Probeklausur Diagnostik WS 18/19



Nach erfolgreichem Studium an der EvH Bochum werden Sie rasch Mitarbeiter/in des Landesjugendamtes Bayern. Dort sollen Sie die Richtlinien überarbeiten, an denen sich die kommunalen Jugendämter bei ihren Entscheidungen zur Legasthenieförderung orientieren.


Die bisherigen Richtlinien stützen sich auf das Konzept der auch in der wissenschaftlichen Diskussion weit verbreiteten Diskrepanzdiagnose (Legasthenie als Diskrepanz zwischen Lese/Rechtschreibentwicklung einerseits und Intelligenzentwicklung andererseits). Kinder mit allgemeiner Intelligenzminderung (IQ zwischen 84 und 70) gelten allerdings pauschal als „lernbehindert“, auch wenn die Rechtschreibleistung diskrepant ist. Eine Legasthenieförderung ist hier aus Sicht des Landesjugendamtes nicht erforderlich, weil lernbehinderte Kinder ja bereits Hilfen im Rahmen sonderpädagogischer Förderung erhalten (in den Förderschulen oder im Rahmen inklusiver Maßnahmen). Dass Kinder mit einem IQ zwischen 84 und 70 nicht als Legastheniker eingestuft werden können, widerspricht zwar Positionen von einigen Vertreter/innen der wissenschaftlichen Diskussion. Die Leitung hat ihnen aber bedeutet, dass keinerlei Aussichten bestehen, diese Regelung zu kippen. Es sei schlicht nicht genug Geld da, um (auch) die Legasthenie-Therapie lernbehinderter Kinder zu finanzieren.


Im folgenden Abschnitt wird die sich auf die Testung der Intelligenz beziehende alte Passage zitiert. Natürlich gibt es in anderen Bereichen umfangreiche andere Regelungen, die hier aus Zeitgründen aber nicht wiedergegeben werden.


Die alten Richtlinien formulieren: Unverzichtbar sind Angaben zur Intelligenzentwicklung. Dazu muss im Gutachten das verwendete Verfahren genannt werden. Als geeignete Verfahren bieten sich an: WISC-V, Kaufmann Intelligenztest für Kinder (KABC-R), CFT1 und CFT20-R. Liegen die Testwerte beim CFT1 bzw. CFT20-R im unteren Durchschnittsbereich (IQ 85 bis 95), so empfiehlt sich eine Überprüfung mit der revidierten Fassung des Kaufmann Intelligenztest für Kinder bzw. mit dem HAWIK-R, um eine allgemeine Intelligenzminderung auszuschließen.


Bitte beantworten Sie folgende Fragen:


1. Erkennen Sie in der zitierten Passage zur Intelligenztestung ein Problem oder ggf. auch mehrere Probleme?

2. Worin besteht das Problem / ggf. worin bestehen die Probleme?

3. Was schlagen Sie vor, um das Problem/die Probleme in den neuen Richtlinien zu umgehen?

Während der Online-Zeit des Seminars (2.1.19, 8.30-10.00 Uhr) bin ich per Mail zu erreichen. Sie können mir Fragen stellen. Es besteht auch die Möglichkeit, dass Sie Fragen/Antworten/Kommentare von mir hochladen lassen. Dies kann unter Nennung Ihres Namens, unter Nennung eines Pseudonyms oder völlig ohne Namensnennung geschehen (Ein/e Studierende/r des Seminars schreibt: ....). Wenn Sie mir das Ergebnis am Tag der Onlinesitzung per E-Mail-Anhang zukommen lassen, erhalten Sie eine individuelle Reaktion. In der ersten analogen Sitzung des Jahres (7.1./9.1.) wird die Probeklausur gemeinsam ausgewertet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Prof. Dr. Johannes Mandhomeimpressum  / lehrveranstaltungen / datenschutz-verordnung /