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 LRS Foerderung fuer Migrantenkinder
Warum sind Migrantenkinder in der Förderschule Lernen so deutlich überrepräsentiert?

Dass vor allem Kinder aus armen Familien deutsche Förderschulen besuchen, ist inzwischen seit mehr als 40 Jahren bekannt. Weil Migrantenkinder häufig aus armen Familien stammen, sind die hohen Anteile in der Förderschule Lernen zunächst einmal nicht besonders überraschend. Dieser Effekt wird aber durch den Einsatzes unfairer Testverfahren deutlich verstärkt.

Dies betrifft zunächst die meisten Lese/Rechtschreibtests. Die meisten Verfahren verwenden keine Normen für Migrantenkinder oder gar Normen zumindest für die häufigsten ersten Sprachen. Migrantenkinder mit den Normen für deutschsprachige Kinder zu vergleichen ist nicht nur wenig fair, sondern widerspricht zudem wichtigen Regeln der diagnostischen Arbeit. Denn nicht deutsch sprechen zu können, kann man beim besten Willen nicht als Merkmal einer "Lernbehinderung" verstehen.

Ein zweites Problem entsteht durch den Einsatz von Intelligenztestverfahren, in denen Migrantenkindern systematisch benachteiligt werden. 

Dazu muss man wissen, dass Intelligenztests eingesetzt werden, um Lernbehinderungen zu diagnostieren (niedrige Intelligenz, schlechte Schulleistungen). Und Intelligenztests werden eingesetzt, um Legasthenie zu diagnostizieren (schlechte Leistungen im Lesen/Rechtschreiben – diskrepanter, d.h. normalerweise zumindest durchschnittlicher IQ).

Viele Laien schenken dabei den Beteuerungen der Testverlage Glauben, dass Intelligenztests objektiv die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Menschen messen.

Das Problem: Die kulturvergleichende Intelligenzforschung der letzten Jahre zeigt ziemlich überzeugend: Intelligenztest sind nicht in der Lage, auch nur einigermaßen valide Aussagen über die intellektuelle Leistungsfähigkeit von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen zu machen. Richtig ist vielmehr: Genderfaktoren,  soziale und kulturelle Variablen haben in fast allen einschlägigen Studien einen erheblichen Einfluss. 

Was bedeuten die Befunde der kulturvergleichenden Intelligenzforschung dieses Jahrhunderts für Aussagen über die Konstruktion von Intelligenztests? 

Zu diesen Problemen kommen wirklich bedeutsame Unterschiede zwischen einzelnen Testverfahren hinzu. Es gibt also Tests, die Migrantenkindern besonders deutlich benachteiligen (z. B. der Kaufmann Intelligenztests für Kinder oder die Wechsler Skalen / in Deutschland: HAWIK) und es gibt solche, in denen die Auswirkungen nicht ganz so drastisch ausfallen (z. B. der CFT). Der Unterschied beträgt in der kulturvergleichenden Forschung bis zu 13 IQ Punkte, und dies ist ein Wert, der in Deutschland häufig zwischen Regelschule und Sonderschule oder über die Bewilligung von Mitteln für die Legasthenietherapie entscheidet.

Die Implikationen dieser Befunde sind von erheblicher Bedeutung für die diagnostische Arbeit. Eigentlich bedeuten dies Befunde: Man kann mit den meisten Instrumenten nicht arbeiten, wenn die zu beurteilenden Menschen Migrationshiuntergrund aufweisen.

Damit gilt in der diagnostischen Arbeit:
 
der beteiligt sich aktiv an der Diskriminierung von Migranten.

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