensgefährtin blieb dieser Versuch allerdings erfolglos und ließ keine andere Option als anschließend direkt den Kontakt zu Polizei und Jugendamt zu suchen.
Auch das weitere Beobachten der Kinder und Suchen von Gesprächen empfinde ich als richtig und notwendig. Denn so können Informationen gesammelt und weitergegeben werden, die das Jugendamt dringend benötigt (gehen die Kinder weiter zur Schule? Welchen Eindruck machen die Kinder? Äußern die Kinder weiteren Bedarf und weitere Probleme? Äußern sie positive Veränderung?). Das Jugendamt hat leider einen sehr schlechten Ruf in der breiten Bevölkerung, es wird als „Kinderklauverein“ bezeichnet, oder dass es gar nicht agiere. So ist es für das Jugendamt oft nicht einfach in einen kooperativen und produktiven Austausch mit Familien zu kommen, bei denen die Meldung einer Kindeswohlgefährdung vorliegt. Schulen, Kitas oder offene Einrichtungen für Kinder im Freizeitbereich können da ein gutes Bindeglied sein.
Ich glaube nicht, dass das Jugendamt einen Fehler an sich getätigt hat, auch dort gibt es vorgeschriebene Abläufe und Gesetzte, an die sich die Mitarbeiter halten müssen. Auch ist eine Fremdunterbringung nicht ohne weiteres möglich, sofern keine akute Gefährdung für Leib und Leben des Kindes besteht, oder dieses explizit um eine Inobhutnahme bittet.Das unbekannte Verziehen ist hierbei ein „gutes“ Schlupfloch für Familien, die sich der Kontrolle des Jugendamtes entziehen wollen. 
Das Problem dieser Familie ist die vorherrschende Wahrnehmung in Bezug auf Sexualität und Prostitution. Dem Vater, der Mutter und der Lebensgefährtin erscheint nicht bewusst zu sein, dass die Art und Weise, wie sie ihre Sexualität ausleben, bzw. ihr Gewerbe, nicht förderlich für die Entwicklung der Kinder ist und ebenfalls nicht kindgerecht. Zudem scheinen die Gefahren, die für die Kinder, allein durch die Anwesenheit von fremden Männer, bestehen, nicht erkannt zu werden. Sie sehen sich wahrscheinlich durch das Jugendamt in ihrer Lebensweise und Existenz bedroht, so dass sie den einfachen Weg suchen, sich der Kontrolle zu entziehen und die „Flucht“ ergreifen.

Eagle: Ich kann mich meinen Kommilitonen nur anschließen:

Die Lehrkräfte haben richtig gehandelt, da sie als offener Gesprächs- und Vertrauenspater fungiert haben. Die Erzählungen und Probleme der Kinder wurden sehr ernst genommen und nachgegangen. Mit Rücksprache haben sie dem Kindesvater zunächst die Möglichkeit gegeben, in einem Gespräch über die Vorkommnisse in der Wohnung zu sprechen. Erst nach dem dieser offensichtlich auf „Angriff“ ging, indem er die Lehrkraft unaufgefordert zuhause privat besucht hat und ihr auch drohte, wurde das Jugendamt eingeschaltet. 

Ich vermute ebenfalls, dass der Kindesvater darauf Acht gegeben hat, dass den Kindern „nichts passiert“ (keinen Kontakt zu Freien, Verlassen der Wohnung bei Besuchen etc.) und ihm möglicherweise die erforderliche Einsicht dazu fehlte, dass ein solches Gewerbe nichts im Hause der Kinder zu suchen hat. 

Von Seiten des Jugendamtes wäre eine höhere Bereitschaft (mehr Besuche, bessere Aufklärung der Kinder über mögliche Hilfen etc) durchaus sinnvoll gewesen. 

Die Zeit zwischen der Erkenntnis über die häuslichen Zustände der Kinder bis hin zum unbekanntem Umzug war sehr kurz. In dieser Zwischenzeit wurde von Seiten der Lehrer gemäß §8a SGB VIII der Schutzauftrag bei Kindeswohlgefährdung ernst genommen und alle erforderlichen Maßnahmen getroffen um die Familie nicht sofort abzuschrecken, aber dennoch Präsenz und Hilfe zu zeigen und gewährleisten.

FIVE:  Aus meiner subjektiven Sichtweise haben die beiden Lehrer korrekt und sehr arrangiert gehandelt. Es wurde versucht Kontakt mit den Eltern aufzunehmen, um die unklare Situation zu klären. Da die Eltern dies nicht annahmen, war es die richtige und sicherste Option den Kontakt zur Polizei und zum Jugendamt aufzubauen. 

Des Weiteren wurde auch nach dem kontaktieren der örtlichen Behörden weiter das Gespräch zu den Schülern gesucht. Somit konnte man weitere Informationen weitergeben oder bei akuten Gefährdungen selbstständig die Behörden informieren.

Es scheint ein Grenzfall zu sein. Eine akute Gefährdung lag hier anscheinend nicht vor, sonst hätte das Jugendamt die Kinder sofort in Obhut genommen. Durch das kontaktieren von Jugendamt und Polizei lag nun die Zuständigkeit bei den Behörden. Dadurch, dass die Kinder nun schnell umziehen sollten, war es den Eltern vermutlich klar, dass sie in Zukunft unter Beobachtung stehen würde.

Somit hätten sie ihr illegales Gewerbe in diesem Rahmen nicht weiter fortführen können. Vielleicht hätte das Jugendamt schneller auf die Information reagieren müssen, als die Information kam, dass die Kinder wegziehen sollen. Schlussendlich haben die Lehrer richtig gehandelt. Das Problem hier sind leider die Behörden, die zu wenig Zusammenarbeiten und somit Klienten aus den Augen verlieren. 

 cora1108: Auch ich kann mich nur anschließen: Die Lehrkräfte haben richtig gehandelt, indem sie die Aussagen der Kinder ernst genommen haben. Dem Kindesvater wurde die Möglichkeit gegeben, von sich aus zu berichten. Trotzdem war es der richtige Weg, das JA einzuschalten, als die Sitution eskalierte und Grenzen überschritten wurden. Denoch hätte das JA schneller reagieren können… Der Kindesvater wirkt nicht so, als habe er seinen Kindern mit Absicht Schaden zufügen wollen. Trotzdem hat ihm anscheinend das nötige Verständnis gefehlt, um zu erkennen, dass solche Geschäfte in der eigenen Wohnung nichts zu suchen haben, wenn Kinder dort leben. 

Juna: Hat sich jemand in dem hier geschilderten Fall falsch verhalten? Erstmal ist festzustellen, dass der Verlauf des Falles sich sehr zu ungungsten der Kinder vollzogen hat. Die Lehrer/Pädagogen, denen sich die Kinder hier anvertraut haben, sind jetzt nicht mehr für die Kinder zuständig, da die Kinder unbekannt verzogen sind. Es dauert lange bis ein Kind einem Erwachsenen private, evtl. den Eltern schädigende Tatsachen erzählt. Das ist hier geschehen, was für eine sehr gute und vertrauensvolle Beziehung zwischen den Kindern und Pädagogen spricht. Das hier erreichte Vertrauensverhältnis ist den Kindern nun durch den Umzug „weggenommen“ worden. Es wird wohl wieder eine Zeit dauern bis die Kinder sich jemandem neuen anvertrauen. In dieser Zeit bleibt höchstwahrscheinlich die Tatsache bestehen, dass die Kinder in einem kindeswohlgefährdetem Umfeld leben. Ich denke, dass hier das Jugendamt zu „vorsichtig“ gehandelt hat. Das eine Kindeswohlgefährdung durch die Tätigkeit der Eltern vorliegt ist gegeben. Das Jugendamt hätte sich hier nicht einfach nur auf die Aussage der Eltern verlassen dürfen, diese würden nun das Gewerbe einstellen. Es ist sehr unglaubwürdig, dass die Eltern es auf das 1. Anraten des Jugendamtes aufgeben. Wahrscheinlich ist dieses Gewerbe die finanzielle Einnahmequelle der Eltern, auf die diese wahrscheinlich nicht von heute auf morgen verzichten würden. Zudem ist hier auch keinerlei Einsicht der Eltern zu sehen, dass das was sie machen ihren Kindern schadet und dass sie deshalb davon absehen sollten. Ich finde, da eine klare Kindeswohlgefährdung vorliegt, hätte das Jugendamt die Kinder sofort in Obhut nehmen müssen! Danach hätte Elternarbeit stattfinden können mit der Perspektive die Kinder in Zukunft wieder in die Familie einzugliedern, aber das erst wenn die Eltern soweit wären ein Leben ohne Kindeswohlgefährdung ihrer Kinder und mit der nötigen Einsicht zu führen.

Kathi94 Kommentar zur Lerneinheit 10: Welches Problem liegt vor? Wurde etwas vom Jugendamt oder den Lehrerin falsch gemacht?

Zunächst mal liegt das Problem vor, dass in der Elterlichen Wohnung der genannten Kinder offenbar Prostitution betrieben wird. Anhand der Beschreibung im Podcast lässt sich auch deutlich verstehen, dass die Kinder genau wissen was dort vor sich geht. Herauszustellen ist hier auch noch einmal, dass die Kinder sogar darum bitten, dass das Jugendamt sich erneut einschaltet. Die Kinder beschäftigt dieses Thema sehr stark, wodurch positiv zu benennen ist, dass sie sich den Lehrern anvertraut haben. Von seitens der Lehrer erscheint der Verlauf und die Inhalte sehr gut dokumentiert worden zu sein, was nach meiner beruflichen Erfahrung im Falle einer möglichen Kindeswohlgefährdung immer sehr wichtig ist. Weitergehend ist es auch hier positiv, dass die Eltern zum Gespräch eingeladen wurden. Da das gesamte Geschehen dieses Falles scheinbar in wenigen Tagen verlief, ist es strittig zu benennen, ob das Jugendamt zu spät gehandelt hat. Dennoch bleibt bestehen, dass hier eine Gefährdung der Kinder vorliegt, die noch einer Handlung verlangt. Auch wenn es fraglich bleibt, wie sich die Situation für die Kinder weiterentwickelt, ist es doch zu hoffen, dass die Kinder wieder neue Vertrauenspersonen finden, damit sie ihre Hilfe bekommen.

Purzel: Das wichtigste bei so einem Fall ist die Dokumentation über Gespräch, Handlungen, usw., um im Nachhinein alles korrekt wiederzugeben und bei Bedarf aufzuzeigen, dass man seiner Pflicht nachgekommen ist. Ich würde sagen, dass Frau Müller und Sie ihrer Pflicht komplett nachgekommen sind. Sie haben Gespräche mit den Kindern geführt, den Vater versucht zu kontaktieren und einzuladen, und als dies nichts brachte im Einverständnis der Mädchen das Jugendamt informiert. Bei diesen Schritten wäre es noch wichtig zu wissen, ob die Schulleitung über die Situation und das Procedere informiert war.

Von Seiten des Jugendamtes hätte mehr passieren müssen, mehr Kontrollfahrten, sich selbst vergewissern, ob die Eltern mit dem Gewerbe aufgehört bzw. es ausgelagert haben. Wenn dies nicht geschehen ist, hätten weitere Schritte eingeleitet werden müssen, da aus den Gesprächen mit den Mädchen sehr deutlich wird, welcher psychischen Belastung sie ausgesetzt sind und sie sich selber nicht helfen können.

Kommentar Mand: Interessant, dass die meisten Studierenden der Meinung sind, ich hätte alles richtig gemacht. Ich sehe das anders.

M. E. besteht der erste Fehler darin, dass der Kontakt zum Jugendamt auf der Ebene von Telefonaten bleibt. Es gab zwar eine Aktennotiz. Aber diese wird allein im schulischen Konztext wirksam. Besser wäre es gewesen, sich schriftlich an das Jugendamt zu wenden. Zweitens kann man festhalten, dass es wirksame Wege gibt, interventionsunwilligen Jugendämtern das Leben schwer zu machen. Man kann verhindern, dass das Jugendamt in Erwägung zieht, den Fall durch Umzug zu den Akten legen zu können. Damit macht man sich nicht zwingend beliebt. Aber indem man Mitteilungen an das Jugendamt über vermutlich vorliegende Kindeswohlgefährdungen auch an das zuständige Familiengericht richtet, kann man sicherstellen, dass Jugendämter aktiv werden. Drittens ist es wohl möglich, auch andere Maßnahmen zu ergreifen, die den betreffenden Kindern helfen. Eine Umwandlung einer Privatwohnung in ein Bordell hat auch mietrechtliche und steuerliche Implikationen. Ggf. bietet auch der Vorwurf sexuellen Missbrauchs eine Handhabe. Man darf z. B. Kindern kein pornografisches Material zur Verfügung stellen. Entsprechend ist es möglich, zumindest den Versuch unternehmen zu argumentieren, dass die Dinge die hier geschehen, weit schlimmer sind.

Dritter Teil: Methoden in der Erziehungshilfe

11. Lerneinheit: Die Bedeutung der Psychoanalyse für die Erziehungshilfe

Dass in der 11. Lerneinheit psychoanalytisches Gedankengut im Mittelpunkt der Betrachtung steht hat vor allem drei Gründe. Methoden in der Erziehungshilfe sind sehr häufig psychotherapeutischen Schulen entlehnt. Weil psychoanalytische Methoden nach wie vor zu den etablierten Verfahren in der Kinder- und Jugendpsychotherapie gehören, ist es sinnvoll, sich mit dem Thema Psychoanalyse zu befassen. Der zweite Grund hat mit der Lehre in der EvH zu tun. Wenn ich mit Studierenden über die Lehrangebote in der Hochschule rede, höre ich nur sehr selten davon, dass psychoanalytische Methoden vorgestellt werden. Drittens legen meine eigenen beruflichen Erfahrungen nahe, dass Kinder und Jugendliche manchmal Probleme und Störungen entwickeln, die weder mit den die Erziehungshilfe sehr weitgehend dominierenden verhaltenstherapeutischen Methoden zu lösen sind, noch mit Angeboten des systemischen Ansatzes. Und genau einen solchen Fall möchte ich Ihnen in der 11. Lerneinheit vorstellen.

Psychoanalytische Positionen

Der Fall Florian

ansa: Aufgrund dessen, dass Florian das Über-Ich nicht ausreichend entwickelt hat, könnte es ein Ziel sein ihm dabei zu helfen dieses Gewissen nachträglich auszubilden. Seine Eltern bzw. seine Mutter waren für ihn nie die Vorbilder an deren Beispiel er Normen und Werte der allgemeinen Gesellschaft vermittelt bekommen hat. Aber auch im späteren Leben entwickelt sich das Über-Ich weiter. Wenn man Florian auf eine Gesamtschule schicken würde, bestünde eventuell die Chance, dass er sich im „Try-and-error“ Prinzip im Klassenverband und im Kontakt mit Gleichaltrigen reflektiert bekommt, welche seiner Verhaltensweisen gesellschaftlich in Ordnung sind und was er besser unterlassen sollte, wenn er nicht akzeptiert und integriert werden will. Das wäre natürlich in einem Klassenverband bestehend aus Leuten die zum Teil selber Probleme mit dem Über-Ich haben deutlich schwieriger. Auf der anderen Seite steht natürlich das Problem, das Florians Verhaltensmuster nicht zu unterschätzen sind. Eine pädophile Neigung und schwer einschätzbare Neigung zu Gewalt können sehr unmittelbar zu schweren Straftaten führen. Er würde in einer Gesamtschule wahrscheinlich die gesellschaftliche Konsequenz für sein Handeln zu spüren bekommen, die Frage ist allerdings zu welchem Preis. Und wenn es mal schwierig werden sollte mit Florian wäre eine sonderpädagogische Betreuung ebenfalls von Vorteil, da dahingehend geschultes Personal vermutlich besser mit so „schwierigen“ Schülern umgehen kann.Alles in allem würde ich sagen, dass wenn man ausschließlich das beste für Florian wollen würde, wäre die Gesamtschule empfehlenswert. Wenn man das große Ganze in Betracht zieht sieht die Gesamtsituation nicht mehr so eindeutig aus.

kathi94: Zunächst ist klar zu benennen, das bei Florian eine Vielzahl verschiedener Problemlagen vorliegen, hier herausgestellt sind vorallem die fehlende Entwicklung des Über-Ich´s (fehlende Entwicklung von Moral und Gewissen), sowie die fehlende Impulskontrolle, den sexuellen Auffäligkeiten und das aggressive Verhalten. Es ist ebenso meiner Meinung klar herauszustellen, dass es einer durchgehenden Schulbegleitung benötigt, egal in welcher der beiden Schulformen. Die Eingliederung an einer Gesamtschule wäre natürlich die „schönere“ Lösung. Hier befürchte ich allerdings, dass aufgrund der doch vielfältigen Verhaltensweisen von Florian, zum einen eine Überforderung stattfinden könnte, da Florian möglicherweise nur schwer mithalten kann mit seinen Mitschülern. Zum anderen besteht auch die Befürchtung der Ausgrenzung durch seine Mitschüler, aufgrund eben dieser vielfältigen Problematik. Was das Potenzial zum Erlernen sozialer Umgangsformen angeht, ist er an der Gesamtschule allerdings besser aufgehoben. Die Eingliederung an eine Förderschule sehe ich bei Florian als wahrscheinlicher an, da dort das Lehrpersonal meist eher mit den Verhaltensweisen von Florian umgehen kann. Allerdings wäre hier fraglich ob eine Klasse mit schwerstmehrfachbehinderten Schülern die richtige ist. Möglicherweise wäre eine Klasse mit ähnlich kognitiv starken Schülern die bessere Wahl. Leider passiert es meiner Erfahrung nach heute immer noch an Förderschulen, dass kognitiv stärkere Schüler neben den kognitiv schwächeren im Schulalltag untergehen und unterfordert sind. Zusammengefasst bedarf es bei Florian einer Schulformen in der er nach Möglichkeit weder unterfordert noch überfordert wird, da auch dies weitere Verhaltensweisen hervorrufen kann. Weiter bedarf es einer Umgebung die mit seinen Schwierigkeiten in der Impulskontrolle, dem aggressiven und den sexuell übergriffigen Verhalten umgehen kann, um Florian einen sicheren Rahmen zur Weiterentwicklung bieten zu können.

 Keek: Bei Florian liegen einige schwere Problemlagen vor, vor allem das aggressive Verhalten in Verbindung mit einer fehlenden Impulskontrolle, problematischen sexuellen Neigungen und schwach ausgeprägte/ nicht entwickelte Moral- und Gewissensstandarts (Über-Ich). Wobei bei letzterem auffällig ist, dass Florian beim Heinz-Dilemma anscheinend ein, für sein Alter, hohes moralisches Niveau zeigte.

Die Frage, ob Florian auf eine Gesamtschule oder eine Förderschule gehen soll, ist meiner Meinung nach nicht so leicht zu beantworten, da es bei beiden Schulformen gute Gründe gibt, die dafür bzw. dagegen sprechen.

Für den Besuch der Gesamtschule spricht, dass bei Florian mit einem IQ von 89 keine Lernbehinderung vorliegt, auch wenn das Ergebnis bei Anwendung anderer Tests vermutlich eine Lernbehinderung diagnostizieren könnte. Das Verhalten in der Grundschule wird vom Lehrer als (wenn auch nur oberflächlich und anscheinend berechnend) in Ordnung beschrieben, er sei „brav“ und halte sich an die Regeln. Es könnte sein, dass die Mitschüler an der Gesamtschule einen positiven Effekt auf das Verhalten Florians haben, indem Sie ihm bspw. durch Ihre Reaktionen reflektieren, ob sein Verhalten in Ordnung ist oder nicht. Allerdings birgt es auch die Gefahr, dass Florian von dem höheren Niveau überfordert wird, aufgrund seines Verhaltens ausgeschlossen und stigmatisiert wird und so seine Auffälligkeiten weiter verstärkt werden.

Die aggressiven Verhaltensmuster, sowie die sexuellen Neigungen sehe ich als hoch problematisch an, unabhängig welche Schulform er besucht. Allerdings ist davon auszugehen, dass Lehrer an einer Förderschule eher in der Lage sind, die Problematiken einzuschätzen und adäquat darauf zu reagieren. Die Diagnose einer Störung der persönlichen Entwicklung und geringer sozialer Kompetenzen spricht auch für eine Unterbringung in der Förderschule. In einer Schwerbehindertenklasse könnte sich allerdings wiederum das Problem ergeben, dass er wahrscheinlich den meisten Schülern dort kognitiv überlegen sein wird. Das eine Problem wäre eine schulische Unterforderung, ein anderes Problem könnte sein, dass Florian versuchen könnte, die Mitschüler für seine Zwecke auszunutzen, wie er es schon in der Grundschule versucht hat, um an deren jüngere Geschwister heranzukommen. Man muss sich, denke ich, auch die Frage stellen, ob die Frage nach der Schulform erst einmal überhaupt die richtige Frage ist oder ob die Probleme von Florian nicht viel zu groß sind und bspw. eine vorübergehende Unterbringung in einer psychiatrischen Kinderklinik sinnvoll sei.

Zusammenfassend ist die Unterbringung in beiden Schulformen denkbar und kann jeweils gut begründet werden. Ich denke, für die persönliche Entwicklung von Florian, wäre die Gesamtschule wohl die bessere Wahl. Aufgrund der Gesamtsituation ist allerdings auch die Unterbringung in einer Förderschule vertretbar.

Aber: Nach der Betrachtung des Gutachtens für sonderpädagogischen Förderbedarf, der ärztlichen Stellungnahme und der Beurteilung der Pflegemutter samt ihrer Berichte, denke ich, dass zunächst die Frage gestellt werden sollte, ob eine Fremdgefährdung seitens Florian vermutet werden kann. 

Ich halte die Option eines Aufenthalts in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie, aufgrund der Mordandrohungen und vorsätzlichen Unternehmungen zum sexuellen Missbrauch mit pädophilen Gedanken, für akut angebracht. 

Eine entgültige Entscheidung für die weitere Schulplanung, würde ich erst nach einem derartigen Aufenthalt mit psychologischer Unterstützung und weiteren Plänen für ambulante Hilfen planen. 

Ausschließen möchte ich einen Schulbesuch der Förderschule in einer Klasse für schwerstbehinderte Kinder. Davon abgesehen, dass Florian aufgrund der Beurteilungen des Lehrers diesen Förderbedarf nicht schulisch benötigt, stellt sich hier die Frage, inwiefern die Mitschüler für Florian eine Opferposition bieten und sein Aggressionspotenzial eher verstärken, als ihm nicht Verhalten zu reflektieren. 

Somit bleibt die Wahl der Gesamtschule oder einer anderen Förderschule. 

Hier gilt die Abwägung der Gegebenheiten vor Ort. Wie groß sind die Klassen? Wie ist der Personalschlüssel zu bewerten? Wie fällt der sozialpädagogische Unterstützungsbedarf aus? 

Eine stetige schulische Unterforderung an einer Förderschule würde sich demnach negativ auswirken, wohingegen eine schulische Überforderung in großer Klasse und schlechtem Personalschlüssel ebenso negativ für Florians Entwicklung auswirken kann. 

Unabhängig von der Wahl der Schulform, stelle ich Florian einen Schulbegleiter zur Seite, wichtig in meinen Augen, dass dieser männlich ist. So kann durch den stetigen Kontakt ein Beziehungsaufbau stattfinden und der Schulbegleiter kann eine moralische Vorbildfunktion für Florian einnehmen, welche Grundlage für die Weiterentwicklung der moralischen Beurteilungsfähigkeit des Über-Ich darstellen kann. 

Diese 1:1 Betreuung ist für Florian in der aktuellen Phase unabdingbar, da eine Fremdgefährdung aufgrund der Traumatisierung und des hohen Aggressionspotenzials nicht auszuschließen ist. 

Eine stetige ambulante psychologische Behandlung zur Aufarbeitung der Traumata und anderen Diagnosen, familienunterstützende Maßnahmen seitens der Erziehungshilfe, Angebote für die Pflegeeltern und eine engmaschige Beobachtung der Situation mit Offenheit zur akut erforderlichen Änderung des Hilfeplans sind Grundlage für Florians weiteren Weg. 

Insgesamt würde ich zu einer Förderschule tendieren, da die Personalschlüssel deutlich besser organisiert sind sowie eine individuellere Förderung und Hilfeplanung stattfinden kann. 

Schulisch und in Anbetracht der sozialen Kompetenz, halte ich jedoch die Gesamtschule für die bessere Lösung. Der stetige und engmaschige Austausch im Netzwerk zwischen Lehrkräften, Schulsozialarbeit, Jugendamt, Erziehungshilfe, Therapeuten und Ärzten muss gesichert, dokumentiert und stetig evaluiert werden, um eine Selbst- und Fremdgefährdung auszuschließen. 

Zesel: Da keine Angaben über Florians Noten vorhanden sind gehe ich auf seine emotionalen und sozialen Fähigkeiten ein, da diese für mich einen Förderschwerpunkt sind. Florian hat viele traumatische Einschnitte in seinem Leben gehabt. Sein älterer Bruder hat ihn missbraucht. Seine Mutter verdiente als Prostituierte (Geschlechtsverkehr gesehen) ihr Geld. Durch die Beobachtung des Geschlechtsverkehrs wollte Florian das Verhalten erproben und teste dies an den leiblichen Kindern seiner ersten Pflegefamilie aus. Ihm waren die Folgen der Tat nicht bewusst und hat dies wahrscheinlich unvoreingenommen ausprobiert. Des Weiteren ist seine Mutter verstorben. Den Prozess des Sterbens hat Florian begleitet und seine Mutter gewürgt und getreten. Des Weiteren ist seine ältere Schwester verstorben. Es wurde nichts von Begleitung und Unterstützung in diesen schwierigen Situationen berichtet, sodass ich vermute, dass Florian alles allein erfahren musste. Dafür spricht auch die Verwahrlosung. Er wird wahrscheinlich viele Erlebnisse verdrängen. Dadurch können Impulsstörungen, eine fehlende Ich-Differenzierung und weitere Verhaltensauffälligkeiten hervorgerufen werden. Er hat Bindungsstörungen und langfristige sexualisierte Traumatisierungen. Florian wird schlechter Beziehungen eingehen und halten können. In einer Gesamtschule sind in der Klasse ca. 30 Schüler und auf jede einzelne Person müsste sich Florian einstellen können und den Kontakt suchen bzw. aufbauen. Ich denke auch, dass seine Ressource, das Comic zeichnen, untergehen würde und seitens der Lehrer_innen nur schlecht darauf eingegangen werden kann. Der Lehrplan muss verfolgt werden und es gibt nur bestimmte Zeiträume für die Themen. In der Förderschule könnte der / die Sonderschulpädagoge_in darauf besser eingehen. Die Klassen haben weniger Schüler_innen, sodass auf einzelne individuell Schüler_in eingegangen werden kann. Die sozialen und emotionalen Fähigkeiten werden geschult. Er kann Fähigkeiten erwerben/ erweitern wie die eigene Wahrnehmung oder auch das Empfinden von anderem Mitschüler_innen. Er hat Traumata, unterdrückte Ängste und innerlichen Stress, diese finden mehr Beachtung als in einer Regelschule. Des Weiteren sind aktuelle Problematiken vorhanden. Er führt Todeslisten mit Menschen aus seinem Umfeld, darunter auch seine Pflegemutter, welche er mit einer Morddrohung in Angst versetzt hat. Des Weiteren fühlt er sich zu Kleinkindern hinzugezogen, dies wird aufgrund seiner eigenen Misshandlungen und traumatischen Erlebnissen zustande gekommen sein. Zu seiner sexuellen Orientierung befindet er sich in einem Zwiespalt. Er fühlt sich zu Männern hinzugezogen, jedoch ist dies mit Angst verbunden. Florian hat viele Problematiken in seinem Leben erfahren, daher empfehle ich zunächst die Förderschule, damit er Zeit zur Entfaltung hat. In einer kleineren Klassenkonstellation hat er mehr Möglichkeiten aus sich herauszukommen und es kann individuell auf ihn eingegangen werden. Auf der Gesamtschule wäre dies nur schwer umsetzbar, da dort die schulischen Leistungen an erster Stelle stehen.

JuBa: Florian wird dargestellt als schwer traumatisiertes Kind. Er erlebt in seiner Kindheit Verwahrlosung und Missbrauch durch den eigenen Bruder. Des Weiteren erlebt er früh den Verlust seiner Schwester und der Mutter. Er hat keine Impulskontrolle, bedroht, fertigt Todeslisten an und hat ein großes Aggressionspotenzial. Dieser Sachverhalt impliziert meiner Meinung nach zunächst einen Aufenthalt in einer kinder- und jugendpsychiatrischen Klinik, in der die vorliegen psychischen Probleme und erlebten Belastungen angemessen behandelt werden können, bevor eine Beschulung stattfinden kann.

Danach sollte auf jeden Fall das Angebot des JA der Bereitstellung eines Schulhelfers genutzt werden, um die Eingliederung in den Schulalltag zu gewährleisten und Florian Unterstützung zur Seite zu stellen, egal für welche Schulform sich entschieden wird.

Gegen einen Besuch der Förderschule spricht zunächst der Ausfall der benannten Testergebnisse. So wird geschildert, dass F. für sein Alter über ein erstaunlich hohes moralisches Urteilsvermögen verfügt, was darauf deutet, dass er scheinbar in der Lage ist, sich in Situationen und andere Leute hineinzuversetzen. Der durchgeführte Intelligenztest liefert einen IQ von 89 und stellt keine eindeutige Lernbehinderung fest. Der Grundschullehrer beschreibt, dass sich Florian an die Regeln halte, was darauf deutet, dass er sein Verhalten im Unterricht anpassen kann. Wenn man dies betrachtet, könnte man Florian auf eine Gesamtschule schicken. Dort könnte er auch seine sozialen Kompetenzen weiter ausbilden.

Allerdings spricht er von sich aus darüber, dass es wichtig sei, dass die Erwachsenen darauf aufpassen sollten, dass er seine Umgebung nicht mehr austrickse. Dies deutet daraufhin, dass er in einem zu großen Klassenverbund, wie es bei einer Gesamtschule wahrscheinlich eher der Fall ist, nicht so gut angebunden und beaufsichtigt werden könnte. Auf einer Förderschule würde sein Bedarf besser erkannt werden, die Lehrer könnten sich individueller um ihn kümmern. Außerdem wurden bei ihm Verhaltensstörungen durch die Fragebögen festgestellt, die ebenfalls daraufhin deuten, dass er auf einer Förderschule besser angebunden sein würde. Nach seiner Vorgeschichte und der erlebten Ereignisse in seiner Kindheit würde ich dazu tendieren, ihn auf eine Förderschule zu schicken.

Lebe: Zunächst muss ich anmerken, dass mir die Entscheidung über die Schulwahl Probleme bereitet. Es ist für mich persönlich sehr schwierig zu beurteilen, was das Beste für Florian (und seine Mitmenschen) ist. Beide Schulformen haben letztendlich Vor- und auch Nachteile.

Florian hat aufgrund seiner schweren Kindheit und den Erfahrungen, die er dort sammeln musste, ein nicht vollends entwickeltes Über-Ich, Schwierigkeiten mit der Impulskontrolle und starke sexuelle Neigungen, vor allem zu jüngeren Personen. Ich sehe dies als äußerst problematisch. Deswegen sollte man sich an dieser Stelle fragen, ob Florian mit seinem unberechenbaren Verhalten andere gefährden könnte. Außerdem wäre es auch für Florian selbst nicht gut, wenn er weiterhin auf eine Schule gehen müsste, obwohl er diese starken sexuellen Neigungen gegenüber Kindern verspürt und unterdrücken muss. Ich denke, dass es daher auf jeden Fall notwendig ist, unabhängig von der Wahl der Schule, Florian mit einer Psychotherapie für Kinder und Jugendliche zu begleiten.

Des Weiteren ist auffällig, dass festgestellt worden ist, dass Florian zwar kein ausgeprägtes Über-Ich entwickelt hat, aber dennoch in den besagten Tests ein hohes Maß für moralische Entscheidungen zeigt. Es gibt daher einige „Widersprüche“ in seinen Verhaltens-, Denkstrukturen und der Beurteilung anderer. Laut Lehrkräften, komme Florian in der Schule gut zurecht, bzw. zeige keine (Lern-)Probleme. Auch bei dem IQ-Test kam ein Ergebnis heraus, welches nicht auf einen Förderbedarf hinweist (allerdings liegt dies auch an der Auswahl des Testes).

Ich finde, dass die Wahl, auf welche Schule Florian gehen soll eine sehr wichtige Entscheidung für Florian, aber auch für seine Mitmenschen ist. Es könnte sein, dass die sozialen Strukturen der Gesamtschule für Florian hilfreich und die Schüler selbst als eine Art Vorbild dienen könnten, oder aber auch Florian in seinen „schlechten“ Eigenschaften bestärken würden. Würde die Wahl auf die Gesamtschule fallen, sollte Florian auf jeden dort die bestmögliche Unterstützung in Form von einer Schulbegleitung und einer Vertrauensperson erhalten. Auf der anderen Seite könnte man diese Unterstützung und vor allem ein besseres Fachwissen (und vielleicht auch mehr Verständnis) seitens der Lehrkräfte auf einer Förderschule eher erhalten. Ich sehe jedoch dort das Problem, dass sich Florian vielleicht unterfordert und schlecht behandelt fühlen könnte. Aus diesem Grund sollte die Wahl, welche Förderschule und welche Klasse Florian besuchen sollte, ebenfalls stark durchdacht werden.

Letztendlich könnte ich, mit meinem persönlichen Wissen und den Berichten über Florian, keine Entscheidung treffen. Dennoch würde mich interessieren (egal, ob es sich um einen echten oder fiktiven Fall handelt), welche Schulform an dieser Stelle am angebrachtesten wäre.

Kokos: Die Frage, ob Florian auf eine Regelschule oder lieber auf eine Förderschule gehen sollte, ist meiner Meinung nach schwer zu beantworten, ich würde aber eher zur Förderschule tendieren. Der Junge selbst hat viele Probleme, die ihm selbst im Weg stehen. Dazu zählt sein hohes Gewalt- und Aggressionspotenzial im Zusammenhang mit der fehlenden ausgeprägten Impulssteuerung. Das sehr auffällige Sexualverhalten, sowie seine „Todesliste“ und die Morddrohungen seiner Pflegemutter gegenüber, zeigen meiner Meinung nach, dass zuerst eine intensivere Begleitung des Jungen nötig ist. Das Über-Ich und somit seine Moralvorstellungen sind nicht so weit ausgereift, wie sie sein sollten, auch wenn man an dieser Stelle seine Antwort beim Heinz-Problem positiv hervorheben muss. Laut dem IQ-Test ist Florian unauffällig, es liegt keine Lernbehinderung vor, allerdings lässt sein Verhalten keine Zweifel daran, dass Defizite im Bereich der emotionalen und sozialen Entwicklung bestehen. Daher halte ich die Förderschule für zunächst empfehlenswerter. Der Klassenverband ist kleiner, er kann engmaschiger betreut werden, was ich besonders deshalb für wichtig halte, da er selbst sagt, er trickse die Lehrer_innen gerne aus. Außerdem würde ich wie bereits erwähnt eine Schulbegleitung installieren, die Unterstützung bietet, gleichzeitig aber auch Ansprechperson für Florian, seine Pflegefamilie und die Schule ist. Eine psychologische Betreuung halte ich auch für wichtig. Die diagnostizierte Bindungsstörung stammt aus dem Verhältnis zur KM, er ist mehrfach traumatisiert und zeigt äußerst auffälliges und vor allem fremdverletzendes Verhalten. Ich halte es allerdings für möglich, dass die Förderschule vorerst eine „Übergangslösung“ darstellt und Florian bei Besserung auf eine Regelschule wechseln kann, die möglicherweise seinem Intelligenzlevel eher entspricht.

Keks: Florian weist viele verschiedene Problemlagen auf. Vor allem seine fehlende Impulskontrolle, sein übergriffiges sexuelles Verhalten und die fehlende Entwicklung seines Über-Ichs machen eine Entscheidung auf welche Schule er gehen soll für mich sehr schwierig. 

Wenn es sich um eine gut aufgestellte Gesamtschule handelt, finde ich die Idee ihn dort hinzuschicken erst einmal gut. Es bietet die Chance, dass er von dem Verhalten seiner Mitschüler*innen profitiert, beispielsweise durch eine klare Rückspiegelung bei Grenzüberschreitendem Verhalten. Wenn die Lehrer*innen mitziehen und ihm klare Grenzen setzen bei Fehlverhalten und mit ihm besprechen, warum es falsch ist, was er oder auch Mitschüler*innen machen, kann es ihm vielleicht helfen, nachträglich sein Gewissen weiter auszubilden. Anscheinend ist bei ihm etwas von einer Moralvorstellung vorhanden, wenn er das Heinz-Dilemma auf Basis einer höheren Stufe beantworten konnte. Daran könnte man anknüpfen und ihm beim Ausbau von Sozialkompetenzen unterstützen. Durch den Schulalltag könnte eine dauerhafte Schulbegleitung eine erste Unterstützung sein.

Das Risiko, dass er dort überfordert ist oder bei seinen Mitschüler*innen aneckt bleibt natürlich. Ich kann mir vorstellen, dass sobald die Lehrer*innen mit ihm überfordert sind, ihn gleich am liebsten „abschieben“ möchten, obwohl er eher jemanden bräuchte, der sagt, ich möchte dennoch den Kontakt zu dir halten und dies ihm auch rück spiegelt.

Für eine Förderschule würde sprechen, dass die Lehrer*innen dort vermutlich besser geschult sind Wie bereits geschrieben worden ist, würde auch ich eine Unterbringung in einer Schwerbehindertenklasse ausschließen, damit das Risiko minimiert wird, dass Florian Mitschüler*innen für sich leichter ausnutzen kann. Auch in einer Förderschule würde ich eine Schulbegleitung beiseite stellen. Auch wenn laut Test keine Lernbehinderung vorliegt, hätte Florian dort vermutlich eine bessere Betreuung. Des Weiteren könnte zusätzlich noch einmal ein anderer Test angewandt werden. Sollte er dort unterfordert sein, bestünde immer noch die Möglichkeit die Aufgaben für ihn individuell anzupassen und anzuheben.

Seine erlebten traumatischen Erfahrungen sollten meiner Meinung nach auf jeden Fall psychotherapeutisch begleitet werden.

Purzel: Florian weist ein breites Spektrum an Problemen auf. Wie vorher schon geschrieben, ist es schwierig zu beurteilen, welche Schulform die bessere ist. Von vorneherein würde ich eine Klasse mit schwerstmehrfachbehinderten Kindern ausschließen, da ich davon ausgehe, dass er dort nicht ausreichend gefördert werden kann. Durch seine Impulsausbrüche benötigt er stetig ein Ventil, um diese auszulassen. Die Alternative zu der vorgenannten Klasse wäre eine Klasse auf einer Schule für emotional und sozial schwache Kinder. In dieser Schulform besteht die Klassengröße meist nur aus zu 12-15 Kindern. Hier findet eine individuelle Förderung der Schüler_innen statt. Dadurch kann gewährleistet werden, dass der Lernstoff seiner Leistungsmöglichkeiten angepasst ist. Ebenso besteht hier ein besserer Betreuungsschlüssel als an Regelschulen. An den meisten der beschriebenen Schule gibt es auch sogenannte Time-Out Räume, in denen die Kinder die Möglichkeit haben bei Überforderung, u.a. sich aus der Klasse auszuklinken. 

Eine Gesamtschule zeichnet sich zunächst ebenfalls als geeignet aus, um auf die Ressourcen und Stärken von Florian einzugehen. Jedoch bestehen die Klassen hier aus wesentlich mehr Schüler_innen, sodass Florian aus dem Blick fallen kann. Dadurch besteht die Gefahr der Instrumentalisierung anderer Schüler_innen. Rückmeldung zu seinem Verhalten würde er auf beiden der genannten Schulformen erhalten.

Egal welche Schulform ausgewählt wird, halte ich es wie Aber für notwendig ihm eine Schulbegleitung zur Seite zu stellen.

Letztendlich führt kein Weg an eine therapeutische Anbindung vorbei, damit Florian seine traumatisierenden Erlebnisse bearbeiten kann. Durch die therapeutische Unterstützung bekommt er die Möglichkeit neue Handlungsmöglichkeiten kennenzulernen.

Fyve: Florian hat verschiedene größere Problemlagen. Die fehlende Entwicklung des Über-Ich, wodurch er Probleme mit Moral und Gewissen hat, sowie sexuelle Auffälligkeiten und aggressiven Verhalten. 

Meine subjektive Einschätzung: 

Dadurch, dass Florian nicht lernbehindert ist und kognitiv in der Lage wäre, eine Gesamtschule zu besuchen, würde ich dies auch bevorzugen. Entscheidend wäre, dass Florian einen Schulbegleiter zur Seite gestellt bekommt. Der sowohl aufpasst, das Florian die schulischen Anforderungen schafft als auch seine Neigungen und Probleme hinsichtlich Aggressivität im Blick behält. Des Weiteren sollten seine sexuellen Neigungen psychologisch untersucht und behandelt werden. Eine Anbindung an einem Psychologen/ Psychiater ist unumstößlich. Seine Defizite im emotionalen wie auch im sozialen Bereich könnte man, durch gute psychologische Anbindungen stärken und ausbauen. Die Kapazitäten vom Jugendamt würden dafür bereitgestellt werden. Des Weiteren könnte auch der Schulbegleiter nach der Schule für Florian weiterhin präsent sein und ihn unterstützen. Ich befürchte, dass er auf einer Förderschule unterfordert ist und somit noch mehr Verhaltensauffälligkeiten zeigen würde. Durch Unterforderung, wurde sich das Verhalten von ihm nicht verbessern. Eine Förderschule hätte eventuell einen besseren Personalschlüssel aber dadurch, dass Florian einen Schulbegleiter bekommt wäre dieses Argument für mich nicht mehr ausschlaggebend. Des Weiteren glaube ich, wenn Florian erst einmal auf einer Förderschule ist, wird er Probleme bekommen im Nachhinein noch auf einer Gesamtschule zu kommen. Er müsste viel Unterrichtswissen nacharbeiten und hätte eine große Umstellung des Schulkonzepts. 

Freu: Ich kann mich meinen Kommiliton/innen anschließen und empfinde die Wahl der Schulform, vor dem Hintergrund, dass wir die genauen konzeptionellen Strukturen beider Schulen nicht kennen, als sehr schwierig. Je nachdem, wie beide Schulen personell, fachlich und interdisziplinär aufgestellt sind, denke ich, dass sowohl die Gesamtschule als auch die Förderschule gewisse Vor- und Nachteile für Florian bereithalten können.

Allerdings denke ich, dass Florian in einer Förderschule für schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche am völlig falschen Platz wäre, da dieser Schwerpunkt weder seinem Entwicklungsstand noch seinem Förderbedarf entspricht. Viel eher könnte ich mir eine Förderschule mit emotional sozialem Schwerpunkt vorstellen. Dort gibt es ausreichend Fachkräfte, die im Umgang mit traumatischen Erlebnissen und den daraus resultierenden Verhaltensauffälligkeiten und Neigungen erfahren sind und gezielt eingreifen und unterstützen können. In einem kleineren Klassensetting hätte er weniger Möglichkeiten, „unterzugehen“, Lehrkräfte auszutricksen und bspw. seine Neigungen auszuleben. Dort kann individuell auf seine Bedürfnisse, Problemlagen und Lehrmethoden eingegangen werden.

Dem gegenüber steht jedoch, dass er in einer Förderschule, die von weiteren Kindern mit ähnlichen Verhaltensmustern besucht wird, nur schwieriger an seiner Ausgestaltung des Über-Ichs arbeiten könnte. Dort er nicht den „sozialen Druck“, welcher ihn unweigerlich dazu bewegt, an sich und seinem Verhalten zu arbeiten, um im Klassenverband gut anzukommen und akzeptiert zu werden. In einer Gesamtschule müsste er sich unweigerlich mit diesem Punkt auseinandersetzen. Dort könnte er im besten Fall von seinen Mitschüler/innen profitieren.

Um die für ihn und seine Entwicklung „beste“ Schulform zu wählen, bin ich ebenfalls der Meinung, dass Florian zuvor in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufgenommen werden sollte und auch im Nachhinein engmaschig psychologisch begleitet werden sollte. Dies ist sowohl aufgrund seiner Vielzahl an Erlebnissen und Erfahrungen als auch aufgrund der möglichen Fremdgefährdung unausweichlich.

Juna: Welche Schulform ist für Florian geeignet
Aufgrund von selbst- und fremdschädigenden Persönlichkeitsanteilen von Florian ist hier ersmal festzuhalten, dass ein kindertherapeutischer Bedarf vorliegt. Ebenfalls eine engmaschige Betreuung und Begleitung der Pflegeeltern/Pflegefamilie aufgrund der bestehenden Auffälligkeiten und Schilderungen der Pflegemutter. Diese Begleitung sollte durch einen Pflegekinderdienst, vor allem im Hinblick darauf erfolgen, damit die Pflegeeltern mit ihren Sorgen und vielleicht auch mit einer evtl. vorkommenden Hilflosigkeit nicht alleine gelassen werden. 
Die Entscheidung, welche Schulform für Florian gewählt werden sollte und welche Begleitung und Unterstützung Florian bekommen sollte, würde ich auch aufgrund einer Einschätzung eines Kinderpsychotherapeuten entscheiden wollen. Nach Vorlage der aktuellen Daten, liegt bei Florian keine Lernbehinderung vor, er hat die Grundschule in einer Regelform besucht, der IQ Test hat ein Ergebnis von 85 ausgewiesen. Ich denke daher, dass die Gesamtschule die richtige Wahl für Florian ist. Die Gefahr einer evtl. Fremdschädigung liegt in beiden Schulformen vor. Für die Wahl der Förderschule würde allerdings sprechen, dass die Lehrkräfte die sonderpädagogische Ausbildung haben und die Klassen viel kleiner sind als auf der regulären Gesamtschule. Auf der Förderschule könnte Florian durch die Lehrkräfte besser begleitet werden. Diese Begleitung kann aber auch in Form einer Schulbegleitung etc. auf der Gesamtschule erfolgen. Für die Entscheidung fehlen mir allerdings noch genauere Informationen zu der Gesamtschule, wir groß ist diese Schule, wie weit vom Wohnhaus entfernt, wir groß sind die Klassen? Ich denke, wenn Florian psychotherapeutisch begleitet wird, hat er vieles zu bearbeiten, seine Traumata zu verarbeiten und die Entwicklungslücken nachzuhohlen. Ich würde ihn daher ungern an einer Gesamtschule mit vielen Kindern, einem vielleicht überfordernden Konzept und großen Klassen unterbringen wollen. Ich denke, besonders für Florian wäre eine ruhige Wohn- und Schulumgebung, ein sicheres und gut strukturiertes soziales Netz wichtig.

Elli  Förderschule oder Gesamtschule?

Ich würde mich in diesem Fall bei meinen Kommilitonen*innen anschließend. Ich finde es sehr schwierig dies einzuschätzen.
Da Florian viele verschiedene Problemlagen hat, ist es nicht leicht einschätzbar, wie er sich in der jeweiligen Schulform verhalten würde. 

Ich würde versuchen ihn zunächst in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie aufnehmen zu lassen und hier an seinen traumatischen Erlebnissen und an der Bindung zur Pflegemutter zu arbeiten (z.B. durch die Marte Meo Methode und Elternarbeit) ggfs. kann die Pflegemutter mit aufgenommen werden und so könnte die Interaktion zwischen beiden beobachtet und die Bindung gestärkt werden. Außerdem könnte Florian Handlungsmöglichkeiten erarbeiten, mit denen er seine Impulsivität lenkbarer machen kann. 

Wären wir bei „Wünsch-dir-was“, würde ich Florian als erstes versuchen auf eine Gesamtschule zu schicken. Da der Grundschullehrer beschreibt, dass er durch aus in der Lage ist, sich an Regeln zuhalten. Er sollte allerdings einen Integrationshelfer*in an die Seite bekommen, jedoch sollte darauf geachtet werden, dass er vielleicht nicht der Einzige ist, der einen Integrationshelfer hat, sodass er nicht alleine eine „Sonderrolle“ in der Klasse hat. Ich denke zudem, wäre es schön, wenn die Klasse nicht zu groß ist und er somit nicht zu vielen Reizen ausgesetzt ist. Des Weiteren sollte er vielleicht der jüngste in der Klasse sein, aufgrund seiner Gefühle jüngeren Kindern gegenüber. Während des Schulalltags können seine Sozialkompetenzen verstärkt werden. Vielleicht könnte es regelmäßige Gruppen geben, in denen allgemein über  Themen wie z.B. Konflikte etc. gesprochen wird und wie diese gelöst werden können. Da Florian bei dem Dilemma Test gezeigt hat, dass er sich in andere hineinversetzen kann, könnte durch regelmäßiges „Training“ geübt werden, wie ein Miteinander funktionieren kann. 

Evtl. ist es sinnvoll, dass Florian zunächst nur Stundenweise oder max. drei Tage beschult wird, um ihn nicht zu überfordern und er positive Dinge mit der Schule verknüpft. Zudem könnte man für Florian einen Verstärkerplan erstellen.
Lehrer sollten darüber informiert und darin geschult sein, wie man mit Bindungsgestörten Kindern umgeht. Also z.B., dass sie ihm nach einem Konflikt oder einem sch… Schultag klar machen, dass er trotzdem wiederkommen kann und sie trotz allem für ihn da sind.

 cora1108: Meiner Meinung nach ist es relativ schwierig die Entscheidung zwischen einer Förderschule und einer Gesamtschule für Florian zu treffen.Da er keine akuten Probleme im Bereich „Lernen“ hat, würde er den Unterricht an der Gesamtschule vielleicht schaffen, wenn es rein um den Lernstoff geht.Ich denke aber, dass Florian die sozialen Kontakte und die relativ großen Klassen dort schnell überfordern würden. Dies könnte dann dazu führen, dass ihm auch das Lernen dort schwerfällt.
Florians fehlende Impulskontrolle in Kombination mit seinem hohen Gewalt- und Aggressionspotenzial  würde dafür sprechen, dass er auf einer Förderschule für den Anfang besser aufgehoben wäre.Dort könnte er enger betreut werden und somit seine Moralvorstellungen und seine Fähigkeit zur gewaltfreien Kommunikation in sozialen Beziehungen „verbessern“. Die kleineren Klassen und der Kontakt zu Kindern, die ähnliche Auffälligkeiten wie er haben, könnte zu einer Veränderung beitragen.Obwohl Florian keine Lernbehinderung hat, könnten seine Auffälligkeiten im emotionalen- und sozialen Bereich an einer Förderschule besser erkannt werden. 
Ich bin deshalb der Meinung, dass Florian erstmal eine Förderschule besuchen sollte, um herauszufinden, wo genau seine Auffälligkeiten herkommen und was ihm helfen könnte.Da seine Bindungsstörung allem Anschein nach aus der Beziehung zur Kindesmutter resultiert, wäre eine psychologische Betreuung ebenfalls sinnvoll.
Eventull könnte er irgendwann dann auf eine Gesamtschule wechseln.

12. Lerneinheit: Verhaltenstherapie und Positionen aus dem Systemischen Ansatz

Die 12. Lerneinheit unternimmt den Versuch, einen Vergleich zwischen Verhaltenstherapie und Positionen aus dem systemischen Ansatzvorznehmen. Konkret geht es dabei um die Frage, ob ein an Forderung der Verhaltenstherapie ausgerichtetes Elterntraining oder das Familienklassenkonzept hilfreich für den Umgang mit Verhaltensproblemen in Schulen sein könnte.

Elterntraining oder Familienklassen?

Tab 11
: Annahmen der Lerntheorie nach Myschker, N.: Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen. Stuttgart 1993, 95 ff
klassische Konditionierung: Stimulus & Response (Pawlow)Verstärkungslernen (Skinner):
* primäre Verstärker sind mit Trieben, Bedürfnissen & Wünschenverbunden
* sekundäre Verstärker stammen aus Zusammenhängen sozialer
Bedürfnisse (z.B. Lob, Anerkennung usw.)
* positive Verstärker erhöhen durch angenehme Konsequenzen die Verhaltensrate
* negative Verstärker erhöhen die Verhaltensrate, indem ein unangenehmer Zustand oder Reiz beendet wird
Imitationslernen (Bandura): beobachtete verstärkte Verhaltensweisen werden imitiert
Tab 12: Merkmale von verhaltenstherapeutischen Trainingsprogrammen nach Mand, J.: Lern- und Verhaltensprobleme in der Schule. Stuttgart 2003
Therapievertrag
Verstärkerpläne / Tokensysteme
Selbstinstruktion
Übungen zur Fremd- & EigenwahrnehmungEntspannungsübungen
Tab 13: Petermann, F./Petermann, U.: Training mit Jugendlichen, Göttingen 6 2000
Erstkontakt: Ziele: eine Vorstellung über Trainingsablauf & Inhalte, wechselseitige Erwartungen, kontinuierliche Mitarbeit
praktisches Vorgehen: Infos über Wandzeitung & Materialien (Kassettenrekorder), Therapeut erläutert, warum Training wichtig ist, Therapievertrag, Tagebuch, Trainingsmappe
Themenarbeit Beruf & Zukunft: anhand von Cartoons, Absprache einer Regel für die Tagebucharbeit (Ziel: Selbstbeobachtung, Verhalten einüben)
Freizeit & Familie: Tagebuchrückmeldung, unrealistische Vorstellungen über privates Glück anhand Cartoons, Rollenspiel, Beobachtungsaufgabe für Tagebuch
Lebensschicksale & Verantwortung: Tagebuchrückmeldung, Eigenverantwortung anhand von Beispielen des Jugendlichen, Rollenspiel mit Rollentausch anahnd eines Beispiels, Situationsbilder, Tagebuch
Schwierige Situationen und widerstehen lernen: Tagebuchrückmeldung, Sammeln von schwierigen Situationen, Vorteils/Nachteilsliste (104), Tagebuch
Offenes Angebot: Eigenständiges Problemlösen: Tagebuchrückmeldung, Arbeit an eigenen Materialien (z.B. Collage)
Tab 27: Anwendung des systemischen Ansatzes auf die Arbeit mit auffälligen Kindern und Jugendlichen durch Palmowski 1998
Kinder können als Mitglied des Schulsystems Klasse und als Mitglied anderer Systeme verstehen könne.
Wichtig ist:das Verhalten einer Person als Ergebnis und Ausdruck situativer Bedingungen,Strukturen und Personen zu betrachten
davon auszugehen, dass Verhalten im Kontext funktional ist
zu bedenken, dass es einfacher sei, die Situation als die Menschen zu ändern 
Spielregeln und Regelkreise zu analysieren  
Kinder mit Verhaltensproblemen können als Experten zu betrachtet werden, die selber wissen, wie sie am besten lernen können.
Wichtig ist: als Lehrer eine kooperative Arbeitsweise zu entwickeln
sich selbst und anderen gegenüber tolerant zu sein
Tab 28: Regelverständnis in der Arbeit mit verhaltensschwierigen Kindern und Jugendlichen  nach Palmowski 1998
Manchmal ist es möglich, Regeln offen und kooperativ neu zu verhandeln. 
Palmowksi nennt hierzu als Strategien:  
Symptomverschreibung[nicht Palmowskis Begriff], Beispiel: Schulleiter wettet, dass Problemschüler heute wieder dreimal die Klassentüre öffnen wolle (215)
Ritualisierumg (215 f) Beispiel: L., die Streittisch einrichtet, an den sie sich mit 
S. setzt, um sich gegenseitig zu beschimpfen
Regelveränderung (216) Beispiel: Beratungsstelle, die aushandelt, dass Sohn bei Wutanfällen die Beratungsstelle anrufen soll
Regelimport: [nicht Palmowskis Begriff] aus einem anderen Kontext  Regeln anwenden

In der 12. Lerneinheit findet sich auch ein Referat zum Thema Jugendkriminalität.

Referat Jugendkriminalität

15 Gedanken zu „Arbeitsfeld Erziehungshilfe“

  1. Meine Vorschläge zur Neugestaltung des Familienhilfesystems wäre u.a. an die negativ Besetzungen des Wortes Jugendamt zu bearbeiten. Hören Familien das Wort Jugendamt, haben diese oftmals Angst, dass Jugendamt würde die Kinder aus der Familie holen.
    Das Jugendamt sollte für positve PR sorgen, z.B. Hilfestellungen bieten, sodass Familien sich gerne an das Jugendamt wenden, ohne Angst zu haben, dass die Kinder weg genommen werden. Das kann schon in Form der Schwangerschaft passieren, sodass z.B. Hebammen Flyers vom Jugendamt verteilen, wo einzelne Hilfen und Anlaufstellen aufgelistet werden. Auch kann ich mir vorstellen, dass das Jugendamt in Schulklassen vorstellig wird, sodass Kinder keine Hemschwelle haben, sich bei Problemen dort zu melden. Lehrer / Sozialarbeiter könnten hierbei auch was zu beitragen, indem Flyers in Schulen ausliegen und Sprechstunden anbieten.
    Erziehungsberatungsstellen sollten genauso bekannt gemacht werden, auch ansprechend für Familien mit Migrationshintergrund, die vielleicht eine Hemmschwelle durch die Sprachbarriere besitzen. Meines Wissens, gibt es wahrscheinlich in jedem Bezirk Beratungsstellen, nur wissen Familien dies öfter nicht oder trauen sich nicht, einfach dort hinzugehen. Solche Beratungsstellen könnten bei Stadtfesten oder ähnlichen Veranstaltungen durch Stände, Flyers, Spieleangebote bekannter gemacht werden.

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  2. Meiner Meinung nach, sollte es definitiv mehr Aufklärung bezüglich von Hilfestellungen geben. Also in wie fern diese Angeboten werden, was dort gemacht wird und das sich Hilfe zu holen nichts Negatives ist und die Familien keine Angst haben müssen, durch die suche einer Hilfe negativ bei dem Jugendamt aufzufallen.
    Dies sollte schon vor der Geburt passieren. Evtl. durch Flyer auf Geburtsstationen oder bei dem Behandelnden Frauenarzt.
    In der Stadt in der ich lebe (Gevelsberg), kommt nach jeder Geburt ein_e Mitarbeiter_in von der Stadt zu einem nach Hause und bringt ein Willkommenspaket. Zum einem Könnte dies genutzt werden, um in dem Willkommenspaket ein Flyer des Jugendamtes und deren Angebote beizufügen. Und zum anderem könnte der/die Jeweilige Mitarbeiter_in eine Kurze Aufklärung darüber geben.
    In Großstädten ist es zwar schwer für jede Geburt eine_n Mitarbeiter_in los zu schicken, jedoch könnten diese Pakete verschickt werden. Dann fehlt zwar die Persönliche Aufklärung, jedoch bekommt jede Familie einen Flyer mit den Angeboten.
    Allerdings sollte das Jugendamt bei Klienten, wo es den Anschein macht, dass dort eine Hilfestellung von Nöten ist, diese sofort einleiten. Erfahrungsgemäß werden aus Kostengründen Hilfestellungen erst eingeleitet, wenn es grenzwertig wird. Wichtig ist, das auch bei dem kleinsten Abweichungen durch Hilfeleistungen gehandelt wird, damit die Familien schnell aus diesen Situationen herauskommen.

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  3. Ideen zur Verbesserung des Familienhilfesystems.
    Wie schon oben erwähnt wurde, bin ich auch der Meinung, dass das Image des Jugendamtes verbessert werden sollte. Leider wird das Arbeitsfeld der Erziehungshilfe oft negativ mit Vorurteilen gesehen wie z.B. mit dem Gedanken, dass doch eh nur die Kinder weggenommen werden. Durch eigene Erfahrungen habe ich mitbekommen, dass es Dienststellen gibt, welche keine geregelten Arbeitszeiten anbieten. Vielleicht wäre eine angemessene Bezahlung und geregelte Arbeitszeiten ein Anreiz, um den Personalmangel zu beheben und den Arbeitsbereich etwas attraktiver zu machen. Auch ein funktionierendes Netzwerk zwischen Schule, Jugendamt, Beratungsstellen etc. sollte gestärkt und immer wieder ergänzt werden. Auch eine frühe Aufklärung über den Bereich der Erziehungshilfe (Was ist das? Wofür ist sie da?) wäre nicht verkehrt. Viele Familien haben leider immer noch das Gefühl, beim Wort ,,Jugendamt, Familienhilfe‘‘ versagt zu haben.

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  4. Wie kann man Angebote schaffen, damit Menschen am Rande der Gesellschaft auf etwas wirklich stolz sind?
    Ich finde diese Frage ist sehr schwer zu beantworten. Da wir in einer Leistungsgesellschaft leben, wird stolz oder auch der Wert eines Menschen an seinen beruflichen Erfolg gekoppelt. Die Gesellschaft spiegelt häufig und auch deutlich wieder, dass Beispielsweise ein Arzt mehr Wert ist, als eine Kassiererin an der Supermarkt Kasse. Auch wenn die Kassiererin stolz auf sich ist, weil sie Alleinerziehend ist, keine Ausbildung hatte, da sie in schweren Verhältnissen aufwächst jetzt endlich einen Job hat, wird das Gefühl schnell getrübt durch die Reaktionen der Gesellschaft. Hinzu kommt dann noch die schlechte Bezahlung. Das man dann nicht stolz auf sich sein kann oder seinen eigenen Wert niedrig einstuft, ist aufgrund dessen kein Wunder.
    Durch die Pandemie hat sich die Wertschätzung im Bezug auf Kassiererinnen oder auch auf das Pflegepersonal ein wenig zum positiven entwickelt, die Menschen in diesen Job erfahren mittlerweile mehr Wertschätzung als vorher. Auf diese Entwicklung sollte man Anknüpfen und auch solche Ausbildungen mit mehr Gehalt wertschätzen, um diese Jobs attraktiv zu machen.
    Mein Wunsch wäre noch, dass man unser Schulsystem überdenkt. Das Schulsystem ist sehr teoretisch und verläuft nach einem vorgegeben Plan, bietet wenig Handlunsspielraum für Kreativitiät oder individuelle Entfaltung. Die Kinder die gerne und mit leichtigkeit lernen und verstehen, haben Glück gut das Schulsystem erfolgreich durchlaufen zu können. Andere Kinder, die Probleme mit dem Lernen haben, bekommen durch schlechte Noten, das Gefühl „dumm“ zu sein und dies führt zu frustrationen oder gar Schulverweigerung.
    Auf praktische Fertigkeiten, oder Kreativität wird in der Schule weniger Wert gelegt, sodass die Kinder die vielleicht kreativ sind und nicht gut lernen können, im Schulsystem komplett unter gehen und sich als Versager fühlen. Dies zieht sich dann auch in den Ausbildungen durch. Beginnt man Beispielsweise eine Ausbildung als Krankenpfleger, lernt man zum einen den praktischen Teil und zum anderen den theoretischen Teil. Ist man in der Praxis richtig gut, hat aber erhebliche Probleme kognitiv sich Wissen anzueigenen, hat man keine Chance die Ausbildung zu bestehen. Hier sollte das Schulsysem flexibler sein und Menschen eine Chance bieten können, die ihre Stärken mehr im Praktischen Bereich besitzen. Die Erfahrung mache ich ja selber auch. Ich finde das Studium für mich sehr theoretisch und habe Schwierigkeiten mich mit dem Wissenschaftlichen Arbeiten anzufreuden.
    Ich weiß leider nicht, wie man Anlaufstellen für Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben etablieren kann, sodass diese auch gut angenommen werden. Das wichtigste meiner Meinung nach wäre aber, den Menschen erstmal wieder das Selbstwertgefühl zu stärken. Den Menschen vor Augen halten, was sie alles schon geschafft haben, auch wenn sie keine Ausbildung oder einen Job haben, werden Sie Dinge in ihrem Leben gemeistert haben, an denen andere vielleicht zerbrochen werden. Es sollte erstmal die vollständige psychische Gesundheit der Menschen hergestellt werden, sodass sie durch Empowerment, eigene Lösungen für die Zukunft entwickeln können.
    Auch erachte ich es als wichtig, Menschen über ihre Rechte aufzuklären und vielleicht auch im Bezug auf Politik, Wissen vermitteln, damit Menschen sich mehr damit befassen.
    Natürlich halte ich es auch für Sinnvoll, verschiedene AG`s anzubieten, wie z.B.
    Sprachkurse
    Kurse zur Gesundheit, Gesund bleiben, Gesund werden, Ernährung, Sport
    Politik
    Erziehung
    Gartenprojekte
    Musikprojekte
    Kochprojekte
    Handwerksprojekte

    Wie gesagt, ich finde es schwer, diese Frage zu beantworten, weil ich einfach denke, dass das Problem sehr tiefgründig ist und z.B. durch Anlaufsstellen nicht vollständig aufgefangen werden kann.

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  5. Ich konnte leider keine Zahlen für die Stadt Herne finden, jedoch bin ich auf etwas anderes spannendes gestoßen.
    https://webshop.it.nrw de/gratis/Z089%20201551.pdf auf S. 16 wird der Übergang von und an Förderschulen in NRW im Zeitraum 2005 – 2014 statistisch analysiert.
    Zwischen den Jahren 2008 und 2014 gab es einen erheblichen Anstieg (3,3%) von Förderschülern, die auf eine Regelschule gekommen sind.
    Im Jahr 2013/2014 haben Hauptschulen 1,1 % der ehemaligen Förderschüler aufgenommen.

    Umgekehrt sind die Zahlen jedoch leider auch angestiegen. 2011 / 2012 ist die Zahl mit 5,7 Prozent zurückgegangen, jedoch bis 2014 auf 6 % angestiegen. Den größten Anteil machten hierbei die Grundschulen aus.

    Ich versuche mal herauszubekommen, wie sich die aktuellen Zahlen belaufen. Interessant würde ich auch finden, warum es zu einem Anstieg kam

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  6. Was möchte ich als Familienhelferin in der Familie von Vicky erreichen?

    Als Familienhelferin möchte ich erstmal Kontakt zu der Familie aufnehmen. Ich würde mit Vicky ein Temin ausmachen, um sie und ihre Tochter zu Hause zu besuchen.
    Wenn wir ein Termin ausgemacht haben, ist mir beim 1. Gespräch erstmal wichtig Vicky und ihre Tochter kennenzulernen. Beim 1. Gespräch würde ich erstmal mit Vicky sprechen, um von ihr zu erfahren, was sie von mir als Familienhelferin erwartet und ob sie überhaupt gewillt ist, Hilfe anzunehmen. Danach würde ich mit ihrer Tochter sprechen, um von ihr zu erfahren, was sie sich von mir wünscht.
    Wenn ich mit beiden Gesprochen habe und Vicky und ihre Tochter sich vorstellen können mit mir zusammen zuarbeiten, würde ich einen weiteren Termin vereinbaren, um die Familie in ihren Alltag zu unterstützen.
    Bei diesem 2. Termin würde ich mit Vicky in ihrem Altag mitlaufen, um mir ein Bild davon zu machen, wie sie mit ihrer Tochter umgeht, wo evtl. Schwierigkeiten auftreten und wo besondere Hilfe benötigt wird.
    Wenn ich mir ein Bild von ihrem Alltag gemacht habe , würde ich meine Eindrücke mit den Wünschen von Tochter und Mutter abgleichen, um daraus meinen Auftrag ableiten.
    Im nächsten Schritt, würde ich mich mit Vicky und der Tochter zusammen setzen und meine Beobachtungen schildern. Hier würde ich der Mutter und Tochter mitteilen, was mir im Alltag aufgefallen ist. Es wird erarbeitet, was gut gelaufen ist und wo es noch Hilfebedarf gibt. Es werden Ziele für die gesamte Zeit festgelegt und Ziele bis zum nächsten Besuch.
    Ich möchte in der Familie erreichen, dass Chantal ohne Gewalterfahrungen groß gezogen wird und Mutter und Tochter einen strukturierten Tagesablauf haben.
    Wenn die Ziele festgelegt sind, werde ich Termine mit der Familie vereinbaren und diese im Alltag unterstützen.
    Meine Aufgaben in der Familie könnten sein:
    Hilfe bei Umgang mit Geld
    Hilfe bei Umgang mit Konfliktsituationen
    Hilfe beim Haushalt
    Hilfe bei Schulproblemen
    Hilfe bei der Freizeitgestaltung

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  7. „Fischmaul“
    Probleme von dem Jugen:
    – Probleme in der emotionalen und sozialen Entwicklung,deshalb Förderschule
    – Mobbing durch andere Mitschüler_innen aufgrund seines Aussehens
    – evtl. ein vermindertes Selbstwertgefühl, da er auf das Mobbing aggressiv reagiert
    – aggressiv
    – hat oft das Gefühl ungerecht behandelt zu werden von den Lehrern (Schulaufgaben)
    – fehlende Handlungsalternativen um mit Wut, Aggressionen umzugehen

    Probleme von der Mutter – Lebenspartner:
    – lehnt Förderschulen ab
    – hasst Autoritäten
    – Alleinerziehend
    – Partner hat eine Tochter, die in einer WG lebt
    – Partner lehnt jegliche Hilfesysteme ab
    – beide sind unangepasst

    mögliche Hilfe:

    Da Fischmaul in der Schule ständig gemobbt wird, sollte die Schule das Thema aufgreifen und mit Hilfe eines Projektes die Schüler über Mobbing und deren Auswirkungen informieren.
    Da Fischmaul auf das Mobbing immer aggressiv reagiert, gehe ich von der Annahme aus, dass Fischmaul ein geringes Selbstwertgefühl besitzt. Hier könnten die Lehrkräfte ansetzen, um dieses zu stärken. Es könnte in Form von loben sein, wenn er etwas gut gemacht hat, kleinste Fortschritte hervorheben oder ihm auch Eigenschaften nennen, die besonders toll an ihm sind.
    Außerdem sollten Fischmaul Handlungsalternativen aufgezeigt werden, wie man mit Wut oder Aggressionen umgeht. Die Sprache finde ich hierbei auch wichtig. Fischmaul sollte lernen, seine Gefühle verbal äußern zu können.
    Handlungsalternativen erlernen oder das Selbstwertgefühl stärken, könnte man mit einer Sport Ag aufarbeiten. Sportliche Aktivitäten fördern das Selbstwertgefühl und Fischmaul hat die Möglichkeit mit den anderen Kindern über Sport in Kontakt zu treten.
    Das er sich bei den Schulaufgaben ungerecht behandelt fühlt, hängt glaube ich auch mit seinem niedrigen Selbstwertgefühl zusammen. Ich glaube wenn man sein Selbstwertgefühl steigert, lässt dieses Verhalten nach. Trotzdem könnte ich mir gut vorstellen, Fischmaul in die Aufgabenverteilung mit einzubeziehen. Wenn die Aufgaben individuell verteilt werden, könnte der Lehrer mit Fischmaul gemeinsam die Aufgaben festlegen, sodass Fischmaul das Gefühl hat, wertgeschätzt zu werden und das nicht über seinen Kopf hinweg entschieden wird. Ich kann mir auch gut vorstellen, für Fischmaul einen Intergrationshelfer zu beantragen, der ihm im Schulalltag unterstützt, jedoch muss hierbei geschaut werden, ob Fischmaul dadurch nicht erst recht ausgegrenzt wird.

    Sind die Maßnahmen in der Schule ergriffen und umgesetzt, würde ich durch den Klassenlehrer Kontakt zur Mutter aufnehmen. Ich würde den regelmäßigen Austauch über ein Mitteilungsheft pflegen, wobei ich da am Anfang den Fokus auf positive Dinge legen würde. So ist die Mutter immer informiert und verknüpft die Schule erstmal mit positiven Dingen. Wenn die Mutter den Austausch über das Mitteilungsheft annimmt, würde ich im 2. Schritt ein Telefonkontakt mit ihr ausmachen, um sich über den Sohn auszutauschen.
    Bei dem Telefonkontakt würde ich auch erstmal nur positive Dinge berichten, damit die Mutter den Kontakt Schule als angenehm empfindet. Wenn eine stabilier Austausch zwischen Schule und Mutter besteht, kann man Schwierigkeiten mit Fischmaul in der Schule mit der Mutter thematisieren. Dabei finde ich es hilfreich, der Mutter das Gefühl zu geben, dass sie die Expertin von ihrem Sohn ist und man als Lehrer von ihr Hilfe benötigt, wie man in der Situation mit den Jungen umgehen soll. So nimmt die Mutter es nicht als Fehler ihrer Erziehung auf, sondern eher als Hilflosigkeit von dem Lehrer und sie kann ihn dann Tips geben. Über diese Weise, kann man mit der Mutter zusammen, Handlungsalternativen für verschiedene Schwierigkeiten erarbeiten.

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  8. Anhand der Beschreibungen möchte ich „Fischmaul“ der Stufe 0 in dem Modell der Entwicklung der Perspektivübernahme nach Selman (1982) zuordnen. Fischmaul ist in der Lage unterschiede wahrzunehmen, jedoch ist er nicht in der Lage, zu verstehen, warum es diese Unterschiede gibt. Fischmaul erkennt, dass er andere Aufgaben bearbeitet, versteht aber nicht warum. Dies führt dazu, dass er sich ungerecht behandelt fühlt.

    Damit Fischmaul sich weiterentwickeln kann ist es wichtig, dass er erkennt, dass es auch andere Perspektiven gibt, die von seiner abweichen können, oder sogar ähnlich sind.

    Da Fischmaul gemobbt wird, finde ich es wichtig, dass parallel dazu, die Klassengemeinschaft gestärkt wird und somit würde ich Angebote in Kleingruppen oder mit der gesamten Klassw anbieten.
    Ich könnte mir gut vorstellen, dass mit Smileys oder Emojis gearbeitet wird, die verschiedene Gefühle ausdrücken. Jeder Smiley sollte mit einem Gefühl beschrieben werden, so erkennt man, ob die Kinder in der Lage sind, die Emotionen zu benennen und evtl. lernen sie neue Emotionen dazu.
    Der Leherer könnte dann eine Situation schildern und die Kinder können dann den Smiley hochhalten, der das Gefühl ausdrückt, was die Kinder bei diesem Satz empfinden. So lernt Fischmaul seine Gefühle zu zuordnen und erkennt, dass 1 Satz, verschiedene Gefühle bei verschiedenen Personen auslösen kann. Der Lehrer kann dann auf die Unterschiedlichen Gefühle eingehen und herausarbeiten, warum verschiedene Gefühle zu stande kommen.
    Diese Übung kann man weiterführen, um auch Handlungsalternativen raus zu arbeiten.
    Nachdem die Kinder ihre Gefühle benannt haben, kann man die Kinder dann fragen, wie sie damit umgehen. So kann es vorkommen, dass die Kinder in Situationen unterschiedlich oder sogar gleich handeln. Auch hier kann man dann auf die Unterschiede eingehen. Z.b. sagt der Lehrer, wenn ich gemobbt werde, fühle ich mich…..die Kinder halten dann die Smileys hoch. Fischmaul sieht dann, dass er sauer ist, andere Kinder aber einen traurigen Smiley hochhalten. Dann kann der Lehrer fragen, wenn du gemobbt wirst, was tust du? Fischmaul erkennt dann, das andere Kinder vielleicht sagen, dass sie zu den Lehrern gehen, oder es ignorieren. Fischmaul würde wahrscheinlich einen wütenden Smiley hochhalten und sagen, dass er zuschlägt, wenn er gemobbt wird. Durch diese Übung lernt Fischmaul dann durch die andren Kinder, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt, mit einer Situation umzugehen. Und zusätzlich wird den anderen Kindern deutlich gemacht, was z.B. das Mobbing bei anderen auslöst.

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  9. Aufgabe: Stellen Sie fest, was der Schüler bereits kann und was noch nicht und entwickeln sinnvolle Förderangebote.

    Ich kann mich dem geschriebenen bisher nur anschließen. Der Satz: „Die Fliege fliegt auf Uwes Nase.“ , ist ein Element der Hamburger Rechtschreibprobe nach May, dies hat „Aber“ gut beschrieben.

    Folgende Schwierigkeiten:
    – Groß- und Kleinschreibung (alle Wörter sind gleich groß geschrieben)
    – Satztrennung / Worttrennung (großer Abstand, zwischen den Buchstaben, man kann schwer erkennen, wo ein Wort aufhört und das andere anfängt)
    – i und ie
    – Buchstabe D ist falsch geschrieben
    – fehlende Wörter

    Vorschläge:

    – Möglichst viel selber lesen
    – dem Kind vorlesen
    – Silbentrennung mit Klatschübungen
    – Wörter und Wortstamm bilden
    – Lückentexte mit dem Schwerpunkt auf Wörter mit i und ie, das selbe kann man dann auch für t und d erstellen
    – im Klassenverband kann man Geschichten selber schreiben: Einer fängt an einen Satz zu sagen, der nächste ergänzt diesen Satz, bis man eine Geschichte hat, anschließend kann man die Rechtsschreibung prüfen
    Dazu gibt es auch ein Spiel mit Karten, wo eine Handlung abgebildet ist und die Kinder sollen selber einen Satz bilden, der die Handlung beschreibt
    – Reimen – Reimen hilft zum einen für den Spracherwerb und das Sprachgefühl. Kinder reimen gerne, somit kann man auf spielerische Weise, das Kind fördern.

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  10. Zu Lerneinheit 7:

    Was kann der Junge:

    Das Alphabet
    einfache Wörter kann er verschriftlichen
    gehörtes verschriftlicht er wenn auch sehr fehlerhaft

    Was kann der Junge nicht:

    Groß und Kleinschreibung
    Satzzeichen
    Leerzeichen setzen
    Rechtschreibung
    kann nicht gerade auf der Linie schreiben
    er schreibt spiegelverkehrt.

    Förderung:

    Reime üben
    Silbenklatschen
    Texte schreiben in Form von Diktaten aber auch Texte einfach abschreiben
    Und das wichtigste ist ganz viel lesen am besten ist hierbei am Anfang lautes lesen

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  11. Eine Lernbehinderung ist hierbei auszuschließen. Dies begründe ich damit, dass der Junge in anderen Schulfächern solche Probleme nicht aufweist.
    Der Junge hat eine Türkische Abstammung und es ist wahrscheinlich, dass außerhalb der Schule viel in seiner Muttersprache und wenig deutsch gesprochen wird. Daher ist es nicht verwunderlich, dass er Probleme mit der deutschen Sprach und Schrift vorweist.
    Mein Rat an die Eltern ist zum einen zuhause die deutsche Sprache mehr zu benutzen (falls die Eltern diese beherrschen) und den Jungen in einen Deutsch Förderkurs anzumelden.
    Da der Kaufmann Test anscheinend für Kinder mit Migrationshintergrund nicht gut anwendbar ist, weil dieser nicht auf Kinder mit Migrationshintergrund abgestimmt ist, würde ich an dieser Stelle definitiv empfehlen, nochmal einen anderen Test zu machen.

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  12. Frage: Bin ich der Meinung, dass der Junge lernbehindert ist? Was empfehle ich den Eltern?

    Aufgrund der Beschreibung gehe ich nicht davon aus, dass bei dem 10 jährigen Jungen eine Lernbehinderung vorliegt. Der Junge hat noch keine Klasse wiederholt und bis auf die Defizite in der deutschen Sprache / Rechtsschreibung liegen keine weiteren Defizite vor.
    Das Ergebnis des IQ Testes würde ich an der Stelle auch nicht groß Beachtung schenken, da es sein kann, dass das Ergebnis durch die Sprachdefizite verfälscht sein könnte.
    Kinder die nicht Bilingual aufwachsen, weisen öfter Probleme in der Lese- und Rechtsschreibung auf.
    Eine Lernbehinderung liegt vor, wenn erhebliche Beeinträchtigungen im Lernen, in der Sprache, sowie der emotionalen und sozialen Entwicklung vorliegen. Ein Defizit in der deutschen Sprache, würde ich noch nicht als erhebliche Beeinträchtigung im Lernen beschreiben. Die Defizite in Deutsch sind zwar schon langandauernd, jedoch gehe ich davon aus, dass es die Schwierigkeiten entstanden sind, weil deutsch nicht die Muttersprache des Kindes ist.
    Sollte der Gebrauch der Sprache nachhaltig gestört und mit erheblich subjektiven Störungsbewusstsein, sowie Beeinträchtigungen in der Kommunikation verbunden sein und nicht durch außerschulische Maßnahmen behoben werden können, würde ich ein AOSF verfahren einleiten.
    Deshlab würde ich den Eltern zunächst Raten, mit dem Jungen außschließlich Deutsch zu sprechen. Der Junge soll viel lesen und die Eltern können ihm zusätzlich noch vorlesen. Auch würde ich dem Jugen raten, Diktate zu schreiben.
    Vielleicht wäre es sinnvoll, den Jugen die 4. Klasse wiederholen zu lassen, um ihn so die Chance zu geben, seine deutsch Kenntnisse zu verbessern, bevor er auf eine weiterführenden Schule kommt und so die Wissenslücken noch größer werden und die Gefahr besteht, dass durch die fehlenden deutsch Kenntnisse andere Fächer darunter leiden.

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  13. Kindeswohlgefährdung

    Das Problem besteht darin, dass bei den Mädchen zu Hause von den Eltern illegale Prostitution nachgegangen wird und die Mädchen dies mitbekommen. Sie reden mit den Freiern und hören das Gestöhne. Den Sexakt an sich, sehen Sie nicht, sie wissen aber was in dem Raum passiert.
    Meiner Meinung nach haben Sie als Lehrer richtig gehandelt. Sie haben die Probleme der Mädchen Ernst genommen und haben die Mädchen über das weitere Verfahren informiert und sich quasi die Erlaubnis von den Mädchen eingeholt. Alles wurde schriftlich festgehalten und das Jugendamt wurde ebenfalls kontaktiert, somit haben Sie ihren Job erfüllt.
    Ob das Jugendamt alles getan hat, da bin ich mir unsicher. Wenn ein Gewerbe illegal betrieben wird, könnte das Jugendamt vielleicht die Polizei einschalten und die Daten der Eltern durchgeben. Vielleicht hätte man dadurch mehr erreichen können. Aber da kenn ich mich leider nicht genug aus. Ich hätte jedoch als Jugendamt die Polizei darüber informiert. Als Jugendamt hätte ich auch die Mädchen zu einem Gespräch ins Jugendamt eingeladen, um einzschätzen zu können, ob die Mädchen weiterhin dort wohnen bleiben können, oder ob noch eine andere Möglichkeit besteht, evtl. zu näheren Verwandten zu ziehen, oder in eine Wohngruppe.

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  14. Der Fall Florian:

    Bei Florian liegen einige Entwicklungsdefizite aufgrund seiner Kindheit vor.
    Ich würde Florian nicht auf eine Gesamtschule schicken, da ich mir vorstellen kann, dass er sich mit dem Lernstoff überfordert fühlt. Hinzu kommt noch, dass die Schulklassen auf der Gesamtschule größer sind und die Lehrer nicht alle Kinder gleich gut im Blick behalten können. Ich kann mir vorstellen, dass Florian auf einer Gesamtschule, durch Konflikte und Straftaten, z.B. Belästigung, Körperverletzung auffällt. Die Lehrer an einer Gesamtschule sind auch dahin gehend nicht ausreichend geschult, um Florian bestmöglich zu unterstützen.
    Ich würde daher Florian an einer Förderschule unterbringen, jedoch nicht in eine Klasse für Lernbehinderte. Ich glaube Florian ist dort besser aufgehoben, da der Schulstoff nicht so anspruchsvoll ist, wie Beispielsweise auf der Gesamtschule. Wenn Florian sich unterfordert fühlt, kann man im Nachhinein immer noch über einen Schulwechsel nachdenken.
    Aber am Anfang halte ich eine Förderschule für die bessere Wahl.
    Die Klassen sind überschaubarer, die Lehrer sind besser geschult, im Bezug auf Verhaltensauffällige Kinder und Förderschulen sind flexibler im Umgang mit individuellen Lerneinheiten.
    Ich finde es wichtig, dass bei Florian die Entwicklungsdefizite aufgearbeitet werden, anstatt ein Abitur auf der Gesamtschule zu absolvieren und rein von meinem theoretischen Wissen, denke ich, dass zusätzliche Belastung in der Schule, Florians persönliche Entwicklungen stark beeinträchtigen oder sogar zurückwerfen könnte.

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  15. Das Problem bei Florian ist das fehlende Über-Ich. Hinzu kommt eine Impulskontrollstörung, eine enorme Aggression und eine sexuelle Abnormität. Diese Psychischen Probleme haben sich aus seiner Kindheit heraus entwickelt, welche von Verwahrlosung, Missbrauch und die frühen Tode von seiner Mutter und Schwester gekennzeichnet ist. Daher ist es zunächst im jeden Fall sinnvoll, dass Florina, noch bevor der Schulwechsel erfolgt, sich in Psychische Behandlung begibt. Zusätzlich sollte das Jugendamt eine Fachkraft zur Verfügung stellen, damit Florian jemanden hat, der ihm hilft sich in die Schule zu integrieren. Besonders wichtig wäre es auch daran zu arbeiten, dass Florian sein Über-Ich entwickeln kann denn ohne Moral und Gewissen wird es schwer werden seine Probleme in den Griff zu bekommen.
    Sollte Florian auf eine Gesamtschule kommen, besteht die Problematik, dass Florian durch seine Auffälligkeiten extreme Probleme haben wird Anschluss zu finden. Allerdings wäre es dort für die Förderung seiner Über-Ichs sinnvoller als auf einer Förderschule an der ein Großteil ebenfalls Probleme mit Moral und Gewissen haben.
    Der Besuch einer Förderschule hätte den einzigen Vorteil, dass die Lehrer dort mit Florians Verhalten besser umgehen könnte als ein Lehrer an der Gesamtschule, da Förderschullehrer für den Umgang eines solchen ein Verhaltens ausgebildet sind. Allerdings wird er in einer Klasse mit schwerstbehinderten schnell unterfordert sein. Daher sollte, falls es auf eine Förderschule kommt, darauf geachtet werden, dass er in eine Klasse mir Schülern kommt, die ähnliche kognitive Stärken vorweisen wie Florian.
    Theoretisch würde ich eine Gesamtschule empfehlen. Ich sehe nur das Problem das Florian dort nicht die Chance bekommt, sich weiterzuentwickeln. Was zu Folge hat, dass Florian schnell von dieser Schulform auf eine Förderschule kommen wird, da es für das Lehrpersonal zu viel Arbeit sein wird Florian zu Integrieren und er von den Lehrpersonal wahrscheinlich als zu auffällig und störend eingestuft wird.

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