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 LRS Foerderung fuer Migrantenkinder

Lese/Rechtschreibförderung für Migrantenkinder. Stuttgart, Kohlhammer 2012

Zur Wirksamkeit von Fördermethoden

Welche Methoden erweisen sich als wirksam in der pädagogisch/therapeutischen Arbeit mit Migrantenkindern?

Es ist noch vergleichsweise früh, um Aussagen über die Effekte von Fördermethoden zu machen. Denn: Wie Kinder Lese/Rechtschreibkenntnisse in ihrer zweiten Sprache erwerben können, ist längst noch nicht ausreichend erforscht. Die in dem hier vorgestellten Buch ausgesprochenen Empfehlungen haben also in Teilen eine kleine empirische Basis. Und viele Zusammenhänge sind noch nicht ausreichend verstanden.

Einigermaßen klar ist aber zunächst, dass die Kenntnisse der zweiten Sprache um so besser ausfallen, je früher und je umfangreicher bilinguale Kinder mit ihrer zweiten Sprache in Kontakt kommen. Wer Bilingualität anstrebt, sollte dabei darauf achten, dass der Anteil des Kontakts mit der ersten Sprache nicht unter 50 % fällt.  

Die Vorstellung, dass man mit Förderung der ersten Sprache auch positive Effekte auf die Entwicklung der zweiten Sprache erreichen kann, ist nach inzwischen mehr als drei Jahrzehnten Forschung noch immer nicht ausreichend belegt. Die meisten Studien, auf die sich Anhänger bilingualer Unterrichtsmodelle berufen, weisen inzwischen ein beachtliches Alter auf. Viele Studien arbeiten zudem mit ganz erheblichen Methodenfehlern. Und die wenigen einigermaßen belastbaren Untersuchungen erreichen nur überschaubare Effektstärken. Bilingualer Unterricht mag also hilfreich sein, wenn man Bilingualität fördern will. Eine gute Methode zur Förderung der zweiten Sprache ist dies aber nicht.

Was funktioniert? 

Vergleichsweise deutliche Effekte lassen sich im Bereich der phonologischen Bewusstheit erzielen (also der Fähigkeit, mit Lauten der gesprochenen Sprache umzugehen, also z. B.  reimen, Laute heraushören, Laute verändern, Wörter aus Lauten zusammensetzen). Die Förderung der phonologischen Bewusstheit ist nicht nur hilfreich für die monilingualen Kinder aus sozialen Randgruppen. Sie ist hilfreich auch für die Lese/Schreibentwicklung von Migrantenkindern. 

Auch die Wortschatzarbeit hat gute Effekte. Die aktuellen Studien zeigen: Vor allem die Bilderbucharbeit und das Vorlesen (in der zweiten Sprache) haben positive Auswirkungen auf die Wortschatzentwicklung bilingualer Kinder. Hier ergeben sich also wichtige Aufgaben für die Kitas mit hohen Anteilen bilingiualer Kinder.

In schulischen Zusammenhängen ist die Forschunglage weniger gut. Die Brennpunktstudie des hier vorgestellten Buches verweist aber darauf, dass bilinguale Kinder, die in Deutsch alphabetisiert werden, von Angeboten zum phonetischen Schreiben wohl in erheblichem Umfang profitieren können. Lässt man bilinguale Kinder in den ersten Monaten nach der Einschulung so schreiben, wie sie sprechen, so führt dies zwar für einige Monate auch zu je nach erster Sprache typischen Rechtschreibfehlern. Aber langfristig fallen die Lernerfolge überzeugend aus. Die ganz überwiegenden Anteile der untersuchten Kinder entwickeln trotz der anfänglichen Fehler angemessene Rechtschreibkenntnisse. Phonetisches Schreiben ist eine Methode, die Kindern die Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben erwerben lässt (Graphem-Phonem-Korrespondenzregeln). Und es macht Sinn, bei bilingualen Kinder diese Methode einzusetzen.

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